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„Reiki“ in Kanji-Schreibweise

Reiki [.mw-parser-output .IPA a{text-decoration:none}reːki] (jap. レイキ/霊気, dt. etwa „spirituelles/geistiges Qi“) ist ein Kunstwort, das von Usui Mikao aus den japanischen Wörtern rei (Geist, Seele) und ki (Lebensenergie) gebildet wurde und in der Regel in westlichen Publikationen als „universelle oder universale Lebensenergie“ übersetzt wird. Reiki wird als eine „Energie“ postuliert, die in allem, was lebt, vorhanden sein soll. Das Ki im Wort Reiki entspricht konzeptuell in etwa dem chinesischen Qi (Chi) und dem hinduistischen Prana. Im allgemeinen Sprachgebrauch umfasst der Begriff Reiki diese „Energie“, die Reiki-Behandlung und die Reiki-Ausbildung.[1]

Das postulierte Konzept ist aus Sicht der Wissenschaft nicht plausibel. Im Hinblick auf die Heilung von Krankheiten durch Reiki konnte trotz zahlreicher Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen keine gesundheitsbeeinflussende Wirkung belegt werden:[2] In klinischen Studien, mit denen die Wirksamkeit belegt werden sollte, zeigte sich entweder kein positiver Effekt oder es wurden entscheidende methodische Schwächen gefunden.[3]

Inhaltsverzeichnis

1 Konzept
2 Geschichte
3 Ausbildung und Einweihung
4 Reiki-Lebensregeln
5 Ausübung

5.1 Technik
5.2 Kosten

6 Wissenschaftliche Studien
7 Weblinks
8 Einzelnachweise

Konzept

Reiki ist ein esoterisches Konzept, nach dem durch Auflegen der Hände und eine spezielle Symbolarbeit Einfluss auf die Gesundheit eines so behandelten Individuums genommen werden soll.[1] Reiki ist eine von vielen Formen der sogenannten „Energiearbeit“ und der Techniken des Handauflegens. Es gibt sowohl die Möglichkeit der Reiki-Selbstbehandlung als auch die Behandlung einer anderen Person. Der Behandelnde sorgt zu Beginn für eine gute Durchblutung seiner Hände, die dadurch beim Auflegen eine erhöhte Wärmeausstrahlung haben, die während der Behandlung noch zunimmt. Ähnlich wie bei einer Infrarot-Behandlung dringt die Wärmestrahlung der Hände in die Gewebe ein. Usui Mikao entwickelte hierfür eine Methode betreffend die Reihenfolge, in der die Hände auf verschiedene Körperregionen aufgelegt werden, wobei auch die Chakren besondere Berücksichtigung finden.

Es gibt unterschiedliche Systeme, nach denen Reiki gelehrt wird: In Japan, dem Ursprungsland, gibt es aufgrund des dortigen kulturellen und religiösen Hintergrundes eine grundsätzlich andere Sicht- und Herangehensweise als im Westen. Der wesentliche Unterschied ist, dass das Erreichen körperlicher und geistiger Gesundheit lediglich ein Zwischenziel bilden soll und das Ziel die Erleuchtung (Satori) darstellt.[4][5] Aber auch im Westen gibt es unterschiedliche Reikisysteme. Die Unterschiede bestehen im Wesentlichen in der Anzahl der „Einweihungen“ während der Ausbildung.[6][7]

Geschichte

Usui Mikao (1865–1926)

Reiki wurde von dem Japaner Usui Mikao begründet. Usuis ursprüngliche Lehre nannte sich Usui Reiki Ryōhō (臼井靈氣療法).[4][5][8] Das genaue Datum der Entstehung ist nicht bekannt. Fest steht, dass Usui Mikao 1921 eine Reiki-Klinik in Tokyo eröffnete.[6]

Auch die Art der Entstehung ist nicht genau bekannt. Nach der Inschrift auf der Grabstätte von Usui Mikao wurde ihm nach einer 21-tägigen Fastenkur auf dem Berg Kurama, einem Berg nördlich von Kyoto, durch eine Vision das Wissen um Reiki zuteil.[6][5] Seitdem wird Reiki vom Lehrer zum Schüler weitergegeben. Usui Mikao bildete u. a. Chujiro Hayashi als Reiki-Meister oder Reiki-Lehrer aus. Chujiro Hayashi hat u. a. die Hawaii-Amerikanerin Hawayo Takata als Reiki-Meisterin und Reiki-Lehrerin ausgebildet, diese wiederum u. a. die Amerikanerin Mary McFadyen.[1][6][8]

Hawayo Takata war die erste Reiki-Meisterin außerhalb von Japan. Sie hat insgesamt 22 weitere Reiki-Meister und -lehrer ausgebildet, die meisten nicht aus Japan. Fast alle Praktizierenden außerhalb Japans stammen deshalb aus der Einweihungslinie Usui-Hayashi-Takata.[1][6][8] 1981 wurde Reiki von der in den Vereinigten Staaten lebenden Mary McFadyen über Deutschland nach Europa gebracht.[1][6][8]

Das japanische Reiki wird heute in Japan in Abgrenzung zur westlichen Variante auch „(Japanisches) Traditionelles Reiki“ ((日本)伝統靈氣/(日本)伝統式レイキ, (Nihon) dentō-shiki reiki) genannt. Die im Westen verbreitete Variante wird als „Reiki Westlicher Art“ (西洋式レイキ, seiyō-shiki reiki) bezeichnet.[4]

Ausbildung und Einweihung

Die Ausbildung erfolgt in aufeinander aufbauenden Stufen. Diese Stufen werden Grade genannt. Jede Ausbildungsstufe beginnt mit einer Einweihung. Unter Einweihung versteht man ein Ritual, mit dem ein Lehrer den Schüler befähigt, Reiki zu geben oder die Reiki-Symbole zu benutzen.[1][6][7][8]

Praktizierende sehen sich als Kanal für die Energie und gehen davon aus, dass durch die Einweihung der Kanal in ihnen geöffnet wird, bzw. bei höheren Graden auf die Reiki-Symbole eingestimmt wird. Ohne diese Einweihung sei der Kanal nicht geöffnet, auch entfalten die Symbole ohne Einweihung nicht ihre Wirkung.[1][6][7][8]

Traditionell gibt es bis zur Lehrerausbildung drei bis vier Grade:

Erster Grad: Öffnung des Reiki-Kanals
Zweiter Grad: Einführung dreier Reiki-Symbole
Dritter Grad (Meistergrad): Einweihung auf das “Meistersymbol”
Vierter Grad (Lehrergrad): befähigt dazu, andere Menschen einzuweihen.[1][6][8]

Ursprünglich wurden der Meistergrad und der Lehrergrad zusammen erworben. Viele Reiki-Lehrer handhaben das auch heute noch so. Für jeden Reiki-Grad werden ein bis vier Einweihungen gegeben.[1][6][8]

Reiki-Lebensregeln

Die Essenzen der Lebensprinzipien von Usui werden als die fünf Konzepte, die fünf Prinzipien oder die fünf Lebensregeln benannt und während der Reiki-Ausbildung gelehrt. Der Text stammt aus den hinterlassenen Aufzeichnungen von Usui.[5] Der kursiv gedruckte Teil sind die Lebensregeln, wie sie sinngemäß im Westen gelehrt werden.[1][6][7][8]

Kanji (japanisch)
Lesung
Deutsch

招福の秘法
萬病の靈薬

今日丈けは
怒るな
心配すな
感謝して
業をはけめ
人に親切に
朝夕合掌して心に念じ
口に唱へよ

心身改善
臼井靈気療法
肇祖
臼井甕男

Shōfuku no hihō
Mambyō no reiyaku

Kyō dake wa
Ikaruna
Shimpai suna
Kansha shite
Gyō o hakeme
Hito ni shinsetsu ni
Asayū gasshō shite kokoro ni nenji
Kuchi ni tonae yo

Shinshin kaizen
Usui Reiki Ryōhō
Chōso
Usui Mikao

Die geheime Kunst, das Glück einzuladen.
Die wunderbare Medizin für alle Krankheiten.

Wenigstens heute
ärgere Dich nicht,
sorge Dich nicht,
sei dankbar,
arbeite eifrig,
sei freundlich zu allen.
Jeden Morgen und Abend falte die Hände, bete von Herzen und
rufe ihn (Buddha) laut an.

Zur Verbesserung von Geist und Körper.
Usui Reiki Ryōhō
Der Gründer
Usui Mikao

Ausübung

Reiki-Kanji in Vorkriegs-Schreibweise

Reiki-Praktizierende gehen davon aus, dass sie, wie bei anderen Formen der “Energiearbeit”, nicht mit ihrer eigenen Energie arbeiten. Nach der Einweihung durch einen Lehrer sehen sie sich als Kanal für die Reiki-Energie. Da sie nicht mit ihrer eigenen Energie arbeiten, können sie auch sich selbst behandeln. Auch Tiere und Pflanzen können nach ihrer Ansicht behandelt werden.[1][5][6][7][8]

Anwender gehen weiterhin davon aus, dass Reiki als Lebensenergie niemals schaden kann. Ziel der Anwendung ist die körperliche, geistige, seelische und soziale Gesundheit, die Stärkung der Selbstheilungskräfte und die Überwindung von Krankheiten.[1][5][6][7][8]

Reiki ersetzt jedoch keinen Arzt, keine Medikamente oder verordnete Therapien, es kann aber neben jeder medizinischen oder alternativmedizinischen Behandlung angewandt werden.[9]

Praktizierende gehen davon aus, dass Reiki bei der Behandlung dorthin fließt, wo es benötigt wird, und eine Diagnose deshalb für die Behandlung nicht erforderlich ist. Eine Diagnose wird durch die Behandlung auch nicht gestellt.[1][5][6][7][8]

Technik

Die Reiki-Behandlung erfolgt üblicherweise durch Auflegen der Hände. Einige Behandler bevorzugen es aber auch, die Hände einige Zentimeter über dem Körper des Behandelten zu halten.[1][5][6][7][8] Usui hat detaillierte Aufzeichnungen über die Reiki-Behandlung hinterlassen. Danach kann die Reiki-Behandlung auch durch Massieren, Beklopfen, Streicheln u. a. der erkrankten Körperstelle erfolgen.[5]

Chujiro Hayashi hat zwölf Handpositionen für eine Vollbehandlung entwickelt, die nach den Bedürfnissen des Behandelten ergänzt wird.[8] Dieses Behandlungsschema ist auch heute noch üblich. Der Behandler kann es aber seiner Erfahrung und Intuition entsprechend verändern. Daneben gibt es Übereinkünfte über eine Kurzbehandlung, die auch im Sitzen durchgeführt werden kann.[1][5][6][7][8]

Kosten

Es gibt weder für die Behandlung noch für die Ausbildung eine feste Gebührenordnung.

Die Kosten für eine Behandlung liegen in günstigen Fällen bei denen einer Massage, gehen gelegentlich aber auch weit darüber hinaus. Sie werden aufgrund der nicht nachgewiesenen Wirksamkeit in Deutschland nicht von der Krankenkasse übernommen. In der Schweiz hingegen besteht die Möglichkeit über Zusatzversicherungen eine Kostenbeteiligung der Krankenkassen zu erhalten, sofern der Ausübende von EMR (Erfahrungsmedizinisches Register) oder ASCA (Schweizerische Stiftung für Komplementärmedizin) anerkannt wurde.[10]

Die Kosten der Ausbildung, die in der Regel in Wochenendseminaren erfolgt, können sehr unterschiedlich sein. Die Ausbildungs- und Einweihungsordnung ist hierarchisch.

Wissenschaftliche Studien

Zur Wirksamkeit von Reiki im Hinblick auf die Heilung von Krankheiten gibt es zahlreiche Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen. Ein Beleg für eine über den Placebo-Effekt hinausgehende Wirksamkeit wurde dabei nicht gefunden.[2] In klinischen Studien, mit denen die Wirksamkeit belegt werden sollte, zeigte sich entweder kein positiver Effekt oder es wurden entscheidende methodische Schwächen gefunden.[3]

Assefi et al. zeigten 2010 in einer randomisierten, placebo-kontrollierten Studie mit 100 an Fibromyalgie erkrankten Teilnehmern, dass es keinen Unterschied ergibt, ob die Patienten von einem Reiki-Therapeuten behandelt wurden oder von einem Schauspieler, der sich als Therapeut ausgab.[11]

Weblinks

 Commons: Reiki – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Reiki – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Alternative Therapies in Health and Medicine (PDF; 703 kB) Review-Artikel über bisherige Reiki-Studien (englisch)
National Council against Health Fraud über Reiki (engl.)

Einzelnachweise

↑ a b c d e f g h i j k l m n o Shalila Sharamon, Bodo J. Baginski: Reiki. 13. Auflage, Synthesius Verlag, Essen 1994, ISBN 3-922026-35-4.

↑ a b M. S. Lee, M. H. Pittler, E. Ernst: Effects of reiki in clinical practice: a systematic review of randomised clinical trials. In: The International Journal of Clinical Practice. Vol. 62, Nr. 6, Juni 2008, S. 947–954, doi:10.1111/j.1742-1241.2008.01729.x, PMID 18410352. 

↑ a b Sondra vanderVaart, Violette M. Gijsen, Saskia N. de Wildt, Gideon Koren: A systematic review of the therapeutic effects of Reiki. In: The Journal of Alternative and Complementary Medicine. Vol. 15, Nr. 11, November 2009, S. 1157–1169, PMID 19922247. 

↑ a b c Japanischer Reiki-Verband Abgerufen am 19. September 2013, (japanisch).

↑ a b c d e f g h i j Frank A. Petter: Original Reiki-Handbuch des Dr. Mikao Usui. 9. Auflage, Windpferd Verlagsgesellschaft mbH, Oberstdorf 2010, ISBN 978-3-89385-320-5

↑ a b c d e f g h i j k l m n o p Mary McFayden: Die Heilkraft des Reiki. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg 2000, ISBN 3-499-60781-6.

↑ a b c d e f g h i Barbara Simonsohn: Das Authentische Reiki. Wilhelm Goldmann Verlag, München 2001, ISBN 3-442-14210-5.

↑ a b c d e f g h i j k l m n o Fran Brown: Reiki Leben. Synthesis Verlag, Essen 1993, ISBN 3-922026-71-0.

↑ Reiki-Verband-Deutschland e. V., Was ist Reiki? Abgerufen am 26. September 2013.

Reiki. EMR

↑ Nassim Assefi, Andy Bogart, Jack Goldberg, Dedra Buchwald: Reiki for the Treatment of Fibromyalgia: A Randomized Controlled Trial. In: The Journal of Alternative and Complementary Medicine. Vol. 16, Nr. 11, November 2010, S. 1191–1200, doi:10.1089/acm.2008.0068, PMID 18991519. 

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4197869-9 (OGND, AKS)

Abgerufen von „https://de..org/w/index.php?title=Reiki&oldid=188028282“

Kategorie: Esoterik

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Die Energietechnik ist eine Ingenieurwissenschaft, die sich interdisziplinär mit dem Thema Energie befasst. Hauptinhalte sind die Technologien zur effizienten, sicheren, umweltschonenden und wirtschaftlichen Gewinnung, Umwandlung, Transport, Speicherung und Nutzung von Energie in all ihren Formen. Im Mittelpunkt steht dabei das Bestreben, eine hohe Ausbeute an Nutzenergie zu erreichen, d. h. den Wirkungsgrad zu maximieren und gleichzeitig die negativen Begleiterscheinungen auf Mensch, Natur und Umwelt zu minimieren.

Aufgrund der überragenden Bedeutung, die Energie für den Menschen und seine Umwelt hat, kommt auch der Energietechnik hohe Bedeutung zu. Die Nutzung der knappen Ressourcen für die Energienutzung war und ist oft Grund für politische Konflikte oder gar Kriege. Die Ausbeutung dieser Ressourcen hat negative Konsequenzen für Umwelt und Natur, von lokaler Störung von Ökosystemen bis hin zum globalen Klimawandel. Die Energietechnik ist daher eng verzahnt mit der Energiewirtschaft, der Energiepolitik und dem Umweltschutz.

Inhaltsverzeichnis

1 Abgrenzung zu Nachbargebieten
2 Fachgebiete der Energietechnik

2.1 Kraftwerkstechnik
2.2 Elektrische Energietechnik
2.3 Thermodynamik
2.4 Energieverfahrenstechnik
2.5 Energiemaschinenbau
2.6 Kerntechnik
2.7 Nachhaltige Energietechnik

3 Ausbildung und Studium
4 Siehe auch
5 Quellen
6 Weblinks

Abgrenzung zu Nachbargebieten

Als interdisziplinäre Wissenschaft ist die Energietechnik u. a. mit den folgenden benachbarten Fachgebieten eng verbunden:

Physik (physikalische Grundlagen, Thermodynamik und Kernphysik)
Chemie (Brennstoffe, Verbrennung und Techniken der Luftreinhaltung und Rauchgasreinigung, bei Batterien und Brennstoffzellen)
Elektrotechnik (elektrische Energietechnik)
Maschinenbau bei den energietechnischen Maschinen, insbesondere Fluidenergiemaschinen (Verbrennungsmaschinen, Turbinen, Pumpen und Verdichter)
Verfahrenstechnik (Verfahren und Apparate, insbesondere Feuerungen)
Geowissenschaften (Erdwärmenutzung (Geothermie))
Bergbau, Montanwesen, Petrochemie (fossile Brennstoffe (Kohle, Erdöl, Erdgas, …))
Land- und Forstwirtschaft (biogene Brennstoffe und nachwachsende Energierohstoffe)
Meteorologie (Windenergie und Solarenergie)
Wasserwirtschaft und Wasserbau (Nutzung der Wasserkraft)
Abfallwirtschaft und Entsorgungstechnik (energetische Reststoffnutzung)
Verkehrswesen (energiesparende Verkehrsmittelantriebe)
Umwelttechnik, Umweltschutz, Naturschutz, Klimaschutz (Minderung der negativen Begleiterscheinungen der Energietechnik auf die Umwelt)

Fachgebiete der Energietechnik

Die Energietechnik kann grob in die folgenden Fachgebiete unterteilt werden, wobei die Grenzen häufig nicht scharf zu ziehen sind:

Kraftwerkstechnik

Aufbau eines Dampfkraftwerkes
→ Hauptartikel: Kraftwerkstechnik, Stromerzeugung

Die Kraftwerkstechnik nimmt eine Sonderstellung innerhalb der Energietechnik ein, denn dieser Begriff ist recht unspezifisch und eher als Oberbegriff zu sehen.

Allgemein wird unter Kraftwerkstechnik die gesamte Technik zur Stromerzeugung in jeder Art von Kraftwerk verstanden. Dies umfasst ein fast ebenso breites Feld wie die Energietechnik als ganzes.

Im spezielleren wird unter Kraftwerkstechnik traditionell die Technik von klassischen, befeuerten Dampfkraftwerken verstanden, mit Schwerpunkt auf Feuerung, Dampfkessel und Turbosatz. Auch dieses eingeschränktere Feld umfasst aber immer noch zahlreiche der unten genannten Fachgebiete.

Elektrische Energietechnik

Hochspannungsleitungen für den Transport elektrischer Energie

Die elektrische Energietechnik ist ein relativ isoliertes Teilgebiet innerhalb der Energietechnik, das hauptsächlich von Seiten der Elektrotechnik abgedeckt wird.

Die elektrische Energietechnik beschäftigt sich mit der Erzeugung und Nutzung von elektrischer Energie (umgangssprachlich Strom oder Elektrizität), sowie deren Umwandlung und Verteilung in Hochspannungsverbundnetzen.

Hauptinhalte sind (jeweils insbesondere für Hochspannung):

Elektrische Maschinen (Generatoren, Elektromotoren und Transformatoren)
Schaltanlagen, Umspannwerke und Trafostationen
Elektrische Leitungen (Freileitungen und Kabel)
Lastmanagement und Kraftwerksmanagement in Verbundnetzen
Leistungselektronik (Umrichter)
Elektrowärme (Elektroheizung)

Thermodynamik

→ Hauptartikel: Thermodynamik

Die Thermodynamik (Wärmelehre) behandelt die grundlegenden Gesetze der Energieumformung, nach denen die Energieverfahrenstechnik und der Fluidenergiemaschinenbau arbeiten. Diese theoretische Wissenschaft ist ein Teilgebiet der klassischen Physik.

Energieverfahrenstechnik

Rostfeuerung

Die Energieverfahrenstechnik ist ein Fachgebiet aus der Verfahrenstechnik, eng verzahnt mit der Chemie und der Umwelttechnik. Im Vordergrund stehen hier die thermischen und chemischen Prozesse der Energieumwandlung.

Wärmetechnik
Hauptartikel: Wärmetechnik

Die Wärmetechnik behandelt im weitesten Sinne alle Prozesse rund um die Wärme: Ihre Gewinnung / Erzeugung, ihre Übertragung und ihre Nutzung. Dieser recht weit gefasste Begriff wird manchmal gleichgesetzt mit der Thermodynamik und auch als Oberbegriff der Energieverfahrenstechnik verwendet, der Feuerungstechnik etc. mit einschließt.

Feuerungstechnik
Hauptartikel: Feuerungstechnik

Die Feuerungstechnik behandelt Konstruktion, Betrieb und Optimierung von Feuerungen aller Art (Brenner, Rostfeuerungen, Wirbelschichtfeuerungen, Müllverbrennungsanlagen, …) mit Blick auf den energetischen Wirkungsgrad, die schadstoffarme Verbrennung und die Betriebssicherheit.

Brennstofftechnik
Hauptartikel: Brennstofftechnik

Die Brennstofftechnik behandelt die Gewinnung, die mechanische, thermische und chemische Aufbereitung und Veredelung von Brennstoffen aller Art mit Blick auf eine wirtschaftliche und umweltschonende Verbrennung. Je nach Herkunft der Brennstoffe arbeitet die Verfahrenstechnik hier mit sehr unterschiedlichen Partnern: Bei den fossilen Brennstoffen mit Spezialisten aus Bergbau und Montanwesen; bei den biogenen Brennstoffen mit der Agrartechnik; bei der thermischen Nutzung von Reststoffen und Sekundärbrennstoffen mit der Entsorgungstechnik.

Abgasreinigungstechnik
Hauptartikel: Abgasreinigung

Die Abgas- bzw. Rauchgasreinigungstechnik ist ein Fachgebiet, das sich zum Ziel gesetzt hat, die aus einer Verbrennung kommenden Abgase bzw. Rauchgase so weit wie möglich von Luftschadstoffe zu befreien. Hierbei werden verschiedene mechanische, thermische und chemische Reinigungsverfahren angewendet. Die Abgasreinigungstechnik ist ein klassisches Betätigungsfeld der Verfahrenstechnik und der Chemietechnik.

Kessel- und Energieapparatebau

Der energietechnische Kessel- und Apparatebau beschäftigt sich mit Auslegung, Konstruktion und Betrieb von Dampfkesseln und anderen wärmetechnischen Apparaten wie Wärmetauschern, Kondensatoren etc. In diesem Bereich fließen die Kenntnisse aus den Bereichen der Wärme- und Feuerungstechnik zusammen mit denen aus Konstruktionslehre, Technischer Mechanik (Festigkeits- und Druckbehälterberechnung) und Werkstoffkunde.

Gebäudeheiztechnik

Die Gebäudeheiztechnik ist ein Sondergebiet der Energietechnik innerhalb der Gebäudetechnik. Die behandelten Prozesse sind dabei grundsätzlich dieselben wie in den o. g. Fachgebieten (Wärmetechnik, Kesselbau, …), jedoch eine Größendimension kleiner als in der großtechnisch-industriellen Anwendung, optimiert für den häuslichen Bereich.

Energiemaschinenbau

Dampfturbinen-Turbosatz

Der Energiemaschinenbau ist ein Fachgebiet des Maschinenbaus, das sich mit Auslegung, Konstruktion, Bau und Betrieb von Maschinen beschäftigt, die der Energiewandlung dienen. Dies sind vor allem die Fluidenergiemaschinen, also Verbrennungsmotoren, Turbinen, Pumpen, Gebläse etc. Aufgrund hoher thermischer und mechanischer Belastungen bei gleichzeitig hohen Anforderungen an die Betriebssicherheit gehören solche Maschinen zu den Herausforderungen für den Maschinenbau.

Strömungsmaschinenbau

Strömungsmaschinen sind sowohl als Kraftmaschine (Turbine) als auch als Arbeitsmaschine (Pumpe) außerordentlich bedeutsam für die Energietechnik. Dampf-, Gas-, Wasser- und Windturbinen erzeugen den Löwenanteil der weltweit erzeugten elektrischen Energie. Pumpen, Gebläse und Verdichter sind ebenfalls aus den meisten Kraftwerken nicht wegzudenken, sei es für die Zuführung von Verbrennungsluft zu einer Feuerung, als Speisewasserpumpe für einen Dampfkessel oder als Turboverdichter vor einer Gasturbine.

Motorenbau

Kolben-Verbrennungsmotoren sind als Antrieb für Verkehrsmittel aber auch für die Stromerzeugung in BHKWs und Stromaggregaten bedeutende Energieverbraucher.

Kerntechnik

Kernkraftwerk Unterweser

Die Kerntechnik, auch Nukleartechnik genannt, beschäftigt sich mit den speziellen Technologien, die für die Energieerzeugung aus Kernenergie benötigt werden. Hierzu gehören vor allem die Reaktortechnik, die den Kernreaktor, das Herzstück eines jeden Kernkraftwerkes, behandelt, aber auch die sonstige, hochspezielle Technik eines solchen Kraftwerkes. Weiterhin zählen zur Nukleartechnik die Technologien für die Aufbereitung kerntechnischer Brennstoffe und für die Aufbereitung und Entsorgung radioaktiver Abfälle. Hierbei arbeitet die Energietechnik eng mit den Spezialisten aus Kernphysik, Kernchemie und Strahlenschutz zusammen.

In Deutschland ist diese Technik aufgrund politischer Diskussionen und angesichts des beschlossenen Atomausstieges ein vom Aussterben bedrohtes Fachgebiet; global gesehen jedoch von anhaltend hoher Bedeutung.

Ein Sondergebiet innerhalb der Kerntechnik ist die Kernfusion, ein Spezialgebiet der Kernphysik. In diese Technologie werden für die Zukunft hohe Erwartungen gesetzt; derzeit befindet sie sich aber noch im Forschungs- und Entwicklungsstadium.

Nachhaltige Energietechnik

Vor allem wegen der in der Einleitung genannten besonderen Bedeutung der Energietechnik für Umwelt, Weltklima und die Zukunft der Menschheit besteht ein starkes Interesse an der Nutzung regenerativer Energiequellen, so dass sich dieser Zweig zu einem fast eigenständigen Fachgebiet entwickelt hat. Schaut man ins Detail, sieht man, dass die verschiedenen Varianten der erneuerbaren Energietechnik sehr unterschiedliche Technologien einsetzten und dass der Zweig somit ebenso inhomogen und breitgefächert ist wie die Energietechnik insgesamt:

Solartechnik
Photovoltaikkraftwerk

→ Hauptartikel: Solartechnik, Sonnenenergie

Bei der Solartechnik, d.  h. der Nutzung der Sonnenenergie wird grundsätzlich unterschieden in:

Photovoltaik – Die direkte Stromerzeugung aus Sonnenstrahlung mittels Solarzellen, entweder dezentral oder in großen Photovoltaikkraftwerken. Diese Technologie wird bestimmt von der Halbleitertechnologie in Verbindung mit elektrischen Umrichtern der Elektrotechnik.
Solarwärme – Nutzung von Sonnenwärme
Solarthermie – dezentrale Nutzung von Sonnenwärme mittels Solarkollektoren zur Gebäudeheizung als Teilgebiet der Haustechnik.
Sonnenwärmekraftwerkstechnik – Nutzung der Sonnenwärme in Kraftwerken zur Stromerzeugung

Bedeutung kommt im Zusammenhang mit der Photovoltaik der elektrolytischen Produktion von Wasserstoff aus Wasser im Rahmen der Wasserstofftechnik zu.

Windkraft
Hauptartikel: Windenergie

Windkraftanlagen nutzen die Energie atmosphärischer Strömungen. Eine solche Anlage entsteht aus der Zusammenarbeit von Stahlbau-/Bauingenieuren (Turmbauwerk), Aerodynamikern/Strömungsmechanikern (Flügel), Maschinenbauingenieuren (Getriebe, Lager etc.) und Elektrotechnikern (Generator, Leistungselektronik).

Geothermie
Hauptartikel: Geothermie

Geothermie ist die Nutzung von Erdwärme für Heizung und Stromerzeugung.

Wasserkraft
Montage von Pelton-Turbinen
Hauptartikel: Wasserkraft

Die Nutzung der Wasserkraft (klassische Wasserkraftwerke an gestauten Flüssen, Wellenkraftwerke, Gezeitenkraftwerke) ist vor allem eine Domäne des Bauingenieurwesens, genauer des Wasserbaus und des Küsteningenieurwesens, sowie der Hydrologie und Geologie. In diese Fachgebiete fällt die Errichtung der zumeist notwendigen Bauwerke (Kanäle, Stauwerke, Talsperren, Stollen, …) zur Nutzbarmachung von Flüssen, Stauseen und Meeren.

Die Wasserturbine ist als Strömungsmaschine eine Komponente des Energiemaschinenbaus (siehe oben). Die elektrischen Generatoren für Wasserkraft, die aufgrund der geringen Drehzahl von Wasserturbinen eine Sonderbauform darstellen, kommen von den Elektromaschinenbauern.

Bioenergietechnik
Hauptartikel: Bioenergie

Bioenergietechnik behandelt die Gewinnung, Veredelung und Nutzung von biogenen Brenn- und Kraftstoffen. Hierbei arbeiten die Erzeuger von Energiepflanzen und anderer Biomasse aus Biologie, Land- und Forstwirtschaft zusammen mit der konventionellen Brennstofftechnik (s. o.). Die Verbrennung erfolgt in Feuerungen und Verbrennungskraftmaschinen, die für den Einsatz biogener Brennstoffe angepasst wurden.

Ethanol und Methanol beziehungsweise der daraus gewonnene Wasserstoff können auch in Brennstoffzellen zur Stromerzeugung genutzt werden.

Ausbildung und Studium

Da die Energietechnik ein weit gefächertes Gebiet ist, gibt es nur an wenigen Universitäten und Fachhochschulen integrierte Studiengänge, die das gesamte Feld abdecken. Stattdessen wird Energietechnik typischerweise als Vertiefungsrichtung innerhalb der angrenzenden Wissenschaften (Elektrotechnik, Maschinenbau, Verfahrenstechnik, …) angeboten. Ähnliches gilt für Ausbildungsberufe im Bereich Energietechnik.

Informationen zu Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten im Bereich Energietechnik bietet das BERUFENET[1] und das KURSNET[2] der Bundesagentur für Arbeit.

Siehe auch

 Portal: Energie – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Energie
 Wikiquote: Energie – Zitate
Energieeinsparung
Energiemix

Quellen

↑ http://www.berufenet.arbeitsagentur.de/

↑ http://www.kursnet.arbeitsagentur.de

Weblinks

 Wiktionary: Energie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Was ist Energie? aus der Fernseh-Sendereihe alpha-Centauri (ca. 15 Minuten). Erstmals ausgestrahlt am 10. Nov. 2002.
VDI-GET – Fachgesellschaft Energietechnik des VDI
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4014725-3 (OGND, AKS)

Abgerufen von „https://de..org/w/index.php?title=Energietechnik&oldid=188211791“

Kategorien: EnergietechnikIngenieurwissenschaftliches Fachgebiet

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GmbH Gesellschaftszweck / Unternehmensgegenstand: Dachdecker Beruf Redewendung Galerie Navigationsmenü aus Leverkusen

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Dachdecker mit Biberschwanzziegeln mit Segmentschnitt, hier als Kronendeckung (d. h. 2 Ziegelreihen auf einer Dachlatte)

Ein Dachdecker sorgt mit seiner Arbeit für wind- und wetterfeste Gebäude.
Neben dem Dachdecken umfasst das Aufgabengebiet des Dachdeckers den gesamten Bereich der Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik. Zu seinem Tätigkeitsfeld gehören auch der Einbau von Dachfenstern und das Installieren von Solaranlagen. Dachdecker arbeiten insbesondere bei Metallarbeiten mit Dachklempnern (regional auch Dachspengler genannt) zusammen.

Durch Einsatz regionaler Materialien können sich Dachdecker spezialisieren, regionale Materialien sind in Norddeutschland das Reet und in Mittelgebirgen der Schiefer, der vom Leyendecker verwendet wird.

Inhaltsverzeichnis

1 Beruf

1.1 Tätigkeiten
1.2 Deutschland

1.2.1 Ausbildung
1.2.2 Ausbildungsvergütung
1.2.3 Lohn/Einkommen
1.2.4 Höhere Qualifikationen in Lehrberufen des Bauwesen in Deutschland

1.3 Österreich
1.4 Schweiz

1.4.1 Ausbildung

1.4.1.1 Höhere Berufsbildung

2 Redewendung
3 Galerie
4 Weblinks
5 Einzelnachweise

Beruf

Am 30. Juni 2013 gab es in Deutschland 54.371 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Dachdecker. Der tarifliche Mindestlohn für gewerbliche Arbeitnehmer (Arbeiter) im Dachdeckerhandwerk beträgt bundesweit einheitlich 12,05 Euro pro Stunde (Stand Januar 2016).[1] Vom Geltungsbereich nicht erfasst werden Schüler an allgemeinbildenden Schulen sowie das Reinigungspersonal. Die tarifliche Mindestlohn-Untergrenze ist durch die Allgemeinverbindlicherklärung des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales in Verbindung mit dem Arbeitnehmer-Entsendegesetz von allen auf dem deutschen Markt tätigen Dachdeckerbetrieben und selbstständigen Betriebsabteilungen des Dachdeckerhandwerks (auch mit Sitz im Ausland) zwingend anzuwenden und zwar ohne Rücksicht auf Tarifbindung oder Innungszugehörigkeit. Das mittlere Jahresgehalt von Geschäftsführern im Dachdeckerhandwerk lag bei einem Jahresfestgehalt von 90.584 Euro und Tantiemen in Höhe von 11.490 Euro (Stand Oktober 2012).[2]

Tätigkeiten

Wärmedämmung an Dach und Außenwand (Energieeinsparverordnung)
Eindecken/Abdecken von Haus/Industrie Wandflächen und Dächern mit Schiefer, Schindeln, Pappdocken, Dachziegeln.
Abdichten von Dachflächen, Wand- und Bodenflächen
Bekleiden von Außenwänden (Fassaden) mit verschiedenen Materialien (Schiefern, Metall)
Aufbau von begrünten Dächern (Gründach)
Erbauen von Vorrichtungen zur Ableitung von Oberflächenwasser (Dachrinne)
Einbau von Dachfenstern (dabei auch Arbeiten am Dachstuhl)
Installation von Solaranlagen (PV-Anlagen oder thermische Solaranlagen)
Errichten von Blitzableitern
Erstellen von Dachabdichtungen mit Bitumenbahnen, Kunststoffbahnen und Flüssigkunststoff

Deutschland

Ausbildung

Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Dachdecker/Dachdeckerin ist ein anerkannter Ausbildungsberuf im Handwerk und wird mit der Dachdeckerausbildungsverordnung[3] geregelt. Die Ausbildungsverordnung sieht eine dreijährige Ausbildungsdauer mit begleitendem Berufsschulunterricht vor. Betrieb und Auszubildender legen zu Beginn der Ausbildung einen Schwerpunkt fest, der dann im 3. Ausbildungsjahr vertieft wird. In den ersten 2½ Jahren ist die Ausbildung inhaltlich für alle gleich. Danach erfolgt die Vertiefung in einen der folgenden Schwerpunkte: Abdichtungs-, Dachdeckungs-, Außenwandbekleidungs-, Energie- oder Reetdachtechnik. Der Schwerpunkt kann in beiderseitigem Einvernehmen geändert werden. Die überbetriebliche Ausbildung ist Bestandteil der betrieblichen Ausbildung und umfasst im 1. Lehrjahr 6 Wochen, im 2. Lehrjahr 5 Wochen und im 3. Lehrjahr 4 Wochen. Sie ergänzt und vertieft die Ausbildung im Betrieb. Auszubildende sollen handwerklich begabt sein, eine gute körperliche Konstitution haben und nicht unter Höhenangst leiden. Im Jahr 2017 gab es in Deutschland 6651 Auszubildende im Dachdeckerhandwerk.[4]

Ausbildungsvergütung

Gemäß Ausbildungsvergütungstarifvertrag im Dachdeckerhandwerk – Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik – vom 5. Oktober 2016 zwischen dem Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks
– Fachverband Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik – e. V. und der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt erhalten Auszubildende im Dachdeckerhandwerk bundesweit folgende monatliche Ausbildungsvergütung:

ab dem 1. Oktober 2016

Ausbildungsjahr

monatl. Ausbildungs-
vergütung (brutto)

1. Ausbildungsjahr

0650,00 €

2. Ausbildungsjahr

800,00 €

3. Ausbildungsjahr

1050,00 €

Lohn/Einkommen

Nach erfolgreicher Ausbildung erhält ein Dachdecker-Junggeselle in den ersten 12 Monaten in Deutschland einen tariflichen Stundenlohn von 16,27 €. Er wird individuell ausgehandelt und kann durchaus auch geringer ausfallen, je nach Wissens- und Praxisstand. Bei 39 Wochenstunden ergibt das einen monatlichen Bruttolohn in Höhe von ca. 2750,00 € (Tarifstundenlohn ab 1. Mai 2017).[5] Der Mindestlohn im Dachdeckerhandwerk beträgt bundesweit 12,25 €/Std (ab 1. Januar 2017).[6]

Höhere Qualifikationen in Lehrberufen des Bauwesen in Deutschland

Durch interne Fort- und Weiterbildungen oder Seminare:

Führungskraft, Fachberater, Baustellen- oder Betriebsleiter,
Ausbilder, Werkpolier oder Geprüfter Polier

Durch den Besuch einer Meister- oder Fachschule:

Meister (Voraussetzung für die Selbständigkeit)
Gestalter im Handwerk
Techniker für Hochbau, Bauwerkerhaltung, Denkmalschutz

Sowie natürlich durch ein Studium an einer Fachhochschule (FH) mit entsprechender Hochschulreife.

Österreich

In Österreich absolvieren Dachdecker eine dreijährige Lehre bis zum Abschluss. Aufgrund der beruflichen Nähe erwerben Dachdecker häufig – im Rahmen einer so genannten Doppellehre – auch den Lehrabschluss als Spengler. Dann dauert die Ausbildung vier Jahre. Voraussetzung dafür ist, dass die Ausbildung für beide Berufe im gleichen Lehrbetrieb gewährleistet ist. Nach zweijähriger Praxis und einem Meisterkurs kann eine Meisterprüfung abgelegt werden. Wie für andere österreichische Lehrberufe besteht die Möglichkeit, Matura nachzuholen und anschließend Fachhochschulen zu besuchen. Weiterbildungsmöglichkeiten bieten auch verschiedene Kollegs für bestimmte facheinschlägige Richtungen, wie Hochbau oder Ortsbildpflege.

Schweiz

Ausbildung

Dachdecker (früher: Polybauer der Fachrichtung Dachdecken) sind zuständig für das Decken geneigter Dächer mit Tonziegeln, Metall, Naturschiefer oder Faserzementplatten. Sie sind außerdem verantwortlich für die Wärmedämmung und den Ausbau von Dachgeschossen.

Höhere Berufsbildung
Gruppenleiter führen eine kleine Einsatzgruppe.
Objektleiter sind dafür verantwortlich, ein gesamtes Gebäudehüllen-Bauprojekt mit mehreren Einsatzgruppen baubezogen führen und abzuwickeln.
Polier Vertiefungsrichtung Steildach / Flachdach / Fassade: Poliere sind baupraktische Manager, die mehrere Objekte baubezogen abwickeln und koordinieren.
Meister: Meister sind Unternehmer im Gebäudehüllen-Markt.
Energieberater Gebäude mit eidg. Fachausweis sind Berater für eine Energiebetrachtung bei Gebäudesanierungen.
Projektleiter Solarmontage obliegt die Verantwortung, standardisierte Anlagen zu planen und die Montage zu leiten. Zudem beraten sie Kunden und beurteilen das Gebäude auf deren Eignung für solare Anlagen (Strom und Wärme).

Redewendung

Die Redewendung Das kannst du halten wie ein Dachdecker kommt daher, dass sich früher kein Bauherr und Architekt auf das Dach getraut hat, um die Arbeit der Dachdecker zu kontrollieren. Sie konnten also so arbeiten, wie sie wollten.

Galerie

Dachdecker mit Dachpfannen

Zunftzeichen der Dachdecker: Dachdeckerbeil, Schieferhammer, Zirkel

Zunftzeichen der Dachdecker als Verzierung in einem Schieferdach

Dachdecker bei der Arbeit mit Reet

Dachdecker bei der Arbeit mit Teerpappe

Dachstatue

Schiefer-Dachdeckung am Bahnhof Köln Messe/Deutz

Weblinks

 Commons: Dachdecker – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Dachdecker – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Deutschland

Dachdecker/in im Berufenet der Bundesagentur für Arbeit
Infos zu Berufsbild, Ausbildung und Beschäftigungszahlen für Dachdecker
Homepage des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks
Forum für Dachdecker und Kunden
DDH – Das Dachdecker-Handwerk – Verbandsorgan des Zentralverbandes des Deutschen Dachdeckerhandwerks
dachbaumagazin – Unternehmermagazin für Dachdeckerbetriebe

Österreich

Ausbildungsverordnung für Dachdecker
Berufs- und Brancheninfo der Wirtschaftskammer Österreich
Berufsbeschreibung von bic.at

Schweiz

Infos zur Ausbildung und Lehre beim Verband Polybau
Homepage des Verbandes Schweizer Gebäudehüllen-Unternehmen

Einzelnachweise

↑ Tarif-Bekanntmachung für 2016 (Memento des Originals vom 17. April 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.igbau.de

↑ Der Beruf des Dachdeckers im Überblick, abgerufen am 26. Mai 2014.

↑ Dachdeckerausbildungsverordnung (BGBl. 2016 I S. 994 pdf)

↑ Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks e. V., abgerufen am 17. Juli 2017@1@2Vorlage:Toter Link/dachdecker.org (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.

↑ Tarifvertrag zur Neuregelung der Löhne im Dachdeckerhandwerk – Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik – vom 21. Oktober 2016

↑ Achte Verordnung über zwingende Arbeitsbedingungen für das Dachdeckerhandwerk vom 15. Dezember 2015, BAnz AT 22.12.2015 V2

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4128932-8 (OGND, AKS)

Abgerufen von „https://de..org/w/index.php?title=Dachdecker&oldid=186482096“

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Dieser Artikel bezieht sich auf den Säugling. Zu anderen Bedeutungen von „Baby“ siehe Baby (Begriffsklärung).

Säugling während des Stillens

Als Säugling oder Baby bezeichnet man ein Kind im ersten Lebensjahr.

Nach der Geburt wird ein junger Mensch naturgemäß mit Muttermilch ernährt, durch Stillen oder Säugen an der weiblichen Brust. Ähnlich dem Nachwuchs anderer Säugetiere ist der menschliche Säugling für diese Ernährungsform kompetent durch angeborene Reflexe wie den Such- und den Saugreflex. Sie ermöglichen auch die Aufnahme flüssiger Nahrung durch Saugen an einer Flasche und so eine Ernährung mit Muttermilchersatz, wenn der Säugling nicht gestillt wird.

Während der ersten vier Wochen heißt ein Kind auch Neugeborenes. Nach Vollendung des ersten Lebensjahres schließt sich das Kleinkindalter an.

Inhaltsverzeichnis

1 Körperliche Entwicklung
2 Zahnentwicklung
3 Sensomotorische Entwicklung
4 Reflexe und Reaktionen

4.1 Primitivreflexe
4.2 Tonische Reflexe
4.3 Stellreaktionen

5 Sozialverhalten
6 Spielverhalten
7 Galerie: Neugeborene
8 Sprachentwicklung
9 Literatur
10 Weblinks
11 Einzelnachweise

Körperliche Entwicklung

Der menschliche Säugling ist wie der anderer Primaten ein Tragling. Im ersten Lebensjahr gibt es typische Entwicklungsphasen, deren zeitliche Streuung mit zunehmendem Alter größer wird. Vorübergehende Unterschiede in der Entwicklung sind häufig und können durchaus ausgeglichen werden. Auffällige oder langfristige Abweichungen der körperlichen Entwicklung sind Gegenstand der Pädiatrie. Um Entwicklungsverzögerungen frühzeitig zu erkennen, gibt es Kindervorsorgeuntersuchungen.

Neugeborenes auf einer Waage

Nach drei bis fünf[1] Monaten hat ein gesunder Säugling sein Geburtsgewicht verdoppelt und ist um etwa 15 Zentimeter gewachsen. Am Ende des ersten Lebensjahres wiegt das Kind etwa zehn Kilogramm, was rund dem dreifachen Geburtsgewicht entspricht,[1] und ist circa 75 Zentimeter groß. Je älter ein Kind ist, desto größer ist auch die Streubreite für das, was hinsichtlich Gewicht und Größe als normal gelten kann. Um dem Rechnung zu tragen, werden in der Medizin Vergleiche mit der nach Alter und Geschlecht üblichen Entwicklung von Größe und Gewicht nicht nach dem Durchschnittswert, sondern anhand sogenannter Perzentilen vorgenommen.

Auch die Beurteilung der Beziehung zwischen Körpergröße und Körpergewicht orientiert sich an solchen Relativwerten, und berücksichtigt darüber hinaus weitere Faktoren. Von besonderer Bedeutung ist der Verlauf der individuellen Wachstumskurve.

Das Verhältnis von Kopf zu Rumpf beträgt beim Säugling etwa 1 zu 4, während beim Erwachsenen ein Verhältnis von 1 zu 8 vorliegt. Diese Art des Wachstums, das eine Proportionsänderung einschließt, nennt man allometrisches Wachstum.

Die Zeit zwischen der Empfängnis und dem zweiten Geburtstag sind für die Entwicklung über die gesamte Lebensdauer von besonderer Bedeutung, da in dieser Zeit zentrale Grundlagen für Gesundheit, Wachstum und die neuronale Entwicklung gelegt werden.[2]

Zahnentwicklung

Hauptartikel: Milchgebiss

Der Ablauf des Zahndurchbruchs unterliegt einer breiten Streuung. Während einige Kinder schon früh zahnen, kann sich der Ablauf auch um mehrere Monate nach hinten verschieben. In der Regel brechen zuerst die unteren und dann die oberen Schneidezähne durch. Es folgen die seitlichen Schneidezähne, die Mahlzähne und schließlich die Eckzähne.

Sensomotorische Entwicklung

Unter sensomotorischer Entwicklung wird die dynamische Wechselwirkung von Wahrnehmungen (über Sinnesreize) und reaktiver Bewegung (über das neuromuskuläre Zusammenspiel) verstanden. Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass der Mensch in seinem ersten Lebensjahr auf ein angeborenes Lernprogramm zurückgreift, welches ihm ermöglicht, eine kontinuierliche Entwicklung von der Geburt bis zum aufrechten Stand zu vollziehen.

Schon Säuglinge sind – wie alle Menschen – Individuen. Sie sind verschieden und haben bereits Charaktereigenschaften. Es gibt eine sehr große Bandbreite an gesunden Entwicklungen und die Reihenfolge der erlernten Fähigkeiten kann verschieden sein.

Reflexe und Reaktionen

Reflexe sind unwillkürliche, regelhaft ablaufende Vorgänge als Antwort auf äußere Reize, aufgenommen hauptsächlich über Rezeptoren der Haut und Propriozeptoren sowie Organe des Gleichgewichtssinnes. Sie werden zentral über den Hirnstamm und das Zwischenhirn (Thalamus und Pallidum) vermittelt, die Antwort ist wenig variabel.
Reaktionen sind komplexere Antworten auf äußere Reize, die in einem bestimmten Muster erfolgen. Die Muster können unterbrochen und verändert werden.

Alle frühkindlichen Reflexe und Reaktionen sind einem bestimmten Bereich und einem gewissen Integrationsniveau im Zentralnervensystem zugeordnet. Innerhalb eines bestimmten Zeitraumes gelten sie als physiologisch und werden erwartet. Sie begleiten die sensomotorische Entwicklung des Kindes in verschiedenen Phasen und werden später abgelöst. Im Folgenden werden nur einige für die Diagnose und Behandlung wichtige Reflexe und Reaktionen erläutert (Wo = Woche, LM = Lebensmonat, LJ = Lebensjahr). Wenn nichts anderes vermerkt ist, wird die Rückenlage als Ausgangsstellung betrachtet.

Primitivreflexe

Hauptartikel: Frühkindlicher Reflex

Palmarer Greifreflex

Bestreichen der Handinnenflächen mit dem Daumen ⇒ Greifen, Faustschluss
physiologisch: 0. bis 6. LM., danach verhindert er den Handstütz und koordiniertes Greifen

Plantarer Greifreflex

Bestreichen der Zehenballen mit dem Daumen ⇒ Zehenkrallen
physiologisch: 0. bis 11. LM., ab Laufbeginn stört bzw. verhindert er das Gehen

Moro

laute Geräusche oder Erschütterungen ⇒
Abstreckphase (Anspannung der Streckmuskulatur und Kopfstreckung): Die Arme schnellen seitlich nach oben mit tiefem Luftholen und anschließendem Erstarren.
Umklammerungsphase (Anspannung der Beugemuskulatur und Kopfbeugung): Die Arme werden wieder zum Rumpf geführt und das Kind beginnt sehr laut zu schreien.
physiologisch: ab 6. Woche nur noch Abstreckphase, baut ab mit der Fixierung des Kopfes

Galant

Kind wird in Bauchlage in der Schwebe gehalten, zwei cm neben der Wirbelsäule (WS) mit den Fingern vom Schulterblatt bis zum Beckenkamm entlang streichen ⇒ WS-Seitbeugung und Kopfdrehung zur gleichen Seite
physiologisch: 0. bis 2. LM., Abschwächung bis 5. LM.

Schreitreflex (automatisches Gehen)

man trägt das Kind mit beiden Händen seitlich am Brustkorb und lässt die Füße wechselseitig geringes Gewicht übernehmen ⇒ das Kind schreitet voran.
physiologisch: 0. bis 3. LM., die Beine müssen dabei gebeugt bleiben.

Extensorstoß

man trägt das Kind mit beiden Händen seitlich am Brustkorb und lässt die Füße gleichzeitig geringes Gewicht übernehmen ⇒ das Kind antwortet mit einer raschen Streckung der Beine und des Rumpfes.
physiologisch: 0. bis 3. LM.

Tonische Reflexe

Säugling beim Babyschwimmkurs

Nach dem Abbau der Massenbewegungen und der Primitivreflexe entwickeln sich differenzierte Bewegungen, wobei der Muskeltonus von der Kopfstellung abhängt.
Es entstehen tonische Reflexe, die bei einem gesunden Säugling aber nie so stark ausgeprägt sind, dass sie die Einnahme differenzierter Körperstellungen behindern.
Wenn sie über den physiologischen Zeitraum hinaus persistieren, verhindern sie die Aufrichtung und die Entwicklung der Stell- und Gleichgewichtsreaktionen.

TLR (Tonischer Labyrinthreflex)

Vorbeugen des Kopfes ⇒ zunehmender Beugetonus
Rückstrecken des Kopfs ⇒ zunehmender Strecktonus
physiologisch: 0 bis 3. LM.

STNR (Symmetrisch tonischer Nackenreflex)

Vorbeugen des Kopfes ⇒ Beugung der Arme und Streckung der Beine
Rückstrecken des Kopfes ⇒ Streckung der Arme und Beugung der Beine
physiologisch: 0. bis 3. LM.

ATNR (Asymmetrisch tonischer Nackenreflex)

Seitwärtsdrehung des Kopfes ⇒ Gesichtseite: Arm gestreckt, Hand locker gefaustet, Bein gestreckt mit aufgesetztem Vorfuß, Hinterhauptseite: Arm gebeugt in lockerer U-Halte, Bein locker gebeugt mit Bodenkontakt. Diese Körperhaltung wird auch als Fechterstellung bezeichnet.
physiologisch: 4. bis 8. Woche

Stellreaktionen

Die Stellreaktionen dienen dazu, Kopf und Rumpf bei einer Lageveränderung im Raum einzustellen. Sie entwickeln sich nach dem Abbau der tonischen Reflexe, dienen der Antischwerkraftentwicklung und sind die Voraussetzung für die Stütz- und Gleichgewichtsreaktionen. Sie werden in die Willkürbewegungen integriert und bleiben in modifizierter Form ein Leben lang erhalten.

LSR (Labyrinthstellreaktion)

ab der 6. Woche beginnt das Kind, in Bauchlage den Kopf zu heben und ihn gegen die Schwerkraft einzustellen.
physiologisch: volle Entwicklung bis zum 5. LM.

HSR (Halsstellreaktion)

Wird der Kopf in Rückenlage gedreht, folgt der Körper „en bloc“.
physiologisch: bis zum 3. LM, danach sollte eine selektive Beweglichkeit möglich sein.

Körperstellreaktion auf den Körper

sie ermöglicht bei einer Drehung die Rotation zwischen Schulter- und Beckengürtel.
physiologisch: sie sollte bis zum 7. LM voll entwickelt sein, wenn sich das Kind von Rücken- in Bauchlage und zurückdrehen kann. Sie ist Voraussetzung für die Ausrichtung des Kopfes, des Rumpfes und der Extremitäten gegen die Schwerkraft.

Sprungbereitschaft

Mit den Händen seitlich am Becken wird das getragene Kind zügig bauchwärts zur Unterlage geführt ⇒ das Kind bringt die Arme zum Abstützen nach vorne.
physiologisch: ab dem 5. LM auslösbar.

Sozialverhalten

Lächelnder Säugling

Einen Ausdruck des Lächelns zeigen Säuglinge schon in den ersten Lebenswochen, meist im Schlaf. Mit etwa 2 Monaten wird diese Ausdrucksbewegung als soziales Lächeln zur Antwort auf einen Kontakt.

Mit der Fähigkeit, zwischen bekannten und fremden Personen zu unterscheiden, werden auch die Antworten differenzierter. So kommt es zwischen etwa vier und acht Monaten zum Fremdeln, das eine Distanz gegenüber unbekannten Personen zeigt. Häufig beginnen Kinder in diesem Alter zu weinen, wenn sie von jemand anderem als der Mutter auf den Arm genommen werden.

Mit etwa neun Monaten fängt das Kind an, von sich aus Kontakt zu einem noch unbekannten Gegenüber aufzunehmen, etwa durch Lächeln. Gegen Ende der Säuglingsperiode kann das Kind dann vertrauten Personen auf verschiedene Weise seine Zuneigung ausdrücken.

Spielverhalten

Während mit drei bis vier Monaten noch das Spiel mit den eigenen Fingern eine häufige Beschäftigung des Säuglings ist, kann das Kind schon bald durch die fortschreitende motorische Entwicklung seine Umgebung erkunden.

Mit etwa fünf bis sieben Monaten greift der Säugling nach umherliegenden Gegenständen. Schon jetzt können diese zwischen den Händen gewechselt werden. Mit Händen, Augen und Mund beginnt der Mensch, die äußere Form eines gegriffenen Gegenstand zu erforschen. Am Ende der Säuglingsperiode spielt das Kind mit Gegenständen und untersucht auch deren inneren Zusammenhalt, indem es sie schüttelt, wirft, damit klopft oder sie wiederholt herab fallen lässt.

Galerie: Neugeborene

Neugeborener Mensch (Rumänien)

Einen Tag altes Mädchen

Mutter und Sohn (Tansania)

Vater mit Tochter

Dreijährige mit ihrem Bruder

Sprachentwicklung

Hauptartikel: Spracherwerb

In den ersten Lebensmonaten beschränken sich die Lautäußerungen des Kindes auf gelegentliches Schreien als Unmutsäußerung. Mit etwa drei bis vier Monaten beginnt der Säugling langsam, zu lallen und zu brabbeln. Schon bald werden gezielte Lautäußerungen zur Kommunikation genutzt, indem der Säugling auf Ansprache mit einzelnen Vokalen antwortet. In dieser Zeit verbessert sich die Motorik des Stimmapparates, sodass am Ende der Säuglingsperiode in den meisten Fällen Doppelsilben wie „Mama“ oder „Papa“ gesprochen werden können.

Literatur

Martin Dornes: Der kompetente Säugling. Die präverbale Entwicklung des Menschen, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-596-11263-X
Remo H. Largo: Babyjahre. Die frühkindliche Entwicklung aus biologischer Sicht, München: Piper, 15. Auflage 2001, ISBN 3-492-23319-8
Björn Hoffmann: Crashkurs Pädiatrie. Repetitorium zum Gegenstandskatalog 3. Mit Einarbeitung der wichtigen Prüfungsfakten, Urban und Fischer, 2003, ISBN 978-3-437-43200-2
Josef Rosenecker, Heinrich Schmidt: Pädiatrische Anamnese, Untersuchung, Diagnose, Springer, 2008, ISBN 3-540-72581-4
Robby Sacher: Angeborene Fremdreflexe – Haltung und Verhalten früh regulieren, Elsevier Urban&Fischer, 2012, ISBN 978-3-437-21121-8

Weblinks

 Wiktionary: Säugling – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Säuglinge – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikibooks: Babybuch – Lern- und Lehrmaterialien
Das 1. Lebensjahr – kindergesundheit-info.de: unabhängiges Informationsangebot der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)

Einzelnachweise

↑ a b Wilfried de Nève, Wolfgang Presber (Hrsg.): Ergotherapie: Grundlagen und Techniken. 4. Auflage. Elsevier, Urban&FischerVerlag, 2003, ISBN 3-437-47980-6. S. 384 (Scan bei Google Buchsuche)

↑ UNICEF Office of Research- Innocenti: The first 1,000 days of life: The brain’s window of opportunity. Abgerufen am 28. März 2019 (englisch). 

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4051255-1 (OGND, AKS)

Abgerufen von „https://de..org/w/index.php?title=Säugling&oldid=187854364“

Kategorien: SäuglingKinderheilkundeGynäkologie und GeburtshilfePersonenbezeichnung (Lebensstadium)Kind (Bezeichnung)

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Backstube einer größeren Bäckerei
Bäckerei Backhaus in Klagenfurt, Kärnten, Österreich
Bäckerladen

Eine Bäckerei ist ein Handwerksbetrieb, in dem Backwaren wie zum Beispiel Brot, Brötchen, Brezeln, Kaffeegebäcke oder Kuchen hergestellt werden.

Die meist unmittelbar an die Produktionsräume angrenzenden Verkaufsräumlichkeiten selbst heißen Bäckerladen. Der Produktionsbereich wird Backstube genannt.

Inhaltsverzeichnis

1 Backstube
2 Zur Begrifflichkeit

2.1 Einteilung nach Größe

3 Entstehung des Bäckerhandwerks
4 Bäckereiensterben
5 Statistik
6 Siehe auch
7 Literatur
8 Weblinks
9 Einzelnachweise

Backstube

Vor dem Einsatz von Knetmaschinen wurden die Teige von Hand in Backmulden geknetet.
Gemauerter Backofen einer Bäckerei um 1920
Moderne handwerkliche Knetmaschine

Die Backstube ist der Produktionsraum für die herzustellenden Backwaren. Das Wort Backstube grenzt nicht die Größe des Produktionsraumes ein. Backstuben gibt es in sehr unterschiedlicher Größen, vom klassischen kleinen Handwerksbetrieb bis hin zu weitgehend mechanisierten Großbäckereien. Bei den voll mechanisierten Backfabriken spricht man dagegen von Backstraßen.

Zur Begrifflichkeit

Um sich Bäckerei nennen zu dürfen, muss ein verantwortlicher ausgebildeter Bäckermeister die Aufsicht über die Produktion haben. Zudem ist eine Eintragung in die Handwerksrolle verpflichtend. Der zugehörige Beruf ist der des Bäckers. Im Verkauf arbeiten in der Regel ausgebildete Bäckereifachverkäufer. Solche Voraussetzungen sind im Back-Shop nicht erforderlich, da das Aufbacken von vorgefertigten Teigstücken (welche zumeist in tiefgefrorener Form aus einer produzierenden Bäckerei angeliefert werden) keiner besonderen Ausbildung bedarf. Hier können auch Anlernkräfte beschäftigt werden.

Besteht ein Gebäude weitgehend nur aus dem gemauerten Backofen, nennt man es ein Backhaus.

Einteilung nach Größe

Bäckereien zählt man je nach Größe zum Ernährungshandwerk oder zur Lebensmittelindustrie. Man kann sie nach Größe einteilen in:

Kleinbäckereien: sie stellen kleine Mengen an Backwaren her, die sie im angeschlossenen Verkaufsraum (Laden) verkaufen.
Mittelständische Bäckereibetriebe: Teile der Produktion sind automatisiert. Diese Bäckereibetriebe beliefern meist eine größere Anzahl von dem Unternehmen angeschlossenen Verkaufsstellen in einem begrenzten Umkreis (Stadtgebiet, Landkreis).
Großbäckereien: die Produktion ist weitestgehend automatisiert. Die Produkte werden beispielsweise von Supermärkten oder Discountern vertrieben.
Backfabrik: Die Produktion ist voll automatisiert. Die Produkte werden ausschließlich als Fertigpackungen über Handelsketten an die Verbraucher gebracht.
relativ neu ist das Geschäftsmodell „Selbstbedienungs-Bäckerei“ (z. B. die Franchise-Kette BackWerk), bei denen es sich juristisch aber nicht um Bäckereien handelt, da sie nicht in die Handwerksrolle eingetragen sind und in der Regel keinen Bäckermeister beschäftigen.

Entstehung des Bäckerhandwerks

Hauptartikel: Geschichte des Bäckerhandwerks

In den Regionen, die heute zu Deutschland gehören, ist der Beruf des Bäckers mindestens seit der Zeit Karl des Großen (768–814) bekannt. Damals arbeiteten überwiegend Leibeigene an Fronöfen oder Klosterknechte an Klosteröfen.
Durch das Wachstum der Städte bildete sich im 10. Jahrhundert der Bäckerberuf als „freier“ Berufsstand heraus. Verwendet wurde die Berufsbezeichnung „Beck“ (kurz für becker) oder „Pfister“ (vom lateinischen „pistor“). Anfangs verfügten die wenigsten Bäcker über einen eigenen Ofen. Ihre Waren buken sie daher in den stadteigenen Backhäusern.

Eine der ersten Großbäckereien um 1858 in Cainsdorf

Die Wirkstube, in der der Teig noch per Hand vorgearbeitet wurde.

Das Teigbereitungslocal, in dem schon teilmechanisiert vorbereitet wurde

Backstuben-Museum

Bäckerladen (Nürnberger Spielzeug-Musterbuch des 19. Jahrhunderts)

Bäckereiensterben

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Durch die zunehmende massive Konkurrenz durch die Massenfertigung in Industriebäckereien und Tiefkühlware zum Aufbacken in den SB-Bäckereien ist der klassische Einzelhandelsbäcker in Deutschland, aber auch in anderen Industriestaaten vom Aussterben bedroht. Lag bei vielen Hausbäckern vor zehn Jahren der tägliche Brötchenverkauf bei 3000 Stück, liegt dieser heute teilweise nur noch bei 1000 Stück.
Viele Ketten produzieren am Fließband und liefern dann aus, SB-Bäckereien werden größtenteils mit Tiefkühlware aus dem Ausland beliefert, wo die Lohnkosten niedriger liegen (selbst mit Transportkosten).

In Österreich findet ein Konzentrationsprozess auf größere Bäckereien statt, andererseits behaupten sich kleinere Bäckereien durch regionalen Lieferservice oder Spezialisierung auf besondere Qualitätsware.[1]

Statistik

In Deutschland gab es im Jahr 2013 13.171 handwerkliche Betriebe und hochgerechnet 30.000 Filialen, zusammen 43.200 Bäckereifachgeschäfte. Sie beschäftigten 283.800 Mitarbeiter, davon 23.000 Auszubildende. Der Gesamtumsatz beträgt 13,18 Milliarden Euro ohne Mehrwertsteuer. Durchschnittlich hat jeder Betrieb 21,5 Mitarbeiter. Der durchschnittliche Jahresumsatz pro Betrieb betrug 1,001 Millionen Euro. (Stand: 31. Dezember 2013[2])

Die Umsatzverteilung nach Betriebsgröße hat ihren Schwerpunkt bei großen Betrieben:[3]

Die mit 3,8 % kleine Gruppe der Bäckereien mit mehr als fünf Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaftete einen Umsatzanteil von ca. 63 %.
Betriebe mit 500.000 bis fünf Millionen Euro Jahresumsatz (28,8 % aller Betriebe) hatten einen Umsatzanteil von 27 %.
Die Bäckereien mit weniger als 500.000 Euro Jahresumsatz (ca. 67,4 % aller Betriebe) erwirtschafteten ca. 10,0 % des Gesamtumsatzes.

Siehe auch

Konditorei
Feldbäckerei
Heeresbäckerei
Backhaus
Bäckergastronomie

Literatur

Hermann Eiselen: Die Neuzeit der Bäckerei. Ein Streifzug durch ihre Geschichte von 1860 bis 2005. BackMedia Verlagsgesellschaft, Bochum 2006, ISBN 3-9808146-2-9.
Judith Beile, Ina Drescher-Bonny, Klaus Maack: Zukunft des Backgewerbes. Hans-Böckler-Stiftung, Düsseldorf 2009, ISBN 978-3-86593-121-4 | Online (PDF; 1 MB), abgerufen 4. Januar 2014.

Weblinks

 Commons: Bäckerei – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Bäckerei – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Backstube – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Anne-Marie Dubler: Bäckerei. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Exponate aus dem Saarländischen Bäckereimuseum auf dem Webangebot DigiCult – Museen im Saarland
Unser täglich Brötchen, Die Zeit Nr. 19, 2008

Einzelnachweise

↑ http://ooe.orf.at/news/stories/2621145/ Immer weniger Bäckereien, ooe.ORF.at vom 24. Dezember 2013.

↑ Das deutsche Bäckerhandwerk in Zahlen 2013.

↑ Umsatzentwicklung und Verteilung im Jahr 2012, abgerufen am 25. Januar 2015.

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4264167-6 (OGND, AKS)

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Tischlerwerkstatt
Tischler mit Gesellen (1882)

Die Tischlerei oder Schreinerei (süddeutsch, westdeutsch) ist die Werkstatt der Tischler beziehungsweise Schreiner zur Herstellung und Bearbeitung von Möbeln, Inneneinrichtungen, Treppen, Türen, Fenstern, Verkleidungen, und anderen Bauelementen sowie weiterer meist individueller Arbeiten.

Hauptsächlich zur Verarbeitung kommende Werkstoffe sind Holzwerkstoffe und Vollholz in ihren verschiedenen Ausprägungen (Plattenwerkstoffe wie Span-, MDF- oder Tischlerplatte, Schnittholz, Furnier usw.) sowie Kunststoffe und Aluminium.

Inhaltsverzeichnis

1 Betriebsanlage

1.1 Maschinenraum
1.2 Bankraum
1.3 Oberflächenbehandlungsraum

2 Werkzeuge und Maschinen
3 Einzelnachweise

Betriebsanlage

Die Betriebsanlage einer Tischlerei umfasst Gebäude und fast immer Außenanlagen.[1]

In der Außenanlage befindet sich oft Lagerplatz für das Aufstapeln und Trocknen des Schnittholzes, Parkplätze für die Firmen- und Kundenfahrzeuge, Zufahrtswege für Lieferanten und Abstellflächen für Wertstoff- und Abfallsammlung.

Im Gebäude sind der Produktionsbereich, Lager für Holzwerkstoffe wie Platten und Furnier, Beschläge und Betriebsmittel sowie Verwaltungsräume, Sozialräume und die betriebstechnischen Anlagen untergebracht. Dabei gliedern sich die Werkräume grob in drei Bereiche: Maschinenraum, Bankraum und Oberflächenbehandlungsraum.

Maschinenraum

Hier befinden sich die stationären Maschinen mit funktionsbezogenen Arbeitsplätzen. Die verrichteten Arbeiten sind unter anderem:

Massiv- bzw. Schnittholz auftrennen
Platten aufteilen
Massivholz abrichten und dickenhobeln
Kanten an Schmalseiten von Platten anfahren
Flächen und Kanten furnieren
Zuschneiden der Werkstücke auf Maß
Fräsen von Formteilen, Verbindungen und Profilen
Bohren von Lochreihen und Aufnahmen für Beschläge
Flächen, Kanten und Formen Schleifen

Bankraum

Hier wird mit Handwerkzeugen und Handmaschinen die eigentliche Handarbeit getan. Die Arbeitsplätze sind meistens personenbezogen und mit eigenen Werkzeugsätzen der Mitarbeiter eingerichtet.

Anreißen
Vorbereitende Arbeiten
Schablonen und Vorrichtungen bauen
Beschläge montieren
Zusammenbau und Endmontage

Oberflächenbehandlungsraum

Sowohl in größeren als auch in kleinen Tischlereien gibt es einen Raum mit Lacknebel–Absauganlage, in dem die Oberflächenbehandlung vorgenommen wird und anschließend die behandelten Werkstücke getrocknet werden.

Beizen, Patinieren
Lacke anrühren
Grundieren
Lackieren
Zwischenschliff
Ölen, Wachsen

Werkzeuge und Maschinen

Die Liste umfasst die Vielzahl der in einer Tischlerei gebrauchten Werkzeuge und Maschinen gegliedert nach Werkzeugart und Arbeitsvorgang

Tischlerwerkzeuge und -maschinen

Bearbeitung
Handwerkzeug
Handmaschinen
Maschinen

Messen
Anreißen

Strecken
Meterstab
Bandmaß
Messschieber
Einstell–Messgerät
Winkel
Winkel
Gehrmaß
Schmiege
Neigung
Wasserwaage
Schlauchwaage
Anreißen
Bleistift
Reißnadel
Spitzbohrer
Streichmaß
Zirkel
Stechzirkel
Stangenzirkel

Laser–Messgerät
Rotationslaser

Sägen

Klobsäge
Strecksägen
Gestellsäge
Schittersäge
Spannsäge
Schlitzsäge
Absetzsäge
Schweifsäge
Gehrungssäge
Bügelsäge
Bügelsäge
Puksäge
Heftsägen
Feinsäge
Fuchsschwanz
Furniersäge
Gratsäge
Japansäge
Rückensäge
Stichsäge
Trummsäge

Handkreissäge
Stichsäge
Kappsäge
Kettensäge

Tischkappsäge
Bandsäge
Tischkreissäge
Besäumkreissäge
Formatkreissäge
Doppelabkürzsäge
Plattensäge
Furnierfügemaschine

Hobeln

Ebene Flächen
Schrupphobel
Schlichthobel
Doppelhobel
Raubank
Putzhobel
Reformputzhobel
Ziehklinge
Schräge Flächen
Schiffhobel
Schweifhobel
Konstruktive Formen
Simshobel
einfacher Simshobel
Doppelsimshobel
Ecksimshobel
Falzhobel
Grathobel
Grundhobel
Nuthobel
Sonderfälle
Hirnholzhobel
Kernkastenhobel
Profilhobel
Zahnhobel
Ziehklingenhobel

Elektrohobel
Bündighobel

Hobelmaschine
Abrichthobelmaschine
Dickenhobelmaschine
Vierseiter

Stemmen
Fräsen

Stechbeitel
Lochbeitel
Hohlbeitel
Klüpfel
Feile
Raspel

Oberfräse
Kantenfräse
Nut–/Lamellenformfräse

Kettenfräse
Tischfräse
CNC-Maschine

Bohren

Bohrer
Spiralbohrer
Holzbohrer
Schlangenbohrer
Zentrumbohrer
Forstnerbohrer
Kunstbohrer
Scheibenschneider
Kegelsenker
Aufnahmen
Handbohrmaschine
Bohrwinde
Drillbohrer

Bohrmaschine
Bohrhammer

Ständerbohrmaschine
Astlochbohrmaschine
Dübelbohrmaschine
Reihenlochbohrmaschine
Langlochbohrmaschine

Spannen
Leimen

Zwinge
Schraubzwinge
Kantenzwinge
Schraubknecht
Korpuszwinge
Klemmzwinge
Leimklammer
Gehrungsklammer
Türspanner
Leimflasche
Leimbesteck
Leimpinsel
Leimspender
Leimroller

Heißklebepistole

Kantenpresse
Rahmenpresse
Korpuspresse
Kantenanleimmaschine
Furnierzusammensetzmasschine
Heizplattenpresse
Leimauftragsmaschine

Schrauben
Nageln

Hammer
Schreinerhammer
Fäustel
Versenker
Zange
Kneifzange
Kombizange
Schraubendreher
Drillschrauber
Bit

Schrauber
Akkuschrauber
Winkelschrauber
Nagler

Schleifen

Schleifklotz

Schwingschleifer
Rotationsschleifer
Bandschleifer

Kantenschleifmaschine
Langbandschleifmaschine
Breitbandschleifmaschine

Beschichten

Kittmesser
Pinsel
Schwamm
Spachtel
Bürste

Spritzpistole

Trockenwagen

Einzelnachweise

↑ Wolfgang Nutsch und andere: Fachkunde für Schreiner (12. Auflage), Verlag Europa Lehrmittel, Wuppertal 1980, Seite 308, ISBN 3-8085-4011-7

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4128020-9 (OGND, AKS)

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Kategorien: HolzverarbeitungHandwerksbetriebWerkstatt (Gebäudeteil)

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GmbH Gesellschaftszweck / Unternehmensgegenstand: DVD Geschichte und Verbreitung DVD-Formate Geschwindigkeit Technik der DVD Trivia Navigationsmenü aus Erfurt

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Dieser Artikel behandelt das Speichermedium. Zu weiteren Bedeutungen siehe DVD (Begriffsklärung).

Speichermedium DVD

DVD-Logo

Allgemeines

Typ

Optisches Speichermedium

Kapazität

4,7 GB[1] (Single Layer),
8,5 GB (Dual Layer)
und mehr

Lebensdauer

ca. 10 Jahre

Größe

ø 12 cm / 8 cm

Gewicht

16 g (unverpackt)

Ursprung

Entwickler

DVD Forum (1995)

Vorgänger

Videokassette, LD, CD

Nachfolger

Blu-ray Disc, HD DVD, VMD

DVD−R, beschreib- und lesbare Seite. Der bereits beschriebene Bereich (innen) ist aufgrund seiner veränderten Reflexionseigenschaften erkennbar.

Die DVD ist ein digitaler, optischer Datenspeicher, der im Aussehen einer CD ähnelt, aber über eine höhere Speicherkapazität verfügt. Das Akronym „DVD“ geht ursprünglich auf die Abkürzung von Digital Video Disc zurück. Heute wird die Abkürzung als Digital Versatile Disc (engl. für digitale vielseitige Scheibe) interpretiert.

Inhaltsverzeichnis

1 Geschichte und Verbreitung
2 DVD-Formate

2.1 DVD-Datenstrukturen

2.1.1 Physische Hybrid-DVD

2.2 Beschreibbare DVD-Formate

2.2.1 Formate mit zwei Datenschichten
2.2.2 Klassifikation von beschreibbaren DVDs

3 Geschwindigkeit
4 Technik der DVD

4.1 Lebensdauer
4.2 Speicherkapazität und Zugriffstechnik
4.3 Fehlerkorrektur

4.3.1 Neue Technologien
4.3.2 Datenkodierung
4.3.3 Brenner

4.4 Duplikationsverfahren
4.5 Serienfertigung
4.6 Brennen
4.7 Labelaufdruck / Beschriftung
4.8 Einweg-DVD und DVD-D
4.9 Ecodisc
4.10 DivX und DIVX

5 Trivia
6 Siehe auch
7 Literatur
8 Weblinks
9 Einzelnachweise

Geschichte und Verbreitung

Mitte der 1990er Jahre konnte sich die Compact-Disc als Massenspeicher-Medium bei Computern durchsetzen. Dadurch wuchsen nicht nur die Anwendungsfelder, sondern auch die Bedürfnisse der Verbraucher und der Unterhaltungsindustrie. Gewünscht wurde ein Medium, mit dem Videos ähnlich komfortabel gehandhabt werden konnten wie Musik- und Sprachaufnahmen mit der CD. Zwar gab es dies bereits als Video-CD (VCD) und Laserdisc (LD), jedoch konnten auf der VCD maximal 74 Minuten (in knapper VHS-Qualität) und auf der LD maximal 128 Minuten Videomaterial (in voller Sendequalität) untergebracht werden. Dies führte bei Spielfilmen dazu, dass die VCD/LD mitten im Film gewechselt/umgedreht werden musste, ähnlich wie früher bei der Kompaktkassette oder der Schallplatte.

Die Unterhaltungsindustrie arbeitete daran, die Speicherkapazität der CD weiter zu erhöhen. Hierbei gab es zwei unterschiedliche Konzepte: Sony und Philips betrieben die Entwicklung der Multimedia-CD (MMCD), Toshiba und Time Warner favorisierten die Super Density CD (SD).

Auf Druck der Filmindustrie, die nicht mehr, wie bei der Markteinführung der Videorekorder, mehrere Standards unterstützen wollte, einigten sich die Konkurrenten in Tokio am 15. September 1995[2] auf einen gemeinsamen Standard. Da die DVD zunächst als reines Speichermedium für Videodaten gedacht war, stand DVD anfangs für „Digital Video Disc“. Dies wurde jedoch geändert, als andere Verwendungsmöglichkeiten abzusehen waren. Als Alternative wurde „Digital Versatile Disc“ (versatile = vielseitig) ins Spiel gebracht, konnte sich aber nicht durchsetzen. Der aktuelle offizielle Standpunkt des DVD-Forums ist, dass DVD einfach drei Buchstaben ohne exakt festgelegte Bedeutung sind.

Ein Jahr später, 1996, kamen die ersten Abspielgeräte und DVD-Medien in den Handel. Zuvor mussten Unstimmigkeiten bezüglich des Verschlüsselungsverfahrens (CSS) ausgeräumt werden. Zudem gelang es der Filmindustrie, mit einem Regionalcode Marktkontrolle zu gewinnen. Mit dem Code soll verhindert werden, dass zum Beispiel eine DVD aus den USA auf einem europäischen Gerät abspielbar ist. Die Filmindustrie fürchtete hier Umsatzeinbußen, da Filme in den USA oft schon auf dem Videomarkt erhältlich sind, während sie in Europa noch gar nicht im Kino gezeigt wurden. Als Vertriebsstrategie der Anbieter ist auch bekannt, dass durch die regionale Beschränkung der Anwendbarkeit in unterschiedlichen Regionen unterschiedliche Preise („Marktpreise“) erzielt werden können.

Sowohl der verwendete Wiedergabeschutz Content Scramble System als auch der Regionalcode sind mittlerweile leicht zu umgehen. Die Industrie reagierte darauf einerseits mit rechtlichen Maßnahmen und andererseits mit dem Druck auf die Hersteller von DVD-Laufwerken, die Abfrage des Regionalcodes gerätetechnisch zu implementieren.

Ende 1996 waren die ersten DVD-Brenner im Handel verfügbar, die Preise lagen jedoch bei ca. 10.000 DM und der Preis eines 3,6-GB-Rohlings lag oberhalb von 100 DM.

Mittlerweile wird die Blu-ray Disc als Nachfolger der DVD beworben, die sich gegen das Konkurrenzformat HD DVD ab März 2008 durchsetzen konnte. Dabei werden durch Abtastung der noch enger gesetzten Pits und Lands mit einem blau-violetten Laserstrahl noch höhere Datenmengen untergebracht. Sie sollen vor allem hoch aufgelöste Videoinhalte speichern, die eine wesentliche höhere Speicherkapazität benötigen, als sie eine DVD bieten kann.

Verkaufte Bildträger in Deutschland

Jahr

in Mio. Stück

in Mio. Euro (Videokaufmarkt)

DVDs

Blu-ray
Discs

HD-
DVDs

VHS-
Kassetten

DVDs

Blu-ray
Discs

VHS-
Kassetten

1999

002,1

39,8

?

?

2000

008,2

35,8

0170

423

2001

018,9

31,7

0407

383

2002

035,5

28,6

0713

327

2003

064,1

20,8

1053

199

2004

090,2

13,0

1323

117

2005

098,7

05,6

1322

044

2006

100,8

02,0

1295

012

2007

103,3

000,37

00,13

00,8

1313

014

004

2008

101,3

01,7

0,5

00,2

1242

048

001

2009

106,6[3]

06,2

0,1

1258

119

001

2010

103,5[4]

12,0

k. A.

1189

193

001

2011

101,1[5]

17,0

1129

267

k. A.

2012[6]

89,4

23,1

1022

343

2013[7]

87,8

29,3

0984

410

2014

76,9

27,9

0889

405

2015

71,5

28,8

0829

418

2016

60,4

26,3

0715

391

2017[8]

53,0

26,2

0610

364

Verkaufszahlen von DVDs in Europa 2013 (Auswahl)

Land

in Mio.

Land

in Mio.

Großbritannien

143,4

Norwegen

7,9

Deutschland

87,8

Dänemark

7,8

Frankreich

60,7

Irland

6,9

Niederlande

13,6

Schweiz

7,1

Italien

16,2

Polen

6,3

Schweden

13,1

Portugal

2,9

Belgien

10,0

Ungarn

4,7

Spanien

8,7

Kroatien

0,6

Quelle: Bundesverband Audiovisuelle Medien e. V.
Quelle: International Video Federation[9]

DVD-Formate

Gepresste DVD (links, hell) und beschreibbare DVD-R (rechts, dunkler)

Die DVD gibt es in drei Varianten betreffs ihrer Beschreibbarkeit:

vom Hersteller gepresste und nicht modifizierbare Datenträger: DVD,
für den Konsumenten einmal beschreibbare DVD-Formate: DVD−R (DL), DVD+R (DL) und
für den Konsumenten mehrmals beschreibbare DVD-Formate: DVD-RAM, DVD−RW, DVD+RW.

Diese gibt es mit verschiedenen Inhalten (DVD-Formate) wie DVD-Video, DVD-Audio, DVD-ROM und Hybrid-Varianten.

Besonders die beschreibbaren Formate und die DVD-RAM lassen sich mit dem bloßen Auge von den gepressten anhand ihrer Datenseite unterscheiden, da diese aufgrund ihrer Legierungen Farben wie etwa Blau, Violett oder Braun aufweisen. Die DVD-RAM hat außerdem charakteristische sichtbare Sektormarken.

DVD-Datenstrukturen

Die DVD wird für folgende drei Verwendungszwecke eingesetzt, für die jeweils eigene DVD-Formate für spezielle Datenstrukturen geschaffen wurden:

DVD-Audio ermöglicht die Wiedergabe von Standbildern und Ton in sehr hoher Qualität mit DVD-Audio-fähigen Abspielgeräten.
DVD-ROM ermöglicht das Lesen von allgemeinen Daten (Computerdaten).
DVD-Video ermöglicht die Wiedergabe von bewegten Bildern und Ton mit DVD-Video-fähigen Abspielgeräten.

Der AUDIO_TS-Ordner spielt bei Audio-DVDs eine zentrale Rolle. Bei der DVD-Video sind jedoch auch die Audiodaten im VIDEO_TS-Ordner zu finden, genauso wie die diversen Sprachversionen, Untertitel, Kapitelinformationen und Sonderfeatures (alle innerhalb sogenannter „VOB-Containerdateien“). Das bei DVDs üblicherweise eingesetzte Kompressionsformat ist MPEG-2, nach dem DVD-Standard ist jedoch auch noch das qualitativ weit unterlegene MPEG-1-Format vorgesehen, das ansonsten vor allem bei Video-CDs Anwendung findet. Der MPEG-2-Videostream (das Videobild) wird bei der Erstellung einer Video-DVD gemeinsam mit dem Audiostream und gegebenenfalls mit anderen Datenblöcken verwoben („gemuxt“, s. Multiplexing) und in einer .VOB-Datei („Video Object“) angelegt, die laut DVD-Standard nie größer als 1 Gigabyte sein darf. Wird diese Datenmenge überschritten, wird in den Programmen zur DVD-Erstellung (DVD Authoring Software) automatisch eine neue .VOB-Datei angelegt. Die .VOB-Datei dient also als „Containerdatei“ aller Programmströme.

Beim Wechsel der Dateien ist der Übergang wegen des in den DVD-Playern integrierten Puffers nicht wahrnehmbar. Beim Abspielen werden abwechselnd Video-, Audio- und gegebenenfalls Steuerungsinformationen ausgelesen, zwischengespeichert und wiedergegeben. Der VIDEO_TS-Ordner enthält außerdem die .IFO-Datei mit der Menüführung und meist mehrere .BUP-Dateien, die jedoch nur als Backup der .IFO-Datei dienen.

Als Tonspuren sind mehrere Formate zugelassen; neben dem datenintensiven – weil unkomprimierten – linearen PCM-Datenstrom gibt es mehrere Komprimierungsverfahren: mp2 (meist 192–256 Kbit/s) in beliebigen Bitraten für Stereoton, Dolby-Digital- oder DTS-Mehrkanalton bis 5.1-Surround (meist 448 Kbit/s). Auch SDDS ist für die DVD spezifiziert, es gibt jedoch für den Heimbereich weder entsprechende Decoder noch DVDs mit SDDS-Tonspur. Ebenso wenig hat sich das Tonformat MPEG-2 Multichannel durchsetzen können.

Insgesamt stehen für den gesamten Datenstrom 10,08 Mbit/s zur Verfügung, für den Audiostrom maximal 6,144 Mbit/s. Die Bildqualität der Video-DVD hängt nicht so sehr von der Bandbreite des Video-Streams als vielmehr von der Effizienz der Komprimierung ab. Oft wird mittels MPEG-Encoders in mehreren Durchläufen kodiert, um ein Höchstmaß an Effizienz zu erreichen. Bei MPEG-2 können die Datenströme im VBR-Verfahren komprimiert werden, d. h., dass die Bandbreite an verschiedenen Stellen des Films stark abweichen kann (variable Bitrate).

Die Bitrate hängt dabei von der gerade anfallenden Datenmenge ab, sodass zum Beispiel bei bewegungsarmen Szenen Bandbreite und damit Speicherplatz auf der DVD gespart werden kann. Bei MPEG-2 werden bei aufeinanderfolgenden Bildern in der Regel nur die Unterschiede zum vorausgehenden Bild gespeichert (P- oder B-Frames), um auf der Disc Platz zu sparen. Mehr Informationen dazu im Artikel DVD-Video.

Daten-DVDs (DVD-ROM) sind anders als Video-DVDs keinen Restriktionen unterworfen und können beliebige Ordner und Dateien enthalten. Als Dateisysteme werden entweder die im Computerbereich vorherrschenden Formate ISO 9660 und ISO/Joliet oder UDF verwendet; beide Systeme können innerhalb des UDF Bridge-Formates (ISO 9660 Level 3 Layer) kombiniert werden. Ebenso wie CDs können auch DVDs in mehreren Sessionen (Sitzungen) beschrieben werden (Multiborder, analog zu Multisession bei CDs). Einige ältere Betriebssysteme oder DVD-Player können jedoch nur auf die erste Session zugreifen, weshalb es sich in diesem Fall empfiehlt, die DVD in einem Zug zu beschreiben. Zum Auslesen der restlichen Sessions dienen Zusatzprogramme wie IsoBuster, die auch unter älteren Betriebssystemen laufen.

Physische Hybrid-DVD

Daneben gibt es auch die Hybrid-DVD, die die Eigenschaften einer DVD-Video, DVD-Audio oder DVD-ROM in einer DVD kombiniert. Eine solche Hybrid-DVD enthält Videos, Musik und Computerdaten und präsentiert im DVD-Spieler, DVD-Rekorder oder DVD-Laufwerk des Computers die jeweils abspielbaren Inhalte.

Technisch lässt sich eine Hybrid-DVD sehr einfach realisieren, weil die DVD-Video und DVD-Audio auf der DVD-ROM basieren. Die DVD-ROM speichert alle Inhalte als Dateien nach dem UDF-Dateisystem ab. Für die DVD-Video und DVD-Audio müssen nur zwei weitere Festlegungen vorgenommen werden: Die erlaubten Dateiformate und der Ablageort auf der DVD. Für die Hybrid-DVD ist besonders der Ablageort interessant. Wird eine DVD-Video oder Hybrid-DVD zum Beispiel in einen DVD-Rekorder eingelegt, so sucht dieser die Filmdateien im Unterverzeichnis VIDEO_TS. Nach dem gleichen Schema sucht ein DVD-Player die Audiodaten im Unterverzeichnis AUDIO_TS. Im DVD-Laufwerk eines Computers sind hingegen alle Dateien einer DVD ersichtlich, weil dieser jede DVD als eine DVD-ROM behandelt.

Sony DCR-DVD201E HDV-Camcorder mit direkter Aufzeichnung auf eine 8-cm-DVD

Beschreibbare DVD-Formate

Logo

DVD

Die Bezeichnung DVD tragen alle Scheiben der DVD-Familie.

Am „−“ sind alle DVD-Formate erkennbar, die vom DVD Forum stammen.
Nur bei diesem Format kann Time Search verwendet werden.

+

Am „+“ sind alle DVD-Formate erkennbar, die von der DVD+RW Alliance
stammen und einige Sonderfunktionen im Videobereich unterstützen.

±

Mit einem „±“ wird ausgedrückt, dass hier sowohl die DVD-Formate des
DVD-Forums wie der DVD+RW Alliance gemeint sind.

R

„Recordable“, das heißt einmal beschreibbar.

RW

„Rewritable“, das heißt wiederbeschreibbar (gewöhnlich bis ≈1000-mal
veränderbar/korrigierbar).

RAM

„Random Access Memory“, das heißt freier, direkter Schreib-/Lese-
Zugriff auf alle Daten (gewöhnlich bis ≈10.000-mal veränderbar/korrigierbar)

DL

Dual (−) bzw. Double (+) Layer, das heißt zwei Datenschichten
auf einer Seite.

Der Endbenutzer kann nicht nur käufliche DVDs abspielen (die im Presswerk hergestellt wurden), sondern er kann mit einem DVD-Brenner auch eigene DVD-Videos, DVD-Audio oder DVD-ROMs erstellen. DVD-Brenner sind beispielsweise in Computern und Hi-Fi-DVD-Rekordern eingebaut und benötigen beschreibbare DVD-Formate. Historisch haben sich aus Kostengründen die fünf verschiedenen DVD-Formate DVD−R, DVD+R, DVD−RW, DVD+RW und DVD-RAM mit einfacher und doppelter Speicherkapazität (DL – Double Layer) entwickelt. Sie werden nach folgender Systematik bezeichnet:

Die drei DVD-Formate, die vom DVD-Forum stammen, werden auch als Minus-Standard bezeichnet. Nur diese Formate dürfen auch das offizielle DVD-Logo tragen. Entsprechend werden die zwei DVD-Formate von der DVD+RW-Allianz mit einem „+“ auch als Plus-Standard bezeichnet. Die DVD-Formate nach dem Plus-Standard sind technisch einfacher aufgebaut, wodurch zum Beispiel die DVD+RW andere Schreibmethoden als die DVD-RW unterstützt. Auch sind die Lizenzgebühren für die Patentnutzung bedeutend niedriger. Diese anfänglichen Preisvorteile des Plus-Standards gibt es inzwischen durch den harten Wettbewerb mit dem Minus-Standard nicht mehr.

Die Formatvielfalt führte anfangs zu einer Kaufzurückhaltung bei den Konsumenten, da unklar war, welches beschreibbare DVD-Format die größere Investitionssicherheit aufweist. Die Industrie reagierte seit 2003 darauf mit (preisgünstigen) Multi-Brennern, die sowohl das Minus- als auch das Plus-Format unterstützten.

Formate mit zwei Datenschichten

Ein bereits beschriebener Dual-Layer-Rohling mit gespaltenen Datenschichten.

Seit 2004 werden auf dem Massenmarkt auch beschreibbare DVDs mit zwei anstatt nur einer Datenschicht angeboten. Sie werden mit „DL“ bezeichnet, was im Minus-Format für „Dual Layer“ (DVD−R DL), im Plus-Format dagegen für „Double Layer“ (DVD+R DL) steht. Beiden Formaten gemein sind die zwei übereinander geklebten Schichten auf derselben Seite der Platte, die gewisse Veränderungen im Aufbau der DVD notwendig machten. Nur so kann auch die zusätzliche Schicht beschrieben und gelesen werden. Die DVD±R DL bietet 8,5 GB Fassungsvermögen pro Medium, also etwa das 1,8fache einer Single-Layer-DVD. Ihre zusätzliche Kapazität reicht oftmals aus, um große Einzeldateien (etwa hochauflösende Videos) auf einen einzigen Datenträger zu brennen, anstatt sie auf zwei herkömmliche DVDs aufzuteilen und ohne die Daten dafür erneut komprimieren zu müssen. Für RW-Medien dagegen sind diese Änderungen hin zum DL-Datenträger nicht möglich. Zu geringe Reflexionseigenschaften verhindern die zuverlässige Nutzung der zweiten Datenschicht.

Daneben existieren auch noch doppelseitige Medien in den Formaten DVD−R, DVD+R und DVD-RAM. Diese fassen tatsächlich 2 × 4,7 GB, also 9,4 GB pro Medium, da sie im Prinzip aus zwei einzelnen DVDs bestehen. Nachteilig wirkt sich dies besonders bei großen Dateien aus, da diese nicht wie bei ±DL-DVDs zusammenhängend gespeichert werden können. Jede Seite repräsentiert einen eigenständigen Datenträger, und um auf den jeweils anderen Datenbestand zugreifen zu können, muss die DVD bisher noch entnommen und gewendet werden, da es Laufwerke, die beide Seiten gleichzeitig nutzen können, bisher nicht gibt. Da die Double-Layer-/Dual-Layer-DVDs trotz geringerer Gesamtkapazität diverse Vorteile bieten (höhere maximale Dateigröße, Platz für ausführliche Beschriftung etc.), waren doppelseitige DVD±R-Rohlinge wegen der steigenden Nachfrage vorübergehend kaum noch erhältlich, seit Juli 2008 hat sich die Marktlage entspannt. Doppelseitige DVD-RAM sind ebenfalls erhältlich. Theoretisch waren so 17 GByte Speicherplatz möglich.[10] Diese Möglichkeit wurde inzwischen technisch realisiert und wird als DVD-17 bezeichnet.[11]

Klassifikation von beschreibbaren DVDs

Eine DVD-RAM ist mit dem bloßen Auge unmittelbar von anderen DVD-Formaten anhand der vielen kleinen verstreuten Rechtecke, die von ihrer typischen Sektorierung herrühren (erkennbar in der Vergrößerung), unterscheidbar. Die Sektorierung dient einer höheren Datensicherheit.

Die beschreibbaren DVD-Formate lassen sich nach ihrer Veränderbarkeit und Datensicherheit unterscheiden.

Einerseits lassen sie sich nach ihrer Veränderbarkeit in zwei Gruppen unterteilen:
DVD-Rohlinge, die nur einmal beschreibbar sind: DVD−R und DVD+R. Bei diesen Medien wird die Information in einen Dye geschrieben. Dies ist ein organischer Farbstoff, meist violetter Farbe.
DVD-Medien, die nachträglich veränderbar sind: DVD−RW, DVD+RW, DVD-RAM. Die RW-Medien verwenden als funktionelle Schicht anstatt des bei den DVD-Rohlingen verwendeten Dyes eine metallische Schicht. Bei den DVD-Medien ist die DVD-RAM 100-mal so oft wiederbeschreibbar (circa 100.000-mal) wie die DVD-RW bzw. DVD+RW, die etwa 500 bis 1.000 Schreibvorgänge überstehen.
Weiterhin ist die Datensicherheit ein weiteres wichtiges Unterscheidungsmerkmal der einzelnen beschreibbaren DVD-Formate:
Die DVD±R reagiert aufgrund ihrer organischen Farbstoffe viel empfindlicher auf Sonnenlicht und Hitze als die DVD±RW. Wird sie der unmittelbaren Sonneneinstrahlung oder starkem UV-Licht ausgesetzt, kann dies zu einem schnellen Verlust der Daten führen.
Die DVD±RW hingegen reagiert sensibler auf extreme Temperaturschwankungen; durch leichte Materialdeformationen können die Daten Schaden nehmen.
Die DVD-RAM weist von allen beschreibbaren DVD-Formaten die höchste Datensicherheit auf, weil sie zusätzlich folgende zwei Eigenschaften aufweist:
Sektorierung: DVD-RAM-Medien besitzen eine eingeprägte Sektorierung, die sich visuell als ein Muster von kleinen verstreuten Rechtecken auf der Unterseite einer DVD-RAM zeigen (siehe Abbildung). Sie dienen einer höheren Lese- und Schreibgenauigkeit.
Defektmanagement: Die DVD-RAM besitzt dasselbe bewährte Defektmanagement wie Festplattenlaufwerke. Jede geschriebene Information wird von der Hardware kontrollweise gelesen (verifiziert) und ggf. verbessert. Es gibt daher keine versteckten Schreibfehler wie bei der DVD±R oder DVD±RW.

Geschwindigkeit

Die Standard-Datenrate 1× entspricht bei DVDs einer Geschwindigkeit von 11,08 Mbit/s[12] (1,385 MB/s oder etwa 1,32 MiB/s) und damit in etwa einem CD-Laufwerk mit dem Geschwindigkeitsfaktor 9×. Die Schreibgeschwindigkeit 1× entspricht somit definitionsgemäß der maximalen Datenrate, die beim Abspielen einer standardkonformen Video-DVD auftreten kann.

Aktuelle DVD-Laufwerke schaffen Brenn- und Lesegeschwindigkeiten bis zu 24×. Die volle Geschwindigkeit wird dabei allerdings nur am äußeren Rand der DVD erreicht, während im Inneren deutlich langsamer gelesen und geschrieben werden kann.

Technik der DVD

DVDs benötigen zum Abspielen einen eigenen DVD-Spieler. Zur Unterscheidung zu normalen CD-ROM-Laufwerken ist dieser auf der Vorderseite mit dem DVD-Emblem gekennzeichnet. Im Vergleich zu den CDs wird bei DVDs mit Lasern kürzerer Wellenlänge gearbeitet, und wegen der gleichzeitig kürzeren Strahlengänge der Fokussierungsoptiken resultieren daraus kleinere Laserspots, mit denen in den Datenträgerschichten entsprechend kleinere Strukturen gelesen und geschrieben werden können.

Lebensdauer

Zur Langzeitarchivierung sind beschreibbare DVD-Formate nach einhelliger Expertenmeinung nicht geeignet, einzige Ausnahme könnte eventuell die DVD-RAM darstellen, wobei auch hier die Langzeithaltbarkeit nicht sicher erwiesen ist. Verbatim bietet in Österreich und der Schweiz eine lebenslange Garantie, allerdings nicht in Deutschland. Diese gilt für alle von Verbatim hergestellten optischen Datenträger, deckt allerdings nur Herstellungsfehler ab, nicht jedoch normale Abnutzung und unsachgemäße Behandlung. Im ungünstigsten Fall können DVD±R und DVD±RW auch schon nach wenigen Monaten Datendefekte aufweisen.

Eine Haltbarkeit der Daten von bis zu 1000 Jahren verspricht seit 2012 der Hersteller Millenniata für seine M-Disc. Millenniata beruft sich dabei auf Tests des US-Militärs. Zum Beschreiben sind M-Disc-fähige Brenner erforderlich. Ansonsten wird eine M-Disc wie eine gewöhnliche DVD gehandhabt.

Speicherkapazität und Zugriffstechnik

Die Spezifikationen sehen die folgenden DVD-Typen in der Version 2 vor. Auf die Darstellung der seltenen Version 1 wird verzichtet.

Speicherkapazitäten

Format

Kapazität
in MiB/GiB[13]

Kapazität
in MB/GB[1]

Schichten
Vorderseite/
Rückseite

Bemerkung

DVD-5

4,38 GiB

4,7 GB

1/0

Leserichtung von innen nach außen auf der 0,6 mm starken Datenschicht (Single-Layer-DVD, SL).
Durch eine Dummy-Schicht darüber wird die Normdicke von 1,2 mm erreicht.

DVD-9

7,93 GiB

8,5 GB

2/0

Umfokussieren des Lasers auf eine zweite Datenschicht (Dual-Layer-DVD, DL). Bei Daten-DVDs
werden beide Schichten von innen nach außen gelesen. Bei DVD-Video wird die untere Schicht
von innen nach außen gelesen, die obere zurück von außen nach innen.

DVD-10

8,76 GiB
(2 × 4,38 GiB)

9,4 GB
(2 × 4,7 GB)

1/1

Wenden der DVD im Spieler auf eine zweite Datenschicht (Flipper).

DVD-14

12,3 GiB
(7,92 + 4,38 GiB)

13,2 GB
(8,5 + 4,7 GB)

2/1

Flipper mit einer Seite Dual Layer und einer Seite Single Layer; äußerst selten

DVD-18

15,84 GiB
(2 × 7,92 GiB)

17 GB
(2 × 8,5 GB)

2/2

Flipper mit Dual Layer auf beiden Seiten; selten

DVD-plus
(DualDisc)

4,38 GiB
+ 650 MiB

4,7 GB
+ 682 MB

1/1

DVD-5 wird mit einer normalen CD kombiniert. So kann der CD-Teil auf CD-Spielern abgespielt
werden. Die CD-Seite und die DVD-Seite sind unterschiedlich, die Medien sind nicht normgerecht,
sondern zu dick; daher wird meist vom Abspielen solcher Medien in Laufwerken mit Einzugsschlitz,
sogenannte Slot-In-Laufwerke, abgeraten. Wird von Sony unter dem Begriff DualDisc vermarktet.

Vergleich von CD und DVD

Typ

Parameter

Darstellung

CD
Wellenlänge: 780 nm
Numerische Apertur: 0,45
Spotdurchmesser: 2,1 µm
Spurabstand: 1,6 µm

DVD
Wellenlänge: 650/635[14] nm
Numerische Apertur: 0,6
Spotdurchmesser: 1,3 µm
Spurabstand: 0,74 µm

Angabe der Brutto-Speicherkapazität in GB statt in Byte. Die tatsächlich verwendbare Speicherkapazität hängt vom verwendeten Dateisystem der DVD ab.

Eine für DVD-RW 16fache Schreibgeschwindigkeit verwendete Laserdiode hat z. B. folgende Daten[15]:

Wellenlänge: 658 nm
Schwellstrom: 50 mA
Dauerleistung (CW, bei 130 mA): 80 mW
Pulsleistung (40 ns Pulsdauer): 250 mW
Abstrahlwinkel: 9° / 19°
Laser-Schutzklasse (Gehäuse des DVD-RW-Laufwerkes geöffnet, Laserdiode mit oder ohne Optik): 3B

Die geringere Wellenlänge gegenüber CD-Lasern sowie die größere Apertur der Fokussieroptik ermöglichen einen kleineren Fokus und somit kleinere schreib- und lesbare Pits.

Die im Vergleich zur CD bei gleicher Geometrie der Disk etwa sechsmal so hohe Datenkapazität der DVD wird durch weniger als halb so lange Pits bei einem weniger als halb so großen Spur-Abstand sowie mehr Fläche für die Daten durch einen schmaleren Lead-In Bereich erreicht. Double Layer DVDs benötigen etwa 10 % längere Pits, weswegen zwei Schichten in dieser Konfiguration nicht die doppelte Kapazität einer Single Layer DVD bieten. Die feineren Strukturen der DVD sind anfälliger gegenüber Kratzern und Verschmutzungen, was durch die verwendete zweidimensionale Fehlerkorrekturmethode mehr kompensiert wird.
Im Gegenzug sind CDs extrem sensibel bezüglich Kratzer auf der Oberseite, da diese im Allgemeinen direkt die Datenschicht darstellt. Daher sollten CDs nicht mit eindrückenden oder kratzenden Stiften wie Kugelschreiber oder (harten) Bleistiften beschriftet werden.

Fehlerkorrektur

Auf der DVD werden zwei Reed-Solomon-Codes C1(182, 172, 11) und C2(208, 192, 17) eingesetzt, die durch Verkürzung aus einem Reed-Solomon-Code (255, 245, 11) bzw. (255, 239, 17) entstehen. C1 dient der Zeilencodierung und C2 der Spaltencodierung. Die so entstehende Matrix dient der Fehlerkorrektur, wobei in den Zeilen jeweils 5 Fehler und in den Spalten jeweils 8 Fehler korrigiert werden können.
Die Bits

B

i
,
j

{displaystyle B_{i,j}}

mit

i
>
191

{displaystyle i>191}

und

j
>
171

{displaystyle j>171}

sind Paritätsbits, die beim Codieren entstehen.[16]

Reed Solomon Produkt Code

Beim Interleaving der DVD wird ein 182 × 208-Byte Frame in 16 Frames bestehend aus 182 × 13 Bytes aufgeteilt. Dabei wird je eine Paritätszeile (

j
>
181

{displaystyle j>181}

) ans Ende eines 182 × 12-Byte Frames verschoben. Das heißt die

B

i
,
j

{displaystyle B_{i,j}}

werden folgendermaßen in einer neuen Matrix

B

m
,
n

{displaystyle B_{m,n}}

angeordnet:

m
=

{

i
+

i
12

für 

i
<
192

13
(
i

191
)

1

für 

i

192

{displaystyle m={begin{cases}i+leftlfloor {frac {i}{12}}rightrfloor &{text{für }}i<192\13(i-191)-1&{text{für }}igeq 192end{cases}}}

n
=
j

{displaystyle n=j}

Die so erzeugte Matrix wird ähnlich wie bei der CD decodiert. Dabei können maximal 4832-Bits[17] oder ein Flächenfehler mit 2932 Bits korrigiert werden.

Neue Technologien

Zur Anwendung beider erweiterter Techniken braucht es höherfrequente (das heißt, die Farbe des Lasers ist in Richtung Blau verschoben) und genauere Laser als zum Auslesen einer CD. Um die zweite Datenschicht lesen zu können, muss der Laser dazu noch leicht anwinkelbar sein. Zusammen mit der veränderten Laserfokussierung ist es so möglich, die untere („verdeckte“) Schicht lesen zu können.

Datenkodierung

Die Binärdaten auf einer DVD werden nach der „Eight-to-Fourteen-Modulation-plus“ (EFMplus) geschrieben. Diese stellt sicher, dass sich nach minimal 3 und maximal 11 Takten die Polarität des ausgelesenen Signals ändert. Das geschieht, wenn der Laser in der Spur einen Übergang von einer Vertiefung („pit“) zu einem Abschnitt ohne Vertiefung („land“) passiert oder umgekehrt.

Der Hintergrund ist hierbei folgender: Die Abschnitte mit Vertiefungen bzw. ohne Vertiefungen müssen lang genug sein, damit der Laser die Veränderung erkennen kann. Würde man ein Bitmuster direkt auf den Datenträger schreiben, würden bei einem alternierenden Signal (1010101010101010…) falsche Werte ausgelesen, da der Laser den Übergang von 1 nach 0 beziehungsweise von 0 nach 1 nicht verlässlich auslesen könnte. Die EFMplus-Modulation erweitert das Signal von 8 auf 14+2 Bit auf und wählt die 2 Füllbits so, dass die oben erwähnte Forderung, dass sich nach minimal 3 und maximal 11 Takten die Polarität ändert und ein Übergang von 1 nach 0 oder umgekehrt geschieht, erfüllt wird. Die CD verwendet eine simplere 8-zu-14-Bit-Methode mit insgesamt 3 Füllbits namens EFM, woher der jetzt eigentlich falsche Name bei der DVD rührt(?); korrekter wäre „Eight-to-Sixteen“.

Brenner

Nachdem die ersten DVD-Brenner (DVD-Schreiber) nur eine Datenmenge von 3,56 GB auf einen einmal beschreibbaren DVD-Rohling speichern konnten, wurde die Kapazität später auf die volle Größe einer DVD-5 (4,7 GB) angehoben und zusätzlich wiederbeschreibbare Medien mit diesem Fassungsvermögen vorgestellt. Seit Mitte 2004 beherrschen DVD-Brenner auch die Doppelschicht-Technik (dual layer), welche die Speicherung von Daten auf einem zweischichtigen Rohling ermöglicht. Die zweite Datenschicht besitzt weiter gesetzte Pits und Lands, um ein Lesen durch die untere Schicht hindurch zu ermöglichen, und ist somit kleiner. So fasst ein solcher Rohling statt 9,4 GB (die Kapazität zweier DVD-5) lediglich zirka 8,5 GB.

Duplikationsverfahren

DVD-Pressung: Die Herstellung einer DVD oder einer CD (ROM und Video) besteht aus vier Schritten nach Anlieferung der Master-DVD-R beziehungsweise eines Streamer-Tapes („DLT“-Format) an das Presswerk.
Premastering: Zuerst wird geprüft, ob der Standard (das Book) erfüllt ist, das heißt, ob der Datenträger den Spezifikationen entspricht. Danach wird mit der Berechnung des EDC (Error Detection Code) und ECC (Error Correction Code) begonnen. Dies dauerte ursprünglich zwischen fünf und 16 Stunden. Anschließend werden Time-Code, Inhaltsinformation der Tracks und TOC (Table of contents) usw. generiert und ein Image der DVD/CD erstellt. Die Daten können nun dem Mastering zugeführt werden.
Mastering: Die aufbereiteten Daten aus dem Premastering werden auf einen Glasmaster (eine Glasscheibe) übertragen, indem ein modulierter Laserstrahl die darauf aufgetragene Substratschicht (ein Farbstoff) von innen nach außen belichtet. Im Entwicklungsbad werden dann die belichteten Stellen ausgewaschen, die Pits entstehen. Anschließend wird der Glasmaster mit einer 100 nm dicken Silberschicht bedampft. Im Anschluss daran folgt ein erstes Auslesen als Qualitätsprüfung. Die Kosten für die Glasmasterproduktion (zwischen 300 und etwa 3.000 €) werden bei geringen Auflagen von den meisten Presswerken in Rechnung gestellt.
Galvanik: Es werden nun Negative des Glasmasters erstellt, die für die Pressung als Stempel verwendet werden können.

Serienfertigung

Generell werden die Discs aller DVD-Formate aus zwei einzelnen aus Polycarbonat gespritzten Kunststoffscheiben von etwa 0,6 mm Dicke hergestellt (Ausnahme: Ecodisc). Dabei hat die untere „Halbscheibe“ (Layer 0) einen Stapelring als Abstandshalter. Die obere „Halbscheibe“ (Layer 1) trägt bei dem Format DVD-5 keine nutzbaren Informationen und wird daher als „Dummy“ bezeichnet. Die eigentliche DVD entsteht, wenn beide Hälften mit unter UV-Licht aushärtendem Lack verklebt werden („bonden“; Schichtdicke etwa 50 µm). Um eine gleichbleibende Qualität der hergestellten Scheiben zu gewährleisten, sind in den Produktionsanlagen üblicherweise hochauflösende Kamerasysteme, so genannte Inline Scanner, integriert. Stichprobenartig kommen auch Offline-Messlaufwerke zum Einsatz, um die elektrischen Signale der DVD zu analysieren. Sollte sich beim Verkleben der zwei Layers Luft einschleichen (ein so genannter Bondingfehler), kann die DVD schnell Schaden nehmen. So kann beispielsweise beim Einlegen der DVD ein Teil eines Layers absplittern. Hierdurch kann eine Unwucht entstehen, die zu weiteren Schäden an der DVD oder sogar am Abspielgerät führen kann. Allerdings sind diese Fehler in der Regel nur ein optisches Problem und haben keinen Einfluss auf die Abspielbarkeit der DVD.

Beim Herstellvorgang gibt es große Unterschiede zwischen bespielten Medien (Kauf-Videos) und unbespielten/wiederbeschreibbaren Scheiben (Rohlinge). Die Formate DVD-5, -9 und -10 können meist auf derselben Maschine hergestellt werden. Dabei werden die Informationen mit Matrizen (Stamper) in das heiße Polycarbonat gepresst (Spritzprägen). Um die Daten für die Laufwerke lesbar zu machen, werden die Halbscheiben mit Metall beschichtet (sputtern). Bei DVD-5, DVD-10 und dem Layer 1 bei DVD-9 wird Aluminium vollreflektierend gesputtert (etwa 50 nm). Da bei DVD-9 beide Informationsschichten von einer Seite gelesen werden, wird die untere (Layer 0) halbtransparent mit Gold, Silizium oder Silberlegierungen beschichtet (etwa 10–15 nm). DVD-14 und DVD-18 erhält man, indem zwischen die Halbscheiben eine bereits mit weiteren DVD-Strukturen versehene Folie eingebracht wird.

Brennen

Beim Brennen ist kein Glasmaster erforderlich, sondern nur ein Computer, ein DVD-Brenner und ein Brennprogramm.

Für das Brennen benötigt man DVD-Rohlinge, die in unterschiedlichen Qualitäten als DVD−R, DVD+R, DVD−RW, DVD+RW und DVD-RAM erhältlich sind. Durch die verschiedenen DVD-Formate und die Tatsache, dass diese teilweise erst nach der Definition des ursprünglichen DVD-Regelwerks spezifiziert wurden und Varianten desselben sind, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass die gebrannte DVD auf einigen DVD-Playern nicht abspielbar sein wird. Deswegen sollte man sich nach der Kompatibilität des Brenners und der gewünschten Abspielgeräte vor dem Kauf der Rohlinge genau erkundigen. Einige DVD-Brenner bieten die Möglichkeit, DVD+R- und DVD+RW-Rohlinge mit dem Book Type DVD-ROM zu kennzeichnen und dadurch deren Akzeptanz durch ältere DVD-Abspielgeräte deutlich zu erhöhen.

Häufig müssen die DVDs nach dem Brennen finalisiert werden. Bei DVD+RW und DVD-Ram ist ein Finalisieren nicht notwendig, es wird aber empfohlen, ein DVD-Menü zu erstellen.

Labelaufdruck / Beschriftung

Für den Labelaufdruck bei der DVD stehen ebenso wie bei der CD verschiedene Drucktechniken zur Verfügung:

Siebdruck

Im Siebdruck sind bis zu sechs Labelfarben möglich, es können Schmuckfarben (HKS oder Pantone) gewählt werden. Siebdruck ist derzeit die gängigste Variante, um CDs oder DVDs zu bedrucken, wird aber zunehmend vom Offsetdruck verdrängt. Der Siebdruck ist geeignet für gepresste CDs und DVDs; auch die Rohlingsbedruckung im Siebdruck ist möglich. Im Siebdruck sind die Farben sehr brillant.

Trockenoffsetdruck

Im Trockenoffset sind vier Labelfarben möglich (CMYK-Farbmodell), kombiniert mit dem Siebdruck bis zu sechs Labelfarben (CMYK im Offset und zusätzlich weiß Vollfläche und eine Schmuckfarbe oder Glanzlack im Siebdruck). Auf Grund der höheren Auflösung als im Siebdruck ist der Offsetdruck ideal für fotorealistische Darstellungen. Seit Anfang 2004 ist der Offsetdruck nicht nur für gepresste CDs und DVDs, sondern auch für CD-Rohlinge und DVD-Rohlinge möglich.

Thermotransferdruck

Bei diesem Druckverfahren wird mit einem speziellen Drucker Farbe von einem Farbband durch Erhitzung des Druckkopfes auf die CD oder DVD übertragen. Technisch bedingt ist das Druckverfahren eher für Schriften und Logos geeignet. In der Praxis wird dieses Verfahren bei kleinen Auflagen (gebrannte CDs und DVDs) angewendet.

Thermoretransferdruck

Der Thermoretransferdruck ist die Weiterentwicklung des Thermotransferdrucks. Das Labelmotiv wird im Thermotransferdruckverfahren auf ein Übertragungsband gedruckt und davon dann eine Folie auf die CD oder DVD aufgebracht. Durch diese Technik ist eine bessere Auflösung möglich. So kann bereits bei Kleinauflagen ein fotorealistischer Druck erreicht werden.

Tintenstrahldruck

Es gibt spezielle DVD- bzw. CD-Rohlinge, die gegenüber der Datenseite eine weiße Druckseite besitzen. Diese besteht aus einem speziellen, saugfähigen Material, das ein Verlaufen der Tinte verhindern soll. Zum Bedrucken sind spezielle Drucker nötig, deren Technologie sich kaum von der unterscheidet, die zum Bedrucken von Papier genutzt wird. Entsprechend gibt es auch Drucker, die sowohl CDs, DVDs als auch Papier bedrucken können. Praktisch findet dieses Verfahren nur bei Heimanwendern und sehr kleinen Auflagen von gebrannten Medien eine Anwendung.

Aufklebe-Label

Diese Methode ist für den Heimanwender nicht zu empfehlen. Wie bei einem Bimetall wölbt sich die DVD bei Temperaturunterschieden, da sich der Aufkleber und die Polycarbonat-Scheibe unterschiedlich stark ausdehnen. Im Gegensatz zu normalen CDs reichen bei einer DVD schon geringe Verzerrungen aus, dass der Player die Daten nicht mehr lesen kann. Dieser Effekt wird durch die Wärme im Inneren des DVD-Players noch verstärkt, so dass beklebte DVDs häufig erst nach einer gewissen Spieldauer ausfallen. Um dies zu verhindern, sind spezielle DVD-Aufkleber aus Kunststofffolie erhältlich, die sich gleichmäßig mit der Scheibe ausdehnen sollen. Nachteilig ist zudem, dass in der Regel durch den Aufkleber eine Unwucht entsteht. In DVD-Laufwerken kann diese Unwucht bei hohen Drehzahlen zu einer Ablösung des Aufklebers oder sogar einem Zerreißen der DVD führen.

Manuelle Beschriftung

Mit Folienstiften, CD-Markern und anderen Schreibern für glatte Flächen können DVDs natürlich auch von Hand beschriftet und bemalt werden. Dies ist die günstigste und schnellste Methode. DVDs sind – anders als CDs – recht unempfindlich gegen Stifte, die die Oberfläche verkratzen oder chemisch angreifen, da ihre Datenschicht mittig liegt und somit von einer relativ dicken Kunststoffschicht geschützt ist.

Laser-Label

Beschriftung des Datenträgers durch den Laser direkt im Laufwerk. Dies setzt einen speziellen Brenner und geeignete Rohlinge voraus, die ein solches Verfahren beherrschen. Die Vorteile des Laser-Labels liegen im Bedrucken auch in mobilen Betrieb, die Vermeidung von Neuinvestitionen in neue Drucker und der Möglichkeit, in mehreren Sessions zu drucken (Lightscribe). Nachteilig sind der ausschließlich monochrome Druck, die geringe Qualität, das geringe Drucktempo (optimaler Kontrast bei über 30 min. Druckzeit) sowie die teuren und immer schwerer erhältlichen Rohlinge.

LightScribe
Das erste Laser-Beschriftungssystem hat Hewlett-Packard unter dem Namen Lightscribe entwickelt, bei dem die Labelseite durch die Beschriftung geschwärzt wird. Verbreitet sind im unbeschrifteten Zustand bronzefarbene Datenträger. Es gibt eine Reihe andersfarbiger Medien, die jedoch wesentlich seltener im Handel anzutreffen sind. Je nach Qualitätsstufe dauert eine Beschriftung zwischen 15 und 20 Minuten.
Labelflash
An dieses Verfahren anknüpfend, hat Yamaha eine ähnliche Technologie namens Labelflash entwickelt. Auch mit ihr wird der Rohling im Brenner per Laser beschriftet, erzeugt jedoch einen blauen Aufdruck auf der Label-Seite. Die Beschriftungsdauer liegt bei fünf Minuten in der besten Qualität, die 1000 dpi mit 256 Helligkeitsstufen bietet.

Einweg-DVD und DVD-D

Vor Jahren hörte man immer wieder von einer neuerfundenen Einweg-DVD, die besonders den Spielfilmverleih von Videotheken revolutionieren sollte. Sobald die DVD aus der luftdichten Hülle entfernt wird und mit Sauerstoff in Berührung kommt, erfolgt eine chemische Reaktion, welche die DVD innerhalb von 8 bis 48 Stunden unbrauchbar macht. Nach Ablauf dieser Zeit kann die DVD vom Kunden einfach weggeworfen werden, weswegen diese DVDs auch Wegwerf-DVDs genannt werden. Dem Vorteil, dass man diese DVDs der Videothek nicht mehr zurückbringen muss und somit auch Verzugsgebühren kein Thema mehr sind, stehen ökologische Nachteile gegenüber, auch wenn das Produktmaterial vollständig recycelbar ist.

Die Firma Flexplay hatte eine solche Einweg-DVD unter dem Namen EZ-D herausgebracht. Diese wurde ab September 2003 von Buena Vista Home Entertainment am US-Markt getestet. Es erschienen Datenträger mit einem Film für etwa 5 bis 7 US-Dollar kurz vor der eigentlichen Premiere desselben. Das Produkt fand jedoch nicht genug Käufer, so dass dieses Anfang 2004 bereits wieder aus den Verkaufsregalen verschwand. Ein ähnliches Verfahren hatte auch schon die Firma SpectraDisc zuvor vorgestellt, nach deren Prinzip die Einweg-DVDs jedoch aufgrund von Lichtempfindlichkeit unbrauchbar wurden.

Eine andere Variante vertrieb die Firma DVD-D Germany Ltd bis 2012. Die Daten auf der DVD-D (D für engl. ‘disposable’, dt. ‘Wegwerfartikel’) sind nach dem ersten Abspielen 48 Stunden lesbar, danach erscheint im Player „No disc“. Die Datenzerstörung wird durch die Rotation im Abspielgerät gestartet, gelöscht wird dabei nach Angaben der Firma das Steuerungsmenü der DVD. Allerdings gibt es zum Mechanismus keine genaueren Angaben. Teilweise wird dies begründet mit Flüssigkeits-Tanks in der DVD, die durch die Rotation aufbrechen (Zentrifugalkraft). Auf der Website des Unternehmens DVD-D Germany[18] wurden bereits mehrere Kinofilme in diesem Format zum Preis von rund 4 € angeboten.

Ecodisc

Bestrebungen zu einer besseren ökologischen Verträglichkeit der DVD führten zur Entwicklung der Ecodisc. Diese DVD besteht aus nur einer Polycarbonat-Scheibe und hat nur 8 Gramm Gewicht. Die Speicherkapazität ist mit 4,7 GB gleich groß wie bei der DVD-5.

DivX und DIVX

Während heutzutage das DivX-Format als Videokompressionsalgorithmus bekannt ist, bezeichnet DIVX eine spezielle Pay-per-View-Variante in den USA, die heute nicht mehr existiert. Im Jahr 1998 kam die Idee auf, zu den damals noch erheblich teureren DVDs eine Billigvariante anzubieten, die 48 Stunden lang abgespielt werden konnte, jede darüber hinausgehende Nutzung war kostenpflichtig. Zur Dekodierung und Abrechnung der Filme wurden spezielle, mit einem Modem ausgestattete Player benötigt, die sich regelmäßig mit einem speziellen Server verbanden, um Abrechnungsdaten zu übertragen.

DIVX benutzte ein MPEG-4-Derivat, das mit speziellen DIVX-Flags zur Identifizierung und Dekodierung des Films versehen war. Letzten Endes konnte sich das System der DVD gegenüber nicht durchsetzen und endete nach nur einem Jahr als Flop.

Trivia

Im Jahr 2010 wurde die DVD Opfer des Aprilscherzes der renommierten Computerzeitschrift c’t. Dem Artikel nach sollten gepresste DVDs anfällig für Bakterienbefall sein. Als Merkmal wurden Flecken auf den DVDs genannt. Das Bakterium könne ganze Stapel – allerdings lediglich neuerer – DVDs zerstören und würde sich auch über infizierte Laufwerke verbreiten. Die Leser wurden aufgerufen, ihre DVD-Sammlung umzusortieren, so dass zwischen neuen immer zwei alte DVDs stehen, ihre DVD-Laufwerke zu behandeln und tagelang nicht zu benutzen.[19] Ein fingiertes Schreiben vom Verband der Videothekenbesitzer, datiert auf den 1. April, und die Verwendung der Nummer eines in der Fernsehserie Lost vorkommenden Impfstoffs als Bestellnummer enttarnten den Artikel als Aprilscherz.

Der Bildschirmschoner von vielen DVD-Spielern zeigt das DVD Logo, das sich diagonal bewegt; dass Betrachter beobachten, ob das wandernde Logo exakt eine Ecke trifft, wurde in The Office thematisiert.[20]

Siehe auch

CD- und DVD-Verpackungen
Vergleich optischer Datenträger – Vergleich von CD, DVD, HD DVD und Blu-ray Disc

Literatur

Lars-Olav Beier, Thomas Schul, Martin Wolf: Goldrausch mit Silberlingen. In: Der Spiegel, 58 (2005) Heft 24, S. 128–132. ISSN 0038-7452.
Hartmut Gieselmann: Gegen das Vergessen: US-Forscher prüfen Lebensdauer von CDs und DVDs. In: c’t, 22 (2005) Heft 1, S. 44 ISSN 0724-8679.
Jim Taylor: DVD Demystified. 2. Auflage. New York: McGraw-Hill, 2001. ISBN 0-07-135026-8.

Weblinks

 Commons: DVD – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: DVD – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
DVD-Forum – Offizielle Website der standardgebenden DVD-Organisation (englisch)
dvddemystifiziert.de – Die deutsche Fassung der bekannten englischen www.dvddemystified.com, die aus der FAQ der Newsgroup news://rec.video.dvd/ entstanden ist
Media-Infodienst.de – Aktuelles DVD-Wissen
Aktuelle News sowie Sammlungsverwaltungs Feature
Chemie im Alltag: Anorganische Speichermaterialien in DVDs
Understanding Recordable & Rewritable DVD by Hugh Bennett (englisch)
Disc-Videoformate

Einzelnachweise

↑ a b Die Präfixe werden hier bei Speicherkapazitäten im dezimalen Sinn verwendet: 1 KB = 1000 B (Byte), 1 MB (MByte) = 1000 KB (KByte), analog zu den Herstellerangaben.

Augsburger Allgemeine vom 15. September 2010, Rubrik Das Datum

Blu-ray – Verkaufszahlen Vervierfacht. John Mc Donald, 8. Februar 2010, abgerufen am 5. Juni 2016. 

Verdoppelter Blu-ray-Absatz beschert Videobranche erneutes Plus. (PDF; 36 kB) Bundesverband Audiovisuelle Medien e.V., 10. Februar 2011, abgerufen am 5. Juni 2016. 

Deutliche Zuwächse bei den Formaten Blu-ray und Video on Demand (VoD) sorgen für Rekordniveau im Kaufmarkt. (PDF; 35 kB) Bundesverband Audiovisuelle Medien e.V., 9. Februar 2012, abgerufen am 5. Juni 2016. 

↑ Zweitbestes Umsatzergebnis der Home-Entertainment-Branche (PDF; 33 kB) Bundesverband Audiovisuelle Medien e. V.. 14. Februar 2013. Abgerufen am 26. Oktober 2014.

↑ Bestes Umsatzergebnis der Deutschen Home-Entertainment-Branche (PDF; 46 kB) Bundesverband Audiovisuelle Medien e. V.. 12. Februar 2014. Abgerufen am 26. Oktober 2014.

↑ bvv-medien.org: Der Home Video Markt im Jahr 2017

European video: the industry overview. (PDF; 363 kB) International Video Federation, 2014, abgerufen am 5. Juni 2016 (englisch). 

↑ https://www.golem.de/0709/54894.html

↑ http://de.ccm.net/contents/268-dvd-audio-dvd-video-dvd-und-dvd-rom

↑ DVD-FAQ

↑ hier in der Bedeutung als Binärpräfix

↑ elektronik-kompendium.de

↑ Datenblatt der SLD1236VL vom Hersteller Sony

↑ 120 mm DVD Rewritable Disk (DVD-RAM). ECMA 272, 1999.

↑ Joohyun Lee, Jaejin Lee, Taegeun Park: Error control scheme for high-speed dvd systems. In: Consumer Electronics, IEEE Transactions. Band 51, Nr. 4, 2005, S. 1197–1203. 

↑ DVD-D Germany (Memento vom 31. Dezember 2013 im Internet Archive)

↑ Barczok, Achim: Petrischeiben – Bakterien zerstören DVDs. In: c’t, Nr. 8 vom 29. März 2010, S. 90 f.

↑ The Office US: The DVD Logo – The Office US. 11. September 2017, abgerufen am 8. März 2019. 

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4501545-4 (OGND, AKS)

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Dieser Artikel beschreibt die Beleuchtung im technischen Sinn. Siehe auch Beleuchtung (Rätsel) und Beleuchtungsstange.

Beleuchtung in einem Bahnhof
Außenbeleuchtung des Kölner Doms

Der Begriff Beleuchtung bezeichnet die Lichterzeugung mithilfe einer künstlichen Lichtquelle (Beleuchtungsanlage) sowie die folgende Sichtbarmachung von Objekten, die nicht selbst leuchten. Dieses Kunstlicht macht den Menschen unabhängig von natürlichen Lichtquellen (in erster Linie der Sonne) und dient der Verbesserung der Sehleistung (visuelle Wirkung). Sie kann den circadianen Rhythmus beeinflussen (biologische Wirkung) und das Wohlbefinden steigern (emotionale Wirkung).[1]

Die frühgeschichtliche Nutzung des offenen Feuers stellt die erste und gleichzeitig einfachste Form der Beleuchtung dar. Im weiteren Verlauf der Menschheitsgeschichte wurden insbesondere ab dem 18. Jahrhundert, verbunden mit der Entwicklung neuer Techniken und Werkstoffe, zusätzliche Möglichkeiten durch elektrische Beleuchtung entwickelt. In der Gegenwart wird versucht, Beleuchtung hinsichtlich Energieverbrauch, Wirkungsgrad und Lebensdauer zu optimieren. Aktuell ist die Verbesserung der Lichtqualität ein wichtiges Ziel der Licht produzierenden Unternehmen.

In der Beleuchtungstechnik wird grundsätzlich zwischen der Innen- und der Außenbeleuchtung unterschieden. Die Innenbeleuchtung umfasst sowohl Wohnräume als auch Arbeitsstätten aller Art sowie öffentliche Räume, wie etwa Restaurants oder Theater. Zur Außenbeleuchtung gehören im Wesentlichen die Straßenbeleuchtung, die Beleuchtung von Bauten (siehe Belichtung (Architektur)) und die von Sportstätten. Verschiedene Normen, die zum größten Teil auf europäischer Ebene harmonisiert sind, regeln die einzelnen Anwendungsgebiete und legen quantitative und qualitative Anforderungen für Beleuchtungsanlagen fest.[2]

Inhaltsverzeichnis

1 Geschichte
2 Bestandteile der Beleuchtung
3 Anwendungsgebiete

3.1 Außenbeleuchtung
3.2 Innenbeleuchtung
3.3 Beleuchtung am (Innen-)Arbeitsplatz

4 Eigenständige Anwendungsgebiete

4.1 Ausleuchtung bei Veranstaltungen
4.2 Fahrzeugbeleuchtung
4.3 Beleuchtung in der Fotografie

5 Kenngrößen und Messung

5.1 Blendung
5.2 Farbeigenschaften und Exposition

6 Probleme

6.1 Energieverbrauch
6.2 Physiologie

6.2.1 Visuelle Effekte durch Lichtquellen

7 Normen und andere Standards
8 Siehe auch
9 Literatur
10 Weblinks
11 Einzelnachweise

Geschichte

Hauptartikel: Geschichte der Beleuchtung

Die Entdeckung und Nutzbarmachung des Feuers in der Frühzeit vor etwa 300.000 Jahren markierte den Beginn der Beleuchtung. Neben Wärme spendete das offene Feuer auch ausreichend Licht, um Behausungen und Höhlen zu erhellen. Über die Zeit entwickelten sich daraus weitere Beleuchtungsmittel, wie etwa der Kienspan, die Wachskerze sowie die Öllampe. Entscheidenden Fortschritt in der Beleuchtungstechnik brachte die Entdeckung der Gaslampe im Jahre 1783 durch den Niederländer Johannes Petrus Minckeleers.[3] Mit dem Aufkommen der Elektrizität Mitte des 19. Jahrhunderts wurde versucht, auch Strom für die Beleuchtung (elektrische Bogenlampe) zu nutzen. Thomas Alva Edison meldete schließlich 1879 die Glühlampe zum Patent an und legte damit den Grundstein für die Nutzung moderner Beleuchtungsmittel.[3]

Bedeutende Stationen in der Entwicklungsgeschichte der Beleuchtung

Offenes Feuer
(Frühgeschichte)

Wachskerze
(Altertum)

Erste Gasbeleuchtung
(1785)

Patent auf Glühlampe
(1879)

LED-Lampe
(Heute)

Bestandteile der Beleuchtung

Elektrische Beleuchtungsgeräte bestehen grundsätzlich aus Lichtquelle (fachsprachlich Lampe) und Leuchte. Die Leuchte dient dazu, eine oder mehrere Lichtquellen aufzunehmen und mit der Stromquelle zu verbinden. Auch lenkt und verteilt die Leuchte das von der Lichtquelle erzeugte Licht. Im Alltag wird die Leuchte oft Lampe genannt. Folgende Lichtquellen kommen heute in der Beleuchtungstechnik zum Einsatz (Auswahl):

Glühlampe
Gasgefüllter Glaskolben mit innenliegender Glühwendel aus Wolfram. Elektrischer Strom erhitzt die Glühwendel, sodass neben Wärme auch Licht emittiert wird. Wegen der geringen Effizienz – nämlich einem Bruchteil der Lichtausbeute anderer Verfahren – darf die Glühlampe EU-weit seit 2012 nicht mehr in Verkehr gebracht werden.
Halogenglühlampe
Halogenglühlampen stellen eine Weiterentwicklung der Glühlampe dar. Der Glaskolben ist mit einem Halogen gefüllt, wodurch sich Lebensdauer und Effizienz der Lampe verbessern.
Leuchtstofflampe
Leuchtstofflampen gibt es als lange, zylindrische Glasröhren, gerade oder gebogen. Sie sind innen mit Leuchtstoffpulver beschichtet, das UV-Licht durch Fluoreszenz umwandelt. Die Gasentladung erfolgt in der Niederdruckfüllung, die auch etwas Quecksilberdampf enthält und an einem elektronischen Vorschaltgerät (EVG) betrieben wird, das alte Starter plus Magnetdrossel ersetzt. Kleine, nämlich gefaltete oder gewendelte Lampen zum Einschrauben oder Einstecken heißen Kompaktleuchtstofflampen, allgemeiner auch Energiesparlampen.
Quecksilberdampflampe
Der Kolben von Quecksilberdampflampen ist innen mit Leuchtstoff beschichtet, er absorbiert die UV-Strahlung. Die Lampen werden durch ein Vorschaltgerät gestartet und geregelt. Wegen des Quecksilbergehalts und niedriger Lichtausbeute sind sie in der EU seit 2015 mit einem Herstellungs- und Vertriebsverbot belegt. In der Straßen- und Industriebeleuchtung wurde vor allem die Hochdruckvariante eingesetzt.
Halogen-Metalldampflampe
Diese Lampen sind eine Weiterentwicklung der Quecksilberdampflampe auf Basis anderer niedrigsiedender Metalle, wobei die Zugabe von Halogenen die Lichtausbeute erhöht. Sie werden mit Vorschaltgerät betrieben und haben eine gute Farbwiedergabe sowie sehr gute Lichtlenkungseigenschaften.
Natriumdampflampe
Natriumdampflampen arbeiten mit Glaskolben oder Glasrohr mit Keramikbrenner und werden mit Vorschaltgerät betrieben. Es gibt sie als Nieder- oder Hochdrucktyp. Sie haben eine sehr hohe Lichtausbeute, aber eine niedrige Farbwiedergabe. Niederdrucklampen sind doch ausgeprägt monochrom gelb (nach neon-rosaroter Zündphase). Ihr Licht durchdringt Dunst und Nebel gut, daher werden diese Lichtquellen bei der Beleuchtung von Häfen, Tunneln und Fußgängerüberwegen sowie für den Objektschutz verwendet.
Lichtquelle mit Leuchtdioden
Das ist eine Lampe, die aus Leuchtdioden (englisch LED) in unterschiedlicher Anordnung besteht. Beste Lebensdauer und Lichtausbeute (Effizienz) sind die Vorzüge, Die Leuchtdiode selbst wird als Halbleiter durch Überhitzung zerstört, weshalb sie nur bis zu bestimmten elektrischen Leistungen gebaut, an Kühlflächen gekoppelt wird und nicht neben einer heißen Glühlampe betrieben werden darf.
Leuchtdioden (englisch LED) sind Halbleiterkristalle, die elektrisch zum Leuchten angeregt werden. Der bei der Elektrolumineszenz abgegebene Anteil an Wärmeenergie beträgt 50 bis 70 Prozent, daher muss durch Thermomanagement diese Wärme zum Erhalt der Lebensdauer wirksam abgeführt werden. Vorzüge von LEDs sind hohe Lebensdauer und Lichtausbeute (Effizienz); es werden schon LEDs mit mehr als 200 lm/W eingesetzt.[4] Retrofits, also Leuchtmittel in klassischer Lampenform mit Schraub- oder Stecksockel, erreichen aufgrund ihrer zur Wärmeableitung nicht optimalen Bauweise 78 bis 117 lm/W, LED-Fadenlampen nur wenig mehr (bis 126 lm/W).[5] Eine Einschaltverzögerung von typisch 1/10 s durch das Hochfahren der Elektronik ist charakteristisch.
LED-Module
Module bestehen in der Regel aus mehreren LEDs, aufgebracht auf einen Träger sowie einer Optik mit Linsen und Reflektoren. In der Regel werden sie fest in Leuchten verbaut oder der Austausch erfolgt durch Fachpersonal.

Daneben gibt es noch Glimmlampen (Bügeleisenbetriebsanzeige, Spannungsprüfer), Xenon-Fotoblitz- und -Stroboskop-Röhre sowie Elektrolumineszenz.

Anwendungsgebiete

Außenbeleuchtung

Straßenbeleuchtung in der Innenstadt

Beleuchtungsanlagen, die unter freiem Himmel oder im Außenbereich betrieben werden, gehören zur Außenbeleuchtung. Gegenüber der Innenbeleuchtung erfordert die Außenbeleuchtung eine höhere Schutzart der Leuchten, da sie besser vor Berührung und Eindringen von Fremdkörpern sowie Feuchtigkeit geschützt werden muss.

Leuchten sind vor allem im Außenbereich Fremdeinflüssen, Regen und Hagel ausgesetzt. Über die jeweilige Schutzart informiert die IP-Kennziffer.

Zu den Anwendungsbereichen zählen Straßen, Wege und Plätze sowie Parkanlagen und Gärten. Außenbeleuchtung dient außerdem der Beleuchtung von Sportstätten, Tunneln und Unterführungen sowie der Anstrahlung von Fassaden und Objekten im Freien. Ein weiterer wichtiger Bereich sind Arbeitsstätten im Freien, wie beispielsweise Containerbahnhöfe, Hafenanlagen, Baustellen, Chemieanlagen oder Tankstellen. Besonders die Außenbeleuchtung verursacht Lichtverschmutzung.

Innenbeleuchtung

Beleuchtung in einem Konferenzzimmer

Beleuchtungsanlagen, die im Inneren von Gebäuden betrieben werden, zählen zur Innenbeleuchtung. Wichtige Anwendungsgebiete stellen dabei die Arbeitsstättenbeleuchtung und die Wohnraumbeleuchtung dar. Für Arbeitsstätten sind in Normen je nach Anwendungsfall bestimmte Kenngrößen definiert, die bei der Lichtplanung eingehalten werden müssen. So werden beispielsweise die Beleuchtungsstärke, die Leuchtdichteverteilung oder die Lichtfarbe vorgegeben. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die korrekte Festlegung der Sehaufgabe. Fehler bei der Planung von Innenbeleuchtungsanlagen können die Sehleistung beeinträchtigen, zu einer Überanstrengung der Augen oder der Nackenmuskulatur führen.

Beleuchtung am (Innen-)Arbeitsplatz

Die übliche Raumbeleuchtung durch Lampen, Deckenleuchten oder Computerbildschirme stellt bei bestimmungsgemäßer Verwendung keine Gefährdung durch optische Strahlung dar. Die Raumbeleuchtung muss allerdings ausreichend für die Sehaufgaben der Beschäftigten sein. Die Technische Regel für Arbeitsstätten ASR A3.4[6] und die DIN EN 12464-1[7] beschreiben visuelle und lichttechnische Anforderungen an die künstliche Beleuchtung von Arbeitsstätten in Innenräumen. Dort finden sich Angaben zur notwendigen Beleuchtungsstärke in Abhängigkeit vom Arbeitsplatz und Vorgaben zur Begrenzung von Blendung.

Die normativen Vorgaben beachten nicht die deutlich wachsende Zahl älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, deren Sehkraft nachlässt und die auf eine stärkere Beleuchtung angewiesen sind. Durch Nachrüstung von Tageslichtsensoren lässt sich aber das Beleuchtungsniveau bedarfsgerecht steuern. Ergänzende Einstellmöglichkeiten von Leuchten an jedem Arbeitsplatz ermöglichen zusätzlich eine individuelle Regulierung[8].

Bei der Bühnenbeleuchtung im Theater, in der Oper oder im Konzert werden Strahler mit hoher Leistung eingesetzt, um eine Szene oder Personen zu beleuchten (“Spotlight”). Außer der starken Blendwirkung dieser Beleuchtungselemente, die ein Hineinblicken oft unmöglich macht, können auch die Expositionsgrenzwerte für die Blaulichtgefährdung (Photoretinitis) überschritten werden. Dieses Thema ist auch aktueller Forschungsgegenstand[9].

Auch lichtemittierende Dioden bedürfen der Aufmerksamkeit im Arbeitsschutz. LED und OLED unterscheiden sich im technischen Aufbau (mit und ohne Optik, als Einzelquelle oder Array). Daher ist es schwierig, ihre Strahlungsparameter zu untersuchen. Die bisher im Arbeitsschutz verwendeten Normen können in diesem Fall teilweise nicht mehr angewendet werden, sodass die Erarbeitung neuer Beurteilungs- und Messvorschriften notwendig wird[9].

Eigenständige Anwendungsgebiete

Ausleuchtung bei Veranstaltungen

Beleuchtung einer Bühne

Man unterscheidet bei der Veranstaltungsbeleuchtung (Ausleuchtung) zwischen Theaterlicht, Fernsehlicht und dem bei Bühnenveranstaltungen verwendeten Showlicht. Alle drei unterscheiden sich hinsichtlich der Beleuchtungsart sehr, dennoch bestehen Gemeinsamkeiten.

Beim Theaterlicht (→ Theaterbeleuchtung) wird die Ausleuchtung meist in Szenen dargestellt, die wiederum ein hohes Maß an künstlerischer Freiheit genießen. Dabei können viele Farben benutzt werden, z. B. kann ein Theaterschauspieler auch mal gelb, oder blau „ausgeleuchtet“ werden. Die Beleuchtung des vorderen Teils einer Bühne bezeichnet man auch als Rampenlicht.

Fernsehlicht ist dagegen meist weiß, dort tauchen Farben nur als Effekte oder Akzente auf und werden zum Beispiel von Moving Heads dargestellt. Tiefe, harte Schatten sind ungeeignet, da kein hoher Kontrast beziehungsweise Dynamikumfang übertragen werden kann. Die Ausleuchtung beim Fernsehen wird zum Beispiel mit großflächigen Fresnellinsen-Scheinwerfern erreicht, die einen Raum oder Gegenstand gleichmäßig aufhellen. Die Fernsehlicht-Beleuchtungsstärke (Lux) muss bestimmte Werte erreichen, die je nach Technik des Ü-Wagens (Übertragungswagen Digital oder Analog) höher (analog bis 1500 Lux) oder niedriger (digital zwischen 400 und 800 Lux) sein sollten. Die Ausleuchtung von Fernsehstudios kann auch mit diffusem Kunstlicht und Tageslicht kombiniert sein.

Das Showlicht ähnelt wiederum eher dem Theaterlicht, es werden farbliche Akzente gesetzt, typische Geräte sind Blinder, Moving Heads und PAR-Scheinwerfer (gut bündelnde Scheinwerfer). Die Ausleuchtung wird ab und an von der Bühnenkante aus mit 2–5 Kilowatt erreicht.

Fahrzeugbeleuchtung

Bus mit Fahrzeugbeleuchtung und Zielanzeige

→ Hauptartikel: Fahrzeugbeleuchtung

Ein eigenes, weitläufiges Anwendungsgebiet bildet die Fahrzeugbeleuchtung. Zu den Beleuchtungseinrichtungen von Fahrzeugen zählen alle Leuchten, Scheinwerfer und rückstrahlenden Einrichtungen (wie Rückstrahler und Leuchtfarben), die nach außen wirken.[10] Deren Größe und Anbringung ist gesetzlich festgelegt.

Beleuchtung in der Fotografie

In der Farbfotografie muss Licht mit besonders gutem Farbwiedergabeindex eingesetzt werden. Diesen Ansprüchen genügen Glühlampen mit besonders hoher Glühfadentemperatur (Fotolampen) oder auch Xenon-Blitzlicht.

→ Hauptartikel: Blitzlicht und Blitzmethoden

Um den Rote-Augen-Effekt bei Blitzlicht aus Aufnahmerichtung zu verringern, muss das Auge durch helle Beleuchtung oder einen Vorblitz hell adaptieren (geringe Pupillenöffnung).
Ein Aufhellblitz kann bei Gegenlichtverhältnissen helfen, das Objekt auszuleuchten.

Bei der Schwarz-Weiß-Fotografie können zum Beispiel auch Rotfilter eingesetzt werden, um bei Porträtaufnahmen Hautunreinheiten zu verbergen.

Der Fotograf gestaltet die Beleuchtung mittels indirekter Beleuchtung (Streuschirm oder streuende Reflexionsflächen) derart, dass zum Beispiel eine seitliche Beleuchtung die Plastizität hervortreten lässt, zugleich aber die Schatten aufgehellt werden. Typisch ist auch die Gestaltung von Gegenlicht-Effekten mit vom Objekt verdeckten Lichtquellen. Alle diese Effekte und Gestaltungen sind auch mit Blitzlicht möglich, indem am Ort der Mutter- und Tochter-Blitzlichtquellen konventionelle Lichtquellen installiert sind, um die Ausleuchtung zu simulieren.

→ Siehe auch High-key- und Low-key-Fotografie

Kenngrößen und Messung

In der Beleuchtungstechnik gibt es verschiedene Kenngrößen, mit deren Hilfe die Eigenschaften und die Anforderungen der Beleuchtung beschrieben werden. Folgende Tabelle zeigt eine Auswahl der wichtigsten Kenngrößen:

Größe

Symbol

SI-Einheit (Zeichen)

Beschreibung

Lichtstrom

Φ

v

{displaystyle {mathit {Phi }}_{mathrm {v} }}

Lumen (lm)

Strahlungsleistung einer Lichtquelle, gewichtet mit der Empfindlichkeitskurve

Lichtmenge

Q

v

{displaystyle Q_{mathrm {v} }}

Lumensekunde (lms)

Strahlungsenergie einer Lichtquelle, gewichtet mit der Empfindlichkeitskurve

Lichtstärke

I

v

{displaystyle I_{mathrm {v} }}

Candela (cd)

Lichtstrom pro Raumwinkel, gemessen in großer Entfernung von der Lichtquelle; gibt an, wie intensiv eine Lichtquelle in eine bestimmte Richtung leuchtet. Für eine räumlich isotrop strahlende Lichtquelle ist der Lichtstrom gleich der Lichtstärke multipliziert mit

4
π

{displaystyle 4pi }

, dem vollen Raumwinkel

Beleuchtungsstärke

E

v

{displaystyle E_{mathrm {v} }}

Lux (lx)

Lichtstrom pro beleuchteter Fläche; gibt an, wie intensiv die Fläche beleuchtet wird

Lichtausbeute

η

{displaystyle textstyle eta }

Lumen pro Watt (lm/W)

Quotient aus Lichtstrom und elektrischer Leistung; gibt die Effizienz eines Lichtquelle an

Leuchtdichte

L

v

{displaystyle L_{mathrm {v} }}

Candela pro Quadratmeter (cd/m²)

Lichtstärke einer Lichtquelle, bezogen auf deren projizierte Fläche (senkrecht zur Betrachtungsrichtung); diese Größe nimmt der Mensch als Helligkeit einer Licht abstrahlenden Fläche wahr

Die Messung des Lichts (Photometrie) beschäftigt sich im Allgemeinen mit der Menge an nutzbarem Licht auf einer Oberfläche oder mit dem Licht aus einer Quelle, gemeinsam mit den daraus wiedergegebenen Farben. Das menschliche Auge reagiert unterschiedlich auf verschiedene Farben des sichtbaren Spektrums, weshalb photometrische Messungen stets die Empfindlichkeitsfunktion miteinbeziehen müssen.[11] Die Standardmesseinheit (SI-Wert) für photometrische Lichtstärkeberechnungen ist die Candela (cd), die eine Intensität beschreibt. Alle anderen Kenngrößen in der Photometrie werden von der Candela abgeleitet (z. B. Leuchtdichte mit der Einheit Candela pro Quadratmeter). Der Lichtstrom, der aus einer Quelle ausgesandt wird, wird in Lumen angegeben.

Blendung

Es wurden einige Messmethoden entwickelt, um die Blendung einer Innenraumbeleuchtung zu messen, wie z. B. das Unified Glare Rating, die Visual Comfort Probability oder der Daylight Glare Index.[12] Zusätzlich zu diesen Methoden sind vier Faktoren für eine unangenehm wahrgenommene Beleuchtung verantwortlich: die Leuchtdichte der Lichtquellen, der Raumwinkel der belichteten Oberflächen, die Hintergrundbeleuchtung und die Position der Lichtquellen im Sichtfeld.[13][14] Zu unterscheiden sind dabei Direktblendung durch Leuchten oder leuchtende Flächen und Reflexblendung durch Spiegelungen auf glänzenden Oberflächen.

Farbeigenschaften und Exposition

Um die Farbeigenschaften eines Lichts zu definieren, greift die Beleuchtungsindustrie hauptsächlich auf zwei Messgrößen zurück: die korrelierende Farbtemperatur (auch Kelvin-Farbtemperatur, oder Correlated Color Temperature – CCT), um die „Wärme“ oder „Kühle“ eines Lichts zu beschreiben, und der Farbwiedergabeindex Ra (Color Rendering Index – CRI), der die Fähigkeit einer Lichtquelle wiedergibt, Oberflächen natürlich aussehen zu lassen.[15] Die Farbtemperatur wird in Kelvin (K) angegeben und von der Industrie zur besseren Verständlichkeit für den Verbraucher zumeist als Warmweiß (2.700 bis 3.300 K), Neutralweiß (über 3.300 bis 5.300 K) oder Tageslichtweiß (über 5.300 K) beschrieben. LEDs unterliegen Streuungen in den Parametern Lichtfarbe, Lichtstrom und Flussspannung. Damit eine konstante Lichtqualität entsteht, werden LEDs einer Charge mithilfe des Binning-Prozesses sortiert.[16]

Für die Messung der Exposition eines Individuums oder einer Oberfläche gegenüber Licht werden Lichtdosimeter verwendet. Um die spezifische Lichtmenge zu messen, die das menschliche Auge wahrnehmen kann, wurde ein individuelles zirkadianes Messgerät, das Daysimeter, entwickelt.[17] Es handelt sich dabei um ein Gerät, das Licht messen und charakterisieren kann (Intensität, Spektrum, Timing und Dauer), welches vom Auge wahrgenommen wird und damit Einfluss auf die zirkadiane Rhythmik des Menschen haben kann.[18] In DIN SPEC 5031-100 wird der Umrechnungsfaktor für eine melanopische Beleuchtungsstärke am Auge beschrieben.[19]

Probleme

Energieverbrauch

Als Maßnahme zur Verringerung der CO2-Emissionen von Kraftwerken, die mit fossilen Energieträgern betrieben werden, gab es eine Kampagne zum Ersatz von Glühlampen und anderen ineffizienten Leuchtmitteln durch Leuchtstofflampen und Leuchtdioden. Der Glühlampenausstieg erfolgte gemäß der Ökodesign-Richtlinie ab 1. September 2009 stufenweise bis 1. September 2012. Die LED-Technologie hat sich in nahezu allen Anwendungen durchgesetzt und kann den Energieverbrauch um mehr als 80 % reduzieren.

Unterschiedliche Lichtquellen im Vergleich bezüglich ihrer Effizienz und Wärmeentwicklung.

Während Glühlampen nur ca. 5 % der Energie in Licht umwandeln, liegt der Anteil bei LEDs bei ca. 30 % und steigt weiter stark an.[20] Andere Arbeiten nennen deutlich größere Unterschiede: Demnach liegt die Lichtausbeute von herkömmlichen Glühbirnen bei ca. 12 lm/Watt, bei Fluoreszenzlampen bei ca. 80 lm/Watt und bei weißen LEDs bei 150 lm/Watt und mehr.[21] Die Grafik zeigt Werte aus dem Jahr 2018 und nennt für LEDs 35 % Wärmeentwicklung und 250 lm/W.[22]

Physiologie

Auch die künstliche Beleuchtung hat nicht-visuelle Wirkungen auf die Physis und beeinflusst biologische Prozesse, darunter die Hormonproduktion, mit deren Hilfe die innere Uhr gestellt wird. Moderne Beleuchtungskonzepte wie Human Centric Lighting (HCL) nutzen diese wissenschaftlichen Erkenntnisse, um das Wohlbefinden des Menschen gezielt und langfristig zu stärken.

Visuelle Effekte durch Lichtquellen

Durch Lichtquellen können visuelle Effekte hervorgerufen werden, deren Intensität oder Spektralverteilung sich mit der Zeit ändert (englisch Temporal Light Artefacts, TLA). Beispiele sind Flimmern und der Stroboskopeffekt. Diese Lichtstärkeschwankungen werden oft nicht bewusst wahrgenommen, stören aber bei der Arbeit an bewegten Maschinen oder verursachen Nervosität. Daher ist es wichtig, Betriebsgeräte, LED-Module und Steuergeräte/Dimmer gut aufeinander abzustimmen.[23]

Normen und andere Standards

Europa
DIN EN 1838: Angewandte Lichttechnik – Notbeleuchtung
DIN EN 12193: Licht und Beleuchtung – Sportstättenbeleuchtung
DIN EN 12464: Licht und Beleuchtung – Beleuchtung von Arbeitsstätten
DIN EN 12665: Licht und Beleuchtung – Grundlegende Begriffe und Kriterien für die Festlegung von Anforderungen an die Beleuchtung
DIN EN 13032: Licht und Beleuchtung – Messung und Darstellung photometrischer Daten von Lampen und Leuchten
DIN EN 13201: Straßenbeleuchtung
DIN EN 15193: Energetische Bewertung von Gebäuden – Energetische Anforderungen an die Beleuchtung
DIN EN 60529: Schutzarten durch Gehäuse
DIN EN 60598: Leuchten
Deutschland
DIN 5032: Lichtmessung
DIN 5034: Tageslicht in Innenräumen
DIN 5035: Beleuchtung mit künstlichem Licht
DIN 67500: Beleuchtung von Schleusenanlagen
DIN 67523: Beleuchtung von Fußgängerüberwegen mit Zusatzbeleuchtung
DIN 67524: Beleuchtung von Straßentunneln und Unterführungen
DIN 67526-3: Sportstättenbeleuchtung
DIN SPEC 5031-100: Strahlungsphysik im optischen Bereich und Lichttechnik
DIN SPEC 67600: Biologisch wirksame Beleuchtung – Planungsempfehlungen

Siehe auch

Volumetrische Beleuchtung

Literatur

Roland Baer: Beleuchtungstechnik. Grundlagen. 3. Auflage. Huss-Medien, Berlin 2006, ISBN 3-341-01497-7.
Klaus Daniels: Gebäudetechnik, Ein Leitfaden für Architekten und Ingenieure. Zürich/ München 2000, ISBN 3-7281-2727-2.
Max Keller: Faszination Licht, Ein Leitfaden für Theater und Bühnenlicht. Prestel Verlag, München 1999, ISBN 3-7913-2093-9. (mit sehr gutem Hintergrundwissen zu dem ganzen Thema)
Marie-Luise Lehmann: Lichtdesign. Dietrich Reimer Verlag, 2002, ISBN 3-496-01252-8.
Roland Greule: Licht und Beleuchtung im Medienbereich. Hanser Verlag, 2014, ISBN 978-3-446-43479-0.

Weblinks

 Commons: Beleuchtung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Beleuchtung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Portalseite licht.de
Lichttechnische Gesellschaft e. V.
Glossar der Lichtplanung
Lernpfad Beleuchtung, Energieeffizienz und Umweltmanagement
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V. (DGUV): Natürliche und künstliche Beleuchtung von Arbeitsstätten. DGUV Information 215-210
Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) und Deutsche Lichttechnische Gesellschaft e. V. (LiTG): Beleuchtung im Büro – Hilfen für die Planung der künstlichen Beleuchtung in Büroräumen. VBG-Fachinformation

Einzelnachweise

↑ licht.wissen 01: Die Beleuchtung mit künstlichem Licht. licht.de, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-945220-03-0, S. 7.

↑ Carl-Heinz Zieseniß: Beleuchtungstechnik für den Elektrofachmann. Hüthig & Pflaum Verlag, 2009, ISBN 978-3-8101-0273-7, S. 94.

↑ a b Geschichte des Lichts. In: licht.de

↑ licht.wissen 17: LED: Grundlagen – Applikation – Wirkung. licht.de, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-945220-03-0, S. 21.

↑ licht.wissen 17: LED: Grundlagen – Applikation – Wirkung. licht.de, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-945220-03-0, S. 34.

↑ Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA): ASR A3.4 Beleuchtung. Abgerufen am 28. Juni 2018. 

↑ Beuth Verlag GmbH: Norm DIN EN 12464-1:2011-08. Abgerufen am 28. Juni 2018. 

↑ Jens Oehme: Beleuchtung am Arbeitsplatz. In: Gute Arbeit. Band 5/2018, S. 28–32. 

↑ a b Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA): Inkohärente optische Strahlung – Nicht nur die Sonne strahlt. Abgerufen am 28. Juni 2018. 

↑ Jürgen Kasedorf: Kfz-Elektrik. Vogel Buchverlag, 2007, ISBN 978-3-8343-3098-7, S. 309.

↑ Yoshi Ohno: OSA Handbook of Optics, Volume III Visual Optics and Vision. (1999), National Institute of Standards and Technology

↑ Leonie Geerdinck: Glare perception in terms of acceptance and comfort. In: Industrial Engineering & Innovation Sciences. 2012.

↑ W. Kim, H. Han, J. Kim: The position index of a glare source at the borderline between comfort and discomfort (BCD) in the whole visual field. In: Building & Environment. 44(5), 2009, S. 1017–1023.

↑ W. Kim, Y. Koga: Effect of local background luminance on discomfort glare. In: Building & Environment. 38, 2004.

↑ Color Temperature & Color Rendering Index DeMystified

↑ licht.wissen 17: LED: Grundlagen – Applikation – Wirkung. licht.de, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-945220-03-0, S. 25.

↑ M. S. Rea, A. Bierman, M. G. Figueiro, J. D. Bullough: A New Approach to Understanding the Impact of Circadian Disruption on Human Health. In: Journal of Circadian Rhythms. 6, 2008, S. 7.

New Approach Sheds Light on Ways Circadian Disruption Affects Human Health.

↑ licht.wissen 21: Leitfaden Human Centric Lighting (HCL). licht.de, Frankfurt 2018, ISBN 978-3-945220-21-4, S. 18.

↑ Vgl. Armin Reller, Heike Holdinghausen: Der geschenkte Planet. Bonn 2014, S. 202–204.

↑ Vincenzo Balzani, Giacomo Bergamini, Paola Ceroni: Light: A Very Peculiar Reactant and Product. In: Angewandte Chemie International Edition. 54, Issue 39, 2015, S. 11320–11337, doi:10.1002/anie.201502325.

↑ licht.wissen 17: LED: Grundlagen – Applikation – Wirkung. licht.de, Frankfurt 2016, ISBN 978-3-945220-03-0, S. 24.

↑ ZVEI (Hrsg.): Temporal Light Artefacts – TLA. Frankfurt 2017. 

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4112704-3 (OGND, AKS)

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Klebstoffaustritt aus einer Tube

Ein Klebstoff ist ein nichtmetallischer Stoff, der in der Lage ist, Werkstoffe durch Oberflächenhaftung (Adhäsion) und seine innere Festigkeit (Kohäsion) zu verbinden.[1] Es handelt sich also um einen Prozesswerkstoff, der beim Fügeverfahren Kleben zum Verbinden verschiedener Werkstoffe verwendet wird. Zusätzlich zu der lastübertragenden Wirkung können Klebstoffe in den Verbindungen weitere Funktionen übernehmen, wie z. B. Schwingungsdämpfung, Abdichten gegen Flüssigkeiten und Gase, Ausgleich unterschiedlicher Fügeteildynamiken, Korrosionsschutz, thermische und elektrische Isolation oder Leitfähigkeit.

Aufgrund der vielfältigen Vorteile des Fügeverfahrens Kleben sind Klebstoffe aus dem alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Mit ihren zahlreichen Anwendungen in den verschiedensten Industriezweigen sind sie für das heutige, moderne Leben praktisch unverzichtbar geworden. Viele Produkte, wie z. B. Bücher, Mobiltelefone, Fußböden, E-Reader, Matratzen, Autos und unzählige mehr, wären in ihrer heutigen Form ohne Klebstoffe nicht realisierbar.

Inhaltsverzeichnis

1 Geschichte
2 Wirtschaftliche Bedeutung
3 Einteilung
4 Physikalisch abbindende Klebstoffe

4.1 Lösemittelhaltige Nassklebstoffe

4.1.1 Anwendungsgebiete

4.2 Kontaktklebstoffe

4.2.1 Anwendungsgebiete

4.3 Dispersionsklebstoffe
4.4 Schmelzklebstoffe
4.5 Plastisole

5 Chemisch härtende Klebstoffe

5.1 Polyadditionsklebstoffe

5.1.1 Epoxidharz-Klebstoffe
5.1.2 Polyurethan-Klebstoffe (PUR)

5.2 Polykondensationsklebstoffe

5.2.1 Phenol-Formaldehydharz-Klebstoffe[18][19]
5.2.2 Silikone[21][22]
5.2.3 Klebstoffe auf Basis silanmodifizierter Polymere (SMP-Klebstoffe)

5.3 Polymerisationsklebstoffe

5.3.1 Cyanacrylat-Klebstoffe
5.3.2 Methylmethacrylat-Klebstoffe
5.3.3 Anaerob härtende Klebstoffe
5.3.4 Strahlenhärtende Klebstoffe

6 Klebebänder (Haftklebstoffsysteme)

6.1 Haftklebstoffe[32]

7 Klebstoffauswahl – Prüfung von Klebstoffen
8 Missbrauch als Droge
9 Literatur
10 Rundfunkberichte
11 Weblinks
12 Einzelnachweise

Geschichte

Das Kleben ist eine der ältesten und wichtigsten Kulturtechniken der Menschheit. Klebstoffe ermöglichten die Herstellung von Waffen und Werkzeugen und halfen den Frühmenschen, sich gegen eine feindliche Umwelt durchzusetzen. Materielle Beweise sind allerdings rar, da organische Werkstoffe – zu denen auch die damals verwendeten Klebstoffe zählen – den Lauf der Zeit bis auf wenige Ausnahmen nicht überstanden haben.

Der älteste von Menschen eingesetzte Kleb- und Dichtstoff war wohl tonhaltige Erde, mit deren Hilfe z. B. Höhlen und Hütten der Urzeit wohnlicher gemacht wurden. Den fortschrittlicheren Jungsteinzeitmenschen fiel schon die Klebkraft von Asphalt (Erdpech), Baumharzen und Holzteer auf. So wurde in Sachsen-Anhalt Birkenpech als Klebemittel von Klingeneinsätzen bei Schäftungen (Messer, Speere) gefunden, das mindestens 115.000 Jahre alt war. In Süditalien stießen Wissenschaftler auf Birkenpech, das an einem mindestens 180.000 Jahre alten Steinwerkzeug haftete. Und auch Ötzi hatte seine Pfeile vor über 5000 Jahren mit Birkenpech gefertigt. Dieser frühe Klebstoff kommt nicht natürlich vor, sondern muss gezielt aus Birkenrinde durch Trockendestillation hergestellt werden.[2]

Vor 6000 Jahren wurden in Mesopotamien Häuser mit luftgetrockneten Lehmziegeln errichtet und Asphalt zu weiteren Bauzwecken verwendet. So berichtet der antike Geschichtsschreiber Herodot, dass die Mauern Babylons mit Erdpech geklebt wurden. Rund 1000 Jahre später kannten die Sumerer bereits das Herstellen von Leim aus ausgekochten Tierhäuten.

Spätestens seit etwa 1500 v. Chr. verwendeten die Ägypter einen Sud aus Sehnen, Knorpel und anderen tierischen Abfällen als geeigneten Klebstoff für furnierte Schreinerarbeiten. Der so entstandene Klebstoff wurde warm aufgetragen und hat bislang mehr als drei Jahrtausende unbeschadet überdauert, wie eine Tafel aus dem Grab Tutanchamuns beweist. Ebenso nutzten die Ägypter Bienenwachs für handwerkliche Klebungen, indem sie es mit pulverisiertem Steinmehl vermischten und damit z. B. Metallklingen von Rasiermessern mit ihrem Stiel verbanden.

Auch die Griechen und Römer der Antike verwendeten bereits verschiedene Klebemittel. Während es in Griechenland schon den Berufsstand des Leimsieders gab und sie ihren meist eiweißhaltigen Leim „Kolla“ nannten (bzw. heute noch nennen), bezeichneten die Römer ihre aus Mehlkleister, gesäuertem Brot oder Käse-Kalk-Mischungen hergestellten Leime als „Glutinum“. Angeblich stellten die Römer rund 1000 Jahre vor den Germanen den ersten aus Schwimmblasen gewonnenen Fischleim her.

In der nachfolgenden Zeit ist über Klebstoffe vorerst keine große Entwicklung zu verzeichnen. Neben der schlechten Wärme- und Kältebeständigkeit bildeten die damaligen Klebstoffe aufgrund ihrer Zusammensetzung auch einen idealen Nährboden für Bakterien und Pilze, wodurch sie ein Gesundheitsrisiko darstellten. Erst im Spätmittelalter bildeten sich in Europa nach und nach die ersten eigenständigen Leimsiedereien, da nach der Erfindung des Buchdrucks von Gutenberg sich die Papierverarbeitung zum Wachstumsmarkt entwickelte. Die immer zahlreicheren Bücher mussten gebunden und mit stabilen Deckeln und Rücken versehen werden.

Die klebewilligen Werkstoffe (Holz, Leder, Papier, Pappe), die Anwendungsgebiete und damit ebenso die Klebstoffe blieben aber auch dann über Jahrhunderte hinweg im Wesentlichen unverändert. Die Herstellung war eine eintönige Arbeit und so wundert es nicht, dass die Bezeichnung „Leimsieder“ lange Zeit als Schimpfwort für besonders stumpfsinnige Menschen galt.

Im Zuge der Industrialisierung erfuhr der verschmähte Berufsstand dann einen Aufschwung, der sich Hand in Hand mit der Möbel- und Tapetenindustrie vollzog. Die neuen rationellen Herstellungsmethoden ermöglichten es auch einfachen Leuten, ein komfortables Mobiliar und vornehm gestaltete Wände zu besitzen. Die erste handwerkliche Leimfabrik wurde 1690 in Holland gegründet. 1754, über 60 Jahre später, wurde in England das erste Patent auf einen Fischleim für die Tischlerei erteilt und 1789 eröffnete die erste Tapetendruckerei Deutschlands in Kassel. Obwohl der Mengenbedarf an Holzleimen und Kleister einen beträchtlichen sprunghaften Anstieg verzeichnete, fand zunächst keine nennenswerte Änderung an der Produktgattung statt.

Erst Ende des 19. Jahrhunderts beschleunigte der steigende Bedarf an Gütern aller Art die produktionstechnische Entwicklung, und mit der Massenherstellung wuchsen die Verpackungsprobleme. Die vorhandenen Klebstoffe genügten schließlich den qualitativen Anforderungen nicht mehr. Dies war der Beginn einer systematischen Suche nach modernen Nachfolgeprodukten.

Nachdem 1880 Otto Ring den ersten gebrauchsfertigen Fischleim „Syndetikon“ und Ferdinand Sichel 1889 den ersten gebrauchsfertigen Pflanzenleim entwickelte, brach 1909, mit dem Patent zur Phenolharz-Härtung von Leo Hendrik Baekeland, das Zeitalter der Klebstoffe auf Basis synthetisch hergestellter Rohstoffe an. Chemiker, Physiker und Ingenieure setzten sich mit den Wirkungen von Adhäsions- und Kohäsionskräften auseinander, erforschten den makromolekularen Aufbau der Klebstoffe, vervollkommneten die bekannten Rohstoffe und fanden schließlich in den Kunstharzen die Ausgangsbasis für immer leistungsfähigere synthetische Klebstoffe.

Der bis heute für die Klebstoffherstellung meist verwendete synthetische Rohstoff, das Polyvinylacetat, wurde 1914 von Rollet und Klatte patentiert. 1928 fand in den USA die erstmalige Produktion von Polyvinylchlorid (PVC) und Polymethylmethacrylat (Plexiglas) statt. 1929 wurde ein Verfahren zur Härtung von dem 1919 entdeckten Harnstoffharz entwickelt und machte es somit einsetzbar für Leime.

In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts gelang die erste technische Herstellung von Polyvinylacetat, Polystyrol und Polyacrylnitril sowie der ersten stabile Kunststoff-Dispersion auf Basis von Acrylsäureestern und Vinylacetat. Der Schweizer P. Castan benutzte die Polyaddition zum Aufbau von Kunststoffen und erfand Epoxidharze, die ihm 1939 patentiert wurden. Neben der Entwicklung des ersten transparenten Klebebandes, sind die Herstellung des Rohstoffes Polychlorbutadien und die von Bayer patentierten Polyurethane von enormer Marktbedeutung für die Klebstoffbranche.

Durch die Verwendung von Phenolharz-Polyvinylacetaten und Epoxidharz-Formulierungen hielt der Klebstoff 1943 Einzug in den Flugzeugbau. Als dann 1960 die Produktion von anaeroben und Cyanacrylat-Klebstoffen aufgenommen wurde, gelang der Klebstoffindustrie ein entscheidender Durchbruch im Bereich der Metall- und Kunststoffverbindungen.

Mit der Entdeckung der ersten temperaturfesten Polyimid-Klebstoffe und feuchtigkeitshärtenden Polyurethane erfolgte in den 70er Jahren eine rasche Weiterentwicklung der Polyurethan-Chemie mit vielfältigen 1- und 2-Komponenten-Formulierungen, UV-lichthärtende Acrylat-Formulierungen sowie die Entwicklung von MS-Polymeren. Reaktive Schmelzklebstoffe und anisotrop leitfähige Klebstoffe bezeichnen die größten Errungenschaften der 80er Jahre.

Ab 1990 beginnt die Entwicklung von Klebstoffen mit multiplen Härtungsmechanismen (z. B. UV-Bestrahlung, Luftfeuchtigkeit, Sauerstoffzutritt). Die 1995 entwickelten silanvernetzenden Polyurethan-Prepolymeren (S-PUR) zeigen eine verbesserte Balance zwischen Reaktivität und Lagerstabilität, ein Ausbleiben der Blasenbildung bei der Härtung und besitzen keinen isocyanatbasierten Reaktionsmechanismus mehr. Im Jahre 2000 begann die Entwicklung wiederlösbarer Klebstoffsysteme für Reparatur und Recycling, basierend auf den Methoden Temperatur-, Spannung-, Strom- und pH-Wert-Änderung.

Für die Zukunft kann man weitere Wachstumsopportunitäten erkennen. Gründe hierfür sind die Übernahme zusätzlicher Funktionen, die bisher von anderen Materialien übernommen wurden, der zunehmende Leichtbau und nicht zuletzt die Miniaturisierung elektronischer Bauteile.

Wirtschaftliche Bedeutung

In Deutschland werden jährlich ca. 1,5 Millionen Tonnen Kleb-, Dicht- und zementäre Bauklebstoffe sowie 1 Milliarde Quadratmeter trägergebundene Klebstoffe (Klebebänder/Klebefolien) produziert und damit ein Gesamtbranchenumsatz von 3,7 Milliarden Euro erzielt. Die durch den Einsatz von Klebtechnik generierte Wertschöpfung beträgt – konservativ gerechnet – deutlich über 360 Milliarden Euro. Dieser Betrag entspricht rund 50 % des Beitrages des produzierenden Gewerbes und der Bauwirtschaft zum deutschen Bruttoinlandprodukt (BIP). Somit stehen rund 50 % der in Deutschland produzierten Waren und Baudienstleistungen mit Klebstoffen in Verbindung.[3]

Interessant ist auch eine vergleichende Betrachtung der Entwicklung des Bruttoinlandprodukts und dem Wachstum der Klebstoffindustrie. Über die letzten zehn Jahre ist deutlich zu beobachten, dass auch die Klebstoffindustrie den gesamtwirtschaftlichen Konjunkturzyklen unterliegt – allerdings mit Wachstumsraten, die im Durchschnitt 2,5–5 % über den Wachstumsraten des BIP liegen.[3]

Das globale Marktvolumen für Klebstoffe für 2016 wird auf 49,5 Milliarden USD geschätzt. Papier und Verpackung war 2015 das größte Anwendungssegment des Marktes für Kleb- und Dichtstoffe. Von den verschiedenen Klebstofftechnologien stellten die wasserbasierten Klebstoffe 2015 sowohl wert- als auch mengenmäßig das größte Segment. Wachsende Bevölkerungszahlen, die steigende Nachfrage nach Konsumgütern in mehreren Ländern rund um den Globus ist ein Schlüsselfaktor, der das Wachstum der Klebstoffindustrie in den kommenden Jahren weiter vorantreiben wird. Länder wie China, Japan und Indien werden weiter an Bedeutung gewinnen. Für 2021 wird erwartet, dass der globale Umsatz an Kleb- und Dichtstoffen gut 63 Milliarden USD betragen wird.[4]

Einteilung

Aufgrund der vielfältigen Einsatzgebiete für Klebstoffe und der damit verbundenen verschiedenen Anforderungen ist es nicht verwunderlich, dass eine schier unübersehbare Zahl Klebstoffen angeboten wird. Daher ist es sinnvoll, Klebstoffe zu klassifizieren, um so Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede besser erkennen und verstehen zu können. Eine erste Einteilung kann entsprechend ihrer chemischen Basis erfolgen.

So wird zwischen Klebstoffen, hergestellt auf Basis organischer Substanzen und solchen basierend auf anorganischer Substanzen unterschieden. Dazwischen stehen die Silikone, die sowohl organische als auch anorganische Bestandteile enthalten. Zusätzlich kann zwischen Klebstoffen, die eine natürliche oder eine synthetische organische Basis haben, unterschieden werden. Letzteres ist häufig nicht eindeutig zu erkennen, da viele Klebstoffe sowohl synthetische als auch natürliche Rohstoffe enthalten. Solche auf rein natürlicher Basis, wie z. B. Bienenwachs oder Baumharz sind wegen der für die meisten Anwendungen nicht ausreichenden Eigenschaften recht selten. Seit einigen Jahren beobachtet man, nicht zuletzt als Folge eines zunehmenden Umweltbewusstseins, der Forderung nach mehr Nachhaltigkeit und der Verringerung des Carbon Footprint einen zunehmenden Einsatz von auf nachwachsenden Rohstoffen basierenden Klebstoffbestandteilen.

Eine weitere, mehr ins Detail gehende Einteilung ist die nach dem Mechanismus der Verfestigung. Hierbei wird zwischen einer Verfestigung durch einen physikalischen Vorgang und der durch eine chemische Reaktion unterschieden. Weiterhin gibt es die Gruppe der Klebstoffe, die keinem Verfestigungsmechanismus unterliegen. Diese drei, in der Tabelle 1 zusammengestellten Klebstoffarten werden im Anschluss näher erläutert.

Die weitere Unterteilung der Einteilung in Duroplaste, Thermoplaste und Elastomere, wie sie bei Kunststoffen üblich ist, gibt dem Anwender wertvolle Hinweise zu den Eigenschaften des jeweiligen Klebstoffs in seinem verfestigten Zustand. Es muss jedoch berücksichtigt werden, dass Klebstoffe ein und derselben Polymerart, in Abhängigkeit von den beigefügten Additiven oder Komponenten sowohl zu Duroplasten, als auch zu Elastomeren oder Thermoplasten härten bzw. als solche vorliegen können. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Polyurethanklebstoffe.

KLEBSTOFFE

chemisch härtend

physikalisch abbindend

Klebstoffe mit kombinierten Verfestigungsmechanismen

Klebebänder

Härtung durch Polymerisation
Cyanacrylate (Sekundenklebstoffe)
Methylmethacrylat-Klebstoffe (MMA)
ungesättigte Polyester
anaerob härtende Klebstoffe
strahlenhärtende Klebstoffe

Verfestigung durch Trocknen
lösemittelhaltige Nassklebstoffe
Diffusionsklebstoffe
Kontaktklebstoffe
wasserbasierte Dispersionsklebstoffe
kolloidale Systeme

Kombination von verschiedenen chemischen Mechanismen

Keine Verfestigung
Haftklebstoffe

Härtung durch Polyaddition
Epoxid-Klebstoffe
Polyurethan-Klebstoffe
Silikone

Verfestigung durch Abkühlen
Schmelzklebstoffe

Kombination eines physikalisch und eines chemischen Verfestigungsmechanismus
feuchtigkeitsnachvernetzende Schmelzklebstoffe
2K-Lösemittel- oder Dispersionsklebstoffe

Härtung durch Polykondensation
Phenolharze
Polyimide
Polysulfide
Bismaleimide
silan-modifizierte Polymere
Silikone

Verfestigung durch Gel-Bildung
Plastisole

Kombination von verschiedenen chemischen Mechanismen
Härtung durch UV-Licht und durch Wärme

Physikalisch abbindende Klebstoffe

Hierunter versteht man solche Klebstoffe, bei denen die Polymerketten in dem vom Klebstoffhersteller ausgelieferten Klebstoff bereits in ihrer endgültigen Zusammensetzung und Größe vorliegen. Das heißt das Polymer an sich unterliegt bei der Verfestigung des Klebstoffs keiner chemischen Veränderung. Da Klebstoffe um überhaupt auf einem Fügeteil haften, d. h. Adhäsion aufbauen zu können in flüssiger Form vorliegen müssen, sind für diese Klebstoffklasse nur solche Polymere geeignet, die sich verflüssigen lassen. So lassen sich Thermoplaste durch Erwärmung verflüssigen, um durch Erkalten wieder zu erstarren. Weitere Möglichkeiten sind in Lösemittel lösliche Thermoplaste und die Überführung in eine Dispersion. Die Verfestigung des Klebstoffs erfolgt also durch einen physikalischen Vorgang, dem Erstarren bzw. dem Verdampfen des Lösemittels bzw. des Dispersionsmedium Wasser. Das Abkühlen eines Schmelzklebstoffs hat zur Folge, dass die Beweglichkeit der Polymerketten eingeschränkt wird und sich zwischen den Polymerketten physikalische Wechselwirkungen, wohlgemerkt keine chemischen Bindungen ausbilden, die in ihrer Art und ihrem Ausmaß im Endeffekt die innere Festigkeit, d. h. die Kohäsion des Klebstoffs im verfestigten Zustand bestimmen. Bei Klebstoffen, bei denen der flüssige Zustand schon bei der Herstellung durch Lösen eines Polymers in einem Lösemittel oder die Überführung in eine Dispersion erfolgte, kommt es durch Verdampfen des Lösemittels bzw. des Dispersionsmediums zur Verfestigung. Das Verdampfen des Lösemittels, bzw. des Dispersionsmediums hat zur Folge, dass sich die Polymerketten einander annähern und es dadurch zur Ausbildung von physikalischen Wechselwirkungen kommt. Bildlich dargestellt können die Polymerketten mit Spaghetti verglichen werden. Solange sie sich im heißen Wasser befinden, sind sie relativ leicht beweglich. Verdampft jedoch das Wasser, kommen sie sich näher, bilden Wechselwirkungen untereinander aus und erhalten damit eine gewisse innere Festigkeit.

Im Folgenden werden die wichtigsten Arten der sich physikalisch verfestigenden Klebstoffe charakterisiert und hinsichtlich ihrer typischen Eigenschaften und Anwendungsgebiete beschrieben.

Lösemittelhaltige Nassklebstoffe

Bei lösemittelhaltigen Nassklebstoffen liegt das Polymer in organischen Lösemitteln gelöst vor. Der Klebstoff wird meist auf eines der Fügeteile aufgetragen und das Fügen findet zu einem Zeitpunkt statt, zu dem noch ein Großteil des Lösemittels im Klebstoff vorhanden ist. Dies gewährleistet eine ausreichende Benetzung der zweiten Fügeteiloberfläche. Durch Verdunsten der Lösemittel bindet der Klebstoff ab, das heißt, er wird zunächst zäher und verfestigt sich schließlich durch die Ausbildung physikalischer Wechselwirkungen zwischen den Polymerketten. Während bei einigen dieser Klebstoffe der Fügevorgang unmittelbar nach dem Klebstoffauftrag erfolgen kann ist für andere die Einhaltung einer produktabhängigen Mindesttrockenzeit erforderlich, d. h. vor dem Fügen muss eine gewisse Ablüftezeit eingehalten werden um ein Teil des Lösemittels verdunsten zu lassen. Dieser Mindestrockenzeit schließt sich die Nassklebzeit an. Dies ist der Zeitraum innerhalb dessen der Klebstoff noch ausreichend Lösemittel enthält, somit ausreichend flüssig ist und das zweite Fügeteil gut zu benetzen. Wird die Nassklebzeit überschritten ist dies in der Regel mit Qualitätseinbußen hinsichtlich Klebfestigkeit verbunden. Der Zeitraum aus Mindesttrockenzeit und Nassklebzeit wird häufig als offene Wartezeit bezeichnet. Die sich anschließende sogenannte geschlossene Wartezeit beschreibt den Zeitraum innerhalb dessen der Klebstoff soweit abbindet, dass eine, die weitere Handhabung der Klebung erlaubende Anfangsfestigkeit erreicht wird. In diesem Zeitraum darf die Klebung nicht belastet werden, was in der Regel eine Fixierung erfordert. Während die offene Wartezeit und die Nassklebezeit im Wesentlichen vom jeweiligen Klebstoff und den Umgebungsbedingungen abhängen ist die geschlossene Wartezeit zusätzlich von den Fügeteilwerkstoffen, d. h. deren Vermögen, das Lösemittel aus der Klebfuge entweichen zu lassen und den Anforderungen an die Höhe der Anfangsfestigkeit abhängig.

Als Polymere werden z. B. Polyurethane, Polyvinylacetat, Synthese- oder Naturkautschuk sowie Acrylate verwendet. Die Art des Lösemittels, wobei häufig auch Gemische verwendet werden, richtet sich nach dem jeweiligen Polymer und dessen Löslichkeit. Typische Lösemittel sind unter anderem Ester (z. B. Ethylacetat), Ketone (z. B. 2-Butanon) oder auch Tetrahydrofuran.

Lösemittelhaltige Nassklebstoffe können auch zum Diffusionskleben (Kaltverschweißen) thermoplastischer Kunststoffe verwendet werden. Dabei werden beide Klebflächen mit dem Klebstoff bestrichen, der ein Lösemittel enthält, welches imstande ist, die Oberfläche der Fügeteile anzulösen. Nach kurzer Einwirkzeit werden die beiden Fügeteile unter Druck gefügt, wodurch sich die durch das Lösemittel freigelegten Polymerketten der angelösten Oberfläche – ähnlich wie die Borsten zweier Bürsten, die ineinander gedrückt werden – durchdringen und miteinander verschlaufen. Nach Entweichen des Lösemittels entsteht so nach einiger Zeit eine Verbindung, die rein auf Kohäsionskräften beruht. Umgangssprachlich wird dieses Verfahren auch als Kaltschweißen oder Quellschweißen bezeichnet.

Anwendungsgebiete

Beispiele für lösemittelhaltige Nassklebstoffe waren lange Zeit die sogenannten „Alleskleber“. Hierzu sei angemerkt, dass es eigentlich „Allesklebstoff“ heißen müsste, es diesen aber definitiv nie gegeben hat. Es gab, genauso wie es nie die „Universalschraube“ gegeben hat, noch zu keiner Zeit einen Klebstoff, der in der Lage war alles kleben zu können.

Während in der Vergangenheit vielfach Lösemittelklebstoffe u. a. auch im Bereich Hobby und Haushalt verwendet wurden, sind diese aus ökologischen und Arbeitssicherheitsgründen hier und in vielen Anwendungsgebieten durch andere Systeme, die keine brennbaren und/oder gesundheitsschädlichen Lösemittel enthalten ersetzt worden. Heute kommen sie insbesondere zum Kleben von Papier und Pappe sowie zum Diffusionskleben, insbesondere von PVC zum Einsatz.

Beim Einsatz von lösemittelhaltigen Nassklebstoffen sind neben deren Entzündlichkeit und/oder gesundheitsschädlichen Wirkung zu beachten, dass

insbesondere bei großflächigen Klebungen mindestens ein Substrat lösemitteldurchlässig sein muss, da ansonsten das zum Abbinden erforderliche vollständige Entweichen des Lösemittels aus der Klebfuge sehr lange dauern kann (bis zu einigen Tagen oder Wochen).
die Eignung lösemittelhaltiger Nassklebstoffe zur Klebung spannungsrissempfindlicher Materialien wie Polycarbonat kritisch betrachtet werden muss, da die enthaltenen Lösemittel Spannungsrisse auslösen können.

Lösemittelhaltige Nassklebstoffe ermöglichen klebstoffabhängig Festigkeiten bis hin zu etwa 10 MPa bei Bruchdehnung im Bereich ca. 5 bis 400 %. Da es sich bei den als Klebrohstoffen eingesetzten Polymeren um Thermoplaste handelt, weisen die Klebungen eine begrenzte Wärmeformbeständigkeit auf, zeigen unter Belastung eine Neigung zum Kriechen und sind empfindlich gegenüber Lösemitteln.

Kontaktklebstoffe

Bei Kontaktklebstoffen handelt es sich um in Lösemitteln gelöste Polymere (insbesondere Polychloropren und Polyurethane) oder als umweltfreundlichere Alternative um Dispersionen in Wasser. Sie unterscheiden sich jedoch in ihrer Verarbeitung dahingehend, dass Kontaktklebstoffe auf beide Fügeteile aufgetragen werden. Erst nachdem ein Großteil des Lösemittels bzw. Wassers verdunstet ist, d. h. der Klebstofffilm quasi trocken ist, werden die Bauteile gefügt. Hierbei ist der Anpressdruck, er sollte mindestens 0,5 MPa betragen, von ausschlaggebender, die Anpressdauer von untergeordneter Bedeutung. Durch das Zusammenpressen fließen die beiden im amorphen Zustand vorliegenden Klebstoffschichten ineinander, um sich anschließend weiter, unter Ausbildung kristalliner Strukturen zu verfestigen. Die Klebung ist nach dem Fügen sofort belastbar, die Einhaltung einer geschlossenen Wartezeit ist also für typische Kontaktklebstoffe nicht erforderlich.

Die Mindesttrockenzeit bezeichnet hier den Zeitraum, den der Klebfilm benötigt, bis er beim Berühren mit der Fingerkuppe zwar noch eine gewisse Restklebrigkeit aufweist, aber keine Fäden mehr zieht und somit das Fügen erfolgen kann. Um Hautkontakt mit den Restlösemitteln zu vermeiden, sollten bei diesem sogenannten Fingertest geeignete Handschuhe getragen werden. In den technischen Datenblättern der Kontaktklebstoffe wird in der Regel die Kontaktklebzeit, d. h. der Zeitraum nach Ende der Mindesttrockenzeit, innerhalb derer gefügt werden muss, angegeben. Wird erst nach Überschreiten der Kontaktklebzeit gefügt, ist mit Einbußen bei der Festigkeit der Klebung zu rechnen. Bei vielen Kontaktklebstoffen ist, sollte die Kontaktklebzeit überschritten sein, eine Reaktivierung des Klebfilms durch Wärme möglich. Angaben hierzu finden sich ebenfalls in den technischen Datenblättern der jeweiligen Klebstoffe.

Zur Verwendung der lösemittelfreien, wasserbasierten Kontaktklebstoffe muss jedoch angemerkt werden, dass insbesondere die langen Mindesttrockenzeiten und die häufig nur begrenzte Feuchtigkeitsbeständigkeit ihrer Verwendung entgegenstehen. Die Trocknung kann durch einen entsprechenden Wärmeeintrag in Trockenkanälen beschleunigt und die mangelnde Feuchtigkeitsbeständigkeit durch ein zwei-komponentiges Arbeiten, d. h. der Zugabe eines Vernetzers vor der Verwendung (siehe Klebstoffe mit kombinierten Verfestigungsmechanismen) kompensiert werden.

Anwendungsgebiete

Kontaktklebstoffe werden z. B. zum Kleben von Bodenbelägen, bei der Herstellung von Matratzen und Schuhen und zum Anbringen von Zier- und Scheuerleisten eingesetzt. Da das Lösemittel bereits vor dem Fügen nahezu vollständig aus dem Klebfilm entwichen ist, eignen sich Kontaktklebstoffe auch für das Kleben zweier lösemittelundurchlässiger Fügeteile.

Beim Einsatz von Kontaktklebstoffen ist zu beachten, dass

die produktspezifischen Prozesszeiten, Mindesttrockenzeit und Kontaktklebzeit eingehalten werden
beim Fügen der erforderliche Anpressdruck gewährleistet ist

Kommen lösemittelhaltige Kontaktklebstoffe zum Einsatz ist neben deren Entzündlichkeit und/oder gesundheitsschädlichen Wirkung
zu berücksichtigen,

dass die enthaltenen Lösemittel bei Kunststoffen Spannungsrisskorrosion auslösen können.

Dispersionsklebstoffe

Bei Dispersionsklebstoffen wird in der Regel Wasser verwendet, um die Klebstoffpolymere in den fürs Kleben erforderlichen flüssigen Zustand zu überführen. Jedoch liegen die Polymere nicht, wie bei Lösemittelklebstoffen gelöst, sondern in Form einer Dispersion vor. Die Polymerteilchen liegen in Form kleinster Teilchen vor und schweben sozusagen in dem (als mobile Phase bezeichneten) Wasser. Bei einem Dispersionsklebstoff handelt es sich also um einen Klebstoff, bei dem die Klebstoffmoleküle unter Zuhilfenahme von Emulgatoren und anderen Hilfsstoffen durch die sie umgebenden Wassermoleküle auseinander gehalten werden, also nicht zu größeren Agglomeraten zusammenlagern können.

Dispersionsklebstoffe können sowohl für die Verarbeitung als Nassklebstoff, analog der oben beschriebenen lösemittelhaltigen Nassklebstoffe, als auch als Kontaktklebstoff formuliert werden. Bei beiden Formen erfolgt das Abbinden durch das Entfernen der mobilen Phase, dem Wasser. Dies kann entweder durch Verdunsten oder durch Aufnahme ins Fügeteil erfolgen. Hierbei erhöht sich die Konzentration der Polymerpartikel und die der sie auseinanderhaltenden Wassermoleküle nimmt ab. Als Folge nähern sich die Polymerpartikel immer weiter an, bis sie schließlich miteinander verfließen. Bei diesem als Filmbildung bezeichneten Vorgang kommt es zur Ausbildung von Wechselwirkungen untereinander (Ausbildung von Kohäsion) und zur Fügeteiloberfläche (Ausbildung von Adhäsion).

Ebenfalls für beide Formen gilt, dass Dispersionsklebstoffe in der Regel frostempfindlich sind, d. h. die Dispersion durch Frosteinwirkung zerstört werden kann, wodurch es zum sogenannten Brechen der Dispersion kommt, die Polymerteilchen koagulieren zu Agglomeraten, sodass kein einheitlicher Klebstofffilm mehr aufgetragen werden kann. Dies hat auch einen nachteiligen Einfluss auf die Ausbildung von Adhäsion zum Fügeteil. Die bei Förderung des Klebstoffs durch Schlauch- oder Rohrleitungen, bzw. in den dafür verwendeten Pumpen auftretenden Scherkräfte können ebenfalls zum Brechen der Dispersion führen. Weiterhin sind Dispersionsklebstoffe für Schimmelbefall im Lagerbehälter anfällig. Meist werden deshalb durch den Klebstoffhersteller Konservierungsstoffe zugegeben, trotzdem muss jedoch, insbesondere bei Lagerung in Tanks auf Sauberkeit geachtet und ggf. Nachkonserviert werden.

Bei Nassklebstoffen ist wiederum deren offene Zeit, d. h. der Zeitraum, beginnend mit dem Klebstoffauftrag, innerhalb dessen der Fügeprozess erfolgen muss, einzuhalten. Sie wird durch Temperatur, relative Feuchte der Umgebungsluft, Klebschichtdicke und dem Wasseraufnahmevermögen des Fügeteils bestimmt. Zum Fügen werden die Fügeteile miteinander verpresst. Die Presszeit ist wiederum von der Temperatur und dem Wasseraufnahmevermögen der Fügeteile abhängig. Bei Kontaktklebstoffen sind entsprechend die Mindestablüftezeit, die wiederum von der Temperatur, der relativen Feuchte der Umgebungsluft, der Klebschichtdicke und dem Wasseraufnahmevermögen des Fügeteils abhängig ist und die Kontaktklebzeit einzuhalten sowie beim Fügen ein ausreichend hoher Anpressdruck anzuwenden.

Allgemein sind die mit Dispersionsklebstoffen erreichbaren Festigkeiten begrenzt, ebenso die Wärmeformbeständigkeit aufgrund des thermoplastischen Charakters der verwendeten Polymere. Aufgrund der zur Stabilisierung der Dispersion erforderlichen Emulgatoren zeigen sie, wenn auch die Filmbildung nicht reversibel ist, eine eingeschränkte Feuchtigkeitsbeständigkeit. Sowohl Wärmeform, also auch Feuchtigkeitsbeständigkeit lassen sich durch Zugabe eines Vernetzers, also einem zweikomponentigen Arbeiten deutlich verbessern (siehe auch Klebstoffe mit kombinierten Verfestigungsmechanismen).

Dispersionsklebstoffe für die Verwendung als Nassklebstoff eignen sich besonders gut für großflächige Klebungen von wasserdurchlässigen Werkstoffen, wie Holz, Papier und Pappe. Demgemäß werden sie vielfach in der Papierverarbeitung, bei der Herstellung von Verpackungen und in der Möbelindustrie verwendet. Als Kontaktklebstoff werden Dispersionsklebstoffe vielfach in der Automobilindustrie für die Kaschierung von Innenausstattungsteilen mit Dekorfolien, Textil oder Leder verwendet. Wegen der für die Anwendung erforderlichen guten Temperatur und Feuchtebeständigkeit erfolgt die Verarbeitung meist als 2K-System (siehe auch Klebstoffe mit kombinierten Verfestigungsmechanismen).

Schmelzklebstoffe

Schmelzklebstoffe – oft auch als Hotmelts bezeichnet – sind bei Raumtemperatur fest und werden durch Aufschmelzen verarbeitbar.
Die heiße Klebstoffschmelze wird auf das zu verklebende Teil aufgebracht und sofort mit dem zweiten Teil innerhalb der Offenzeit gefügt. Unmittelbar nach dem Abkühlen und Erstarren des Klebstoffs ist die Verbindung fest und funktionsfähig. Dies ermöglicht in Produktionsprozessen sehr schnelle Taktzeiten und unmittelbares Weiterverarbeiten.

Für den Hobby- und Kleinanwender kommen Schmelzklebstoffe in Form von Klebekerzen (Klebesticks) in den Handel, die mit Schmelzklebepistolen verarbeitet werden können. Bei technischen Anwendungen werden sie auch in Form von Folien, Granulaten oder Blöcken mit Hilfe von Schmelzgeräten und nachgeschalteten Auftragköpfen verarbeitet.

Schmelzklebstoffe sind lösemittelfrei, jedoch ist ihr Einsatz wegen der hohen Verarbeitungstemperaturen auf temperaturresistente Werkstoffe beschränkt. Andererseits verhält sich der Klebstoff reversibel, das heißt, bei Temperaturerhöhung wird er wieder weich und besitzt daher nur eine eingeschränkte Wärmebeständigkeit (siehe auch Reaktiver Schmelzklebstoff).

Plastisole

Unter dem Begriff Plastisol versteht man Dispersionen, also zweiphasige Systeme bestehend aus einem pulverförmigen thermoplastischen Polymer in einer hochsiedenden organischen Flüssigkeit (Weichmacher). Weitere Rezepturbestandteile sind Füllstoffe, Pigmente sowie Additive wie z. B. Haftvermittler.[5] Als Polymere kommen hauptsächlich PVC und Acrylate, als Weichmacher meist Phthalsäureester zum Einsatz.

Bei der Auswahl des Polymers und des Weichmachers muss berücksichtigt werden, dass das Polymer in dem Weichmacher zwar löslich, die Lösungsgeschwindigkeit bei Raumtemperatur aber verschwindend klein sein muss. Erst bei höheren Temperaturen diffundiert der Weichmacher in das Polymer und das zunächst zweiphasige System wandelt sich in ein einphasiges Gel um, das Plastisol geliert. Hierfür sind Temperaturen von 150–180 °C erforderlich. Beim Abkühlen erstarrt dieses aus einem plastifizierten Polymer bestehende Gel, wodurch eine Masse von extrem hochviskoser Konsistenz entsteht, die bei Raumtemperatur nicht mehr fließfähig ist. Die als Kleb- oder Dichtstoff verwendeten Plastisole verfügen über eine hohe Flexibilität und gute Schälfestigkeiten, weisen jedoch den Nachteil auf, dass sie unter Belastung eine Neigung zum Kriechen zeigen. Ferner weisen sie als Thermoplaste nur eine begrenzte Temperaturbeständigkeit auf.

Plastisole als Kleb- und Dichtstoffe

Die Verwendung von Plastisolen in der Klebtechnik ist naturgemäß auf Prozesse beschränkt bei denen die, für die Gelierung erforderlichen Temperaturen angewendet werden können. Das Hauptanwendungsgebiet ist der Karosseriebau im Automobilbau, wobei meist PVC-Plastisole eingesetzt werden. Hier stehen mit den Ofenprozessen zur Lackhärtung entsprechende Temperaturen zur Verfügung. Die Plastisole übernehmen neben einer fügenden Funktion, oft verbunden mit einer Steifigkeitserhöhung der Karosse auch das Abdichten von Fugen gegen Feuchtigkeitseintritt (Vermeidung von Korrosion), sowie eine dämpfende Funktion. Die Fähigkeit der Plastisole bei der Gelierung auf der Blechoberflächen befindliche Korrosionsschutz- und Ziehöle in sich aufzunehmen stellt einen weiteren Vorteil dar. Somit müssen diese Öle erst unmittelbar vor dem Lackierprozess entfernt werden, sodass die Karosse während ihrer aus einer Vielzahl von Einzelschritten bestehenden Herstellung vor Korrosion geschützt ist.

Ein weiterer Vorteil ist, dass der Prozess der Gelierung stufenweise erfolgen kann. So kann durch eine, bei geringerer Temperatur erfolgenden Vorgelierung das pastöse Plastisol soweit verfestigt werden, dass es bei den vor der Lackierung zwingend erforderlichen Waschprozessen zur Entfernung u. a. der Korrosionsschutz- und Ziehölen nicht mit ausgewaschen wird.

Nachteile liegen z. B. in der schon erwähnten begrenzten Temperaturbeständigkeit, einer begrenzten Festigkeit, der Freisetzung von korrosiver Salzsäure bei Überhitzung z. B. beim Punktschweißen durch das oder in der Nähe PVC-Plastisol, der Gefahr des langsamen Ausschwitzens der Weichmacher während der Lebensdauer des Fahrzeugs, was zu einer gewissen Versprödung des Plastisols führt und auch zu einer Innenraumbelastung des Fahrzeuginnenraums mit, als gesundheitlich bedenklich eingestuften Weichmachern führen kann sowie in der allgemeinen „PVC-Problematik“ beim Fahrzeugrecycling. Nichtsdestotrotz konnten PVC-freie Alternativen, sofern sie keine weiteren Vorteile zeigen die PVC-Plastisole aufgrund ihrer deutlich höheren Materialkosten nicht verdrängen. Die in den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts begonnene Entwicklung von chemisch durch Wärmebeaufschlagung härtenden Klebstoffen hat neue Anwendungsgebiete für das Kleben im Karosseriebau eröffnet. Zum Teil haben diese Klebstoffe auch aufgrund ihres verbesserten Eigenschaftsprofils, trotz des höheren Preises die Plastisole in einigen Anwendungen ersetzt. Diese Systeme und ihre Anwendungen werden weiter unten bei der Beschreibung der chemisch härtenden Klebstoffe näher beschrieben.

Chemisch härtende Klebstoffe

Im Gegensatz zu den oben beschriebenen physikalisch abbindenden Klebstoffen, bei denen die Polymerketten in dem vom Klebstoffhersteller gelieferten Klebstoff bereits in ihrer endgültigen Zusammensetzung und Größe vorliege, ist dies bei den chemisch härtenden Klebstoffen nicht der Fall. Das, den gehärteten Klebstoffen ausmachende Polymer wird erst bei der Härtung durch eine chemische Reaktion aus kleineren Bausteinen, den sogenannten Monomeren oder Präpolymeren gebildet.

Durch geeignete Maßnahmen muss sichergestellt werden, dass die Härtung erst in der Klebfuge und nicht schon vorzeitig im Liefergebinde erfolgt. Im Fall der Zweikomponenten-Klebstoffe, kurz als 2K-Klebstoffe bezeichnet erfolgt dies, indem sich die Grundkomponenten (häufig als Harz und Härter bezeichnet) in zwei getrennten Behältern befinden und erst kurz vor dem Auftrag auf das zu klebende Bauteil im korrekten Verhältnis miteinander vermischt werden. Durch die fortschreitende Reaktion nimmt die Viskosität der Mischung stetig zu und führt nach Überschreiten der „Topfzeit“, die auch als „offenen Zeit“ bezeichnet wird dazu, dass die zu verbindenden Oberflächen nicht mehr ausreichend benetzt werden. Dies bedingt, dass bei der Verwendung von 2K-Klebstoffe, das Dosieren und Mischen der Klebstoffkomponenten, das Applizieren auf das Bauteil und das Fügen innerhalb der Topfzeit erfolgen muss. Nach dem Fügen der miteinander zu verklebenden Bauteile folgt die Aushärtezeit, in der sich die Endfestigkeit der Klebung aufbaut. Sowohl die Topfzeit, als auch die Aushärtezeit wird stark von äußeren Einflüssen, besonders der Temperatur, beeinflusst. Eine Temperaturerhöhung führt zu einer beschleunigten Härtung und oft auch zu einer höheren Festigkeit, während niedrigere Temperaturen die Topfzeit, aber auch die Härtezeit verlängern oder die Härtungsreaktion sogar stoppen. In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass die von den jeweiligen Klebstoffherstellern in den Datenblättern gegebenen Hinweise zum Mischungsverhältnis und den Verarbeitungs- und Härtungsbedingungen unbedingt einzuhalten sind. Abweichungen können zu Fehlverklebungen führen. Auch an die Qualität der Mischung werden hohe Anforderungen gestellt. Häufig werden die 2K-Klebstoffe aus speziellen Doppelkartuschen mit statischen Mischern verarbeitet. Die Doppelkartusche stellt sicher, dass das Mischungsverhältnis eingehalten wird und der statische Mischer gewährleistet die homogene Durchmischung. Bei Serienanwendungen mit einem entsprechend hohen Klebstoffbedarf kommen spezielle Dosier- und Mischanlagen, die eine Verarbeitung aus Großgebinden ermöglichen zum Einsatz.

Im Gegensatz dazu liegen die Einkomponenten-Klebstoffe, kurz 1K-Klebstoffe bereits gebrauchsfertig gemischt vor und der Klebstoff kann direkt verwendet werden. Hier verhindert eine chemische Blockierung die vorzeitige Härtung oder die Härtungsreaktion erfordert die Zuführung von weiteren Stoffen. Durch besondere Bedingungen, z. B. Einwirkung von Wärme, Licht einer bestimmten Wellenlänge, dem Zutritt von Luftfeuchtigkeit oder von Metallionen in Kombination mit der Abwesenheit von Sauerstoff, wird die Blockierung aufgehoben und die Verfestigungsreaktion gestartet. Um eine Vorzeitige Verfestigung im Liefergebinde zu verhindern werden entsprechende Bedingungen an die Verpackung aber auch an Transport und Lagerung gestellt.

Unabhängig davon, ob es sich um 2K- oder 1K-Klebstoffe handelt, ist die Härtungsreaktion exotherm, d. h. mit der Freisetzung von Wärme verbunden. Daher sollten bei 2K-Klebstoffen die vom Hersteller im technischen Datenblatt angegebenen Klebstoffmengen unter keinen Umständen überschritten werden. Zu große Mengen verkürzen die Topfzeit und können zu einer Überhitzung, verbunden mit der Freisetzung von gasförmigen Gefahrstoffen bis hin zur Selbstentzündung führen. Entsprechend gilt dies auch für 1K-Klebstoffe. Vor dem Hintergrund, dass gehärtete Klebstoffe in der Regel keine Gefahrstoffe darstellen, also nicht als gefährlicher Abfall zu entsorgen sind, kam es in der Vergangenheit bei der Härtung von größeren Restmengen auch von heißhärtenden 1K-Klebstoffen zu Überhitzungen bis hin zu Bränden mit Gefahrstofffreisetzung.

Auch wenn die Unterscheidung nach der Art der chemischen Reaktion – Polymerisation, Polykondensation oder Polyaddition – für den Anwender auf den ersten Blick meist nur von geringerer Bedeutung erscheint, gibt deren Kenntnis doch einige wichtige Hinweise. So sind die bei Härtung von Polyadditionsklebstoffen entstehenden Polymere durch eine abwechselnde Anordnung von Harz- und Härterbausteinen gekennzeichnet, wobei das stöchiometrische Verhältnis der reaktiven Gruppen in den Ausgangsmonomeren oder –prepolymeren das Mischungsverhältnis bestimmt. Es muss für jede reaktive Gruppe des Harzes nicht nur genau eine des Härters zur Verfügung stehen, sondern diese müssen auch miteinander reagieren können, d. h. sich nahe genug zueinander befinden. Das Mischungsverhältnis muss exakt eingehalten werden und genauso ist eine gute, homogene Durchmischung erforderlich. Eventuell nicht in das Klebstoffpolymer eingebaute überschüssige Harz- oder Härterbausteine wirken wie ein Weichmacher und haben einen nachteiligen Einfluss auf die mechanischen Eigenschaften des gehärteten Klebstoffs.

Bei Polykondensationsklebstoff ist, wie auch bei den Polyadditionsklebstoffen für jede reaktive Gruppe der Harzbausteine eine des Härters erforderlich, sodass auch hier Mischungsverhältnis und Mischgüte von hoher Bedeutung sind. Hinzu kommt, dass bei der Härtung Nebenprodukte freigesetzt werden. Diese können je nach ihrer Art die Fügeteiloberflächen angreifen oder zum Aufschäumen der Klebstoffschicht führen können.

Anders als bei den Polyadditions- oder Polykondensationsklebstoffen wird bei Polymerisationsklebstoffen die Härtung durch Härtermoleküle gestartet und läuft dann ohne weiteren Härterbedarf in Form einer Kettenreaktion ab. Somit sind die an die Einhaltung des Mischungsverhältnisses und die Mischqualität gestellten Anforderungen geringer. So sind spezielle, als No-Mix-Systeme bezeichnete 2K-Polymerisationsklebstoffe auf dem Markt, die ohne Durchmischung der Komponenten verarbeitet werden können. Die Harzkomponente wird auf das eine und die Härterkomponente auf das andere Fügeteil aufgetragen. Die beim Fügen erfolgende Durchmischung ist ausreichend die Härtungsreaktion zu starten und reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen.

Polyadditionsklebstoffe

Wichtige Vertreter aus der Gruppe der durch eine Polyadditionsreaktion härtenden Klebstoffe sind die Epoxidharz-Klebstoffe (kurz Epoxi-Klebstoffe), die Polyurethan-Klebstoffe sowie einige Silikon-Klebstoffe

Epoxidharz-Klebstoffe

Bisphenol-A-Diglycidylether

Die Fähigkeit von Stoffen mit reaktiven Wasserstoffatomen, hierzu zählen z. B. Amine, Amide, Carbonsäureanhydride und Merkaptane mit der Epoxidgruppe von Epoxidharzen unter Öffnung des gespannten 3-Rings zu reagieren ist die Basis der Epoxidklebstoffchemie. In den meisten Fällen werden auf Bisphenol-A basierende Epoxidharze, die sog. Bisphenol-A-diglycidylether eingesetzt. Bei einer geringen Zahl von sich wiederholenden Moleküleinheiten (n = 0 bis 2) handelt es sich um eine viskose, klare Flüssigkeit (Flüssigharz) bei mehr Moleküleinheiten (n = 2 bis 30) um farblose Feststoffe (Festharz). Ein bei Epoxidharz-Klebstoffen weit verbreitetes flüssiges Bisphenol A Harz hat ein mittleres n von 0,1. Der Reaktionsverlauf eines 2K-Epoxidharz-Klebstoff ist auf der Folie 23 der Informationsserie des Fonds der Chemischen Industrie – Kleben/Klebstoffe beschrieben[6][7]

Bei gehärteten Epoxidharz-Klebstoffen handelt es sich immer um Duromere, was ihre hohen Festigkeiten ihre eher geringe Flexibilität, sowie ihre relativ gute Beständigkeit gegen Feuchtigkeit, viele Chemikalien und Umwelteinflüsse erklärt.

Die Eigenschaften von Epoxidharz-Klebstoffen werden im Wesentlichen durch die verwendeten Härter bestimmt. Durch Ersatz zumindest eines Teils des Bisphenol-A-basierenden Harzes durch andere Epoxidharze können zusätzlich Eigenschaften des gehärteten Klebstoffs, wie z. B. die Beständigkeit gegen hohe Temperaturen und gegen Chemikalien, die Flexibilität und ihre elektrische Eigenschaften weiter an die jeweiligen Anforderungen angepasst werden. Als weitere Rezepturbestandteile kommen verschiedene

· Füllstoffe zur Einstellung des Fließverhaltens bei der Anwendung, zur Verringerung des Härtungsschrumpfs, zur Erhöhung der Wärme- oder elektrischen Leitfähigkeit,

· Haftvermittler zur Verbesserung der Haftung zu bestimmten Werkstoffen und

· reaktive oder nicht reaktive Verdünner zur Reduktion der Viskosität

zum Einsatz.
Eine Verringerung des spröden Charakters kann durch den Einsatz von elastifizierenden Härtern, entsprechend modifizierter Epoxidharze oder durch den Zusatz flexibilisierend wirkende Bestandteile erreicht werden. Eine weitere Verbesserung, die es erlaubt den Klebstoff sogar in crashgefährdeten Bereichen in Automobilkarosserien einzusetzen wird durch ein zweistufiges System erreicht. Kleine zähelastische Partikel in der Größe von etwa 500–2000 nm sind meist reaktiv in den Klebstoff eingebunden. Bei Einwirken einer schlagartigen Belastung werden die Energiedichte und das Risswachstum verringert und Energie absorbiert. Im Crashfall kommt es somit nicht zu einem schlagartigen Versagen der Klebung, sondern es wird die Energieaufnahme durch Blechverformung unterstützt, was letztendlich zur Sicherheit der Fahrzeuginsassen beiträgt.[8][9]

Epoxidharz-Klebstoffe sind sowohl als 2K- als auch als 1K-Systeme erhältlich. Einige 2K-Systeme härten bei Raumtemperatur relativ schnell in wenig Minuten vollständig aus, andere benötigen hierfür mehrere Stunden bis hin zu einigen Tagen. Eine Beschleunigung der Härtung bei meist gleichzeitiger Erhöhung der Festigkeit wird durch Erwärmung erreicht, wobei jedoch die Vorgaben des jeweiligen Herstellers unbedingt einzuhalten sind.
Bei 1K-Klebstoffen werden Härter verwendet, die bei Raumtemperatur nicht oder nur äußerst langsam mit den Epoxidgruppen des Harzes reagieren. Ein weit verbreiteter Härter ist das Dicyandiamid. Hierbei handelt es sich um einen bei Raumtemperatur in Epoxidharzen praktisch unlöslichen Feststoff. Erst bei erhöhter Temperatur oberhalb von gut 100 °C beginnt er sich im Epoxidharz zu lösen und die Härtungsreaktion beginnt. Übliche Härtungstemperaturen liegen bei 160–200 °C. Durch spezielle Additive kann die Härtungstemperatur reduziert werden. Zu beachten ist hierbei jedoch die damit verbundene Verringerung der Lagerfähigkeit bei Raumtemperatur, sodass ggf. eine gekühlte Lagerung erforderlich wird.

Anwendungsgebiete
Epoxidharz-Klebstoffe mit ihren durchweg hohen Festigkeiten, relativ hohen Glasübergangstemperaturen und der sehr guten Dauerbeständigkeit werden häufig für sogenannte strukturelle Klebungen, z. B. im Fahrzeugbau, bei der Herstellung von Rotorblätter von Windkraftanlagen aber u. a. auch für Anwendungen in der Elektronikindustrie verwendet. Je nach Formulierung sind Epoxidharz-Klebstoffe sowohl für Klebverbindungen an sehr großen Bauteilen, wie z. B. bei der Verklebung der zwei Halbschalen von Rotorblättern für Windkraftanlagen – hier werden abhängig von der Rotorblattlänge mehrere hundert Kilogramm Klebstoff pro Rotorblatt benötigt – als auch an kleinsten Bauteilen mit einem Klebstoffbedarf von wenigen Milli- oder Mikrogramm, wie z. B. der Chipkartenherstellung, oder dem Kleben von Ferriten bei der Herstellung von Elektromotoren in der Elektronikindustrie geeignet. Es können sowohl hochautomatisierte Großserienanwendungen mit kurzen Taktzeiten, als auch manuelle Kleinserien mit langen Taktzeiten realisiert werden.
Im modernen Automobilbau haben Epoxidharz-Klebstoffe wesentlich dazu beigetragen, dass die gesetzlichen Vorgaben zur Verringerung der CO2-Emission eingehalten erreicht werden konnten. So werden die hohen Spannungsspitzen einer reinen Punktschweißverbindung beim Punktschweißkleben durch den, zwischen den Schweißpunkten befindlichen zusätzlichen Klebstoff nivelliert, was die Verwendung von dünneren Blechen erlaubt. Allgemein wird durch Kleben die Bauteilsteifigkeit erhöht, was ebenfalls die Verwendung dünnerer Bleche, wie weiter oben bereits erwähnt auch von crashgefährdeten Bauteilen ermöglicht. Ebenso sind Verbindungen zwischen verschiedenartigen Metallen oder Stahlsorten, die aufgrund ihres Gefügeaufbaus nicht geschweißt werden können durch Kleben realisierbar. Der heutige automobile Leichtbau wäre ohne die Verwendung von Klebstoffen und insbesondere der Epoxidharz-Klebstoffe nicht möglich.[9]

Arbeitssicherheit
Bei der Verwendung von Epoxidharz-Klebstoffen ist zu berücksichtigen, dass diese Systeme im nicht gehärteten Zustand in der Regel Gefahrstoffe gemäß der Europäischen CLP-Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 und die von den jeweiligen Klebstoffherstellern in den Sicherheitsdatenblättern beschriebenen Arbeits- und Umweltschutzmaßnahmen beachtet werden müssen. Aufgrund seiner augen- und hautreizenden sowie sensibilisierenden Epoxidharz Wirkung ist jeder Hautkontakt grundsätzlich zu vermeiden und die langfristige, schädliche Wirkung auf Wasserorganismen erfordert einen entsprechenden umweltbewussten Umgang. Auch wenn krebserregende Amine heute durch andere Härter ersetzt worden sind, verursachen die meisten als Härter verwendeten Amine bei Augenkontakt schwere Augenreizungen und können ebenfalls bei Hautkontakt entsprechende Reizungen verursachen und sensibilisierend wirken.

Polyurethan-Klebstoffe (PUR)

Auf Basis der Polyurethanchemie lassen sich sowohl 1K- als 2K-Klebstoffe herstellen. Die Grundlage der zur Härtung der Klebstoffe führenden Reaktion ist die Fähigkeit von Isocyanaten, also Stoffen, die durch die –NCO Gruppe gekennzeichnet sind mit wasserstoffaktiven Verbindungen, dies sind im Wesentlichen Stoffe mit Hydroxy- (-OH) oder Amingruppen (NH-), oder mit sich selbst zu reagieren.

Zu der Gruppe der 1K-Polyurethan-Klebstoffe gehören, wie auch bei den 1K-Epoxidharz-Klebstoffen, solche, die Wärme zur Härtung, also zur Aktivierung des im Klebstoff bereits enthaltenen blockierten Härters benötigen. Diese enthalten als reaktive Bestandteile Präpolymere mit endständigen OH-Gruppen und blockierte Isocyanate. Nachdem durch Wärmezufuhr die Blockierung der Isocyanatgruppen aufgehoben wurde erfolgt deren Reaktion mit den OH-Gruppen des Präpolymers.

Darüber hinaus gibt es feuchtigkeitsvernetzende 1K-Systeme, die als reaktiven Bestandteil ein nicht flüchtiges Polyurethan-Präpolymer mit Isocyanat-Endgruppen enthalten. Die Härtung erfolgt durch eine Reaktion der Isocyanatgruppen mit Feuchtigkeit, d. h. Wasser aus der Luft oder den Fügeteilen. Um eine vorzeitige Härtung zu verhindern müssen diese Produkte bei der Lagerung durch eine entsprechende Verpackung vor dem Zutritt von Feuchtigkeit geschützt werden. Nach dem Auftrag des Klebstoffs auf das Fügeteil reagiert in einem ersten Schritt Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft oder den Fügeteilen in einer Polykondensationsreaktion unter Abspaltung von geringen Mengen an CO2 zu einem Amin. Erst im zweiten Schritt führt die Polyadditionsreaktion des entstandenen Amins mit weiterem Isocyanatgruppen unter Bildung von Harnstoffgruppen zur Härtung des Klebstoffs.

Die Härtung dieser Systeme läuft im Temperaturbereich von etwa 5 bis 40 °C ab, wobei eine relative Luftfeuchtigkeit von 40 bis 70 % erforderlich ist. Da die Härtung von außen nach innen erfolgt, d. h. es bildet sich zunächst an der Klebstoffoberfläche eine Haut, wird der Zeitraum, innerhalb der der Fügevorgang abgeschlossen sein muss, durch die sogenannte Hautbildezeit beschränkt. Erfolgt das Fügen später, ist die zur Ausbildung einer guten Haftung erforderliche Benetzung des zweiten Fügeteils nicht mehr gegeben. Weiterhin ist zu beachten, dass die Geschwindigkeit der Härtung von anfangs einigen Millimetern pro Tag mit zunehmender Dicke der Haut abnimmt und gegebenenfalls sogar zum Stillstand kommt. Um trotzdem großflächige Klebungen von feuchtigkeitsundurchlässigen Fügeteilen zu ermöglichen oder Klebungen bei zu geringer relative Luftfeuchtigkeit durchführen zu können sind sogenannte „Booster-Systeme“ auf dem Markt. Hier wird, sozusagen als zweite Komponente ein feuchtigkeitshaltiges Gel zugeführt und über einen statischen Mischer mit dem eigentlichen Klebstoff vermischt. Die Härtung erfolgt dann gleichmäßig über den gesamten Querschnitt der Klebschicht.

Diese Klebstoffe sind nach der Härtung gummielastisch-flexibel und kommen zum Einsatz, wenn Materialien mit stark unterschiedlichem Last- Temperaturausdehnungsverhalten miteinander verbunden werden müssen. Beispiele sind das Einkleben der Scheiben im Automobilbau oder die Verbindung von glasfaserverstärkten Kunststoffen auf Metallträger z. B. bei der Herstellung von Thermo-LKW.

Bei einer dritten Variante, den reaktiven Polyurethan-Schmelzklebstoffen, wird die Vernetzung von Isocyanatgruppen enthaltenden, bei Raumtemperatur festen, thermoplastischen Präpolymeren mit Luftfeuchtigkeit genutzt um über die nach dem Fügen, des zunächst verflüssigten und nach dem Fügen erstarrenden Klebstoffs diesen in einen nicht mehr schmelzbaren Elastomeren oder Duroplasten zu überführen. Durch diese Nachvernetzung wird die Beständigkeit der Klebung gegen höhere Temperaturen und verschiedene Medien deutlich verbessert. Diese Klebstoffe zeigen also den Vorteil einer schnellen Anfangsfestigkeit der Schmelzklebstoffe, eliminieren aber den Nachteil, der durch den Erweichungsbereich der Klebstoffe begrenzten Wärmebeständigkeit.

Wie bei 2K-Klebstoffen allgemein üblich wird auch bei den 2K-Polyurethan-Klebstoffen die Härtung durch das Zusammengeben der beiden Komponenten, dem Harz (Gemisch verschiedener Polyole oder Polyurethan-Präpolymerer mit endständigen OH-Gruppen) und dem Härter (Isocyanat), gestartet. Neben den jeweils reaktiven Bestandteilen können die beiden Komponenten

· Füllstoffe zur Einstellung des Fließverhaltens bei der Applikation, Verringerung des Härtungsschrumpfs, Erhöhung der Wärmeleitfähigkeit oder elektrischen Leitfähigkeit,

· Haftvermittler zur Verbesserung der Haftung zu bestimmten Werkstoffen und

· Katalysatoren zur Einstellung der Härtungsgeschwindigkeit enthalten.
Aufgrund der Vielfalt an für die Formulierung von 2K-Polyurethan-Klebstoffen geeigneten Rohstoffen und hier insbesondere der Polyole sind Klebstoffe mit unterschiedlichen mechanischen Eigenschaften, von niedrigmodulig, hoch elastisch bis hin zu hochmodulig aber trotzdem zähelastisch verfügbar.

Anwendungsgebiete

Aufgrund der in weiten Bereichen durch die Klebstoffrezeptur bestimmten mechanischen Eigenschaften der Polyurethan-Klebstoffe werden Vertreter dieser Klebstoffklasse in den verschiedensten Industrien für unterschiedliche Anwendungen eingesetzt. Die elastischen feuchtigkeitshärtenden Systeme werden vielfach als Dichtmassen eingesetzt, ein Vorteil gegenüber den Silikondichtmassen besteht darin, dass sie überstreichbar sind. Ein weiteres sehr weites Einsatzgebiet, sowohl für die feuchtigkeitshärtenden 1K-Klebstoffe, als auch für die niedrigmoduligen, elastische 2K-Systeme ist das sogenannte elastische Kleben.[10][11][12]

Die elastischen Eigenschaften dieser Klebstoffe werden zur Schwingungsdämpfung oder zum Ausgleich von erzwungenen Relativbewegungen der Fügeteile zueinander, zum Beispiel aufgrund eines unterschiedlichen thermischen Ausdehnungsverhaltens oder wechselnder mechanischer Belastungen in einer Vielzahl von Anwendungen genutzt. So wurde 1977 erstmals beim damaligen Audi 100 C2 die Frontscheiben nicht mehr über eine Gummidichtung befestigt, sondern in die Karosserie eingeklebt und liefert so einen signifikanten Beitrag zu Steifigkeit; heute ist dies Stand der Technik. Nur ausreichend elastische Klebstoffe sind in der Lage die im Fahrbetrieb auftretenden mechanischen und auch die aufgrund des unterschiedlichen thermischen Ausdehnungsverhaltens von Scheibe und Karosserie auftretenden Belastungen zu kompensieren und somit Glasbruch zu verhindern. Weitere Anwendungen findet man im Bus-, Boots- und Schienenfahrzeugbau, bei der Herstellung von Kühlcontainern, in der Bauindustrie und der Herstellung „weißer Ware“, wie zum Beispiel Waschmaschinen, Kühlschränken und Herde.[10] Im Tiefbau werden feuchtigkeitshärtende Systeme zur Stabilisierung von brüchigen Gesteinsformationen durch Bohrlöcher in die betroffenen Gesteinsschichten injiziert.

Feuchtigkeitsnachvernetzende Polyurethan Schmelzklebstoffe werden unter anderen

im graphischen Gewerbe zum Binden von Büchern,
in der Verpackungsindustrie zur Herstellung von Faltschachteln,
in der Textilindustrie zur Herstellung von Funktionstextilien,
bei der Möbelherstellung für Kantenklebungen, die Herstellung von 3D-Möbelfronten und zur, Fußbodenherstellung,
in der Automobilindustrie zur Flächenkaschierung von Innenausstattungsteilen,
in der Bauindustrie zur Ummantelung von Fensterprofilen und der Herstellung von Sandwichelementen

verwendet.

2K-Polyurethan-Klebstoffe kommen überall dort zum Einsatz wo elastische, aber im Vergleich zu den 1K-feuchtigkeitshärtenden Polyurethan-Klebstoffe eine schnellere Härtung erforderlich ist, oder wo höhere Festigkeiten bei gleichzeitig einer im Vergleich zu den Epoxidklebstoffen höheren Dehnfähigkeit gefordert ist. Beispiele findet man im Automobilbau bei der Herstellung von Kunststoff-Anbauteilen wie Heckdeckel, Kotflügeln, Stoßfängern und Spoilern[13] sowie mit dem Aufkleben der Streuscheibe auf das Gehäuse bei der Herstellung von Automobil-Scheinwerfern. Auch in der Elektronikindustrie, bei der Herstellung von Filtern und in der Hausgeräteindustrie werden 2K-Polyurethan-Klebstoffe verwendet.

Arbeitssicherheit

Aus Gründen der Arbeitssicherheit wird für die Herstellung von Polyurethan-Klebstoffen als Isocyanat meist Methylendiphenylisocyanat (MDI) oder Präpolymere auf Basis MDI verwendet. MDI hat wie auch andere monomere Isocyanate aufgrund seines nicht zu unterschätzenden gesundheitsgefährdenden Potentials mit derzeit 0,005 ppm einen sehr geringen Arbeitsplatzgrenzwert. Aufgrund seines im Vergleich zu anderen monomeren Isocyanaten, wie Isophorondiisocyanat (IPDI), Toluylendiisocyanat (TDI) oder Hexamethylendiisocyanat (HDI) deutlich geringeren Dampfdrucks kann der Arbeitsplatzgrenzwert, sofern der Klebstoff nicht erwärmt wird, weder erreicht noch überschritten werden. Wird der Klebstoff jedoch, wie bei reaktiven Polyurethan-Schmelzklebstoffen warm oder im Sprühverfahren verarbeitet ist unbedingt eine effektive Absaugung vorzusehen.[14][15][16][17]

Polykondensationsklebstoffe

Wichtige Vertreter aus der Gruppe der durch eine Polykondensationsreaktion härtenden Klebstoffe sind die Phenolharz-Klebstoffe, die feuchtigkeitsvernetzenden Silikon-Klebstoffe sowie die recht neue Gruppe der Klebstoffe aus Basis von silan-modifizierten Polymeren, wie z. B. die MS-Polymeren Klebstoffe

Phenol-Formaldehydharz-Klebstoffe[18][19]

Bei den Phenolharzen handelt es sich um Polymere, die auf den vielfältigen Polykondensationsreaktionen zwischen Phenolen und Aldehyden, insbesondere Formaldehyd aufbauen. Von technischer Bedeutung sind die Phenol-Formaldehydharze, die je nach dem molaren Verhältnis von Aldehyd/Phenol bei der Vorkondensation als Resolharze (>1) oder Novolakharze (<1) bezeichnet werden. Resolharze sind anfangs schmelzbare und lösliche Polymere, die durch Erwärmung zeit- temperatur- und pH-Wertabhängig zu Duromeren vernetzt werden können. Novolokharze sind ebenfalls schmelzbar und löslich, benötigen zu einer weiteren Vernetzung jedoch neben Temperatur zusätzliches Formaldehyd und einen Vernetzer. Häufig wird hierfür Paraformaldehyd und Hexamethylentetramin (das sog. „Hexa“) verwendet.
Reine Phenol-Formaldehydharze sind durch eine hohe Sprödigkeit gekennzeichnet und mit ihnen hergestellte Klebungen sind somit gegen Schälbelastungen recht empfindlich. Daher werden sie häufig durch Co- bzw. Mischpolymerisation mit thermoplastische Polymere ergebenden Monomeren modifiziert. Andererseits bieten sie aufgrund der hohen Vernetzungsdichte eine hohe Temperatur- und eine gute Chemikalienbeständigkeit.

Als Klebstoff werden Resol- und Novolakharze als Lösung, Pulver oder Folie verwendet. In der Klebfuge wird die quasi unterbrochene Kondensationsreaktion zum unlöslichen und nicht mehr schmelzbaren, hochvernetzen Polymer durch Temperaturerhöhung auf ca. 140 bis 180 °C fortgesetzt. Das bei der Härtung freigesetzte Wasser liegt aufgrund der hohen Härtungstemperatur gasförmig vor. Um ein Aufschäumen des Klebstoffs zu verhindern erfolgt die Härtung von Phenolharzklebstoffen üblicherweise unter Druck.

Anwendungsgebiete

Die Klebstoffe haben eine gute Temperaturbeständigkeit, weshalb sie besonders für temperaturbelastete Metall-Klebungen genutzt werden. Der gute Ruf der Phenol-Formaldehyd Klebstoffe für Metallklebungen geht auf ihre Verwendung im Flugzeugbau schon in den 1940er Jahren zurück. Trotz des vergleichbar hohen Fertigungsaufwands (Fixieren der Fügeteile bis zur Härtung, Härtung unter Druck im Autoklaven etc.) wird diese Klebstoffgruppe bis heute u. a. wegen ihrer guten Langzeitbeständigkeit, auch gegen korrosive Einflüsse im Flugzeugbau für Metallklebungen verwendet.

Weitere große Einsatzgebiete sind die Herstellung von Schleifpapieren und Reibbelägen, z. B. für die Verwendung in Automatikgetrieben. Als Bindemittel für die Fixierung der Schleifpartikel bzw. der Reibmittel auf einem Träger werden häufig Phenol-Formaldehyd-Harze verwendet. Die Reibbeläge werden bei der Fertigung von Kupplungen, Automatikgetrieben und Bremsbelägen mit Phenol-Formaldehyd Klebstoffen auf Metallträger geklebt. Die metallischen Träger bestehen heute, zur Vermeidung von Quietschgeräuschen beim Bremsen aus mehreren dünnen, mittels Phenolharzklebstoff miteinander verbundenen Blechen. Der Klebstoff bewirkt über seine dämpfende Wirkung eine akustische Entkopplung, sodass Schwingungen nicht mehr zu einem Quietschen führen.

Phenol-Formaldehydharz Klebstoffe werden auch zur verstärkenden Imprägnation von Filterpapieren z. B. für die Verwendung in Ölfiltern eingesetzt und verhindern ein Reißen der Filterpapiere unter den im Betrieb auftretenden hohen Temperaturen und Drücken.
In der Elektronik werden Phenol-Formaldehyd Klebstoffe u. a. zum Kaschieren bei der Leiterplattenherstellung und zum Kaschieren des Trägermaterials mit Kupferfolien verwendet. Hohe Ansprüche werden an die sogenannten Haftvermittlerklebstoffe gestellt. Einerseits müssen sie neben den guten klebtechnischen auch gute elektrische Eigenschaften aufweisen und andererseits durch einen oxidativen Angriff einer Mikroaufrauhung zugänglich sein, die wiederum eine deutliche Verbesserung der Haftfestigkeit der abgeschiedenen Kupferschicht auf dem Träger zur Folge hat.[20]

Arbeitssicherheit
Aus Sicht der Arbeitssicherheit ist neben den jeweiligen Lösemitteln, hier wird neben dem unkritischen Lösemittel Wasser auch Ethanol auch häufig Methanol verwendet der Gehalt freiem Phenol und Formaldehyd von Bedeutung und führen zu entsprechenden Kennzeichnungen der Klebstoffe gemäß Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP). Für die geklebten Produkte, insbesondere aus der Möbelindustrie sind zudem die Restmengen an monomeren Formaldehyd im gehärteten Klebstoff von Bedeutung. Um Belastungen der Kunden durch Formaldehydausdunstungen zu vermeiden gelten hier strenge Grenzwerte.

Silikone[21][22]

Silikon-Polymere nehmen eine gewisse Sonderstellung ein, da ihr Molekülgerüst im Gegensatz zu den anderen hier beschriebenen Klebstoffen nicht aus Kohlenstoffketten aufgebaut ist, sondern sich in der Hauptkette Silicium- und Sauerstoff-Atome abwechseln. Nur in den Seitenketten tragen diese Polymere aus Kohlenstoffketten aufgebaute organische Strukturen. Hierauf beruhen die besonderen Eigenschaften der Silikone. So bewirkt die hohe Kettenbeweglichkeit der Silikonpolymere die hohe Elastizität der Silikone die bis hinab zu −70 bis −90 °C erhalten bleibt. Aufgrund der im Vergleich zur Kohlenstoff-Kohlenstoff-Bindung höheren Bindungsenergie der Silizium-Sauerstoff-Bindung weisen Silikone eine hohe Temperaturbeständigkeit auf. So sind Silikone dauerhaft bis zu ca. 200 °C beständig, kurzfristig sogar bis zu 300 °C. Ein weiterer Vorteil ist die hohe Beständigkeit gegen UV-Strahlung. Unter dem Einfluss von UV-Strahlung entsteht aus Luftsauerstoff (O2) partiell aktiver Sauerstoff, d. h. Ozon (O3) und radikalischer Sauerstoff (O), die die Kohlenstoffketten organischer Klebstoffe an Fehlstellen angreift, den Kohlenstoff oxidiert und so die Kette zerstört. Ein derartiger Angriff ist bei den Silicium-Sauerstoff-Ketten der Silikone nicht möglich, da das Silizium bereits oxidiert vorliegt. Auch gegenüber anderen chemisch aggressiven Stoffen sind Silikone recht stabil und zeigen eine gute Feuchtigkeits- und Witterungsbeständigkeit.

Begrenzt ist jedoch die mit Silikonen erreichbare mechanische Belastbarkeit, so liegen die mit Silikonklebstoffen erreichbaren Zugscherfestigkeiten[23] in der Regel bei maximal 1 MPa. Ein weiterer Nachteil ist, dass sie sich aufgrund ihrer sehr geringen Oberflächenspannung weder lackieren oder beschichten lassen und nachfolgende Klebungen in ihrem Umfeld deutlich erschweren bzw. unmöglich machen. Außerdem sind sie, abhängig vom bei Härtung freiwerdenden Kondensationsprodukt, anfällig gegen Schimmelbefall.

Silikonklebstoffe werden sowohl als 1K-, als auch als 2K-Systeme angeboten. Beide Systeme beruhen auf Polyorgano-, meist Polydimethylsiloxanen und härten durch eine Polykondensation aus, die 1K-Systeme durch Feuchtigkeitszutritt, die 2K-Systeme durch Reaktion mit Kieselsäureestern.

Bei den gebrauchsfertigen 1K-feuchtigkeitshärtenden Silikonen (RTV-1) sind die endständigen Hydroxygruppen der Polydimethylsiloxane durch einen sogenannten Vernetzer blockiert. Bei Zutritt von Feuchtigkeit wird diese Blockierung durch Hydrolyse unter Abspaltung eines Kondensationsproduktes aufgehoben, was die weitere Vernetzung der Siloxanketten untereinander ermöglicht. Je nach der Art des zur Blockierung der Hydroxygruppen verwendeten Vernetzers spricht man von sauer, alkalisch oder neutral vernetzenden Systemen.

Am bekanntesten sind die sauer-vernetzenden Acetatsysteme, die beim Aushärten Essigsäure abspalten. Sie zeichnen sich durch eine gute Haftung zu mineralischen Untergründen wie Glas, Email, Porzellan und auch eloxiertem Aluminium aus und werden für Klebungen und Abdichtungen dieser Werkstoffe z. B. beim Innenausbau von Häusern und insbesondere im Sanitärbereich verwendet. Aufgrund ihrer Verbreitung auch im Heimwerkerbereich stellen sie für den Laien wahrscheinlich den Inbegriff eines Silikons dar. Bei der Verwendung dieser Systeme für Metallklebungen ist die mögliche Gefahr einer Säurekorrosion, für Kunststoffklebungen die der Spannungsrisskorrosion durch die entstehende Essigsäure zu berücksichtigen.

Für Klebungen von Beton, Putz, Mauerwerk und Metallen eignen sich die alkalisch vernetzenden Systeme. Die bei der Härtung frei werdenden aminischen Verbindungen sind für den bei der Härtung auftretenden charakteristischen, fischartigen Geruch und die Gefahr einer Verfärbung verantwortlich. Obwohl Amin- bzw. Aminoxysysteme auch bei kalter Witterung noch nennenswert durchhärten und zu äußerst stabilen Produkten führen, haben sie, nicht zuletzt aufgrund des unangenehmen Geruchs an Bedeutung verloren.

Korrosion oder Probleme durch Verfärbung treten bei den neutral vernetzenden Systemen nicht auf. Oximsysteme waren lange der Begriff für neutral vernetzende Silikone. Auf Grund der Toxizität der während der Aushärtung frei werdenden Abspaltungsprodukte (2-Butanonoxim (MEKO), 2-Propanonoxim (DMKO) und/oder 2-Pentanonoxim (MPKO)) ist die Verwendung von Oximsilikonen inzwischen als kritisch anzusehen. Unter anderem seitens der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) wird daher empfohlen auf andere Silikonsysteme oder andere Technologien zurückzugreifen und die Verwendung von Oximsilikonen zu vermeiden.[24] Estersysteme sind eine der jüngeren Entwicklungen auf dem Gebiet der neutral vernetzenden Silikone. Estersilikone setzen im Gegensatz zu Oximsilikonen keine toxischen Abspaltungsprodukte frei, sondern spalten während der Aushärtung Estermoleküle ab, die wie bei den anderen Silikonsystemen einen charakteristischen Geruch aufweisen. Sie sind für empfindliche Substrate geeignet und zeigen ein breites Haftungsspektrum auf vielen Materialien. Alkoxysysteme sind ebenfalls neutral vernetzende Silikone und sind bereits seit vielen Jahren im Markt. Alkoxysilikone spalten während der Aushärtung niedere Alkohole ab (Methanol und/oder Ethanol) und riechen daher beim Aushärten kaum wahrnehmbar. Sie sind für empfindliche Substrate geeignet, zeigen ein breites Haftungsspektrum auf vielen Werkstoffen, einschließlich diverser Kunststoffe, Lacke und Beschichtungen.

Die Basis der 2K-kondensationsvernetzenden Silikone (RTV-2) ist die durch Katalysatoren, z. B. eines Zinn-Katalysators beschleunigte Vernetzungsreaktion von Hydroxypolysiloxanen mit Kieselsäureestern. Hierbei wird ein, dem Kieselsäureester entsprechender Alkohol abgespalten. Als 2K-System härten diese Klebstoffe unabhängig von der Umgebungsfeuchtigkeit und werden somit eingesetzt wenn es darum geht großflächige Klebungen, feuchtigkeitsundurchlässiger Werkstoffe oder Klebungen mit hohen Klebschichtdicken durchzuführen. Wie bei 2K-System üblich müssen die Komponenten im korrekten Verhältnis zueinander homogen vermischt werden. Zusätzlich muss darauf geachtet werden, dass keine den Härtungsprozess behindernde Luft eingerührt wird.

Anwendungsgebiete

Silikone kommen überall dort zum Einsatz, wo ihre besonderen Eigenschaften, hohe Kälteelastizität, hohe Temperatur-, Chemikalien-, Witterungs- und UV-Beständigkeit erforderlich ist und die relativ geringe Festigkeit nicht von Bedeutung ist oder durch eine entsprechend vergrößerte Klebfläche ausgeglichen werden kann. Auch wenn es sich bei Silikonanwendungen häufig um Abdichtungen handelt werden sie auch für Klebungen in verschiedenen Anwendungsgebieten eingesetzt. Beispiele findet man im Bau z. B. bei der Herstellung von Fenster, im Glasfassadenbau oder der Herstellung von Trennwand-Elementen für den Innenausbau. Durch den Einsatz von Klebstoffen lassen sich durchgängig glatte Glasflächen realisieren. In der Klima- und Lüftungstechnik werden Silikonklebstoffe eingesetzt um Bauteile aus Werkstoffen mit unterschiedlichem thermischem Ausdehnungsverhalten miteinander verbinden zu können. Bei der Herstellung von Photovoltaikmodulen werden Silikone aufgrund ihrer Witterungs- und UV-Beständigkeit für die Klebung des Modulrahmens und das Aufklebens der Anschlussdose verwendet. In der Hausgeräteindustrie sind Temperaturbeständigkeit und Elastizität die Gründe. Bei nahezu allen Klebungen in diesem Bereich, z. B. dem Einkleben von Sichtfenstern in Backofentüren werden Materialien mit unterschiedlichen thermischen Ausdehnungskoeffizienten wie Glas, Metalle und Kunststoffe miteinander verbunden.

Arbeitssicherheit
In der Regel sind die durch eine Polykondensation vernetzenden Silikonklebstoffe keine Gefahrstoffe im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP). Die bei der Vernetzung von Oximsystemen frei werdenden Ketoxim-Abspaltungsprodukte (2-Butanonoxim (MEKO), 2-Propanonoxim (DMKO) und/oder 2-Pentanonoxim (MPKO))[25] werden aufgrund des Verdachts auf krebserzeugende Wirkung inzwischen als kritisch angesehen.[26] Die in den 2K-kondensationsvernetzenden Silikone (RTV-2) vielfach verwendeten zinnorganischen Katalysatoren werden aufgrund ihrer fortpflanzungsgefährdenden und fruchtschädigenden Wirkung als kritisch betrachtet und sind mittlerweile vielfach durch alternative Katalysatoren ersetzt.

Klebstoffe auf Basis silanmodifizierter Polymere (SMP-Klebstoffe)

Ende der 80er Jahre kam mit den Kleb- und Dichtstoffen auf Basis von silanmodifizierten Polymeren eine neue Gruppe feuchtigkeitsvernetzender Systeme auf den Markt. Sie kombinieren die positiven Eigenschaften von feuchtigkeitsvernetzenden Silikonen mit denen der Polyurethane. So zeigen sie eine gute Haftung zu vielen Substraten, haben eine gute Witterungs- und UV-Beständigkeit, eine hohe Elastizität, sind im Temperaturbereich von −40 bis 100 °C verwendbar, im noch nicht gehärteten Zustand überstreichbar und stellen meist keine Gefahrstoffe im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP) dar.

Die für die Herstellung der SMP-Klebstoffe verwendeten silanmodifizierten Polymere basieren meist auf einem hochmolekularen Polypropylenglykol (PPG)-Rückgrat, das an seinen Enden entweder direkt oder über eine Urethangruppe mit Silangruppen terminiert ist. Die Härtung erfolgt wie auch bei den RTV1 Silikonen und den feuchtigkeitsvernetzenden Polyurethanen bei Raumtemperatur durch Zutritt von Luftfeuchtigkeit. Es gelten also für deren Verarbeitung die gleichen diesbezüglichen Voraussetzungen. Als Abspaltprodukt der Polykondensationsreaktion wird meist Methanol freigesetzt.

Um ihre Anwendung auch bei einem nicht ausreichenden Feuchtigkeitsangebot (geringe Luftfeuchtigkeit, Dickschichtklebung oder großflächige Verklebung von feuchtigkeitsundurchlässigen Fügeteilen) zu ermöglichen gibt es diese Klebstoffe auch als 2K-Systme, wobei die zweite Komponente im Wesentlichen als Feuchtigkeitsquelle dient.

Ein neues Verfahren ermöglicht es das Polymerrückgrat gezielt anzupassen. So ist man nicht mehr auf eine reine PPG-Struktur beschränkt, der Einbau von z. B. Polyestern oder Polycarbonaten ist möglich, es können zusätzliche Funktionalitäten in das Polymerrückgrat eingebaut und das Molekulargewicht des Polymerrückgrats über einen weiten Bereich eingestellt werden. Durch die Möglichkeit diese neuen Polymere so aufzubauen, dass sie bei der Vernetzung ohne Einbußen bei der Härtungsgeschwindigkeit ausschließlich Ethanol abspalten, können Klebstoffe formuliert werden, die bei der Härtung nicht das gesundheitsschädliche Methanol freisetzen. Da die für die Vernetzung ausschlaggebende Silanfunktionalität nicht, wie bei den bisherigen Systemen ausschließlich endständig, sondern gezielt seitenständig verteilt über die Polymerkette möglich ist, kann die durch die Härtung erreichte Vernetzungsdichte und die Polarität der Struktur gezielt angepasst werden. So ist mit diesen neuen Polymeren ein verbessertes Rückstellvermögen, eine verbesserte Tiefenhärtung, d. h. einer verbesserte Durchhärtung dickerer Schichten, eine verbesserte Anfangsklebrigkeit und eine höhere Endfestigkeiten, wie sie bisher nur von Polyurethanklebdichtstoffen, nicht aber von Silikonen erreicht wurden möglich.[27][28]

Anwendungsgebiete

Das Anwendungsgebiet in denen SMP-Klebstoffe eingesetzt werden ist im Großen und Ganzen mit dem der feuchtigkeitsvernetzenden Polyurthanen und Silkonen deckungsgleich und wird eigentlich nur durch den im Vergleich zu den Silikonen begrenzten Temperatureinsatzbereich und in gewissem Maß durch die etwas geringere Witterungs-, UV- und Chemikalienbeständigkeit eingeschränkt. Das bedeutet aber nicht, dass ein eins-zu-eins Austausch möglich ist. Es handelt sich um unterschiedliche Systeme mit z. T. voneinander abweichenden Eigenschaften und es muss jeweils das gesamte Spektrum der, an die Klebung gestellten Anforderungen berücksichtigt werden. Dies schließt die Verarbeitungseigenschaften und somit die Anforderungen durch den Klebprozess mit ein.

An dieser Stelle sollte ein weiterer Nachteil der SMP-Klebstoff nicht unerwähnt bleiben. Eine Verwendung der feuchtigkeitsvernetzenden SMP-Klebstoffe für das Einkleben der Scheiben im Automobilbau ist zwar prinzipiell möglich, aber aufgrund der geforderten Reparaturmöglichkeit problematisch. So ist die bei den Polyurethansystemen gegebene Möglichkeit nach einer Aktivierung auf Resten des alten Klebstoffs zu Kleben bei den SMP-Klebstoffen bisher nicht möglich. Im Reparaturfall müsste der alte Klebstoff vollständig vom Klebflansch entfernt werden wobei eine Beschädigung der Lackschicht aus Korrosionsschutz Gründen nicht zulässig wäre.

Arbeitssicherheit
In der Regel sind die SMP-Klebstoffe keine Gefahrstoffe im Sinne der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP). Aufgrund der bei der Härtung erfolgenden Freisetzung des gesundheitsschädlichen Methanols sollte jedoch bei der Härtung eine entsprechende Lüftung vorgesehen werden. Da für SMP-Klebstoffe häufig, wie bei den kondensationsvernetzenden RTV-2 Silikonen ebenfalls zinnorganische Katalysatoren verwendet werden gelten die dort gemachten Hinweise auch für SMP-Klebstoffe.

Polymerisationsklebstoffe

Zu dieser Gruppe von Klebstoffen, die durch eine als Kettenreaktion ablaufende Polymerisation härten gehören z. B. die, unter ihrer umgangssprachlichen Bezeichnung Sekundenklebstoff oder Super Glue (eingedeutscht Superkleber) eher bekannten Cyanacrylatklebstoffe. Weitere Beispiele sind die unter Luftsauerstoffausschluss härtenden anaeroben Klebstoffe, die z. B. zur Sicherung von Schrauben vor einem ungewollten Losdrehen verwendet werden sowie die strahlenhärtenden Klebstoffe bei denen die Polymerisation durch eine Aktivierung der Härtermoleküle durch Strahlung, meist Licht einer bestimmten Wellenlänge gestartet wird. Diese Systeme kennt man aus der Zahnmedizin, wo sie als Füllmaterial für kariöse Zähne verwendet werden.

Cyanacrylat-Klebstoffe

Ihren in der Umgangssprache üblichen Namen „Sekundenklebstoff“ verdankt diese Klebstoffklasse der Möglichkeit innerhalb von Sekunden handfeste Klebungen zu erreichen. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Endfestigkeit erst nach mehreren Stunden erreicht wird.

Bei den Cyanacrylat-Klebstoffen handelt es sich um 1K-Reaktionsklebstoffe auf Basis von Cyanacrylsäureestern mit unterschiedlich langen Alkylketten. Häufig werden 2-Cyanacrylsäuremethylester, n-Butylcyanacrylat und 2-Octylcyanacrylat als Rezepturbestandteile verwendet. Die zur Härtung führende Polymerisationsreaktion wird schon durch geringe Mengen von Hydroxid-Ionen gestartet. So reicht bereits die durch die Autoprotolyse unbehandelten Wassers vorliegende Hydroxidkonzentration von 10−7 mol/L aus, die in einer anionischen Polymerisation verlaufende Härtungsreaktion (siehe Abbildung) zum Poly(alkylcyanacrylat) zu starten. Hierzu greift das Hydroxid-Ion an der aufgrund der elektronenziehenden Wirkung der Cyan- und Estergruppen positiv polarisierten Kohlenstoffatom der C-C-Doppelbindung an. Das gebildete Carbanion greift wiederum als Nucleophil das nächste Cyanacrylatmonomer usw.

Härtung von Cyanacrylat-Klebstoffen durch anionische Polymerisation

Die Härtung der Cyancrylate wird also durch die natürliche Luftfeuchtigkeit bzw. genauer gesagt durch die aus der Umgebungsluft auf den Fügeteiloberflächen adsorbierten Wassermoleküle gestartet. Da die anschließende Polymerisation der Cyanacrylsäureester-Monomere nur über eine geringe Reichweite ungestört verläuft, können Cyanacrylatklebstoffe nur in Schichtdicken bis zu ca. 0,2 mm voll durchpolymerisiert werden. Bei dickeren Klebschichten wird keine vollständige Vernetzung erreicht, was sich in verringerten Festigkeiten bemerkbar macht.

Basische Oberflächen können die Polymerisation ebenfalls starten bzw. beschleunigen während saure Oberflächen aufgrund der geringen Konzentration an Hydroxid-Ionen die Polymerisation verlangsamen. Starke Säuren führen zur Protonierung der Carbanionen und somit zum Abbruch der Kettenreaktion. In einer neutralen oder basischen Umgebung läuft die stark exotherme Reaktion so lange, bis alle Monomere verbraucht sind. Bei einem zu hohen Angebot an Hydroxid-Ionen, sei es als Folge einer zu hohen Feuchtigkeit oder einer stark alkalischen Oberfläche kann es zur sogenannten Schockhärtung mit einer in der Folge verringerten Klebfestigkeit kommen.

Dem unbestreitbaren Vorteil einer fast sofort gegebenen Handhabungsfestigkeit stehen leider einige Nachteile gegenüber:

Cyancrylatklebstoffe sind im gehärteten Zustand meist recht spröde und nur wenig flexibel.
Die erreichbaren Klebschichtdicken sind aufgrund der niedrigen Viskosität, die den Klebstoffen ansonsten eine gute Kapillarwirkung verleiht, und der mangelnden Fähigkeit in dickeren Schichten durchzuhärten begrenzt.
Als Thermoplast besitzen sie zudem nur eine begrenzte Wärmebeständigkeit.
Auch wenn sie Wasser zur Härtung benötigen, so weisen die gehärteten Klebstoffe doch eine gewisse Empfindlichkeit gegenüber hoher Feuchtigkeit auf.
Rezepturabhängig können Cyanacrylatklebstoffe Spannungsrisskorrosion an den Fügeteilen auslösen

Neuere Entwicklungen führten zu teilflexibilisierten Cyanacrylatklebstoffen, die Spannungsspitzen besser abbauen können und häufig auch eine, gegenüber den Standardsystemen verbesserte Wärmebeständigkeit aufweisen. Auch konnte die Wasserbeständigkeit verbessert werden.

Anwendungsgebiete
Aufgrund der schnellen Härtung werden die Cyanacrylatklebstoffe insbesondere für das Kleben von Kleinteilen bei dünnen Klebschichten z. B. im Bereich der Optik, der Mikroelektronik, der Medizin- und der Fahrzeugtechnik verwendet. So werden sie z. B. für das Einkleben von Gläsern verwendet, wobei jedoch beachtet werden muss, dass stark alkalische Gläser die Polymerisation stark beschleunigen und es zu der bereits erwähnten Schockhärtung kommen kann. Eingesetzt werden diese Klebstoffe u. a. zum Kleben von Schwingungsdämpfern bei HiFi-Anlagen, dem Aufkleben der Membran bei der Herstellung von Lautsprechern, dem Einkleben der Libellen in Wasserwaagen, bei der Spulendrahtfixierung, der Fixierung von Abdeckklappen und dem Kleben von Elastomerdichtungen. Durch die Stoßverklebung von Elastomerrundprofilen können so z. B. leicht O-Ringe hergestellt werden.[29]

Spezielle Cyanacrylatklebstoffe mit medizinischer Zulassung werden als Ersatz zur Naht auch in der Medizin beispielsweise zum Wundverschluss verwendet. Durch die feucht-warmen Umgebungsbedingungen lösen sich diese Verklebungen langsam, nachdem die Wunde verheilt ist, wieder auf.

Arbeitssicherheit
Die schnelle Härtung der Cyanacrylatklebstoffe beinhaltet auch ein gewisses Sicherheitsrisiko bei deren Verwendung. Sollte es, trotz der beim Umgang mit Chemikalien obligatorischen Verwendung geeigneter Persönlicher Schutzausrüstung (u. a. Handschuhe, Schutzbrille etc.), zu einem Hautkontakt mit Cyanacrylatklebstoff oder sogar zu einer Verklebung gekommen sein, gibt das vom Industrieverband Klebstoffe e.V. herausgegebenen Merkblatt Erste Hilfe bei Unfällen mit Sekundenklebstoffen[30] wichtige Hinweise. Auf jeden Fall sollte nicht versucht werden den Klebstoff von der Haut abzuziehen oder die Verklebung gewaltsam zu lösen.

Dieser Artikel behandelt ein Gesundheitsthema. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt keine Arztdiagnose. Bitte hierzu den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!

Methylmethacrylat-Klebstoffe

Bei den Methylmethacrylat-Klebstoffen (MMA-Klebstoffe) handelt es sich um 2K-Reaktionsklebstoffe, bei denen das eingesetzte Monomer (typischerweise der Methylester der Methacrylsäure, ggf. in Abmischung mit weiteren polymerisationsfähigen Acrylat- und/oder Methacrylatmonomeren) in einer radikalischen Kettenreaktion polymerisiert wird. Zum Start der Polymerisationsreaktion wird ein reaktives Radikal benötigt, das meist aus einem Peroxid entsteht, wenn man dieses mit einem geeigneten Beschleuniger in Kontakt kommt.

Um eine entsprechend gute Lagerfähigkeit der Klebstoffe zu erzielen, wird das Peroxid im Methylmethacrylat-Monomer als eine Komponente und der Beschleuniger gelöst im Basis-Monomer als zweite Komponente in den Handel gebracht. Durch Zugabe von Füllstoffen, Pigmenten etc. können die Verarbeitungseigenschaften, die Farbe und durch zähelastifizierende Polymere die mechanischen Eigenschaften des gehärteten Klebstoffs an die jeweiligen Anforderungen angepasst und das Mischungsverhältnis in Grenzen variiert werden. So sind Mischungsverhältnisse von 10 : 1 oder 1 : 1 üblich. Durch Mischen beider Komponenten wird die Radikalkettenreaktion initiiert und der Klebstoff härtet. Natürlich ist auch hier die produktspezifische Topfzeit zu beachten

Ebenso können das gesamte Monomer und das Peroxid in eine Komponente vorliegen, die zweite enthält dann lediglich den Beschleuniger. Hierdurch kann das vorangehende Mischen der beiden Komponenten (und die damit verbundene Topfzeit) entfallen. Bei diesem sogenannten No-Mix- oder A/B-Verfahren wird eine Komponente des Klebstoffs auf ein Fügeteil und die zweite auf das andere Fügeteil aufgetragen. Durch Zusammenfügen der Flächen kommen die beiden Komponenten in Kontakt und die Härtungsreaktion startet. Naturgemäß ist dieses Verfahren auf Klebungen mit geringen Klebschichtdicken begrenzt.

Die wesentlichen typischen Eigenschaften der MMA Klebstoffe sind:

hohe Festigkeiten (bis zu 25 N/mm²),
hohe Elastizitäten (bis zu 120 % Dehnung),
schnelle Härtung (im Vergleich zu polyadditionsvernetzenden 2K-Polyurethan- oder 2K-Epoxidklebstoffen zeigen die MMA-Klebstoffe bei gleicher Topfzeit einen schnelleren Festigkeitsaufbau, d. h. die Handhabungs- und die Endfestigkeit wird schneller erreicht).
gutes Haftungsspektrum und vergleichsweise bessere Toleranz gegenüber leicht verschmutzten Fügeteiloberflächen
gute Witterungsbeständigkeit
temperaturbeständig im Bereich von −40 – 120 °C
die MMA Klebstoffe zeigen den für Acrylate typischen, vielfach als unangenehm beurteilten Geruch.
die exotherm, d. h. unter Erwärmung ablaufende Härtungsreaktion führt bei einigen 2K-MMA-Klebstoffen zu einer starken Erwärmung, sodass es bei dicken Klebschichten zu einem „Aufkochen“ des Klebstoffs kommen kann. Hierbei verdampfen noch nicht umgesetzte Monomere unter Blasenbildung im Klebstoff. Dies führt nicht nur zu einer blasigen Klebschicht mit einem entsprechenden Festigkeitsverlust, sondern auch zu einer Gesundheitsgefährdung bei der Verarbeitung durch die freigesetzten Monomere und kann im Extremfall zur Selbstentzündung führen.

Anwendungsgebiete

Typische Anwendungen finden sich u. a. in der Fahrzeugindustrie z. B. bei der Herstellung von Kunststoffanbauteilen für Personenwagen, bei der Herstellung von Nutzfahrzeugen, Bussen, Landmaschinen und Eisenbahnwaggons, im Bootsbau z. B. mit der Verklebung von Rumpf und Deck sowie bei der Herstellung von Verkehrsschildern mit dem Aufkleben von Verstärkungsprofilen.

Anaerob härtende Klebstoffe

Ähnlich wie die MMA Klebstoffe härten die anaeroben Klebstoffe über durch radikalische Polymerisation. Jedoch handelt es sich hierbei um 1K-Klebstoffe wobei man sich die Tatsache, dass Sauerstoff über Radikale ablaufende Reaktion inhibiert zu Nutze macht um eine Härtung im Liefergebinde zu verhindern. Neben den polymerisationsfähigen Methacrylatmonomeren (z. B. Tetraethylenglykoldimetharylat, TEGMA) enthalten diese Klebstoffe ein komplexes Härtersystem, bestehend aus Radikalbildnern (z. B. Cumolhydroperoxid), Beschleunigern (z. B. N,N-Dimethyl-p-toluidin) und Saccarin, das als Metallkomplexbildner und Reduktionsmittel für Metallionen dient. Das Härtersystem bewirkt, dass nach dem Aufbringen des Klebstoffs und dem Fügen der im Klebstoff enthaltene Sauerstoff chemisch entfernt wird. Gleichzeitig werden durch das dabei gebildete Reaktionsprodukt Metallionen aus den Fügeteilen herausgelöst und zu einer niedrigen Oxidationsstufe reduziert, die wiederum den Zerfall des Radikalbildners in reaktive Radikale katalysiert. Die reaktiven Radikale initiieren dann die als radikalische Polymerisation ablaufende Härtung des Klebstoffs.[31]

Aus dem Härtungsprozess ergeben sich also die folgenden Randbedingungen für die Anwendung von anaeroben Klebstoffen:

Um eine vorzeitige Härtung im Liefergebinde zu verhindern, muss der Klebstoff im Liefergebinde Kontakt mit Sauerstoff haben. Dies wird durch die Verwendung von luftdurchlässigen Kunststoffflaschen, die vor dem Befüllen mit Sauerstoff durchspült und nur etwa zur Hälfte gefüllt werden, erreicht.
Im Klebspalt muss ein Sauerstoffzutritt verhindert werden, so dass die Anwendung auf enge Klebspalte von maximal 0,3 mm begrenzt ist.
Je enger der Klebspalt, umso schneller erfolgt die Härtung.
Es ist ein Metallkontakt (Eisen, Kupfer) des Klebstoffs erforderlich. Ist dieser nicht gegeben, kann man die Fügeteiloberflächen vor dem Kleben mittels spezieller, Eisen- oder Kupferionen enthaltender Beschleuniger aktivieren. Die Verwendung des Beschleunigers empfiehlt sich auch bei Metallen mit hoch passiven Eigenschaften wie Chrom- und Edelstählen.

Im gehärteten Zustand sind diese Klebstoffe Duromere und können demnach hohe und temperaturbeständige (−60 – bis 200 °C) Festigkeiten aufweisen. Allerdings sind die hochtemperaturbeständigen Systeme recht spröde und eignen sich somit nicht für flexible Fügeteile.

Anwendungsgebiete

Ein Hauptanwendungsgebiet der anaeroben Klebstoffe ist die Schraubensicherung, also das Vermeiden eines ungewollten Lösens der Schraube, z. B. durch Vibration. Diese Schraubensicherungen werden in unterschiedlichen Festigkeiten angeboten, so dass durch Auswahl eines Klebstoffs mit einer an den Schraubendurchmesser angepassten Festigkeit eine Wiederlösbarkeit sichergestellt werden kann. Daneben werden anaerobe Klebstoffe zum Verbinden rotationssymmetrischer Fügeteile (Welle-Nabe-Verbindungen) z. B. in Elektromotoren eingesetzt. Aufgrund der guten Öl-, Lösemittel- und Feuchtigkeitsbeständigkeit wird häufig neben der fügenden auch die dichtende Funktion dieser Klebstoffe genutzt. Beispiele hierfür findet man u. a. in der Motoren- und Getriebemontage.

Strahlenhärtende Klebstoffe

Ebenfalls durch Polymerisation härten diese 1K-Klebstoffe zu festen Polymeren aus, indem die Härtungsreaktion durch Bestrahlung mit UV-Licht, wobei auch teilweise auch Licht aus dem sichtbaren Bereich mit Wellenlängen um die 400 nm verwendet wird oder, wesentlich seltener, durch andere Strahlenquellen wie Elektronenstrahler initiiert wird. Das durch den zur Härtung verwendeten Strahler emittierte Licht muss hinsichtlich seiner Wellenlänge mit dem Absorptionsbereich des jeweils im Klebstoff eingesetzten Initiators möglichst gut übereinstimmen. Übliche zur Härtung verwendete Wellenlängen sind 365, 400 und 460 nm. Elektronenstrahlhärtung hat sich, wohl nicht zuletzt wegen des hohen apparativen Aufwands, nicht durchgesetzt.

Prinzipiell unterscheidet man bei den UV-härtenden Klebstoffen zwischen denen, die durch eine radikalische und denen, die durch eine kationische Polymerisation vernetzen. In beiden Fällen handelt es sich um 1K-Klebstoffe die nur kurze Belichtungszeiten zur Härtung benötigen. Die radikalisch vernetzenden Systeme härten nur während der Belichtung. Diese muss also nach dem Fügen bis zur vollständigen Vernetzung erfolgen, mindestens ein Fügeteil muss also für das verwendete Licht durchlässig ausreichend transparent sein. Dagegen bleiben einige kationisch härtende Systeme nach der Belichtung noch für eine kurze Zeit ausreichend flüssig und härten auch nach Ende der Belichtung weiter. Diese Systeme können also vor dem Fügen durch Belichtung aktiviert werden und sind somit auch für das Kleben von nicht UV-transparenten Fügeteilen geeignet. Natürlich muss hier die offene Zeit, also das Zeitfenster innerhalb dessen die Viskosität noch eine Benetzung des zweiten Fügeteils erlaubt eingehalten werden.

Die radikalisch vernetzenden Systeme basieren auf Acrylatmonomeren, die kationisch härtenden auf Epoxidharzen. In beiden Fällen werden entsprechende Photoinitiatoren benötigt, die im Fall der radikalisch vernetzenden Systeme entweder bei Belichtung direkt die, die Polymerisation startenden Radikale bilden oder aber ein Wasserstoffatom von einem benachbarten Molekül abstrahieren, das dann die Polymerisation auslöst. Die kationischen Photoinitiatoren erzeugen bei Zerfall eine Brönsted- oder Lewis-Säure die im nächsten Schritt die Polymerisation startet.

Anwendungsgebiete

Bekannte Beispiele für UV-härtende Klebstoff sind etwa das Ankleben künstlicher Fingernägel oder das Einkleben von Kunststoff-Zahnfüllungen. In der industriellen Fertigung UV-härtende Klebstoffe insbesondere dort eingesetzt wo eine schnelle Härtung erforderlich ist. Man findet diese Klebstoffe in verschiedenen Bereichen wie z. B.:

der Consumerelektronik wo z. B. die Minilautsprecher für Mobiltelefone aber auch die Gehäuse der Telefone mit UV-härtenden Klebstoffen geklebt werden
der Möbelindustrie bei der Herstellung von Glasmöbeln sowie dem Ankleben von Scharnieren an die Glastüren von Schränken oder Duschkabinen
der Elektronik für verschiedene Vergussaufgaben (Schalter, Stecker, Relais etc.) zum Schutz der Komponenten vor Witterungseinflüssen, zur Spulendrahtfixierung und der Gehäuseverklebung
der Automobilindustrie z. B. bei der Herstellung von Kamerasystemen und verschiedenen Sensoren
der Herstellung von LED-Lampen

Daneben gibt es Klebstoffe, die neben der Härtung durch UV-Licht auch durch den Einfluss von Luftfeuchtigkeit oder durch Wärme härten. Diese Systeme sind geeignet für Anwendungen bei denen aufgrund vorhandener Geometrien und daraus resultierender Schattenzonen nicht alle Bereiche der Klebung dem UV-Licht zugänglich sind. Die Lichthärtung im zugänglichen Bereich bietet den Vorteil des schnellen Festigkeitsaufbaus und somit der Realisierung kurzer Taktzeiten. Die Härtung in den Schattenbereichen erfolgt dann zu einem späteren Zeitpunkt entweder durch Luftfeuchtigkeit oder durch Wärme.[29]

Klebebänder (Haftklebstoffsysteme)

Obwohl Klebebänder, insbesondere die sogenannten doppelseitigen Klebebänder, zum Verbinden von Fügeteilen verwendet werden, stellen Sie im eigentlichen Sinne keine Klebstoffe dar. Haftklebstoffsysteme, wie z. B. Klebebänder, Etiketten, selbstklebende Stanzteile etc. bestehen meistens aus einem funktionalen Träger, der ein- oder beidseitig mit einem Haftklebstoff beschichtet ist. Der funktionale Träger dient u. a. der mechanischen Stabilität und Festigkeit der Klebstoff-Masse und kann innerhalb einer Klebung zusätzlich verschiedene Aufgaben, wie z. B. mechanische Dämpfung, den Ausgleich von unterschiedlichen Materialausdehnungen, thermische oder elektrische Isolation bzw. Leitfähigkeit usw., übernehmen. Typische Materialien sind Papier, Polymerschäume und -folien, Metallfolien, Metall- und Kunststoffhalbzeuge. Die sogenannten Transferklebebänder sind eine weitere Anwendungsform und bestehen lediglich aus dem Haftklebstoff-Film, sind also trägerlos. Ein wesentlicher Bestandteil der Haftklebstoffsysteme ist der sogenannten Haftklebstoff, also die Substanz, die die klebende Wirkung zeigt.

Da die Klebebändern bei Wikipedia in einem eigenen Beitrag behandelt werden, beschränkt sich dieser Beitrag auf die für die Herstellung von Klebebändern verwendeten Haftklebstoffe.

Haftklebstoffe[32]

Haftklebstoffe sind Klebstoffe, die bei Raumtemperatur eine mehr oder weniger stark ausgeprägte Dauerklebrigkeit aufweisen und unter leichten Druck eine gute Haftung (Adhäsion) zu verschiedenen Oberflächen ausbilden. Physikalisch betrachtet handelt es sich um extrem hochviskose elastische Flüssigkeiten mit einer Glasübergangstemperatur von < −10 °C. Um Haftung zu der zu klebenden Oberfläche auszubilden, muss der Haftklebstoff diese Oberfläche schnell und vollständig benetzen. Die Qualität der Benetzung hängt dabei u. a. vom viskoelastischen Verhalten des Haftklebstoffs ab. Er muss eine ausreichende Fließfähigkeit aufweisen, um sich der Oberflächenstruktur des Fügeteils anpassen zu können. Dies wird durch einen leichten Druck bei der Anwendung unterstützt. Aufgrund dieser Eigenschaft ist die innere Festigkeit (Kohäsion) der Haftklebstoffe relativ gering ist und somit liegen die mit Klebebändern erreichbaren Festigkeiten deutlich unter denen von anderen Klebstoffsystemen. Typisch für Haftklebstoffe ist ein dynamischer Adhäsionsaufbau, so dauert es je nach Haftklebstofftyp, Temperatur, Anpressdruck und -dauer einige Minuten bis mehrere Tage bis die Endfestigkeit erreicht wird.

Lange Zeit war Naturkautschuk (1,4-cis-Polyisopren) zusammen mit klebrig machenden Harzen der dominierende Rohstoff für Haftklebstoffe. Heute werden neben Naturkautschuk vielfach synthetisch hergestellte Elastomere, wie Blockcopolymere aus Isopren und Styrol (den sog. SIS-Blockcopolymeren) und aus Butadien mit Styrol (den sog. SBS-Blockcopolymeren) in Abmischung mit Naturharzen (z. B. Kolophonium), modifizierten Naturharzen (Kolophoniumharzester) oder Syntheseharzen für die Herstellung von Haftklebstoffen verwendet. Es werden meist Harze mit einer niedrigen Molekülmasse und einer Glasübergangstemperatur von −20 °C bis +70 °C eingesetzt. Eine weitere wichtige Gruppe ist die der Acrylatcopolymere. Derartige Haftklebstoffe werden bevorzugt aus 2-Ethylhexylacrylat und Isooctylacrylat unter Zusatz von Acrylsäure und ggf. weiteren Acrylatmonomeren hergestellt. Acrylatbasierte Haftklebstoffe benötigen nur dann eine Zugabe von klebrig machenden Harzen, wenn Adhäsion zu niedrigenergetischen Oberflächen wie z. B. Polyethylen oder Polypropylen gefordert ist. Wie auch die naturkautschukbasierten Systeme müssen Acrylatsysteme chemisch vernetzt werden um eine gewisse innere Festigkeit (Kohäsion) zu erreichen. Diese Vernetzung erfolgt meist bei der Herstellung des Klebebandes, d. h. nach dem Aufbringen der Haftklebstoffschicht auf den Träger. Im Gegensatz dazu ist dies bei den SIS- und SBS-basierten Haftklebstoffen nicht erforderlich.

Neben den genannten Haftklebestoffen auf Basis von Natur- oder Synthesekautschuk und Acrylaten gibt es ebenfalls solche auf Basis von Polyurethanen und Silikonen, diese Systeme sind aber Mengenmäßig von untergeordneter Bedeutung und werden nur dann verwendet wenn besondere Eigenschaften erforderlich sind. So werden polyurethanbasierte Haftklebstoffe z. B. in der Wundabdeckung und Silikonsysteme für Hochtemperatur-Anwendungen oder wenn eine hohe Chemikalienbeständigkeit erforderlich ist verwendet.

Vergleich der drei gängigsten Haftklebstofftechnologien

Das Ziel der Formulierung von Haftklebstoffen ist es durch eine entsprechende Rohstoffauswahl und dem Polymerdesign ein, der jeweiligen Anwendung entsprechendes Verhältnis von Anfangsklebrigkeit (Tack), Schälfestigkeit und innerer Festigkeit d. h. Scher- und Kriechfestigkeit (Kohäsion) zu erzielen.

Um eine höhere Verbundfestigkeit zu erlangen sind relativ neu Haftklebstoffe, die durch eine nachfolgende chemische Härtung in eine feste, höhere Kräfte übertragende Klebmasse überführt werden verfügbar; diese stellen dann chemisch härtende Klebstoffe dar. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass hier die schon von den chemisch härtenden Klebstoffen bekannten Technologien, wie z. B. Polyurethan, Epoxidharz, Cyanacrylat genutzt werden.

Anwendungsgebiete[33]

Neben der Anwendung als Klebschicht für die Herstellung von doppel- und einseitigen Klebebändern und Etiketten finden die Haftklebstoffe Anwendung als

als Transferklebstoff (doppelseitiges, trägerfreies Klebeband);
als Sprühklebstoff
als Haftkitt (z. B. Blu-Tack);
als Klebstoffstreifen an rückstandsfrei abziehbaren Klebezetteln;
als Haftmittel für Zahnprothesen

Nach der Anwendungsart kann man folgende Produkttypen unterscheiden:

wiederverklebbare Produkte:
geringe Klebkraft,
das Klebstoff-System wird beim Ablösen nicht beschädigt,
z. B. Haftnotizzettel, Verschluss-Klebungen (z. B. bei Papiertaschentuch-Verpackungen) etc.
lösbare Produkte:
mittlere bis hohe Klebkraft,
lassen sich rückstandsfrei entfernen,
meistens einmaliger Gebrauch,
Haken- und Poster-Befestigungssysteme,
Wundpflaster und Transdermale Therapeutische Systeme (z. B. Nikotinpflaster),
Aufkleber,
Etiketten,
selbstklebende Folien,
Verpackungsbänder usw.
permanent klebende Produkte:
Klebkraft ist für semistrukturelle Anwendungen
Anwendungsbeispiele:
KFZ-Außenspiegel,
KFZ-Schutz- und Zierleisten,
Dämpfungs-Versteifungselemente im Fahrzeugbau,
Spiegelklebungen,
Anwendungen im Fenster- und Fassadenbau,
Mobiltelefone
selbstklebende Produkte, die beim Ablösen bewusst sichtbar verändert oder zerstört werden sollen, wie z. B. Typenschilder, TÜV-Plaketten etc.

Klebstoffauswahl – Prüfung von Klebstoffen

Bei der Klebstoffauswahl zu berücksichtigende Kriterien

Am Anfang einer Klebstoffauswahl, das gilt sowohl für die industrielle Anwendung, als auch für den Hand- und Heimwerker sollte jeweils die Erstellung eines Anforderungsprofils stehen auf dessen Basis dann potentiell geeignete Klebstofftechnologien identifiziert werden. Im weiteren Verlauf sollten dann Hersteller oder Händler derartiger Klebstoffe angesprochen werden um konkrete Produktempfehlungen zu erhalten und daraus Klebstoffe für erste Versuche auszuwählen. In der nebenstehenden Abbildung sind, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, die verschiedenen bei der Klebstoffauswahl zu berücksichtigenden Kriterien zusammengestellt. Am Ende steht dann die Nachweisführung, dass die unter den vom Anwender festgelegten Prozessbedingungen hergestellte Klebverbindung über die gesamte vorgesehene Lebensdauer die Beanspruchbarkeit stets größer ist als die real möglichen Beanspruchungen. Weitere Hinweise hierzu siehe[34][35].

Alle Klebstoffe zeichnen sich durch unterschiedliche physikalisch-chemische Eigenschaften aus. Um eine Vergleichbarkeit zwischen verschiedenen Klebstoffen zu ermöglichen, wurden standardisierte Prüfverfahren und Prüfkörper entwickelt und in Normen beschrieben. Die Normenliste des Industrieverband Klebstoffe e.V.[36] gibt eine Zusammenstellung einer Vielzahl von klebtechnisch relevanten Normen und Richtlinien und soll die Anwender von Klebstoffen u. a. bei der Auswahl von Methoden zur Prüfung von Klebstoffen und Klebverbindungen unterstützen.

Missbrauch als Droge

Klebstoffe können auch als Schnüffelstoff konsumiert werden. Hierbei werden die flüchtigen Bestandteile lösemittelhaltiger Klebstoffe inhaliert. Die organischen Lösemittel haben eine psychoaktive Wirkung. Es besteht die Gefahr von körperlichen Langzeitschäden bis hin zum Tod. Klebstoffe werden als billiger und leicht zugänglicher Ersatz für illegale Drogen vor allem von Kindern und Jugendlichen missbraucht.[37]

Literatur

Industrieverband Klebstoffe e.V.: Leitfaden Kleben – aber richtig, https://leitfaden.klebstoffe.com/
Marlene Doobe: Kunststoffe erfolgreich kleben – Grundlagen, Klebstofftechnologien, Best-Practice-Beispiele. 1. Auflage. Springer Vieweg Verlag, Wiesbaden 2018, ISBN 978-3-658-18444-5.
Hermann Onusseit: Adhesive Technology – Basic Principles. 1. Auflage. Beuth Verlag, Berlin 2012
Hermann Onusseit: Klebstoffe der Natur. Anwendung und Perspektiven für die Technik. In: Biologie in unserer Zeit. 5/34/2004, ISSN 0045-205X, S. 307–314.
Manfred Rasche: Handbuch Klebtechnik. 1. Auflage. Carl Hanser Verlag München Wien 2012, ISBN 978-3-446-42402-9.
Wilhelm Endlich: Kleb- und Dichtstoffe in der modernen Technik. Ein Praxishandbuch der Kleb- und Dichtstoffanwendung. Vulkan-Verlag, Essen 1998, ISBN 3-8027-2183-7.
Gerhard Gierenz, F. Röhmer: Arbeitsbuch Kleben und Klebstoffe. Cornelsen und Schwann, Düsseldorf 1989, ISBN 3-590-12939-5.
Klebstoffe. Theorien und Experimente. In: Praxis der Naturwissenschaften – Chemie. 7/38/1989, Aulis-Verlag, Köln, ISSN 0177-9516.
Eckehardt Wistuba: Kleben und Klebstoffe. In: Chemie in unserer Zeit. 14. Jahrg. 1980, Nr. 4, ISSN 0009-2851, S. 124–133.
Gerd Habenicht: Kleben. Leitfaden für die praktische Anwendung und Ausbildung. Vieweg-Verlag, Wiesbaden 1995, ISBN 3-528-04969-3.
Gerd Habenicht: Kleben. Grundlagen, Technologie, Anwendungen. 3. Auflage. Springer-Verlag, Heidelberg 1997, ISBN 3-540-62445-7.
Gerhard Fauner, Wilhelm Endlich: Angewandte Klebtechnik. München/ Wien 1979, ISBN 3-446-12767-4.
Eduardo H. Schindel-Bidinelli: Grundlagen des strukturellen Klebens und Dichtens, Klebstoffarten, Kleb- und Dichttechnik. Hinterwaldner, München 1988, ISBN 3-927235-01-6. (Strukturelles Kleben und Dichten, Band 1)
Irving Skeist (Hrsg.): Handbook of Adhesives. 3. Auflage. Van Nostrand Reinhold, New York 1990, ISBN 0-442-28013-0.
Autorenkollektiv: Klebstoffe und Dichtungsmassen. In: Ullmanns-Encyklopädie der technischen Chemie. 4. Auflage. Band 14 1977, ISBN 3-527-20014-2, S. 227–268.
Bodo Müller, Walter Rath: Formulierung von Kleb- und Dichtstoffen. 2. Auflage. Hannover 2009, ISBN 978-3-86630-862-6.
Bodo Müller, Walter Rath: Formulating Adhesives and Sealants – Chemistry, Physics and Applications. Hannover 2010, ISBN 978-3-86630-858-9.
Thomas Stotten, Martin Majolo: Montageklebstoffe in der Praxis. DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-87181-785-4.
Industrieverband Klebstoffe e. V.: Handbuch Klebtechnik 2016. ISBN 978-3-658-14529-3.

Rundfunkberichte

Martina Preiner: Kleben – was das Zeug hält, SWR2 – „Wissen“ vom 17. Dezember 2014 (Manuskript)

Weblinks

 Commons: Klebstoffe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Klebstoff – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Ausbildung, Beratung, Forschung und Entwicklung in der Klebtechnik auf den Seiten des Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung – „Klebtechnik und Oberflächen“
Kleben & mechanisches Fügen beim Institut für Füge- und Schweißtechnik der TU Braunschweig

Einzelnachweise

↑ DIN EN 923:2016-03 Klebstoffe – Benennungen und Definitionen; Deutsche Fassung EN 923:2015. Beuth Verlag, Berlin. 

↑ Industrieverband Klebstoffe e.V.: Geschichte des Klebens. Abgerufen am 16. Februar 2018. 

↑ a b Industrieverband Klebstoffe e.V.: Konjunkturdaten. Abgerufen am 16. Februar 2018. 

↑ MarketsandMarkets: Adhesives & Sealants Market worth 63.50 Billion USD by 2021. In: MarketsandMarkets (Hrsg.): Newsletter. 22. Dezember 2017. 

↑ Eintrag zu Plastisole. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 19. März 2018.

↑ N. Banduhn u. a.: Kleben/Klebstoff. In: Fonds der Chemischen Industrie/Industrieverband Klebstoffe e.V. (Hrsg.): Informationsserie des Fonds der Chemischen Industrie. Band 27. Frankfurt 2001, S. 39. 

Kleben/Klebstoffe. (PDF) In: Informationsserie des Fonds der Chemischen Industrie. Fonds der Chemischen Industrie/Industrieverband Klebstoffe e.V., abgerufen am 7. Juli 2018. 

↑ D. Symitz, A. Lutz: Strukturkleben im Fahrzeugbau. Verlag moderne Industrie, München 2006. 

↑ a b H. Stepanski: Punktschweißkleben im Automobilbau – Wie es begann. In: adhäsion – Kleben und Dichten. Nr. 5/210. Springer Verlag, 2010. 

↑ a b M. Pröbster: Elastisch Kleben aus der Praxis für die Praxis. Springer Fachmedien, Wiesbaden. 

↑ B. Burchard et.al.: Elastisches Kleben. Verlag moderne industrie, München 2005. 

↑ R. Heinzmann, S. Koch, H.-C. Thielemann, J. Wolf: Elastisches Kleben im Bauwesen. Verlag moderne Industrie, München 2001. 

↑ Hartwig Lohse: Thermoplastische Systemlösungen im Automobilbau. In: Marlene Doobe (Hrsg.): Kunststoffe erfolgreich kleben. Springer Vieweg, Wiesbaden 2018, ISBN 978-3-658-18444-5, S. 289 ff. 

Technische Regeln für Gefahrstoffe, Isocyanate – Gefährdungsbeurteilung und Schutzmaßnahmen, TRGS 430. BAUA, 2009, abgerufen am 7. Juli 2018. 

↑ GISCHEM: Datenblatt 4,4′-MDI. Abgerufen am 7. Juli 2018. 

↑ GISCHEM: Datenblatt P-MDI. Abgerufen am 7. Juli 2018. 

↑ M. Wirts, R. Lüschen, O. D. Hennemann: Emissionen bei der Verarbeitung von Polyurethanklebstoffen. In: adhäsion – Kleben und Dichten. Nr. 6/2001. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2001. 

↑ N. Banduhn u. a.: Kleben/Klebstoffe. In: Fond der Chemischen Industrie/Industrieverband Klebstoffe e.V. (Hrsg.): Informationsserie des Fonds der chemischen Industrie. Band 27. Frankfurt 2001, S. 33 ff. 

↑ Gert Habenicht: Kleben. Springer Verlag, Berlin 2002, S. 103 ff. 

↑ J. Kramer: Handbuch Fertigungstechnlogie Kleben. Hrsg.: O. Hennemann. Carl Hanser Verlag, München / Wien 1992, S. 48 ff. 

↑ N. Banduhn u. a.: Kleben/Klebstoffe. In: Fopnds der chemischen Industrie/Industrieverband Klebstoffe e.V. (Hrsg.): Informationsserie des Fonds der chemischen Industrie. Nr. 27. Frankfurt 2001, S. 35 ff. 

↑ B. Brede u. a.: Die Kunst des Klebens. Fonds der chemischen Industrie / Industrieverband Klebstoffe e.V., abgerufen am 7. August 2018. 

Leitfaden Kleben – aber richtig. Industrieverband Klebstoffe, abgerufen am 8. Juli 2018. 

↑ bgbau.de

↑ bgbau.de

↑ wingisonline.de

↑ M. Roessing, B. Brugger: Silanmodifizierte Kleb- und Dichtstoffe-Neue Polymere. In: adhäsion – Kleben und Dichten. Nr. 3/2011. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2011. 

↑ M. Roessing, B. Brugger: Neue silanmodifizierte Polymere- Flexibles Design für Kleb- und Dichtstoffe. In: adhäsion Kleben und Dichten. Nr. 4/2012. Springer Fachmedien, Wiesbaden. 

↑ a b Delo Industrieklebstoffe (Hrsg.): Delo Bond it – Nachschlagewerk zur Klebtechnik. 2015. 

Merkblatt Erste Hilfe bei Unfällen mit Sekundenklebstoffen. (PDF) Industrieverband Klebstoffe e.V., abgerufen am 8. Juli 2018. 

↑ N. Banduhn: Kleben/Klebstoffe. In: Fonds der chemischen Industrie, Industrieverband Klebstoffe e.V. (Hrsg.): Informationsserie des Fonds der chemischen Industrie. Band 27. Frankfurt 2001, S. 30 ff. 

↑ W. Brockmann u. a.: Klebtechnik – Klebstoffe, Anwendungen und Verfahren. Wiley-VCH, Weinheim 2005, ISBN 978-3-527-31091-3, S. 41 ff. 

↑ Industrieverband Klebstoffe e.V.: Haftkleben. Abgerufen am 8. Juli 2018. 

↑ Andreas Groß, Hartwig Lohse: Qualitätssicherung in der Klebtechnik. In: Marlene Doobe (Hrsg.): Kunststoffe erfolgreich kleben -Grundlagen, Klebstofftechnologien, Best-Practice-Beispiee. Springer Vieweg, Wiesbaden 2018, ISBN 978-3-658-18444-5, S. 141 ff. 

↑ Henning Gleich, Hartwig Lohse: Lebensdauervorhersage – Alterungseffekte im Zeitraffertest. In: Marlene Doobe (Hrsg.): Kunststoffe erfolgreich kleben – Grundlagen, Klebstofftechnologien – Best Practice-Beispiele. Springer Vieweg, Wiesbaden 2018, ISBN 978-3-658-18444-5, S. 153 ff. 

↑ Industrieverband Klebstoffe e.V.: Normenliste. Abgerufen am 8. Juli 2018. 

↑ Drogenprofil „Flüchtige Substanzen“ der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht, abgerufen am 10. Februar 2019.

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4031003-6 (OGND, AKS)

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Kategorie: Klebstoff

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GmbH Gesellschaftszweck / Unternehmensgegenstand: Fotovoltaik Geschichte der Photovoltaik Technische Grundlagen Nutzung Wirkungsgrad Integration in das Stromnetz Wirtschaftlichkeit Umweltauswirkungen Staatliche Behandlung Navigationsmenü aus Bochum

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Photovoltaik (Begriffsklärung) aufgeführt.

Verschiedene Dächer mit Photovoltaikanlagen in Oberstdorf
Global kumulierte Photovoltaik-Leistung

Unter Photovoltaik bzw. Fotovoltaik versteht man die direkte Umwandlung von Lichtenergie, meist aus Sonnenlicht, in elektrische Energie mittels Solarzellen. Seit 1958 wird sie in der Raumfahrt genutzt. Inzwischen wird sie auf der Erde überwiegend zur Stromerzeugung eingesetzt und findet unter anderem Anwendung auf Dachflächen, bei Parkscheinautomaten, in Taschenrechnern, an Schallschutzwänden, Freiflächen und auf dem Wasser.

Der Begriff leitet sich aus dem griechischen Wort für „Licht“ (φῶς, phos, im Genitiv: φωτός, photos) sowie aus der Einheit für die elektrische Spannung, dem Volt (nach Alessandro Volta) ab. Die Photovoltaik ist ein Teilbereich der Solartechnik, die weitere technische Nutzungen der Sonnenenergie einschließt.

Ende 2017 waren weltweit Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von rund 400 GW installiert.[1] Zwischen 1998 und 2015 stieg die weltweit installierte Photovoltaik-Leistung mit einer Wachstumsrate von durchschnittlich 38 % pro Jahr.[2] Es wird erwartet, dass der jährliche Zubau bis 2020 auf 100 GW steigt und die installierte Leistung bis 2030 zwischen 3.000 und 10.000 GW erreicht.[3] 2014 betrug der weltweite Marktanteil von kristallinen Siliziumzellen etwa 90 %. Prognosen gehen davon aus, dass Siliziumzellen auch langfristig die dominierende Photovoltaik-Technologie bleiben und gemeinsam mit Windkraftanlagen die „Arbeitspferde“ der Energiewende sein werden.[4]

Die Photovoltaik galt lange als die teuerste Form der Stromerzeugung mittels erneuerbaren Energien; eine Sicht, die mittlerweile durch die starken Kostensenkungen der Anlagenkomponenten jedoch überholt ist.[5] Von 2011 bis 2017 sind die Kosten der Stromerzeugung aus Photovoltaik um fast 75 % gefallen.

In den USA sind bei Solarparks Vergütungen von unter 5 US-Cent/kWh (4,5 Euro-Cent/kWh) üblich; ähnliche Werte sind unter günstigen Umständen auch in anderen Staaten möglich. In mehreren Staaten wurden in Ausschreibungen Rekordwerte von 3 US-Cent/kWh (2,7 Euro-Cent/kWh) erreicht.[3] In Deutschland liegen die Stromgestehungskosten von neu errichteten Photovoltaik-Großanlagen mit Stand 2018 inzwischen niedriger als bei allen anderen fossilen oder erneuerbaren Energien.[6]

Bereits 2014 lagen die Stromgestehungskosten der Photovoltaik in bestimmten Regionen der Erde auf gleichem Niveau oder sogar niedriger als bei fossilen Konkurrenten. Inklusive Speicher, die bei hohem Anteil der Photovoltaik am Strommix notwendig werden, waren die Kosten zu diesen Zeitpunkt jedoch noch höher als bei fossilen Kraftwerken.[7] Allerdings war Solarstrom auch zu diesem Zeitpunkt bereits konkurrenzfähig, wenn die externen Kosten der fossilen Stromerzeugung (d. h. Umwelt-, Klima- und Gesundheits­schäden) mit berücksichtigt wurden; selbst wenn diese nur zum Teil internalisiert wurden.[8]

Inhaltsverzeichnis

1 Geschichte der Photovoltaik

1.1 Schreibweise

2 Technische Grundlagen

2.1 Funktionsprinzip
2.2 Nennleistung und Ertrag
2.3 Montagesysteme für Hausdächer
2.4 Entwicklungen

3 Nutzung

3.1 Weltweites Nutzungspotenzial
3.2 Absatzentwicklung
3.3 Einsatzfelder

4 Wirkungsgrad

4.1 Performance Ratio
4.2 Verschmutzung und Reinigung

5 Integration in das Stromnetz

5.1 Schwankung des Angebots
5.2 Übertragung
5.3 Energiespeicherung

5.3.1 Inselanlage
5.3.2 Verbundanlage

5.4 Versorgungssicherheit

6 Wirtschaftlichkeit

6.1 Volkswirtschaftliche Betrachtung
6.2 Betriebswirtschaftliche Betrachtung

6.2.1 Anschaffungskosten und Amortisationszeit
6.2.2 Stromgestehungskosten
6.2.3 Modulpreise

6.3 Weitere Entwicklung

6.3.1 Deutschland
6.3.2 USA

7 Umweltauswirkungen

7.1 Produktion
7.2 Betrieb
7.3 Treibhausgasbilanz
7.4 Energetische Amortisation
7.5 Flächenverbrauch
7.6 Solarstrahlungsbilanz von PV-Modulen
7.7 Recycling von PV-Modulen

8 Staatliche Behandlung

8.1 Deutschland

8.1.1 Förderprogramme
8.1.2 Steuerliche Behandlung
8.1.3 Dämpfender Effekt auf die Börsenstrompreise

8.2 Österreich
8.3 China
8.4 Japan
8.5 Rumänien
8.6 Schweiz
8.7 Sierra Leone

9 Literatur
10 Weblinks
11 Einzelnachweise

Geschichte der Photovoltaik

Dem Sonnenstand nachgeführte Photovoltaikanlage in Berlin-Adlershof
Verkauf von Solaranlagen in Ouagadougou, Burkina Faso
Hauptartikel: Geschichte der Photovoltaik

Die Photovoltaik basiert auf der Fähigkeit bestimmter Materialien, Licht direkt in Strom umzuwandeln. Der Photoelektrische Effekt wurde bereits im Jahre 1839 von dem französischen Physiker Alexandre Edmond Becquerel entdeckt. Dieser wurde daraufhin weiter erforscht, wobei insbesondere Albert Einstein mit seiner 1905 erschienenen Arbeit zur Lichtquantentheorie großen Anteil an dieser Erforschung hatte, für die er 1921 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet wurde. 1954 gelang es, die ersten Silizium­solarzellen mit Wirkungsgraden von bis zu 6 % zu produzieren.[9] Die erste technische Anwendung wurde 1955 bei der Stromversorgung von Telefonverstärkern gefunden. In Belichtungsmessern für die Photographie fand Photovoltaik weite Verbreitung.

Seit Ende der 1950er Jahre werden Photovoltaikzellen in der Satellitentechnik verwendet; als erster Satellit mit Solarzellen startete Vanguard 1 am 17. März 1958 in die Erdumlaufbahn, und blieb bis 1964 in Betrieb. In den 1960er und 1970er Jahren führte die Nachfrage aus der Raumfahrt zu Fortschritten in der Entwicklung von Photovoltaikzellen, während Photovoltaikanlagen auf der Erde nur für bestimmte Inselanlagen eingesetzt wurden.[10]

Ausgelöst durch die Ölkrise von 1973/74 sowie später verstärkt durch die Nuklearunfälle von Harrisburg und Tschernobyl setzte jedoch ein Umdenken in der Energieversorgung ein. Seit Ende der 1980er Jahre wurde die Photovoltaik in den USA, Japan und Deutschland intensiv erforscht; später kamen in vielen Staaten der Erde finanzielle Förderungen hinzu, um den Markt anzukurbeln und die Technik mittels Skaleneffekten zu verbilligen. Infolge dieser Bemühungen stieg die weltweit installierte Leistung von 700 MWp im Jahr 2000 auf 177 GWp im Jahr 2014 an[10] und wächst stetig weiter.

Schreibweise

Üblicherweise wird die Schreibung Photovoltaik und die Abkürzung PV angewendet. Seit der deutschen Rechtschreibreform ist die Schreibweise Fotovoltaik die neue Hauptform und Photovoltaik eine weiterhin zulässige alternative Schreibung. Im deutschen Sprachraum ist die alternative Schreibweise Photovoltaik die gebräuchliche Variante. Auch im internationalen Sprachgebrauch ist die Schreibweise PV üblich.[11] Für technische Fachgebiete ist die Schreibweise in der Normung (hier ebenfalls Photovoltaik) ein wesentliches Kriterium für die anzuwendende Schreibweise.

Technische Grundlagen

Zur Energiewandlung wird der photoelektrische Effekt von Solarzellen genutzt, die ihrerseits wiederum zu so genannten Solarmodulen verbunden werden. Die erzeugte Elektrizität kann direkt genutzt, in Stromnetze eingespeist oder in Akkumulatoren gespeichert werden. Vor der Einspeisung in Wechselspannungs-Stromnetze wird die erzeugte Gleichspannung von einem Wechselrichter umgewandelt. Das System aus Solarmodulen und den anderen Bauteilen (Wechselrichter, Stromleitung) wird als Photovoltaikanlage bezeichnet.

Funktionsprinzip

Photovoltaik-Funktionsprinzip am Beispiel einer Silizium-Solarzelle (Erläuterungen zu den Ziffern s. Text)

Photovoltaik-Funktionsprinzip am Beispiel einer Silizium-Solarzelle.[12] Silizium ist ein Halbleiter. Die Besonderheit von Halbleitern ist, dass durch zugeführte Energie (z. B. elektromagnetische Strahlung) in ihnen freie Ladungsträger erzeugt werden können.[13]

Die obere Siliziumschicht ist mit Elektronenspendern (z. B. Phosphoratomen) durchsetzt – negativ dotiert. Hier gibt es zu viele Elektronen (n-Schicht).
Die untere Siliziumschicht ist mit Elektronen-Akzeptoren (z. B. Boratomen) durchsetzt – positiv dotiert. Hier gibt es zu wenige Elektronen, also zu viele Fehlstellen oder Löcher (p-Schicht).
Im Grenzbereich der beiden Schichten binden sich die überschüssigen Elektronen der Elektronenspender locker an die Fehlstellen der Elektronen-Akzeptoren (sie besetzen die Fehlstellen im Valenzband) und bilden eine neutrale Zone (p-n-Übergang).
Da nun oben Elektronen- und unten Fehlstellenmangel herrscht, bildet sich zwischen der oberen und unteren Kontaktfläche ein ständig vorhandenes elektrisches Feld.
Photonen (Lichtquanten, „Sonnenstrahlen“) gelangen in die Übergangsschicht.
Photonen mit ausreichender Energiemenge übertragen in der neutralen Zone ihre Energie an die locker gebundenen Elektronen im Valenzband der Elektronen-Akzeptoren. Das löst diese Elektronen aus ihrer Bindung und hebt sie ins Leitungsband. Viele dieser freien Ladungsträger (Elektron-Loch-Paare) verschwinden nach kurzer Zeit durch Rekombination wieder. Einige Ladungsträger driften – bewegt vom elektrischen Feld – zu den Kontakten in die gleichartig dotierten Zonen (s. o.); d. h. die Elektronen werden von den Löchern getrennt, die Elektronen driften nach oben, die Löcher nach unten. Eine Spannung und ein nutzbarer Strom entstehen, solange weitere Photonen ständig freie Ladungsträger erzeugen.
Der „Elektronen“ -Strom fließt durch den „äußeren Stromkreis“ zur unteren Kontaktfläche der Zelle und rekombiniert dort mit den zurückgelassenen Löchern.

Nennleistung und Ertrag

Strahlungsatlas aufgrund von Satellitendaten aus den Jahren 1991–1993
Solarstrahlungspotenzial in Europa

Die Nennleistung von Photovoltaikanlagen wird häufig in der Schreibweise Wp (Watt Peak) oder kWp angegeben und bezieht sich auf die Leistung bei Testbedingungen, die in etwa der maximalen Sonnenstrahlung in Deutschland entsprechen. Die Testbedingungen dienen zur Normierung und zum Vergleich verschiedener Solarmodule. Die elektrischen Werte der Bauteile werden in Datenblättern angegeben. Es wird bei 25 °C Modultemperatur, 1000 W/m² Bestrahlungsstärke und einer Luftmasse (abgekürzt AM) von 1,5 gemessen. Diese Standard-Testbedingungen (meist abgekürzt STC, engl. standard test conditions) wurden als internationaler Standard festgelegt. Können diese Bedingungen beim Testen nicht eingehalten werden, so muss aus den gegebenen Testbedingungen die Nennleistung rechnerisch ermittelt werden.

Zum Vergleich: Die Strahlungsstärke der Sonne im erdnahen Weltall (Solarkonstante) beträgt im Mittel 1367 W/m². (Am Boden kommen bei klarem Wetter ca. 75 % dieser Energie an.)

Ausschlaggebend für die Dimensionierung und die Amortisation einer Photovoltaikanlage ist neben der Spitzenleistung vor allem der Jahresertrag, also die Menge der gewonnenen elektrischen Energie. Die Strahlungsenergie schwankt tages-, jahreszeitlich und wetterbedingt. So kann eine Solaranlage in Deutschland im Juli gegenüber dem Dezember einen bis zu zehnmal höheren Ertrag aufweisen. Tagesaktuelle Einspeisedaten mit hoher zeitlicher Auflösung sind für die Jahre ab 2011 im Internet frei zugänglich.[14]

Der Ertrag pro Jahr wird in Wattstunden (Wh) oder Kilowattstunden (kWh) gemessen. Standort und Ausrichtung der Module sowie Verschattungen haben wesentlichen Einfluss auf den Ertrag, wobei in Mitteleuropa Dachneigungen von 30 – 40° und Ausrichtung nach Süden den höchsten Ertrag liefern.[15] An der maximalen Sonnenhöhe (Mittagssonne) orientiert, sollte in Deutschland bei einer Festinstallation (ohne Nachführung) die optimale Neigung im Süden des Landes ca. 32°, im Norden ca. 37° betragen.[16] Praktisch empfiehlt sich ein etwas höherer Neigungswinkel, da dann sowohl zweimal am Tag (am Vormittag und am Nachmittag) als auch zweimal im Jahr (im Mai und im Juli) die Anlage optimal ausgerichtet ist. Bei Freiflächenanlagen werden deshalb in aller Regel derartige Ausrichtungen gewählt. Zwar lässt sich die über das Jahr verteilte, durchschnittliche Sonnenhöhe und damit die theoretisch optimale Neigung für jeden Breitengrad exakt berechnen,[17] jedoch ist entlang eines Breitengrades die tatsächliche Einstrahlung durch verschiedene, meist geländeabhängige Faktoren unterschiedlich (z. B. Verschattung oder besondere lokale Wetterlagen). Da auch die anlagenabhängige Effektivität bezüglich des Einstrahlungswinkels unterschiedlich ist, muss die optimale Ausrichtung im Einzelfall standort- und anlagenbezogen ermittelt werden. Bei diesen energetischen Untersuchungen wird die standortbezogene Globalstrahlung ermittelt, welche neben der direkten Sonneneinstrahlung auch die über Streuung (z. B. Wolken) oder Reflexion (z. B. in der Nähe befindliche Hauswände oder den Erdboden) einfallende Diffusstrahlung umfasst.

Der spezifische Ertrag ist als Wattstunden pro installierter Nennleistung (Wh/Wp bzw. kWh/kWp) pro Zeitabschnitt definiert und erlaubt den einfachen Vergleich von Anlagen unterschiedlicher Größe. In Deutschland kann man bei einer einigermaßen optimal ausgerichteten fest installierten Anlage pro Modulfläche mit 1 kWp mit einem Jahresertrag von ca. 1.000 kWh rechnen, wobei die Werte zwischen etwa 900 kWh in Norddeutschland und 1150 kWh in Süddeutschland schwanken.[18]

Montagesysteme für Hausdächer

Hausdach mit Photovoltaikanlage zur Strom- und Sonnenkollektor für Warmwassererzeugung

Bei den Montagesystemen wird zwischen Aufdach-Systemen und Indach-Systemen unterschieden. Bei einem Aufdach-System für geneigte Hausdächer wird die Photovoltaik-Anlage mit Hilfe eines Montagegestells auf dem Dach befestigt. Diese Art der Montage wird am häufigsten gewählt, da sie für bestehende Dächer am einfachsten umsetzbar ist.

Bei einem Indach-System ist eine Photovoltaik-Anlage in die Dachhaut integriert und übernimmt deren Funktionen wie Dachdichtigkeit und Wetterschutz mit. Vorteilhaft bei solchen Systemen sind die optisch attraktivere Erscheinung sowie die Einsparung einer Dachdeckung, sodass der höhere Montageaufwand oftmals kompensiert werden kann.[19]

Die Aufdach-Montage eignet sich neben Ziegeldächern auch für Blechdächer, Schieferdächer oder Wellplatten. Ist die Dachneigung zu flach, können spezielle Haken diese bis zu einem gewissen Grad ausgleichen. Die Installation eines Aufdach-Systems ist in der Regel einfacher und preisgünstiger als die eines Indach-Systems. Ein Aufdach-System sorgt zudem für eine ausreichende Hinterlüftung der Solarmodule. Die Befestigungsmaterialien müssen witterungsbeständig sein.[20]

Das Indach-System eignet sich bei Dachsanierungen und Neubauten, ist jedoch nicht bei allen Dächern möglich. Ziegeldächer erlauben die Indach-Montage, Blechdächer oder Bitumen­dächer nicht. Auch die Form des Dachs ist maßgebend. Die Indach-Montage ist nur für ausreichend große Schrägdächer mit günstiger Ausrichtung zur Sonnenbahn geeignet. Generell setzen Indach-Systeme größere Neigungswinkel voraus als Aufdach-Systeme, um einen ausreichenden Regenwasserabfluss zu ermöglichen. Indach-Systeme bilden mit der übrigen Dacheindeckung eine geschlossene Oberfläche und sind daher aus ästhetischer Sicht attraktiver. Zudem weist ein Indach-System eine höhere mechanische Stabilität gegenüber Schnee- und Windlasten auf. Die Kühlung der Module ist jedoch weniger effizient als beim Aufdach-System, was die Leistung und den Ertrag etwas verkleinert. Eine um 1 °C höhere Temperatur reduziert die Modulleistung um ca. 0,5 %.[21]

Entwicklungen

Hauptartikel: Solarzelle

Bisher basiert der Großteil der Photovoltaikanlagen weltweit auf Siliziumtechnik. Daneben konnten verschiedene Dünnschichttechnologien Marktanteile gewinnen. So finden auch weitere Halbleiter Verwendung wie Cadmiumtellurid oder Galliumarsenid. Bei sogenannten Tandem-Solarzellen kommen Schichten unterschiedlicher Halbleiter zur Anwendung.

Als sehr aussichtsreich wird aufgrund der günstigen Herstellung die Entwicklung von Solarmodulen auf Perowskit-Basis beurteilt. Die Zellen können deutlich dünner als Siliziumzellen gebaut werden. Problematisch ist bisher jedoch noch die geringe Haltbarkeit.[22]

Ein weiteres Forschungsziel ist die Entwicklung organischer Solarzellen. Dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg ist es zusammen mit Partnern gelungen, eine günstige organische Solarzelle auf flexibler Folie herzustellen.[23]

Nutzung

Weltweites Nutzungspotenzial

Weltweite PV-Installation in Watt pro Einwohner (2016).  keine od. unbekannt  00–0<0 10 Watt pro Einwohner  > 010–100 Watt pro Einwohner  > 100–200 Watt pro Einwohner  > 200–400 Watt pro Einwohner  000–> 400 Watt pro Einwohner

Die auf die Erdatmosphäre auftreffende Sonnenenergie beträgt jährlich 1,56 · 1018 kWh, was knapp dem 12.000fachen des Primärenergieverbrauchs der Menschheit im Jahr 2005 (1,33 · 1014 kWh/Jahr) entspricht.[24] Von dieser Energie erreicht etwa die Hälfte die Erdoberfläche,[25] womit sie potentiell für die photovoltaische Energiegewinnung nutzbar ist. Einer 2017 im Fachjournal Nature Energy erschienenen Studie zufolge kann die Photovoltaik bis zum Jahr 2050 ca. 30–50 % des weltweiten Strombedarfs technisch und wirtschaftlich decken und damit die dominierende Art der Stromerzeugung werden. Hierbei ist bereits berücksichtigt, dass zu diesem Zeitpunkt das Energiesystem stromlastiger sein wird als derzeit, sodass die Photovoltaik dann auch mittels Sektorkopplung zu einer erheblichen Dekarbonisierung weiterer Sektoren wie dem Verkehrssektor oder dem industriellen Energieverbrauch beitragen könnte.[2]

Die Einstrahlung hängt von der geographischen Lage ab: Nahe dem Äquator, beispielsweise in Kenia, Indien, Indonesien, Australien oder Kolumbien, sind aufgrund der hohen Einstrahlungsdichte die Stromgestehungskosten niedriger als in Mitteleuropa. Zudem schwankt am Äquator der Energieertrag im Jahresverlauf viel weniger als an höheren Breitengraden (ziemlich gleichbleibende saisonale Sonnenstände und Zeiten zwischen Sonnenauf- und -untergang).

Absatzentwicklung

Tatsächliche Entwicklung des Photovoltaik-Zubaus im Vergleich mit den IEA-Prognosen 2002–2016[26]

Weltweit wurden bis Ende 2017 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von ca. 400 GW installiert.[1] Bis 2020 rechnet die IEA mit einem weiteren Anstieg auf ca. 400 bis 500 GWp.[10] Bis Ende 2015 waren weltweit insgesamt 229 GW Solarleistung installiert worden. In China wurden allein im ersten Quartal 2016 mehr als 7 GW PV-Leistung neu installiert. In Europa beträgt die installierte Gesamtleistung 100 GW.[27] Zwischen 1998 und 2015 wuchs die weltweit installierte Photovoltaik-Leistung um durchschnittlich 38 % pro Jahr. Dies war deutlich stärker als die meisten Wachstumsszenarien angenommen hatten. So sind die tatsächlichen Wachstumsraten historisch nicht nur wiederholt durch die Internationale Energieagentur, sondern auch durch den IPCC, den Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen sowie Greenpeace unterschätzt worden.[2]

Photovoltaik-Installation weltweit

Jahr

2005
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014

2015

2016[28]

2017[29]

GWp installiert (gerundet)

5
7
9
16
23
40
71
101
139
177

227,1

302,1

402

GWp Zubau

1,4
1,5
2,5
6,7
7,4
17,1
30,2
30,0
38,4
37,2

50,1

75

98

Der Zubau neuer Anlagen hält aus mehreren Gründen an:

die Modulpreise sind deutlich gesunken
das allgemeine Niveau der Preise für elektrischen Strom gleicht sich den staatlich subventionierten Preisen an
die meisten Länder der Welt betreiben eine Niedrigzinspolitik (siehe Finanzkrise ab 2007); deshalb bevorzugen Investoren diese risikoarme Anlagemöglichkeit mit relativ hoher Rendite.

Die folgenden Tabellen geben einen Überblick über die Entwicklung der installierten Nennleistung der Photovoltaikanlagen in der Europäischen Union in den Jahren 2005 bis 2015.

Installierte PV-Nennleistung in der EU in MWp

Nr.

Staaten

2005[30]

2006[31]

2007[32]

2008[33]

2009[34]

2010[35]

2011[36]

2012[36]

2013[37]

2014[38]

2015[39]

2016[40]

1

Deutschland

1.910
2.743
3.846
6.019
9.959
17.370
25.094
32.703
36.402
38.408

39.763
41.340

2

Italien

46,3
50
120
458
1.157
3.484
12.783
16.152
18.065
18.622

18.924
19.274

3

Großbritannien

10,9
14,3
18,1
22,5
29,6
76,9

978
1.708
2.782
5.380

8.918
11.562

4

Frankreich

26,3
33,9
46,7
104
335
1.197
2.949
4.085
4.625
5.699

6.579
7.164

5

Spanien

57,6
175
734
3.421
3.438
3.859
4.322
4.603
4.766
4.872

4.921
4.801

6

Belgien

2,1
4,2
21,5
70,9
374
1.037
2.051
2.768
3.040
3.140

3.228
3.425

7

Griechenland

5,4
6,7
9,2
18,5
55,0
205
631
1.543
2.586
2.603

2.613
2.603

8

Tschechien

0,5
0,8
4,0
54,7
463
1.959
1.913
2.022
2.064
2.068

2.083
2.047

9

Niederlande

50,8

52,7

53,3

57,2

67,5

88,0

146

365

739

1.048

1.405

2.040

10

Rumänien

0,2
0,3
0,5
0,6
1,9
3,5
49,3
1.022
1.293

1.325
1.371

11

Österreich

24
25,6
27,7
32,4
52,6
95,5
187
422
631
785

935
1.077

12

Bulgarien

0,1
0,1
1,4
5,7
32,3
212
915
1.019
1.020

1.021
1.032

13

Dänemark

2,7
2,9
3,1
3,3
4,7
7,1
16,7
376
572
602

783
858

14

Slowakei

< 0,1
< 0,1
< 0,1
< 0,1
0,2
174
487
543
588
590

545
545

15

Portugal

3
3,4
17,9
68,0
102
131
161
228
303
423

460
470

16

Ungarn

0,2

0,3

0,4

0,5

0,7

1,8

2,7

12,3

34,9

77,7

138

288

17

Slowenien

0,2
0,4
1,0
2,0
9,0
45,5
100
222
248
256

257
259

18

Polen

0,3

0,4

0,6

1,0

1,4

1,8

2,2

3,6

4,2

29,9

86,9

195

19

Schweden

4,2

4,9

6,2

7,9

8,8

11,4

15,7

24,1

43,2

79,4

130

153

20

Luxemburg

23,6
23,7
23,9
24,6
26,4
29,5
40,7
76,7
95
110

125
122

21

Malta

< 0,1

0,1

0,1

0,2

1,5

3,8

6,6

18,7

28,2

54,8

73,2

82

22

Litauen

< 0,1
< 0,1
< 0,1
0,1
0,1
0,1
0,1
6,2
68,1
68,1

73,1
80

23

Zypern

0,5
1,0
1,3
2,2
3,3
6,2
10,1
17,2
34,8
64,8

69,5
55

24

Kroatien

20,0
34,2
50

44,8

25

Finnland

4
4,5
5,1
5,6
7,6
9,6
11,2
11,2
11,2
11,2

14,7
20

26

Estland

< 0,1

< 0,1

< 0,1

< 0,1

0,1

0,2

0,2

0,2

0,2

4,1

10

27

Irland

0,3

0,4

0,4

0,4

0,6

0,7

0,7

0,9

1

1,1

2,1

5,1

28

Lettland

< 0,1
< 0,1
< 0,1
< 0,1
< 0,1
1,5
1,5
1,5
1,5

1,5
1,5

EU28
2.172
3.148
4.940
10.376
16.103
29.828
52.126
68.882
79.794
86.674

94.568
100.935

Daten für 2015 beruhen teilweise auf Schätzungen, tatsächliche Werte können abweichen.

Aufgrund stark gesunkener Modulpreise im Zuge billiger Importe aus China ist die deutsche wie auch die europäische Solarindustrie in eine Krise geraten. Zahlreiche Hersteller meldeten Insolvenz an. Im Mai 2013 verhängte die EU-Kommission Strafzölle gegen China, da dieses Land durch enorme staatliche Subventionen unter den Herstellungskosten verkauft (Dumping). Die Strafzölle sind in der Branche und unter Umweltverbänden umstritten. Ende Juli einigten sich China und die EU auf einen Mindestpreis von 56 ct/Wp und eine jährliche Höchstliefermenge von 7 GW.

Einsatzfelder

Teil eines Solarzellenflügels der Raumsonde Juno

Neben der Stromgewinnung zur Netz-Einspeisung wird die Photovoltaik auch für mobile Anwendungen und Anwendungen ohne Verbindung zu einem Stromnetz, so genannte Inselanlagen, eingesetzt. Hier kann der Gleichstrom auch direkt genutzt werden. Am häufigsten finden sich daher akkugepufferte Gleichstromnetze. Neben Satelliten, Solarfahrzeugen oder Solarflugzeugen, die oft ihre gesamte Energie aus Solarzellen beziehen, werden auch alltägliche Einrichtungen, wie Wochenendhäuser, Solarleuchten, elektrische Weidezäune, Parkscheinautomaten oder Taschenrechner von Solarzellen versorgt.

Inselanlagen mit Wechselrichter können auch Wechselstromverbraucher versorgen. In vielen Ländern ohne flächendeckendes Stromnetz ist die Photovoltaik eine Möglichkeit, elektrischen Strom preisgünstiger zu erzeugen als z. B. mit einem Dieselgenerator.

Auch die Einbindung von Photovoltaikanlagen und Solarbatterien in bestehende Inselnetze stellt eine Möglichkeit dar, die Kosten der Energieproduktion deutlich zu verringern.[41]

Wirkungsgrad

Thermografie an einer Photovoltaik-Anlage / Nachweis fehlerhafte Zelle

Der Wirkungsgrad ist das Verhältnis zwischen momentan erzeugter elektrischer Leistung und eingestrahlter Lichtleistung. Je höher er ist, desto geringer kann die Fläche für die Anlage gehalten werden. Beim Wirkungsgrad ist zu beachten, welches System betrachtet wird (einzelne Solarzelle, Solarpanel bzw. -modul, die gesamte Anlage mit Wechselrichter bzw. Laderegler und Akkus und Verkabelung). Der Ertrag von Solarmodulen ist zudem auch temperaturabhängig. Bei einer Temperaturerhöhung von 25 °C nimmt die Leistung eines kristallinen Moduls um ca. 10 % ab.[42] Eine Kombination von Solarzellen und thermischem Sonnenkollektor, sogenannte Hybridkollektoren, steigert den Gesamtwirkungsgrad durch die zusätzliche thermische Nutzung, und kann den elektrischen Wirkungsgrad aufgrund der Kühlung der Solarzellen durch die thermischen Kollektoren verbessern.[43]

Wirkungsgrad verschiedener Solaranlagen nach Quaschning (Stand 2018)[44]

Zellmaterial

Maximaler Zellwirkungsgrad im Labor
Maximaler Wirkungsgrad (Serienproduktion)
Typischer Modulwirkungsgrad
Flächenbedarf pro kWp

Monokristallines Silizium

25,8 %
24 %
19 %
5,3 m²

polykristallines Silizium

22,3 %
20 %
17 %
5,9 m²

Amorphes Silizium

14,0 %
8 %
6 %
16,7 m²

CIS/CIGS

22,6 %
16 %
15 %
6,7 m²

CdTe

22,1 %
17 %
16 %
6,3 m²

Konzentratorzelle

46,0 %
40 %
30 %
3,3 m²

Die mit Solarzellen erzielbaren Wirkungsgrade werden unter standardisierten Bedingungen ermittelt und unterscheiden sich je nach verwendeter Zelltechnologie. Der Mittelwert des nominellen Wirkungsgrads waferbasierter PV-Module lag 2014 bei etwa 16 % (nach dem Jahr der Markteinführung), bei Dünnschicht-Modulen liegt er um 6–11 %.[45] Eine Tabelle von Wirkungsgraden einzelner Zelltechnologien findet sich hier. Besonders hohe Wirkungsgrade werden von Mehrfachsolarzellen mit Konzentrator erreicht; hier wurden im Labor bereits Wirkungrade bis ca. 46 % erreicht.[4] Durch die Kombination von Solarzellen unterschiedlicher spektraler Empfindlichkeit, die optisch und elektrisch hintereinander angeordnet sind, in Tandem- oder Tripelschaltung wurde der Wirkungsgrad speziell bei amorphem Silicium erhöht. Allerdings begrenzt bei einer solchen Reihenschaltung stets die Zelle mit dem geringsten Strom den Gesamtstrom der Gesamtanordnung. Alternativ wurde die Parallelschaltung der optisch hintereinander angeordneten Solarzellen in Duo-Schaltung für Dünnschichtzellen aus a-Si auf dem Frontglas und CIS auf dem Rückseitenglas demonstriert.

Ein Vorteil dieser Technik ist, dass mit einfachen und günstigen optischen Einrichtungen die Solarstrahlung auf eine kleine Solarzelle gebündelt werden kann, die der teuerste Teil einer Photovoltaikanlage ist. Nachteilig ist hingegen, dass konzentrierende Systeme wegen der Lichtbündelung zwingend auf Nachführsysteme und eine Kühleinrichtung für die Zellen angewiesen sind.[46]

Heutige Solarmodule absorbieren einen Teil des Sonnenlichts nicht, sondern reflektieren es an ihrer Oberfläche. Daher werden sie in der Regel mit einer Antireflexionsschicht ausgestattet, die die Reflexion bereits stark vermindert. Schwarzes Silicium vermeidet diese Reflexionen fast vollständig.[47]

Performance Ratio

Die Performance Ratio (PR) – häufig auch Qualitätsfaktor (Q) genannt – ist der Quotient aus dem tatsächlichen Nutzertrag einer Anlage und ihrem Sollertrag.[48] Der „Sollertrag“ berechnet sich aus der eingestrahlten Energie auf die Modulfläche und dem nominalen Modul-Wirkungsgrad; er bezeichnet also die Energiemenge, die die Anlage bei Betrieb unter Standard-Testbedingungen (STC) und bei 100 % Wechselrichter-Wirkungsgrad ernten würde.

Real liegt der Modulwirkungsgrad auch bei unverschatteten Anlagen durch Erwärmung, niedrigere Einstrahlung etc. gegenüber den STC unter dem nominalen Wirkungsgrad; außerdem gehen vom Sollertrag noch die Leitungs- und Wechselrichterverluste ab. Der Sollertrag ist somit eine theoretische Rechengröße unter STC. Die Performance ratio ist immer ein Jahresdurchschnittswert. Beispielsweise liegt die PR an kalten Tagen über dem Durchschnitt und sinkt vor allem bei höheren Temperaturen sowie morgens und abends, wenn die Sonne in einem spitzeren Winkel auf die Module scheint.

Die Performance Ratio stieg mit der Entwicklung der Photovoltaik-Technik deutlich an: Von 50–75 % in den späten 1980er Jahren über 70–80 % in den 1990er Jahren auf mehr als 80 % um ca. 2010. Für Deutschland wurden ein Median von 84 % im Jahr 2010 ermittelt, Werte von über 90 % werden in der Zukunft für möglich gehalten.[48] Quaschning gibt mit durchschnittlich 75 % niedrigere Werte an. Demnach können gute Anlagen Werte von über 80 % erreichen, bei sehr schlechten Anlagen sind jedoch auch Werte unter 60 % möglich, wobei dann häufig Wechselrichterausfälle oder längerfristige Abschattungen die Ursache sind.[49]

Verschmutzung und Reinigung

Wie auf jeder Oberfläche im Freien (vergleichbar mit Fenstern, Wänden, Dächern, Auto usw.) können sich auch auf Photovoltaikanlagen unterschiedliche Stoffe absetzen. Dazu gehören beispielsweise Blätter und Nadeln, klebrige organische Sekrete von Läusen, Pollen und Samen, Ruß aus Heizungen und Motoren, Sand, Staub (z. B. auch Futtermittelstäube aus der Landwirtschaft), Wachstum von Pionierpflanzen wie Flechten, Algen und Moosen sowie Vogelkot.

Bei Anlagen mit Neigungswinkel um 30° ist die Verschmutzung gering; hier liegen die Verluste bei ca. 2–3 %. Stärker wirkt sich Verschmutzung hingegen bei flachen Anstellwinkeln aus, wo Verschmutzungen bis zu 10 % Verluste verursachen können. Bei Anlagen auf Tierställen von landwirtschaftlichen Betrieben sind auch höhere Verluste möglich, wenn Schmutz aus Lüftungsschächten auf der Anlage abgelagert wird. In diesen Fällen ist eine Reinigung in regelmäßigen Abständen sinnvoll.[50]

Stand der Technik zur Reinigung ist die Verwendung von vollentsalztem Wasser (Demineralisiertes Wasser), um Kalkflecken zu vermeiden. Als weiteres Hilfsmittel kommen bei der Reinigung wasserführende Teleskopstangen zum Einsatz. Die Reinigung sollte durchgeführt werden, ohne Kratzer an der Moduloberfläche zu verursachen. Zudem sollten Module überhaupt nicht und Dächer nur mit geeigneten Sicherheitsvorkehrungen betreten werden.

Auch mit einer Wärmebildkamera kann man die Verschmutzung feststellen. Verschmutzte Stellen auf den Modulen sind bei Sonneneinstrahlung wärmer als saubere Stellen.

Integration in das Stromnetz

Schwankung des Angebots

Statistik der Erzeugung

Jahres- und Tagesgang der Stromerzeugung aus Photovoltaik

Jahresgang in Monatsdarstellung

Die Erzeugung von Solarstrom unterliegt einem typischen Tages- und Jahresgang, überlagert durch Wettereinflüsse. Diese lassen sich durch Wetterbeobachtung einigermaßen zuverlässig vorhersagen (siehe Meteorologie).

Insbesondere im Frühling und Sommer kann Solarstrom um die Mittagszeit zur Deckung eines Teils der Mittellast genutzt werden – aber nur, wenn es das Wetter zulässt (kein bewölkter Himmel). Im Herbst und Winter (insbesondere in den Monaten November bis Januar) erzeugen die PV-Anlagen in den Regionen von den Polen bis etwa zum jeweiligen 45. Breitengrad wegen der kurzen Sonnenscheindauer und des niedrigen Sonnenstandes nur wenig Strom. Da dann für Heizung und Beleuchtung aber besonders viel Strom gebraucht wird, müssen dann auch besonders viele Kapazitäten aus anderen Energiequellen zur Verfügung stehen. Allerdings liefern Windkraftanlagen im Winter mehr Strom als im Sommer, sodass sich Photovoltaik und Windenergie jahreszeitlich sehr gut ergänzen.[51] Um die statistisch vorhersagbaren Tages-, Wetter- und Jahresschwankungen auszugleichen, sind aber auch Speichermöglichkeiten und schaltbare Lasten zur Verbrauchsanpassung (Smart-Switching in Verbindung mit Smart-Metering) erforderlich.

Tagesaktuelle Einspeisedaten (für Deutschland) sind für die Jahre ab 2011 im Internet frei zugänglich.[52][53]

Übertragung

Bei einer dezentralen Stromversorgung durch viele kleine Photovoltaikanlagen (PVA) im Leistungsbereich einiger 10 kW liegen Quelle und Verbraucher nah beieinander; es gibt dann kaum Übertragungsverluste und die erzeugte Leistung verlässt den Niederspannungsbereich praktisch nicht[54] (Stand 2009). Der PVA-Betreiber speist die nicht selbst verbrauchte Leistung in das Niederspannungsnetz ein. Bei einem weiteren erheblichen Ausbau der Photovoltaik werden regional Überschüsse entstehen, die per Stromnetz in andere Regionen transportiert oder für den nächtlichen Bedarf gespeichert werden müssen.

Energiespeicherung

Hauptartikel: Energiespeicher und Speicherkraftwerk

Bei Inselanlagen wird die gewonnene Energie in Speichern, meist Akkumulatoren, gepuffert. Die deutlich häufigeren Verbundanlagen speisen den erzeugten Strom direkt in das Verbundnetz ein, wo er sofort verbraucht wird. Photovoltaik wird so zu einem Teil des Strommixes.

Inselanlage

Hauptartikel: Photovoltaisches Inselsystem
Parkscheinautomat als photovoltaisches Inselsystem

Bei Inselanlagen müssen die Unterschiede zwischen Verbrauch und Leistungsangebot der Photovoltaikanlage durch Energiespeicherung ausgeglichen werden, z. B., um Verbraucher auch nachts oder bei ungenügender Sonneneinstrahlung zu betreiben. Die Speicherung erfolgt meist über einen Gleichspannungszwischenkreis mit Akkumulatoren, die Verbraucher bei Bedarf versorgen können. Neben Bleiakkumulatoren werden auch neuere Akkutechnologien mit besserem Wirkungsgrad wie Lithium-Titanat-Akkumulatoren eingesetzt. Mittels Wechselrichter kann aus der Zwischenkreis-Spannung die übliche Netzwechselspannung erzeugt werden.

Anwendung finden Inselanlagen beispielsweise an entlegenen Standorten, für die ein direkter Anschluss an das öffentliche Netz unwirtschaftlich ist. Darüber hinaus ermöglichen autonome photovoltaische Systeme auch die Elektrifizierung einzelner Gebäude (wie Schulen oder Ähnliches) oder Siedlungen in „Entwicklungsländern“, in denen kein flächendeckendes öffentliches Stromversorgungsnetz vorhanden ist. Bereits heute sind derartige Systeme in vielen nicht-elektrifizierten Regionen der Welt wirtschaftlicher als Dieselgeneratoren, wobei bisher jedoch häufig noch die Subventionierung von Diesel die Verbreitung hemmt.[55]

Verbundanlage

Siehe auch: Integration regenerativer Erzeuger in das Energiesystem

Bei kleineren Anlagen wird alle verfügbare bzw. über dem Eigenverbrauch liegende Leistung in das Verbundnetz abgegeben. Fehlt sie (z. B. nachts), beziehen Verbraucher ihre Leistung von anderen Erzeugern über das Verbundnetz. Bei größeren Photovoltaikanlagen ist eine Einspeiseregelung per Fernsteuerung vorgeschrieben, mit deren Hilfe die Einspeiseleistung reduziert werden kann, wenn die Stabilität des Versorgungsnetzes das erfordert. Bei Anlagen in einem Verbundnetz kann die lokale Energiespeicherung entfallen, da der Ausgleich der unterschiedlichen Verbrauchs- und Angebotsleistungen über das Verbundnetz erfolgt, üblicherweise durch Ausregelung durch konventionelle Kraftwerke. Bei hohen Anteilen von Solarstrom, die mit konventionellen Kraftwerken nicht mehr ausgeglichen werden können, werden jedoch weitere Integrationsmaßnahmen notwendig, um die Versorgungssicherheit zu garantieren.

Hierfür kommen eine Reihe von Power-to-X-Technologien in Frage. Neben der Speicherung sind diese insbesondere Flexibilisierungsmaßnahmen wie z. B. der Einsatz von Power-to-Heat, Vehicle-to-Grid oder die Nutzung intelligenter Netze, die bestimmte Verbraucher (z. B. Kühlanlagen, Warmwasserboiler, aber auch Wasch- und Spülmaschinen) so steuern, dass sie bei Erzeugungsspitzen automatisch zugeschaltet werden. Aus Effizienzgründen sollten zunächst bevorzugt auf die Flexibilisierung gesetzt werden, bei höheren Anteilen müssen ebenfalls Speicherkraftwerke zum Einsatz kommen, wobei zunächst Kurzfristspeicher ausreichen und erst bei sehr hohen Anteilen variabler erneuerbarer Energien auf Langfristspeicher wie Power-to-Gas gesetzt werden sollte.[56]

Versorgungssicherheit

Trotz des schwankenden Angebots steht die Leistung aus Photovoltaik (etwa 24 Stunden im Voraus durch Wettervorhersagen prognostizierbar) deutlich zuverlässiger zur Verfügung als die eines einzelnen Großkraftwerks. Ein Ausfall oder ein geplanter Stillstand eines Großkraftwerks hat im Stromnetz eine stärkere Auswirkung als der Ausfall einer einzelnen Photovoltaikanlage. Bei einer hohen Anzahl von Photovoltaikanlagen ergibt sich eine im Vergleich zu einer einzelnen Großanlage extrem hohe Einspeise-Zuverlässigkeit.

Um einen Ausfall großer Stromerzeuger abzusichern, müssen Kraftwerksbetreiber Reserveleistung bereithalten. Dies ist bei Photovoltaik bei einer stabilen Wetterlage nicht notwendig, da nie alle PV-Anlagen gleichzeitig in Revision oder Reparatur sind. Bei einem hohen Anteil von dezentraler Photovoltaik-Kleinanlagen muss jedoch eine zentrale Steuerung der Lastverteilung durch die Netzbetreiber erfolgen.

Während der Kältewelle in Europa 2012 wirkte die Photovoltaik netzunterstützend. Im Januar/Februar 2012 speiste sie zur Mittagsspitze zwischen 1,3 und 10 GW Leistung ein. Aufgrund des winterbedingt hohen Stromverbrauchs musste Frankreich ca. 7–8 % seines Strombedarfs importieren, während Deutschland exportierte.[57]

Wirtschaftlichkeit

Volkswirtschaftliche Betrachtung

Solarstrom verursacht geringere Umweltschäden als Energie aus fossilen Energieträgern[58] oder Kernkraft und senkt somit die externen Kosten der Energieerzeugung (s. a. externe Kosten bei Stromgestehungskosten).

Noch im Jahre 2011 betrugen die Kosten der Vermeidung von CO2-Emissionen durch Photovoltaik 320 € je Tonne CO2 und waren damit teurer als bei anderen erneuerbaren Energiequellen. Demgegenüber lagen die Kosten der Energieeinsparung (z. B. durch Gebäudeisolierung) bei 45 € je Tonne CO2 oder darunter und konnten teilweise sogar finanzielle Vorteile erwirtschaften.[59] Durch die starke Kostensenkung der Photovoltaik sind die Vermeidungskosten einer Hausdachanlage in Deutschland jedoch auf ca. 17–70 € je Tonne CO2 gefallen, womit die Solarstromerzeugung günstiger ist als die Kosten für Klimawandelfolgeschäden, die mit 80 € je Tonne CO2 angesetzt werden. In sonnenreicheren Gegenden der Welt werden sogar Vorteile bis ca. 380 € je Tonne vermiedener CO2-Emissionen erzielt.[60]

Wie viel CO2-Emissionen durch Photovoltaik tatsächlich vermieden werden, hängt dabei auch von der Koordination des EEGs mit dem EU-Emissionshandel ab; außerdem von der für die Herstellung der Module verwendeten Energieform.

Siehe auch: Abschnitt „Interaktion mit Emissionshandel“ unter „Erneuerbare-Energien-Gesetz“

Betriebswirtschaftliche Betrachtung

Anschaffungskosten und Amortisationszeit

Der durchschnittliche Preis für Anlagen bis 100 kWp lag im Dezember 2014 in Deutschland bei 1240 € netto je kWp.[61] Dieser Preis enthält neben den Modulen auch Wechselrichter, Montage und Netzanschluss. Eine in Deutschland installierte Anlage liefert je nach Lage und Ausrichtung einen Jahresertrag von etwa 700 bis 1100 kWh und benötigt bei Dachinstallation 6,5 bis 7,5 m² Fläche pro kWp Leistung.

Die Amortisation ist von vielen Faktoren abhängig: vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme, der Sonneneinstrahlung, der Modulfläche, Ausrichtung und Neigung der Anlage sowie dem Anteil der Fremdfinanzierung. Die Kosten für die Module hatten 2012 in Deutschland einen durchschnittlichen Anteil von 40–50 % an den Gesamtkosten.[62] Die langjährige und zuverlässige Förderung durch die Einspeisevergütungen des deutschen EEGs war ein entscheidender Faktor für die starken Kostensenkungen der Photovoltaik.[63]

In Österreich lag der Preis für Photovoltaikanlagen im Jahr 2013 durchschnittlich bei 1792 Euro je kWp und somit deutlich über dem in Deutschland im selben Jahr durchschnittlich zu zahlenden Preis von 1510 Euro je kWp.[64]

Stromgestehungskosten

Deutsche Stromgestehungskosten (LCoE) für erneuerbare Energien und konventionelle Kraftwerke im Jahr 2018.[6]
Zwischen 2008 und 2015 sanken die Stromgestehungskosten von Photovoltaikanlagen in den USA um 54 % (Kleinanlagen) bzw. 64 % (Solarparks).[65]

Stromgestehungskosten von Photovoltaikanlagen in Cent/Kilowattstunde zum Installationszeitpunkt[66]

Investition / Ertrag pro kWp
700 kWh/a
800 kWh/a
900 kWh/a
1000 kWh/a
1100 kWh/a
1500 kWh/a
2000 kWh/a

200 €/kWp

6,8

5,9

5,3

4,7

4,3

3,2

2,4

400 €/kWp

8,4

7,4

6,5

5,9

5,3

3,9

2,9

600 €/kWp

10,0

8,8

7,8

7,0

6,4

4,7

3,5

800 €/kWp

11,7

10,2

9,1

8,2

7,4

5,5

4,1

1000 €/kWp

13,3

11,7

10,4

9,3

8,5

6,2

4,7

1200 €/kWp

15,0

13,1

11,6

10,5

9,5

7,0

5,2

1400 €/kWp

16,6

14,5

12,9

11,6

10,6

7,8

5,8

1600 €/kWp

18,3

16,0

14,2

12,8

11,6

8,5

6,4

1800 €/kWp

19,9

17,4

15,5

13,9

12,7

9,3

7,0

2000 €/kWp

21,5

18,8

16,7

15,1

13,7

10,0

7,5

Photovoltaik galt lange als die teuerste Form der Stromerzeugung mittels erneuerbaren Energien. Durch den starken Preisrückgang hat sich dies mittlerweile geändert, sodass Photovoltaik inzwischen konkurrenzfähig zu anderen regenerativen und konventionellen Arten der Stromerzeugung ist. In manchen Teilen der Welt werden PV-Anlagen mittlerweile ganz ohne Förderung installiert.[5] Die konkreten Stromgestehungskosten sind abhängig von den jeweiligen Verhältnissen. In den USA sind z. B. Vergütungen von unter 5 US-Cent/kWh (4,5 Euro-Cent/kWh) üblich. Ähnliche Werte werden auch für anderen Staaten wirtschaftlich darstellbar gehalten, wenn die Strahlungs- und Finanzierungsbedingungen günstig sind. Bei den mit Stand 2017 günstigsten Solarprojekten wurden in Ausschreibungen Stromgestehungskosten von 3 US-Cent/kWh (2,7 Euro-Cent/kWh) erreicht[3] bzw. diese Werte selbst ohne Subventionen noch leicht unterboten.[2]

Durch die Massenproduktion sinken die Preise der Solarmodule, seit 1980 fielen die Modulkosten um 10 % pro Jahr; ein Trend, dessen weitere Fortsetzung wahrscheinlich ist.[67] Mit Stand 2017 sind die Kosten der Stromerzeugung aus Photovoltaik binnen 7 Jahren um fast 75 % gefallen.[3] Nach Swansons Law fällt der Preis der Solarmodule mit der Verdopplung der Leistung um 20 %.[68][69]

Seit 2018 sind neu gebaute große Photovoltaikanlagen die günstigsten Kraftwerke in Deutschland (siehe Tabelle rechts).[6] Bereits im dritten Quartal 2013 betrugen die Stromgestehungskosten zwischen 7,8 und 14,2 ct/kWh[70] bzw. 0,09 und 0,14 $/kWh. Damit lagen die Stromgestehungskosten von Photovoltaikanlagen bereits zu diesem Zeitpunkt auf dem gleichen Niveau wie die Stromgestehungskosten von neuen Kernkraftwerken wie Hinkley Point C mit prognostizierten Kosten von 0,14 $/kWh im Jahr 2023. Ein direkter Vergleich ist jedoch schwierig, da eine Reihe von weiteren Faktoren wie die wetterabhängige Produktion von der Photovoltaik, die Endlagerung sowie die Versicherung der Anlagen berücksichtigt werden müssen.[67]

Im Januar 2014 war in mindestens 19 Märkten die Netzparität erreicht; die Wirtschaftlichkeit für Endverbraucher wird von einer Vielzahl an Analysedaten gestützt.[5] Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) stellt fest, dass die Kosten für Photovoltaik bislang weit schneller gesunken sind als noch vor kurzem erwartet. So sei in einem jüngsten Bericht der EU-Kommission noch von Kapitalkosten ausgegangen worden, die „bereits heute zum Teil unterhalb der Werte liegen, die die Kommission für das Jahr 2050 erwarte“.[71] Als günstigster Solarpark weltweit galt bis Anfang 2016 eine Anlage in Dubai, der eine Einspeisevergütung von 6 US-Cent/kWh erhält (Stand 2014).[67] Im August 2016 wurde dieser Rekord bei einer Ausschreibung in Chile deutlich unterboten. Dort ergaben sich für einen 120-MWp-Solarpark Stromgestehungskosten von 2,91 US-Cent/kWh (2,6 ct/kWh), was nach Angaben von Bloomberg L.P. die niedrigsten Stromgestehungskosten sind, die jemals bei einem Kraftwerksprojekt weltweit erzielt wurden.[72]

Die Internationale Organisation für erneuerbare Energien (IRENA) prognostizierte im Jahr 2016, dass die Kosten für Solarstrom bis 2025 um bis zu 59 Prozent fallen werden. Als Gründe nannte der Bericht eine Ausweitung der Produktion, effizientere Versorgungsketten und technische Verbesserungen.[73]

Modulpreise

Spotmarkt Preisindex in Euro je kWp (netto) von Photovoltaikmodulen (Großhandelspreis)[74] (Veränderung gegenüber Vorjahr)

Modultyp

Kristallin

Dünnschicht

Herkunft
Deutschland
China, SO-Asien
Japan

CdS/CdTe
a-Si
µ-Si

Jul 2007

≈ 3250
≈ 3000
≈ 3220

≈ 2350
≈ 2350

Jan 2009

3190
2950
3160

2100

2210

Jan 2010

2030 (−36 %)
1550 (−47 %)
1910 (−40 %)

1610 (−23 %)

1380 (−38 %)

Jan 2011

1710 (−16 %)
1470 (−5 %)
1630 (−15 %)

1250 (−22 %)
1080
1260 (−9 %)

Jan 2012

1070 (−37 %)
790 (−46 %)
1050 (−36 %)

680 (−46 %)
600 (−44 %)
760 (−40 %)

Jan 2013

780 (−27 %)
530 (−33 %)
830 (−21 %)

560 (−18 %)
420 (−30 %)
520 (−32 %)

Herkunft
Deutschland
China
Japan, Korea
SO-Asien, Taiwan

Jan 2014

690 (−13 %)
580 (+9 %)
700 (−19 %)
530

Jan 2015

600 (−13 %)
540 (−7 %)
610 (−13 %)
460 (−13 %)

Jan 2016

590 (−2 %)
560 (+4 %)
660 (+8 %)
480 (+4 %)

Jan 2017

480 (−19 %)
490 (−13 %)
570 (−14 %)
400 (−17 %)

Kristalline Module

Modultyp

High Efficiency

All Black

Mainstream

Low Cost

Trend seit

Aug 2017

510 (−9 %)
510 (+0 %)
420 (−5 %)
290 (+0 %)
Jan 2017

Dez 2017

500 (−11 %)
490 (−4 %)
380 (−14 %)
270 (−7 %)
Jan 2017

Jan 2018

480 (−14 %)
470 (−8 %)
370 (−16 %)
260 (−10 %)
Jan 2017

Jun 2018

420 (−13 %)
440 (−6 %)
330 (−11 %)
240 (−8 %)
Jan 2018

Aug 2018

380 (−21 %)
400 (−15 %)
310 (−16 %)
230 (−12 %)
Jan 2018

Nov 2018

360 (−25 %)
360 (−23 %)
270 (−27 %)
200 (−23 %)
Jan 2018

Die Modulpreise sind in den letzten Jahren stark gesunken, getrieben durch Skaleneffekte, technologische Entwicklungen, Normalisierung des Solarsiliziumpreises und durch den Aufbau von Überkapazitäten und Konkurrenzdruck bei den Herstellern. Die durchschnittliche Preisentwicklung seit Januar 2009 nach Art und Herkunft ist in der nebenstehenden Tabelle dargestellt.

Infolge der Marktankurbelung durch Einspeisevergütungen in Deutschland, Italien und einer Reihe weiterer Staaten kam es zu einem drastischen Kostenrückgang bei den Modulpreisen, die von 6 bis 7 USD/Watt im Jahr 2000[75] auf 4 $/Watt im Jahr 2006 und 0,4 $/Watt im Jahr 2016 zurückgingen.[76] Historisch betrachtet fielen die Modulpreise über die vergangenen 40 Jahre um 22,5 % pro Verdopplung der installierten Leistung.[2]

Die weitere Preisentwicklung hängt von der Entwicklung der Nachfrage sowie von den technischen Entwicklungen ab. Die niedrigen Preise für Dünnschichtanlagen relativieren sich teilweise für die fertige Anlage durch den aufgrund des geringeren Wirkungsgrades und höheren Installationsaufwand für Anlagen gleicher Leistung. Es handelt sich bei den angegebenen Preisen nicht um Endkundenpreise; die Kosten für die Module hatten bei einem Import aus China 2010 in Deutschland noch einen Anteil von 50 % an den Gesamtkosten und sanken bis 2012 auf 40 %.[62]

Weitere Entwicklung

Insgesamt wächst der Photovoltaikmarkt immer noch stark (um ca. 40 % jährlich). Bis 2025 wird Solarstrom in sonnigen Regionen der Welt billiger als Kohle- oder Gasstrom sein, so eine Studie des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme. So werden sich bis 2025 die Erzeugungskosten in Mittel- und Südeuropa auf 4–6 Cent pro Kilowattstunde verringern, bis 2050 auf 2–4 Cent. Zugrunde liegen konservative Annahmen zur technologischen Weiterentwicklung von Solaranlagen.[77]

Bloomberg New Energy Finance sieht einen sog. tipping point bei Wind- und Solarenergie. Die Preise für Wind- und Solarstrom seien in den letzten Jahren stark gefallen und würden mit Stand Januar 2014 in einigen Bereichen bzw. Teilen der Welt bereits unter den Preisen der konventionellen Stromerzeugung liegen. Die Preise würden weiter fallen. Die Stromnetze seien weltweit stark ausgebaut worden, so dass diese nun auch Strom aus erneuerbaren Energien aufnehmen und verteilen könnten. Zudem hätten die erneuerbaren Energien weltweit dafür gesorgt, dass die Strompreise stark unter Druck geraten seien. Des Weiteren würden die erneuerbaren Energien enthusiastisch von den Verbrauchern aufgenommen. Bereits im Jahr 2014 soll dieser Systemwechsel für sehr viele Menschen offensichtlich werden.[78]

Deutschland

Seit dem Jahr 2011 liegen die Stromgestehungskosten in Deutschland unterhalb des Haushaltsstrompreises, womit die Netzparität erreicht ist.[79]

Ende 2016 waren 41,3 GW elektrische Nettoleistung installiert.[80] Die Unternehmensberatung Roland Berger und die Prognos AG hielten in ihrer Publikation aus 2010 bis 2020 einen Ausbau auf 70 GW für realistisch. Unter der theoretischen Annahme, dass elektrische Energie verlustfrei gespeichert werden könnte, wären bei einem durchschnittlichen jährlichen Ertrag von 900 kWh je kWp für eine Energieversorgung ausschließlich mit Photovoltaik insgesamt rund 690 GW zu installieren.[81]

USA

Im Juni 2014 stufte Barclays Anleihen von US-Stromversorgern herunter wegen der Konkurrenz durch die Kombination aus Photovoltaik und Energiespeichern, welche zu einem verstärkten Eigenverbrauch führt. Dies könne das Geschäftsmodell der Stromversorger verändern. Barclays schrieb dazu: „Wir rechnen damit, dass in den nächsten paar Jahren sinkende Preise für dezentrale Photovoltaik-Anlagen und private Stromspeicher den Status Quo durchbrechen werden.“ Und weiter heißt es: „In der über 100-jährigen Geschichte der Stromversorger gab es bisher noch keine wettbewerbsfähige Alternative zum Netzstrom. Wir sind überzeugt, dass Photovoltaik und Speicher das System in den nächsten zehn Jahren umgestalten können.“[82]

Im Sommer 2014 hat die Investmentbank Lazard mit Sitz in New York eine Studie zu den aktuellen Stromgestehungskosten der Photovoltaik in den USA im Vergleich zu konventionellen Stromerzeugern veröffentlicht. Die günstigsten großen Photovoltaikkraftwerke können Strom mit 60 USD pro MWh produzieren. Der Mittelwert solcher Großkraftwerke liegt aktuell bei 72 USD pro MWh und die Obergrenze bei 86 USD pro MWh. Im Vergleich dazu liegen Kohlekraftwerke zwischen 66 USD und 151 USD pro MWh, Atomkraft bei 124 USD pro MWh. Kleine Photovoltaikaufdachanlagen liegen jedoch noch bei 126 bis 265 USD pro MWh, welche jedoch auf Stromtransportkosten verzichten können. Onshore-Windkraftanlagen liegen zwischen 37 und 81 USD pro MWh. Einen Nachteil sehen die Stromversorger der Studie nach in der Volatilität von Solar- und Windstrom. Eine Lösung sieht die Studie in Batterien als Speicher (siehe Batterie-Speicherkraftwerk), die bislang jedoch noch teuer seien.[83]

Umweltauswirkungen

Produktion

Die Umweltauswirkungen bei der Silizium-Technologie und bei der Dünnschichttechnologie sind die typischen der Halbleiterfertigung, mit den entsprechenden chemischen und energieintensiven Schritten. Die Reinstsiliziumproduktion bei der Silizium-Technologie ist aufgrund des hohen Energieaufwandes und dem Aufkommen an Nebenstoffen maßgebend. Für 1 kg Reinstsilizium entstehen bis zu 19 kg Nebenstoffe. Da Reinstsilizium meist von Zulieferfirmen produziert wird, ist die Auswahl der Lieferfirmen unter Umweltaspekten entscheidend für die Umweltbilanz eines Moduls.

Bei der Dünnschichttechnologie ist die Reinigung der Prozesskammern ein sensibler Punkt. Hier werden teilweise die klimaschädlichen Stoffe Stickstofftrifluorid und Schwefelhexafluorid verwendet. Bei der Verwendung von Schwermetallen wie der CdTe-Technologie wird mit einer kurzen Energierücklaufzeit auf der Lebenszyklus-Basis argumentiert.[84]

Betrieb

2011 bestätigte das Bayerische Landesamt für Umwelt, dass CdTe-Solarmodule im Fall eines Brandes keine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen.[85]

Durch die absolute Emissionsfreiheit im Betrieb weist die Photovoltaik sehr niedrige externe Kosten auf. Liegen diese bei Stromerzeugung aus Stein- und Braunkohle bei circa 6 bis 8 ct/kWh, betragen sie bei Photovoltaik nur etwa 1 ct/kWh (Jahr 2000). Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten[86] des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt und des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung. Zum Vergleich sei der dort ebenfalls genannte Wert von 0,18 ct/kWh externer Kosten bei solarthermischen Kraftwerken genannt.

Treibhausgasbilanz

Auch wenn es im Betrieb selbst keine CO2e-Emissionen gibt, so lassen sich Photovoltaikanlagen derzeit noch nicht CO2e-frei herstellen, transportieren und montieren. Die rechnerischen CO2e-Emissionen von Photovoltaikanlagen betragen Stand 2013 je nach Technik und Standort zwischen 10,5 und 50 g CO2e/kWh, mit Durchschnitten im Bereich 35 bis 45 g CO2e/kWh.[87] Eine neuere Studie aus dem Jahr 2015 ermittelte durchschnittliche Werte von 29,2 g/kWh.[88] Verursacht werden diese Emissionen durch Verbrennung fossiler Energien insbesondere während der Fertigung von Solaranlagen. Mit weiterem Ausbau der erneuerbaren Energien im Zuge der weltweiten Transformation zu nachhaltigen Energieträgern wird sich die Treibhausgasbilanz damit automatisch verbessern.[5] Ebenfalls sinkende Emissionen ergeben sich durch die technologische Lernkurve. Historisch betrachtet sanken die Emissionen um 14 % pro Verdopplung der installierten Leistung (Stand 2015).[5]

Nach einem ganzheitlichen Vergleich der Ruhr-Universität Bochum von 2007 lag der CO2e-Ausstoß bei der Photovoltaik noch bei 50–100 g/kWh, wobei vor allem die verwendeten Module und der Standort entscheidend waren. Im Vergleich dazu lag er bei Kohlekraftwerken bei 750–1200 g/kWh, bei GuD-Gaskraftwerken bei 400–550 g/kWh, bei Windenergie und Wasserkraft bei 10–40 g/kWh, bei der Kernenergie bei 10–30 g/kWh (ohne Endlagerung), und bei Solarthermie in Afrika bei 10–14 g/kWh.[89]

Energetische Amortisation

Hauptartikel: Erntefaktor

Die Energetische Amortisations­zeit von Photovoltaikanlagen ist der Zeitraum, in dem die Photovoltaikanlage die gleiche Energiemenge geliefert hat, die während ihres gesamten Lebenszyklus benötigt wird; für Herstellung, Transport, Errichtung, Betrieb und Rückbau bzw. Recycling.

Sie beträgt derzeit (Stand 2013) zwischen 0,75 und 3,5 Jahren, je nach Standort und verwendeter Photovoltaiktechnologie. Am besten schnitten CdTe-Module mit Werten von 0,75 bis 2,1 Jahren ab, während Module aus amorphem Silizium mit 1,8 bis 3,5 Jahren über dem Durchschnitt lagen. Mono- und multikristalline Systeme sowie Anlagen auf CIS-Basis lagen bei etwa 1,5 bis 2,7 Jahren. Als Lebensdauer wurde in der Studie 30 Jahre für Module auf Basis kristalliner Siliziumzellen und 20 bis 25 Jahren für Dünnschichtmodule angenommen, für die Lebensdauer der Wechselrichter wurden 15 Jahre angenommen.[90] Bis zum Jahr 2020 wird eine Energierücklaufzeit von 0,5 Jahren oder weniger für südeuropäische Anlagen auf Basis von kristallinem Silizium als erreichbar angesehen.[91]

Bei einem Einsatz in Deutschland wird die Energie, die zur Herstellung einer Photovoltaikanlage benötigt wird, in Solarzellen in etwa zwei Jahren wieder gewonnen. Der Erntefaktor liegt unter für Deutschland typischen Einstrahlungsbedingungen bei mindestens 10, eine weitere Verbesserung ist wahrscheinlich.[92] Die Lebensdauer wird auf 20 bis 30 Jahre geschätzt. Seitens der Hersteller werden für die Module im Regelfall Leistungagarantien für 25 Jahre gegeben. Der energieintensiv hergestellte Teil von Solarzellen kann 4- bis 5-mal wiederverwertet werden.

Flächenverbrauch

PV-Anlagen werden überwiegend auf bestehenden Dach- und über Verkehrsflächen errichtet,[92] was zu keinem zusätzlichen Flächenbedarf führt. Freilandanlagen in Form von Solarparks nehmen demgegenüber zusätzliche Flächen in Anspruch, wobei häufig bereits vorbelastete Areale wie z. B. Konversionsflächen (aus militärischer, wirtschaftlicher, verkehrlicher oder wohnlicher Nutzung), Flächen entlang von Autobahnen und Bahnlinien (im 110 m Streifen), Flächen die als Gewerbe- oder Industriegebiet ausgewiesen sind oder versiegelte Flächen (ehem. Deponien, Parkplätze etc.) verwendet werden. Werden Photovoltaikanlagen auf landwirtschaftlicher Fläche errichtet, was in Deutschland derzeit nicht gefördert wird, kann es zu einer Nutzungskonkurrenz kommen. Hierbei muss aber berücksichtigt werden, dass Solarparks verglichen mit der Bioenergie­erzeugung auf gleicher Fläche einen um ein Vielfaches höheren Energieertrag aufweisen. So liefern Solarparks pro Flächeneinheit etwa 25 bis 65 mal so viel Strom wie Energiepflanzen.[93]

In Deutschland können auf Dach- und Fassadenflächen mehr als 200 GW Photovoltaikleistung errichtet werden; auf brachliegenden Ackerflächen u. ä. sind über 1000 GW möglich. Damit existiert in Deutschland für die Photovoltaik ein Potential von mehr als 1000 GW, womit sich pro Jahr weit mehr als 1000 TWh elektrischer Energie produzieren ließen; deutlich mehr als der derzeitige deutsche Strombedarf. Da damit jedoch insbesondere in den Mittagsstunden sonniger Tage große Überschüsse produziert würden und enorme Speicherkapazitäten aufgebaut werden müssten, ist ein solch starker Ausbau nur einer Technologie nicht sinnvoll und die Kombination mit anderen erneuerbaren Energien erheblich zweckmäßiger.[94] Wollte man den gesamten derzeitigen Primärenergiebedarf Deutschlands mit Photovoltaik decken, d. h. ca. 3800 TWh, würde dafür ca. 5 % der Fläche Deutschland benötigt. Problematisch ist hierbei die jahreszeitlich und im Tagesverlauf stark schwankende Erzeugung, sodass ein Energiesystem, das ausschließlich auf Solarstrom basiert, unplausibel ist.[95] Für eine vollständig regenerative Energieversorgung ist in Deutschland vielmehr ein Mix verschiedener erneuerbarer Energien erforderlich, wobei die größten Potentiale dabei die Windenergie hat, gefolgt von der Photovoltaik.[96]

Solarstrahlungsbilanz von PV-Modulen

Abhängig vom Material wird unterschiedlich viel Solarstrahlung reflektiert. So hat der unterschiedliche Reflexionsgrad (die Albedo) auch Auswirkung auf das globale Klima – auch als Eis-Albedo-Rückkopplung bekannt. Wenn stark reflektierende Flächen aus Schnee und Eis an den Polen und in Grönland kleiner werden, wird mehr Solarstrahlung von der Erdoberfläche absorbiert und der Treibhauseffekt wird verstärkt.

Aus einem Wirkungsgrad der PV-Module von 17 % und dem reflektierten Anteil der Solarstrahlung ergibt sich ein Albedo von ca. 20 %, was im Vergleich zu Asphalt mit 15 % sogar eine Verbesserung darstellt und gegenüber Rasenflächen mit ebenfalls 20 % Albedo keinen nachteiligen Effekt hat. Der erzeugte PV-Strom ersetzt Strom aus Verbrennungskraftwerken, somit wird zusätzlich die Freisetzung von CO2 reduziert.[97]

Recycling von PV-Modulen

Bisher läuft die einzige Recyclinganlage (spezialisierte Pilotanlage) für kristalline Photovoltaikmodule in Europa im sächsischen Freiberg.[98] Die Firma Sunicon GmbH (früher Solar Material), ein Tochterunternehmen der SolarWorld, erzielte dort im Jahr 2008 eine massenbezogene Recyclingquote bei Modulen von durchschnittlich 75 % bei einer Kapazität von ca. 1200 Tonnen pro Jahr. Die Abfallmenge von PV-Modulen in der EU lag 2008 bei 3.500 Tonnen/Jahr. Geplant ist durch weitgehende Automatisierung eine Kapazität von ca. 20.000 Tonnen pro Jahr.[99]

Zum Aufbau eines freiwilligen, EU-weiten, flächendeckenden Systems zur Wiederverwertung gründete die Solarindustrie als gemeinsame Initiative im Jahr 2007 den Verband PV CYCLE.[100] Es werden in der EU bis 2030 ansteigend ca. 130.000 t ausgediente Module pro Jahr erwartet. Als Reaktion auf die insgesamt unbefriedigende Entwicklung fallen seit 24. Januar 2012 auch Solarmodule unter eine Novellierung der Elektroschrott-Richtlinie.[101] Für die PV-Branche sieht die Novelle vor, dass 85 Prozent der verkauften Solarmodule gesammelt und zu 80 Prozent recycelt werden müssen. Bis 2014 sollten alle EU-27-Mitgliedsländer die Verordnung in nationales Recht umsetzen. Man will dadurch die Hersteller in die Pflicht nehmen, Strukturen für die Wiederverwertung bereitzustellen. Die Trennung der Module von anderen Elektrogeräten wird dabei bevorzugt. Bereits existierende Sammel- und Recyclingstrukturen sollen zudem ausgebaut werden.

Staatliche Behandlung

Hauptartikel: Erneuerbare Energien und Energiewende nach Staaten

Die Erzeugung elektrischen Stroms mittels Photovoltaik wird in vielen Staaten gefördert. Nachstehend ist eine (unvollständige) Liste von verschiedenen regulatorischen Rahmenbedingungen in einzelnen Staaten aufgeführt.

Deutschland

Hauptartikel: Photovoltaik in Deutschland und Erneuerbare-Energien-Gesetz

Förderprogramme

In Deutschland gibt es eine gesetzlich geregelte und über 20 Jahre gewährte Einspeisevergütung; die Höhe ist im Erneuerbare-Energien-Gesetz geregelt. Die Einspeisevergütung ist degressiv gestaltet, fällt also für neue Anlagen pro Jahr um einen gewissen Prozentsatz. Zudem gibt es zwölf weitere Programme, die die Anschaffung einer Photovoltaikanlage fördern sollen.

Auf Bundesebene kann die sogenannte Investitionszulage für Photovoltaikanlagen im produzierenden Gewerbe und im Bereich der produktionsnahen Dienstleistungen in Form von Steuergutschriften genehmigt werden.

Daneben stellt die KfW-Förderbank folgende Programme zur Verfügung:

KfW – erneuerbare Energien – Standard
KfW – Kommunalkredit
BMU – Demonstrationsprogramm
KfW – kommunal investieren.

Die Fördergelder der KfW-Förderbank werden im Gegensatz zur Investitionszulage ausschließlich als Darlehen genehmigt und über die jeweilige Hausbank zur Verfügung gestellt.

Des Weiteren haben folgende Bundesländer eigene Solarfördergesetze erlassen:

Bayern – rationelle Energiegewinnung und -verwendung im Gewerbe – (Zuschuss)
Niedersachsen – Innovationsförderprogramm (Gewerbe) – (Darlehen / in Ausnahmen Zuschuss)
Nordrhein-Westfalen – progres.nrw „Rationelle Energieverwendung, Regenerative Energien und Energiesparen“ – (Zuschuss)
Rheinland-Pfalz – energieeffiziente Neubauten – (Zuschuss)
Saarland – Zukunftsenergieprogramm Technik (ZEP-Tech) 2007 (Demonstrations-/Pilotvorhaben) – (Zuschuss).

Weitere Fördermittel und Zuschüsse werden auch von zahlreichen Städten und Kommunen, lokalen Klimaschutzfonds sowie einigen privaten Anbietern angeboten.[102] Diese können teilweise mit anderen Förderprogrammen kombiniert werden.

Ein lokales Förderprogramm bietet die oberbayerische Stadt Burghausen mit 50 € je 100 Wp installierte Leistung bis max. 1.000 € pro Anlage und Wohngebäude.[103]

Steuerliche Behandlung

Bei einem Jahresumsatz bis 17.500 € gilt die Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG. Als Kleinunternehmer muss man keine Steuererklärung abgeben, darf dem Abnehmer aber auch keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen. Ein umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer (Kleinunternehmer können zur Steuerpflicht optieren) bekommt die Vorsteuer auf alle Investitionen erstattet, muss aber zusätzlich zur Einspeisevergütung dem Abnehmer die Umsatzsteuer in Rechnung stellen und an das Finanzamt abführen.

Für die Einkünfte aus der Photovoltaikanlage gilt § 15 EStG. Ein eventueller Verlust mindert die Steuerlast, wenn hierbei keine Liebhaberei vorliegt. Es wäre eine Liebhaberei, wenn sich anhand der auf die Betriebsdauer der Anlage gerichteten Berechnung von vornherein ergeben hat, dass der Betrieb der Anlage keinen Gewinn erwirtschaftet. Soweit einschlägige Renditeberechnungsprogramme einen Steuervorteil berücksichtigen, muss diese Problematik berücksichtigt werden.

Da es für die Gewerbesteuer einen Freibetrag von 24.500 € für natürliche Personen und Personengesellschaften gibt (§ 11 Abs. 1 Nr. 1 GewStG), fallen meist nur große Anlagen unter die Gewerbesteuer.

Dämpfender Effekt auf die Börsenstrompreise

PV eignet sich als Lieferant von Spitzenlaststrom, da sie zur „Kochspitze“ am Mittag die höchsten Erträge erzielt, und verdrängt teure Gas- und Steinkohlekraftwerke aus dem Markt. Solarenergie dämpft daher die Börsenpreise für Spitzenstrom („Merit-Order-Effekt“). Die Spitzenpreise für Strom sind in den letzten Jahren parallel zum Ausbau der Solarenergie im Vergleich zum Durchschnittspreis stark zurückgegangen. Im Sommer sind die früheren Tagesspitzen weitgehend verschwunden.[104] Dieser preissenkende Effekt kommt durch die fehlerhafte Konstruktion des EEG-Ausgleichsmechanismus jedoch nicht beim Privatkunden an, sondern verteuert paradoxerweise die Stromkosten von Privatkunden, während hingegen die Industrie von den gesunkenen Beschaffungskosten an der Strombörse profitiert.[105]

Der Strompreis an der Strombörse war bis zum Jahr 2008 kontinuierlich gestiegen und erreichte im Jahr 2008 das Maximum von 8,279 Cent/kWh. Durch das vermehrte Auftreten der erneuerbaren Energien ist der Strompreis unter Druck geraten.[106][107] Im ersten Halbjahr 2013 betrug der mittlere Strompreis an der Strombörse nur noch 3,75 Cent/kWh und für den Terminmarkt 2014 lag dieser im Juli 2013 bei 3,661 Cent/kWh.[108][109]

Österreich

Durch ein Bürger- bzw. Kundenbeteiligungsmodell hat der Versorger Wien Energie von Mai 2012 bis Ende 2015 Menschen zur Finanzierung von 23 PV-Anlagen im Ausmaß von in Summe 9,1 MWp (Stand: 10. Mai 2016)p bewegt. Das EVU zahlt den Investoren eine Miete.[110]

China

Hauptartikel: Solarenergie in China

Der Ausbau von Photovoltaik wird von der chinesischen Regierung stark vorangetrieben. Die chinesischen Nationalen Energieagentur hat ihre Ausbauziele zuletzt um 30 % erhöht und 2015 Deutschland als größten Installateur von Photovoltaik sowohl insgesamt (21,3 GW) als auch pro Kopf der Bevölkerung der neu installierten Leistung (16,3 W) überholt.[111]

Japan

Ein Jahr nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima hat die japanische Regierung ein Gesetz nach dem Vorbild des deutschen EEG beschlossen. Seit 1. Juli 2012 wird bei Photovoltaikanlagen mit einer Leistung ab zehn Kilowatt eine Einspeisevergütung von 42 Yen/kWh gezahlt (umgerechnet etwa 0,36 €/kWh).[112] Diese Vergütung wird 20 Jahre lang gezahlt. Kleinere Anlagen bis 10 kW werden nur zehn Jahre lang gefördert.

Rumänien

Der rumänische Staat vergibt aufgrund eines Gesetzes vom November 2011 grüne Zertifikate, gegenwärtig sechs Zertifikate je 1000 kWh bis zum 31. Dezember 2013. Eine Reduzierung der Zahl der Zertifikate war für das Jahr 2014 geplant. Der Wert der grünen Zertifikate wird an der Börse ausgehandelt und sinkt mit der Menge des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien. Im Februar 2012 belief sich der Preis für ein Zertifikat auf umgerechnet 55 €, so dass für 1 kWh 0,33 € gezahlt wurde. Allerdings kann der Preis auch auf rund die Hälfte sinken.[113]

Schweiz

In der Schweiz existieren faktisch drei Förderungsmodelle: Die kleine Einmalvergütung (KLEIV), die grosse Einmalvergütung (GREIV) und die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV). Solaranlagen mit einer Grösse von 10 bis 600 m² können nur die KLEIV beantragen, solche ab 600 m² können zwischen KLEIV, GREIV und KEV wählen.[114]

Die KLEIV und die GREIV sind einmalige Vergütungen, die maximal 30 % der Investitionskosten der Solaranlage decken und vom Bundesamt für Energie an den Solaranlagen-Besitzer ausbezahlt werden. GREIV ist für Solaranlagen mit einer Leistung zwischen 100 kWp und 50 MWp konzipiert. Nach erfolgter Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage dauert es ca. 2 Jahre bis zur Auszahlung der kleinen Einmalvergütung.[115]

Die Situation der Förderungen von Solaranlagen hat sich mit dem Inkrafttreten des neuen Energiegesetzes am 1. Januar 2018 verändert. Für die Inbetriebnahme von Photovoltaikanlagen ab dem 1. Januar 2018 ist die kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) nicht mehr verfügbar. Es werden nur noch Anmeldungen mit Anmeldedatum bis 30. Juni 2012 berücksichtigt.[116]

Die Koordination der Förderprogramme erfolgt durch Swissgrid.[117]

Sierra Leone

Im westafrikanischen Staat Sierra Leone soll bis Ende 2016 etwa ein Viertel des erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien, vor allem aus Solarenergie, stammen. In der Nähe der Hauptstadt Freetown soll mit 6 MW Leistung Westafrikas größter Solarpark entstehen.[118] In Koindu wird nachts das Stadtzentrum von einer solarbasierten Straßenbeleuchtung erhellt. Diese ist seit Juli 2013 in Betrieb. Außerdem werden Teile der Straße nach Yenga, einem Dorf an der Grenze zu Guinea und Liberia, ebenfalls von Photovoltaikbeleuchtungen erhellt.[119]

Literatur

Arno Bergmann: VDE Schriftenreihe 138; “Photovoltaikanlagen” Normgerecht errichten, betreiben, herstellen und konstruieren. VDE, Berlin / Offenbach 2011, ISBN 978-3-8007-3377-4. 
Adolf Goetzberger, Bernhard Voß, Joachim Knobloch: Sonnenenergie: Photovoltaik – Physik und Technologie der Solarzelle. 2. Auflage, Teubner, Stuttgart 1997, ISBN 3-519-13214-1.
Heinrich Häberlin: Photovoltaik – Strom aus Sonnenlicht für Verbundnetz und Inselanlagen. VDE, Berlin 2010, ISBN 978-3-8007-3205-0.
Ingo Bert Hagemann: Gebäudeintegrierte Photovoltaik: Architektonische Integration der Photovoltaik in die Gebäudehülle. Müller, Köln 2002, ISBN 3-481-01776-6 (Zugleich Dissertation an der RWTH Aachen 2002).
Ralf Haselhuhn: Leitfaden Photovoltaische Anlagen. 4. Auflage. Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie, Berlin 2010, ISBN 978-3-00-030330-2 (3. Auflage: mit Claudia Hemmerle)
Ralf Haselhuhn: Photovoltaik – Gebäude liefern Strom. 7., vollständig überarbeitete Auflage. Fraunhofer IRB Verlag, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-8167-8737-2 (Grundlagen Recht, Normen, Erträge, Qualität, Stand der Technik. Auch Lehrbuch).
Mertens, Konrad: Photovoltaik. 3. neu bearbeitete Auflage. Hanser Fachbuchverlag, 2015, ISBN 978-3-446-44232-0.
Martin Kaltschmitt, Wolfgang Streicher, Andreas Wiese (Hrsg.): Erneuerbare Energien. Systemtechnik, Wirtschaftlichkeit, Umweltaspekte. Springer Vieweg, Berlin / Heidelberg 2013, ISBN 978-3-642-03248-6.
Volker Quaschning: Regenerative Energiesysteme. 9. Auflage. Hanser, München 2015, ISBN 978-3-446-44267-2.
Volker Quaschning: Erneuerbare Energien und Klimaschutz. 4. Auflage. Hanser, München 2018, ISBN 978-3-446-45703-4.
Hans-Günther Wagemann, Heinz Eschrich: Photovoltaik – Solarstrahlung und Halbleitereigenschaften, Solarzellenkonzepte und Aufgaben. 2. Auflage. Teubner, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8348-0637-6.
Viktor Wesselak, Sebastian Voswinckel: Photovoltaik: Wie Sonne zu Strom wird. Springer Vieweg, Berlin / Heidelberg 2012, ISBN 978-3-642-24296-0.
* Viktor Wesselak, Thomas Schabbach, Thomas Link, Joachim Fischer: Handbuch Regenerative Energietechnik, 3. aktualisierte und erweiterte Auflage, Berlin/Heidelberg 2017, ISBN 978-3-662-53072-6.

Weblinks

 Wiktionary: Photovoltaik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Photovoltaik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Bundesverband Solarwirtschaft
Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland (PDF; 3,5 MB) Fraunhofer ISE, Stand November 2015.
Stromproduktion aus Solar- und Windenergie im Jahr 2013 Fraunhofer ISE, wöchentlich aktualisiert
Städte mit Solarkataster im Portal für energieeffizientes Bauen und Sanieren
Photovoltaic Geographical Informationssystem der EU (PVGIS) – Schätzung der tatsächlichen Leistung von Photovoltaik mit Hilfe der Watt peak-Angabe je nach Region
Photovoltaik auf den Seiten vom Forschungsverbund Erneuerbare Energien
Photovoltaik – Innovationen (BINE Informationsdienst)
Photovoltaic Geographical Information System (PVGIS) Datenbank zu Solarenergieressourcen und Bewertung der photovoltaischen Energieerzeugung für Europa, Afrika und Südwestasien (englisch).
Aktuelle Förderungen von Photovoltaik-Anlagen in Österreich
Photovoltaik erklärt auf YouTube, abgerufen am 7. Oktober 2018.

Einzelnachweise

↑ a b Weltweite Erzeugungskapazitäten: Nach Windkraft übertrifft auch Photovoltaik die Atomkraft. in: PV-Magazine. 12. Februar 2018 Abgerufen am 15. Februar 2018.

↑ a b c d e Felix Creutzig et al.: The underestimated potential of solar energy to mitigate climate change. In: Nature Energy. Band 2, 2017, doi:10.1038/nenergy.2017.140 (englisch). 

↑ a b c d Nancy M. Haegel et al.: Terawatt-scale photovoltaics: Trajectories and challenges. In: Science. Band 356, Nr. 6334, 2017, S. 141–143, doi:10.1126/science.aal1288. 

↑ a b Nicola Armaroli, Vincenzo Balzani: Solar Electricity and Solar Fuels: Status and Perspectives in the Context of the Energy Transition. In: Chemistry – A European Journal 22, Issue 1, (2016), 32–57, doi:10.1002/chem.201503580.

↑ a b c d e Christian Breyer et al: Profitable climate change mitigation: The case of greenhouse gas emission reduction benefits enabled by solar photovoltaic systems. In: Renewable and Sustainable Energy Reviews 49, (2015), 610–628, 611, doi:10.1016/j.rser.2015.04.061.

↑ a b c Fraunhofer ISE: Studie Stromgestehungskosten Erneuerbare Energien März 2018. Abgerufen am 27. März 2018.

↑ Asegun Henry, Ravi Prasher: The prospect of high temperature solid state energy conversion to reduce the cost of concentrated solar power. In: Energy and Environmental Science 7, (2014), 1819–1828, S. 1819, doi:10.1039/c4ee00288a.

↑ Can Sener, Vasilis Fthenakis: Energy policy and financing options to achieve solar energy grid penetration targets: Accounting for external costs. In: Renewable and Sustainable Energy Reviews 32, (2014), 854–868, S. 859, doi:10.1016/j.rser.2014.01.030.

↑ Vast Power of the Sun Is Tapped By Battery Using Sand Ingredient. In: The New York Times. The New York Times Company, 26. April 1954, ISSN 0362-4331, S. 1 (Vast Power of the Sun Is Tapped By Battery Using Sand Ingredient [PDF]). 

↑ a b c Vgl. Konrad Mertens: Photovoltaik. Lehrbuch zu Grundlagen, Technologie und Praxis, München 2015, S. 35–40.

↑ Vgl. Volker Quaschning: Erneuerbare Energien und Klimaschutz, München 2018, S. 130.

↑ H.-J. Lewerenz, H. Jungblut: Photovoltaik: Grundlagen und Anwendungen. Springer, Heidelberg 1995, ISBN 3-540-58539-7. , Seiten 5-12

↑ Reinhard Scholz: Grundlagen der Elektrotechnik: Eine Einführung in die Gleich- und Wechselstromtechnik. Carl Hanser Verlag, München 2018, ISBN 978-3-446-45631-0. , Seite 35

Energy Charts. Website von Fraunhofer ISE. Abgerufen am 5. Juli 2015.

↑ Viktor Wesselak, Thomas Schabbach, Thomas Link, Joachim Fischer, Regenerative Energietechnik, Berlin/Heidelberg 2013, S. 130

Dachneigung und Ausrichtung einer Photovoltaikanlage. PhotovoltaikZentrum – Michael Ziegler, abgerufen am 13. April 2016: „Die optimale Dachneigung für eine Photovoltaikanlage liegt in Deutschland zwischen 32 und 37 Grad. Der ideale Winkel ist abhängig vom geografischen Breitengrad, auf der die Anlage installiert werden soll. Im Norden Deutschlands sind höhere und im Süden aufgrund der geringeren Entfernung zum Äquator niedrigere Neigungen vorteilhaft.“ 

Berechnung von Sonnenhöhe und Azimut mit Tabellenkalkulation. Abgerufen am 13. April 2016. 

↑ Konrad Mertens: Photovoltaik. Lehrbuch zu Grundlagen, Technologie und Praxis. München 2015, S. 47.

↑ Frank Konrad: Planung von Photovoltaik-Anlagen. Grundlagen und Projektierung, Wiesbaden 2008, S. 34.

Photovoltaik Aufdach-Montage, abgerufen am 25. März 2013

Indachmontage der Photovoltaikanlage, abgerufen am 25. März 2013

Günstige Solar-Alternative. In: Süddeutsche Zeitung, 14. August 2014, abgerufen am 14. August 2014.

↑ Organische Photovoltaik am laufenden Meter, ise.fraunhofer.de, abgerufen am 7. Juni 2014

↑ Viktor Wesselak, Thomas Schabbach, Thomas Link, Joachim Fischer: Regenerative Energietechnik, Berlin/Heidelberg 2013, S. 116.

↑ Viktor Wesselak, Thomas Schabbach, Thomas Link, Joachim Fischer: Regenerative Energietechnik, Berlin/Heidelberg 2013, S. 118.

↑ Auke Hoekstra et al.: Creating Agent-Based Energy Transition Management Models That Can Uncover Profitable Pathways to Climate Change Mitigation. In: Complexity. 2017, doi:10.1155/2017/1967645. 

2016: Weltweiter Solar-Boom, Nachfrage in Europa lässt nach. (Nicht mehr online verfügbar.) 21. Juni 2016, archiviert vom Original am 4. Dezember 2016; abgerufen am 21. Januar 2016 (Zusammenfassung des Global Market Outlook for Solar Power 2016-2020).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ptext.de 

PV Market Alliance: 75 Gigawatt Photovoltaik-Leistung weltweit 2016 installiert. pv-magazine.de, 19. Januar 2016, abgerufen am 21. Januar 2017. 

IEA PVPS: Ohne China nur geringes weltweites Photovoltaik-Wachstum – pv magazine Deutschland. Abgerufen am 9. Juni 2018 (deutsch). 

↑ Photovoltaic barometer 2007 – EurObserv’ER Systèmes solaires – Le journal des énergies renouvelables nº 178, S. 52.

↑ Photovoltaic barometer 2008 – EurObserv’ER@1@2Vorlage:Toter Link/www.eurobserv-er.org (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. Systèmes solaires – Le journal des énergies renouvelables nº 184, S. 52.

↑ Photovoltaic barometer 2009 – EurObserv’ER (Memento des Originals vom 29. Dezember 2009 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.eurobserv-er.org (PDF; 2,6 MB) Systèmes solaires Le journal de photovoltaïque nº 1 – 2009, S. 76.

↑ Photovoltaic barometer 2010 – EurObserv’ER (PDF; 3,7 MB) Systèmes solaires Le journal de photovoltaïque nº 3 – 2010, S. 132.

↑ Photovoltaic barometer 2011 – EurObserv’ER (PDF; 2,5 MB) Systèmes solaires Le journal de photovoltaïque nº 5 – 2011, S. 148.

↑ Photovoltaic barometer 2012 – EurObserv’ER (PDF; 4,5 MB) Hors-Série Le journal de photovoltaïque nº 7 – 2012, S. 114.

↑ a b
Photovoltaic barometer 2012 – EurObserv’ER@1@2Vorlage:Toter Link/www.eurobserv-er.org (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
(PDF; 4,3 MB) Hors-Série Le journal de photovoltaïque nº 9 – 2013, S. 59.

↑ Photovoltaic barometer – EurObserv’ER – April 2014
(PDF; 2,9 MB)

↑ Photovoltaic barometer – EurObserv’ER – Mai 2015

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↑ Cader et al.: Global cost advantages of autonomous solar–battery–diesel systems compared to diesel-only systems. In: Energy for Sustainable Development 31 (2016) 14–23, doi:10.1016/j.esd.2015.12.007.

↑ Volker Quaschning: Erneuerbare Energien und Klimaschutz. 4. Auflage, München 2018, S. 135.

↑ Clara Good: Environmental impact assessments of hybrid photovoltaic–thermal (PV/T) systems – A review. In: Renewable and Sustainable Energy Reviews 55, (2016), 234–239, S. 234 f., doi:10.1016/j.rser.2015.10.156.

↑ Volker Quaschning: Erneuerbare Energien und Klimaschutz. 4. Auflage, München 2018, S. 134.

↑ Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland, Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE

↑ Viktor Wesselak, Thomas Schabbach, Thomas Link, Joachim Fischer: Regenerative Energietechnik, Berlin/Heidelberg 2013, S. 228f.

↑ Black multi-crystalline silicon solar cells (Memento des Originals vom 24. Juli 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wsi.tum.de, wsi.tum.de (PDF; 142 kB)

↑ a b Reich et al: Performance ratio revisited: is PR > 90% realistic? In: Progress in Photovoltaics 20, (2012), 717–726, doi:10.1002/pip.1219.

↑ Volker Quaschning: Regenerative Energiesysteme. Technologie – Berechnung – Simulation. 8. aktualisierte Auflage. München 2013, S. 248.

↑ Konrad Mertens: Photovoltaik. Lehrbuch zu Grundlagen, Technologie und Praxis, München 2015, S. 287.

↑ Michael Sterner, Ingo Stadler: Energiespeicher. Bedarf, Technologien, Integration, Berlin/Heidelberg 2014, S. 75.

Energy Charts. Fraunhofer ISE, abgerufen am 15. November 2016. 

EEX Transparency (deutsch). (Nicht mehr online verfügbar.) European Energy Exchange, archiviert vom Original am 15. November 2016; abgerufen am 15. November 2016 (Stundenaktuelle Informationen zur Einspeisung von Strom in Deutschland (Anteil von PV- und Windstrom und aus sonstigen „konventionellen“ Quellen)).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.eex-transparency.com 

↑ Statistische Zahlen der deutschen Solarstrombranche (Photovoltaik), Bundesverband Solarwirtschaft e.V., August 2011 (PDF; 127 kB)

↑ Michael Sterner, Ingo Stadler: Energiespeicher. Bedarf. Technologien. Integration. Berlin – Heidelberg 2014, S. 657.

↑ Vgl. Henning et al: Phasen der Transformation des Energiesystems. In: Energiewirtschaftliche Tagesfragen 65, Heft 1/2, (2015), S. 10–13.

↑ Stundenaktuelle Informationen zur Stromerzeugung in Frankreich (Memento des Originals vom 12. Februar 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rte-france.com; Stundenaktuelle Informationen zur Einspeisung von PV-Strom in Deutschland (Memento des Originals vom 27. Februar 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.transparency.eex.com (Extremwerte am 1.1. und 5.2.)

Ökonomische Wirkungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes Zusammenstellung der Kosten- und Nutzenwirkungen@1@2Vorlage:Toter Link/www.bmu.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Website des BMU, abgerufen am 17. Juli 2012 (PDF; 273 kB).

Erneuerbare Energien. Innovationen für eine nachhaltige Energiezukunft. (Memento des Originals vom 28. Februar 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.erneuerbare-energien.de Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) (Hrsg.) 7. Auflage. 2009, S. 26 (PDF; 4,2 MB), abgerufen am 12. März 2013.

↑ Christian Breyer et al: Profitable climate change mitigation: The case of greenhouse gas emission reduction benefits enabled by solar photovoltaic systems. In: Renewable and Sustainable Energy Reviews 49, (2015), 610–628, 623, doi:10.1016/j.rser.2015.04.061.

Photovoltaik-Preisindex. (Nicht mehr online verfügbar.) In: photovoltaik-guide.de. PhotovoltaikZentrum – Michael Ziegler, archiviert vom Original am 10. Juli 2017; abgerufen am 10. Mai 2015.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.photovoltaik-guide.de 

↑ a b Craig Morris: Die deutsche Solarblase? War es eine gute Idee, dass Deutschland so früh so stark in die Fotovoltaik investiert hat? In: Telepolis. Heise Zeitschriften Verlag GmbH & Co. KG, 7. Juli 2012, abgerufen am 26. September 2018. 

↑ Matthias Günther: Energieeffizienz durch Erneuerbare Energien. Möglichkeiten, Potenziale, Systeme. Wiesbaden 2015, S. 74.

Österreich: Preise von Solarstromanlagen gegenüber dem Vorjahr um 22 Prozent gesunken. In: photovoltaik-guide.de. PhotovoltaikZentrum – Michael Ziegler, 2. April 2013, abgerufen am 2. Juli 2014. 

↑ Paul Donohoo-Vallett et al.: Revolution Now… The Future Arrives for Five Clean Energy Technologies – 2016 Update. Energieministerium der Vereinigten Staaten. Abgerufen am 6. November 2016.

↑ Die Berechnung der Stromgestehungskosten LCOE (Levelized Cost of Electricity) erfolgt nach nachstehender Formel entsprechend der Veröffentlichung des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme. Die einzelnen Parameter haben folgende Bedeutung und Werte:
I: Investitionssumme in € je kWp
E: Ertrag im ersten Jahr in kWh je kWp
r: gewichteter durchschnittlicher Realzins: 2,8 % (4 % Fremdkapitalzins, 8 % Eigenkapitalrendite, 80 % Fremdkapitalanteil, 2 % angenommene Inflationsrate)
A: Betriebskosten zum Installationszeitpunkt: 35 €/kWp
v: jährliche Ertragsminderung: 0,2 %
T: Betriebsdauer: 25 Jahre

L
C
O
E
=

I
+

t
=
1

T

A

(
1
+
r

)

t

t
=
1

T

E

(
1

v

)

t

(
1
+
r

)

t

{displaystyle LCOE={frac {I+sum _{t=1}^{T}{frac {A}{(1+r)^{t}}}}{sum _{t=1}^{T}{frac {Ecdot (1-v)^{t}}{(1+r)^{t}}}}}}

↑ a b c J. Doyne Farmer, Francois Lafond: How predictable is technological progress?. In: Research Policy 45, (2016), 647–665, doi:10.1016/j.respol.2015.11.001.

↑ David Richard Walwyn, Alan Coli Brent: Renewable energy gathers steam in South Africa. In: Renewable and Sustainable Energy Reviews 41, (2015), 390–401, S. 391, doi:10.1016/j.rser.2014.08.049.

↑ Klaus-Dieter Maubach: Strom 4.0. Innovationen für die deutsche Stromwende. Wiesbaden, 2015, S. 47f.

↑ Christoph Kost, Johannes N. Mayer, Jessica Thomsen, Niklas Hartmann, Charlotte Senkpiel, Simon Phillips, Sebastian Nold, Simon Lude, Thomas Schlegl: Stromgestehungskosten Erneuerbarer Energien. (PDF; 5,2 MB) Fraunhofer Institut für solare Energiesysteme ISE, 13. November 2013, S. 2, abgerufen am 26. November 2013. 

↑ Umstieg auf erneuerbare Energien schneller möglich als geplant, DIW-Pressemitteilung

Chile Energy Auction Gives Bachelet a Success to Boast About. In: Bloomberg L.P., 18. August 2016. Abgerufen am 20. August 2016.

↑ THE POWER TO CHANGE: SOLAR AND WIND COST REDUCTION POTENTIAL TO 2025, PDF

Preisindex. pvXchange, abgerufen am 2. April 2017.  Für ältere Werte:PVX Spotmarkt Preisindex Solarmodule. In: SolarServer – Das Internetportal zur Sonnenenergie. Heindl Server GmbH, 16. Mai 2013, abgerufen am 26. Mai 2013.  Sofern nicht anders angegeben beziehen sich die Einträge auf die Preise im Januar. Bis einschließlich 2010 gelten die Werte in der Spalte „Deutschland“ für Europa.

↑ Mario Pagliaro, Francesco Meneguzzo, Federica Zabini, Rosaria Ciriminna, Assessment of the minimum value of photovoltaic electricity in Italy. Energy Science and Engineering 2 (2014), 94–105, S. 95.

↑ Sarah Kurtz et al.: A new era for solar. In: Nature Photonics. Band 11, 2017, S. 3–5, doi:10.1038/nphoton.2016.232. 

Sonnenergie wird in vielen Teilen der Welt günstigste Stromquelle. (Memento des Originals vom 25. März 2015 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.agora-energiewende.de Agora Energiewende, Februar 2015

Liebreich: A year of cracking ice: 10 predictions for 2014. In: Bloomberg New Energy Finance, 29. Januar 2014. Abgerufen am 24. April 2014.

↑ Volker Quaschning: Regenerative Energiesysteme. Technologie – Berechnung – Simulation. 9. aktualisierte Auflage. München 2015, S. 408.

Installierte Photovoltaikleistung in Deutschland, Volker Quaschning, abgerufen am 18. Februar 2017

↑ Roland Berger/Prognos: Wegweiser Solarwirtschaft. Roadmap 2020. Berlin 2010.

Barclays stuft Anleihen von US-Stromversorgern herunter; Konkurrenz durch Photovoltaik und Energiespeicher (Memento des Originals vom 15. Juli 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.solarserver.de. In: solarserver.de, 16. Juni 2014, abgerufen am 16. Juni 2014.

Solarstrom ist wettbewerbsfähig. photovoltaik.eu, 26. November 2014, S. 1, abgerufen am 26. November 2014 (Stand: November 2014). 

↑ Vasilis M. Fthenakis, Hyung Chul Kim, Erik Alsema: Emissions from Photovoltaic Life Cycles. In: Environmental Science & Technology. 42, (2008), S. 2168–2174, doi:10.1021/es071763q.

↑ http://www.lfu.bayern.de/luft/doc/pvbraende.pdf

↑ Wolfram Krewitt, Barbara Schlomann: Externe Kosten der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien im Vergleich zur Stromerzeugung aus fossilen Energieträgern (Memento des Originals vom 23. Juli 2006 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bmu.de (PDF; 441 kB). Gutachten im Rahmen von Beratungsleistungen für das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, 6. April 2006, S. 35.

↑ Jinqing Peng, Lin Lu, Hongxing Yang, Review on lifecycle assessment of energy payback and greenhouse gas emission of solar photovoltaic systems in: Renewable and Sustainable Energy Reviews 19, (2013), 255–274, S. 269, doi:10.1016/j.rser.2012.11.035.

↑ Francesco Asdrubali et al.: Life cycle assessment of electricity production from renewable energies: Review and results harmonization. In: Renewable and Sustainable Energy Reviews 42, (2015), 1113–1122, doi:10.1016/j.rser.2014.10.082.

CO2-Emissionen der Stromerzeugung – Ein ganzheitlicher Vergleich verschiedener Techniken. (PDF; 1,7 MB) Fachzeitschrift BWK Bd. 59 (2007) Nr. 10, abgerufen am 16. Mai 2012.

↑ Jinqing Peng, Lin Lu, Hongxing Yang: Review on lifecycle assessment of energy payback and greenhouse gas emission of solar photovoltaic systems, in: Renewable and Sustainable Energy Reviews, 19, (2013), 255–274, insb. S. 256 u. 269, doi:10.1016/j.rser.2012.11.035.

↑ Sander A. Mann et al: The energy payback time of advanced crystalline silicon PV modules in 2020: a prospective study. In: Progress in Photovoltaics 22, (2014), 1180–1194, doi:10.1002/pip.2363.

↑ a b Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland (PDF; 3,5 MB). Website von Fraunhofer ISE. Abgerufen am 13. Oktober 2012.

↑ Matthias Günther: Energieeffizienz durch Erneuerbare Energien. Möglichkeiten, Potenziale, Systeme. Wiesbaden 2015, S. 169.

↑ Volker Quaschning: Regenerative Energiesysteme. Technologie – Berechnung – Simulation. 8. aktualisierte Auflage. München 2013, S. 38f.

↑ Matthias Günther: Energieeffizienz durch Erneuerbare Energien. Möglichkeiten, Potenziale, Systeme. Wiesbaden 2015, S. 64f.

↑ Volker Quaschning: Regenerative Energiesysteme. Technologie – Berechnung – Simulation. 8. aktualisierte Auflage. München 2013, S. 48f.

↑ Dr. Harry Wirth: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland. In: Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, 18. März 2019, S. 48, abgerufen am 18. März 2019. 

↑ Solarmodule: Aus Alt mach Neu. Ingenieur.de. Abgerufen am 16. Februar 2015

↑ Aufarbeitung: Recycling von Photovoltaik-Modulen BINE Projekt-Info 02/2010, BINE Informationsdienst, FIZ Karlsruhe

↑ Wie geht es weiter beim Recycling von PV-Modulen? BINE Informationsdienst 12. September 2011, FIZ Karlsruhe – Büro Bonn

↑ EU-Parlament schreibt Recycling vor, abgerufen am 16. Februar 2015

↑ Übersicht aller aktuellen Photovoltaik-Förderprogramme, bereitgestellt von der gemeinnützigen co2online GmbH, abgerufen am 18. Juli 2014.

↑ Richtlinien zur Durchführung des Burghauser Förderprogramms zur Errichtung einer Photovoltaikanlage (Memento des Originals vom 1. Februar 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.burghausen.de (PDF; 14 kB)

↑ IZES: Analyse möglicher EEG-Umlage-erhöhender Faktoren und der Berechtigung von aktuellen Strompreiserhöhungen durch das EEG. Saarbrücken 2011, S. 13–20.

↑ Vgl. Volker Quaschning: Erneuerbare Energien und Klimaschutz, München 2013, S. 118.

Strom an der Börse billig wie seit Jahren nicht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Februar 2013. Abgerufen am 24. April 2014.

Liebreich: A year of cracking ice: 10 predictions for 2014. In: Bloomberg New Energy Finance, 29. Januar 2014. Abgerufen am 24. April 2014.

Fallende Börsen-Strompreise drücken EEG-Umlagekonto tiefer ins Minus. In: IWR Online Nachrichten, 9. Juli 2014. Abgerufen am 24. April 2014.

Erneuerbare senken Strompreise auch am Terminmarkt. In: PV magazine, 12. August 2013. Abgerufen am 24. April 2014.

↑ Energieerzeugung > BürgerInnen-Kraftwerke (Photovoltaik) > Standorte > Eckdaten. Wien Energie. Abgerufen 10. Mai 2016. – Siehe auch Tabelle bei Wien Energie.

China raises solar installation target for 2015, Reuters, 8. Oktober 2015

↑ Neue Einspeisevergütung stärkt Solarmarkt in Japan (Memento vom 15. April 2013 im Internet Archive), 13. Juli 2012

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↑ Förderungen für Solaranlagen – KLEIV unter 600 m² | Helion. In: Helion. (helion.ch [abgerufen am 3. August 2018]). 

↑ Förderungen für grosse Solaranlagen – GREIV und KEV ab 600 m² | Helion. In: Helion. (helion.ch [abgerufen am 3. August 2018]). 

↑ eenews: PV Update: Skandal im Photovoltaik-Bezirk? (ee-news.ch). Abgerufen am 3. August 2018 (englisch). 

↑ Vergütung für erneuerbare Energien, swissgrid

↑ Voice of Africa: „Solar lighting revolution underway in Sierra Leone“ (englisch), abgerufen am 12. November 2014

God Bless the Kissi People (Memento des Originals vom 12. November 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/news.sl, Awareness Times Newspaper: Sierra Leone News vom 24. Juli 2013, abgerufen am 12. November 2014 (englisch)

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4121476-6 (OGND, AKS)

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Unter Anlageberatung versteht man im Bankwesen eine Beratung, die den Bankkunden über die Risiken und Chancen der verschiedenen Finanzprodukte aufklären soll und dabei die persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Kunden berücksichtigt.

Inhaltsverzeichnis

1 Allgemeines
2 Rechtsfragen
3 Abgrenzungen
4 Deutschland

4.1 Beratungsvertrag
4.2 Beratungshaftung

5 International
6 Siehe auch
7 Weblinks
8 Einzelnachweise

Allgemeines

Anlageberatung ist ein Rechtsbegriff, mit dem im Bankwesen ausschließlich die Beratung über Geldanlagen verbunden ist und sie sich deshalb auf das Passivgeschäft und Depotgeschäft der Kreditinstitute beschränkt. In der Fachliteratur finden sich zahlreiche, als Synonym für die Anlageberatung verwendete Begriffe wie Finanzberatung oder Vermögensberatung,[1] wobei die Finanzberatung häufig auch als Oberbegriff für alle Beratungsleistungen vorkommt.[2] Die Anlageberatung ist bei Kreditinstituten oder sonstigen Finanzdienstleistern meist eine kostenlose Dienstleistung, die durch den Verkauf von Bankprodukten quersubventioniert wird.[3]

Anleger haben unterschiedliche Kenntnisse über Eigenschaften und Risikogehalt ihrer Geld- und Kapitalanlagen und können oft bei der Vielzahl der Finanzprodukte nicht ohne Hilfe der Kreditinstitute entscheiden, welche Anlageform die richtige ist. Diese Entscheidung soll mit Hilfe einer Anlageberatung herbeigeführt werden. Die Beratung durch Kreditinstitute hat nach der Rechtsprechung des BGH „anlegergerecht“ und „objektgerecht“ zu erfolgen.[4] Danach haben sie im Rahmen der „anlegergerechten“ Beratung den Wissensstand des Kunden über Anlagegeschäfte der vorgesehenen Art und dessen Risikobereitschaft zu erforschen; das von Banken danach empfohlene Anlageobjekt muss diesen Kriterien Rechnung tragen („objektgerechte“ Beratung). Die „anlegergerechte“ Beratung entspricht einer langen Rechtsprechungstradition des BGH. Er verlangte bereits im November 1961, dass sich Banken daran auszurichten haben, ob das beabsichtigte Anlagegeschäft der sicheren Geldanlage dienen soll oder spekulativen Charakter hat (siehe Risikoklasse). Die empfohlene Anlage muss unter Berücksichtigung dieses Ziels auf die persönlichen Verhältnisse des Kunden zugeschnitten, also „anlegergerecht“ sein.[5] Diese Pflichten zur richtigen und vollständigen Anlageberatung ergeben sich aus dem geschlossenen Beratungsvertrag.

Rechtsfragen

Anlageberatung wird bankaufsichtsrechtlich und zivilrechtlich unterschiedlich definiert. Bankaufsichtsrechtlich ist Anlageberatung die ausdrückliche oder konkludente Empfehlung von bestimmten Finanzinstrumenten an Anlageinteressenten auf der Grundlage fachkundiger Bewertung und der Abgabe einer konkreten Anlageempfehlung mit dem Ziel, dem Anleger eine passende Anlageentscheidung zu ermöglichen.[6] Anlageberatung ist die Abgabe von persönlichen Empfehlungen an Kunden, die sich auf Geschäfte mit bestimmten Finanzinstrumenten beziehen.[7] Daraus leitet § 2 Abs. 8 Nr. 10 WpHG eine Legaldefinition ab, wonach Anlageberatung die Abgabe von persönlichen Empfehlungen an Kunden darstellt, die sich auf Geschäfte mit bestimmten Finanzinstrumenten beziehen, sofern die Empfehlung auf eine Prüfung der persönlichen Umstände des Anlegers gestützt wird. Anlageberatung ist seit November 2007 eine eigenständige Wertpapierdienstleistung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes. Eine Pflicht zur Anlageberatung ergibt sich hieraus jedoch nicht, sie entsteht erst aus einem Beratungsvertrag. Zivilrechtlich ist darüber hinaus der Kunde auch über die allgemeinen und speziellen Chancen und Risiken einer Geldanlage aufzuklären.

Abgrenzungen

Je nach Inhalt und Verbindlichkeit unterscheidet man zwischen Auskunft, Aufklärung und Beratung. Auskunft ist die erbetene Mitteilung von Tatsachen.[8] Aufklärung ist die Mitteilung von Tatsachen, die für jemand notwendig sind, um einen Sachverhalt beurteilen zu können.[9] Beratung ist Aufklärung zuzüglich fachkundiger Bewertung und Beurteilung einer Anlageform und die Abgabe einer Empfehlung.[10]

Die Anlageberatung ist auf das Passivgeschäft und das Depotgeschäft der Kreditinstitute begrenzt, während die Finanzberatung darüber hinaus auch Kreditgeschäfte, Finanzmanagement, Schuldnerberatung, Finanzplanung und die Beseitigung von Finanzrisiken umfasst.[11] Während die Finanzberatung – bis auf den Teilbereich der Anlageberatung – meist nicht erlaubnispflichtig ist, ist die Anlageberatung ein durch die BaFin erlaubnispflichtiges Bankgeschäft. Bei Anlage- und Finanzberatung trifft der Kunde die Entscheidung, bei Vermögensverwaltung wird die Entscheidung vom Vermögensverwalter selbst getroffen. Unterschieden wird zudem zwischen Anlagevermittlung und Anlageberatung. Die Funktion eines Anlagevermittlers besteht darin, den Anleger und ein bestimmtes Finanzprodukt zusammenzubringen; eine Beratung ist damit nicht verbunden.

Deutschland

Gemäß § 1 Abs. 1a Nr. 1a KWG ist die „Abgabe von persönlichen Empfehlungen an Kunden oder deren Vertreter, die sich auf Geschäfte mit bestimmten Finanzinstrumenten beziehen, sofern die Empfehlung auf eine Prüfung der persönlichen Umstände des Anlegers gestützt oder als für ihn geeignet dargestellt wird und nicht ausschließlich über Informationsverbreitungskanäle oder für die Öffentlichkeit bekannt gegeben wird“ nur mit Erlaubnis der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) nach § 32 KWG möglich. Derart regulierte Finanzdienstleister dürfen im Rahmen der Anlageberatung sämtliche Finanzinstrumente im Sinne des § 1 Abs. 11 KWG empfehlen und vermitteln. Die BaFin führt auf ihrer Webseite ein Melde- und Beschwerderegister aller Anlageberater.[12] Ein Anlageberater kann allerdings von der in § 2 Abs. 6 Nr. 8 KWG geregelten Ausnahme Gebrauch machen, wonach die Anlageberatung auch auf Basis einer Erlaubnis nach § 34f der Gewerbeordnung erbracht werden darf, sofern sie sich auf offene Investmentfonds und geschlossene Investmentvermögen beschränkt. Der Gesetzgeber spricht dann von einem „Finanzanlagenvermittler“, die Aufsicht wird nicht mehr von der BaFin geleistet, sondern vom örtlichen Ordnungsamt. Ein Finanzanlagenvermittler muss sich im öffentlichen Vermittlerregister der Industrie- und Handelskammer (IHK) eintragen lassen.[13] Ein Beschwerderegister für Finanzanlagenvermittler existiert nicht.

Zur Anlageberatung dürfen nur sachkundige und zuverlässige Personen eingesetzt werden. Die Sachkunde kann gegenüber der BaFin durch unternehmensinterne und externe Aus- und Weiterbildungen belegt werden, solange sie den Ansprüchen der Wertpapierhandelsgesetz-Mitarbeiteranzeigeverordnung (WpHG-MaAnzV) genügen. Ein Finanzanlagenvermittler muss die notwendige Sachkunde durch Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer oder durch eine geeignete Fachausbildung (zum Beispiel Bankfachwirt) oder ein Hochschulstudium (zum Beispiel Betriebswirtschaftslehre mit Fachrichtung Bank, Versicherungen oder Finanzdienstleistungen) nachweisen.

Die Gesetzreform 2013 hat einige Veränderungen[14] mit gebracht. Bis zum 22. Juli 2013 war das Vermögensanlagengesetz (VermAnlG) wesentlich für die Anlageberatung durch Banken, Versicherungen und unabhängige Makler. Diese wurde durch das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) ersetzt. Von der Vorgängerreform wurden viele Regelungen übernommen und ergänzt. Ziel der Gesetzreform war die Stärkung des Kleinanlegerschutzes durch Neuordnung, Risikoklassifizierung und Beaufsichtigung der Anbieter von Kapitalanlagen.[15]

Beratungsvertrag

Hauptartikel: Beratungsvertrag

Der Beratungsvertrag ist ein formfreier Bankvertrag, der regelmäßig durch Aufnahme eines Beratungsgesprächs zustande kommt.[16] Die Beratung umfasst sowohl eine Eigenbewertung der Anlageform als auch – im Hinblick auf die persönlichen Verhältnisse des Anlegers – eine Empfehlung, die in eine Kauf-, Verkauf- oder Halteempfehlung mündet. Auch das Halten ist Anlageberatung, weil dem Kunden von einem Verkauf abgeraten wird.[17]

Beratungshaftung

Hauptartikel: Beratungshaftung

Die Anlageberatung bezweckt in erster Linie den Schutz des Anlegers/Kunden/Verbrauchers. Dieser Schutz wird durch die Verpflichtung zu Aufklärung, Beratung, Empfehlung und gegebenenfalls Warnung gewährleistet.[18] Die Bestimmungen des WpHG sind im Falle ihrer Verletzung durch den Berater keine eigenständige Anspruchsgrundlage des Kunden gegen die Bank. Den Vorschriften des öffentlich-rechtlichen Aufsichtsrechts (§§ 63 ff. WpHG) kommt deshalb keine eigenständige, über die zivilrechtlichen Aufklärungs- und Beratungspflichten hinausgehende schadensersatzrechtliche Bedeutung zu.[19] Sie konkretisieren allerdings Leistungs- und Rücksichtspflichten nach § 241 Abs. 1 und 2 BGB. Die Auskunfts- oder Beratungspflicht wird zur vertraglichen Hauptpflicht beim Auftrag (§ 662 BGB) oder Geschäftsbesorgungsvertrag (§ 675 Abs. 1 BGB). Nach § 675 Abs. 2 BGB verpflichtet ein falscher Rat nur dann zum Schadensersatz, wenn er eine vertragliche oder vorvertragliche Pflicht verletzt oder eine unerlaubte Handlung darstellt. Wird die Beratungspflicht verletzt, erwächst dem Kunden ein Schadensersatzanspruch aus § 280 Abs. 1 Satz 1 BGB wegen Pflichtverletzung. Danach ist der Geschädigte so zu stellen, als ob er eine richtige Auskunft erhalten hätte.[20] Kann die Bank die Risiken nicht abschließend beurteilen, darf sie nicht so tun als ob sie Bescheid wisse, sondern muss auf die fehlende Sachkenntnis hinweisen.[21]

International

In Österreich kann die Anlageberatung nach § 3 Abs. 1 Wertpapieraufsichtsgesetz (WAG 2007) von verschiedenen, am Kapitalmarkt tätigen Dienstleistern erbracht werden, auch Kreditinstitute dürfen nach § 1 Abs. 3 Bankwesengesetz (BWG) Anlageberatung im Hinblick auf Finanzinstrumente gegenüber ihren Kunden erbringen. In § 4 WAG ist festgelegt, dass die Geschäftstätigkeit von Wertpapierdienstleistungsunternehmen auf die Anlageberatung in Bezug auf Finanzinstrumente (§ 3 Abs. 2 Ziffer 1 WAG) und die Annahme und Übermittlung von Aufträgen mit Finanzinstrumenten (§ 3 Abs. 2 Ziffer 3 WAG) beschränkt ist. In der Schweiz, die nicht die EU-Richtlinie MiFID umzusetzen hat, benötigen unabhängige Vermögensverwalter und Anlageberater keine Erlaubnis der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA.[22]

Nach deutschem,[23] Schweizer[24] und US-Recht gibt es keine fortdauernden Überwachungs- und Beratungspflichten hinsichtlich der vom Kunden erworbenen Wertpapiere, insbesondere nicht bei Ratingänderungen.[25]

Siehe auch

Allfinanz

Weblinks

Gemeinsames Informationsblatt der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht und der Deutschen Bundesbank zum neuen Tatbestand der Anlageberatung (PDF; 211 kB). Juli 2014.
Andreas Hackethal, Roman Inderst u. a.: Messung des Kundennutzens der Anlageberatung – Wissenschaftliche Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) (PDF; 2,9 MB). 15. Dezember 2011.
Beratungs- und Finanzierungsmodelle in der Anlageberatung (Schweiz) (PDF-Datei; 476 kB)

Einzelnachweise

↑ Katrin Severidt, Beratungshonorare in Banken, 1997, S. 5

↑ Jörg Lange, Finanzberatung für private Haushalte, 1995, S. 34

↑ Bernd Hochberger, Financial Planning, 2003, S. 180

↑ BGH, Urteil vom 6. Juli 1993, Az. XI ZR 12/93 = BGHZ 123, 126: „Bond-Urteil“

↑ BGH, Urteil vom 25. November 1961, Az: IVa ZR 286/80 = NJW 1982, 1095, 1096

↑ Robert Eberius, Regulierung der Anlageberatung und behavioral finance, 2013, S. 5

↑ Art. 4 Abs. 1 Nr. 4 Richtlinie 2004/39/EG

↑ Siegfried Kümpel, Bank- und Kapitalmarktrecht, 2004, Rn. 16.534

↑ Markus Lenenbach, Kapitalmarkt- und Börsenrecht, 2002, Rn. 8.10

↑ Sebastian Capek, Der Anlegerschutz in Deutschland, 2010, S. 27

↑ Gerhard Lippe/Jörn Esemann/Thomas Tänzer (Hrsg.), Qualifizierte Finanzberatung in Banken und Sparkassen, 2004, S. 60 ff.

↑ Mitarbeiter- und Beschwerderegister der BaFin

↑ Finanzanlagen-Vermittlerregister der IHK (Memento des Originals vom 3. Juni 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vermittlerregister.info

↑ Text und Änderungen des AIFM-Umsetzungsgesetz – AIFM-UmsG vom 4. Juli 2013

Anlageberatung in Deutschland nach der Gesetzreform 2013. Abgerufen am 11. September 2017. 

↑ Marc-Philippe Weller, Die Dogmatik des Anlageberatungsvertrags, in: ZBB 3/11, 2011, S. 193

↑ Lukas Feiler (Hrsg.), Innovation und internationale Rechtspraxis, 2009, S. 800

↑ Peter Derleder (Hrsg.), Handbuch zum deutschen und europäischen Bankrecht, 2009, S. 1410

↑ BGH, Urteil vom 19. Dezember 2006, Rn. 18 mwN

↑ BGH NJW 2007, 1874

↑ BGH NJW 1998, 2675

↑ Lukas Feiler, Innovation und internationale Rechtspraxis, 2009, S. 774 f. FN 14

↑ BGH WM 2006, 851, 852

↑ Bundesgericht, Urteil vom 3. Februar 2012, Az: 4A 525/2011

↑ Ulrich G. Schroeter, Ratings, 2014, S. 442

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Dieser Artikel behandelt die juristischen und statistischen Aspekte des Luftverkehrs. Für die übrigen Aspekte siehe Artikel Luftfahrt.

Karte weltweiter Flugrouten im Passagierluftverkehr (2009)

Luftverkehr ist der Verkehr mit Hilfe von Luftfahrzeugen, insbesondere Flugzeugen.

Zu unterscheiden ist zunächst zwischen dem zivilen und dem militärischen Luftverkehr. Der zivile Luftverkehr lässt sich darüber hinaus einerseits in gewerbliche und private Flüge und andererseits durch die Einordnung als Linien-/Charterverkehr oder Verkehr der Allgemeinen Luftfahrt (general aviation) unterscheiden.

Zunächst mit der Einführung der Strahltriebwerke, dann vor allem im Zuge der Liberalisierung des Luftverkehrs ist der Luftverkehr stark angestiegen und bildet heute einen wichtigen Teil der modernen Verkehrsinfrastruktur. In den letzten Jahren wuchs der Luftverkehr um jährlich 5 %.[1]

Die bodengestützte Abwicklung des Luftverkehrs geschieht typischerweise über Flughäfen (oder Verkehrslandeplätze) als Abflug- bzw. Ankunftsorte. Darüber hinaus setzt ein Luftverkehr in größerem Ausmaß eine personal- und kostenintensive Infrastruktur, insbesondere Einrichtungen der Flugsicherung, voraus. Hierzu ist der Luftraum strukturiert. Hubschrauber und spezielle Militärflugzeuge ermöglichen es, Transportleistungen auch von Straßen, Plätzen oder Schiffen aus sicher zu erbringen.

Die Kontrollierung und Überwachung des Luftverkehrs wird als Flugverkehrskontrolle bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

1 Rechtliche Grundlagen
2 Vereinigungen
3 Vorteile

3.1 Differenzierung nach zu überbrückender Distanz
3.2 Luftverkehr als Treiber der globalen Vernetzung
3.3 Sonstige Vorteile

4 Nachteile

4.1 Eng begrenzte Nutzlastkapazität
4.2 Umweltbeeinträchtigungen

5 Zahlen und Fakten für Europa
6 Zahlen und Fakten für Deutschland

6.1 Flüge nach Instrumentenflugregeln (IFR)
6.2 Flüge unter Sichtflug-Bedingungen (VFR)
6.3 Starts und Landungen
6.4 Ziele
6.5 Reiseverkehr von deutschen Flughäfen – einsteigende Passagiere

7 Zahlen und Fakten für die Schweiz
8 Siehe auch
9 Literatur
10 Weblinks
11 Einzelnachweise und Erläuterungen

Rechtliche Grundlagen

Grundlage des internationalen Luftverkehrs sind die sogenannten Freiheiten der Luft, die von der ICAO ausgearbeitet worden sind. Im Verkehr zwischen den Staaten müssen wegen der international allgemein anerkannten Lufthoheit der Nationalstaaten Verkehrsrechte ausdrücklich eingeräumt werden, was weltweit in etwa 4.000 bilateralen Luftverkehrsabkommen geschieht. Das Chicagoer Abkommen und die Transitvereinbarung (beide von 1944) gewähren lediglich Grund-Freiheiten. Innerhalb der EU ist durch eine Open-Sky-Politik mit drei sogenannten Liberalisierungspaketen das System von Luftverkehrsabkommen zwischen den Mitgliedstaaten seit 1993 zugunsten eines einheitlichen Luftverkehrsmarktes beseitigt worden.

Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Innerhalb Deutschlands ist der Luftverkehr bzw. die Benutzung des Luftraumes durch Luftfahrzeuge frei, soweit er nicht durch Gesetze oder andere (nationale, europäische oder internationale) Vorschriften ausdrücklich beschränkt ist (§ 1 Abs. 1 Luftverkehrsgesetz (LuftVG)). Freilich bestehen Einschränkungen in vielfältiger Hinsicht, vor allem auch infolge intensiver Einflüsse des europäischen Rechts. Die gewerbsmäßige Beförderung von Personen und/oder Sachen in Luftfahrzeugen fällt inzwischen in Deutschland wesentlich unter europäisches Recht, zum Beispiel die VO (EWG) Nr. 2407/92,[2] ist aber auch weiterhin durch verschiedene deutsche Vorschriften wie das LuftVG, die LuftVZO, LuftBO und JAR-OPS 1/3 deutsch geregelt. Grundsätzlich gilt, dass die gewerbsmäßige Beförderung von Personen und/oder Sachen der Genehmigungspflicht unterliegt.

Weitere gesetzliche Normierungen, welche unter anderem die Benutzung des Luftraums regeln, finden sich im Luftverkehrsgesetz. Die Benutzung von Flughäfen ist danach durch Genehmigungen und andere Zulassungsentscheidungen beschränkt. Auf sogenannten koordinierten Flughäfen der EU müssen Luftfahrzeugführer überdies eine besondere Erlaubnis für das Starten und Landen, eine sogenannte Zeitnische oder Slot, besitzen. Zeitnischen werden auf den halbjährlichen Flugplankonferenzen der IATA zugeteilt, wo der Luftverkehr weltweit abgestimmt wird. Die Luftraumnutzung im Übrigen wird durch die Flugsicherung gesteuert. Im internationalen Personen- und Güterbeförderungsverkehr war ab 1929 das Warschauer Abkommen über die Beförderung im internationalen Luftverkehr mit seinen Folgevereinbarungen zu beachten, sein Nachfolger ist das 1999 beschlossene Montrealer Übereinkommen.

Der gewerbliche Luftverkehr ist von Mineralölsteuer, Ökosteuer und Umsatzsteuer befreit. Für den nicht-EU-Verkehr entspricht dies internationalen Abkommen. Die Einführung der Kerosinsteuer im inländischen Flugverkehr ist seit Januar 2004 laut Energiesteuerrichtlinie EU-rechtlich möglich.[3]

Vereinigungen

Logo der IATA

Die meisten der großen Fluggesellschaften sind der IATA angeschlossen, die ca. 250 von weltweit mehreren Tausend Fluggesellschaften umfasst. Die deutschen Fluggesellschaften sind zudem im Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) zusammengeschlossen.

Internationaler Dachverband der Allgemeinen Luftfahrt ist die IAOPA mit weltweit mehr als 60 Ländervertretungen (z. B. AOPA-Germany) und etwa 470.000 Mitgliedern.[4] Für den sportlichen Teil der Allgemeinen Luftfahrt fungiert darüber hinaus der Weltluftsportverband FAI als Dachverband für fast 100 nationale Verbände.[5]

Vorteile

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Differenzierung nach zu überbrückender Distanz

Bei Distanzen von weniger als 400 km steht der Passagierluftverkehr im Wettbewerb mit Schiene und Straße, da sich Flugpassagiere in der Regel mindestens 30 Minuten vor Abflug an den oft weit vom Stadtzentrum entfernt liegenden Flughäfen einfinden müssen, so dass die oft mehr als eine Stunde betragende Vorlaufzeit bis zum Abflug den Zeitvorteil der höheren Geschwindigkeit eines Flugzeugs meist aufhebt. Dennoch bevorzugen viele Reisende schon in diesem unteren Distanzbereich das Flugzeug, weil es ihnen subjektiv schneller erscheint, als stundenlanges Sitzen in einem Bus, Auto oder Zug. Luftfrachtverkehr beschränkt sich in diesem Distanzbereich eher auf eilige Kurierdienste. Ab etwa 400–800 km Distanz ist der Luftverkehr insgesamt den anderen Verkehrsmodi in der Geschwindigkeit überlegen. Im interkontinentalen Verkehr ist der Luftverkehr nicht durch vergleichbar schnelle Verkehrsmittel zu ersetzen und ist hinsichtlich des Energieverbrauchs effizienter.

Luftverkehr als Treiber der globalen Vernetzung

Der Luftverkehr erweitert die Möglichkeiten des internationalen Handels und ist damit wichtiger Exportmotor. Dies trägt über den Luftfahrt- und Touristikbereich hinaus zur Sicherung, teils zur Schaffung von Arbeitsplätzen bei. Die zunehmende Globalisierung erfordert nach wie vor weltweite Mobilität und Präsenz von Geschäftsleuten bei der Erschließung neuer Märkte. Videokonferenzen können den unmittelbaren Geschäftskontakt vor Ort nur unzureichend ersetzen. Der Luftfrachtverkehr ermöglicht weltweiten Handel mit eilbedürftigen bzw. leicht verderblichen Stückgütern sowie empfindlichen Wertgütern. Im Letzteren Fall steht die Unabhängigkeit von Natureinwirkungen auf Landwege und die Minimierung von Erschütterungen während Umschlag und Transport im Vordergrund.

Aus ökonomischer Perspektive stellt die Verbreitung des Flugverkehrs historisch eine sprunghafte Verringerung der Transportkosten zwischen weit entfernten Orten auf der Welt dar (Transportkosten sind hier als Vollkosten zu verstehen, also mit Berücksichtigung v. a. der Reisezeit als Kostenfaktor). In diesem Sinne ist er nicht nur „Exportmotor“, sondern erhöht auch maßgeblich die Mobilität wesentlicher Produktionsfaktoren (Arbeit, Wissen und Kapital – wobei Letzteres heute mehrheitlich in Form von Maschinen und anderen Produktionsmitteln zu verstehen ist). Damit ist der Flugverkehr, wie vor ihm der Eisenbahn- und nach ihm der digitale Datenverkehr, ein weiterer Sprung in der globalen Produktivität.

Wie der Flugverkehr die Wichtigkeit der vorher bereits bestehenden Transportarten in vielen Marktsegmenten stark verringert hat, so wird die Relevanz des Flugverkehrs durch die Verbreitung der digitalen Informationsübermittlung wiederum reduziert. Dies gilt insbesondere für das Marktsegment der Geschäftsreisenden. Dies kann als „schöpferische Zerstörung“ (siehe dazu Schumpeter) verstanden werden.

Sonstige Vorteile

weltweites preiswertes Reisen auch für den „Durchschnittsbürger“
Weite Strecke in geringer Zeit zurücklegbar
Ferntourismus als mögliche Einnahmequelle für arme Länder
rasche Katastrophenschutz-Hilfe durch Nutzung von zivilen Charterflugzeugen und militärischen Transportflügen.

Nachteile

Eng begrenzte Nutzlastkapazität

Der Hauptnachteil von Luftverkehr ist, dass auch große Luftfahrzeuge auf Grund der relativ geringen Nutzlastkapazität im Vergleich zu Bahn oder Schiff nur geringe Gütermengen transportieren können, beziehungsweise dass die Kosten pro transportierter Gewichtseinheit relativ zu anderen Transportmethoden sehr hoch sind. Als Konsequenz zeigt sich, dass mehrheitlich Güter per Flugzeug transportiert werden, bei denen die Transportkosten im Vergleich zu ihren anderen Eigenschaften unwesentlich sind (das heißt, sie sind leicht und teuer oder sie müssen sehr rasch am Ziel sein).

Umweltbeeinträchtigungen

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Hauptartikel: Umweltauswirkungen des Luftverkehrs

Die Umweltbeeinträchtigungen durch Luftverkehr sind gut bekannt, werden jedoch unterschiedlich bewertet. Lokal spielt Fluglärm an Flugplätzen die herrschende Rolle, überregional in erster Linie die Klimawirkungen.

Zur Begründung der Umweltschädlichkeit werden die geringe Nutzlastkapazität und der hohe Kerosinverbrauch der Verkehrsluftfahrt angeführt. Zum Beispiel umfassen die 420 Tonnen Startgewicht einer Boeing 747 180 Tonnen Kerosinzuladung. Allein während der Start- und Aufstiegsphase verbrennt dieser Flugzeugtyp in etwa 20 Minuten rund 5 Tonnen Kerosin. Im konstanten Reiseflug beträgt der Verbrauch rund 10 Tonnen pro Stunde.[6] Dabei werden 30 Tonnen CO2 pro Flugstunde emittiert.[7] Außerdem erzeugen Flugzeuge Wasserdampf sowie – bedingt durch die hohen Verbrennungstemperaturen in den Triebwerken – auch Stickoxide und Ozon. Wasserdampf gilt als Ursache für Zirren (Eiswolken) in hohen Luftschichten. Aus Kondensstreifen können sich sog. „Contrail Cirren“ (großflächige, sehr dünne Zirren) entwickeln.

Die Betrachtung von Absolutwerten im Vergleich zu anderen Verkehrsträger ist jedoch nicht aussagekräftig, vielmehr kommt es auf die tatsächlichen spezifischen Verbräuche an, also umgerechnet auf Personen- oder Tonnenkilometer. Dabei spielt die Auslastung der Verkehrsmittel, bei Flugzeugen auch die Flugstrecke eine große Rolle. So verbrauchte der Lufthansa-Konzern 2010 bei 82 % Auslastung durchschnittlich 4,2 l pro 100 Personenkilometer, auf Flügen unter 800 km waren es durchschnittlich 7,5 l je 100 Personenkilometer.[8] Trotz der vergleichsweise hohen Auslastung ist der Verbrauch je Personenkilometer im Flugverkehr damit auf Strecken bis 800 km deutlich höher als im motorisierten Individualverkehr (MIV), der in Deutschland ganz überwiegend durch Pkw erfolgt. So wurden 2008 in Deutschland durch den MIV bei nur knapp 1,5 Insassen je Fahrzeug, also nur rund 30 Prozent Auslastung, 924 Mrd. Personenkilometer erbracht und im Gegenzug 44 Mrd. Liter Kraftstoff verbraucht, womit sich 4,8 l je 100 Personenkilometer ergeben.[9]
Beim Vergleich mit anderen Verkehrsträgern darf außerdem nicht unterschlagen werden, dass von Flugzeugen derzeit weltweit nur etwa 5 bis 6 % der jährlichen Welterdölproduktion verbraucht werden, was etwa 200 Mio. Tonnen Kerosin pro Jahr entspricht. Demgegenüber werden innerhalb der EG über 70 % des Mineralöls im bodengebundenen Verkehr verbraucht.[10] Eine besondere klimaschädigende Wirkung der Triebwerks-Emissionen besteht durch den Kohlenstoffdioxid-Ausstoß und die Erzeugung von Wasserdampf in empfindlichen Luftschichten wie der Stratosphäre.[11] Laut einem Bericht des Verkehrsclub Deutschland ist „keine Form der Mobilität […] klimaschädlicher als das Fliegen.“ Dort geht man davon aus, dass der Luftverkehr mit mindestens vier Prozent zum Klimawandel beiträgt, die aktuelle Klimaforschung halte sogar einen Anteil von neun Prozent für möglich.[12] Nach einer Studie, die vom deutschen Bundesministerium für Verkehr in Auftrag gegeben wurde, beträgt der Anteil des Luftverkehrs im Prognosejahr 2025 trotz der angenommenen Steigerungen nur 5 % der CO2-Emissionen des Straßenverkehrs.[13]

In einer auf Modellrechnungen beruhenden Studie aus dem Jahr 2010 werden die durch die Emissionen von Flugzeugen im Reiseflug bedingten vorzeitigen Tode von Menschen auf weltweit etwa 8000 pro Jahr geschätzt. Der Anteil an der Gesamtheit der durch Luftverunreinigungen frühzeitig eintretenden Tode liegt danach bei etwa 1 %. Im Mittel verlieren die Opfer 7,5 Lebensjahre durch Feinstaub und Stickoxide.[14]

Ein belastbarer Vergleich der Umweltschädlichkeit der verschiedenen Verkehrsträger setzt eine Bewertung sämtlicher Vor- und Nachteile voraus. Allen Verkehrsträgern ist gemeinsam, dass die Kosten der sogenannten externen Effekte, das heißt der Belastungen der am Verkehrsvorgang Unbeteiligten, nicht oder nur gering den Nutzern angelastet werden (Internalisierung). Für das ökonomische Modell einer Berechnung der externen Kosten des Verkehrs gibt es noch keine vollständige Erfassung und monetäre Bewertung der externen Effekte auf der einen Seite und der Gesamtvorteile für Unternehmen, Reisende und die Gesellschaft auf der anderen Seite.[15]

Umweltorganisationen kritisieren die steuerlichen Vorteile, die der Luftverkehr genießt, insbesondere unter Berücksichtigung der massiven Umweltauswirkungen. Das Umweltbundesamt bezifferte die Steuerausfälle (2010) auf 11,5 Milliarden Euro jährlich. Der Flächenbedarf von Flughäfen ist lokal sehr groß und führt häufig zu Bürgerprotesten (siehe z. B. Flughafenausbaugegner Frankfurt).

Eine Studie von atmosfair aus dem Jahr 2018 kommt zu dem Ergebnis, dass die Effizienzsteigerungen der Luftverkehrsbranche weltweit nicht zur Einhaltung des Zwei-Grad- oder 1,5-Grad-Ziels des Pariser Übereinkommens ausreichen und stattdessen neue, synthetische und CO2-neutrale Kraftstoffe (z. B. auf Basis von Wasserstoff) und weitere, noch radikalere Maßnahmen zur Verringerung des Ausstoßes in dieser Branche benötigt werden.[16]

Zahlen und Fakten für Europa

Nach Angaben der Deutschen Flugsicherung GmbH (DFS) waren die fünf Verkehrsflughäfen im Umkreis von 50 km um London herum im Jahre 2011 bei täglich durchschnittlich 1433 Abflügen der am stärksten frequentierte Luftverkehrsstandort in Europa. Bei gleichmäßiger Verteilung über den Tag würde dies bedeuten, dass jede Minute ein Flugzeug in London und Umgebung startet (24 Stunden zu je 60 Minuten). 46 % der Starts erfolgten in London-Heathrow (659 Starts), 6,5 % in London City (93 Starts), 24 % in Gatwick. Im Vergleich dazu waren es in Frankfurt am Main im selben Jahr durchschnittlich 667 Starts.[17] 2018 haben Flugausfälle und Verspätungen in Europa alle Rekorde gebrochen.[18][19] Im April 2019 wurde bekannt, dass Swedavia seit sieben Monaten in Folge einen Rückgang der Passagierzahlen gegenüber dem Vorjahr verzeichnete.[20]

Zahlen und Fakten für Deutschland

Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland und der Schweiz dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Innerdeutscher Luftverkehr nach Anzahl der Flüge
Luftverkehr aus Deutschland ins Ausland nach Anzahl der Flüge

2015 wurden auf deutschen Flughäfen insgesamt 2,2 Mio Flüge mit 194,4 Mio Passagiere gezählt. Davon fielen auf innerdeutsche Verbindungen etwa 300.000 Flüge und 23,0 Mio Passagiere.[21]

Von den innerdeutschen Hauptflugverbindungen sind folgende vier Verbindungen mit jeweils über 12 000 (gewerblichen) Flügen pro Jahr besonders stark frequentiert:

Ort-1
Ort-2
Flüge (pro Jahr)[22]
Passagiere (pro Jahr)
Entfernung in KM

Düsseldorf
München
000000000012615.000000000012.615
000000001557079.00000000001.557.079
488

Hamburg
München
000000000013184.000000000013.184
000000001811395.00000000001.811.395
601

Frankfurt/Main
Berlin
000000000014416.000000000014.416
000000001907104.00000000001.907.104
436

München
Berlin
000000000014473.000000000014.473
000000001975217.00000000001.975.217
484

Laut dem Mobilitätsbericht der Deutschen Flugsicherung für 2015[23] sind 10,8 % aller Flugbewegungen über Deutschland Inlandsflüge (Abflugs- und Ankunftsort in Deutschland). Der Anteil sinkt zugunsten der zunehmenden Zahl internationaler Überflüge stetig und lag Anfang des Jahrtausend noch bei ca. 20 %.

Flüge nach Instrumentenflugregeln (IFR)

Im Jahr 2006 hat die Deutsche Flugsicherung ca. 2,98 Millionen IFR-Flüge kontrolliert. Das waren etwa 4,1 % mehr als im Vorjahr, und im Vergleich zum Jahr 1989 hat sich die Zahl der Flüge damit verdoppelt. Während der zivile Luftverkehr 2006 mit 2,9 Millionen kontrollierten Flügen um 4,5 % zulegte, gingen die militärischen Flüge um 10,3 % auf 77.742 zurück.[24]

Über das Jahr gesehen sind die Monate Mai bis Oktober diejenigen mit dem höchsten Luftverkehrsaufkommen (Juli ist der Spitzenmonat) und die Wintermonate Dezember bis Februar die mit dem geringsten.[24]

Von allen IFR-Flügen hatten im Jahr 2006 die Überflüge mit 34 % den größten Anteil. Flüge mit Start- oder Zielflugplatz in Deutschland folgten mit jeweils 26 %. Nur 14 % aller Flüge erfolgten innerdeutsch.[24]

2006
2005
Trend

Zivile Flüge
2.905.033
2.779.433
+4,5 %

Militärische Flüge
77.742
86.697
−10,3 %

Gesamt
2.982.775
2.886.130
+4,1 %

Flüge unter Sichtflug-Bedingungen (VFR)

Bei den VFR-Flügen ist 2006 an den internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland ein Rückgang um 2,7 % auf 128.810 (2005: 132.317) zu verzeichnen. Hier liegt Stuttgart mit 17.232 an der Spitze, während Frankfurt mit 473 Starts und Landungen das Schlusslicht bildet.

Starts und Landungen

Die Anzahl an IFR-Starts und -Landungen von/auf internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland stieg im Jahr 2006 um 2,6 % auf 2.097.682. Den größten Anteil davon, nämlich 896.326, haben die Flughäfen Frankfurt (488.665) und München (407.661). Bei den Regionalflugplätzen stieg die Zahl im Jahr 2006 auf 187.241. Das ist ein Zuwachs um 7 %. Spitzenreiter ist hier Frankfurt-Hahn mit 34.429 Starts und Landungen.[24]

2006
2005
Trend

Internationale Verkehrsflughäfen
2.097.682
2.045.362
+2,6 %

Regionalflughäfen
187.241
174.982
+7,0 %

Gesamt
2.284.923
2.220.344
+2,9 %

Ziele

Regionale Verteilung der Flüge aus Deutschland mit internationalem Ziel im Jahr 2006

Bei den Flügen, die 2006 aus Deutschland heraus ein internationales Ziel ansteuerten, ergibt sich die rechts dargestellte kontinentale Verteilung. Über die letzten fünf Jahre gesehen nahmen Direktflüge mit Ziel Afrika um 14,5 %, Flüge nach Amerika um 27,5 % und Flüge nach Asien um 71,6 % zu. Diese Daten beziehen sich ausschließlich auf Direktverbindungen, nicht jedoch auf das eigentliche (End-)Reiseziel des Passagiers.[25]

Reiseverkehr von deutschen Flughäfen – einsteigende Passagiere

Die Zahl der im ersten Halbjahr 2016 von deutschen Flughäfen abreisenden Passagiere stieg, im Vergleich zum ersten Halbjahr 2015, um 1,5 Millionen Flugpassagiere an.[26]

Zielgebiet

Januar bis Juni

Veränderung

in %

2016

2015

1 000 Passagiere

– = nichts vorhanden

Einsteigende Passagiere insgesamt

51 842

50 332

3,0

mit Flugziel in/im:

Deutschland

11 642

11 256

3,4

Ausland

40 200

39 076

2,9

Europa

31 514

30 344

3,9

Spanien

6 204

5 594

10,9

Balearen

2 047

1 834

11,6

Kanaren

1 535

1 404

9,3

Vereinigtes Königreich

3 259

3 145

3,6

Italien

3 029

2 900

4,5

Frankreich

1 728

1 696

1,8

Griechenland

1 098

1 035

6,1

Griechische Inseln

498

480

3,7

Türkei

2 758

3 185

– 13,4

Russland

778

855

– 8,9

Interkontinentalverkehr

8 686

8 732

– 0,5

Asien

3 935

3 787

3,9

Vereinigte Arabische Emirate

954

889

7,3

China (einschließlich Hongkong)

662

634

4,3

Indien

311

319

– 2,4

Japan

306

314

– 2,5

Israel

278

270

2,8

Thailand

234

182

28,7

Amerika

3 668

3 567

2,8

Vereinigte Staaten

2 385

2 357

1,2

Kanada

435

435

0,0

Brasilien

203

200

1,4

Dominikanische Republik

178

155

14,6

Mexiko

160

144

11,2

Afrika

1 083

1 379

– 21,5

Ägypten

383

596

– 35,8

Marokko

179

197

– 9,2

Südafrika

178

175

1,6

Tunesien

97

183

– 46,6

Australien/Ozeanien

Zahlen und Fakten für die Schweiz

In der Schweiz haben die Passagierzahlen auf den drei Landesflughäfen Zürich, Genf und Basel-Mülhausen von 2005 bis 2018 um 73 Prozent zugenommen; 57,6 Millionen Passagiere wurden zuletzt befördert.[27] Auch die nationale Fluggesellschaft Swiss hat bei den Passagierzahlen ein stetiges Wachstum verzeichnen können. Sie konnte im April 2019 1,65 Millionen Passagiere befördern, was im Vergleich zum April 2018 einem Wachstum von 3 % entspricht.[28] Laut Aerosuisse verfügt die schweizerische Luftfahrt über 190.000 Arbeitsplätze und eine jährliche Wertschöpfung von über 33,5 Milliarden Franken.[29]

Siehe auch

 Portal: Luftfahrt – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Luftfahrt
Fliegen (Fortbewegung)
Verkehrsluftschiff
Luftsicherheit
Flugreise
Flugroute

Literatur

Andreas Fecker: Fluglärm. Daten und Fakten. 1. Auflage. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2012, ISBN 978-3-613-03400-6. 
Wilhelm Pompl: Luftverkehr – Eine ökonomische Einführung. 2. Auflage. Springer-Verlag, Berlin 1991. ISBN 3-540-54673-1
Rüdiger Sterzenbach, Roland Conrady, Frank Fichert: Luftverkehr – Betriebswirtschaftliches Lehr- und Handbuch. 4. Auflage. Oldenbourg Verlag, München 2009, ISBN 978-3-486-58537-7.
Elmar Giemulla, Ronald Schmid, Walter Mölls (Hrsg.): Europäisches Luftverkehrsrecht. Text- und Materialsammlung. Luchterhand Verlag, Neuwied 1990ff. ISBN 3-472-00203-4 (Loseblatt-Werk)
I. Schöntag: Die Theorie der contestable markets am Beispiel des europäischen Luftverkehrsmarktes und ihre Anwendung im low cost Bereich. Dissertation, München 2006.
Peter Wysk, Ullrich Isermann: Luftverkehr, in: Jan Ziekow (Hrsg.): Praxis des Fachplanungsrechts. Werner Verlag, München/Unterschleißheim 2004. ISBN 3-8041-4306-7
Claudia Mäder: Klimawirksamkeit des Flugverkehrs. Aktueller wissenschaftlicher Kenntnisstand über die Effekte des Flugverkehrs, Dessau, März 2008 (herunterladbar unter www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3473.pdf)
Michael Kloepfer (Hrsg.): Leben mit Lärm?, Springer 2006
Sachverständigenrat für Umweltfragen: Umweltgutachten 2008: Umweltschutz im Zeichen des Klimawandels, Band 2, Hausgutachten, Juni 2008 (herunterladbar unter https://www.umweltrat.de/SharedDocs/Downloads/DE/01_Umweltgutachten/2008_2012/2008_Umweltgutachten_BTD.pdf?__blob=publicationFile&v=7)
Mitteilung der Kommission: Für ein mobiles Europa – Nachhaltige Mobilität für unseren Kontinent. Halbzeitbilanz zum Verkehrsweißbuch der Europäischen Kommission von 2001 vom 22. Juni 2006, KOM(2006) 314 endg.
Stellungnahme des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses zur Mitteilung der Kommission: Verringerung der Klimaauswirkungen des Luftverkehrs, 2006/C 185/17, ABl.EG Nr. C 185 vom 8. August 2006
Ingo Matuschek (Hrsg.): Luft-Schichten: Arbeit, Organisation und Technik im Luftverkehr. Edition Sigma, Berlin 2008, ISBN 978-3-89404-563-0.

Weblinks

Text des Luftverkehrsgesetzes (Deutschland)
Text der Luftverkehrs-Ordnung (Deutschland)
Text der Luftverkehrs-Zulassungs-Ordnung (Deutschland)
Bild des zivilen Welt-Luftverkehrsaufkommens innerhalb 24 Stunden
Mobilitätsbericht 2012
Mobilitätsbericht 2013

Einzelnachweise und Erläuterungen

↑ Europäische Umweltagentur (Hrsg.): EEA Briefing 3/2004 – Verkehr und Umwelt in Europa. Kopenhagen 2004.

↑ Verordnung des Rates über die Erteilung von Betriebsgenehmigungen an Luftfahrtunternehmen vom 23. Juli 1992 (ABl. Nr. L 240 vom 24. August 1992)

↑ EU-Energiesteuerrichtlinie

↑ About IAOPA, Website der IAOPA, abgerufen am 21. März 2011

FAI Members. In: www.fai.org. FAI, abgerufen am 19. April 2019 (englisch). 

↑ Airplane Operation Manual Boeing 747-400

↑ Die Verbrennung von 1 kg Kerosin erzeugt ca. 3,1 kg CO2

↑ Lufthansa Balance 2011 (Memento des Originals vom 5. Mai 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/verantwortung.lufthansa.com, S. 2 u. 64.

Mobilität in Deutschland 2008. Ergebnisbericht, Bonn und Berlin 2010, S. 87 u. 164.

↑ Mitteilung der Kommission „Für ein mobiles Europa – Nachhaltige Mobilität für unseren Kontinent“ vom 22. Juni 2006, KOM(2006) 314 endg. und Stellungnahme des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses dazu „Verringerung der Klimaauswirkungen des Luftverkehrs“, 2006/C 185/17

↑ zusammenfassend Mäder, Klimawirksamkeit des Flugverkehrs, März 2008

↑ Verkehrsclub Deutschland (2006): VCD Fakten Reduzierung der Umweltfolgen des Flugverkehrs (online verfügbar) (PDF-Datei; 2,1 MB)

Prognose der deutschlandweiten Verkehrsverflechtungen 2025, Seite 17

↑ Steven Barret, Britter, Rex und Waitz, Ian: Global Mortality Attributable to Aircraft Cruise Emissions. In: Environmental Science and Technology. 44, 2010, S. 7736–7742. doi:10.1021/es101325r.

↑ vgl. Kloepfer (Hrsg.): Leben mit Lärm?, S. 311–338

↑ atmosfair Airline Index 2018, https://www.atmosfair.de/wp-content/uploads/aai2018-englischsw.pdf

↑ DFS Luftverkehr in Deutschland. Mobilitätsbericht 2011. DFS Deutsche Flug-Sicherung GmbH (PDF-Datei; 4,2 MB)

↑ Maike Geißler: So viel Chaos wie nie: Das war der Flug-Sommer 2018 In: reisereporter.de, 12. Oktober 2018, abgerufen am 14. Oktober 2018.

↑ Laura Frommberg: Über ein Drittel der Swiss-Flüge verspätet In: tagesanzeiger.ch, 14. Oktober 2018, abgerufen am 14. Oktober 2018.

SAS spürt den Greta-Effekt. In: aero.de. 19. April 2019, abgerufen am 22. April 2019. 

↑ Luftverkehr auf Hauptverkehrsflughäfen Fachserie 8 Reihe 6.1 – 2015, destatis.de

↑ Luftverkehr auf Hauptverkehrsflughäfen Fachserie 8 Reihe 6.1 – 2015, destatis.de

↑ Mobilitätsbericht der Deutschen Flugsicherung für 2015

↑ a b c d DFS-Website, Jahreskurzbericht 2006

DFS-Website, Mobilitätsbericht 2006

↑ Statistisches Bundesamt Pressemitteilung Nr. 297 vom 26. August 2016: 1,5 Millionen mehr Flugpassagiere im 1. Halbjahr 2016, abgerufen am 28. Februar 2018

↑ Gregory Remez: Trend aus Schweden: Wie das Phänomen Flugscham die Schweiz erobert. In: aargauerzeitung.ch. 2. Mai 2019, abgerufen am 13. Mai 2019. 

↑ Philipp Felber: Flugscham? Nicht bei Swiss-Kunden. In: tagesanzeiger.ch. 13. Mai 2019, abgerufen am 13. Mai 2019. 

Die Schweizer sind ein Volk von Vielfliegern. In: handelszeitung.ch. 7. Mai 2019, abgerufen am 19. Mai 2019. 

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4036597-9 (OGND, AKS)

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GmbH Gesellschaftszweck / Unternehmensgegenstand: Internettelefonie Vermittlung von VoIP-Telefonaten – Vermittlungsdienst Geschichte Funktionsprinzip Qualitätsmerkmale Architektur Anwendungsbereiche Verbindungspreise Sicherheitsaspekte Spezifikationen Navigationsmenü aus Herne

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IP-Telefonie (kurz für Internet-Protokoll-Telefonie sowie Internettelefonie[1]) oder Voice over IP (kurz VoIP; aus englisch voice over internet protocol, wörtlich für Stimm[-übertragung] über [das] Internetprotokoll) genannt, ist das Telefonieren über Rechnernetze, welche nach Internetstandards aufgebaut sind. Dabei werden für Telefonie typische Informationen, mithin Sprache und Steuerinformationen beispielsweise für den Aufbau einer Verbindung, über ein Datennetz übertragen. Bei den Gesprächsteilnehmern können Computer, auf IP-Telefonie spezialisierte Telefonendgeräte oder klassische Telefone, die über spezielle Adapter angeschlossen sind, die Verbindung herstellen.

IP-Telefonie ist eine Technik, die es ermöglicht, den Telefondienst auf IP-Infrastruktur zu realisieren, so dass diese die herkömmliche Telefontechnik samt ISDN und allen Komponenten ersetzen kann.

Ziel des Einsatzes der IP-Telefonie bei Kommunikationsnetzbetreibern ist hierbei eine Kostenreduktion durch ein einheitlich aufgebautes und zu betreibendes Netz. Aufgrund der langen Einsatzdauer klassischer Telefoniesysteme und der notwendigen Neuinvestitionen für IP-Telefonie wird der Wechsel bei bestehenden Anbietern oft als lang andauernder, gleitender Übergang („sanfte Migration“) realisiert. Währenddessen existieren beide Techniken parallel. Daraus ergeben sich ein deutlicher Bedarf an Lösungen zur Verbindung beider Telefoniesysteme (etwa über VoIP-Gateways) und die Notwendigkeit zur gezielten Planung des Systemwechsels unter Berücksichtigung der jeweiligen Möglichkeiten für Kosten- und Leistungsoptimierung. Die Zahl von Anbietern ausschließlich mit neuer Technik (also IP-Telefonie statt herkömmlichem Telefon) nimmt zu. Ende 2016 nutzten in Deutschland rund 25,2 Millionen Menschen die Voice-over-IP-Technik.[2]

Inhaltsverzeichnis

1 Vermittlung von VoIP-Telefonaten – Vermittlungsdienst
2 Geschichte
3 Funktionsprinzip

3.1 Signalisierungsprotokolle
3.2 Verbindungsaufbau mit SIP
3.3 Rufnummernsysteme

3.3.1 SIP-Adresse
3.3.2 Telefonnummer
3.3.3 ENUM
3.3.4 Herkömmliche Ortsrufnummern über ein Gateway
3.3.5 Spezielle Internet-Rufnummern

3.4 Gesprächsübertragung

3.4.1 Digitalisierung der analogen Signale und digitale Verarbeitung
3.4.2 Transport der Daten
3.4.3 Übertragungsqualität

4 Qualitätsmerkmale

4.1 Durchsatz
4.2 Laufzeit (Latenz) und Jitter
4.3 Paketverlust
4.4 Verfügbarkeit

5 Architektur

5.1 Terminal

5.1.1 Endgerätetypen
5.1.2 Fax über IP (Fax over IP, FoIP)

5.2 Gateway
5.3 Gatekeeper
5.4 Multipoint Control Unit (MCU)

6 Anwendungsbereiche

6.1 Direkte Internettelefonie
6.2 Organisationsinterne Telefonie
6.3 Hintergrund-Technik der herkömmlichen Telefonie

7 Verbindungspreise
8 Sicherheitsaspekte

8.1 Ausfallsicherheit
8.2 Stromversorgung
8.3 Lokalisierung und Notrufe
8.4 Öffentliche Sicherheit und staatliche Blockade

9 Literatur
10 Spezifikationen
11 Weblinks
12 Einzelnachweise

Vermittlung von VoIP-Telefonaten – Vermittlungsdienst

Die Vermittlung von Telefonaten ist in Computernetzen eine wesentliche Aufgabe. Da viele Nutzer dynamisch mit dem Internet verbunden sind, so dass sich die IP-Adresse häufig ändert, scheidet die IP-Adresse selbst als „Telefonnummer“ für die Kontaktaufnahme zu den VoIP-Telefonen aus. Ein Vermittlungsdienst in Form eines Servers übernimmt diese Aufgabe und ermöglicht die Telefonie bei sich ändernden IP-Adressen der IP-Telefone.

VoIP-Telefone melden sich beim Server (zum Beispiel SIP-Server) an; daher kennt der Server die aktuelle IP-Adresse der Telefone.
Mit Hilfe der IP-Adresse des Telefons, die dem Server bekannt gemacht wurde, kann er die Vermittlung übernehmen, und das angewählte IP-Telefon klingelt in Abhängigkeit von dieser IP-Adresse (also an einem beliebigen Ort in der Welt, wenn sich das IP-Telefon von dort aus beim Vermittlungsserver über das Internet registriert hat).
Die Kommunikation zwischen den IP-Telefonen kann unabhängig vom Server erfolgen.
Es gibt kommerzielle Dienste, die zugleich mit einem Account für den Vermittlungsserver ein lokales Telefon anbieten, welches zudem über das Festnetz erreichbar ist. Die IP-Telefonate sind in der Regel kostenlos.
Wenn eine feste IP-Adresse besteht, ist es möglich, auf dem zugehörigen Rechner einen Vermittlungsserver zu betreiben (beispielsweise OpenSIPS), um vergleichbar mit der Verbindung von mehreren Ortsnetzen im Festnetz mehrere Vermittlungsserver miteinander zu verbinden. In kommerziellen Lösungen existieren häufig Partnernetze, die eine kostenfreie Verbindung zwischen VoIP-Partnernetzen herstellen. Die Netzauswahl ist oft eingeschränkt, da die Unternehmen mit den Verbindungen von VoIP-Telefonen in das reguläre Festnetz ihren Umsatz bestreiten müssen. Freie, selbst betriebene Open-Source-Telefonieserver können technisch gesehen unabhängig von diesen ökonomischen Grenzen im Internet ein Netzwerk aus Vermittlungsstellen bilden. Auch wenn SIP-Telefonieserver technisch gut funktionieren, existiert eine institutionalisierte Vernetzung von solchen SIP-Vermittlungsservern zurzeit noch nicht.

Geschichte

Neben den Telefonnetzen entstand auf den Leitungen der Telefonnetze allmählich eine weitere Kommunikations-Infrastruktur. Beginnend mit der Vernetzung von EDV-Systemen in den 1980er Jahren, auf die die Internetentwicklung der 1990er Jahre folgte, stieg und steigt die Übertragungsleistung kontinuierlich stark an: Wurden anfangs mit Akustikkopplern 300 Bit pro Sekunde erreicht, waren im Januar 2008 bis zu 100.000.000 Bit pro Sekunde für Endverbraucher mit DSL-Anbindung auf normalen Telefon-Hausanschlüssen oder im Kabelnetz realisierbar. Diese Infrastruktur bildet eine Grundlage für IP-basierte Datennetzwerke, insbesondere für das Internet als öffentliches Netz.

Im Jahr 1973 wurden erste Übertragungen digitaler Sprache im Arpanet mittels Network Voice Protocol[3] zwischen PDP-11-Rechnern realisiert. Dem Sprachkanal wurde dazu eine Datenübertragungsrate von 3490 bit/s zur Verfügung gestellt. Nur vier Jahre später ging das beschriebene Network Voice Protocol in den Standard RFC 741 über, noch bevor 1980 das Internet Protocol (IP) in RFC 791 spezifiziert wurde. Ebenfalls 1980 wurden erste Empfehlungen der ITU-T (damals noch CCITT) für ISDN dokumentiert, welches ab 1989 kommerziell eingeführt wurde und Telefonieren mit höherer Sprachqualität ermöglicht und zusätzlich verschiedene Dienste wie zum Beispiel Rufnummernübermittlung in einem Netz integriert. Die Standarddatenübertragungsrate von ISDN wuchs von 3490 bit/s bei NVP-II auf 64 kbit/s. Im selben Jahr begann die Entwicklung des World Wide Webs, welches sich später als Grundlage für den breiten Erfolg des Internets erweisen sollte.

Mit dem GSM-Mobilfunk wurde ab 1992 in Deutschland (D-Netz) ein Dienst für die mobile Sprachübertragung mit einer Datenübertragungsrate von 13 kbit/s (260 bit Frames bei einer Framedauer von 20 ms) geschaffen. Diese 13 kbit/s beziehen sich jedoch nur auf die Übertragungsrate der Nutzdaten. Um die Übertragung der Nutzdaten gegen Übertragungsfehler, z. B. durch atmosphärische Störungen, zu schützen, wird durch die Kanalcodierung dem Signal Redundanz hinzugefügt. Dies lässt den Datenframe von 260 bit auf 456 bit anwachsen, während die Framedauer jedoch wegen der Echtzeitanforderung bei Sprachverbindungen konstant bleiben muss. Somit beträgt die Bruttobitrate der Übertragung (Nutzdaten + Redundanz zur Fehlerkorrektur) 22,8 kbit/s.

Im Jahr 1994 entwickelte Michaela Merz mit der Free Software Association of Germany mtalk, eine freie Voice-Over-IP-Software für GNU/Linux sowie Unix. Die ersten Versionen von mtalk hatten nur rudimentäre Datenkompression. mtalk bildete die Basis für eine ganze Reihe von VoIP-Software, diverse Pakete werden aus geschichtlichen Gründen noch von verschiedenen Servern zum Abruf bereitgehalten.[4]

Im Jahr 1995 ermöglichte ein Windowsprogramm des israelischen Unternehmens Vocaltec Communications Internettelefonie, jedoch nur im Halbduplexbetrieb, weshalb die Gesprächspartner nur abwechselnd mit schlechter Sprachqualität sprechen konnten. Verbindungen zu Computern, die nicht die gleiche Software verwendeten, waren nicht möglich. Bereits ein Jahr später ermöglichte QuickTime-Conferencing Ton- und Bildkommunikation im Vollduplexbetrieb über AppleTalk- und IP-Netze einerseits, andererseits wurde das Real-Time Transport Protocol in RFC 1889 beschrieben.

Drei Jahre später, 1998, wurde mit H.323 erstmals ein ITU-T-Rahmenstandard verabschiedet, sodass Lösungen verschiedener Hersteller miteinander kompatibel sein sollten. Das Session Initiation Protocol (SIP) in RFC 2543 wurde bereits im Folgejahr spezifiziert. Der darauf folgende Aufbau von VoIP-Lösungen brachte 2001 in Österreich den ersten Bescheid zum Betrieb eines Carrier-Sprachvermittlungsnetzes durch die Regulierungsbehörde an die IPAustria hervor. Im Sinne des heutigen VoIP folgte im Jahr 2002 zur Verbesserung von VoIP die SIP-Erweiterung in RFC 3261, sowie zur besseren Anbindung an andere Netze die Verabschiedung von ITU Q.1912.5 zur Interoperabilität zwischen SIP und ISDN User Part.

Der Standardisierung von VoIP zuwiderlaufend erschien 2003 die Software Skype, die ein eigenes, nicht offengelegtes Protokoll zur IP-Telefonie, basierend auf der Peer-to-Peer-Technik, verwendet.

Funktionsprinzip

VoIP-Kapselung

Das Telefonieren mit der IP-Telefonie kann sich für den Teilnehmer genauso darstellen wie in der klassischen Telefonie. Wie bei der herkömmlichen Telefonie teilt sich das Telefongespräch dabei in drei grundsätzliche Vorgänge auf, den Verbindungsaufbau, die Gesprächsübertragung und den Verbindungsabbau. Im Unterschied zur klassischen Telefonie werden bei VoIP keine dedizierten „Leitungen“ durchgeschaltet, sondern die Sprache wird digitalisiert und in kleinen Daten-Paketen mittels des Internetprotokolls transportiert.

Signalisierungsprotokolle

Der Auf- und Abbau von Verbindungen (Verbindungssteuerung, Signalisierung) erfolgt über ein Protokoll, das von der Sprachkommunikation getrennt ist. Das Aushandeln und der Austausch von Parametern für die Sprachübertragung geschehen über andere Protokolle als die der Verbindungssteuerung.

Damit in einem IP-basierten Netz eine Verbindung zu einem Gesprächspartner hergestellt werden kann, muss die aktuelle IP-Adresse des gerufenen Teilnehmers innerhalb des Netzes bekannt sein, jedoch nicht notwendigerweise auf der Seite des Anrufers. Geographisch feste Anschlüsse wie im Festnetz (PSTN) gibt es in rein IP-basierten Netzen nicht. Die Erreichbarkeit des Angerufenen wird, ähnlich wie in Mobilfunknetzen, durch eine vorangegangene Authentifizierung des Angerufenen und eine damit verbundene Bekanntmachung seiner momentanen IP-Adresse ermöglicht. Insbesondere kann dadurch ein Anschluss unabhängig vom Aufenthaltsort des Nutzers genutzt werden, was als nomadische Nutzung bezeichnet wird.

Aufgrund von Ortswechsel des Teilnehmers, Wechsel des Benutzers am selben PC oder der dynamischen Adressvergabe beim Aufbau einer Netzwerkverbindung ist eine feste Zuordnung von Telefonnummern zu IP-Adressen nicht möglich. Die allgemein angewandte Lösung besteht darin, dass die Teilnehmer oder deren Endgeräte ihre aktuelle IP-Adresse bei einem Dienstrechner (Server) unter einem Benutzernamen hinterlegen. Der Rechner für die Verbindungssteuerung, oder manchmal das Endgerät des Anrufers selbst, kann bei diesem Server die aktuelle IP-Adresse des gewünschten Gesprächspartners über den angewählten Benutzernamen erfragen und damit die Verbindung aufbauen.

Verbreitete Signalisierungsprotokolle sind:

SIP – Session Initiation Protocol, IETF RFC 3261
SIPS – Session Initiation Protocol over SSL, RFC 3261
H.323 – Packet-based multimedia communications systems, ein ITU-T-Standard
IAX – Inter-Asterisk eXchange protocol
ISDN over IP – ISDN/CAPI-basierendes Protokoll
MGCP und Megaco – Media Gateway Control Protocol H.248, gemeinsame Spezifikation von ITU-T und IETF
MiNET – von Mitel
Skinny Client Control Protocol – von Cisco Systems (nicht zu verwechseln mit SCCP (Q.71x) der ITU-T)
Jingle – Erweiterung des XMPP Protokolls, begründet durch Google Talk

Verbindungsaufbau mit SIP

Das Session Initiation Protocol (SIP) wurde von der Internet Engineering Task Force (IETF) entwickelt. Wie H.323 ermöglicht die herstellerunabhängige Spezifikation von SIP den Einsatz von SIP-basierten Systemen in heterogenen Umfeldern, insbesondere die Kopplung von VoIP-Komponenten unterschiedlicher Hersteller. Wie bei anderen Standards ist die Interoperabilität von Komponenten durch die Einhaltung der Spezifikation (SIP-Kompatibilität) allein nicht gewährleistet, sondern im Einzelfall durch Interoperabilitätstests zu prüfen. Grundsätzlich eignet sich SIP für Einsatzszenarien über VoIP und Videotelefonie hinaus.

Die Teilnehmer besitzen bei SIP eine SIP-Adresse (ähnlich einer E-Mail-Adresse) im Uniform-Resource-Identifier-Format (URI-Format), wie zum Beispiel „sip:0123456789@example.com“, wobei „0123456789“ den Benutzernamen und „example.com“ die Domain repräsentiert. SIP-Endgeräte (user agents) müssen IP-Adresse und Port, unter der sie aktuell per SIP erreichbar sind, beim SIP-Registrar-Server ihrer Domain registrieren. Standardmäßig liefert das Domain Name System (DNS) die Information über die zuständigen SIP-Server für eine Domain.
Ablauf des Verbindungsaufbaus:

Das Endgerät des Anrufers sendet eine Nachricht mit der SIP-Adresse des Angerufenen an den Server des eigenen SIP-Service-Providers (SIP-Proxy).
Dieser Verbindungswunsch wird durch den SIP-Proxy der eigenen Domain an den SIP-Proxy der angerufenen Domain weitergeleitet. Dieser ermittelt mit Hilfe des SIP-Location-Service IP-Nummer und Port der angerufenen SIP-Adresse und leitet die Nachricht an das Endgerät des Angerufenen weiter.
Sofern die Verbindungsanfrage dort verarbeitet werden kann, schickt das Endgerät eine entsprechende Nachricht über die Server zurück zum Anrufer.
Zu diesem Zeitpunkt klingelt das Endgerät des Angerufenen, der Anrufer hört einen Freiton.

Im Rahmen des Aufbaus einer „Session“ werden zwischen den Endgeräten alle relevanten Informationen über Eigenschaften und Fähigkeiten ausgetauscht. Eine direkte Kommunikation zwischen den beiden Endgeräten hat bis jetzt noch nicht stattgefunden. Für das eigentliche Telefongespräch sind die Server nicht mehr notwendig, die Endgeräte senden sich ihre Daten direkt zu und der Datenaustausch im Rahmen des Gespräches läuft am Server vorbei. Für die Übertragung dieser Daten in Echtzeit wird üblicherweise das Real-Time Transport Protocol (RTP) eingesetzt.

Zur Beendigung des Gesprächs sendet eines der Endgeräte eine SIP-Nachricht an den Server, der diese an den anderen Teilnehmer weitergibt. Beide Endgeräte beenden die Verbindung.

SIP sieht, ebenso wie H.323, die Möglichkeit eines direkten Verbindungsaufbaus zwischen zwei Endgeräten ohne die Verwendung von SIP-Proxyservern, nur über die IP-Adresse vor. Dazu müssen jedoch bei vielen Endgeräten zunächst alle vorhandenen Einträge für SIP-Registrar-Server gelöscht werden.

Rufnummernsysteme

Zwar können die IP-Adressen der Teilnehmer für den Verbindungsaufbau verwendet werden, diese sind den Anwendern jedoch nicht immer bekannt und können sich ändern. Es gibt daher eine Reihe von Ansätzen, den Teilnehmern eine individuelle und mnemotechnisch günstige, von den IP-Adressen unabhängige Internet-Telefonnummer zu geben. Angefangen von reinen SIP-Nummern gibt es Ansätze zur Integration der Internettelefonie in den bestehenden Rufnummernplan der herkömmlichen Telefonnetze bis hin zu einem ganz neuen System. Wichtige Gesichtspunkte der Europäischen Union und der deutschen Bundesnetzagentur (BNetzA, früher: RegTP) sind die Einhaltung der Vorschriften und mittelfristig die Integration von Notruf­systemen.

SIP-Adresse

Für Nutzer, die über das Internet mit anderen Internetnutzern telefonieren wollen, bieten viele Dienstanbieter SIP-Adressen an. SIP-Adressen sind, anders als Telefonnummern oder MSNs, nicht an einen Anschluss gebunden, sondern wie E-Mail-Accounts von jedem Internetanschluss der Welt aus nutzbar. Dies gilt zwar für Telefonnummern, die bei eingehenden Verbindungen einer SIP-Adresse zugeordnet sind, dennoch bietet die SIP-Adresse vor allem dem Anrufer Vorteile. So sind beispielsweise Telefonverbindungen unter Verwendung der SIP-Adresse zwischen zwei Endgeräten möglich, statt, wie bei Anwahl einer Telefonnummer, zwingend immer über das Telefonnetz geroutet werden zu müssen.

Um eine eigene SIP-Adresse im URI-Format zu bekommen, muss man sich bei einem von vielen freien oder kostenpflichtigen Anbietern anmelden. Da viele Anbieter entweder nur SIP-Adressen mit reinen Zahlenfolgen vergeben (beispielsweise 12345@example.com) oder zur nichtnumerischen Adresse einen numerischen Alias vergeben, können IP-Telefone mit normaler Tastatur zum Wählen verwendet werden, um Gesprächspartner anzuwählen, die sich beim selben SIP-Server registriert haben. Kunden eines SIP-Serviceproviders können über ihre SIP-Adresse angewählt werden und andere anrufen, soweit der Provider des Angerufenen die externe SIP-Anfrage zulässt. Die meisten Anbieter von SIP-Adressen ermöglichen die Erreichbarkeit aus dem herkömmlichen Telefonnetz, da sie durch die Terminierungsentgelte (die Durchleitung vom Telefonnetz zum Anschluss des angerufenen Teilnehmers) zusätzliche Einnahmen generieren können. Über diesen kostenpflichtigen Umweg kann der Teilnehmer andere SIP-Serviceprovider anrufen, wenn der eigene Provider oder der des Gesprächspartners entsprechend sperrt. Zwischen manchen Providern bestehen Abkommen, die den Kunden eine direkte Kommunikation untereinander über die Telefonnummer erlaubt. In diesem Fall kommt eine Internetverbindung zwischen den Teilnehmern zustande, allerdings unter Beteiligung beider SIP-Provider. Es ist meist möglich, innerhalb desselben Anbieternetzes die „interne Telefonnummer“ (das ist der Teil der SIP-Adresse vor dem @-Zeichen) mit einem handelsüblichen Telefon mit Nummernfeld zu wählen. Aus diesem Grund enthalten die meisten SIP-Adressen in diesem Teil ausschließlich Ziffern.

Viele SIP-Adapter, die für den Anschluss eines herkömmlichen Telefons mit Ziffernfeld ausgelegt sind, bieten die Möglichkeit, im internen Telefonbuch SIP-Adressen an Stelle einer Telefonnummer zu speichern und diese SIP-Adresse mittels einer zugeordneten Kurzwahl am Telefon auszulösen. In diesen Fällen können SIP-Adressen mittels eines herkömmlichen Telefons zumindest indirekt gewählt werden.

Telefonnummer

Eine Telefonnummer ist bei IP-Telefonie grundsätzlich nicht unbedingt erforderlich. Da die meisten Verbindungen jedoch unter Verwendung des herkömmlichen Telefonnetzes zustande kommen, ist zumindest für eingehende Verbindungen die Zuordnung einer SIP-Adresse zu einer herkömmlichen Telefonnummer Voraussetzung. Für abgehende Gespräche ist eine Telefonnummer dagegen überflüssig. Zur Übertragung einer gültigen Telefonnummer als Absenderkennung kann neben der „internen Telefonnummer“ (siehe SIP-Adresse) bei vielen Anbietern die Funktion CLIP (no screening) verwendet werden, bei der eine nutzerdefinierte Telefonnummer übertragen wird, über die der Nutzer eingehend erreichbar ist. In einigen Ländern (u. a. Deutschland) ist es vorgeschrieben, dass der Anbieter über einen Rückruf (z. B. Teledialogsystem mit PIN-Übermittlung) die angegebene Rufnummer als zum Kunden zugehörig verifiziert.

Die Trennung zwischen Providern für eingehende und ausgehende Verbindungen ist sinnvoll, wenn über den Internetserviceprovider ohnehin eine Telefonnummer für eingehende Verbindungen besteht und lediglich für abgehende Verbindungen ein alternativer (oft günstigerer) Anbieter benötigt wird. Aus diesem Grund bieten die meisten freien Anbieter eine Telefonnummer nur optional gegen Aufpreis an, besonders wenn ein kostenloser Telefonanschluss ohne Flatrate angeboten wird.

Zur Schaltung einer Telefonnummer gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

Die meisten Anbieter von Internettelefonie bieten Rufnummern für eingehende Gespräche an, da sie dadurch weitere Einnahmen generieren können.
Andere Anbieter – wie die Dienste der Dellmont-Gruppe (Voipbuster, Megavoip usw.) – bieten die Möglichkeit, die bei einem Drittanbieter registrierte DDI-Nummer (Direct Dialing In) auf den eigenen SIP-Anschluss zu mappen (zuzuordnen). In diesem Fall entfällt die Portierung der Rufnummer beim Wechsel des SIP-Anbieters. Diese Möglichkeit, Telefonnummer und SIP-Account von getrennten Anbietern betreuen zu lassen, hat sich in Deutschland bisher nicht allgemein durchgesetzt, ist jedoch in anderen Ländern durchaus üblich.

Einige Anbieter verzichten auf die Vermittlung eingehender Gespräche und bieten diese Möglichkeit auch optional nicht an.

ENUM

Telefonnummern können mittels Telephone Number Mapping (ENUM) im Internet nachgeschlagen werden. Dieses Verfahren wird von einigen Netzbetreibern und sowohl von der deutschen (DENIC) als auch der österreichischen (Nic.at) Domain-Vergabestelle vorangetrieben.

Bei ENUM wird die Rufnummer umgekehrt und mit Punkten zwischen den einzelnen Ziffern versehen, als Subdomain der Top-Level-Domain „arpa“ mit der Second Level Domain „e164“ vorangestellt. Aus +49 12345 6789 wird also zum Beispiel 9.8.7.6.5.4.3.2.1.9.4.e164.arpa. Diese Lösung setzt voraus, dass der Telefonkunde schon über eine Rufnummer verfügt.

Aufgrund der EU-Richtlinien zur Rufnummernmitnahme bei Wechsel des Telefonproviders erlebt ENUM (zumindest in Österreich) den erhofften Aufschwung. Bevor Telefonprovider aufgrund eigener Datenbanken ein Telefongespräch vermitteln, wird überprüft, ob es zu der gerufenen Nummer und dem verwendeten Dienst bei ENUM einen DNS-Eintrag gibt. Falls ja, wird der Ruf zu der im DNS angegebenen Adresse vermittelt (PSTN- oder SIP-Teilnehmer).

Bei großen kommerziellen Anbietern ist der öffentliche Ansatz von ENUM unbeliebt. Mit ihm ist es einerseits Angreifern möglich, automatisierte kostenlose Werbeanrufe, so genannte SPIT (Spam over IP Telephony), einzusetzen. Anderseits könnten Kundendaten abgefragt werden. Durch geeignete Maßnahmen können ENUM-Verzeichnis-Betreiber automatisierte Massen-Abfragen unterbinden, so dass sich beide Gefahren eingrenzen lassen. Ein weiterer, vielleicht wesentlicher Grund für die Reserviertheit vieler Anbieter gegenüber ENUM ist der, dass durch kostenlose Gespräche Einnahmequellen entfallen.

Herkömmliche Ortsrufnummern über ein Gateway

VoIP-Anbieter können über eigene Gateways freie Telefonnummern aus dem Nummernvorrat der deutschen Ortsnetze erhalten und an ihre Kunden vergeben. Darüber sind diese Kunden aus dem herkömmlichen Telefonnetz zu erreichen. Die Bundesnetzagentur begrenzt solche Angebote jedoch auf Teilnehmer, die in diesen Ortsnetzen ihren Wohnort haben. Die für einen orts- und anschlussunabhängigen Dienst nur schwer nachvollziehbare Begründung ist, dass ansonsten der Bezug, den die Vorwahl zum Wohnort hat, aufgelöst werde. Die Anbieter sind damit verpflichtet, zu überprüfen, ob der Kunde in dem gewünschten Ortsnetz tatsächlich wohnt und Nummern aus allen Ortsnetzen anzuschaffen, in denen sie Kunden haben (wollen). Aus Kostengründen bieten die meisten kleineren VoIP-Anbieter nur in den größeren Ortsnetzen Nummern an. Falls der Kunde außerhalb eines verfügbaren Vorwahlbereiches wohnt, stellen viele Anbieter 0180x-Nummern zur Verfügung. Dieses Verfahren ist jedoch nur noch übergangsweise zulässig.

Wenn der VoIP-Anbieter beim Verbindungsaufbau das SIP-Protokoll einsetzt, besitzt der Kunde neben der Ortsrufnummer gleichzeitig eine SIP-Nummer. Viele Anbieter teilen ihren Kunden jedoch lediglich die vergebene Festnetz-Rufnummer mit. Zudem blockieren viele dieser Anbieter Internet-Anrufe von Anrufern, die sich nicht bei ihnen oder einem ihrer Partner registriert haben. Dadurch kann ein Internet-Telefongespräch nur dann kostenlos geführt werden, wenn sich beide Gesprächspartner beim selben Anbieter (oder einem Partneranbieter) registriert haben.

Für die meisten Unternehmen und Behörden ist die Übernahme des gesamten bisherigen Rufnummernplans des bestehenden herkömmlichen Anschlusses (Ortsvorwahl, Hauptrufnummer und alle Durchwahlnummern) Voraussetzung für einen Wechsel zu einem IP-Telefonie-ServiceProvider. Für SIP bieten das bisher erst wenige Provider an.

Spezielle Internet-Rufnummern

In Österreich wurde speziell für konvergente Dienste – unter die die Internettelefonie fällt – die Vorwahl +43 780, sowie die standortunabhängige Vorwahl +43 720, geschaffen. Eine ähnliche Lösung wurde von der deutschen Regulierungsbehörde empfohlen. Nach einer Vorwahl 032 kann – ähnlich wie beim Mobilfunk mit einer „Blockkennung“ – ein VoIP-Betreiber ausgewählt werden, um danach die eigentliche Endnummer des Teilnehmers zu wählen. Die 032-Teilnehmernummer wird unabhängig von den Ortsnetzgrenzen der geografischen Rufnummern vergeben und kann somit bei Umzügen in andere Ortsnetze beibehalten werden. Da kein expliziter geografischer Standort mit der Vorwahl 032 verbunden ist, sind die 032-Rufnummern generell für nomadische Nutzung an unterschiedlichen Standorten prädestiniert.

Die 032-Rufnummern konnten sich in der Vergangenheit bei den meisten VoIP-Providern nicht durchsetzen, wurden jedoch beispielsweise von den beiden größten nationalen Telefongesellschaften (Deutsche Telekom und Vodafone (ehemals Arcor)) für ihre VoIP-Angebote und vermehrt für weitere Mehrwertdienste genutzt.[5] Eine mangelhafte Erreichbarkeit der Rufnummerngasse 032 tritt mittlerweile nur noch bei wenigen Call-by-Call-Anbietern auf;[6] aus den Mobilfunknetzen sind die Nummern seit der Freischaltung durch den letzten fehlenden großen Mobilfunkbetreiber, Vodafone, im Oktober 2007 erreichbar.[7]

Oft sind die Kosten für Anrufe zu 032-Nummern aus den Mobilfunknetzen für die Kunden deutlich höher als für Anrufe ins Festnetz. Anrufe aus dem Festnetz auf eine 032-Rufnummer werden hingegen oft normalen Telefongesprächen gebührentechnisch gleichgestellt, jedoch nicht in bestehenden Pauschaltarifen (Flatrates) inkludiert; so z. B. bei Telekom-Anschlüssen.[8]

Gesprächsübertragung

Prinzip eines Gespräches via IP-Telefonie bei der möglichen Nutzung eines IP-Telefons

Wie bei herkömmlicher Telefonie werden die akustischen Signale der Sprache zunächst analog mit einem Mikrofon (über den Telefonhörer) in elektrische Signale gewandelt. Diese analogen elektrischen Signale werden digitalisiert (kodiert). Optional können sie komprimiert werden (verbreitet sind dafür ITU-T G.723.1 oder G. 729 Annex A), um die zu übertragende Datenmenge zu reduzieren. Der Transport der so umgewandelten Daten erfolgt über ein öffentliches oder privates Telekommunikationsnetz. Bedingt durch das für den Transport verwendete Verfahren der Paketvermittlung werden die Daten dazu in viele kleine Pakete aufgeteilt.

Digitalisierung der analogen Signale und digitale Verarbeitung

Das analoge Sprachsignal wird zur Digitalisierung mit einer geeigneten Abtastrate abgetastet und die Ergebnisse (Samples) durch einen Analog-Digital-Umsetzer (ADC) in eine regelmäßige Folge von Digitalsignalen umgewandelt.

Die Datenrate dieses digitalen Datenstroms ist das Produkt aus der Abtastrate und der Auflösung des ADC in Bit. Sie kann bei Bedarf vor der Übertragung mittels Kodierung reduziert werden. Je nach verwendetem Codec (Coder-Decoder) sind unterschiedliche Kompressionsfaktoren möglich. Viele Codecs benutzen dabei verlustbehaftete Verfahren, bei denen für das menschliche Gehör unwichtige Informationen weggelassen werden. Das verkleinert die Datenmenge und verringert so die zur Übertragung benötigte Bandbreite erheblich, ohne den Höreindruck nennenswert zu verschlechtern. Werden zu viele Informationen weggelassen, kommt es zu einer wahrnehmbaren Verschlechterung der Sprachqualität.

Verschiedene Codecs, die unterschiedliche Kodierverfahren anwenden, kommen zum Einsatz. Manche sind speziell dafür ausgelegt, ausgehend von der Standard-Telefonqualität (Abtastrate 8 kHz, 8 Bit ADC-Auflösung) eine deutlich niedrige Datenrate zu erreichen als die 64 kBit/s des ITU-Standards G.711. Andere Codecs wie G.722 (siehe HD-Telefonie) dagegen codieren ausgehend von höher abgetasteter und aufgelöster digitaler Sprache mit Radio- oder CD-Qualität (7 kHz und mehr Bandbreite der übertragenen Sprache) bei dennoch gemäßigtem Bedarf an Übertragungsbitrate.

Je nach Digitalisierungs- und Kodierverfahren variiert also der Frequenzbereich der kodierten Sprache, die zur Übertragung erforderliche Bandbreite sowie die resultierende Sprachqualität (Quellkodierung). Zusätzlich können die Kodierverfahren noch so ausgelegt sein, dass bestimmte typische Störungen auf dem Transportweg ausgeglichen werden (Kanalkodierung). Damit die Daten nach dem Transport wieder in für das menschliche Gehör verständliche Sprache umgewandelt werden können, muss der Empfänger einen zum Coder passenden Decoder verwenden, was dazu führt, dass viele Endgeräte zur Sicherstellung der Interoperabilität mehrere Codecs enthalten.

Transport der Daten

Im Normalfall schickt jedes Endgerät die codierten Sprachdaten unabhängig von der Signalisierung „direkt“ über das Netzwerk an die IP-Adresse der Gegenstelle. Die Gesprächsdaten fließen also nicht über Server eines VoIP-Providers.

Der eigentliche Transport der Daten erfolgt über das Real-Time Transport Protocol (RTP) oder SRTP und wird gesteuert durch das RealTime Control Protocol (RTCP). RTP verwendet zur Übertragung das User Datagram Protocol (UDP). UDP kommt zum Einsatz, da es ein minimales, verbindungsloses Netzwerkprotokoll ist, das im Gegensatz zum Transmission Control Protocol (TCP) nicht auf Zuverlässigkeit ausgelegt wurde. Das bedeutet, dass der Empfang der Sprachpakete nicht bestätigt wird, also keine Übertragungsgarantie besteht. Der Vorteil von UDP ist seine geringere Latenzzeit gegenüber der von TCP, da nicht auf eine Bestätigung gewartet und fehlerhafte Pakete nicht neu gesendet werden und sich somit der Datenfluss insgesamt nicht zusätzlich verzögert. Eine komplett fehlerfreie Übertragung ist aufgrund der Redundanz gesprochener Sprache (und der Fähigkeit der verwendeten Codecs, Fehler zu korrigieren) nicht nötig. Für ein flüssiges Gespräch ist eine geringe Laufzeit viel wichtiger.

Übertragungsqualität

Die Anforderungen an das Netz für Datenübertragung und IP-Telefonie unterscheiden sich erheblich. Neben der erforderlichen Übertragungskapazität (rund 100–120 kbit/s für ein Gespräch kodiert mit G.711) haben insbesondere Qualitätsmerkmale wie mittlere Verzögerung, Schwankungen der Verzögerung (Jitter) und Paketverlustrate erheblichen Einfluss auf die resultierende Sprachqualität. Durch Priorisierung und geeignete Netzplanung ist es möglich, eine mit der herkömmlichen Telefonie vergleichbare Sprachqualität und Zuverlässigkeit des Telefondienstes über IP-Netze unabhängig von der Verkehrslast zu erreichen.

Da das Internet in seiner heutigen Form (Stand 2008) keine gesicherte Übertragungsqualität zwischen Teilnehmern garantiert, kann es durchaus zu Übertragungsstörungen, Echos, Aussetzern oder Verbindungsabbrüchen kommen, so dass die Sprachqualität nicht ganz der von herkömmlichen Telefonnetzen entspricht, meist noch besser als in Mobilfunk-Netzen ist. Mit einem guten DSL-Anschluss (Engpass ist die Bitrate in Richtung Netz [upstream], sie sollte dauerhaft zwischen 120 und 200 kbit/s je Telefonverbindung liegen) können etwa gleichwertige und kostengünstige Alternative zum klassischen Telefonanschluss erhalten werden.

QoS auf Layer 3 bei VoIP

Eine Kennzeichnung und Bevorzugung (Priorisierung) der „Sprachpakete“ gegenüber anderen Datenpaketen im Internet ist sinnvoll. Das heute im Internet noch vorwiegend verwendete Protokoll IPv4 bietet zwar solche Möglichkeiten (DiffServ), jedoch werden sie von den Routern im Internet nicht oder nicht durchgängig beachtet. Sorgfältig geplante und konfigurierte private IP-Netze können jedoch eine ausgezeichnete „Quality of Service (QoS)“ gewährleisten (auch mit Ethernet als Bitübertragungsschicht) und dadurch die Telefonie bei Überlast im Datenbereich mit gewohnter Qualität ermöglichen. Status quo im Internet ist jedoch bisher der Best-Effort-Transport, das heißt die Gleichbehandlung aller Pakete. Die dennoch meist brauchbare Telefonie-Qualität ist den Überkapazitäten der Netze zu verdanken. An weitergehenden QoS-Standards für das zukünftige, multimedia-lastige Internet wird in einer Reihe von Gremien und Forschungsprojekten gearbeitet (MUSE, DSL Forum, ITU-T).

Vom Nachfolgeprotokoll IPv6 sind bezüglich QoS keine wesentlichen Verbesserungen zu erwarten. IPv6 bringt als neues Element Flows. Bisher besteht noch keine Klarheit darüber, wie dies genutzt werden soll. Ob die Infrastruktur diese Markierungen (Priorität, DSCP-Code) berücksichtigt oder nicht, ist letztlich eine finanzielle Frage. Die Zukunft wird zeigen, ob die Internet Service Provider für mehr Geld qualitativ höherwertige IP-Ströme bereitstellen werden.

Qualitätsmerkmale

Um eine qualitativ hochwertige Kommunikation über Voice-over-IP führen zu können, müssen die für den Sprachtransport verwendeten Datenpakete so beim Gegenüber ankommen, dass sie zu einem getreuen Abbild des ursprünglichen, zeitlich zusammenhängenden Datenstroms zusammengesetzt werden können. Die im nachfolgenden aufgeführten Faktoren bestimmen die Qualität des Systems.

Im Intranet kann der Betreiber des Netzwerks autonom durch die Server-Konfiguration und die Routerausstattung sowie die Verteilung der Accesspoints die Qualität der Sprachübertragung bestimmen. Im Internet sind die an der gesamten Kette jeweils temporär beteiligten Provider bestimmend für die Übertragungsqualität.

Durchsatz

Der erforderliche Durchsatz (Menge an Daten, die von einem System oder Teilsystem pro Zeiteinheit verarbeitet werden können) hängt in erster Linie von der verwendeten Codierung ab. Ein unkomprimiertes Gespräch hat typischerweise eine Datenrate von 64 kbit/s (Payload). Abhängig vom verwendeten Kompressionsverfahren beträgt die für die reine IP-Telefonie benötigte Bandbreite maximal knapp 100 kbit/s (64 kbit/s netto zuzüglich der Overheads der verschiedenen Kommunikations-Protokolle).

Da das Netz gemeinsam mit anderen Datendiensten genutzt wird, ist insbesondere im Heimbereich eine Datenverbindung (wie ein DSL-Anschluss) mit einer Bandbreite von mindestens 100 kbit/s in beide Richtungen empfehlenswert. Hier gilt es zu beachten, dass im häufig verwendeten ADSL-Verfahren die Upstream-Bitrate wesentlich geringer ist als die Downstream-Bitrate.[9]

Laufzeit (Latenz) und Jitter

Der Transport von Daten benötigt Zeit. Sie wird als Laufzeit oder Latenz (englisch delay, latency) bezeichnet und ist bei herkömmlicher Telefonie im Wesentlichen die Summe der Signallaufzeiten auf den Übertragungskanälen. Bei Telefonie über IP-Netze kommen weitere Verzögerungen durch die Paketierung und Zwischenspeicherung sowie gegebenenfalls Datenreduktion, Kompression und Dekompression der Daten hinzu. Bei der Telefonie (unabhängig von der Technologie, mit der sie realisiert wird) stellen gemäß ITU-T-Empfehlung G.114 bis 400 Millisekunden Einweglaufzeit (Mund zu Ohr) die Grenze dar, bis zu der die Qualität von Kommunikation in Echtzeit noch als akzeptabel gilt. Ab ungefähr 125 Millisekunden kann die Laufzeit vom Menschen jedoch schon als störend wahrgenommen werden. Daher empfiehlt die ITU-T bei hoch-interaktiven Kommunikationsformen generell eine Einweglaufzeit von 150 Millisekunden nicht zu überschreiten.

Als Jitter wird die zeitliche Schwankung zwischen dem Empfang von zwei Datenpaketen bezeichnet. Um diese zu kompensieren, werden so genannte „Pufferspeicher“ (Jitterbuffer) eingesetzt, die eine zusätzliche absichtliche Verzögerung der empfangenen Daten bewirken, um anschließend die Daten isochron auszugeben. Pakete, die noch später ankommen, können nicht mehr in den Ausgabedatenstrom eingearbeitet werden. Die Größe des Pufferspeichers (in Millisekunden) addiert sich zur Laufzeit. Sie erlaubt also die Wahl zwischen mehr Verzögerung oder höherer Paketverlustrate.

Paketverlust

Von Paketverlust spricht man, wenn gesendete Datenpakete den Empfänger nicht erreichen und deshalb verworfen werden. Bei Echtzeitanwendungen wird von Paketverlusten gesprochen, wenn das Paket zwar den Empfänger erreicht, aber zu spät eintrifft, um noch in den Ausgabestrom eingefügt werden zu können. Für Telefonie wird nach ITU-T G.114 eine Paketverlustrate (packet loss rate) bis maximal 5 % noch als akzeptabel eingestuft.

Verfügbarkeit

Die Verfügbarkeit des Gesamtsystems ergibt sich aus den Einzelverfügbarkeiten der beteiligten Komponenten und deren Zusammenschaltung (kaskadiert – in Reihe, oder redundant – parallel). Somit hängt die Verfügbarkeit eines IP-Telefonie-Systems in erster Linie vom Netzdesign ab. Eine US-amerikanische Studie vom Juni 2005 untersuchte die Verfügbarkeit von IP-Telefonie in den USA. Im Durchschnitt wurden knapp 97 % erreicht. Das entspricht einem Ausfall an insgesamt 11 kompletten Tagen im Jahr.[10] Zudem gibt es bei vielen deutschen DSL-Providern eine so genannte 24-Stunden-Zwangstrennung, die dazu führt, dass bei ständig benutzter Leitung eine Trennung stattfindet.

Architektur

Es gibt für VoIP unterschiedliche Architekturen. Weit verbreitet sind: die Architektur gemäß dem H.323-Rahmenstandard der ITU-T, die die Elemente Terminal, Gateway, Gatekeeper und MCU vorsieht, sowie die Architektur gemäß dem De-facto-Standard SIP der IETF. Dazu kommen eine Reihe von Nicht-Standard-Lösungen für VoIP.

Terminal

Ein Terminal ist in der ITU-Terminologie der „multimediale Endpunkt“ der Kommunikation, im engeren Sinne also das Endgerät zur Ein- und Ausgabe der Sprachinformationen. Seine (ungefähre) Entsprechung in der SIP-Terminologie der IETF ist der User-Agent.

Endgerätetypen

Endgerätetypen

Es gibt drei grundsätzliche Arten von Endgeräten, mit denen die IP-Telefonie möglich ist.

Mit einer auf dem PC laufenden Software, einem so genannten Softphone.
1140E VoIP-Phone
Mit einem direkt an das Lokale Datennetz (LAN) anschließbaren (S)IP-Telefon oder einem WLAN-Telefon für Funknetzwerke. In diesem Fall wird kein PC zum Telefonieren benötigt (außer evtl. für Konfigurationsarbeiten oder zur Erleichterung bestimmter Vorgänge wie dem Erfassen von Kurzwahlen, der Eingabe von alphanumerischen Daten o. Ä.).
Mit einem herkömmlichen Telefon, das über einen Analog- oder ISDN-Telefon-Adapter für VoIP (ATA und ITA) an das LAN angeschlossen wird. ATA und ITA werden direkt als Anschlussmöglichkeit für Telefone in DSL-Routern integriert angeboten. Auch in diesem Fall wird zum Telefoniebetrieb kein PC benötigt, zum einmaligen Einrichten der Benutzerdaten hingegen schon. Endgeräte für GSM-Mobiltelefonie besitzen die Möglichkeit, IP-Telefonate bei verfügbarem WLAN zu führen (siehe Open Source-Betriebssystem Openmoko). Diese Endgerätetypen verbinden aus Kostengründen die GSM-Mobil- und IP-Telefonie, indem sie bei verfügbarem WLAN die kostengünstigere IP-Telefonie mit dem Mobiltelefon nutzen.

Probleme beim Einsatz von Voice over WLAN sind jedoch bisher noch das Fehlen von Standards für Bandbreitenmanagement auf der Luftstrecke (zu viel Useraktivität am selben Accesspoint verursacht kritische Paketverlustrate der VoIP-Verbindung) und für Handover (Abbruch der Verbindung bei Bewegung des Endgeräts zu einem anderen Accesspoint) sowie bei batteriebetriebenen Endgeräten der hohe Stromverbrauch.

Fax über IP (Fax over IP, FoIP)

Zum Versenden von Fax über ISDN- oder analoge Anschlüsse wird im Sprachkanal das T.30-Protokoll verwendet. Durch die hohe Zuverlässigkeit einer Sprachkanalverbindung in herkömmlichen TDM-basierten Netzwerken ist normalerweise eine sichere Übertragung gewährleistet. Das trifft in IP-Netzen jedoch nicht zu, denn Sprache wird meist ungesichert übertragen (RTP über UDP), trotz gleicher Codierung der Sprache, wie beispielsweise dem Codec G.711, der in TDM-basierten Netzwerken und IP-Netzen verwendet wird. IP-Pakete können verloren gehen und sind in der Höhe von bis zu 5 % an Verlusten für das menschliche Ohr nicht wahrnehmbar. Der Fax-Transport über ein IP-Netz mittels eines solchen Sprach-Codecs, einer dabei eingesetzten für die menschliche Sprache optimierten Codierung, führt jedoch zu Informationsverlusten oder Verbindungsabbrüchen des Faxes.

Um Faxe über IP-Netzwerke versenden zu können, werden folgende Codierungen und Protokolle im Sprachkanal verwendet:

Über einen Sprach-Codec: Fax over VoIP, verlässliche Übertragung nicht immer möglich
E-Mail
T.37 (E-Mail basiert)
Echtzeit: T.38

Daraus ergeben sich unterschiedliche Ansätze, um Fax über IP (FoIP) zu nutzen.

Ein herkömmliches analoges Faxgerät wird in einem IP-Netz wie einem TDM-basierten Telefonnetz mit analogem oder ISDN-Anschluss genutzt. (Das ist die am häufigsten geforderte Lösung.)
Ein Faxgerät mit direkter T.38- oder E-Mail-Unterstützung und Netzwerk­anschluss und gleichzeitig einem zur Verfügung stehenden Gateway mit T.38- oder E-Mail-Unterstützung mit Zugang zum PSTN-Telefonnetz und ein Gatekeeper wird verwendet.
Es gibt Faxgeräte, die für direkten Faxversand und -empfang per T.38 ausgelegt sind.[11]

Gateway

Das Gateway ist ein Vermittler zwischen den beiden Technologien.

Damit Verbindungen zu herkömmlichen Telefonnetzen hergestellt werden können, werden Vermittlungsrechner, die so genannten Gateways, benötigt. Diese sind sowohl mit dem Kommunikationsnetzwerk des IP-Telefons als auch mit dem herkömmlichen Telefonnetz (PSTN) verbunden. Empfangen sie eine Anfrage von einem IP-Telefon, leiten sie diese ins Telefonnetz weiter, indem sie die gewünschte Nummer anrufen. Erhalten sie einen Anruf aus dem Telefonnetz, leiten sie eine Anfrage an das entsprechende IP-Telefon weiter.

Gatekeeper

Ein Gatekeeper ist eine optionale Komponente in der H.323-Umgebung und erfüllt zentrale Funktionen wie Terminal-Registrierung oder Auf- und Abbau von Verbindungen zwischen registrierten Terminals.

Multipoint Control Unit (MCU)

Die optionale Multipoint Control Unit (MCU) kommt bei H.323 dort zum Einsatz, wo Verbindungen zwischen mehr als zwei Terminals gewünscht werden (Telefon- oder Videokonferenz). Hier erfolgt die Aushandlung der Terminal-Eigenschaften und die Steuerung der Konferenz. Ggf. erfolgt eine Umsetzung von unterschiedlichen Codecs und Bitraten und die Verteilung der gemixten Informationen per Multicast.

Anwendungsbereiche

Direkte Internettelefonie

Die IP-Telefonie wird genutzt, um weltweit Gespräche direkt über das Internet zu führen, die so genannte Internettelefonie. Dabei wird das klassische Telefonnetz gar nicht mehr benutzt.

Bei Endkunden (Privatanwender und Home Office) sind Gründe für den Einsatz insbesondere:

Gebühren sparen durch IP-Telefonie. Als Endgeräte können über spezielle Adapter (ATA, ITA) angeschlossene analoge oder ISDN-Endgeräte, sound-fähige Computer (vorzugsweise mit Handset oder Headset) und spezielle IP-Telefone verwendet werden. Für Gespräche zwischen zwei IP-Telefonie-Teilnehmern fallen keine Gesprächsgebühren an.
Die Verbindung zu und von Teilnehmern am herkömmlichen Telefonnetz ist möglich. Sie wird dabei durch einen vom Anbieter bereitgestellten Übergang, den Gateway-Dienst, hergestellt. Für Gespräche, die über Gateways ausgehen, fallen normalerweise besondere Gebühren an.
Unabhängig vom Aufenthaltsort ist die Erreichbarkeit immer unter derselben Adresse und Rufnummer gegeben.

Organisationsinterne Telefonie

Innerhalb von Organisationen, wie Unternehmen, wird IP-Telefonie in zunehmendem Maße dazu genutzt, das Telefonnetz und das Computernetzwerk zusammenzuführen. Der Datentransport der Telefongespräche für die Signalisierung und die Übertragung der digitalisierten Sprache erfolgt über das EDV-Netzwerk (LAN). Somit lassen sich die Infrastruktur-Kosten durch Einheitlichkeit von Verkabelung und aktiven Systemkomponenten reduzieren. Die IP-Telefone werden wie ein Arbeitsplatz-PC am Netzwerkanschluss angeschlossen. Herkömmliche Endgeräte sind zu ersetzen oder zu adaptieren.

Die Telefoniedienste, insbesondere die Teilnehmerverwaltung und Gesprächsvermittlung, werden über IP-fähige Telefonanlagen bereitgestellt, die ebenfalls ans Netzwerk angebunden sind. Telefonanlagen verschiedener Standorte können über das Extranet (WAN) und bestehende Datenleitungen mit Kapazitätsreserven gekoppelt werden. Nicht alle dieser verschiedenen Standorte müssen dabei mit einer eigenen Telefonanlage ausgerüstet sein. Standorte, an denen keine lokale Telefonanlage installiert ist, werden als abgesetzte Einheiten bezeichnet. Für Verbindungen in das herkömmliche Telefonnetz, wie das öffentliche Telefonnetz (PSTN), werden sogenannte Gateways zwischen dem IP-Netzwerk und dem konventionellen Netz eingesetzt.

Die Struktur des Gesamtsystems wird in so genannten Szenarien beschrieben, die mehrere Übergänge zwischen konventioneller Telefonie und VoIP enthalten können. Die als Migration bezeichnete Umstellung von klassischer Telefonie auf VoIP erfolgt meist schrittweise. Sukzessive werden Teile einer Unternehmung, bevorzugt neue Abteilungen, mit der neuen Technik ausgestattet.

Durch kombinierte TK-Anlagen, die IP- und herkömmliche Ports bereitstellen, ist eine schleichende Migration (Sanfte Migration) möglich, indem herkömmliche Anschlüsse weiterbetrieben werden können und nach und nach durch IP-Anschlüsse ersetzt werden. Diese TK-Anlagen werden als Hybrid-Anlagen bezeichnet.

Sprachqualität und Zuverlässigkeit der Telefontechnik hängen nach einer Umstellung auf VoIP komplett von der Netzwerktechnik ab, was speziell bei der Planung und Administration der Netze zu berücksichtigen ist und wesentlich höhere Anforderungen an die Hardware stellt.

Eine Cloud-Telefonanlage ist eine Telefonanlage für Unternehmen, welche IP-Telefonie nutzt und nicht lokal im Unternehmen betrieben wird, sondern auf ausgelagerten Servern eines Anbieters für Cloud-Telefonie. Eine Cloud-Telefonanlage bedarf keines herkömmlichen Telefonanschlusses mehr, sondern benötigt für die Gesprächsabwicklung lediglich eine Internet-Verbindung und ein VoIP Endgerät, bzw. Softphone auf einem PC oder Mobiltelefon.[12]

Hintergrund-Technik der herkömmlichen Telefonie

Herkömmliche Telefonnetze in Europa basieren auf dem leitungsvermittelten PCM30-Verfahren. Seitens der Betreiber von Telefonnetzen kann für die Übermittlung von Gesprächen IP-Telefonie eingesetzt werden, ohne dass das eine Änderung für die Gesprächsteilnehmer mit sich brächte. Der Einsatz von IP-Telefonie kann für Teile des Netzes oder das ganze Netz stattfinden.

Schon länger wird IP-Telefonie beispielsweise von Call-by-Call-Anbietern für Auslandsverbindungen genutzt. Die Gespräche werden dabei zwischen dem hiesigen Telefonnetz und dem Telefonnetz des Ziellands über das Internet geleitet, wodurch sich Kostenvorteile ergeben.

Next Generation Networks (NGN) verwenden ausschließlich Paketvermittlungs­netze für die Telekommunikation. Ziel dabei ist, die Netz-Ressourcen effizienter zu nutzen und eine gemeinsame Plattform für alle Dienste zu schaffen. Dabei erfolgt eine Trennung zwischen der Transport- und Dienstebene.

Verbindungspreise

Falls beide Teilnehmer mit dem Internet verbunden sind, fallen bei der Internettelefonie normalerweise, abgesehen von den Kosten für die Internetnutzung, keine weiteren Kosten an. Für Teilnehmer mit einer Internet-Flatrate sind in diesem Fall Gespräche unter Verwendung eines offenen SIP-Servers weltweit kostenlos. Einige VoIP-Anbieter beschränken jedoch den Bereich der kostenlosen Telefonie auf Nutzer, die sich bei ihnen oder einem ihrer Partner registriert haben. In dem Fall bleibt dem Anwender zur gesprächsgebührenfreien Telefonie die Möglichkeit der direkten Adressierung seines Gesprächspartners über die IP-Adresse ohne Inanspruchnahme eines VoIP-Dienstanbieters.

Für Anrufe aus dem Internet zu einem Teilnehmer im klassischen Telefonnetz wird ein Gateway benötigt, das die Verbindung bewerkstelligt. Für dessen Nutzung entstehen Kosten, die sich aus der Bereitstellung der Infrastruktur sowie den Gesprächsgebühren im Telefonnetz zusammensetzen.

Bei Auslandsgesprächen zu einem Teilnehmer im klassischen Telefonnetz ist der Standort des Gateways entscheidend: Bis zum Gateway wird der günstige Internetzugang benutzt, danach gelten die Telefonpreise des Gatewayanbieters.

Wird für die IP-Telefonie ein vorhandenes Unternehmensnetz benutzt, entstehen keine gesprächsdauerabhängigen Verbindungskosten. Neben den Kosten für VoIP-fähige Netzkomponenten (Router und LAN-Switch) sind die anteiligen Kosten für die Netzbandbreite in eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung einzubeziehen. Die erforderliche Bandbreite ergibt sich aus der vom verwendeten Codec abhängigen Bandbreite pro Gespräch und der zu erwartenden Anzahl gleichzeitiger Gespräche.

Sicherheitsaspekte

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Angaben ohne ausreichenden Beleg könnten demnächst entfernt werden. Bitte hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst.

Durch die Integration der Sprachdatenübertragung in das IP-Netz ergeben sich neue Herausforderungen an die IT-Sicherheit. In seiner Sendung vom 3. Februar 2015 belegte das ARD-Magazin Report, dass Vertreter der Geheimdienste mehrerer Länder, darunter der BND, bereits 2004 zusammen mit VOIP-Anbietern an der Erarbeitung von „VOIP-LI-Standards“ mitgearbeitet haben. „LI“ steht für englisch lawful interception, rechtmäßiges Abhören.

Die VoIP-Pakete werden über ein so genanntes „Shared Medium“ übertragen, also über ein Netz, welches sich mehrere Teilnehmer und unterschiedliche Dienste teilen. Unter gewissen Voraussetzungen kann es Angreifern möglich sein, die Daten auf dem Übertragungsweg abzugreifen und das Gespräch aufzuzeichnen. Es existieren beispielsweise Programme, mit deren Hilfe der Datenstrom aus geswitchten Umgebungen mittels „ARP-Spoofing“ abgegriffen und daraus wieder eine Audiodatei erzeugt werden kann.

Zwar besteht die Möglichkeit, die Übertragung mit Secure Real-Time Transport Protocol (SRTP) zu verschlüsseln, das wird jedoch von den Anwendern nur selten genutzt, da die meisten VoIP-Anbieter es nicht unterstützen. Ein weiterer Grund ist die Unkenntnis über diese Möglichkeit, außerdem kann eine Verschlüsselung die Sprachqualität beeinträchtigen, weshalb sich häufig Anwender zu Gunsten der Sprachqualität gegen die höhere Sicherheit entscheiden.

Das oftmals eingesetzte Session Initiation Protocol (SIP) kann ebenso nicht in allen in der Praxis anzutreffenden Formen als hinreichend sicher betrachtet werden. Es verfügt zwar über Sicherheitsmechanismen (beispielsweise Call-IDs auf der Basis von Hashfunktionen), bietet jedoch Angriffsmöglichkeiten für Denial-of-Service-Attacken.

Ein anderer sicherheitsrelevanter Bereich ist zwar nicht ausschließlich auf diese Technik begrenzt, wird jedoch durch die geringen Kosten, die für die Gespräche anfallen, begünstigt. So besteht die Möglichkeit einer Art von „VoIP-Spam“, auch SPIT („Spam over Internet Telephony“) genannt.

Beim Vishing, dem Pendant zum Phishing, täuschen Kriminelle vor im Namen einer Bank anzurufen, um die Passwörter argloser Kunden zu erschleichen.[13]

Außerdem könnte das Phreaking mit VoIP sozusagen ein Revival erleben. Das Szenario beruht darauf, dass bei der VoIP-Kommunikation die Signalisierung (beispielsweise SIP) von den Sprachdaten (Payload, zum Beispiel RTP) entkoppelt ist. Zwei speziell präparierte Clients bauen über den SIP-Proxy ein Gespräch auf und verhalten sich absolut standardkonform. Nach dem Gesprächsaufbau wird dem SIP-Proxy ein Gesprächsabbau signalisiert. Dieser sieht die Sitzung als beendet an und verbucht das Gespräch. Der RTP-Datenstrom wird von den Clients jedoch aufrechterhalten. Die Gesprächspartner telefonieren kostenlos weiter.

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Eine völlig neue Sicherheitsbewertung erfordern VoIP-Telefonanlagen (z. B. im Unternehmenseinsatz) sowie alle weiteren VoIP-Geräte, die netzseitig direkt via VoIP kommunizieren. Zur Vereinfachung ist im Folgenden nur von den Telefonanlagen die Rede. Sinngemäß gelten die Ausführungen prinzipiell für jedes Gerät, das netzseitig direkt per VoIP erreichbar ist.

Während herkömmliche Telefonanlagen nur via ISDN oder Analogleitung von außen erreichbar waren und nur in seltenen Fällen eine Verbindung zum firmeninternen Daten-Netzwerk hatten (z. B. zu Konfigurationszwecken oder CTI), können sich VoIP-Anlagen, die netzseitig auf VoIP aufsetzen, als Einfallstor für neue Arten von Hackerangriffe anbieten.

Um für eintreffende Anrufe erreichbar zu sein, ist es unumgänglich, die von VoIP-Telefonie benötigten Ports in der Firewall zu öffnen und an diesen Ports eintreffende Datenpakete an die Telefonanlage weiterzuleiten. Da solche Pakete (=Anrufe) sowohl unaufgefordert als auch unplanbar eintreffen, müssen diese Ports permanent geöffnet sein und können nicht durch ausgehende Pakete getriggert werden. Die Anlage ist also auf diesen Ports ständig und ungefiltert erreichbar.

Moderne VoIP-Anlagen sind oftmals Bestandteil des lokalen Netzwerks – oder müssen dies sein, wenn auch intern VoIP-Endgeräte benutzt werden. Sollte es nun einem potentiellen Angreifer beispielsweise durch die Übertragung von manipulierten VoIP-Datagrammen gelingen, die Telefonanlage unter seine Kontrolle zu bringen, hätte er dadurch auch Zugang zum gesamten lokalen Netz erreicht. Üblicherweise werden Router, Gateways, Server und ähnliche Komponenten auf derartige Schwachstellen überprüft, wohingegen dieser Aspekt bei herkömmlichen Telefonanlagen praktisch keiner Beachtung bedurfte. Zukünftig werden VoIP-Telefonanlagen unter sicherheitstechnischen Aspekten ebenso einzustufen und entsprechend abzusichern sein wie andere netzseitig exponierte Geräte.

Ausfallsicherheit

Durch den Wegfall der klassischen Telefonleitungen stellt das lokale Datennetz in Firmen einen Single Point of Failure für die Kommunikation der Mitarbeiter dar. Waren diese ohne VoIP bei einem Ausfall einer Netzkomponente wie einem Switch oder Router noch telefonisch erreichbar, ist das mit VoIP nicht mehr der Fall beziehungsweise nur noch eingeschränkt über Mobiltelefone. Eine Investition in ein redundantes Netz kann dieses Risiko verringern.

Stromversorgung

In klassischen (leitungsvermittelnden) Telefonnetzen wurden Anschlüsse mit einer Amts-Fernspeisung betrieben, die den Anschluss unabhängig von der lokalen Stromversorgung mit Energie versorgt. Während diese Fernspeisung für Endgeräte an analogen Teilnehmeranschlüssen noch für einen Vollbetrieb, bei ISDN für ein einzelnes Endgerät im Notbetrieb ausreichend ist, ist sie für eine Energieversorgung von Geräten zum Betrieb von VoIP (zum Beispiel Router, Terminals) ungenügend.

Soll die VoIP-Funktionalität auch bei einem lokalen Energieausfall an diesen Anschlüssen weiterhin möglich sein, so müssen sämtliche Bauteile, DSL-Modems, Router, VoIP-Endgeräte, durch eine Unterbrechungsfreie Stromversorgung abgesichert werden.

Eine ähnliche Situation besteht bei vielen modernen analogen Telefonen. Vor allem die meisten Schnurlostelefone funktionieren ebenfalls nicht ohne lokale Stromversorgung der Basisstation.

Lokalisierung und Notrufe

Da die Telefonnummer nicht zwingend ortsgebunden ist, ist eine Lokalisierung des Anrufenden nur eingeschränkt möglich. Problematisch ist das vor allem bei Notrufen, wo eine Hilfe ohne entsprechender Ortsangabe sehr schwierig wird. Es betrifft außerdem Angebote, die geografische Einwahlnummern besitzen, um regionsspezifische Informationen bereitzustellen (Auskunftsdienste, Service- oder Callcenter, Sonderrufnummern).

Siehe auch: Notrufe in VoIP-Netzen

Öffentliche Sicherheit und staatliche Blockade

Da die Telefonnummern nicht ortsgebunden sind, hängt die Landeskennung allein vom SIP-Anbieter ab. Deshalb lässt sich aus der Landeskennung (etwa 49 für Deutschland) nicht entnehmen, woher der Anruf wirklich kommt. Laut nachrichtendienstlichen Quellen könnten Terroristen aus diesem Grund VoIP für ihre Kommunikation verwenden. So ist aus von Edward Snowden geleakten Dokumenten ersichtlich, dass die NSA und das GCHQ seit 2008 diverse VoIP-Kanäle von Online-Spielen überwacht.[14]
Rund um die Pariser Terroranschläge wurden Aussagen des belgischen Innenministers Jan Jambon medial aufgegriffen, der sagte, Daesch kommuniziere zunehmend über das VoIP-Feature der PlayStation 4, Party Chat.[15]
Besonders in arabischen Ländern blockieren immer mehr Internetdienstanbieter IP-Telefonie, so etwa die marokkanische Maroc Telecom.[16]

Literatur

Kai-Oliver Detken, Evren Eren: VoIP Security – Konzepte und Lösungen für sichere VoIP-Kommunikation. Hanser Verlag, 2007, ISBN 3-446-41086-4.
André Liesenfeld: Unified Communication Praxisleitfaden. Vereinigte Kommunikationsdienste planen, implementieren und erfolgreich einsetzen. Hanser, München 2010, ISBN 3-446-41834-2.
Andreas Kanbach: SIP – Die Technik. Vieweg, 2005, ISBN 3-8348-0052-X.
Thor Alexander: Internet-Telefonie, VoIP für Alle! Hanser, 2005, ISBN 3-446-40456-2.
Marc Sielemann: Voice over IP. Wirtschaftlichkeit für Groß- und mittelständische Unternehmen. Shaker, 2005, ISBN 3-8322-4591-X.
Jochen Nölle: Voice Over IP. Grundlagen, Protokolle, Migration. VDE, 2005, ISBN 3-8007-2850-8.
Anatol Badach: Voice over IP – Die Technik. 4. überarbeitete Auflage. Hanser, München 2010, ISBN 978-3-446-41772-4.
Egmont Foth: IP-Telefonie, Handbuch. FOSSIL, 2001, ISBN 3-931959-33-3.
Rolf-Dieter Köhler: Voice over IP. mitp, 2001, ISBN 3-8266-4067-5.
Hein, Reisner, Voß: Voice over IP. Sprach-Daten-Konvergenz richtig nutzen. Franzis, Poing 2002, ISBN 3-7723-6686-4.
Jörg Henkel: Voice over IP – Rechtliche und regulatorische Aspekte der Internettelefonie. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2009, ISBN 978-3-8300-4379-9. 

Spezifikationen

RFC 741 Specifications For The Network Voice Protocol (NVP)
RFC 3261 SIP: Session Initiation Protocol

Weblinks

 Wikibooks: IP-Telefonie – Lern- und Lehrmaterialien
 Wikinews: Kategorie: VoIP – in den Nachrichten
 Wiktionary: Internettelefonie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Voice over IP – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: VoIP – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: voipen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
IP-Telefonie: Sicherheit ist machbar Grundlagen und Tipps
Diplomarbeit zur Absicherung von VoIP-Installationen von der Fachhochschule Brandenburg
Informationsportal der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz
Bundesdatenschutzbeauftragter: Datenschutz bei der Internet-Telefonie – Moderne Technik mit Risiken
Liste von Anbietern, die per SIP-URI erreichbar sind – direkt oder mit ENUM-Lookup (grün, die rotmarkierten sind blockiert)

Einzelnachweise

↑ Voice-over-IP – Duden, Bibliographisches Institut; 2016

↑ [
https://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Downloads/DE/Allgemeines/Bundesnetzagentur/Publikationen/Berichte/2017/TB_Telekommunikation20162017.pdf?__blob=publicationFile&v=3] (PDF) Bundesnetzagentur, S. 17 (PDF); abgerufen am 23. Januar 2018

↑ Danny Cohen, Stephen Casner, James W. Forgie: A Network Voice Protocol NVP-II. (PDF) ISI / RR-81-90

↑ mtalk und andere frühe Linux-VOIP Pakete

Umstellung von 01805- auf 032-Vorwahl bei Deutscher Telekom für Mehrwertdienst Fax & Fon

Erreichbarkeit von 032-Rufnummern.

Vodafone als letzter großer Mobilfunker in Deutschland schaltet Weg zur Vorwahl 032 frei.

032: Spezielle Vorwahl für die Internet-Telefonie. Teltarif, abgerufen am 15. März 2015

↑ Beispielrechnung zur benötigten Bandbreite

The Good News on VoIP – Reliability Improves on Latest Keynote Study of Internet Telephone Service. Pressemeldung, 25. Januar 2006

Sagem bietet Hybrid-Fax für Faxen via Voice over IP. In: golem.de. 20. März 2007, abgerufen am 30. Oktober 2014. 

↑ Daniel Hüfner: Telefonanlage gesucht? 12 Anbieter im Schnellcheck. Abgerufen am 30. April 2019. 

↑ Marie Keyworth: Vishing and smishing: The rise of social engineering fraud. In: bbc.com. 1. Januar 2016, abgerufen am 10. April 2017. 

↑ Jaikumar Vijayan: The NSA tracks World of Warcraft and other online games for terrorist clues. In: computerworld.com. 9. Dezember 2013, abgerufen am 23. Mai 2016. 

↑ Victoria Ho: There’s no evidence ISIS used PlayStation 4 to coordinate the Paris attacks. In: mashable.com. 16. November 2015, abgerufen am 23. Mai 2016. 

Maroc Telecom Blocks Online Games. In: moroccoworldnews.com. 20. Mai 2016, abgerufen am 23. Mai 2016. 

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Dieser Artikel behandelt die Ortsveränderung von Gütern oder Personen. Für andere Bedeutungen siehe Transport (Begriffsklärung)

Transport von Lebensmitteln in Nepal

Der Transport oder das Transportieren ist in der Logistik neben dem Lagern und dem Umschlagen einer der drei Hauptprozesse (TUL-Prozesse). Beim Transport werden Transportgüter oder Personen an einen anderen Ort gebracht. Der Transport wird daher auch als Überbrückung von Räumen oder „Raumdisparitäten“ bezeichnet, während das Lagern zum Überbrücken von Zeiten dient. Der Teil der Logistik als wissenschaftliche Disziplin, der sich mit dem Transport befasst, wird als Transportlogistik bezeichnet.

Der außer- oder zwischenbetriebliche Transport wird auch als Verkehr bezeichnet. Er wird durchgeführt mit Verkehrsmitteln wie Bussen, Lastkraftwagen, Schiffen, Flugzeugen oder Zügen. Der innerbetriebliche Transport (genaugenommen der Transport innerhalb eines begrenzten Gebietes, wie Häfen oder Fabriken) wird als Fördern bezeichnet und durchgeführt mit Förderanlagen. Dazu zählen Fließbänder, Krane und Gabelstapler.

Literatur

Klaus, Krieger, Krupp (Hrsg.): Gabler Lexikon Logistik, Springer Gabler, 5. Auflage, Stichworte “Transport” und folgende.
Wolfgang Domschke: Logistik: Transport: Grundlagen, lineare Transport- und Umladeprobleme, 4. Auflage. Oldenbourg 2007. ISBN 978-3486582901.
Horst Krampe, Hans-Joachim Lucke, Michael Schenk: Grundlagen der Logistik. Theorie und Praxis logistischer Systeme. HUSS-Verlag, München 2012, ISBN 978-3-941418-80-6.

Siehe auch

 Portal: Transport und Verkehr – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Transport und Verkehr
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4060680-6 (OGND, AKS)

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Kategorie: Transport

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Schule für Erwachsenenbildung und Weiterbildung sind Weiterleitungen auf diesen Artikel. Zur Schule dieses Namens siehe Schule für Erwachsenenbildung (Berlin). Zur ärztlichen Weiterbildung siehe Ärztliche Weiterbildung.

Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Staaten zu schildern.

Erwachsenenbildung wird definiert als „Fortsetzung oder Wiederaufnahme organisierten Lernens nach Abschluss einer unterschiedlich ausgedehnten ersten Bildungsphase“[1] und ist heute weitgehend kooperativ gestaltet. Ein in der Erwachsenenbildung beruflich Tätiger wird als Erwachsenenbildner[2] bezeichnet.

Weiterbildung sind alle Aktivitäten, die der Vertiefung, Erweiterung oder Aktualisierung von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten (sogenannten Kompetenzen) von Menschen dienen, die eine erste Bildungsphase abgeschlossen haben und in der Regel erwerbstätig waren oder in der Familie gearbeitet haben.[3][4]

Volkshochschule Hietzing in Wien

Die Begriffe Erwachsenenbildung, Weiterbildung, Qualifizierung und Andragogik werden manchmal synonym, manchmal im Sinne gesonderte Bildungsstufen verwendet.[5][6] In der wissenschaftlichen und professionell-praktischen Fachliteratur überwiegt die Beschreibung der nachschulischen Bildung als Erwachsenen-/Weiterbildung oder Erwachsenenbildung und Weiterbildung. In der Vergangenheit war die Bezeichnung Volksbildung für Weiterbildung üblich; heute ist sie auf die Volkshochschulen als wichtigste Institutionen der öffentlichen Erwachsenenbildung beschränkt.

Fortbildung wird als ergänzende und fortlaufende Ausbildung in einem erlernten Beruf definiert, beispielsweise das Erlernen einer zusätzlichen Methode, oder die Ausbildung zum Meister oder Techniker. Nach dieser Unterscheidung führt

Weiterbildung die Bildung über die bisherige fachliche Ausrichtung hinaus weiter;
Fortbildung die Bildung im eigenen Fach fort, indem sie vorhandenes Wissen vertieft und aktualisiert

Inhaltsverzeichnis

1 Überblick
2 Geschichte
3 Gegenwart

3.1 Lebenslanges Lernen und Wissensgesellschaft
3.2 Kooperativ-autonomes Lernen
3.3 Inklusive Erwachsenenbildung

4 Recht und Weiterbildung
5 Verbraucherschutz
6 Weiterbildungsbeteiligung

6.1 Weiterbildungsbeteiligung nach Bereich
6.2 Weiterbildungsbeteiligung nach Veranstaltungsart
6.3 Weiterbildungsbeteiligung nach Geschlecht und Alter

7 Institutionen der Erwachsenen- und Weiterbildung

7.1 Bildungsberatung
7.2 Datenbanken und Nutzung

8 Didaktik

8.1 Handlungsorientierung
8.2 Training on the job

9 Forschung und Studium
10 Erwachsenenbildung in Litauen
11 Siehe auch
12 Literatur
13 Weblinks
14 Einzelnachweise

Überblick

Allgemein wird die Erwachsenen- und Weiterbildung in Deutschland nach verschiedenen Kriterien geordnet.

Inhalt:[7]

die berufliche Weiterbildung
die allgemeine Weiterbildung
die politische Weiterbildung

Grad der Formalisierung:[8]

formales Lernen als abschlussbezogene Bildung/Weiterbildung
non-formales Lernen als nicht abschlussbezogene Bildung/Weiterbildung
informelles Lernen als freies, nicht institutionalisiertes Lernen

Formen der beruflichen Weiterbildung:

Training on the job (Fortbildung am angestammten Arbeitsplatz in einem Unternehmen)
Training near the job (Fortbildung/Weiterbildung im Unternehmen, aber nicht am bisherigen Arbeitsplatz)
Training off the job (Weiterbildung, die außerhalb eines Unternehmens stattfindet)

Neue Medien in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung:

E-Learning
integriertes Lernen (Blended Learning)
computergestütztes Lernen
Serious Mobile Learning[9]

Dem klassischen Bildungsverständnis, nach dem eine Lehrperson den Lernenden Inhalte vermittelt, kommt immer weniger Bedeutung zu. In manchen Branchen ist es kaum mehr möglich, dass sich der Lehrende in der vollen Breite auf dem neuesten Stand des Fachwissens hält. Auch wird mit Einsatz neuer Medien das Lernen orts- und zeitunabhängig.[10]

Für die Erwachsenenbildung/Weiterbildung werden eigene theoretische Grundlagen und erwachsenengerechte Methoden entwickelt oder adaptiert. Eine eigene erwachsenenpädagogische Lerntheorie, die Theorie der Differenzierung, grenzt das Lernen des Erwachsenen von dem des Kindes ab.[11]

Geschichte

Erste Ansätze der Erwachsenenbildung zeigen sich im Zuge der Aufklärung bereits im 18. Jahrhundert, etwa bei der Gründung der Königlichen Dänischen Ackerakademie zu Glücksburg durch den Agrarreformer Philipp Ernst Lüders.

Die Ursprünge der Erwachsenenbildung in Deutschland gehen zurück auf Bemühungen der Arbeiterbildungsvereine im 19. Jahrhundert, die anfänglich deutlich emanzipatorische Ziele postulierten. Hier gründen sich auch die ersten gewerkschaftlichen und sozialistischen Weiterbildungsinitiativen. Die Praxis der gegenwärtigen bundesdeutschen Erwachsenenbildung dagegen sieht sich eher in der Tradition des bürgerlichen Bildungsideals.

Lese- und Literaturgesellschaften boten im Bürgertum des 18. Jahrhunderts erste Ansätze. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden die Volksbildungsvereine. Daneben entwickelte sich die Bewegung der Arbeiterbildung, die sich in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit fortsetzt. Erste Einsichten zur Notwendigkeit eines life-long learning (lebenslanges Lernen) finden sich in der industrialisierten Gesellschaft Ende des 19. Jahrhunderts.

1871 wurde von bürgerlichen Kreisen die Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung gegründet. In den USA entstanden Ende des 19. Jahrhunderts Chautauquas als erste Veranstaltungen zur Massenweiterbildung.

Unabhängig davon entstanden in Deutschland die ersten Volkshochschulen, so z. B. die Humboldt-Akademie in Berlin.[12] Einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Volkshochschulen in Deutschland hatte die dänische Heimvolkshochschule Grundtvigscher Prägung. Nikolai Frederik Severin Grundtvig gilt als der Begründer der ersten Volkshochschule überhaupt im Jahre 1844.

Im zwanzigsten Jahrhundert verfolgte Paulo Freire mit der Verbindung von Alphabetisierung und emanzipatorischer Bewusstseinsbildung einen innovativen Weg in der Erwachsenenbildung, an den in den angelsächsischen Ländern die Critical Pedagogy anknüpft.

Gegenwart

Lebenslanges Lernen und Wissensgesellschaft

Das Konzept des lebenslangen Lernens wurde von internationalen Organisationen wie der UNESCO und der OECD verstärkt seit den 1970er Jahren propagiert. In den 70er Jahren wurde aber auch bereits radikale Kritik an diesem Konzept geübt.[13] Lebenslanges Lernen als Konzept wird in Deutschland als bildungspolitisches Programm verstanden, um eine „nachhaltige Modernisierung von Weiterbildung, Lernkultur und erziehungswissenschaftlicher Theoriebildung bewirken zu können“.[14] Zum anderen sind damit auch Lernprozesse gemeint, die die gesamte Lebensspanne einschließen.[15]

Die Aktualität des Konzepts des Lebenslangen Lernens hängt mit der Erkenntnis zusammen, dass sich die Gesellschaften am Übergang zu sogenannten „Wissensgesellschaften“ befinden. Schon heute spielt das Wissen unter ökonomischen Gesichtspunkten die wichtigste Rolle.

„In den Schlussfolgerungen des Europäischen Rates von Lissabon wird bekräftigt, dass der erfolgreiche Übergang zur wissensbasierten Wirtschaft und Gesellschaft mit einer Orientierung zum lebenslangen Lernen einhergehen muss.“[16]

Kritik kommt aus den Reihen der Sozialwissenschaften. Marcel Schütz kritisiert in der Frankfurter Rundschau, die zahlreichen Erklärungen und Dokumente zu sozial erwünschten Effekten des Lebenslangen Lernens präsentierten oft einseitig die attraktiven Schauseiten persönlicher und beruflicher Weiterbildungsaktivität. Bei näherer Analyse falle auf, dass Wirtschaftsverbände und politische Entscheidungsebenen vor allem kontinuierliche berufliche Anpassung und Flexibilität im Auge haben, wenn Weiterbildung als individueller Mehrwert behauptet werde. Die aufgehübschten Statements machten aus dem Thema zuweilen deutlich mehr, als in der berufspraktischen Wirklichkeit festgestellt werden könne. Mit der entsprechenden Management- und Optimierungsrhetorik versehen werde das Berufsleben oft einseitig “als eine Art Fitnessprogramm” diskutiert.[17]

Kooperativ-autonomes Lernen

Erwachsenenbildung ist heute weitgehend kooperativ gestaltet. Selbstverantwortliche Persönlichkeiten teilen miteinander ihr Wissen und ihre Erfahrung, um miteinander und voneinander im Team zu lernen. Stichworte sind: Entdeckendes Lernen, Lernen durch Tun, Projektunterricht, Lernen durch Lehren. Trainer in der Erwachsenenbildung gestalten die Lernumgebung. Sie helfen den Lernenden, ihre Lernziele zu finden, unterstützen sie als Moderator und Coach und begleiten sie beim Umsetzen des Gelernten in den beruflichen und privaten Alltag (Transfer).

Inklusive Erwachsenenbildung

In der Inklusiven Erwachsenenbildung haben alle Menschen gleichermaßen Zugang zu Bildung, unabhängig von kulturellem, religiösem oder familiären Hintergrund. Inklusion ist eine wichtige sozialpolitische Herausforderung in der Erwachsenenbildung. Durch Begegnung, gemeinsames Lernen und Kooperation können bestehende soziale Grenzen abgebaut werden und neue verhindert werden. Alle Menschen werden als eine Gruppe gesehen, die verschiedene Bedürfnisse hat. Inklusion ist eine neue Sichtweise in der Soziologie und geht weit über das Konzept der Integrativen Pädagogik hinaus. Tatsächlich gibt es in der Erwachsenenbildung jedoch auch heute nur wenig inklusive Angebote.[18]

Recht und Weiterbildung

Das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit ist in verschiedenen Codices auf nationaler und internationaler Ebene festgeschrieben. Daraus ergibt sich auch eine staatliche Pflicht zur Förderung von Erwachsenenbildung. In Deutschland sind die unterschiedlichen Landesgesetze Grundlage der Förderung, die dementsprechend unterschiedlich gestaltet ist. Zumeist wird ein kooperativer Pluralismus von Anbietern (öffentliche, kirchliche, gewerkschaftliche usw.) gefördert.

Seit den 70er Jahren ist zu diesem institutionellen Ausbau der Versuch getreten, die individuelle Teilnahmemöglichkeit durch Bildungsurlaubs- oder Bildungsfreistellungsgesetz zu verbessern: Beschäftigte haben das Recht, in der Regel 5 Tage jährlich für Zwecke der beruflichen und politischen Bildung (auch hier differieren die Ländergesetze) freigestellt zu werden. Nur eine Minderheit von etwa 1 % bis 2 % der Berechtigten macht aber von diesem Recht Gebrauch.

Verbraucherschutz

Im Jahr 2002 wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Haus der Stiftung Warentest das Team Weiterbildungstest initiiert. Diese Arbeitsgruppe führt pro Jahr etwa 12 bis 15 Tests im Bereich der offen zugänglichen beruflichen Weiterbildung durch. In die Tests werden verschiedene Lernformen einbezogen (z. B. Präsenzunterricht, E-Learning oder Fernunterricht) und verschiedene Themenbereiche (z. B. Sprachkurse, kaufmännische Weiterbildungen, Weiterbildungen im Softskillbereich), aber auch solche Themen wie Weiterbildungsberatung oder Weiterbildungsdatenbanken. Die Tests werden gemäß der Satzung der Stiftung Warentest durchgeführt, die Testergebnisse werden regelmäßig in den Medien der Stiftung Warentest veröffentlicht. Zusätzlich werden allgemeine Informationen in der kompakten Form von Leitfäden kostenlos zur Verfügung gestellt, z. B. zu den Themen “Weiterbildung finanzieren”, “Altenpfleger werden” oder “Sprachen lernen”.

Weiterbildungsbeteiligung

Die Weiterbildungsbeteiligung wird in Deutschland seit dem Jahr 2007 durch den „Adult Education Survey“ (AES) erfasst. Der AES wird in allen Mitgliedsländern der EU durchgeführt und lässt somit einen europäischen Vergleich zu. Erhoben werden die Daten durch eine repräsentative Befragung, die die Teilnahme und die Nicht-Teilnahme an Weiterbildungsveranstaltungen erfasst. Zielgruppe der Befragung sind Personen zwischen 18 und 64 Jahren.[19]

Weiterbildungsbeteiligung nach Bereich

Die Ergebnisse des AES 2010 veranschaulichen die Weiterbildungsbeteiligung der Bevölkerung in Deutschland im Zeitraum von April 2009 bis Juni 2010. Die Weiterbildungsbeteiligung betrug in diesem Zeitraum 42 %. Den größten Teil nimmt die betriebliche Weiterbildung mit 59 % ein. Diese umfasst Weiterbildungsveranstaltungen, die in der Arbeitszeit stattfinden oder vom Betrieb angeordnet wurden. Individuelle berufsbezogene Weiterbildung wurde zu 23 % wahrgenommen. Sie wird aus beruflichen Gründen wahrgenommen, steht jedoch nicht unmittelbar mit dem Beruf in Verbindung. Nicht-berufsbezogene Weiterbildung ist mit 18 % der kleinste Bereich innerhalb der Weiterbildung. Sie wird nicht aus beruflichen Gründen wahrgenommen, sondern aus persönlichem Interesse.[20]

Weiterbildungsbeteiligung nach Veranstaltungsart

Im Rahmen der Weiterbildung werden mit 47 % überwiegend Kurzveranstaltungen besucht, die eine Dauer von einigen Stunden bis hin zu höchstens einem Tag haben. 27 % der besuchten Veranstaltungen sind mehrtägig, 25 % sind Veranstaltungen, die von mehreren Wochen bis hin zu mehreren Monaten gehen.[21] Die Veranstaltungen können laut AES in vier Arten unterteilt werden. „Kurse und Lehrgänge, Kurzzeitige Bildungs- oder Weiterbildungsveranstaltungen, also Vorträge, Schulungen, Seminare oder Workshops, Schulungen am Arbeitsplatz und Privatunterricht in der Freizeit.“[22] „Themen der Veranstaltungen sind Wirtschaft, Arbeit und Recht (31 %),[…] Natur, Technik und Computer (26 %),[…] Gesundheit und Sport (16 %),[…] Sprachen, Kultur und Politik (12 %) sowie Pädagogik und Sozialkompetenz (11 %).“[23]

Weiterbildungsbeteiligung nach Geschlecht und Alter

Unter den Vollzeitbeschäftigten nehmen 53 % der Frauen und 50 % der Männer an Weiterbildungsveranstaltungen teil. Werden die Weiterbildungsteilnehmer in Altersgruppen betrachtet, so sind die 35 bis 54-Jährigen mit 47 % in der Weiterbildung am aktivsten. Darauf folgt die Gruppe der 18 bis 34-Jährigen mit 41 %. Bei der Altersgruppe der 55 bis 64-Jährigen beträgt die Weiterbildungsbeteiligung 34 %.[24]

Institutionen der Erwachsenen- und Weiterbildung

Träger und Anbieter öffentlicher Erwachsenenbildung/Weiterbildung sind u. a. die Familienbildungsstätten, Heimvolkshochschulen und Volkshochschulen, gewerkschaftliche und kirchliche Einrichtungen, Bildungswerke, Akademien, Bildungszentren der Kammern (z. B. Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer), private Bildungseinrichtungen, Bildungseinrichtungen in Betrieben. Weiterbildung gehört neben Lehre und Forschung auch zu den gesetzlichen Aufgaben der Hochschulen (Wissenschaftliche Weiterbildung). Die Allgemeine Hochschulreife kann an einem Abendgymnasium, per Fernunterricht oder – in Tagesform – auch an einem Kolleg erworben werden.

Bildungsberatung

Weiterbildungsberatung im beruflichen Bereich bieten neben den Weiterbildungsträgern die Kammern, die zugleich meist Weiterbildungsanbieter sind. Trägerneutrale Beratung, oftmals auch für allgemeine Weiterbildung, bieten unabhängige Weiterbildungsberatungsstellen, die meist kommunal verankert sind. Je nach Schwerpunkt bieten diese Informationen zu Bildungswegen, Weiterbildungsangeboten, Fördermöglichkeiten, Wiedereinstieg nach Babypause und Verbraucherschutz; neben Informationsmaterial werden gewöhnlich auch orientierende Beratungsgespräche angeboten.

Datenbanken und Nutzung

Informationen über Weiterbildungsangebote werden in ca. 170 Weiterbildungsdatenbanken bereitgestellt.[25] Die Weiterbildungsdatenbanken können nach regionalen, bundesweiten, themenspezifischen und zielgruppenspezifischen Datenbanken unterschieden werden. Um ihre Qualität zu beurteilen, wurden Mindeststandards entwickelt, welche die Inhalte aufweisen sollten. Diese sind durch die DIN-PAS 1045 festgelegt.

Mehr Frauen als Männer greifen auf Datenbanken zurück – und ihr Anteil steigt, zuletzt auf 64 Prozent weiblicher Nutzer im Jahr 2014. Im Durchschnitt sind Weiterbildungswillige, die eine Datenbank konsultieren, 42,5 Jahre alt. 70 Prozent sind Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, 13 Prozent Selbstständige, 8 Prozent arbeitslos. 2013 haben die Befragten 924 Euro für ihre Weiterbildung ausgegeben.

18 Prozent derjenigen, die in den Datenbanken recherchieren, nehmen daraufhin an einem Weiterbildungskurs teil und bewerten die Angebote in Schulnoten mit einer 2,4. Knapp 75 Prozent der Befragten bewerten die Suchmöglichkeiten und knapp zwei Drittel die Bedienerfreundlichkeit der Datenbanken mit gut oder sehr gut. Doch nur die Hälfte empfindet die Vollständigkeit der recherchierbaren Kurse und Seminare, also die Marktabdeckung, als gut oder gar besser.[26]

Didaktik

Erwachsenenbildung findet häufig nicht im Frontalunterricht statt, sondern mit starkem Handlungsbezug, der die berufstypischen Erfahrungen und die lebenspraktischen Erwartungen sowie die Ziele der Maßnahmenträger als auch der Teilnehmer selbst zu erfüllen hat.

Handlungsorientierung

Neben den im sogenannten „Göttinger Katalog“ aufgeführten Methoden haben sich weitere Lehrmethoden des selbstgesteuerten Lernens etabliert, die dem Lernenden weitgehende Eigenständigkeit bei der Umsetzung der Lernziele erlauben bzw. abverlangen, z. B.:

(alphabetisch)

Coaching
Handlungsorientierter Unterricht
Lernen durch Lehren
Planspiel
Projektarbeit
Zukunftswerkstatt

Training on the job

Training on the job ist eine Form der beruflichen Weiterbildung, die auf deutsch mit „Lernen am Arbeitsplatz“ umschrieben wird. Sie erfolgt am Arbeitsplatz durch Zusehen und Mitmachen unter Anleitung einer Facharbeitskraft[27] – sowohl in der Einarbeitungsphase als auch in der Routinephase, um dann durch Einbringen weiterer und neuer Aspekte in den jeweiligen Tätigkeitsablauf die Betriebsblindheit in einem Unternehmen zu vermeiden oder rück zu bilden.

Andere Methoden der Personalentwicklung sind „Training off the job“ (Bildung ohne räumliche Nähe zum Arbeitsplatz) und „Training near the job“.

Forschung und Studium

Für Weiterbildung, Weiterbildungsinnovationen und Weiterbildungsforschung gibt es an vielen Hochschulen der Bundesrepublik Deutschland eine eigenständige Professur. Erwachsenenbildung/Weiterbildung kann an zahlreichen Hochschulen als Studienrichtung der Erziehungswissenschaft im Rahmen eines Diplom- oder BA/MA Studiums studiert werden. Die Erwachsenenbildung wird in der Regel über Lehrstühle und Professuren realisiert, an einigen Hochschulen gibt es mehrere Professuren oder ganze Institute, die sich speziell der Erwachsenenbildung annehmen, so etwa in Duisburg-Essen.[28]

Darüber hinaus beschäftigt sich das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung[29] mit der Entwicklung im Feld der Erwachsenen- und Weiterbildung. Das DIE betreibt selbst anwendungsrelevante und grundlagenbasierte Forschung, stellt wissenschaftliche Dienstleistungen zur Verfügung und entwickelt innovative Konzepte für die Praxis. Seine Forschungsarbeiten und Dienstleistungen auf wissenschaftlicher Grundlage erbringt das DIE mit dem Ziel, die Wissenschaft von der Weiterbildung und die Praxis der Erwachsenenbildung zu professionalisieren.

Das zentrale Fachorgan für Forschungsdiskurse und -ergebnisse der Erwachsenen- und Weiterbildungswissenschaft ist REPORT. Zeitschrift für Weiterbildungsforschung. Seit 2006 ist die Zeitschrift einem Peer Review unterzogen und veröffentlicht von Experten begutachtete, qualitativ hochwertige Beiträge zu aktuellen Forschungsergebnissen und Entwicklungen der Erwachsenenbildungswissenschaft.[30]

Auch mit Bürgeruniversitäten und Seniorenakademien engagieren sich einzelne Universitäten und Volkshochschulen im Weiterbildungsbereich.

Mit dem organisatorischen Teil der Erwachsenenbildung befasst sich das Bildungsmanagement.

Erwachsenenbildung in Litauen

Hauptartikel: Erwachsenenbildung in Litauen

Die Erwachsenenbildung in Litauen ist ein Teil der litauischen Bildung. Es wird zwischen den Schulen der beruflichen Bildung und der allgemeinen Bildung unterschieden. Es gibt einige Gymnasien und mehrere Mittelschulen. Dort wird das Abitur angeboten. Nach den Abiturprüfungen wird ein Reifezeugnis ausgestellt. Die Organisationen der Erwachsenenbildung in Litauen sind im Litauischen Verband der Erwachsenenbildung (Lietuvos suaugusiųjų švietimo asociacija) zusammengefasst.

Siehe auch

 Portal: Bildung – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bildung

Bildungsarten

Ärztliche Weiterbildung
Bildung von unten
Biografische Weiterbildung
Umschulung

Institute

Liste der universitären Fortbildungseinrichtungen in Deutschland
Bundesinstitut für Berufsbildung
Forschungsinstitut Betriebliche Bildung

Weiteres

Bildungsgutschein
Bildungsprämie
Initiative Erwachsenenbildung
Personalentwicklung
MAGAZIN erwachsenenbildung.at

Literatur

Marc Beutner: NetEnquiry. Innovative Ansätze zum Serious Mobile Learning für Aus- und Weiterbildung. ISBN 978-3-946826-00-2.
Mark Bechtel, Susanne Lattke: Porträt Weiterbildung Europäische Union. Hrsg.: DIE. Bonn 2005, ISBN 3-7639-1912-0. 
Peter Brandt, Ekkerhard Nuissl: Porträt Weiterbildung Deutschland. Hrsg.: DIE. Bonn 2009, ISBN 978-3-7639-1970-3. 
Deutscher Bildungsrat (Hrsg.): Empfehlungen der Bildungskommission. Strukturplan für das Bildungswesen. Stuttgart 1970. 
Christoph Ehmann: Bildungsfinanzierung und soziale Gerechtigkeit. Bielefeld 2001. 
Deutsches Institut für Erwachsenenbildung: Trends der Weiterbildung: DIE-Trendanalyse 2014. Hrsg.: DIE. Bonn 2013, ISBN 978-3-7639-5313-4. 
Helmut Kuwan u. a.: Berichtssystem Weiterbildung IX. Bonn 2006 (bmbf.de [PDF; 2,9 MB]). 
Bernhard Nagel: Das Rechtssystem in der Weiterbildung. In: Krug, Nuissl (Hrsg.): Praxishandbuch Weiterbildungsrecht. Köln März 2007. 
Peter Speck, Detlef Jürgen Brauner (Hrsg.): Bildungsinnovationen, Neue Bildungskonzepte und Geschäftsmodelle. Sternenfels 2014, ISBN 978-3-89673-668-0. 

Einführungen

Rolf Arnold: Erwachsenenbildung: eine Einführung in Grundlagen, Probleme und Perspektiven. 4. überarb. Auflage. Schneider-Verlag Hohengehren, Baltmannsweiler 2001, ISBN 3-89676-402-0.
Peter Faulstich, Christine Zeuner: Erwachsenenbildung: Eine handlungsorientierte Einführung. Juventa, München 1999, ISBN 3-7799-1541-3.
Hermann Forneck, Daniel Wrana: Ein parzelliertes Feld. Einführung in die Erwachsenenbildung. wbv, Bielefeld 2005, ISBN 3-7639-3165-1.
Jochen Kade, Dieter Nittel, Wolfgang Seitter: Einführung in die Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Kohlhammer, Stuttgart 1999, ISBN 3-17-015904-6.
Karl Platzer: Rechtliche Grundlagen der Erwachsenenbildung unter besonderer Berücksichtigung von EB-Gesetzen. WiKu-Verlag, Duisburg, ISBN 3-86553-153-9.
Gerhard Strunk: Erwachsenenbildung – Begriff, Geschichte, System und Aufgabenverständnis. In: W. Sarges, R. Fricke (Hrsg.): Psychologie für die Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Ein Handbuch in Grundbegriffen. Hogrefe, Göttingen 1986, ISBN 3-8017-0231-6, S. 1–19.
Jürgen Wittpoth: Einführung in die Erwachsenenbildung. 4. Auflage. Budrich, Opladen 2013, ISBN 978-3-8252-8529-6.
Gertrud Wolf: Zur Konstruktion des Erwachsenen – Grundlagen einer erwachsenenpädagogischen Lerntheorie. VS-Verlag, Wiesbaden 2011, ISBN 978-3-531-18128-8.

Handbücher und Lexika

Rolf Arnold, Sigrid Nolda, Ekkehard Nuissl (Hrsg.): Wörterbuch Erwachsenenbildung. 2., überarbeitete Auflage. Julius Klinkhardt, Bad Heilbrunn 2010, ISBN 978-3-8252-8425-1. (Online-Ausgabe siehe unten Weblinks)
Bernd Dewe, Günther Frank, Wolfgang Huge: Theorien der Erwachsenenbildung. Ein Handbuch. Hueber, München 1988, ISBN 3-19-006945-X.
Thomas Fuhr, Philipp Gonon, Christiane Hof (Hrsg.): Handbuch der Erziehungswissenschaft. Band 4: Erwachsenenbildung – Weiterbildung. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2011, ISBN 978-3-8252-8448-0.
Peter Jarvis (Hrsg.): International Dictionary of Adult and Continuing Education. Kogan Page, London 1999.
Werner Sarges, Reiner Fricke (Hrsg.): Psychologie für die Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Ein Handbuch in Grundbegriffen. Hogrefe, Göttingen 1986, ISBN 3-8017-0231-6.
Werner Sarges, Friedrich Haeberlin (Hrsg.): Marketing für die Erwachsenenbildung – Mit einer Einleitung von Joachim H. Knoll. Schroedel, Hannover 1980, ISBN 3-507-36703-3.
Rudolf Tippelt (Hrsg.): Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Leske & Budrich, Opladen 1999, ISBN 3-8100-2329-9.

Weblinks

Online-Ausgabe des Wörterbuchs Erwachsenenbildung von Arnold, Nolda, Nuissl (Hrsg.); Details siehe oben Handbücher und Lexika
Weiterbildung und Erwachsenenbildung auf dem Deutschen Bildungsserver
Linkdatenbank vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung
Literatursuche vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung
Weiterbildungsgesetz – WbG (NRW) bei www.dgb-bildungswerk-nrw.de
Weiterbildungsfakten – wissenschaftliche Basisinformationen zur deutschen Weiterbildung vom Deutschen Institut für Erwachsenenbildung
DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung
Institut für Internationale Zusammenarbeit des Deutschen Volkshochschulverbandes

Einzelnachweise

↑ Deutscher Bildungsrat (Hrsg.): Empfehlungen der Bildungskommission. Strukturplan für das Bildungswesen. Bonn 1970, S. 197. 

↑ Duden: Erwachsenenbildner.

↑ Bernhard Nagel: Das Rechtssystem in der Weiterbildung. In: Krug, Nuissl (Hrsg.): Praxishandbuch Weiterbildungsrecht. Köln März 2007, Abschnitt 1, S. 3. 

↑ Helmut Kuwan u. a.: Berichtssystem Weiterbildung IX (PDF). Bonn 2006, S. 12. 

↑ Tippelt, 1999, S. 11.

Hans-Böckler-Stiftung: Qualifizierung – Weiterbildung. Abgerufen am 25. September 2014. 

↑ Vgl.Bundesinstitut für Berufsbildung (1996): Schaubilder zur Berufsbildung. Band 2 Weiterbildung. Bielefeld

↑ Juliane Giese,Jürgen Wittpoth: Institutionen der Erwachsenenbildung. In: T. Fuhr, P. Gonon, C. Hof (Hrsg.): Handbuch der Erziehungswissenschaft. Band 4: Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Schöningh, Paderborn 2011, S. 199–217.

↑ Marc Beutner, Marcel Gebbe: Serious Mobile Learning. Mehr als die Nutzung mobiler Endgeräte. In: Marc Beutner (Hrsg.): NetEnquiry. Innovative Ansätze zum Serious Mobile Learning für Aus- und Weiterbildung. Ingenious Knowledge, Köln 2016, ISBN 978-3-946826-00-2, S. 41–69. 

↑ BMBF: Abschlussbericht zum „Bildungs-Delphi“. Potentiale und Dimensionen der Wissensgesellschaft. Auswirkungen auf Bildungsprozesse und Bildungsstrukturen. München 1998. www.bmbf.de/pub/delphi-befragung_1996_1998.pdf

↑ Gertrud Wolf: Zur Konstruktion des Erwachsenen – Grundlagen einer erwachsenenpädagogischen Lerntheorie. VS-Verlag, Wiesbaden 2011, S. 54f.

↑ Vgl. Wolfgang Ayaß: Max Hirsch. Sozialliberaler Gewerkschaftsführer und Pionier der Volkshochschulen, Berlin 2013 (= Jüdische Miniaturen 141).

↑ Heinrich Daubner, Etienne Verne (Hrsg.): Freiheit zum Lernen. Alternativen zur lebenslänglichen Verschulung. Die Einheit von Leben, Lernen und Arbeiten. Reinbek bei Hamburg, 1976.

↑ Rainer Brödel: Lebenslanges Lernen. In: T. Fuhr, P. Gonon, C. Hof (Hrsg.): Handbuch der Erziehungswissenschaft. Band 4: Erwachsenenbildung/Weiterbildung. Schöningh, Paderborn 2011, S. 236.

↑ Joachim Ludwig: Strukturen Lebenslangen Lernens – eine Einführung. In: C. Hof, J. Ludwig, C. Zeuner (Hrsg.): Strukturen Lebenslangen Lernens. Schneider Hohengehren, Baltmannsweiler 2007, S. 1–3.

↑ Deutsches Institut für Erwachsenenbildung (2000). Kommission der Europäischen Gemeinschaften. Memorandum über Lebenslanges Lernen.SEK (2000)1832. http://www.die-bonn.de/Weiterbildung/Literaturrecherche/details.aspx?ID=745

↑ Marcel Schütz: Flexibel im Berufsleben. In: Frankfurter Rundschau. 4. Juli 2015.

↑ Ulrich Heimlich, Isabel Behr: Inklusion von Menschen mit Behinderung in der Erwachsenenbildung/Weiterbildung. In: R. Tippelt, Aiga von Hippel (Hrsg.): Handbuch Erwachsenenbildung/Weiterbildung. VS-Verlag, Wiesbaden 2011, S. 813–826.

↑ BMBF (Hrsg.): Weiterbildungsverhalten in Deutschland. AES 2010 Trendbericht, Bonn 2011, S. 5–8.

↑ BMBF (Hrsg.): Weiterbildungsverhalten in Deutschland. AES 2010 Trendbericht. Bonn 2011, S. 5–8, 19–21.

↑ BMBF (Hrsg.): Weiterbildungsverhalten in Deutschland. AES 2010 Trendbericht. Bonn 2011, S. 5.

↑ BMBF (Hrsg.): Weiterbildungsverhalten in Deutschland. AES 2010 Trendbericht. Bonn 2011, S. 9.

↑ BMBF (Hrsg.): Weiterbildungsverhalten in Deutschland. AES 2010 Trendbericht. Bonn 2011, S. 14.

↑ BMBF (Hrsg.): Weiterbildungsverhalten in Deutschland. AES 2010 Trendbericht. Bonn 2011, S. 6.

↑ IWWB-Datenbank

↑ Online-Umfragen des IWWB

↑ Wirtschaftslexikon, training-on-the-job

↑ EB/WB an Hochschulen@1@2Vorlage:Toter Link/www.wb-giessen.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.

↑ DIE – Deutsches Institut für Erwachsenenbildung

↑ REPORT. Zeitschrift für Weiterbildungsforschung

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4015428-2 (OGND, AKS)

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GmbH Gesellschaftszweck / Unternehmensgegenstand: Controlling Einführung Aufgaben und Funktionen Kontrollaufgaben Historische Entwicklung Navigationsmenü aus Dortmund

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Controlling (englisch to control, ‚steuern‘, ‚regeln‘) ist ein Begriff der Wirtschaftswissenschaft und wird im deutschen Sprachraum als Teilfunktion des unternehmerischen Führungssystems (Management) verstanden, dessen Kernaufgabe die Planung, Steuerung und Kontrolle aller Unternehmensbereiche ist. Ein direktes Äquivalent zum deutschen Sprachgebrauch ist im englischen Sprachraum unbekannt, Controlling ist deshalb ein Scheinanglizismus.

Controlling ist ein Sammelbegriff, der Planung, Koordination und Kontrolle des Unternehmens einschließt. Controlling-Mitarbeiter versorgen die Unternehmensführung mit den Informationen, die sie braucht um informierte Entscheidungen zu treffen, und hilft ihr dann dabei, diese Entscheidungen in die Tat umzusetzen.[1] Es wird operatives von strategischem Controlling unterschieden. Das operative Controlling ist für die Verwaltung des Budgets zuständig und achtet darauf, dass das Unternehmen wirtschaftlich erfolgreich ist. Das strategische Controlling analysiert den Markt, damit das Unternehmen sicher sein kann, dass an den Produkten die es produziert, tatsächlich Interesse besteht, und auf Änderungen der Nachfrage reagieren kann. Das Risikocontrolling analysiert und beobachtet Risiken, denen ein Unternehmen ausgesetzt ist (siehe zu den Aufgaben Risikoanalyse und Risikoaggregation).

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung
2 Aufgaben und Funktionen

2.1 Planungsaufgaben
2.2 Informations- und Dienstleistungsaufgaben
2.3 Steuerungsaufgaben
2.4 Koordinationsaufgaben
2.5 Rationalitätssicherungsaufgaben und Entscheidungsvorbereitung

3 Kontrollaufgaben
4 Historische Entwicklung
5 Siehe auch
6 Literatur
7 Weblinks
8 Einzelnachweise

Einführung

In der Fachliteratur gibt es verschiedene Ansätze, um das Controlling als eigenständige betriebswirtschaftliche Teildisziplin zu begründen. Im Zentrum steht dabei der Gedanke, dass Controlling mehr ist als die reine Zusammenfassung bereits bestehender Führungsteilaufgaben, wie zum Beispiel Planung, Berichtswesen und Abweichungsanalyse („alter Wein in neuen Schläuchen“). In den letzten 20 Jahren hat sich zunehmend der koordinationsorientierte Ansatz durchgesetzt: Controlling sei eine eigene Teildisziplin, weil sie sich vor allem damit beschäftigt, verschiedene Teile der Unternehmensführung untereinander zu koordinieren (siehe Koordinationsaufgaben).

Controlling als Aufgabenfeld kann von verschiedenen, verantwortlichen Personen oder auch der Geschäftsleitung selbst wahrgenommen werden, ohne dass eine Person die ausdrückliche Bezeichnung „Controller“ führt.[2] Vor allem in kleineren und mittleren Betrieben wird die Controllingfunktion oft von der Unternehmensführung selbst oder von der Leitung des Rechnungswesens wahrgenommen. Oberhalb einer Betriebsgröße von 200 Beschäftigten ist zunehmend ein eigenständiger Controller für diese Aufgaben zuständig.[3]

Aufgaben und Funktionen

Planungsaufgaben

In Zusammenarbeit mit der obersten Führungsebene führt ein Controller die Teilziele der Bereiche zu einem ganzheitlichen und abgestimmten Zielsystem zusammen. Das Zielsystem bildet den Ausgangspunkt für die eigentliche Budgetierung, in der Maßnahmen und Ressourcen zur Zielerreichung festgelegt werden. Die inhaltliche Planung erfolgt dabei durch die Führungskräfte der Bereiche. Zu den Controllingaufgaben gehören u. a. die Erstellung der erforderlichen Planungsunterlagen (Formulare) und die zeitliche Koordination der Planungsschritte in Form eines Planungskalenders, der Bereichen vorgegeben wird. Die durch deren Führungskräfte erstellten Teilpläne werden anschließend durch den Controller auf Zielkonformität überprüft und zu einem abgestimmten Gesamtplan zusammengefasst. Den Abschluss der Planung bildet die Fixierung und Dokumentation der Planwerte in Form von Budgets. Budgets stellen Vorgaben dar, die zur Erreichung der Planziele im darauffolgenden Geschäftsjahr einzuhalten sind (siehe auch Unternehmensplanung). Eine Alternative zur budgetbasierten Führung ist die indexierte operative Leistungsmessung.

Informations- und Dienstleistungsaufgaben

Der Controller organisiert bereichsübergreifend das Berichtswesen und baut dieses zu einem umfassenden Management-Informationssystem aus. Hierunter versteht man die regelmäßige Übermittlung von betriebswirtschaftlichen Steuerungsinformationen in strukturierter und komprimierter Form an die Führungskräfte. Sie bilden die Grundlage für die Überwachung der Wirtschaftlichkeit und für die Beurteilung der Geschäftsentwicklung anhand von Zielgrößen wie Gewinn, Rentabilität, Deckungsbeitrag oder den berechneten Unternehmenswert als Performancemaß (“wertorientiertes Controlling”). Im Rechnungswesen (Finanz- und Betriebsbuchhaltung) wird hierzu zunächst das Zahlenwerk über alle abgelaufenen wirtschaftlichen Vorgänge (Ist-Werte) in auswertbarer Form bereitgestellt. Das Controlling greift auf diese Datenbasis zurück, verdichtet sie weiter, stellt die erreichten Werte den vorgegebenen aus der Planung gegenüber und bereitet sie zu benutzerorientierten Management-Berichten auf. Daneben stellt das Controlling Kennzahlensysteme zur Verfügung, die zur Fundierung betrieblicher Entscheidungen dienen. So kann zum Beispiel die Wirtschaftlichkeit von Investitionsvorhaben anhand der Kennzahl Kapitalwert (Summe der mit risikoadäquaten Kapitalkosten abgezinsten Erwartungswerten der Einnahmenüberschüsse) als Erfolgsmaßstab beurteilt werden. Für den Controller stellen die Informationen der Kostenrechnung zumindest im operativen Geschäft die wesentliche Arbeitsgrundlage dar.[4]

Neben der periodischen Aktualisierung des Berichtswesens gehört auch die grundlegende Gestaltung und Weiterentwicklung der EDV-gestützten Controllingsysteme zu diesem Aufgabenbereich. Darüber hinaus steht der Controller den Führungskräften als Berater zur Verfügung, indem er zum einen hilft, Entscheidungen betriebswirtschaftlich zu fundieren und ihre Ergebnisauswirkungen abzuschätzen. Zum anderen unterstützt er das Management bei der Identifikation von Abläufen und Sachverhalten, die die Wirtschaftlichkeit beeinträchtigen und der Erforschung ihrer Ursachen.

Das sogenannte Führungscockpit (auch Management Cockpit oder Kennzahlen-Cockpit) ist eine spezielle Darstellung der grundlegenden ökonomischen Kennzahlen eines Unternehmens, die das Controlling der Unternehmensführung möglichst zeitnah bereitstellt. Der Controller als Träger der Transparenzverantwortung hat die Aufgabe, über die reine Darlegung dieser Kennzahlen hinaus eine Darstellung zu wählen, die möglichst direkt und übersichtlich erkennen lässt, in welchem Umfang die Unternehmensziele aktuell erreicht werden.[5] Die Ausarbeitung von definierten Schlüsselindikatoren kann hierbei helfen schnell auf sich verändernde Tendenzen[6] innerhalb und außerhalb des Unternehmens zu reagieren. Ein definiertes System von Maßnahmen unterstützt die Organisation dabei, die langfristigen Ziele zu erreichen.

Steuerungsaufgaben

Steuern kann vorlaufend (perspektiv), mitlaufend oder nachlaufend (retrospektiv) erfolgen. Im Zusammenhang mit Controlling wird meist ausschließlich die nachlaufende Option verstanden, die auf Daten der Vergangenheit aufsetzt. Der Zeitversatz zwischen dem Entstehen der Daten und dem steuernden Eingriff nach Auswerten solcher Daten wird dabei toleriert.

Unter der Steuerung ist nach der systematischen Überwachung des Geschäftsverlaufs (durch Vergleich von erreichten Ist-Werten mit geplanten Sollgrößen) die (Nach)Steuerung durch bestimmte Maßnahmen zu verstehen. Es empfiehlt sich, neben den ursprünglich festgeschriebenen Planwerten die sich verändernden, mitlaufenden Sollwerte separat zu dokumentieren. Nur so ist eine aussagekräftige Überprüfung des Geschäftsverlaufs zu jedem denkbaren Zeitpunkt möglich. Diese Abweichungsberichte setzen ein funktionsfähiges Berichtswesen voraus. Sie unterstützen zudem die Zielerreichung, indem sie das Verhalten der Führungskräfte und Mitarbeiter hinsichtlich Einhaltung der vorgegebenen Budgets sicherstellen.

Die Aufgaben des Controllings gehen über den reinen Soll-Ist-Vergleich (Umsetzungsprüfung) hinaus. Im Rahmen der Abweichungsanalyse analysiert der Controller eventuelle Abweichungen, ermittelt deren Ursachen und ihre Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf. Falls erforderlich, zeigt er Handlungsbedarf auf und löst beim Management Gegensteuerungsmaßnahmen zur Zielerreichung aus.

An dieser Schnittstelle zu den Verantwortungsbereichen des Managements ist das Einvernehmen des Controllers und der Geschäfts- oder Bereichsführung von größter Bedeutung. Andauernde Meinungskonflikte über die Prämissen des Wirtschaftsplans und Uneinigkeit über Steuerungsmethoden ziehen politische Einflussnahmen seitens des Managements nach sich, die jede Planung absurd erscheinen lassen. Steuernde Einflussnahme im Geschäftsverlauf ist in erster Linie Einflussnahme auf das Verhalten und das Rollenverständnis des Managements, untermauert mit Zahlen, Daten und Fakten des Controllings, die von der Unternehmensführung zur Gestaltung ihrer Geschäftsstrategie bewertet werden.

Der Controller erstellt außerdem Prognosen (Vorschaurechnungen) über den erwarteten Geschäftsverlauf, damit potentielle Abweichungen bereits im Vorfeld erkannt und unerwünschte Entwicklungen vermieden werden können. Die drei hauptsächlichen Vorschaurechnungen sind:

das Leistungsbudget (Plan-GuV): Ermittlung des voraussichtlichen Jahresüberschusses
die Planbilanz
der Finanzplan (Plan-Kapitalflussrechnung): Ermittlung des voraussichtlichen Zahlungsmittelbedarfs

Neuere Controllingkonzeptionen stellen einen über die Aspekte des Finanzcontrollings hinausgehenden Steuerungsanspruch. So konzentriert sich das Konzept der Balanced Scorecard beispielsweise auf die vier Perspektiven Finanzen, Kunden, Mitarbeiter und Prozesse. Der Ansatz des systemischen Controllings beinhaltet neben einem allumfassenden organisatorischen Steuerungskonzept für das systemische Management auch Verbindungen zur lernenden Organisation und zur Organisationsentwicklung.

Koordinationsaufgaben

Der Schwerpunkt liegt hier zum einen in der generellen Zielausrichtung und zum anderen in der Koordination des Planungs- und Kontrollsystems mit dem Informationssystem. Dabei wird zwischen einer systembildenden und einer systemkoppelnden Koordinationsaufgabe unterschieden. Systembildende Koordination bedeutet, ein funktionsfähiges Planungs- und Kontrollsystem beziehungsweise Informationssystem bereitzustellen sowie laufende Gestaltungs-, Anpassungs- und Abstimmungsaufgaben innerhalb dieser Teilbereiche vorzunehmen. Mit systemkoppelnder Koordination ist die Abstimmung zwischen den Teilsystemen gemeint, das heißt insbesondere die Deckung des Informationsbedarfs von Planungs- und Steuerungsprozessen durch das Rechnungswesen und durch das Berichtswesen. Eine wichtige systemkoppelnde Aufgabe besteht beispielsweise darin, ein Rechnungswesen aufzubauen, das die Auswirkungen möglicher Handlungsalternativen adäquat abbildet.

Rationalitätssicherungsaufgaben und Entscheidungsvorbereitung

Als Erweiterung der Koordinationsaufgaben wird Controlling auch als Rationalitätssicherung der Führung gesehen. Führung wird durch eigenständige Ziele verfolgende ökonomische Akteure (insbesondere Manager) vollzogen, die hierfür kognitive Fähigkeiten besitzen. Dementsprechend kann zwischen zwei Arten von Rationalitätsdefiziten unterschieden werden: Wollens-Beschränkungen und Könnens-Beschränkungen. Als Wollens-Beschränkungen werden Handlungen aufgefasst, die sich über die Ziele des Gesamtunternehmens hinwegsetzen, um einen persönlichen Vorteil zu erlangen. Könnens-Beschränkungen resultieren aus den begrenzten Fähigkeiten, beispielsweise fehlender Fachkenntnis und begrenzte Aufnahme- und Verarbeitungskapazität (Bounded Rationality). Die Aufgabe des Controllings als Rationalitätssicherung ist es deshalb, diese Defizite zu vermindern oder zu vermeiden. Es soll somit die Wahrscheinlichkeit erhöht werden, dass das Management trotz vorhandener Defizite im für das Unternehmen und seine Eigentümer, optimalen Sinne handelt. Insbesondere soll das Controlling bei der Vorbereitung unternehmerischer Entscheidungen unterstützen, z. B. durch das Aufzeigen der Implikationen einer Handlungsoption (z. B. Investition) für die zukünftig erwarteten Erträge und die mit diesen verbundenen Risiken (Chancen und Gefahren aus einer Risikoanalyse). Das Controlling ermöglicht so ein Abwägen von Ertrags- und Risikoauswirkungen und damit eine risikogerechte Bewertung (z. B. durch den Vergleich der erwarteten Rendite einer Investition mit den vom Risikoumfang abhängigen Kapitalkosten als Renditeanforderung). Das Controlling trägt damit dazu bei den gesetzlichen Anforderungen an die Vorbereitung unternehmerischer Entscheidungen gerecht zu werden (siehe Business Judgement Rule).

Kontrollaufgaben

Controlling wird nach der wörtlichen Übersetzung häufig fälschlich als Instrument formaler Kontrolle statt als Steuerungsinstrument verstanden. In zahlreichen Unternehmen werden daher Controller als Kontrolleure und nicht als Fachleute für die Steuerung der Unternehmensprozesse aufgefasst.[2]

Historische Entwicklung

Historisch gesehen ist das Controlling zuerst für privatwirtschaftliche Unternehmen entwickelt worden. Dabei haben sich frühe Controllingkonzeptionen zunächst in Industrieunternehmen und Verkehrsbetrieben der USA etabliert. Es gibt ältere Synonyme wie Controllership und Comptroller, die in ihrer etymologischen Bedeutung die Entwicklung des Controllings aus dem Rechnungswesen verdeutlichen. So kann der aus dem Französischen stammende Neologismus Comptroller als sogenanntes Portmanteauwort angesehen werden. Die französischen Wörter compte (Rechnung) oder compter (rechnen, zählen) und controleur (Kontrolleur, Prüfer), contrôler oder contrer (überprüfen) verschmolzen zum Comptroller (Rechnungsüberprüfer, Controller). Der erste auf das Controlling ausgerichtete Lehrstuhl in Deutschland wurde 1973 an der Technischen Hochschule Darmstadt (heute Technische Universität Darmstadt) eingerichtet und mit Péter Horváth besetzt.[7] Er gilt als Mitbegründer dieser Wissenschaftsdisziplin.

Eine Rückwirkung auf die wissenschaftliche Literatur des englischen Sprachraums ist nicht belegt.

Siehe auch

Liste der Controllinginstrumente
Auditing
Chancenmanagement
Controlling-Konzeption
Einkaufscontrolling
Evaluation
Gleichstellungs-Controlling
Media-Controlling
Organisationscontrolling
Personalcontrolling
Risikomanagement
Unternehmensplanung

Literatur

Burkhard Huch u. a.: Rechnungswesen-orientiertes Controlling. 4. Auflage. Physika-Verlag, Heidelberg 2004, ISBN 3-7908-0094-5. 
Johannes N. Stelling: Kostenmanagement und Controlling. 3. Auflage. Oldenbourg, München/ Wien 2009, ISBN 978-3-486-58780-7. 
Jürgen Weber, Utz Schäffer: Einführung in das Controlling. 14. Auflage. Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-7910-3241-2. 
Péter Horváth: Controlling. 13. Auflage. Vahlen, München 2015, ISBN 978-3-8006-4954-9. 
Lukas Rieder (Hrsg.): Controller-Leitfaden. Das Standardwerk für wirksames Controlling und eine effektive Controller-Tätigkeit. WEKA, Zürich 2010, ISBN 978-3-297-01982-5.
Laurenz Lachnit, Stefan Müller: Unternehmenscontrolling. 2. Auflage. Springer Gabler, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-8349-3141-2. 
Volker Schultz: Basiswissen Rechnungswesen: Buchführung, Bilanzierung, Kostenrechnung, Controlling (= Beck-Wirtschaftsberater im dtv. Band 50957). 8. Auflage. C.H. Beck, München 2017, ISBN 978-3-423-50957-2. 
W. Gleißner: Controlling und Risikoanalyse bei der Vorbereitung von Top-Management-Entscheidungen. In: Controller Magazin. Heft 4, Juli/August 2015, S. 4–12.
T. Günther: Wertorientiertes Controlling. 1999.
H.-G. Baum, A. Coenenberg, T. Günther: Strategisches Controlling. 2013.

Weblinks

 Wiktionary: Controlling – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

↑ Volker Schultz: Basiswissen Rechnungswesen. Beck, 2017, S. 233.

↑ a b Horváth & Partners: Das Controlling-Konzept. Der Weg zu einem wirkungsvollen Controllingsystem. (= Beck-Wirtschaftsberater im dtv). 4. Auflage. dtv, München 2000, S. 5.

↑ Andreas Kosmider: Controlling im Mittelstand. Eine Untersuchung der Gestaltung und Anwendung des Controllings in mittelständischen Industrieunternehmen. 2. Auflage. Stuttgart 1994, S. 139.

↑ Horváth & Partners: Das Controlling-Konzept. Der Weg zu einem wirkungsvollen Controllingsystem. (= Beck-Wirtschaftsberater im dtv). 4. Auflage. dtv, München 2000, S. 48.

↑ Stephan Hostettler, Hermann J. Stern: Das Value Cockpit. Wiley VCH, 2004.

↑ Codec GmbH: Ein Tag im Leben des CFO. 10. März 2016, abgerufen am 27. April 2016. 

↑ Christoph Binder, Utz Schäffer: Controllinglehrstühle und ihre Inhaber – ein Überblick. In: Jürgen Weber (Hrsg.): Internationalisierung des Controlling: Standortbestimmung und Optionen. 2005, S. 16.

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4070102-5 (OGND, AKS)

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Sanitätsdienst (auch Sanität oder Sanitätswesen genannt und allgemein SanD abgekürzt; von lateinisch „sanitas“ ‚„Gesundheit“‘) ist die Bezeichnung für Dienste von Sanitätern, welche die notfallmedizinische Versorgung von Verletzten oder Verwundeten übernehmen.

Inhaltsverzeichnis

1 Allgemein
2 Weitere Verwendungen in Deutschland
3 Andere Staaten
4 Literatur
5 Weblinks

Allgemein

Sanitätsdienst (Katastrophenschutz): ein Fachdienst zur Bewältigung großer Schadensereignisse mit einem Massenanfall von Verletzten oder im Katastrophenfall
Sanitätsdienst der Polizei: Arbeitsmedizinischer Dienst der Polizei, notfallmedizinische Versorgung in polizeilichen (Gefahren-)Lagen und bei Veranstaltungen bzw. Lehrgängen der Polizei
Betrieblicher Sanitätsdienst: organisierte Erste Hilfe und zum Teil auch arbeitsmedizinischer Dienst in Betrieben
Demo-Sanitäter bei Demonstrationen
Sanitätswachdienst: geplante medizinische Versorgung für Teilnehmer und Besucher bei Veranstaltungen
Schulsanitätsdienst: Erste Hilfe an Schulen
Militärischer Sanitätsdienst: militärische Einheiten, die mit dem Sanitätswesen der Streitkräfte betraut sind
für die deutsche Bundeswehr siehe hierfür auch:
Zentraler Sanitätsdienst der Bundeswehr: ein Organisationsbereich bei der deutschen Bundeswehr
Sanitätsdienst Heer: eine Truppengattung im deutschen Heer
Marinesanitätsdienst
Reservelazarettorganisation

Weitere Verwendungen in Deutschland

Luftschutz-Sanitätsdienst (historisch): ein Fachdienst des ehemaligen Luftschutzhilfsdienstes
Sanitätswesen (KZ) (in nationalsozialistischen Konzentrationslagern)

Andere Staaten

Royal Army Medical Corps im Vereinigten Königreich
Sanitätsdienst des Bundesheeres in Österreich
Sanitätsdienst der Streitkräfte der Vereinigten Staaten

Literatur

Helmut Busse: Soldaten ohne Waffen. Zur Geschichte des Sanitätswesens. Berg am See 1990.
Jens Diem, Thomas Harbaum: Der Sanitätsdienst im Einsatz (1960 bis heute) – Anforderungen an Konzepte und moderne Versorgungsstrukturen. In: Christian Willy (Hrsg.): Weltweit im Einsatz – der Sanitätsdienst der Bundeswehr 2010. Auftrag – Spektrum – Chancen. Beta-Verlag, Bonn 2009, ISBN 978-3-927603-91-2, S. 18–27.
Ralf Vollmuth: Verloren im wissenschaftshistorischen Niemandsland. Die Geschichte des Sanitätsdienstes als Desiderat der Forschung. In: Wehrmedizin und Wehrpharmazie. 2012, Heft 3, S. 49–51.

Weblinks

Hans Rudolf Fuhrer: Sanität. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4051583-7 (OGND, AKS)

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Kategorie: Sanitätsdienst

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GmbH Gesellschaftszweck / Unternehmensgegenstand: Schule Geschichte der Schule Schulentwicklung Schule im deutschen Sprachraum Schule in fremdsprachigen Ländern Kritik an der Schule Schulmarketing, Werbung und Sponsoring Spezielle Schulen Rundfunkberichte Navigationsmenü aus Lübeck

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Schule (Begriffsklärung) aufgeführt.

Heinrich-Pestalozzi-Oberschule (Löbau), genannt nach dem schweizerischen Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi
Goetheschule Ilmenau, typisches Schulgebäude aus der Gründerzeit
Schulklasse im 18. Jahrhundert
Schule des PAIGC in Guinea-Bissau in den befreiten Gebieten, 1974

Eine Schule (lateinisch schola von altgriechisch σχολή [.mw-parser-output .IPA a{text-decoration:none}skʰoˈlɛː], Ursprungsbedeutung: „Müßiggang“, „Muße“, später „Studium“, „Vorlesung“), auch Bildungsanstalt oder Lehranstalt genannt, ist eine Institution, deren Bildungsauftrag im Lehren und Lernen, also in der Vermittlung von Wissen und Können durch Lehrer an Schüler, aber auch in der Wertevermittlung und in der Erziehung und Bildung zu mündigen, sich verantwortlich in die Gesellschaft einbringenden Persönlichkeiten, besteht.

Inhaltsverzeichnis

1 Geschichte der Schule
2 Schulentwicklung
3 Schule im deutschen Sprachraum

3.1 Schule in Deutschland

3.1.1 Kosten
3.1.2 Auftrag und Funktion
3.1.3 Schulrecht
3.1.4 Aufbau und Organisation
3.1.5 Konferenzen
3.1.6 Schulpflicht
3.1.7 Schultypen

3.2 Schultypen in Österreich
3.3 Schultypen in der Schweiz
3.4 Schultypen im Fürstentum Liechtenstein

4 Schule in fremdsprachigen Ländern

4.1 Schule in Finnland
4.2 Schule in Entwicklungsländern
4.3 Schulsysteme in weiteren Ländern

5 Kritik an der Schule
6 Schulmarketing, Werbung und Sponsoring
7 Spezielle Schulen
8 Siehe auch
9 Literatur
10 Rundfunkberichte
11 Weblinks
12 Einzelnachweise

Geschichte der Schule

Wortlisten aus Sumer lassen vermuten, dass es Schulen schon seit dem 4. Jahrtausend v. Chr. gibt. Schultexte aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. als direkte Belege wurden im sumerischen Schuruppak (im heutigen Irak) gefunden. Die sumerischen Schulen, in denen die Schulbänke aus Lehmziegeln bestanden, wurden als Tafelhäuser bezeichnet. Als Fächer lassen sich Rechnen, Zeichnen und Sumerisch, d. h. Lesen und Schreiben, bestimmen. Im Unterricht wurden Aufsätze, Fabeln, Weisheitslehren, Hymnen und Epen verfasst. Die „Väter“ genannten Lehrer zeigten zum Teil Humor, wie die Lehrgeschichte Fabel vom klugen Wolf und den neun dummen Wölfen zeigt, die die Schüler abschreiben mussten.

Im Alten Ägypten war der Schulbesuch nur den Wohlhabenden möglich, da die Kinder der gesellschaftlichen Unterschicht, größtenteils Bauern und einfache Handwerker, ihren Eltern meist bei der Arbeit helfen mussten. Wer schreiben konnte, genoss ein hohes Ansehen und hatte so die Möglichkeit, Priester oder Beamter zu werden. Mädchen besuchten im Alten Ägypten ebenfalls die Schule, auch wenn dies seltener vorkam als bei Jungen. Unterrichtet wurde für gewöhnlich in Tempelschulen und Verwaltungsgebäuden. Die Erziehung in diesen Einrichtungen war sehr streng, sodass auch körperliche Züchtigung deren fester Bestandteil war. Geschrieben wurde auf Ostrakon, da Papyrus zu kostbar für einfache Schreibübungen war. Unterrichtsgegenstände waren Lesen und Schreiben, Mathematik, Geographie, Geschichte, Astronomie, Bildhauerei, Malerei und auch Sport.

Im antiken Griechenland herrschte keine einheitliche Staatsform, da sich das Land aus zahlreichen Stadtstaaten, den sogenannten „Poleis“ (Einzahl: „Polis“) zusammensetzte. Daher war das Leben dort von Region zu Region unterschiedlich. Während Sparta als kriegsorientierte Nation das Hauptaugenmerk der Ausbildung der Jungen auf militärische Ziele legte, konnten die Kinder wohlhabender Familien Athens allgemein bildende Schulen besuchen. Dennoch gab es auch in Athen weder eine Schulpflicht noch öffentliche Schulgebäude. Stattdessen wurden die Kinder beim Lehrer zuhause unterrichtet. Anders als im Alten Ägypten hatten die Lehrer im antiken Griechenland aber kein großes Ansehen und wurden dementsprechend auch schlecht bezahlt. Dies änderte sich erst langsam um 500 v. Chr. Als Schreibstoff benutzten die Schüler Wachstafeln oder Papyrus. Viel bedeutender als Lesen und Schreiben war für die Griechen eventuell die Musik. Weil es noch keine Noten gab, mussten die Schüler auf ihren Instrumenten dem Lehrer nachspielen. Auch der Gesang wurde gelehrt, da Sänger im antiken Griechenland sehr geachtet waren, sowie außerdem Sport, sodass die Schüler an großen Wettkämpfen teilnehmen konnten.

In der Römischen Republik übernahmen die Eltern den Unterricht selbst. Es gab somit weiterhin keine Schulpflicht und auch keine öffentliche Schulform. Erst in der Römischen Kaiserzeit wurden öffentliche Schulen gegründet. Die Schüler schrieben wie im antiken Griechenland auf Wachstafeln oder Papyrus. Der Mathematik wurde zu dieser Zeit eher geringe Bedeutung beigemessen und die meisten Lehrer genossen nach wie vor kein hohes Ansehen. Der Unterricht fand teilweise auf dem Forum statt, wo es jedoch sehr laut war.

Im mittelalterlichen Europa gab es zunächst nur kirchliche Schulen in Klöstern, in denen der Unterricht im Lesen und Schreiben ausschließlich Priestern und Mönchen vorbehalten war. Cassiodor verfasste im 6. Jahrhundert eine später „Lehrplan“ genannte Studienordnung. Dieses Werk stellte eine Kanonisierung des Wesentlichen für die Schule dar. Er sah seine Klosterakademie als Bildungsgemeinschaft. Seine Schulpraxis stützte sich formal auf die ciceronische Überzeugungsrhetorik als erzieherischem Lehransatz. Dieser Lehrplan fand erst nach dem Tod des Verfassers in dem politisch geschaffenen abendländischen Kulturraum eine konsekutive Überlieferung in verschiedene Erscheinungsformen der Schule.[1] Erst ab dem 13. Jahrhundert wurden langsam öffentliche Schulen eingerichtet. Holztafeln oder Wachsplatten dienten als Schreibutensilien. Die körperliche Züchtigung war keine Seltenheit.

Obwohl das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken bereits 1592 als kleinere staatliche Einheit die allgemeine Schulpflicht für Mädchen und Knaben eingeführt hatte,[2] und die Stadt Straßburg dem auch schon im Jahre 1598 mit einem entsprechenden Gesetz gefolgt war, setzte sich erst 1919 mit der Weimarer Verfassung die allgemeine Schulpflicht für ganz Deutschland durch.[3]

Schule ist jedoch bis heute als kulturelle Einrichtung Sache der Einzelstaaten bzw. Bundesländer geblieben. Die Ausdifferenzierung hatte in der Weimarer Zeit einen Höhepunkt erreicht[4] und wurde in der Zeit des Nationalsozialismus durch ein Reichserziehungsministerium einer gewissen Vereinheitlichung zugeführt. Dies bedeutete jedoch nicht, dass es gerade in den neuen Schulfächern wie Leibesübungen/Turnunterricht im Hinblick auf Ausbildung, Einsatz, Besoldung, Stundenzahl usw. so große Unterschiede gab, dass solche Fachlehrer scharenweise dem Nationalsozialismus zuliefen.[5]

Siehe auch: Chengdu Shishi Zhongxue, Liste der ältesten Schulen im deutschen Sprachraum, Paideia, Römische Erziehung, Sieben Freie Künste, Humanismus, Deutsches Bildungssystem, Bildungsreform, Residential Schools (Kanada)

Schulentwicklung

Hauptartikel: Schulentwicklung

Der Begriff Schulentwicklung bezeichnet die Weiterentwicklung von Schulen in personeller (Personalentwicklung in Schulen) und organisatorischer Sicht. Ziel ist die inhaltliche Veränderung von Schule als Reaktion auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Dieses Konzept ergibt sich aus der internen Diskussion der an Schule beteiligten Institutionen.

Schule im deutschen Sprachraum

Schulen werden je nach Schulträger in Schulen in öffentlicher Trägerschaft oder Privatschulen unterschieden. Im Schul- und Bildungssystem gibt es den Primär-, Sekundär-, Postsekundär- und Tertiär­bereich, wobei die International Standard Classification of Education (ISCED) diese Stufen noch weiter unterteilt und jede Stufe mehrere Jahrgangsstufen umfassen kann.

Schule in Deutschland

Hauptartikel: Schulgeschichte (Deutschland)
Hauptartikel: Gegliedertes Schulsystem

Das Schulwesen in Deutschland ist in Grund- und Sekundarschulen mit ihren Schülern sowie Hochschulen mit ihren Hochschülern bzw. Studierenden (Studenten) aufgeteilt.

In Deutschland gibt es eine gesetzliche Schulpflicht, die sowohl den Schulträger wie die Eltern bindet.

Kosten

2010 gab Deutschland durchschnittlich etwa 5800 Euro pro Schüler an einer öffentlichen Schule aus, davon sind rund 4600 Euro Personalkosten, 700 Euro Lehrmittel und 500 Euro Bau- und Sachinvestitionen. Dabei variieren die Ausgaben stark nach Schultyp und Land.

Für Schüler an allgemeinbildenden Schulen wurden durchschnittlich 6400 Euro ausgegeben, gegenüber 4000 Euro an beruflichen Schulen. Für Grundschulen betrugen die Durchschnittskosten pro Schüler 5200 Euro, bei integrierten Gesamtschulen und Gymnasien jeweils gleichermaßen 6600 Euro, bei Berufsschulen im dualen System 2500 Euro.

Das Bundesland mit den höchsten Ausgaben war Thüringen mit 7700 Euro, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 7100 Euro, während Nordrhein-Westfalen mit 5000 Euro die geringsten Kosten hatte. Bei den allgemeinbildenden Schulen erstrecken sich die Ausgaben pro Schüler von 8600 Euro (Thüringen) bis 5500 Euro (Nordrhein-Westfalen). Auch bei den beruflichen Schulen liegt Thüringen (5300 Euro) auf dem ersten Platz, danach folgen Baden-Württemberg und Hamburg mit je 4700 Euro. Auf dem letzten Platz liegt hier Mecklenburg-Vorpommern mit 3100 Euro pro Schüler.

Nicht einberechnet sind bei diesen Zahlen die Kosten des Schüler-BAföG.[6]

Zu beachten ist, dass die Ausgaben für Schulen nicht unmittelbar mit dem Lernerfolg oder der Qualität des Schulsystems zusammenhängen, da insbesondere die Effizienz beim Mitteleinsatz von entscheidender Bedeutung ist.[7]

Auftrag und Funktion

Der gesellschaftliche Auftrag der Schule, der in Deutschland meist im Schulgesetz eines Bundeslandes festgehalten wird, liegt in der Entwicklung der Schüler zu mündigen und verantwortungsvollen Persönlichkeiten. Sie soll Bildung, also Wissen, Fähigkeiten und Werte im Unterricht gezielt vermitteln. Die gesellschaftlichen Grundwerte sind durch das Grundgesetz vorgegeben. Als weitere Aufgaben werden verschiedentlich Erziehung zur Ehrfurcht vor dem Leben, zur Bewahrung der Umwelt und Verantwortung für künftige Generationen genannt.

Die schulische Persönlichkeitsbildung entbindet die Eltern nicht von ihrem Erziehungsauftrag, sondern ergänzt diesen. Die Eltern sollen bei innerschulischen Konflikten mäßigend auf ihre Kinder einwirken. Bei Wertkonflikten zwischen Eltern und Gesellschaft (z. B. in Fragen der Sexualität, Schwimmunterricht für muslimische Mädchen, Hausunterricht) sucht die Schule eine Lösung im Sinne des Kindes, muss aber wenn nötig auch gegen den Willen der Eltern die schulische Bildung durchführen. In Streitfällen entscheiden die zuständigen Verwaltungsgerichte.

Die klassischen Schulfunktionen sind:[8]

Qualifikation – Vorbereitung auf spätere Lebensanforderungen in Beruf, Privatleben und gesellschaftlichen Funktionen
Sozialisation – Vermittlung gesellschaftlich erwünschten Verhaltens
Selektion – Auslese und Zuweisung einer sozialen Position oder Berechtigung
Legitimation – Vermittlung gesellschaftlicher Grundwerte zur Sicherung der Loyalität und Integration (Soziologie)

Qualifikation und Sozialisation vermitteln den Heranwachsenden zusätzlich zum elterlichen Beitrag das kulturelle Kapital einer Gesellschaft von den Grundfähigkeiten wie Schreiben und Lesen bis zum erfolgversprechenden Auftreten. Manche Gesellschaftskritiker sprechen von einem zusätzlichen „heimlichen Lehrplan“, der all das umfasst, was neben dem offiziellen Lernprogramm angeeignet wird, um Erfolg zu haben, beispielsweise die Bildung von Netzwerken mit den Mitschülern oder Schummelstrategien.

Die Schule erfüllt neben der Förderung auch die Funktion der Selektion, das heißt, die Heranwachsenden nach ihrer Leistungsfähigkeit einzuschätzen und ihnen am Ende der Schulzeit durch Vergabe von Schulabschlüssen für weitere Ausbildungsgänge eine vorläufige soziale Position zuzuweisen. Die schulische Funktion einer Berechtigungsvergabe ist im deutschen Schulwesen traditionell stärker ausgeprägt als etwa in den USA, wo andere Selektionsmechanismen greifen. Auf dem Wege dahin sind Schullaufbahnentscheidungen zu treffen. In der demokratischen Gesellschaft soll jedem Schüler eine gerechte Chance gegeben werden. Die Realisierung von Chancengleichheit gehört zu den zentralen Streitpunkten der Bildungspolitik. Auch der angemessene Zeitpunkt der Selektion ist umstritten. Die Persönlichkeit der Schüler wird vorwiegend geprägt, sich gegenüber gestellten Leistungsanforderungen und ihrer Bewältigung positiv einzustellen. Kritiker der Selektionsfunktion wenden ein, dass die Schule faktisch weitgehend die soziale Schichtlage, in die jemand hineingeboren wird, reproduziert und insofern eine demokratische Chancengleichheit nur auf dem Papier existiert. Die Berechtigungen, die etwa ein Hauptschulabschluss verleiht, sind zudem recht gering geworden.

Loyalität zu gesellschaftlichen und politischen Normen stellt sicher, dass die bestehenden Institutionen und Verfahren überhaupt von der nächsten Generation akzeptiert werden und weiter funktionieren. Loyalitätssicherung ist in allen politischen Systemen eine zentrale Funktion des Bildungssystems. So war die Schule der DDR in höchstem Maße darauf ausgerichtet, die Existenz der DDR zu rechtfertigen (am Ende weitgehend erfolglos). In demokratischen Systemen ist die Ausbildung eines Demokratiebewusstseins eine Hauptaufgabe der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer. Das Auftreten von jugendlichem politischem Extremismus führt in der Regel zu einer Verstärkung der entgegensteuernden Schulaktivitäten im gefährdeten Bereich. In dieser Hinsicht erweist sich die Schule als ein die Gesellschaft stabilisierendes System.

Der staatliche Auftrag, Schulen zu unterhalten, kann vom Staat selbst (öffentliche Schulen) oder von privaten Trägern (nach Grundgesetz Art. 7 (4) (Privatschulen)) erfüllt werden. In engen Grenzen kann die Schulpflicht auch an Nicht-Schulen erfüllt werden. So können zum Beispiel Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit einer geistigen Behinderung in Niedersachsen anstatt einer Regelschule oder einer Förderschule auch eine Tagesbildungsstätte besuchen. Die Aufsicht über alle Einrichtungen, in denen Schüler ihrer Schulpflicht nachkommen, liegt nach Art. 7 (1) GG beim Staat.

Schulrecht

Die rechtlichen Beziehungen zwischen den Angehörigen der Schule sind im Schulrecht geregelt. Über das Schulgesetz, Erlasse und Verordnungen sowie Lehrpläne werden die Schulangelegenheiten von den zuständigen Landesparlamenten und Kultusministerien geregelt. Der Schulleiter sorgt für die rechtsstaatliche Einhaltung aller Bestimmungen und ist der Empfänger von Beschwerden gegen die Lehrer. Bei der Leitung einer Schule konkurrieren das hierarchische Schulverwaltungsrecht (Schulleiter leitet die Schule) und das demokratische Schulmitbestimmungsrecht (Entscheidungsinstanzen der Schule sind die Gremien, zum Beispiel die Schulkonferenz) miteinander. Die Notengebung ist der Mitbestimmung durch Konferenzen weitgehend entzogen, während Entscheidungen über die Nichtversetzung von Schulgremien getroffen werden.

Über die einzelnen Schulen wachen auf verschiedenen Ebenen (je nach Schulform) die Schulaufsicht sowie die für Schule zuständigen Ministerien (ebenfalls mit verschiedenen Namen in den Bundesländern). Der direkte Vorgesetzte des Schulleiters ist meist ein Schulrat, ein Schulamtsdirektor oder ein Regierungsschuldirektor.

Aufbau und Organisation

Die Organisation einer Schule beruht auf einer Schulgemeinschaft.

Sie besteht je nach Schulart und Ausstattung aus:

Schulleiter
dessen Stellvertreter (in der Regel an Schulen mit mehr als 180 Schülern)
dessen zweitem Stellvertreter (in der Regel an Schulen mit mehr als 540 Schülern, nicht in allen Schulformen)
Die Amtsbezeichnung der Schulleiter und Stellvertreter variiert je nach Bundesland und Schulform. An manchen Schulen gibt es darüber hinaus noch Funktionsträger in leitender Funktion (die je nach Bundesländern und Schulform eigene Bezeichnungen tragen), so zum Beispiel die Abteilungsleiter an Gesamtschulen in Nordrhein-Westfalen.
Lehrpersonal als Beamte oder Tarifbeschäftigte

Je nach Schule wird diese Organisation ergänzt durch:

Schulärzte (an Waldorfschulen)
Schulkindergartenleiterinnen an Grundschulen (nicht mehr in allen Bundesländern)
Sozialpädagogische Fachkräfte an Grundschulen (oftmals ehemalige Schulkindergartenleiterinnen)
Pädagogische Unterrichtshilfen an bestimmten Förderschulen
Sozialpädagogen/Sozialarbeiter, Schulpsychologen (meist an Haupt- und Gesamtschulen)
Schulassistenten (eventuell unter verschiedenen Namen)

Schulen als demokratische Einrichtungen unterliegen der Beteiligung der Beschäftigten (Lehrer) sowie der Eltern, Schüler und weiterer gesellschaftlicher Gruppen:

Lehrerrat
Elternvertretung
Schülervertretung

Auf der Seite des Schulträgers bestimmt der Rat nach vorbereitender Arbeit im Schulausschuss (der je nach Zuschnitt des jeweiligen Schulträgers auch anders heißen kann). In diesem sind auch weitere gesellschaftliche Gruppen vertreten (Kirchen, Ortslehrerschaft, Sportverband…).

Organisatorisch ergänzend gibt es

das Sekretariat
den Hausmeister (Hauswart, Schulwart)
Personal für Offene Ganztagsgrundschulen, im Ganztagsbetrieb der weiterführenden Schulen
sonstiges Personal (Schulgärtner, Reinigungspersonal…)

Konferenzen

Die Zusammenarbeit in der Schule ist in Konferenzen organisiert. Die Beratungen sind nicht öffentlich. Die Konferenzen tragen verschiedene Bezeichnungen in den diversen Staaten und Ländern:

Schulkonferenz: Sie ist das höchste beschlussfassende Gremium. Lehrer, Eltern und Schüler sind darin vertreten; den Vorsitz führt in der Regel der Schulleiter. Sie hat die Aufgabe, das Zusammenwirken von Schulleitung, Lehrern, Eltern, Schülern und der für die Berufserziehung Mitverantwortlichen zu fördern.
Lehrerkonferenz/Gesamtkonferenz: Mitglieder sind alle Lehrer. Den Vorsitz führt in der Regel der Schulleiter.
Fachkonferenz: Mitglieder sind alle Lehrer, die die Lehrbefähigung für das jeweilige Fach haben oder die es unterrichten. Den Vorsitz führt ein gewählter Lehrer, der Mitglied der Fachkonferenz ist. Schulleitungsmitglieder können jederzeit an Fachkonferenzen teilnehmen. Je nach Bundesland nehmen auch Vertreter der Eltern und Schüler stimmberechtigt oder beratend teil.
Abteilungskonferenz: Besteht aus den Unterrichtenden einer Abteilung (an Berufskollegs z. B. Wirtschaft/Medien, Chemie, Sozialpädagogik usw.). Den Vorsitz führt der Abteilungsleiter bzw. einer der Abteilungsleiter. Die Tagesordnung besteht aus pädagogischen und organisatorischen Aspekten, die die Abteilung betreffen.
Klassenkonferenz: Sie besteht aus allen in einer Klasse unterrichtenden Lehrern. Den Vorsitz führt in der Regel der Klassenlehrer. Bei Entscheidungen wie z. B. bei Zeugnissen, Wiederholungen oder Bildungsempfehlungen hat jedoch in manchen Bundesländern der Schulleiter den Vorsitz. Je nach Bundesland sind auch Eltern- und Schülervertreter stimmberechtigte oder beratende Mitglieder.
Jahrgangskonferenz: Alle Lehrer der Parallelklassen im Jahrgang (nicht an allen Schulen) sind Mitglied. Den Vorsitz führt in der Regel ein Schulleitungsmitglied.
Stufenkonferenz: Je nach Bundesland und Schultyp wird eine Stufenkonferenz eingerichtet. Alle Lehrer einer Schulstufe (Klassen 5, 6, 7; Klassen 8, 9, 10; Klassen 11, 12, 13) nehmen teil. Den Vorsitz führt in der Regel der Stufenleiter.

Schulpflicht

Der Besuch einer Schule ist in Deutschland durch die Schulpflicht vorgeschrieben. Üblicherweise gilt die Vollzeit-Schulpflicht bis zum neunten oder zehnten Pflichtschuljahr, das heißt vom sechsten bis zum fünfzehnten oder sechzehnten Lebensjahr. Rückstellungen sind unter Umständen möglich, neue Tendenzen legen den möglichen Schulbeginn bereits in das fünfte Lebensjahr. An die Vollzeit-Schulpflicht schließt sich in Deutschland die Berufsschulpflicht an, die in der Regel bis zum Abschluss einer Berufsausbildung oder bis zum Ende des zwölften Schulbesuchsjahres gilt.

Durch die Schulpflicht schreibt in Deutschland der Staat im Gegensatz zu einer Bildungspflicht sogar vor, wie und in welcher Form Bildung zu erfolgen hat. Hausunterricht, bei dem Schüler von ihren Eltern oder Privatlehrern unterrichtet werden, ist – von wenigen Ausnahmen abgesehen – in Deutschland unzulässig. Aus der Schulpflicht folgt eine Aufsichtspflicht der Schule über die Kinder und Jugendlichen.

Es ist daher auch falsch, die Schule als reine staatliche Dienstleistung zu betrachten, sondern sie stellt auch eine Ausübung von legitimer Macht dar und schränkt einige Grundrechte der Eltern und Kinder nach gesetzlichen Normen (Freizügigkeit, freie Berufswahl) ein. Deutlich wird das auch an dem Verbot der Kinderarbeit, das in einem engen Zusammenhang mit der Vollzeit-Schulpflicht steht. Insofern hat die Schule eine hoheitliche Funktion, die letztlich nur vom Staat geregelt werden darf.

Die Einschulung erfolgt seit dem 18. Jahrhundert nur einmal im Jahr. Es gibt aktuelle Überlegungen, dies zu ändern.

Schultypen

Hauptartikel: Schulsystem in Deutschland

In der Bundesrepublik Deutschland gibt es etwa 47.000 allgemeinbildende und berufsbildende Schulen. Das Bildungswesen steht unter der Kulturhoheit der Bundesländer. Die Bezeichnungen und Unterrichtsinhalte der einzelnen Schultypen
können sich daher von Bundesland zu Bundesland unterscheiden. Die Kultusministerkonferenz vereinbart Regeln zur Vergleichbarkeit von Abschlüssen und andere Eckpunkte.

Ein Schulwegweiser in Lüneburg

Schultypen (unvollständig):

Grundschule
Förderschule / Sonderschule
Hauptschule, Abschluss Hauptschulabschluss / Berufsreife, Mittlere Reife
Realschule, Abschluss Mittlere Reife
Gesamtschule, (in Hamburg: Stadtteilschule) Abschluss Hauptschulabschluss, Mittlere Reife, Fachhochschulreife, Abitur
Fachoberschule, Abschluss Fachhochschulreife
Berufsschule, Berufsschulabschluss
Gymnasium, Fachgymnasium, Abschluss Abitur
Kolleg, Berufskollegschule, Berufs- und Fachschulabschlüsse (auch in Verbindung mit allgemeinen Schulabschlüssen)

Schultypen in Österreich

Hauptartikel: Liste der Schulformen in Österreich

In Österreich ist das Schulwesen bundeseinheitlich geregelt.

Schultypen in der Schweiz

Hauptartikel: Schulsystem in der Schweiz

In der Schweiz sind die Kantone für das Schulwesen zuständig.

Schultypen im Fürstentum Liechtenstein

Hauptartikel: Bildungssystem in Liechtenstein

Im Fürstentum Liechtenstein ist das Schulwesen einheitlich geregelt.

Schule in fremdsprachigen Ländern

Schule in Finnland

Hauptartikel: Bildungssystem in Finnland

Laut PISA-Studien hat Finnland das weltweit erfolgreichste Schulsystem. Eines der Vorbilder war das Schulsystem der DDR. In heutigen Tagen suchen finnische Bildungspolitiker nach neuen Vorbildern, um Kosten zu sparen und eine effektivere Selektion in Finnland einzuführen.

So besuchen 90 % der finnischen Schüler im Alter von sechs Jahren eine qualifizierte Vorschule. Die Schulpflicht beginnt mit sieben Jahren. Die Klassenstärken liegen bei ca. 20 Schülern.

Schule in Entwicklungsländern

Dorfschule im Sudan, 2002
Schule im Gefängnis in Kenia.

Da diese Länder zumeist auf Grund politischer Instabilitäten und Fehlentwicklungen weder über das erforderliche Budget noch über ein wahres Interesse am „lesenden Volk“ verfügen, sind qualifizierte Schulsysteme in diesen Ländern selten. Somit ist das Bildungsniveau in diesen Ländern über Jahrzehnte hinweg katastrophal und einer der Hauptgründe für fehlende Demokratisierungsprozesse und fehlende wirtschaftliche Erfolge.

In den ehemaligen englischen Kolonien wie zum Beispiel Tansania, Kenia und Gambia orientiert sich das Schulwesen an dem der früheren Kolonialmacht. Es gibt auch noch die klassische Schuluniform. Eine Schulpflicht wird hier nicht durchgesetzt. Neben einem monatlichen Schulgeld müssen die Schüler auch die Schulmaterialien bezahlen sowie die Lehrkräfte finanziell unterstützen. Kinder aus wohlhabenden Familien gehen zumeist in England zur Schule.

Im subsaharischen Afrika sind seit den 1940er Jahren zahlreiche muslimische Schulen des Madrasa-Typs entstanden.[9] In Nigeria hat das islamische Schulwesen besonders seit den 1970er Jahren rasant an Bedeutung zugenommen.[10]

Schulsysteme in weiteren Ländern

Französisches Schulsystem
Italienisches Schulsystem
Bildungssystem in Japan
Bildungssystem in Ghana
Schulsystem in Kanada
Schulsystem in Nauru
Schulsystem in Neuseeland
Bildungssystem in den Niederlanden
Bildungssystem in Polen
Schulsystem in Spanien
Schulsystem im Vereinigten Königreich
Schulsystem der Vereinigten Staaten
Schulsystem in der Volksrepublik China

Kritik an der Schule

Die Art der Wissensvermittlung und der Erziehungsauftrag der Schulen standen und stehen immer wieder in der öffentlichen Kritik. Insbesondere im 20. Jahrhundert wurden die traditionellen Schulformen (Volksschule – Realschule – Gymnasium/Berufsschule), aber auch das bestehende Hochschulsystem kritisiert und Änderungen wurden eingefordert. Der Jugendbewegung folgte in der Bundesrepublik Deutschland die Reformpädagogik. In den 1970er Jahren wurden im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Diskussionen über die antiautoritäre Erziehung Alternativschulen wie Haupt- und Gesamtschulen gegründet, z. B. die Glockseeschule in Hannover.

Die allgemeinbildenden Schulen wurden beschuldigt, das Lernen bei Kindern eher zu verhindern als zu fördern, vor allem, indem die Unterrichtssituation Angst erzeuge. Pädagogen wie Francisco Ferrer oder Alexander Sutherland Neill gründeten freiere Schulen (Summerhill), während andere wie John Caldwell Holt im Unschooling eine Alternative sahen (vergleiche auch: Deschooling und Hausunterricht).

Der amerikanische Psychologe David Keirsey zeigt in seinen kritischen Essays, dass vom Schulsystem nur bestimmte Temperamenttypen gefördert, andere hingegen gehemmt werden. Er spricht sich auch deutlich gegen verhaltensändernde Pharmazeutika aus, die besonders im amerikanischen Raum häufig eingesetzt werden.[11]

Der in Lateinamerika tätige Priester Ivan Illich verwies besonders für die Dritte Welt auf das Versagen der Schule (Schulen helfen nicht, 1972).

Der französische Soziologe Pierre Bourdieu zeigte in seinem Buch Die feinen Unterschiede (frz., 1979), wie Schulen zum Erhalt von Klassenstrukturen beitragen.

Schulmarketing, Werbung und Sponsoring

Hauptartikel: Schulmarketing

In Deutschland verbieten zwar die meisten Bundesländer Werbung an Schulen, Sponsoring hingegen ist aber erlaubt. Kritiker bemängeln, dass den Schulleitern und Lehrern die Schulgesetze derzeit nur grobe Vorgaben machen, wie Werbung und Sponsoring in Schulen zu handhaben sei.

Spezielle Schulen

Kolonialschule
Einheitsschule
Waldorfschule
Baumschule
Sudbury-Schulen
Klippschule
Europäische Schule
Europaschule
Abendschule
Mädchenschule
Privatschule (Schule in freier Trägerschaft)
Hochbegabten-Schule

Siehe auch

 Portal: Bildung – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bildung
 Portal: Pädagogik – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Pädagogik
 Portal: Schule – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Schule
Schule (Wissenschaft)
Hausaufgabe, Lernmethode, Leistungsbeurteilung (Schule), Schriftlicher Leistungsnachweis in der Schule, Schulzeugnis, Schulnote, Schultüte
Mannheimer Schulsystem, Schulrecht, Stundenplan
Schulnetzwerk
Mobbing in der Schule
Kindergarten, Vorschule
Pedibus (Schulweg)
Schulzentrum
Personalentwicklung in Schulen

Literatur

Philippe Ariès: Geschichte der Kindheit. dtv, München 1978, 2003 (Ariès geht ausführlich auf die Geschichte der Schule in Frankreich ein).
Sabine Czerny: Was wir unseren Kindern in der Schule antun … und wie wir das ändern können. Südwest Verlag, München 2010, ISBN 978-3-517-08633-0.
Timo Hoyer: Sozialgeschichte der Erziehung. Von der Antike bis in die Moderne. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2015, ISBN 978-3-534-17517-8. (Das Buch schließt die Geschichte der Schule ein)
Hans-Georg Herrlitz u. a.: Deutsche Schulgeschichte von 1800 bis zur Gegenwart. Eine Einführung. Juventa Verlag, Weinheim 2005 (4. Aufl.), ISBN 3-7799-1724-6.
Günter Ludwig: Cassiodor. Über den Ursprung der abendländischen Schule. Akademische Verlagsgesellschaft, Frankfurt am Main 1967.
Annette Pfisterer: Schulkritik und die Suche nach Schulalternativen – ein Motor der Schulentwicklung? Rückblick und Ausblick an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. Kovac Verlag, Hamburg 2003, ISBN 3-8300-0881-3.
Horst F. Rupp: Schule/Schulwesen. In: TRE – Theologische Realenzyklopädie, hg. von Gerhard Müller. Band XXX. Walter de Gruyter, Berlin/New York 1999, S. 591–627.
Wolfgang Schmale (Hrsg.): Revolution des Wissens? Europa und seine Schulen im Zeitalter der Aufklärung (1750–1825). Ein Handbuch zur europäischen Schulgeschichte. Winkler Verlag, Bochum 1991, ISBN 3-924517-33-9.
Bertrand Stern: Schluß mit Schule! – das Menschenrecht, sich frei zu bilden. Tologo Verlag, Leipzig 2006, ISBN 3-9810444-5-2.
Friedrich H. Steeg: Lernen und Auslese im Schulsystem am Beispiel der „Rechenschwäche“. Peter Lang, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-631-30731-4.
Ingeborg Thümmel: Sozial- und Ideengeschichte der Schule für Geistigbehinderte im 20. Jahrhundert – zentrale Entwicklungslinien zwischen Ausgrenzung und Partizipation. Beltz Verlag, Weinheim 2003, ISBN 3-407-57205-0.
Franz-Michael Konrad: Geschichte der Schule. Von der Antike bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag, München 2007, ISBN 978-3-406-55492-6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).

Rundfunkberichte

Henry Bernhard: Digitalisierung – Mit Tablet statt Stift und Papier in die Schule, Deutschlandfunk – „Hintergrund“ vom 27. August 2018

Weblinks

 Commons: Schule – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Schule – Zitate
 Wiktionary: Schule – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Literatur über Schule im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Deutscher Bildungsserver
Statistisches Bundesamt – Daten zum Thema „Schulen“ Schulen: Daten & Fakten
Schweizer Schulplattform
Fachportal Pädagogik
Eurydice
Bildungsausgaben in % des BIP
Schulmuseum Nürnberg
Das (Bildungs)System Film 2016 (YouTube)

Einzelnachweise

↑ siehe Ludwig, 1967, S. 4, 74, 160-166.

↑ Emil Sehling: Die evangelischen Kirchenordnungen des 16. Jahrhunderts. Band 18: Rheinland-Pfalz I. Mohr-Siebeck, Tübingen 2006, S. 406

↑ Artikel 145 ff der Weimarer Reichsverfassung

↑ Reinhard Dithmar, Jörg Willer (Hrsg.): Schule zwischen Kaiserreich und Faschismus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1981.

↑ Arnd Krüger: Gesinnungsbildung durch Turnunterricht oder „Pro patria est dum ludere videmur“. In: R. Dithmar, J. Willer (Hrsg.): Schule zwischen Kaiserreich und Faschismus. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1981, S. 102–122.

Das kostet die Ausbildung eines Schülers.

Gute Bildung hängt nicht vom Geld ab.

↑ Helmut Fend: Theorie der Schule. 1980.

↑ Louis Brenner (Hrsg.): Muslim Identity and Social Change in Sub-Saharan Africa. Hurst&Company, London, 1993. S. 14.

↑ Vgl. Stefan Reichmuth: Islamic Learning and its Interaction with ‘Western Education’ in Ilorin, Nigeria. In: Louis Brenner (Hrsg.): Muslim Identity and Social Change in Sub-Saharan Africa. Hurst&Company, London 1993, S. 179–197, hier S. 185f.

↑ Keirsey Temperament Website – Personality and College

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4053474-1 (OGND, AKS)

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Kategorie: Schulwesen

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Eine Personalberatung berät Unternehmen bei deren Suche und Auswahl von Fach- und Führungskräften. Sie umfasst die Begleitung von Findungsprozessen, die Gestaltung und Durchführung von Beurteilungsmaßnahmen, die Personalentwicklung, Vergütungsberatung, das Personalmarketing, die Begleitung in der Organisations(-entwicklung) sowie strategische und konzeptionelle Fragestellungen in der Personalarbeit.

Inhaltsverzeichnis

1 Die Entwicklung der Personalberatung
2 Vorteile einer Personalberatung
3 Nachteile einer Personalberatung
4 Personal-„Profiling“ und -auswahl in Zusammenarbeit mit einer Personalberatung
5 Vergütung
6 Literatur
7 Weblinks
8 Einzelnachweise

Die Entwicklung der Personalberatung

Nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte sich, aufgrund der schnell fortschreitenden Industrialisierung, in den USA die Dienstleistung der professionellen Personalberatung (im Sinne der Suche nach Fach- und Führungskräften). Ende der 50er Jahre setzte sich die Denkweise der langfristigen Personalplanung schließlich auch in Deutschland durch.

Seitdem verzeichnet die Branche einen jährlich wachsenden Umsatz. 2009 jedoch waren die Aufträge stark zurückgegangen. Danach aber stabilisierte sich die Auftragslage wieder. 2015 ist der Umsatz nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) um 6,8 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro gestiegen. Insgesamt arbeiten rund 6.600 Personalberater in rund 2.000 Beratungsunternehmen. Insgesamt waren 2015 rund 13.000 Mitarbeiter in der Personalberatungsbranche in Deutschland beschäftigt.

Vorteile einer Personalberatung

Der Vorteil einer Personalberatung besteht darin, dass der Personalberater über sehr gute Kenntnisse der aktuellen Arbeitsmarktlage verfügt und meist eine einschlägige akademische Ausbildung oder inzwischen speziell zugeschnittene Weiterbildungen (z. B. Fachkraft Personalvermittlung und Personalberatung) der Industrie und Handelskammern vorweisen kann, die betriebswirtschaftliches Denken und Handeln mit Personalmanagement verbindet. Die Leistungen einer Personalberatung werden mit wachsender Komplexität im innerbetrieblichen sowie im außerbetrieblichen Umfeld immer häufiger in Anspruch genommen. Ferner können Unternehmensressourcen durch die Ausgliederung der Personalsuche und -auswahl besser genutzt werden. Zudem spielt die Neutralität, Diskretion und der Imageschutz für die Firmen eine wichtige Rolle. Ein weiterer Vorteil ist die Fehlerreduktion bei der Mitarbeiterauswahl, den die höhere Objektivität der zwischen Bewerber und zukünftigem Arbeitgeber handelnden Personalberatung bietet. Diese Professionalisierung liegt beispielsweise in einer strukturierten Bedarfsanalyse und einer fachlichen und persönlichen Kompetenzprofilsetzung. Solche Personalberater waren oft in früheren Berufen selbst in ähnlichen Tätigkeiten aktiv. Der besondere Vorteil dieser Vorgehensweise liegt in der qualitativ hohen Übereinstimmung der Kenntnisse und Erfahrungen des Kandidaten mit den Anforderungen der Position. Durch dieses präzise Vorgehen werden die erforderlichen Einstellungsgespräche reduziert und der Zeitaufwand reduziert.

Nachteile einer Personalberatung

Der größte Nachteil beim Einsatz einer Personalberatung ist es, dass der Mandatgeber keine Kontrolle über das Kommunikationsverhalten der Personalberater hat und somit nicht weiß, ob die Personalberater nicht auch bei seinen assoziierten Geschäftspartner bzw. oder den eigenen Kunden Mitarbeiter bzw. Führungskräfte zu akquirieren sucht. Zusätzlich ist es für den Auftraggeber mitunter schwer zu kontrollieren, wie mit vertraulichen Informationen oder Geschäftsgeheimnissen umgegangen wird. Darüber hinaus ist ein großer Nachteil, dass die Branche über keinen Schutz der Berufsbezeichnung verfügt und sich auch keine Marktstandards hinsichtlich Dienstleistungen, Vertragsmodalitäten und Konditionen etabliert haben. Dadurch kommt es immer wieder vor, dass Headhunter exklusive Knebelverträge abschließen können, die die Auftraggeber in der freien Personalsuche einschränken.

Personal-„Profiling“ und -auswahl in Zusammenarbeit mit einer Personalberatung

Beauftragt ein Unternehmen eine Personalberatung zur Personalrekrutierung, so steht ein Gespräch der beiden Parteien an erster Stelle, in dem das fachliche und persönliche Anforderungsprofil des gewünschten Stelleninhabers durch ein berufliches Profiling (Profilsetzung) eindeutig dargelegt wird. Auf Grundlage dieses Profils kann der Personalberater zum Beispiel Stellenangebote veröffentlichen oder Kandidaten unmittelbar ansprechen (telefonische Direktansprache; siehe unten). Oft können Personalberatungen auch auf einen internen Bestand an potenziellen Kandidaten zurückgreifen und steuern diese bei erster Übereinstimmung mit dem Anforderungsprofil bei.

Viele Personalberatungen setzen bei der Besetzung der Stellen insbesondere auf die direkte Ansprache von Kandidaten, die in anderen Unternehmen tätig sind. Dies hat den großen Vorteil, dass sehr gute Kandidaten erreicht werden, die aktuell nicht auf der Suche nach einer neuen Aufgabe sind. Der sogenannte Direct Search bietet viele Vorteile und erreicht deutlich mehr geeignete potenzielle Bewerber. Darauf haben sich oft die branchenorientierten Personalberatungen spezialisiert (Direktsuche). Die Direktansprache war mehrfach Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen, der Bundesgerichtshof hat sie aber unter bestimmten Voraussetzungen für wettbewerbsrechtlich zulässig erachtet.

Vorteil für den Auftraggeber ist außerdem, dass ein Personalberater meist fundierte Kenntnisse in verschiedenen psychologischen Testverfahren im Bereich der Eignungstests mitbringt. Hierbei hilft z. B. die Kompetenz- und Potentialanalyse bei der Analyse von Stärken und Schwächen in Bezug auf den beruflichen Einsatzbereich. Die Testergebnisse können zum gezielten Einsatz und zur Entwicklung der persönlichen Stärken im neuen Arbeitsumfeld des Mitarbeiters genutzt werden. Der Einsatz von Werkzeugen für Kompetenzanalysen und berufliches Profiling setzt ein fundiertes Wissen über die Verfahren psychologischer Eignungsdiagnostik voraus.

Als weiteres Entscheidungskriterium für die Einstellung eines neuen Mitarbeiters übernimmt die Personalberatung zunehmend auch die Überprüfung von Zeugnissen und Referenzen bei ehemaligen Arbeitgebern.

Vergütung

Die Honorarberechnung orientiert sich mehrheitlich – noch – am Zieleinkommen der zu besetzenden Position (60 Prozent; 22 Prozent am Aufwand, 18 Prozent an einer Mischung beider Bezugsgrößen). Da der absehbare und tatsächliche Aufwand in den Suchprojekten aber sehr unterschiedlich ausfallen kann und vielfach gestiegen ist, wird dieser zunehmend als Berechnungsgrundlage verwendet. Vorreiter dieser Entwicklung sind besonders die großen Personalberatungsgesellschaften mit mehr als drei Millionen Euro Umsatz. Hier wurden 2012 bereits über die Hälfte der Suchmandate mit anschließender Stellenbesetzung nach kalkuliertem Kosten- und Zeitaufwand – auch in Kombination mit der Orientierung am Zieleinkommen – abgerechnet. Die durchschnittliche Honorarhöhe über alle Größenklassen hinweg lag im Jahr 2012 unverändert bei knapp 26 Prozent des Zieleinkommens der zu suchenden Kandidaten. Zwischen den einzelnen Größenklassen in der Personalberatung variiert die Honorarhöhe dabei zwischen 29 Prozent bei den großen Personalberatungen mit über drei Millionen Euro Jahresumsatz und 23 Prozent bei den kleineren Marktteilnehmern unter 500.000 Euro Umsatz.

Bezogen auf die Berechnung der Fälligkeit dominieren vier Vergütungs-/Honorarmodelle:

Beim Honorar nach Zeitaufwand erfolgt die Bezahlung nach tatsächlichem Aufwand auf Basis eines festen Stundenlohns bzw. Tagessatzes, eine erfolgsabhängige Komponente gibt es nicht. Der Personalberater erhält somit auch im Falle einer Nichtbesetzung der Stelle das komplette Honorar vom Auftraggeber.
Beim Drittel-Modell wird die Zahlung des Honorars in drei Schritten vorgenommen: Das erste Drittel erhält der Personalberater unmittelbar nach Auftragserteilung. Das zweite Drittel wird fällig, wenn dem Auftraggeber qualifizierte Kandidaten präsentiert wurden. Stellt der Auftraggeber einen der präsentierten Kandidaten ein, erhält der Personalberater auch das letzte Drittel des vereinbarten Honorars.
Beim 50/50-Modell wird die Hälfte des Honorars bei Auftragserteilung fällig, die zweite Hälfte bei Einstellung eines zuvor präsentierten qualifizierten Kandidaten.
Vereinbaren Auftraggeber und Personalberater das 100%-Erfolgsmodell, wird der Personalberater nur im Erfolgsfall vergütet. Dieser ist in der Regel gegeben, wenn es zu einer Kandidateneinstellung kommt. Nebenkosten wie Spesen, Inserate etc. werden üblicherweise separat vom Honorar in Rechnung gestellt.

Nach einer aktuellen Studie des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (vgl. BDU 2013) wird der Großteil der Suchmandate nach Projektfortschritt mit einem Erfolgsanteil – der kleiner
oder gleich 50 Prozent ist (2012: 61 Prozent, 2011: 63,7 Prozent) – zwischen den Personalberatungen und deren Klienten abgerechnet. Die Vergütung nach Projektfortschritten wird besonders intensiv von den
mittelgroßen Personalberatungen (70 Prozent) und den kleineren Personalberatungen (71 Prozent) eingesetzt. Bei den großen Personalberatungsgesellschaften ist dafür die Zahlung des Honorars nach Zeitfortschritt deutlich mehr verbreitet. 40 Prozent der Mandate (2011: 34 Prozent) in dieser Größenklasse entfallen auf diese Honorarvariante, bei den mittelgroßen und kleineren ist es etwa jedes zehnte. Bei der Variante nach Zeitfortschritt erfolgt in der Regel eine Teilzahlung bei Vertragsabschluss und weitere jeweils zu Beginn der fortlaufenden Monate. Honorarmodelle mit einem Erfolgsanteil von mehr als 50 Prozent – also auch reine Erfolgshonorare – liegen 2012 bei 17 Prozent.

Nach einer Studie der Hochschule RheinMain (vgl. Petry 2013) wird das 100%-Erfolgshonorar hingegen am häufigsten eingesetzt. Es folgen mit deutlichem Abstand das Drittel-Modell und das 50/50-Modell. Am wenigsten verwendet wird das Honorarmodell nach Zeitaufwand. Im Vergleich zur Studie des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) aus dem Jahr 2005 überrascht der geringe Einsatz des Drittel-Modells, das damals noch mit Abstand am häufigsten verwendet wurde. Im Rahmen der Studie wurde auch untersucht, ob und wie sich die Honorarmodelle auf wichtige Leistungskriterien von Personalberatungen auswirken (Qualität der Kandidaten, Leistungsanreize, Dauer der Kandidatensuche und Transparenz bei der Kandidatenauswahl). Es zeigt sich, dass das 100%-Erfolgshonorar bei allen Kriterien am besten beurteilt wird. Nach dem 100 %-Erfolgshonorar nimmt das 50/50-Modell bei allen Kriterien den zweiten Platz ein und liegt damit vor dem Drittel-Modell. Letztlich kann somit geschlossen werden, dass Honorarmodelle prinzipiell umso besser beurteilt werden, je höher der erfolgsabhängige Anteil ist (100 % vor 50 % vor 33 % vor 0 %).

Literatur

Thomas Sattelberger: Handbuch der Personalberatung. Verlag C.H. Beck, München 1999, ISBN 3-406-44267-6.
Bundesverband Deutscher Unternehmensberater e. V.: Personalberatung in Deutschland 2013/2014. 15. Mai 2014.
Thorsten Petry: Honorarmodelle in der Personalberatung. In: Haufe [Hrsg.]: Personaldienstleister 2013. 5. Auflage. S. 12–14.
Steffen Hillebrecht, Anke-Andrea Peiniger: Grundkurs Personalberatung. 4. Auflage. Rosenberger, Leonberg 2012, ISBN 978-3-931085-77-3.
Steffen Hillebrecht: Führung von Personaldienstleistungsunternehmen. 2. Auflage. Gabler, Wiesbaden 2014.
Dieter Hofmann, Rainer Steppan: Headhunter – Blick hinter die Kulissen einer verschwiegenen Branche. Gabler, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-8349-1834-5.
Michael Heidelberger, Lothar Kornherr (Hrsg.): Handbuch der Personalberatung. 2. vollständig überarbeitete Auflage 2014 mit zahlreichen Abbildungen und Tabellen. Vahlen, ISBN 978-3-8006-4678-4.
Julia Löhr: Die geheimen Fragen der Personalberater. Vom ersten Anruf zum Management Audit. So sind Sie für alle Fälle gewappnet. Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt am Main 2010, ISBN 978-3-89981-222-0.
John Erpenbeck: Kompetenzprofiling. Verlag Waxmann, Münster 2002, ISBN 978-3-8309-1189-0.
Kaevan Gazdar: Köpfe jagen. Mythos und Realität der Personalberatung. Gabler, Wiesbaden 1992, ISBN 3-409-18719-7.

Weblinks

 Wiktionary: Personalberatung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Claudia Tödtmann: Personalberater-Ranking – Die besten Headhunter Deutschlands. Wirtschaftswoche, 25. November 2016.
Susanne Stephan: Wenn Ihr Name in dieser Kartei geführt wird, verdienen Sie beim nächsten Anruf eine halbe Million – mindestens. Focus Magazin, 16. Oktober 2016, abgerufen am 16. Oktober 2016.  Mit ConsultingStar-Ranking Die Top Ten der Headhunter in Deutschland. Focus Magazin, 16. Oktober 2016, abgerufen am 16. Oktober 2016. 
Rainer Steppan: Headhunter suchen nicht nur Topmanager. RP Online, 18. Juni 2016, abgerufen am 18. Juni 2016. 
Rainer Steppan: Branchenreport Headhunter – Keilerei im Keller. Spiegel Online, 19. Mai 2015, abgerufen am 19. Juni 2015.  Mit zehn Kurzportraits: Die Top 10 der Personalberater in Deutschland.

Einzelnachweise

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  4. http://www.gmbhkaufenshop.de/2019/05/22/bilanz-der-ga%c2%bcnter-ka%c2%bcppers-carports-gmbh-aus-hannover/
  5. http://www.gmbhkaufenshop.de/2019/05/22/businessplang-der-gebhart-budde-messebau-gesellschaft-mbh-aus-heidelberg/
  6. http://www.gmbhkaufenshop.de/2019/05/23/bilanz-der-bertlinde-schilling-vakuumtechnik-ges-m-b-haftung-aus-krefeld/
  7. http://www.gmbhkaufenshop.de/2019/05/23/businessplang-der-wolfhelm-hillebrand-holzhandel-ges-mit-beschrnkter-haftung-aus-braunschweig/
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GmbH Gesellschaftszweck / Unternehmensgegenstand: Dachgeschossausbau Merkmale Navigationsmenü aus Mainz

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Unter Dachgeschossausbau (österr.: Dachbodenausbau) versteht man die Umnutzung von Dachböden zu Wohnzwecken. Während die Dachböden von älteren städtischen Mietshäusern früher regelmäßig zum Trocknen von Wäsche genutzt wurden, bleiben sie heute in vielen Fällen ungenutzt oder werden als (End-)Lager für nicht mehr benötigte Gegenstände benutzt, was eine Gefahr in Hinblick auf den Brandschutz darstellt. Der Dachgeschossausbau ist in Deutschland und Österreich in den Bauordnungen der Bundesländer geregelt.

Merkmale

Da vor allem in den Gründerzeitvierteln großer Städte Wohnraum knapp und teuer ist, bestehen in vielen Städten Programme zur Umwandlung dieser ungenutzten Flächen in Wohnungen. Abhängig von der Art der Dachkonstruktion sind die Raumhöhen in vielen Fällen für eine Nutzung als Aufenthaltsraum ausreichend.

Während die Schaffung von Wohnraum in Innenstadtbezirken durch Dachgeschossausbauten ein weitgehend unumstrittenes Ziel der Stadtplanung darstellt und deshalb in vielen Städten auch gefördert wird, kann die Art und Weise der Umsetzung Konflikte auslösen. So ist es zur Belichtung der künftigen Wohnräume erforderlich, zusätzliche Dachflächenfenster oder Gauben einzubauen, was die Geometrie der Dachlandschaft verändert und vor allem bei denkmalgeschützten Ensembles unerwünschte Folgen für das städtebauliche Erscheinungsbild haben kann. Dachgeschossausbau führt deshalb häufig zur Konfrontation unterschiedlicher wirtschaftlicher und ästhetischer Interessen, etwa des Strebens nach Maximierung der erzielbaren Kubatur mit den Anpassungsforderungen des Denkmal- und Ensembleschutzes.

Ein weiteres im Zusammenhang mit dem Dachgeschossausbau auftretendes, potentiell konfliktträchtiges Phänomen ist die Tendenz zur Schaffung von Luxuswohnungen in ausgebauten Dachgeschossen, etwa in Form von zusammenhängenden Penthouses oder Maisonettewohnungen. Auch bauliche Besonderheiten wie etwa Dachterrassen schaffen sehr attraktiven und damit sehr teuer vermietbaren Wohnraum. Der Zuzug der hierbei angesprochenen Zielgruppe kann in Stadtteilen mit sensiblen sozialen Milieus Gentrifizierungseffekte, also die Verdrängung der bisherigen Bevölkerung, auslösen.

Literatur

Dachausbauten in der Stadtlandschaft. Ein Vergleich der Situation in Wien, Berlin, Prag, Budapest und München, Wiener Planungswerkstatt, Werkstattbericht Nr. 63, MA 18 (Magistrat der Stadt Wien) 2004
draufsetzen – 19 realisierte und projektierte Dachausbauten, Wiener Planungswerkstatt, Werkstattbericht Nr. 62, MA 18 (Magistrat der Stadt Wien) 2004
Vienna’s Roofscape and Roofspace in: ICOMOS (Hrsg.) Heritage at Risk 2004–2005 Country Report Austria (auch im WEB verfügbar)

Weblinks

Leitfaden ökologischer Dämmstoffe (PDF; 863 kB), NABU
Wärmedämmung/Wärmedurchgangskoeffizient und die Berechnung des U-Werts

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Kategorie: Teilgebiet des Bauwesens

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GmbH Gesellschaftszweck / Unternehmensgegenstand: Montagearbeit Montagearten Montagewirkungsgrad Navigationsmenü aus Potsdam

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Endmontage: Einbau von Fahrzeugsitzen in Automobilen
(Perspektivischer Ausschnitt aus einer Produktionsstraße)

Als Montage ([.mw-parser-output .IPA a{text-decoration:none}mɔnˈtaːʒə]) ( anhören?/i) bezeichnet man in der industriellen Fertigung nach VDI 2860 die Gesamtheit aller Vorgänge für den Zusammenbau von Körpern mit geometrisch bestimmter Form (Längen, Winkel).[1]

Die wesentlichen Teiloperationen eines Montageprozesses sind:

Fügen (Verschrauben, Nageln, Schweißen, Kleben, Löten, Einclipsen)
Handhaben (greifen, legen, umdrehen, bewegen, sichern, kontrollieren)
Prüfen
Justieren (z. B. Einstellen)
Hilfsoperationen (z. B. reinigen, erwärmen oder kühlen für Pressverbindungen, entgraten, auspacken, abdichten, ölen, …)

Die Umkehrung der Montage ist die Demontage mit entsprechenden Demontagetechniken.

Die Montage bildet neben den Bereichen Arbeitsvorbereitung und Teilefertigung einen Teil des Produktionssystems eines Industriebetriebes.

Inhaltsverzeichnis

1 Montagearten

1.1 Primärmontage
1.2 Sekundärmontage

2 Montagewirkungsgrad
3 Siehe auch
4 Literatur
5 Weblinks
6 Einzelnachweise

Montagearten

Der Montagevorgang kann nach zwei Arten unterschieden werden

Primärmontage

Die Primärmontage ist das Fügen der Bauteile zu einem Ganzen, einer Baugruppe, einem Aggregat (Technik) oder einem Enderzeugnis. Zur Primärmontage gehören alle Arbeitsoperationen, die der Wertschöpfung eines Produktes dienen, also das Montageobjekt physisch verändern. Montierte Objekte können – in Gegensatz zu Einzelteilen – i. d. R. wieder demontiert werden (s. Demontage). Dies ist für die Instandhaltung, Reparatur und die Entsorgung bzw. das Recycling von großer Bedeutung.

Sekundärmontage

Die Sekundärmontage umfasst das Handhaben, Prüfen, Justieren und besondere Hilfsoperationen, die den Montagevorgang unterstützen, aber nicht grundsätzlich erforderlich sind. Alle Arbeitsoperationen der Sekundärmontage sollten möglichst vermieden oder reduziert werden, da sie an dem Montageobjekt selber nichts ändern und damit nicht direkt zur Wertschöpfung beitragen.

Sekundärmontagevorgänge (SMV) sind – abhängig vom gewählten Montageprinzip – alle notwendigen Vorgänge die Aufwendungen an Zeit, Information und Energie darstellen, ohne eine Wertschöpfung des Produktes zu bewirken.

Montagewirkungsgrad

Durch die Analyse des sog. Primärmontagevorganges (PMV) und des Sekundärmontagevorganges (SMV) lässt sich der Wirkungsgrad der Montage als quantitatives Beurteilungsmerkmal ermitteln.

η

M

=

P
M
V

P
M
V

+

S
M
V


100

%

{displaystyle eta _{mathrm {M} }={frac {sum mathrm {PMV} }{sum mathrm {PMV} +sum mathrm {SMV} }}cdot 100,%}

Bei Handwerkern bezeichnet Montage oft das Aufstellen der Ware vor Ort, in manchen Bereichen sind bestimmte Arten auch genormt, etwa in Österreich die Fenster-Montage nach ÖNORM. Davon abgeleitet sind umgangssprachlich Handwerker, die längere Zeit vom Wohnort entfernt auf Montage arbeiten.

Der typische Beruf, der sich aus der Montage ableitet, ist der Monteur, zu dessen Aufgabe je nach Fertigungsschritt die Vormontage, Teilmontage oder Endmontage von Bauteilen, Baugruppen, Aggregaten oder Endprodukten gehört.

Die Automobilindustrie entwickelt sich mehr und mehr in Richtung einer hochautomatisierten Montageindustrie und bezieht von ihren Lieferanten vormontierte Baugruppen, die im Werk des Fahrzeugherstellers auf einer Montagelinie nur noch eingebaut werden[2].

Siehe auch

Montagelinie
Automobilfertigung
Fließfertigung

Literatur

VDI-Richtlinie 2860
B. Lotter, W. Schilling: Manuelle Montage : Planung – Rationalisierung – Wirtschaftlichkeit., VDI-Verlag, Düsseldorf 1994, ISBN 3-18-401244-1.
B. Lotter: Montage in der industriellen Produktion : ein Handbuch für die Praxis. Springer, Berlin 2006, ISBN 978-3-540-21413-7.
H.-P. Wiendahl et al.: Handbuch Fabrikplanung: Konzept, Gestaltung und Umsetzung wandlungsfähiger Produktionsstätten. Hanser Verlag, München 2009, ISBN 978-3-446-22477-3.
W. Herlyn: PPS im Automobilbau – Produktionsprogrammplanung und -steuerung von Fahrzeugen und Aggregaten. Hanser Verlag, München 2012, ISBN 978-3-446-41370-2. 
W. Holle: Rechnerunterstützte Montageplanung – Montageplanung und Simultaneous Engineering. Hanser Verlag, München 2002, ISBN 978-3-446-21986-1. 

Weblinks

xpertgate.de-Website zum Thema Montage und ihren Teiloperationen

Einzelnachweise

↑ Lotter, Wiendahl: Montage in der industriellen Produktion, Springer, 2006, S. 2.

↑ ebenda, S. 210 ff.

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4040126-1 (OGND, AKS)

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Kategorien: HandhabungstechnikMontagetechnik

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GmbH Gesellschaftszweck / Unternehmensgegenstand: Psychologische Beratung Definition und gesetzliche Grundlagen Themenbereiche Beratungsanliegen Finanzierung der Beratung Ausbildung und Qualifikation Beratungsvorgang Einsatzgebiete siehe auch Navigationsmenü aus Nürnberg

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Psychologische Beratung (amerik.-engl. Psychological Counseling, brit.-engl. Psychological Counselling)[1] bezeichnet psychologische Maßnahmen und Tätigkeiten, die der Aufarbeitung und Überwindung von Problemen oder Konflikten dienen. Sie ist eine zentrale Interventionstechnik im Bereich der nichtheilkundlichen Psychologie (beratende Psychologie).

In Deutschland gehören „psychologische Tätigkeiten, die die Aufarbeitung und Überwindung sozialer Konflikte oder sonstige Zwecke außerhalb der Heilkunde zum Gegenstand haben“, nach § 1 Abs. 3 Satz 3 des Psychotherapeutengesetzes nicht zur Psychotherapie. In Österreich und der Schweiz verhält es sich ähnlich, auch wenn die dortigen gesetzlichen Regelungen im Detail abweichen.

Der Begriff “Psychologischer Berater” gehört nicht zu den in Deutschland gesetzlich geschützten Berufsbezeichnungen; er ist nicht mit dem Psychologen, dem approbierten Psychotherapeuten oder auch dem Heilpraktiker auf dem Gebiet der Psychotherapie zu verwechseln. Unter Counseling Psychology wird vor allem im englischen Sprachraum ein Spezialgebiet der Psychologie gefasst, was sich mit der Anwendung von Beratungsprozessen auf den verschiedenen Gebieten beschäftigt (z. B. Supervision, Training, Laufbahnentwicklung, Prävention und Gesundheit).[2]

Inhaltsverzeichnis

1 Definition und gesetzliche Grundlagen

1.1 Beratung und Psychotherapie
1.2 Andere Beratungsformen

2 Themenbereiche
3 Beratungsanliegen
4 Finanzierung der Beratung
5 Ausbildung und Qualifikation
6 Beratungsvorgang
7 Einsatzgebiete siehe auch
8 Literatur
9 Einzelnachweise
10 Weblinks

Definition und gesetzliche Grundlagen

Man muss davon ausgehen, dass es eine spezifische, eindeutige und hinreichend weit akzeptierte Begriffsbestimmung bisher nicht gibt, die Versuche differenzieren je nach Anwendungsbereich und Erkenntnisinteresse.[3]

Eine allgemeine Definition hat der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen in seinen berufspolitischen Leitsätzen vorgelegt:[4]

„Psychologische Beratung ist ein auf Wechselbeziehungen zwischen Personen bzw. Gruppen beruhender Prozess zur Förderung psychischer Kompetenz und Handlungskompetenz
(Veränderung von Denk-, Gefühls und Handlungsmustern), zur Aktivierung vorhandener und Erschließung neuer Ressourcen, zum Abbau störender Faktoren. Hierbei besteht Einvernehmen zwischen den teilnehmenden Personen (Psychologin, Psychologe, ratsuchender Person/Gruppe) über den Beratungsbedarf. Der Beratungsprozess wird auf beschriebene Ziele hin durchgeführt. Es werden Methoden eingesetzt, die auf Erkenntnissen der wissenschaftlichen Psychologie beruhen.“

Beratung und Psychotherapie

Vor allem in Abgrenzung zur Psychotherapie werden solche Definitionen ebenfalls versucht:

In Deutschland definiert der § 1 PsychThG die beratende Psychologie als “psychologische Tätigkeiten, die die Aufarbeitung und Überwindung sozialer Konflikte oder sonstige Zwecke außerhalb der Heilkunde zum Gegenstand haben.” In Österreich und der Schweiz gilt ebenso, dass all jene psychologischen Interventionen als beratend eingestuft werden, die nicht dem Zwecke der Heilkunde dienen. Dies bedeutet, im Rahmen der psychologischen Beratung darf keine Behandlung von psychischen Störungen erfolgen. Von Seiten des Gesetzes sind damit die Grenzen der psychologischen Beratung, insbesondere ihre Abgrenzung zur heilkundlichen Psychologie (Psychotherapie) geregelt. Ihre Inhalte und Verfahren selber unterliegen jedoch keiner staatlichen Aufsicht oder Regulierung.

Hierbei kommen in der Regel psychologische und psychotherapeutische Techniken zum Einsatz, die zum Teil auch aus der Psychotherapie bekannt sind. Während Psychotherapie jedoch eine Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Störungen mit Krankheitswert ist, geht es bei der psychologischen Beratung um Hilfestellungen für psychisch gesunde Menschen mit konkreten Lebensproblemen.[5][6]

Andere Beratungsformen

Psychologische Beratung als Teilgebiet der beratenden Psychologie ist von anderen Formen von psychologischer Beratung (z. B. Psychoedukation, wirtschaftspsychologische Methoden, Kommunikationstrainings) zu unterscheiden.[7] Anders als im deutschsprachigen Bereich werden in vielen Ländern diese Unterscheidungen über gesetzliche Regelungen getroffen und Maßnahmen der psychologischen Beratung reguliert. So werden zum Beispiel in den USA beratend tätige Sozialarbeiter und Seelsorger als Counselor lizenziert, während die Ausübung psychologischer Beratung nur als lizenzierter Counseling Psychologist möglich ist, was eine Lizenz als Psychologe und damit ein einschlägiges universitäres Psychologiestudium mindestens mit Abschluss als Master oder sogar mit einem Doktorat erfordert.[8]

Beratend arbeitende Psychologen finden sich in Deutschland außerhalb von Institutionen eher selten. Aufgrund des heilkundlich ausgerichteten Systems der psychotherapeutischen Versorgung in Deutschland ist eine psychologische Beratungspraxis außerhalb der Psychotherapie nur in seltenen Fällen wirtschaftlich möglich. Der Beruf eines klassischen Counselling Psychologist hat sich in Deutschland daher bisher kaum etablieren können. Hintergrund dieser Entwicklung dürfte im Wesentlichen die fehlende ökonomische Einbindung von psychologischer Beratung in die Systeme der Gesundheitsversorgung sein.

siehe auch: Beratung
siehe auch: Counseling

Themenbereiche

Psychologische Beratung kann überall dort zum Einsatz kommen, wo es um die Lösung und Überwindung von persönlichen und sozialen Konflikten geht. Methoden der psychologischen Beratung finden daher – selbständig oder eingebunden in andere Maßnahmen – Verwendung in den verschiedensten Bereichen der sozialen und psychologischen Arbeit. Zu nennen sind unter anderem Lebensberatung, Seelsorge, Berufs- und Studienberatung, Bildungsberatung, Ehe- und Partnerschaftsberatung, Erziehungsberatung, Familienberatung, Jugendberatung und Drogenberatung, genetische Beratung, Beratung zur Bewältigung spezieller Erkrankungen sowie Beratung für Menschen mit Behinderung, Personal- und Führungskräfteberatung, Konfliktberatung, Entscheidungsberatung, Mobbingberatung, Opferberatung und im Bedarfsfall auch Beratung in Bezug auf Möglichkeiten und Planung einer Psychotherapie.[9]

Beratungsanliegen

Generelles, übergeordnetes Ziel der psychologischen Beratung ist die Verbesserung der subjektiven Zufriedenheit und der Lebensqualität. Mögliche Beratungsziele sind die Lösung von Konflikten, die Klärung von unklaren persönlichen oder sozialen Situationen sowie das Erlernen von Präventionsmaßnahmen. Entscheidungsschwierigkeiten, von als ethisch oder moralisch unklar empfundenen Problemlagen, von Fragen zur Lebensänderung, solchen zur allgemeinen, beruflichen oder familiären Neuorientierung, zu Bildungsmöglichkeiten und -eignungen, zur Karriereplanung, bei allgemeinen beruflichen Fragen, bei Problemen am oder mit dem Arbeitsplatz, zur Verbesserung des Arbeitens und Lernens, zur Verbesserung der Kommunikation und zur Optimierung des Führungsverhaltens können ebenso Gegenstand psychologischer Beratungsmaßnahmen sein.[10] Zunehmend wird die psychologische Beratung auch zur Klärung und Aufarbeitung existenzieller (Sinn-)Fragen aufgesucht. In diesem Zusammenhang kann inzwischen auch auf fundierte Forschungsergebnisse zur Psychologie des Glücks zurückgegriffen werden.[11]

Finanzierung der Beratung

Da psychologische Beratung nicht der Behandlung von Krankheiten dient (und von Gesetzes wegen auch nicht dienen darf),[12] werden ihre Kosten in den deutschsprachigen Ländern von den Krankenversicherungen in der Regel nicht übernommen. Psychologische Beratung erfolgt in Deutschland jedoch auch kostenfrei im Rahmen der erweiterten Gesundheitsversorgung, zumeist in Beratungsstellen, Krisenzentren oder dem sozial-psychiatrischen Dienst. Bei Beratungsstellen gemeinnütziger Träger und bei den anerkannten Trägern der Jugendhilfe in Deutschland (beispielsweise nach §28) entstehen dem Beratungsempfänger in der Regel keine Kosten oder es wird um Spenden für die erfolgte Beratung gebeten. Bei freiberuflichen psychologischen Beratern und bei Online- oder telefonischen Beratungsangeboten muss die Beratung oft vollständig privat bezahlt werden. In Einzelfällen kann bei privaten Krankenversicherungen eine Kostenübernahme beantragt werden, wenn der psychologische Berater über eine Approbation als Psychotherapeut oder eine Zulassung zur Heilkunde als Heilpraktiker bzw. Heilpraktiker für Psychotherapie verfügt.

Ausbildung und Qualifikation

Auf dem deutschen „Beratungsmarkt“ finden sich viele, zum Teil auch nebenberuflich tätige, psychologische Berater mit sehr unterschiedlichem Ausbildungshintergrund. Da die psychologische Beratung viele verschiedene psychologische Methoden umfasst und der Ausbildungsweg gesetzlich nicht geregelt ist, gibt es eine Vielzahl verschiedener Qualifikationen der Anbieter. Ein Universitätsstudium der Psychologie, Sozialarbeit, Kommunikationswissenschaft oder Theologie kann, häufig nach zusätzlichen Weiterbildungen, ebenso zur Anwendung befähigen, wie Kurse bei privaten Instituten. Die Qualität der Ausbildung variiert dementsprechend stark.[13]

Es gibt zudem – zum Teil per Fernunterricht durchgeführte – staatlich zertifizierte Lehrgänge als “Psychologischer Berater/Personal Coach” gemäß der Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung (AZWV). Die Bezeichnungen “Psychologischer Berater” oder “Personal Coach” sind in Deutschland aber – im Gegensatz zum Titel “Diplom-Psychologe” sowie auch der alleinstehenden Bezeichnung “Psychologe” – nicht geschützt. Während also die Nutzung letztgenannter Berufsbezeichnungen den erfolgreichen Abschluss eines Hochschulstudiums mit Hauptfach Psychologie voraussetzt, sind für das Auftreten als “Psychologischer Berater” weder die genannten Lehrgänge noch eine andere Ausbildung vorgeschrieben. Daher wird gelegentlich auf die Gefahr hingewiesen, dass aufgrund mangelnder fachlicher Kenntnisse auch zweifelhafte Anbieter auftreten, die weniger effektiv sind oder schlimmstenfalls gar Risiken für die Klienten bergen. Anders als bei staatlich geregelten Berufsgruppen ist hier der Ratsuchende selber gefragt, die Qualifikation des psychologischen Beraters anhand dessen absolvierter Aus- und Weiterbildungen selber abzufragen und seine Seriosität zu prüfen.[14]

Ausbildungskurse für “Psychologische Berater” werden in Deutschland auch von Berufsverbänden, von gemeinnützigen Fortbildungsträgern und von privatwirtschaftlich organisierten Weiterbildungseinrichtungen (auch in Kooperation mit einigen Fachhochschulen) angeboten. Diese Kurse bestehen in der Regel aus der Vermittlung von theoretischen Inhalten und einem praktischen Teil, in dem die erlernten Methoden und Techniken geübt werden.

Beratungsvorgang

Das Geschehen während einer psychologischen Beratung hängt von der konkret angewandten Methode ab. Hierbei kommen, ebenso wie bei der Psychotherapie, verhaltenstherapeutische und tiefenpsychologische, aber auch kommunikationspsychologische und andere Techniken zum Einsatz. In der Regel ist das Vorgehen kooperativ und auf Augenhöhe mit dem Klienten. Psychologe bzw. Berater und Klient sind gleichwertige Persönlichkeiten und suchen gemeinsam nach Klärung und Lösungsmöglichkeiten für bestehende Probleme und Konflikte.

Eine förderliche psychologische Beratung nimmt den unterbrochenen Entwicklungsprozess im Sinne des lebenslangen Lernens wieder auf und führt ihn weiter. Auch auf den prophylaktischen Wert frühzeitig wahrgenommener psychologischer Beratung wird bisweilen hingewiesen. Aus empirischen Studien kann abgeleitet werden, dass Probleme und Krisen die Entstehung von psychischen Störungen und körperlichen Erkrankungen begünstigen können (vgl. z. B. Forschungen zum Diathese-Stress-Modell).[15] Psychologische Beratung ersetzt jedoch weder eine ärztliche Behandlung noch psychotherapeutisch indizierte Hilfeleistung. Sie reiht sich als mildeste, niedrigschwellige Form in den Bereich der psychosozialen Versorgung ein, greift aber dafür auch wesentlich breiter. Weiteres Merkmal ist die ambulante Durchführbarkeit wie etwa in örtlichen Beratungsstellen oder in psychologischen Praxen. Psychologische Telefonberatung ermöglicht indessen eine anonyme Beratung, wodurch eine beim Ratsuchenden etwa vorhandene Hemmschwelle verringert wird, sich einer fremden Person gegenüber zu öffnen.

Einsatzgebiete siehe auch

Eheberatung
Familienberatung
Erziehungsberatung
Psychoedukation
Drogenberatung
Sexualberatung
Prävention
Konfliktberatung
Lebensberatung
Psychosoziale Beratung
Berufsberatung
Wirtschaftsberatung
Mediation
Coaching
Organisationsberatung

Literatur

A. Aichhorn: Erziehungsberatung und Erziehungshilfe. Huber, Bern 1959.
Luitgard Brem-Gräser: Handbuch der Beratung für helfende Berufe. Band 1–3. Reinhard, München/ Basel 1993
H. Bommert, U. Plessen: Psychologische Erziehungsberatung. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004890-2
G. Dietrich: Spezielle Beratungspsychologie. Hogrefe, Göttingen 1987.
G. Fatzer, Claus D. Eck (Hrsg.): Supervision und Beratung. Ein Handbuch. Edition Humanistische Psychologie, Köln 1990.
F. Nestmann, F. Engel, U. Sickendiek (Hrsg.): Das Handbuch der Beratung. Band 1 und Band 2, dgvt-Verlag, Tübingen 2007, ISBN 978-3-87159-050-4.
M. Perrez, F. Büchel, N. Ischi, J. L. Patry, B. Thommen: Erziehungspsychologische Beratung und Intervention als Hilfe zur Selbsthilfe in Familie und Schule. Huber, Bern 1985.
E. Schmalohr: Klären statt Beschuldigen. Beratungspsychologie mit Eltern, Kindern und Lehrern. Klett-Cotta, Stuttgart 1995.
Ch. Steinebach: Handbuch Psychologische Beratung . Stuttgart, Klett-Cotta 2006.
M. R. Textor: Scheidungszyklus und Scheidungsberatung. Ein Handbuch. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1991.

Einzelnachweise

↑ James A. Patterson, Irina N. Lipschitz: Psychological Counseling. Research Focus. Nova Science Publishers, New York, 2007.

↑ Gelso, C.J., Williams, E.N. & Fretz, B. (2014). Counseling Psychology (3rd ed.). Washington, D.C.: American Psychological Association.

↑ Psychologische Beratung im DORSCH Lexikon der Psychologie

↑ Psychologische Beratung. Fach- und berufspolitische Leitsätze Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen. Stand Februar 2000

↑ §1, Absatz 3 (1)(2)(3) Psychotherapeutengesetz der Bundesrepublik Deutschland, 1999.

↑ Tara L. Kuther, Robert D. Morgan: Careers in Psychology: Opportunities in a Changing World. Wadsworth 2007.

↑ Elizabeth M. Altmaier, Jo-Ida C. Hansen: The Oxford Handbook of Counseling Psychology. Oxford University Press, New York 2012.

↑ Ch. Steinebach: Handbuch Psychologische Beratung. Stuttgart 2006.

↑ C. J. Gelso, B. Fretz: Counseling Psychology. 2. Auflage. Brooks Cole, 2001.

↑ Sheelagh Strawbridge, Ray Woolfe, Windy Dryden u. a.: Handbook of Counselling Psychology. 3. Auflage. 2010.

↑ Susan Van Scoyoc, Vanja Orlans: A Short Introduction to Counselling Psychology. SAGE Publications, London 2009.

↑ PsychThG §1 Abs. 3 (3)

↑ Susanne Nußbeck: Einführung in die Beratungspsychologie. München 2006.

↑ Ronny Teschner: Beratung versus Psychotherapie. Norderstedt 2001.

↑ Charles J. Gelso, Bruce R. Fretz: Counseling Psychology. Harcourt College Publishers, 2000.

Weblinks

Verband freier Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie und Psychologischer Berater (VFP)

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Renovierung des Weißen Hauses (1950)

Als Renovierung, schweizerisch Renovation (von lateinisch renovare und frühneuhochdeutsch renovieren: ‚erneuern‘), bezeichnet man Maßnahmen zur Instandsetzung von Bauwerken. Man beseitigt Schäden aufgrund von Abnutzung durch den gewöhnlichen Gebrauch und stellt den ursprünglichen Stand der Nutzbarkeit wieder her – oder einen besseren, dem aktuellen Stand der Technik (bzw. aktuellen Bauvorschriften) näheren oder entsprechenden Zustand; Letzteres nennt man Sanierung.

Im Mietrecht ist Renovierung ein Synonym für Schönheitsreparaturen (Tapezieren, Streichen). Deren Durchführung ist nach den in Deutschland üblichen vorgedruckten Mietverträgen meist Sache des Mieters; nach höchstrichterlichen Rechtsprechung ist diese Standardklausel für reine Instandsetzungsarbeiten (Reparaturen) nicht zulässig (Ausnahme: Kleinreparaturen).

Siehe auch: Schönheitsreparatur

Abzugrenzen von der Renovierung ist die Restaurierung eines Bauobjekts mit Denkmalwert.

Siehe auch

Instandhaltung

Weblinks

 Wiktionary: Renovierung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Normdaten (Sachbegriff): GND: 4126531-2 (OGND, AKS)

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Kategorien: Sanierung (Bauwesen)Teilgebiet des BauwesensVersteckte Kategorie: Wikipedia:Belege fehlen

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GmbH Gesellschaftszweck / Unternehmensgegenstand: Autoreifen Reifenarten nach Einsatzzweck Reifenarten nach Bauart Reifenaufbau Design und Entwicklung Herstellung Reifengröße, metrische Reifenbezeichnung bzw. -markierung Sonstiges Vorschriften Hersteller Trivia Spezielle Reifenarten Navigationsmenü aus Bochum

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Pkw-Sommerreifen
Niederquerschnittsreifen auf einer Leichtmetallfelge

Der Autoreifen (auch Pneu, insbesondere in der Schweiz; v. griech. πνεῦμα pneuma „Luft, Wind, Atem“) bildet mit der Radschüssel und der Felge das Komplett-Rad eines Autos.

In der EU müssen Hersteller mittels eines Reifenlabels (deutsch: Etikett) auf allen seit dem 1. November 2012 hergestellten (und verkauften) Autoreifen über deren Kraftstoffverbrauch, Nasshaftung und Geräuschklassifizierung informieren.

Der Abrieb von Reifen ist derzeit (2018) persistent. Etwa 28 % des primären Mikroplastiks sollen durch Abrieb von Reifen entstehen.

Inhaltsverzeichnis

1 Reifenarten nach Einsatzzweck

1.1 Sommerreifen
1.2 Winterreifen (M+S-Reifen)

1.2.1 7-Grad-Empfehlung
1.2.2 Spike-Reifen

1.3 Ganzjahresreifen
1.4 Geländereifen
1.5 Reifentypen für Lkw
1.6 Reifen mit Notlaufeigenschaften (Runflat-Reifen)

2 Reifenarten nach Bauart

2.1 Diagonalreifen
2.2 Radialreifen (Gürtelreifen)

3 Reifenaufbau
4 Design und Entwicklung
5 Herstellung

5.1 Neureifen
5.2 Runderneuerte Reifen

6 Reifengröße, metrische Reifenbezeichnung bzw. -markierung

6.1 Geschwindigkeitsindex
6.2 Witterungskennzeichnung
6.3 UTQG (Uniform Tire Quality Grade)
6.4 Zusätzliche Bezeichnungen

7 Sonstiges

7.1 Fertigungsprüfungen
7.2 Laufrichtung, Innen- und Außenseite
7.3 Reifendruck und Kraftstoffverbrauch
7.4 Lebensdauer
7.5 Reifentests
7.6 Reifengas
7.7 Reifenprofile und Aquaplaning (Wasserglätte)
7.8 Reifenwechsel
7.9 Radwechsel

8 Vorschriften

8.1 Europäische Union
8.2 Deutschland
8.3 Österreich
8.4 Schweiz

9 Hersteller
10 Trivia
11 Spezielle Reifenarten
12 Siehe auch
13 Literatur
14 Weblinks
15 Einzelnachweise

Reifenarten nach Einsatzzweck

Autoreifen sind das Bindeglied zwischen Fahrzeug und Fahrbahn. Sie beeinflussen maßgeblich das Fahrverhalten eines Fahrzeugs. Reifen werden insbesondere auf die Beschaffenheit des Untergrundes, die Temperatur und die Belastung ausgelegt. In Mitteleuropa fahren Autos meist auf asphaltierten Straßen mit einer Oberflächentemperatur zwischen −15 °C und +60 °C. Die Straßen können verschiedene Feuchtigkeitsgrade aufweisen, im Winter können sie von Neuschnee, festgefahrenem Schnee und/oder Eis bedeckt sein. Theoretisch gäbe es für jede Fahrsituation einen am besten geeigneten Reifen. So werden im Rennsport mehrere Reifensätze mit unterschiedlich hartem Gummi und Regenreifen (mit Profil) oder Slicks (ohne Profil, für trockene Fahrbahn) vorgehalten und gewechselt. Um unter den Randbedingungen Produktionskosten und Lebensdauer ein möglichst breites Spektrum abzudecken, werden für den Straßenverkehr die folgenden Reifenarten angeboten:

Sommerreifen

Profil eines Sommerreifens

Sommerreifen sind für Straßenverhältnisse ohne Schnee und Eisglätte ausgelegt. Ihre Gummimischung wird auch bei hohen Temperaturen nicht zu weich; auch bei hoher Geschwindigkeit ist die Abnutzung relativ gering. Hersteller wählen im Zielkonflikt zwischen zueinander in Widerspruch stehenden Anforderungen – z. B. einem möglichst geringen Rollwiderstand bei gleichzeitig guter Haftreibung (Bodenhaftung bei Nässe) – einen Kompromiss.

Mit abnehmender Profiltiefe verschlechtert sich das Verhalten bei Regen, Aquaplaning tritt früher auf. Gesetzlich sind daher 1,6 mm Profiltiefe gefordert. Der ADAC empfiehlt für Sommerreifen mindestens 3 mm Profiltiefe.[1]

Winterreifen (M+S-Reifen)

Siehe auch: Winterausrüstung (Straßenverkehr)
Profil eines Winterreifens

Viele Länder haben zu bestimmten Zeiten oder bei bestimmten Straßenverhältnissen eine Winterreifenpflicht erlassen.

In Deutschland besteht seit dem 4. Dezember 2010 eine Winterreifenpflicht bei winterlichen Straßenverhältnissen, d. h. wenn Eis, Glätte und Schneematsch vorkommen.

Schneeflockensymbol für Winterreifen, (Bergpiktogramm mit Schneeflocke, Alpine-Symbol)

Winterreifen (in der Schweiz Winterpneu) sind für niedrige Temperaturen und winterliche Straßenverhältnisse ausgelegt. Sie verfügen über eine Gummimischung, die auch bei niedrigen Temperaturen ausreichend elastisch ist, um eine hinreichende Kraftübertragung (mittels Verzahnung mit dem Untergrund) zu erreichen. Winterreifen sind mit dem M+S-Symbol (englisch Mud and Snow, deutsch Matsch und Schnee) gekennzeichnet. Die EU-Verordnung Nr. 661/2009 vom 13. Juli 2009 bezeichnet als „M+S-Reifen“ einen Reifen, dessen Laufflächenprofil, Laufflächenmischung oder Aufbau in erster Linie darauf ausgelegt ist, gegenüber einem Normalreifen bessere Fahr- und Traktionseigenschaften auf Schnee zu erzielen, und kündigt als Durchführungsmaßnahme die „genauere Festlegung der physischen Merkmale und Leistungsanforderungen“ bis zum 31. Dezember 2010 an.[2]

Die deutsche StVO (§ 2 Abs. 3a StVO) bezieht sich noch auf die EU-Verordnung von 1992, nach der „M+S-Reifen“ Reifen sind, „bei denen das Profil der Lauffläche und die Struktur so konzipiert sind, dass sie vor allem in Matsch und frischem oder schmelzendem Schnee bessere Fahreigenschaften gewährleisten als normale Reifen. Das Profil der Lauffläche von M+S-Reifen ist im Allgemeinen durch größere Profilrillen und Stollen gekennzeichnet, die voneinander durch größere Zwischenräume als bei normalen Reifen getrennt sind.“[3] (siehe auch Reifenprofil)

Trotz dieser Definitionen ist „M+S“ (Stand 2013) keine geschützte Kennzeichnung und kann daher auch auf nicht wintertauglichen Reifen angebracht werden. Insbesondere chinesische und amerikanische Reifenhersteller verwenden dieses Symbol auch auf Sommerreifen.[4][5]

Die Kennzeichnung „Berg mit Schneekristall“ (Alpine-Symbol) wird von der amerikanischen Straßenbehörde NHTSA vergeben und kennzeichnet Reifen, welche in einem Test eine gegenüber einem Referenzreifen um mindestens 7 Prozent bessere Traktion auf Schnee und Eis erreichen.

Ab dem 1. Januar 2018 müssen neu produzierte Winterreifen auf der Flanke das Alpine-Symbol tragen, wenn sie offiziell wintertauglich sind. M+S-Reifen ohne Alpine-Symbol, die vor dem 1. Januar 2018 produziert wurden, gelten in der Übergangsfrist bis zum 30. September 2024 noch als Winterreifen.[6]

Anders als Sommerreifen weist das Profil von Winterreifen zusätzlich Lamellen auf, welche aufgrund der höheren Anzahl und Gesamtlänge der Griffkanten eine bessere Verzahnung mit losem Untergrund, beispielsweise Schnee, ermöglichen. Weiterhin weisen Winterreifen im Allgemeinen eine Laufflächenmischung auf, die auch bei niedrigen Temperaturen flexibel bleibt.

Bei niedrigen Temperaturen, aber trockenem Wetter sollen Reifen mit 0,2 bis 0,3 bar mehr Reifendruck als vom Fahrzeughersteller angegeben gefahren werden, da die – vom Reifenhersteller einkalkulierte – Druckerhöhung im Reifen geringer ist als bei sommerlichen Temperaturen. Herrschen dagegen Schneematsch und Glätte, sind die unten erwähnten Eigenschaften eines niedrigen Reifendrucks erwünscht.

Wenige Geländewagen besitzen automatische Systeme, die auf rutschigem Untergrund den Reifendruck verringern können, um eine größere Reifenaufstandsfläche zu bewirken. Wenn das Fahrzeug in weichem Sand oder dergleichen festgefahren ist, kann es helfen, Luft aus den Reifen der Antriebsachse(n) abzulassen.

Anders als bei Sommerreifen ist es bei Winterreifen auch erlaubt, Reifen mit niedrigerem Geschwindigkeitsindex einzusetzen – abweichend von den Angaben des Fahrzeugscheins. Auch dabei ist die M+S-Kennzeichnung ausschlaggebend, die übrigens auch Ganzjahresreifen aufweisen können. In Deutschland ist in diesem Fall ein Aufkleber mit der zulässigen Höchstgeschwindigkeit der Reifen gemäß Geschwindigkeitsindex im Blickfeld des Fahrzeugführers anzubringen.
Diese Kennzeichnung ist auch in manchen Ländern vorgeschrieben, in denen ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen gilt.

Neben den weit verbreiteten Winterreifen der Geschwindigkeitskategorie T (bis 190 km/h) werden auch Winterreifen der höheren Geschwindigkeitskategorien U, H und V (vereinzelt auch W = bis 270 km/h) in fast allen Reifendimensionen angeboten. Auf schneefreiem und trockenem Asphalt, vor allem bei höheren Temperaturen, ist mit etwas stärkerem Abrieb von Winterreifen zu rechnen.

Winterreifen haben bei frühlingshaften und sommerlichen Temperaturen verglichen mit Sommerreifen auf trockener Fahrbahn deutlich schlechtere Fahreigenschaften, z. B. einen längeren Bremsweg.[7]

Ein regelmäßiger Austausch ist sinnvoll, da im Laufe der Zeit die Gummimischung verhärtet und die Hafteigenschaften der Reifen dann deutlich nachlassen, selbst wenn die Profiltiefe noch ausreichend ist. Der ADAC empfiehlt, Winterreifen, die älter als sechs Jahre sind, zu ersetzen.[8] Der ÖAMTC empfiehlt, Reifen nur 4 Jahre zu verwenden.[9]

Mit abnehmender Profiltiefe verschlechtern sich die Hafteigenschaften auf Schnee deutlich. In Österreich muss deshalb ein Winterreifen mindestens 4 mm Profiltiefe aufweisen (und eine M+S-Kennzeichnung). Bei einer Profiltiefe unter 4 mm gilt der Reifen als Sommerreifen. Der ADAC empfiehlt für Deutschland ebenfalls 4 mm Profiltiefe; gesetzlich werden in Deutschland nur 1,6 mm gefordert.[1]

7-Grad-Empfehlung

Jahrzehntelang wurde in den Medien die These vertreten, Winterreifen hätten bei Temperaturen unter 7 °C bessere Eigenschaften als Sommerreifen (sogenannte „Sieben-Grad-Empfehlung“). Diese Aussage wurde jedoch durch Tests widerlegt.[10]

Auch bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt können mit Sommerreifen sowohl auf nasser als auch auf trockener Fahrbahn kürzere Bremswege erzielt werden als mit vergleichbaren Winterreifen. Der Bremsweg von Winterreifen auf Schnee und Eis ist dagegen deutlich kürzer als der von Sommerreifen.[11] Die Griffigkeit des Straßenbelags hat also einen größeren Einfluss auf die Traktionseigenschaften der Reifen als die reine Umgebungstemperatur. Besonders in Kombination mit einer verschmutzten oder staubigen Straßenoberfläche können Niederschläge die Straßenhaftung zu allen Jahreszeiten deutlich herabsetzen.

Die 7-Grad-Empfehlung (und ebenso die „O-bis-O-Regel“ – „von Oktober bis Ostern“) kann bzw. soll Autofahrer daran erinnern, ihre Reifen rechtzeitig vor den ersten Schneefällen und dem winterlichen Kälteeinbruch zu wechseln. Zu diesem Zeitpunkt sind KFZ-Werkstätten und der Reifenhandel vielerorts überlastet und es bedarf zum Reifenwechsel der Vereinbarung eines Termins.

Spike-Reifen

Spikes
Spike-Aufkleber (Österreich)

Eine besonders auf Eis wirksame Technik ist die Verwendung von Spikes. Das sind Stahl- oder Hartmetallstifte, die in dafür ausgelegten Reifen angebracht werden können. Da Spikes die Fahrbahn erheblich abnutzen, sind sie in vielen Teilen Europas nur eingeschränkt oder gar nicht zulässig.
In Deutschland sind Spikes mit Ausnahme des kleinen deutschen Ecks, einem Gebiet rund um Bad Reichenhall, sowie für bestimmte Einsatzfahrzeuge nicht mehr erlaubt.

In Österreich dürfen Spikes ausschließlich mit eingeschränkter Geschwindigkeit (Ortsgebiet: 50 km/h, Freilandgebiet: 80 km/h, Autobahnen: 100 km/h) und nicht in den Monaten Juni bis September verwendet werden. Weiterhin muss das Fahrzeug auf der Rückseite mit einem speziellen Aufkleber gekennzeichnet sein.[12]

In der Schweiz sind die Vorschriften ähnlich wie in Österreich. Die Verwendung von Spikes auf Autobahnen ist jedoch nicht erlaubt.

Ganzjahresreifen

Profil eines Ganzjahresreifens

Ganzjahresreifen (auch Allwetterreifen) können sowohl im Sommer als auch im Winter eingesetzt werden. Sie stellen einen Kompromiss zwischen Sommer- und Winterreifen dar. Sie werden vor allem in Ländern gefahren, in denen geringe Temperaturunterschiede zwischen den Jahreszeiten bestehen (zum Beispiel Großbritannien und einige Regionen in Deutschland), während sie zum Beispiel in den Alpenländern kaum verbreitet sind. Das Profil von Allwetterreifen kombiniert die zwei unterschiedlichen Rillen-Anordnungen der Sommer- und Winterreifen, so dass die für höhere Temperaturen und bei Nässe benötigten Längsrillen ebenso zu finden sind wie die Profilblock-Verzahnungen, die bei Schneeglätte und Eis für Halt sorgen.[13]

Der Aufwand für den zweimaligen jährlichen Reifenwechsel und die Investition in einen zweiten Radsatz entfallen. Ganzjahresreifen werden oft bei geringen Fahrleistungen verwendet.

Die Eigenschaften von Ganzjahresreifen sind ein Kompromiss: Auf Schnee kommen sie nicht an die Eigenschaften von guten Winterreifen heran; im Sommer haben sie – wegen ihrer systembedingt weicheren Gummimischung – einen höheren Abrieb bzw. Reifenverschleiß und etwas erhöhten Kraftstoffverbrauch.[14] Einige Ganzjahresreifen-Typen am Markt tragen das Schneeflockensymbol für hinreichende Wintertraktion.

In Österreich besteht seit Winter 2006/07 eine generelle Winterreifenpflicht auf der Antriebsachse für Lkw über 3,5 t und für Omnibusse.

In Deutschland besteht seit dem 4. Dezember 2010 eine situative Winterreifenpflicht; sie löste eine seit 2006 bestehende, oft als schwammig kritisierte Regelung ab.

Geländereifen

Typisches MT (Mud Terrain)-Reifenprofil

Diese Reifengruppe wird vor allem bei Geländewagen, SUVs, ATVs und UTVs eingesetzt. Es handelt sich um Reifen mit grobem Profil, deren Lauffläche mehr oder weniger stark für den Einsatz auf unbefestigten Straßen bis hin zu schwerem Gelände optimiert ist. Auswahlkriterium ist der prozentuale Anteil Asphaltstraße/Gelände sowie die Profilformgebung. Varianten sind ST (Street-Terrain) mit hohem Straßenanteil und geringerer Geländetauglichkeit, AT (All-Terrain) mit ungefähr gleichen Anteilen Straße und Gelände, MT (Mud-Terrain) mit hohem Geländeanteil, ggf. auch Schlamm, Felsen und Steine. Extreme Varianten sind Boggers oder Super-Swamper, die speziell grobe Schaufeln und Stollen für den ausschließlichen Einsatz in sehr grobem Gelände aufweisen.

Reifentypen für Lkw

Bei Lkw-Reifen als Unterart der Nutzfahrzeugreifen unterscheidet man nicht nur nach Sommer- und Winterreifen, sondern auch nach Einsatzzweck und Achse. So gibt es für Antriebs-, Lenk- und Anhängerachsen jeweils unterschiedliche Reifen. Auch für Fernverkehr, Baustelleneinsatz usw. werden die Reifen unterschiedlich gewählt.

Reifen mit Notlaufeigenschaften (Runflat-Reifen)

Schnitt durch einen Sicherheitsreifen mit Stützring auf der Felge

Seit den 2000er Jahren gibt es Reifen mit Notlaufeigenschaft. Diese ermöglichen im Falle eines Reifenschadens die Weiterfahrt mit verminderter Geschwindigkeit (mindestens 80 bis zu 300 Kilometer bei 80 km/h).[15]
Diese Reifen werden auch als Runflat-Reifen, Run-Flat-Reifen oder RunOnFlat-Reifen bezeichnet. Je nach Hersteller sind sie mit den Kürzeln ROF, RFT, EMT (Extended Mobility Tire), RSC (Runflat System Component), SSR (Self-Supporting Runflat Tire), ZP (Zero Pressure), DSST (Dunlop Self Supporting Technology), BSR (Bridgestone Support Ring) oder PAX (Michelin Stützring) versehen.

Die Notlaufeigenschaft wird durch verstärkte Seitenwände oder einen Stützring auf der Felge erzielt, die ein Abplatten des Reifens bei Druckverlust oder Platzen verhindern und die ausreichende Übertragung von Lenk-, Brems- und Antriebskräften gewährleisten. Unterstützt wird dieser Effekt durch Felgen mit einer speziellen Form des Felgenhorns, den EH2-Felgen (Extended Hump), die ein Abspringen des beschädigten Reifens von der Felge verhindern.[16] Da Fahrer einen Druckverlust kaum spüren und Drucklosigkeit nicht sicher bemerken, ist grundsätzlich ein Reifendruckkontrollsystem vorgeschrieben. Das Mitführen eines Reserverads ist nicht mehr nötig.
Viele gepanzerte Pkw sind mit solchen Sicherheitsreifen ausgestattet.

Reifenarten nach Bauart

Diagonalreifen

Diagonalreifen waren bei Pkw bis in die 1960er Jahre gebräuchlich. Sie weisen mehrere schräg überkreuzte Karkassenlagen auf. Danach wurden sie von Radialreifen verdrängt und sind heute fast nur noch in der Landwirtschaft, bei Oldtimern und bei älteren Motorrädern üblich. Auch im Offroad-Bereich werden sie teilweise noch eingesetzt, weil die im Straßenbetrieb unerwünschte starke Beweglichkeit ihrer Lauffläche eine bessere Selbstreinigung im Schlamm und eine bessere Anpassung an unebene Untergründe gewährleistet. Viele Rennreifen werden als Diagonalreifen gebaut. Sie haben aber im Fahrverhalten nichts mit den veralteten Autoreifen gemein, kreuzen sich doch bei ihnen die Karkassenlagen in erheblich engerem Winkel. Die Größenbezeichnung bei Diagonalreifen, beispielsweise 6.40-15 (auch in der Schreibweise 6.40–15 oder 6.40 - 15), drückt im ersten Wert die Reifenbreite in Zoll aus, hier also 6,4 Zoll (162,56 mm). Der hintere Wert in der Reifenbezeichnung gibt den notwendigen Felgendurchmesser für diesen Reifen in Zoll an. Das Querschnittsverhältnis (Flankenhöhe zu Reifenbreite) hängt von der Reifenform ab, die nicht angegeben wird. Manche Breitenmaße kommen jedoch nur bei einer Reifenform vor, so dass sich in solch einem Fall jene sich aus diesem ableiten lässt.[17] Diagonalreifen gibt es in den Reifenformen:

Ballon mit einem Flankenhöhe/Reifenbreite-Verhältnis von ≈ 98 %, Breitenmaß auf 0,25″ abgestuft,
Super Ballon mit einem Flankenhöhe/Reifenbreite-Verhältnis von ≈ 95 %, Breitenmaß auf 0,10″ abgestuft,
Niederquerschnitt mit einem Flankenhöhe/Reifenbreite-Verhältnis von ≈ 88 %, Breitenmaß auf 0,50″ abgestuft, mit Ausnahme des Maßes 7.25–13,
Super-Niederquerschnitt mit einem Flankenhöhe/Reifenbreite-Verhältnis von ≈ 82 %; bei diesen Reifen wird mindestens die Reifenbreite (mindestens zusätzlich zu der Angabe in Zoll) in mm angegeben.[17]

Radialreifen (Gürtelreifen)

Radialreifen (X-Technologie) wurden 1948 – auf Anregung von Citroën – von Michelin entwickelt und eingeführt. Sie sollten eine höhere Lebensdauer als die bis dahin üblichen Diagonalreifen erreichen. Tatsächlich hielten schon die ersten Radialreifen mehr als doppelt so lange wie Diagonalreifen. Ab 1961 gab es sie auch von Continental, in einer deutlich verbesserten Ausführung.[18]

Das Prinzip der Radialreifen beruht auf einer klaren Trennung der Funktionen im Reifenunterbau. Dazu zählen radial angeordnete Karkassenlagen für besseres Einfedern, dazu stabilisierende Gürtellagen unter der Lauffläche. Innerhalb der Karkasse liegen die gummierten Cordfäden in einer oder mehreren Lagen radial, also im rechten Winkel zur Laufrichtung. Der Effekt ist – zusätzlich zur höheren Laufleistung – eine erhebliche Verbesserung gegenüber den Diagonalreifen in Bezug auf Haftung bei Nässe und in Kurven sowie bei den Laufeigenschaften.

Der gleichbedeutende Begriff „Gürtelreifen“ für den Radialreifen entstand wegen der gürtelförmigen Lage der härteren Schicht unterhalb der Lauffläche.

Reifenaufbau

Aufbau eines Radialreifens

Im Gegensatz zu Fahrradreifen sind heutige Autoreifen in der Regel schlauchlos.

Laufstreifen/Lauffläche
Dieser stellt die Verbindung zur Fahrbahn her. Der Laufstreifen enthält das Profildesign (Profilblöcke und -rillen) sowie Lamellen, die je nach Sommer- oder Winterreifen verschieden ausgebaut sind.
Seitenwand
Diese stellt den äußeren Schutz der Karkasse dar.
Karkasse
Sie ist der tragende Unterbau (Gerüst) eines Reifens. Die Karkasse ist der entscheidende Festigkeitsträger und wird durch Gürtel und Laufstreifen komplettiert. Sie besteht aus einer oder zwei Gewebeschichten, die in Gummi eingebettet sind. Das Gewebe besteht aus Kunstfasern, Kunstseide (Rayon) und in Radialreifen auch aus Stahlcorden. Die Karkasse wird durch den Innendruck gespannt, sie hält den Reifen zusammen.
Wulst
Er sorgt für die feste Verbindung zwischen Reifen und Felge und besteht aus Stahldrähten sowie aus der Wulstzehe, Wulstsohle, Wulstferse und der Wulstkehle.
Innenschicht ((Inner-)Liner)
Diese aus einer besonderen Gummimischung hergestellte Schicht sorgt dafür, dass die Luft nicht nach außen diffundiert.

Design und Entwicklung

Die Entwicklung eines neuen Reifens bis zur Marktreife dauert zwei bis drei Jahre. Mit Hilfe von CAD-Systemen werden Reifenprofile entwickelt und z. B. unter Verwendung von 3D-Druckern plastisch aufgebaut und zu Prototypen weiterverarbeitet. Vielfach werden die Prototypen komplett in Handarbeit gefertigt:[19] Sogenannte „Reifenschnitzer“ fertigen Prototypen künftiger Serienreifen in Handarbeit aus einem Reifenrohling an.[20]

Da sich herkömmliche luftgefüllte Reifen nur noch in Details verbessern lassen, gibt es Entwicklungsschritte auch mit völlig neuen Ansätzen. So berichtete der Spiegel im März 2013 von einem Hersteller, der einen neuartigen „Gitterreifen“ mit einem patentierten Kunststoffgitter zwischen Felge und Lauffläche entwickelt habe. Bereits zuvor hatten mehrere bekannte Hersteller Reifen ohne Luft präsentiert. Solche Neuentwicklungen zielen meist auf größere Sicherheit und den Schutz vor Reifenpannen ab, sowie auf Umweltschutz und höhere Laufruhe durch Vermeidung des luftgefüllten Resonanzkörpers. Von Michelin sei bereits ein luftfreier Reifen für Radlader in den USA verfügbar.[21] Ob und wann solche Modelle für PKW in die Serienproduktion gehen, ist unbekannt.

Herstellung

Neureifen

Die einzelnen Reifenbauteile werden in Lagen vorgefertigt. Das erfolgt meist mit speziellen Spritzmaschinen oder, wenn die Lagen auch Gewebe oder Stahlcord enthalten, mit sogenannten Kalandern.

Anschließend werden diese Lagen beginnend beim Reifenkern an einer Wickelmaschine nacheinander aufgebracht. Zuletzt wird die Laufflächenmischung aufgebracht und der Reifenrohling (green tire) wird in einer Form unter Druck (bis zu 22 bar) vulkanisiert. Die Vulkanisationsdauer und -temperatur (bei PKW-Reifen 170–200 °C) hängt von der Größe und Dicke des Reifens ab (ca. 9–13 Minuten). In diesem letzten Schritt erhält der Reifen das Profil, welches als Negativ in der Form eingearbeitet ist.

Runderneuerte Reifen

Die Alternative zu neuen Reifen sind runderneuerte Reifen. Zur Runderneuerung wird die alte Lauffläche aufgeraut oder abgeschält, eine neue Lauffläche aufgelegt und aufvulkanisiert. Dies ist bis zu einem Drittel billiger als die Herstellung eines Neureifens. Heute werden dabei zwei Verfahren angewendet: die Kaltrunderneuerung und die Heißrunderneuerung.

Altreifen

Im Pkw-Bereich spielen runderneuerte Reifen in Deutschland aus Kostengründen eine eher untergeordnete Rolle. Bei den Sommerreifen haben sie weniger als ein Prozent Marktanteil; bei den Winterreifen ca. fünf Prozent. Sie sind nicht als Hochgeschwindigkeitsreifen (Kennung ZR, Y, …) erhältlich. Das hängt damit zusammen, dass die Hersteller runderneuerter Reifen der Alterung der Karkasse Rechnung tragen und den Geschwindigkeitsindex ihrer Reifen herabstufen. Aus einem ehemaligen V-Reifen wird also ein H-Reifen, aus einem H-Reifen ein T-Reifen usw. Bei Lkw-Reifen hingegen haben die Runderneuerten einen Marktanteil von etwa 40 Prozent.[22]

Entgegen einer häufigen Auffassung haben runderneuerte Reifen im Allgemeinen keinen erhöhten Rollwiderstand mehr gegenüber Neureifen. Weiterentwickelte und auch neue Technologien bei Herstellung und Verarbeitung der neuen Laufflächen sind der Grund dafür. Runderneuerte Reifen verfügen ebenfalls über eine EWG-Zulassung. In der Regel werden in Deutschland Reifen nur einmal runderneuert. Trotzdem können runderneuerte Reifen von Anfang an Probleme haben, zum Beispiel Höhen- und Seitenschläge, die zu ähnlichen Symptomen führen wie ein schlecht ausgewuchtetes Rad.

Reifengröße, metrische Reifenbezeichnung bzw. -markierung

Beispiel: 205/55R16 94V
Breite, Verhältnis, Felge

Ein Radialreifen wird durch folgende Angaben bestimmt:

Nennbreite des Reifens in Millimeter
Verhältnis von Flankenhöhe (Schafthöhe) zur Laufflächenbreite in Prozent
Bauweise der Karkasse (Diagonal- oder Radialreifen)
Felgendurchmesser in Zoll
Tragfähigkeitsindex
Geschwindigkeitsindex (Geschwindigkeitskategorie)
zusätzliche Bezeichnungen

Alle Daten sind seitlich auf dem Autoreifen angebracht. Die Art der Beschriftung wird durch die ECE 30 (bzw. ECE 54 für LKW ab 80 km/h) geregelt. Dabei bilden Breite, Verhältnis und Felgendurchmesser die Reifengrößenbezeichnung. Tragfähigkeitsindex und Geschwindigkeitskategorie bilden die Betriebskennung.

So bedeutet z. B. die Aufschrift 185/65 R 15 85 H folgendes:

185: Die nominelle Breite des Reifens unbelastet an der breitesten Stelle (nicht der Lauffläche!) beträgt 185 mm.
65: Das prozentuale Verhältnis von Flankenhöhe zu Reifenbreite ist 65 %; in unserem Beispiel beträgt die Flankenhöhe somit 120 mm (= 185 mm × 65 %). Fehlt diese Zahl, wie etwa bei der Reifenbezeichnung „155 R 15“, so ist dieses Verhältnis 80 Prozent.
R: Radiale Bauweise der Reifenkarkasse. Ein D kennzeichnet die diagonale Bauweise (diese muss laut ECE 30 nicht gekennzeichnet werden).
15: Der notwendige Felgendurchmesser für diesen Reifen ist 15 Zoll.
85: Der Tragfähigkeitsindex ist 515 kg.
H: Der Geschwindigkeitsindex erlaubt eine maximale Geschwindigkeit von 210 km/h.

Geschwindigkeitsindex

Hauptartikel: Geschwindigkeitsindex

Der Geschwindigkeitsindex oder auch Speed Index kodiert in Buchstaben die maximal zulässige Geschwindigkeit:

Geschwindigkeitsklassen

Klasse

A1

A2

A3

A4

A5

A6

A7

A8

B

C

D

E

F

G

J

K

km/h

5

10

15

20

25

30

35

40

50

60

65

70

80

90

100

110

Klasse

L

M

N

P

Q

R

S

T

U

H

V

VR

W

ZR

Y

(Y)

km/h

120

130

140

150

160

170

180

190

200

210

240

>210

270

>240

300

>300

Witterungskennzeichnung

Am Ende des Schriftzuges findet man bei Reifen für den Winter- oder Schlechtwegeeinsatz die Abkürzung M+S (für Matsch und Schnee, aus dem Englischen „mud and snow“); bei Spikereifen ist noch ein E (für Eis) hinter dem S zu finden.

UTQG (Uniform Tire Quality Grade)

Das Klassifizierungsmerkmal UTQG gibt das Leistungsniveau eines Reifens entsprechend drei verschiedener Kriterien an.
Man unterscheidet:

Treadwear
Die Treadwear-Angabe gibt Aufschluss über das Verschleißverhalten des Reifens gegenüber einem „Normreifen“. Der Normreifen besitzt einen Treadwear-Wert von 100. Wird ein Autoreifen mit dem Wert „Treadwear 300“ versehen, so nutzt er sich dreimal langsamer ab als ein Normreifen. Es ist also eine dreifache Laufleistung zu erwarten. Ein moderner Alltagsreifen besitzt im PKW-Bereich einen Treadwear-Wert von etwa 250 bis 400.
Traction
Der Traction-Wert gibt Auskunft über die Haftungseigenschaften auf nassem Untergrund. Der Wert „AA“ gilt vor „A“ und „B“ als haftungsstärkster, wobei „C“ der schlechteste zulässige Wert ist.
Temperature
Die Temperaturkennung gibt an, wie effizient der Reifen die durch Rollreibung und Walkarbeit entstehende Hitze abführen kann. Ein Reifen mit der besten Kennung „A“ ist also deutlich temperatursouveräner als ein Reifen der niedrigsten Klasse „C“.

Zusätzliche Bezeichnungen

{displaystyle *}

von und für BMW abgestimmter Reifen
030908
Genehmigungsnummer des Reifens
1
für Aston-Martin- und Bentley-Modelle (bei Pirelli)
a
für Audi-Modelle (bei Pirelli)
AO
Audi Original – von und für Audi abgestimmter Reifen
B
Gürtelreifen mit Diagonalkarkasse für Motorräder (150/70 B 17 69 H)
C (commercial)
Leicht-LKW-Reifen (185 R14 C)
CP
Reifen zum Einsatz auf Campingmobilen
DOT-Nummer
verschlüsselter Herstellercode; zeigt außerdem an, dass der Reifen den Anforderungen des US-amerikanischen Department of Transportation (DOT) genügt; die vier letzten Ziffern nennen das Produktionsdatum (DOT xxxx 3204 = 32. Woche 2004).
e13
ECE-Prüfzeichen, Reifen nach EG-Regelung genehmigt, 13 = Genehmigungsland (Beispiel)
E4
ECE-Prüfzeichen, Reifen nach ECE-Regelungen genehmigt, 4 = Genehmigungsland (Beispiel)
FR
Felgenrippe
FSL oder MFS
Reifen verfügt über einen Felgenschutz (Gummikante)
J
für Jaguar-Modelle (bei Continental-Reifen)
Made in
Herstellungsland
MO
Mercedes Original – von und für Mercedes-Benz abgestimmter Reifen
MO Extended
Mercedes Original Run-Flat
M+S
Matsch + Schnee-Reifen, Winterreifen (das sagt jedoch nichts über die Wintertauglichkeit aus, da keine geschützte Bezeichnung)
N 0; N 1; N 2; N 3; N 4
von Porsche empfohlene Modelle
R, rf, XL, LT, EL, oder extra load
reinforced (engl.) Bezeichnung für Reifen mit verstärkter Karkasse und damit erhöhter Tragfähigkeit – vor allem für Transporter
Regroovable
nachschneidbar (v. a. für LKW-Reifen)
ROF
„Run on flat“, Run-Flat-Reifen
s
„Sound“, Reifen mit Zertifikat für verminderte Lärmemissionen (schrittweises Verkaufsverbot für Reifen ohne diese Kennzeichnung ab 1. Oktober 2009 in Deutschland)[23]
SFI
Abk. für „side facing inwards“ Innenseite bei asymmetrischen Reifen
SFO
Abk. für „side facing outwards“ Außenseite bei asymmetrischen Reifen
SST
Self Supporting Tire = Run-Flat-Reifen (mit verstärkter Seitenwand)
T
Abk. „Temporär“ für: Noträder
Tubeless
(TL) schlauchlos
Tubetype
(TT) Schlauchreifen
TWI
Profilabnutzungsanzeige oder Reifenverschleißanzeige in Hauptprofilrillen (Tread Wear Indicator)
ZP
Zero Pressure (Reifen mit Notlaufeigenschaften)
ZR
Verstärkter Radialreifen für Geschwindigkeiten über 240 km/h

Sonstiges

Fertigungsprüfungen

Bereits bei der Herstellung werden Reifen auf Reifengleichförmigkeit geprüft.

Laufrichtung, Innen- und Außenseite

Reifen mit Laufrichtungsbindung, speziell für Wasserableitung optimiertes Profil, 205/50 ZR 16 Uniroyal. Spitze Vs im Mittelteil, Rillen im Flankenpaar bilden stumpfe Vs.

Es gibt Autoreifen mit und ohne Laufrichtungsbindung. Bei Reifen mit laufrichtungsgebundenem Profil gibt es auf der Seitenwand einen Pfeil oder einen Hinweis, der die vorgeschriebene Drehrichtung angibt. Sind sie auf der Felge aufgezogen, dürfen sie nur noch auf einer Fahrzeugseite montiert und beispielsweise nicht mehr samt Felge über Kreuz getauscht werden. Insbesondere Winterreifen und Reifen für hohe Geschwindigkeiten sind in der Regel mit einer vorgegebenen Laufrichtung gekennzeichnet. Sie enthalten in der Draufsicht V-förmig gezeichnete Rillen, die beim Abrollen die Ableitung von Wasser und Schneematsch nach außen fördern. Korrekt montiert trifft die Spitze eines Vs bei Vorwärtsfahrt zuerst auf die Fahrbahn.

Wird ein solcher Reifen gegen die vorgegebene Laufrichtung montiert, führt das zu verschlechtertem Fahrverhalten durch höhere Aquaplaning-Neigung und eventuell höherer Geräuschentwicklung und höherem Verschleiß. Im Extremfall kann es zu einem Reifenschaden kommen.

Es empfiehlt es sich, auch bei nicht laufrichtungsgebundenen Reifen die einmal gewählte Laufrichtung beizubehalten, da sich der Reifen durch Abrieb (Ausformung von dachziegelartigem Längsprofil) an diese anpasst und durch einen Wechsel eher schneller verschleißt.

Außerdem gibt es Reifen mit – in Bezug auf die Fahrzeuglängsmitte – innen-außen-asymmetrischem Profil. Durch die asymmetrische Profilgestaltung wird das Reifenprofil den spezifischen Anforderungen im Bereich der Außen- und Innenschulter angepasst. Die Außenschulter hat großen Einfluss auf Kurvenstabilität und das Lenkansprechverhalten. Die Innenschulter kann bei einem Winterreifen durch hohe Anzahl von Eingriffkanten für bessere Traktion auf Schnee sorgen. Reifen mit asymmetrischem Profil haben auf der Flanke eine entsprechende Kennzeichnung, welche Seite nach außen und welche nach innen gehört.

Ist ein Reifentyp sowohl seitlich asymmetrisch als auch laufrichtungsgebunden – die Drehrichtung festlegend – gestaltet, so existieren unterschiedliche, chirale Ausführungen für die linke bzw. rechte Fahrzeugseite.

Reifen für Nutz- und Geländefahrzeuge, auch für Baumaschinen, Traktoren und Militärfahrzeuge, tragen oft eine Kennzeichnung der Traktionsrichtung. Der Pfeil auf der Seitenwand des Reifens zeigt hier ebenfalls die Drehrichtung. Bei korrekter Laufrichtung kann das Profil auf losem Grund mehr Kraft übertragen (Traktion, also bessere Haftung). Da es sich dabei in der Regel um Reifen für Fahrzeuge mit Höchstgeschwindigkeiten von unter 80 km/h handelt, ist die Angabe der Traktionsrichtung lediglich ein technischer Hinweis und keine zwingende Montagevorschrift. Solche Reifen besitzen V-förmig angeordnete Stollen, die Schlamm und ähnliches bei korrekter Laufrichtung im Profil nach außen leiten und es somit reinigen. Die Spitze des V muss auch in diesem Fall beim Abrollen zuerst den Boden erreichen.

Reifendruck und Kraftstoffverbrauch

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Hauptartikel: Reifendruck

Die Fahrzeughersteller geben für jeden Fahrzeugtyp den empfohlenen Reifendruck an. Er beeinflusst das gesamte Fahrverhalten und damit die Fahrsicherheit sowie den Kraftstoffverbrauch und die Reifenlebensdauer. Meist ist er getrennt für das leere und das voll beladene Fahrzeug angegeben. Diese Informationen sind im Handbuch oder meist auf einem Aufkleber in der Tür, im Handschuhfach- oder auf der Innenseite der Tankklappe ersichtlich. Bei der Drucküberprüfung – nur bei kalten Reifen – soll man auch den Druck des Reserverades nicht vergessen.

Eine Unterschreitung des vorgeschriebenen Reifendrucks führt zu erhöhtem Rollwiderstand, schwammigem Fahrverhalten, erhöhter Bodenhaftung bei niedrigen Geschwindigkeiten und insbesondere zu starker Erwärmung des Reifens bei hohen Geschwindigkeiten durch die stärkere Walkarbeit. Fast alle Reifenschäden bei Autobahnfahrten sind auf Überhitzung der Reifen durch deutliche Unterschreitung des vorgeschriebenen Mindestreifendrucks zurückzuführen.

Durch Erhöhung des Reifendruckes von zum Beispiel 0,2 bar über der Herstellerempfehlung erreicht man einen etwas niedrigeren Rollwiderstand, der sich in geringfügig niedrigerem Kraftstoffverbrauch äußert. Faustregel: 0,2 bar mehr bringen 2 Prozent weniger Verbrauch. Darüber hinaus kann durch die Erhöhung des Reifendrucks in gewissem Rahmen die Lenkgenauigkeit, die Fahrstabilität und damit die Straßenlage insgesamt verbessert werden, denn sie macht den Reifen in sich steifer, wodurch der Seitenkraftaufbau schneller erfolgt. Das ist jedoch nur durchzuführen, wenn in der Betriebsanweisung des Fahrzeuges explizit diese Abweichung vom sogenannten „Komfortreifendruck“ beschrieben und ermöglicht wird.

Nachteile dieser Erhöhung können hingegen ein Verlust an Fahrkomfort durch höhere Federsteifigkeit des Reifens und ein Verlust an Bodenhaftung bei geringen Geschwindigkeiten wegen der geringeren Auflagefläche sein. Befürchtungen, das Profil könnte sich in der Mitte der Lauffläche schneller abnutzen als an den Reifenkanten, lassen sich in der Praxis nicht bestätigen, solange der Maximaldruck von üblicherweise 3,0 bar nicht überschritten wird. Bei extrem zu niedrigem Reifendruck werden jedoch die Laufflächen seitlich stärker abgenutzt. Die Fläche verringert sich, da der Reifen weniger walken kann und bei sehr stark überhöhtem Fülldruck sich die Lauffläche nach außen wölbt.[24]

Bei allen Weltrekordfahrten für den niedrigsten Treibstoffverbrauch oder die längsten erreichten Wegstrecken mit einer Tankfüllung wird seit Jahrzehnten immer mit einem um ca. 0,5 bis 1,5 bar erhöhten Reifendruck auf Kosten der Sicherheit gefahren.

Bei gleicher Dimension weichen die Widerstände der Fabrikate um bis zu 20 Prozent voneinander ab (im Extremfall sogar bis 30 Prozent)[25] Autohersteller empfehlen meist, bei Geschwindigkeiten über 130–160 km/h den Reifendruck um 0,2–0,6 bar zu erhöhen.

Siehe auch: Energiesparende Fahrweise

Lebensdauer

DOT-Nummer, die Kalenderwoche und Jahr der Herstellung angibt, hier 10. KW 2001

Die Lebensdauer eines Reifens ist begrenzt. Reifengummi altert und versprödet auch dann, wenn das Fahrzeug still steht. Seit den 1980er Jahren ist auf der Seitenwand die DOT-Nummer einvulkanisiert. Bei Reifen ab dem Jahr 2000 ist die DOT-Nummer vierstellig, beispielsweise steht „2203“ für die 22. Produktionswoche (Kalenderwoche) des Jahres 2003.

Reifen mit dreistelliger DOT-Nummer ohne nachgestelltes Dreiecksymbol wurden in den 1980er Jahren produziert (z. B. steht „257“ für die 25. Produktionswoche (Kalenderwoche) des Jahres 1987).
Reifen mit dreistelliger DOT-Nummer mit nachgestelltem Dreiecksymbol stammen aus den 1990er Jahren.

Um die verbleibende Profiltiefe leichter sichtbar zu machen, sind Indikatoren (TWI-Markierungen, Tread Wear Indicator) vorhanden, kleine Höcker in mehreren Profilrillen, die eine Restprofiltiefe von 1,6 mm anzeigen. Oft werden diese durch die Buchstaben TWI am Reifenrand markiert, um das Auffinden zu erleichtern. Zur Bestimmung der Profiltiefe gibt es verschiedene Messverfahren, die teilweise sogar im laufenden Verkehr anwendbar sind.

Die richtige Lagerung von Reifen kann sich ebenfalls auf die Lebensdauer auswirken, da das Gummi durch verschiedene Einflüsse, wie Licht und Wärme, aber auch durch den Kontakt mit Öl, Benzin, Fett und Lösungsmitteln, angegriffen wird und sich dadurch seine Haltbarkeit deutlich verkürzen kann.[26]

Eine besondere Form der Reifenabnutzung stellt die Sägezahnbildung dar, bei der die einzelnen Profilblöcke vorne und hinten ungleichmäßig abgenutzt sind.

Der ADAC und sein österreichisches Pendant ÖAMTC empfehlen, Reifen maximal bis zum Alter von acht Jahren zu verwenden.[27][28] Der Schweizer Automobilclub TCS warnt vor der Verwendung von Reifen, die das zehnte Lebensjahr überschritten haben.[29]

Einer Veröffentlichung der Norwegischen Umweltbehörde aus dem Jahr 2014 zufolge stammen 54 Prozent des Mikroplastiks in den Meeren vom Abrieb von Autoreifen.[30] 70 Prozent des Kautschuks werden für die Autoreifenproduktion aufgewendet.[31]

Reifentests

Die Zahl der Reifentypen hat in der Vergangenheit zugenommen.

Bei den Dimensionen (Durchmesser, Breite, Verhältnis Breite/Höhe) gab es Nachfrageverschiebungen bzw. Trends.
Reifenkäufer stützen ihre Wahl häufig auf Testberichte und/oder auf die Beratung des Händlers. Bekannt sind die Reifentests des ADAC. Im Internet finden sich unzählige Erfahrungsberichte.

Reifengas

Hauptartikel: Reifengas

Als spezielles Reifengas zur Befüllung von Autoreifen wurde bis zum Jahr 2000 Schwefelhexafluorid eingesetzt, dann wurde aus Kosten- und Umweltgründen auf Stickstoff umgestellt. Jedoch sind bisher entgegen den Behauptungen der Anbieter keine nachprüfbaren Vorteile bekannt, die Reifengas oder reinen Stickstoff gegenüber der üblichen Füllung mit normaler Druckluft, die ohnehin 78 Prozent Stickstoff enthält, in Fahrzeugreifen für den Straßenverkehr rechtfertigen.

Reifenprofile und Aquaplaning (Wasserglätte)

Hauptartikel: Aquaplaning

Das Profil gängiger Reifen sorgt bei Nässe dafür, dass das Wasser zwischen Reifen und Fahrbahn verdrängt und abgeleitet wird und so der Kontakt zwischen Reifen und Fahrbahnoberfläche weitestgehend erhalten bleibt und die Gefahr eines Aufschwimmens des Reifen reduziert wird. Wie effektiv Aquaplaning vermieden werden kann, hängt besonders stark von der Profiltiefe sowie der Profilgestaltung des Reifens ab. Meist wird bei modernen Reifen im mittleren Bereich des Laufstreifens oder auch asymmetrisch versetzt eine oder mehrere stärke Längsprofilierungen gewählt, durch die das Wasser in Laufrichtung direkt abgeführt wird. In den Randbereichen wird durch deutlich ansteigende Querprofilierung die Drainagewirkung erhöht. Asymmetrisch gestaltete und angeordnete Profilblöcke sorgen für eine Verteilung der Abrollgeräusche über ein breiteres Frequenzspektrum. Das sich aus mehreren Frequenzen zusammensetzende Abrollgeräusch wird als weniger laut empfunden als jenes bei Reifen mit identischen Querprofilabständen.

Reifenwechsel

Beim Reifenwechsel werden andere Reifen auf die Felgen aufgezogen.

Radwechsel

Hauptartikel: Radwechsel

Beim Wechsel zwischen Sommer- und Winterreifen werden meist die kompletten Räder (Reifen auf Felgen) ausgetauscht. Ein solcher Radwechsel kann grundsätzlich auch selbst durchgeführt werden, sofern das erforderliche Werkzeug zum Lösen und Anziehen der Radschrauben und das notwendige Fachwissen vorhanden sind.

Meist werden die Räder nach einer Tauschstrategie zwischen Vorder- und Hinterachse vertauscht; dabei ist sowohl die Laufrichtung als auch die Profiltiefe zu beachten. Da die Hinterachse für die Fahrstabilität des Fahrzeugs entscheidend ist, sollten dort die besseren Reifen montiert werden, unabhängig davon, welche Achse angetrieben wird. Beste Fahreigenschaften sind mit einheitlicher Bereifung an allen Rädern erzielbar. Bereifung mit unterschiedlichen Reifentypen und Verschleißzuständen sind gesetzlich zulässig. Sie werden vom ADAC und dem Fachhandel aber nicht empfohlen.[32]

Radmuttern oder -bolzen (Befestigungselemente) müssen mit dem vorgeschriebenen Drehmoment an- und nach 50–150 km Fahrt nachgezogen werden. Die meisten Reifenhändler erinnern daran mit einem Anhänger am Innenspiegel, einem Aufdruck auf der Rechnung oder ähnlichem. Werden die Befestigungselemente nicht nachgezogen, können sie sich lösen. Die Ursache dafür ist das Setzen, also die geringe plastische Verformung an den Fügeflächen. Sie bewirkt, dass der Kraftschluss an der Schraube verloren geht, insbesondere bei Rädern aus Leichtmetall, das stärker zum Kriechen neigt als Stahl.

Vorschriften

Siehe auch: Winterausrüstung: Nationale Regelungen

Europäische Union

In Umsetzung einer Verordnung des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. November 2009[33] wurde in Deutschland am 1. November 2012 ein Kennzeichnungssystem eingeführt, das Verbrauchern ermöglichen soll, die besten Reifen unter den Aspekten Kraftstoffeffizienz, Nasshaftung und externes Rollgeräusch auszuwählen. Die Kennzeichnung ist als Piktogramm ausgeführt und soll die Kraftstoffeffizienz ähnlich wie beim Energielabel in den Klassen A–G darstellen, daneben die Nasshaftungsklasse (Buchstaben A bis G) und die Angabe des Messwerts in Dezibel (dB) für das externe Rollgeräusch. Eine Kennzeichnung für runderneuerte Reifen und Geländereifen für den gewerblichen Einsatz und andere Spezialreifen ist nicht vorgesehen.

Lärmgrenzwerte ab 2012 nach EU-Verordnung Nr. 661/2009:

Reifenklasse
Nennbreite
Grenzwerte

C1a
<= 185 mm
70 dB(A)

C1b
> 185 … 215 mm
71 dB(A)

C1c
> 215 … 245 mm
71 dB(A)

C1d
> 245 … 275 mm
72 dB(A)

C1e
> 276 mm
74 dB(A)

C2

72 [73] dB(A)

C3

73 [75] dB(A)

Werte in [ ] Klammern gelten für Traktionsreifen.

Deutschland

Siehe auch: Winterausrüstung (Straßenverkehr)

In Deutschland ist eine Reifenprofiltiefe im mittleren Bereich der Lauffläche (Hauptprofil) nach § 36 Abs. 2 Satz 4 StVZO von mindestens 1,6 mm ausreichend.[34] Dennoch werden Autofahrer in der Praxis von manchen Akteuren der Branche dazu ermutigt, ihre Reifen vor Erreichen dieses gesetzlichen Grenzwertes auszutauschen.[35] Die gleiche Beeinflussung zum nicht notwendigen Reifenersatz ist zu beobachten, wenn Reifen älter als sechs Jahre oder unterschiedliche Fabrikate montiert sind.

Wird eine Profiltiefe von weniger als 1,6 mm von der Polizei festgestellt, ist ein Bußgeld fällig. Bei konkreter Gefährdung kann auch die Weiterfahrt untersagt werden. Bei Verkehrsunfällen, bei denen eine Schuld durch Verwendung abgefahrener Reifen oder durch die Verwendung von Sommerreifen unter winterlichen Straßenbedingungen festgestellt wird, kann die Haftpflichtversicherung Regressansprüche an den Verantwortlichen geltend machen. Die eigene Fahrzeugversicherung kann in der Vollkaskoversicherung eine Leistung ablehnen und sich hinsichtlich des Haftpflichtschadens des Unfallgegners beim Fahrzeughalter bis zu einer Höchstsumme (meist 5000 €; vgl. KFZ-Haftpflichtversicherung) schadlos halten.

Seit dem 1. Oktober 2009 dürfen in Deutschland nur noch Reifen mit einer „s“-Kennzeichnung (besonders leise) verkauft werden. Diese Festlegung galt bis zum 1. Oktober 2010 nur für Reifen mit einer Breite bis 185 mm und einem Fahrzeuggewicht bis zu 3500 kg, und bis Oktober 2011 nur bis zu einer Breite von 205 mm. Für Reisebusse gilt diese Regelung generell seit 2009.

Seit 1. Mai 2006 schrieb die StVO eine an die Wetterverhältnisse angepasste Bereifung vor: „Bei Kraftfahrzeugen ist die Ausrüstung an die Wetterverhältnisse anzupassen. Hierzu gehörten insbesondere eine geeignete Bereifung und Frostschutzmittel in der Scheibenwaschanlage.“ Bei einem Verstoß waren 20 € Verwarngeld vorgesehen, bei Behinderung sogar 40 € Bußgeld und ein Punkteeintrag im Verkehrszentralregister. Allerdings wurde seitens der StVO „geeignete Bereifung“ nicht weiter ausgeführt. 2010 wurde die Regelung wegen Verstoßes gegen das Bestimmtheitsgebot vom Oberlandesgericht Oldenburg als verfassungswidrig eingestuft,[36] woraufhin im selben Jahr die StVO geändert wurde: Seit dem 4. Dezember 2010 ist – unabhängig von der Jahreszeit – das Fahren bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Reif- oder Eisglätte nur mit M+S-Reifen (Winter- und Ganzjahresreifen) erlaubt. Ausnahmen: Land- und Forstwirtschaftsfahrzeuge, bestimmte Einsatzfahrzeuge, nicht angetriebene Räder von Fahrzeugen der Klassen M2, M3, N2, N3, (Schwere Lkw, Busse). Die Bußgeldhöhen wurden verdoppelt.[37]

Die 2000 erlassene Richtlinie für die Instandsetzung von Luftreifen regelt für die Bundesrepublik, welche Schäden am Autoreifen von einem Fachbetrieb repariert werden dürfen (bei Stichverletzungen im Laufflächenbereich bis 6 Millimeter Ausdehnung; Reparaturverbot, wenn der Reifen mittels Pannenhilfsmittel behandelt wurde) und welche Reparaturverfahren zulässig sind.

Die für ein Fahrzeug zugelassenen Rad-/Reifenkombinationen waren früher im Fahrzeugschein eingetragen, der Nachfolger (Zulassungsbescheinigung Teil I) verzeichnet nur noch einen Typ. Welche Kombinationen möglich sind, kann der dem Fahrzeug mitgelieferten EWG-Übereinstimmungsbescheinigung (Certificate of Conformity, COC) entnommen, beim Hersteller oder einer Prüforganisation (z. B. TÜV, Dekra, KÜS, GTÜ und weitere) erfragt oder auch der Bedienungsanleitung des Autos entnommen werden. Die in der EWG-Übereinstimmungbescheinigung aufgeführten Reifen- und Felgenkombinationen sind ausdrücklich vom Gesetzgeber erlaubt und brauchen nicht eingetragen zu werden.

Mit „Mischbereifung“ wird die Bereifung mit unterschiedlichen Typen, nämlich Diagonal- und Radialreifen bezeichnet. Mischbereifung auf einer Achse ist unzulässig. Bereifung mit Sommer- und Winterreifen auf einer Achse ist unzulässig; zulässig ist jedoch die Verwendung von Sommerreifen auf einer Achse und Winterreifen auf der anderen Achse. Bei PKW dürfen am ganzen Fahrzeug entweder nur Diagonal- oder nur Radialreifen gefahren werden. Für bestimmte Fahrzeuge existieren Ausnahmen (§ 36 StVZO).

Österreich

Maßgeblich für den Einsatz von Reifen sind das Kraftfahrgesetz (KFG) und die Kraftfahrgesetz-Durchführungsverordnung (KDV).[38]
Die gesetzlich vorgeschriebene Mindestprofiltiefe beträgt in Österreich:

für Kraftfahrzeuge (ausgenommen Motorfahrräder) mit einer Bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 25 km/h und bei Anhängern, mit denen eine Geschwindigkeit von 25 km/h überschritten werden darf: 1,6 mm (Winterreifen in Radialbauweise: 4 mm, in Diagonalbauweise: 5 mm).
für Kraftfahrzeuge und Anhänger mit einem höchsten zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3500 kg: 2 mm. (Winterreifen in Radialbauweise: 5 mm, in Diagonalbauweise: 6 mm).
für Motorfahrräder: 1,0 mm

In Österreich herrscht im Winterhalbjahr Winterreifenpflicht, für Fahrzeuge unter 3,5 Tonnen falls winterliche Verhältnisse herrschen, für Schwerfahrzeuge prinzipiell.

Als Winterreifen gelten nur M+S-Reifen oder M+S&E-Reifen (Matsch- und Schnee- und Eis-Reifen), die die Mindestprofiltiefe für Winterreifen nicht unterschreiten. Nur sie erlauben den Betrieb bei Winterreifenpflicht oder auf Straßen, die nur mit Winterausrüstung befahren werden dürfen. Sind Winterreifen nicht vorgeschrieben, gelten auch für M+S-Reifen oder M+S&E-Reifen lediglich die auch für normale Reifen gültigen Mindestprofiltiefen.

Es ist verboten, Kraftwagen mit nicht mehr als 3500 kg höchster zulässiger Gesamtmasse (und Anhänger die damit gezogen werden dürfen) achsweise mit Mischbereifung, also Sommerreifen auf einer Achse und Winterreifen (M+S mit Winterreifen-Profiltiefe) auf der anderen, zu betreiben (Ausnahme: Räder die keine Kräfte auf die Fahrbahn übertragen). Außerdem dürfen auf einer Achse nur Winterreifen oder nur M+S-Reifen ohne Winterreifen-Profiltiefe oder nur Sommerreifen zum Betrieb verwendet werden.

Für KFZ bis 3,5 Tonnen sind in Österreich Spike-Reifen erlaubt, dann Geschwindigkeitsbegrenzung auf 80/100 km/h Freiland/Autobahn. Spikes entheben nicht von Kettenpflicht, wenn verordnet.

Sind am Zugfahrzeug Spikereifen, dann müssen auch am Anhänger Spikereifen montiert sein. Fahrzeuge mit Spikebereifung sind mit der Spikeplakette zu kennzeichnen.

Schweiz

Die Mindestprofiltiefe beträgt nach Art. 58 Abs. 4 VTS 1,6 mm, für Winterreifen ist eine Mindestprofiltiefe von 4 mm empfohlen.

Der Begriff Winterreifen ist gesetzlich nicht definiert, folglich besteht auch keine Pflicht, ein Auto mit Winterreifen auszurüsten.[39] Zu berücksichtigen ist aber, dass das Fahrzeug unabhängig von der Witterung in einem betriebssicheren Zustand zu sein hat und die Fahrweise den Straßenverhältnissen anzupassen ist, ansonsten die Versicherung Regress auf den Fahrer nehmen und im Schadensfall die Versicherungsleistung vermindern kann (Art. 29 SVG); bei ungenügendem Profil oder unangepasster Bereifung (Sommerreifen im Schnee) wäre die Betriebssicherheit nicht erfüllt.

Hersteller

Da moderne Fahrzeugreifen Produkte einer hochentwickelten Technologie sind, die ständig weiterentwickelt werden, fallen enorme Forschungs- und Produktionskosten an. Diese sind auf Dauer von kleinen und mittleren Unternehmen nicht aufzubringen. In der Reifenindustrie vollzieht sich deshalb, wie in anderen Industriezweigen auch, im Rahmen der weltweiten Liberalisierung des Handels ein Konzentrationsprozess. Mit wenigen Ausnahmen gehört der größte Teil der am weltweiten Reifenmarkt angebotenen Marken zu großen Teilen oder ganz zu einem der fünf großen, global operierenden Mutterkonzerne, die zusammen einen Weltmarktanteil von knapp 50 % erreichen:[40]

Japan Der Bridgestone-Konzern mit den Marken Bridgestone, Firestone, FirstStop
Deutschland Die Continental AG mit den Marken Continental, Semperit, Uniroyal, Barum (PKW, LKW), Euzkadi, Gislaved, General Tire, Sime, Viking, Mabor, Sportiva, Sebring, TeamStar, Point S Summerstar, Point S Winterstar, Matador (PKW)
Vereinigte Staaten Die Goodyear Tire & Rubber Company mit den Marken Goodyear, Fulda, Dunlop, Pneumant, Debica, Sava
Frankreich Der Michelin-Konzern mit den Marken Michelin, Kléber, BFGoodrich, Stomil, Taurus, Kormoran, Riken, Tigar
Italien Der Pirelli-Konzern mit den Marken Pirelli (PKW, LKW), Formula (ehem. Ceat), Metzeler (Motorrad)

Daneben:

Israel Alliance
Vereinigtes Konigreich Avon
Indien Balkrishna (Marke BKT)
Vereinigte Staaten Cooper
Russland Danubiana
Taiwan Federal Tyres
Indonesien Gajah Tunggal (Marke GT Radial)
Vereinigte Staaten Galaxy
Korea Sud Hankook (Marke Kingstar)
Russland KAMA
Korea Sud Kumho
Turkei Lassa
China Volksrepublik Linglong (Marke Leao)
Taiwan Maxxis
Taiwan Nankang
Korea Sud NEXEN
Finnland Nokian
Australien Ovation
Turkei Petlas
China Volksrepublik Shanghai Tyre & Rubber Co., Ltd
Russland SIBUR Russian Tyres (Marke Cordiant)
Japan Sumitomo Rubber Industries (Marke Falken)
Japan Toyo
Schweden Trelleborg AB (Marken Trelleborg Wheel Systems, Pirelli-Landwirtschaftsreifen, Bergougnan, Monarch, Rota)
China Volksrepublik Triangle
Niederlande Vredestein (Marken Vredestein und Maloya)
Japan Yokohama

Weltweit gibt es rund 1.500 Reifenhersteller, ungefähr 1.400 davon in China. Es werden jährlich rund 1,2 Milliarden Reifen verkauft.[40]

Meist werden die unter dem Namen des Mutterkonzerns vertriebenen Marken im oberen Marktsegment als „Premium-Marken“ angeboten. Um möglichst alle Preissegmente abzudecken, wird das Sortiment mit den Zweit- und Drittmarken im mittleren und unteren Preisbereich ergänzt. Außerdem werden für Serviceketten und Reifenfachhändler auf Bestellung „Hausmarken“ unter vielen verschiedenen Namen produziert. Letztere sind dann in der Regel altbewährte Modelle mit leichten Designänderungen, die im Rahmen der permanenten Sortimentserneuerung aus der Palette des eigenen Konzerns gefallen sind. Ebenfalls leicht abweichende Designs finden sich bei Reifen, die speziell für eine bestimmte Automarke hergestellt werden; derartige Reifen sind durch Zusätze in der Reifenbezeichnung zu erkennen.

Der Pirelli-Konzern stand nach seinem verstärkten Engagement in der Telekommunikationsbranche in den letzten Jahren vor der Entscheidung, seine PKW-Reifensparte an Mitbewerber zu verkaufen, entschied sich jedoch wegen des Marktwerts der mit einem sportlichen Image behafteten Marke für den Behalt.

Die wichtigsten Reifenhersteller

Reifenhersteller
Marktanteil 2012 in %[40]
Umsatz 2013 in Mrd. Euro[41]

Bridgestone
15,3
22

Michelin
14
20,2

Goodyear
10
14,2

Continental
5,8
10

Sumitomo
4,2
4,8

Pirelli
4,1
6,1

Hankook
3,4
5

Yokohama
3
3,4

Maxxis
2,5
3,2

Trivia

Der mit großem Abstand größte „Reifenhersteller“ der Welt ist die Lego Group: Im Jahr 2016 produzierte das Unternehmen über 730 Millionen Stück[42] und damit etwa viermal so viele wie der größte „reguläre“ Reifenproduzent Bridgestone.[43]

Spezielle Reifenarten

Rennreifen
Sportreifen
Leichtlaufreifen
Tweel – ein luftloser Reifen
Motorradreifen
Weißwandreifen

Siehe auch

Lärm
Lärmschutz

Literatur

Jörnsen Reimpell, Peter Sponagel: Reifen und Räder. In: Jörnsen Reimpell (Hrsg.): Fahrwerktechnik. Vogel, Würzburg 1988, ISBN 3-8023-0737-2.

Weblinks

 Commons: Autoreifen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Autoreifen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
PKW Reifengrundlagen (von Continental AG; 30-seitiges pdf-Dokument; 4,75 MB)
Reifenqualität – „Ich fahr auf Nummer sicher!“ ist eine Initiative des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) und seiner Partner.
Leitfaden des ADAC zu Bezeichnungen im Fahrzeugschein und auf dem Autoreifen
ECE 30 im Wortlaut (pdf-Datei; 280 KB)
Bedeutung der Bezeichnungen am Reifen

Einzelnachweise

↑ a b adac.de: ADAC Tipps – Reifen – Profiltiefe bei Reifen. Zugriff am 6. Juli 2013

↑ VERORDNUNG (EG) Nr. 661/2009 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 13. Juli 2009 (PDF)

↑ Richtlinie 92/23/EWG, S. 16 (PDF)

↑ Stiftung Warentest über das M+S-Zeichen In: test 12/2010, Seite 76

Vorsicht vor Billigmarken mit M+S-Symbol. focus.de, 2. Dezember 2010

↑ gesetze-im-Internet.de: Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO), § 36 Bereifung und Laufflächen, Absatz 4

Winterreifen im Sommer. ADAC, abgerufen am 4. Februar 2018: „… der Bremsweg aus Tempo 100 um bis zu 16 Meter verlängert.“ 

Rund um den Reifen. ADAC, abgerufen am 4. Februar 2018: „Reifen altern, auch wenn sie nicht benutzt werden! Die Sicherheit von alten Reifen nimmt deutlich ab. Deshalb Reifen, die älter als 8 Jahre sind, nicht mehr verwenden.“ 

Rund um den Reifen. ÖAMTC, abgerufen am 4. Februar 2018: „Es sollten nur vier gleiche Reifen, die noch nicht länger als vier Jahre in Gebrauch sind, verwendet werden.“ 

↑ Christian Wüst: Automobile – Eiskalter Schwindel. In: Der Spiegel. Nr. 42, 2005 (online). 

↑ Albert Königshausen/Peter Weyer: Winterreifen: Streit um die Sicherheit. stern.de. 30. November 2005. Abgerufen am 28. Mai 2012.

Spikereifen. In: HELP.gv.at. Abgerufen am 4. Februar 2018. 

↑ Marktjagd: Reifenwechsel – Der richtige Reifen für jedes Wetter (Memento des Originals vom 30. Oktober 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.marktjagd.de, marktjagd.de, 30. Oktober 2013

↑ Stiftung Warentest: Ganzjahresreifen – Keine Kompromisse test.de, 19. Oktober 2012

↑ Dunlop Self Supporting Technology (zuletzt aufgerufen am 25. Januar 2015)

↑ Die Runflat-Technologie (besucht am 27. August 2008)

↑ a b Max Bohner, Wolfgang Keil, Siegfried Leyer, Wolfram Pichler, Wolfgang Saier, Harro Schmidt, Paul Siegmayer, Heinz Zwickel: Tabellenbuch Kraftfahrzeugtechnik. Tabellen, Formeln, Übersichten, Normen. Mathematik, Grundkenntnisse, Fachkenntnisse Kraftfahrzeugtechnik, Werkstoffkunde, Zeichnen, Normteile (= Europa-Fachbuchreihe für Kraftfahrzeugtechnik.). 10. Auflage. Verlag Europa-Lehrmittel, Nourney, Vollmer GmbH & Co., Haan-Gruiten 1994, ISBN 3-8085-2070-1, S. 227 (Leitung des Arbeitskreises und Lektorat: Rolf Gscheidle).

↑ In: AMS 05/1961, S. 29–32.

↑ Vom Gummi zum Reifen im Zeitalter von Doppel-A, motor-talk.de, 5. Juli 2012

↑ Handgeschnitzte Reifen, Spiegel Online – KarriereSpiegel, Julia Spurzem, 3. Oktober 2012

↑ Jürgen Pander: Neue Reifentechnologie: Die Luft muss raus. Spiegel Online, 26. März 2013

↑ abendblatt.de – Zweite Chance auf dem Asphalt

↑ MID: Pkw: Verkaufsverbot für Lärm-Reifen. In: Focus Online. 9. September 2009, abgerufen am 14. Oktober 2018. 

↑ ECE Prüfzeichen und Reifenalter (Memento vom 12. Februar 2007 im Internet Archive)

↑ Archivlink (Memento des Originals vom 13. November 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.recodrive.eu

↑ Thema Reifenlagerung

Alterung bei Autoreifen. In: adac.de. Abgerufen am 22. Juli 2017. 

↑ Tim Neumann: Sicherheitsrisiko alte Reifen: Spätestens nach acht Jahren müssen neue her. In: auto-service.de. 21. März 2014, abgerufen am 22. Juli 2017. 

FAQ Reifen. In: tcs.ch. Abgerufen am 22. Juli 2017. 

↑ Peter Sundt, Per-Erik Schulze, Frode Syversen: Sources of microplastics-pollution to the marine environmnet, 2014; Table 8-1 “Summary of emission estimates for Norwegian sources to microplastic pollution” (S. 88).

Die Kautschuk-Apokalypse. In: zeit.de, 10. November 2013, abgerufen am 26. November 2017.

↑ adac.de

↑ Deutscher Text der EU-Verordnung 1222/2009 (PDF)

↑ §36 StVZO, Auszug “Das Hauptprofil muss am ganzen Umfang eine Profiltiefe von mindestens 1,6 mm aufweisen; als Hauptprofil gelten dabei die breiten Profilrillen im mittleren Bereich der Lauffläche, der etwa 3/4 der Laufflächenbreite einnimmt.”

↑ Studie Ernst & Young “Geplante_Obsoleszenz die vermieden werden kann”, Mai 2017, Download bei http://michelin.de/vorzeitiger-Reifenwechsel

↑ OLG Oldenburg (Oldenburg) Senat für Bußgeldsachen, Beschluss vom 09.07.2010

↑ Verordnung zur Änderung der Straßenverkehrs-Ordnung und der Bußgeldkatalog-Verordnung vom 1. Dezember 2010 (BGBl. I S. 1737)

↑ http://www.bmvit.gv.at/verkehr/strasse/recht/kfgesetz/index.html Kraftfahrgesetz, Durchführungsverordnung und zugehörige Novellen

↑ Astra: Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.astra.admin.chWinterdienst auf den Nationalstrassen – Winterreifen.

↑ a b c EulerHermes Economic Research Die Reifenbranche boomt (Memento des Originals vom 13. März 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.eulerhermes.de vom 10. April 2014, zuletzt abgerufen am 10. Oktober 2017

↑ Wirtschaftswoche: Reifenmarkt Pirelli im Visier von Russen und Asiaten@1@2Vorlage:Toter Link/www.wiwo.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. vom 21. März 2014, zuletzt abgerufen am 26. Januar 2015

Staunfakten – Lego. The LEGO Group, abgerufen am 10. Oktober 2017. 

↑ Yann Lacroix: Die Reifenbranche boomt. Euler Hermes Economic Research, 10. April 2014, abgerufen am 10. Oktober 2017. 

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GmbH Gesellschaftszweck / Unternehmensgegenstand: Autowerkstätte Geschichte Marktentwicklung Begriffsabgrenzung Navigationsmenü aus Heidelberg

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Autowerkstatt um 1920
Moderne Autowerkstatt in der Ukraine

Eine Autowerkstatt ist ein handwerklicher Betrieb, der Reparaturen an Kraftfahrzeugen (Deutschland, Österreich) bzw. Motorfahrzeugen (Schweiz) durchführt und für die Abwicklung von Gewährleistungs- und Garantieansprüchen sorgt. In Deutschland wird sie als Kfz-Werkstatt, in Österreich als Kfz-Werkstätte, in Österreich, Südtirol und der Schweiz als Garage,[1] in der Schweiz auch Carrosserie bezeichnet. Weiter bietet sie vorbeugende Service-Arbeiten sowie Beratung und technische Überprüfungen von Fahrzeugen an, wie beispielsweise die Kfz-Inspektion (Deutschland) oder den Service (Schweiz).

Inhaltsverzeichnis

1 Geschichte
2 Marktentwicklung

2.1 Markengebundene / Freie Werkstätten
2.2 Berufsbilder
2.3 Abrechnung
2.4 Spezielle Ausstattung

3 Begriffsabgrenzung
4 Weblinks
5 Einzelnachweise

Geschichte

Die Geschichte der Autowerkstatt ist so alt wie die Geschichte des Automobils.

In Deutschland organisierte und strukturierte der 1909 gegründete Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe die Kfz-Werkstätten.

Marktentwicklung

Der Markt für Reparaturwerkstätten teilt sich in die beiden großen Gruppen der so genannten markengebundenen (das heißt von Fahrzeugherstellern autorisierten) und den freien Werkstätten.

Laut dem aktuellen DAT-Report 2012 existierten in Deutschland im Jahr 2011 38.000 Kfz-Service-Betriebe. Dabei handelt es sich um 17.600 Markenbetriebe und 20.400 nicht markengebunden Kfz-Betriebe. In den letzten Jahren ist die Gesamtzahl der Werkstätten rückläufig; 2004 gab es noch 41.700 Kfz-Werkstätten.[2]

Markengebundene / Freie Werkstätten

Rückläufig ist die Anzahl der markengebundenen Unternehmen. Deren Zahl hat sich in Deutschland von 2004 bis 2011 von 20.120 auf 17.600 verringert.[2] Eine Verlagerung der Zahlen zugunsten der freien Werkstätten hat sich vor allem durch die Verkleinerung der Servicenetze ergeben, die so gut wie alle Fahrzeughersteller und Importeure in den letzten Jahren vorgenommen haben. Viele Vertragswerkstätten sind Teil eines Autohauses; viele größere Unternehmen betreiben auch eine Tankstelle oder eine Autowäsche sowie den Verkauf von Neuwagen und/oder Gebrauchtwagen.

Während im Segment der Markenbetriebe seit längerem ein Trend zu wirtschaftlich größeren Einheiten festzustellen ist, handelt es sich bei den freien Werkstätten in der Regel um kleinere, inhabergeführte Betriebe, die in ihrem lokalen Umfeld fest verwurzelt sind. Zwar bekommen markengebundene Servicebetriebe seitens der Marke Unterstützung in den Bereichen technische Informationen, Teilehandel, Schulungen etc., doch bieten – vermehrt seit Mitte der 1990er Jahre – Werkstattsysteme den freien Werkstätten diese Leistungen bei gleichzeitigem Nutzen eines eigenen Mehr-Marken-Profils. Getragen werden die Werkstattsysteme durch den Teilegroßhandel bzw. die Fahrzeugteileindustrie.

Während sich die markengebundenen Werkstätten in ihrem Leistungsspektrum lange Zeit auf einen Fahrzeughersteller konzentriert haben, waren die freien Werkstätten schon immer für alle Fahrzeugtypen und Marken offen. Diese Flexibilität zahlt sich gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten aus. Zunehmend ist deshalb auch erkennbar, dass markengebundene Werkstätten eine Zweitmarke – oder aber ein Werkstattsystem als Zweitmarke hinzunehmen. Seit Inkrafttreten der Kfz-GVO 1400/2002[3] sind in der Europäischen Union Fahrzeughersteller darüber hinaus verpflichtet, ihre Fahrzeugdaten auch an andere Marktteilnehmer weiterzugeben, um den Wettbewerb zu stärken.

Freie Werkstätten sind teilweise Franchise-Unternehmen oder Marketing-Ketten angeschlossen. Diese Ketten bezeichnet man auch als Werkstattsysteme oder Werkstattkonzepte.

Berufsbilder

Die Ausbildungsberufe, die in einer Autowerkstatt benötigt werden, sind unter anderem Kfz-Mechatroniker (Deutschland) bzw. Automobil-Mechatroniker (Schweiz), Mechaniker für Karosserieinstandhaltungstechnik (Deutschland), Karosseriebauer (Spengler) und Sattler.

Außerdem besteht in Deutschland ein Meisterzwang und damit ist ein Meister der Kfz-Werkstatt als verantwortlicher Werkstattleiter notwendig, u. a. da Arbeiten an sicherheitsrelevanten Systemen oder Arbeiten mit gefährlichen Stoffen (Chemikalien, Gase, Airbags etc.) nur unter Federführung eines entsprechenden Meisters durchgeführt werden dürfen. Berufsabschlüsse der genannten Gewerke als Geselle reichen dazu nicht aus.

Abrechnung

Die Abrechnung der Leistungen erfolgt entweder durch den Meister oder eigens dazu abgestellte Service-Mitarbeiter

nach Arbeitszeit und verbrauchtem Material,
oder pauschaliert nach den von großen Autoherstellern erarbeiteten Richtlinien.
Bei größeren Reparaturen ist die Erstellung eines Kostenvoranschlags möglich bzw. wird seitens der Werkstatt angeboten.

Spezielle Ausstattung

Zur Ausstattung einer Werkstatt gehören unter anderem Hebebühne, Bremsenprüfstand, Scheinwerfereinstellgerät, Diagnosegeräte/-vorrichtungen (elektronisch, chemisch, mechanisch), Bremsenentlüftungsgerät (meist elektropneumatisch), Standpresse (hydraulisch), Achsvermessungsstand, Klimaanlagenservicegerät, Reifenmontiermaschine und Auswuchtmaschine.
Während bisher Ölabscheideanlagen für den Betrieb einer Kfz-Werkstatt vorgeschrieben waren, wird heute entsprechend der Abwasserverordnung, Anhang 49 „Mineralölhaltiges Abwasser“, nach Möglichkeit ein abwasserfreier Betrieb (“trockene Werkstatt) bevorzugt. Kein eigener Abscheider wird benötigt bei Trockenreinigung der Werkstatt oder Reinigung mit Bodenreinigungsgerät (die anfallenden Rückstände sind als gefährlicher Abfall zu entsorgen), Montagegruben ohne Entwässerung (Schadstoffeintrag von z. B. Altöl unzulässig!)
und Einleitung von Abwasser von Handwaschbecken.

Begriffsabgrenzung

Neben den reinen Autowerkstätten gibt es Tuning-Werkstätten, die sich auf die technische und optische Veränderung von Fahrzeugen nach Kundenwunsch spezialisiert haben. Der Begriff „Tuning“ wird dabei eher neueren Fahrzeugen zugeordnet (ab ~1980er-Jahre bis heute), wohingegen die Veränderung von Oldtimern häufig mit dem Begriff „Customising“ (engl.: Customer = Kunde) beschrieben wird, wobei die Übergänge nicht exakt abzugrenzen sind.

Da der Begriff des Tunings häufig mit minderwertigen oder (aus heutiger Sicht) optisch fragwürdigen Veränderungsmaßnahmen der 1980er- und 1990er-Jahre in Verbindung gebracht wird, nennen sich Tuning-Werkstätten im PKW/SUV-Bereich euphemistisch auch „Fahrzeug-Veredler“, um die Hochwertigkeit heutiger Umbauten zu unterstreichen. Spezialbetriebe für die Umbauten von Motorrädern legen häufig Wert auf die Herausstellung der Nähe ihres Gewerkes zur Technik und zum Handwerk (siehe z. B. Thunderbike).

Weblinks

 Commons: Kfz-Werkstätten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Autowerkstatt – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
IMU-Branchenstudie Kfz-Gewerbe 2017
Ch. Bolay, J. Kelter, D. Lorenz: Gestaltung von Arbeitsplätzen und Arbeitsumgebung in Kfz-Werkstätten. Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, abgerufen am 20. Oktober 2011

Einzelnachweise

↑ Ulrich Ammon: Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz. de Gruyter, 1995, ISBN 3-11-014753-X, S. 410.

↑ a b dat.de (Memento des Originals vom 13. November 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.dat.de DAT-Report 2012, Kfz-Betrieb

↑ Verordnung (EG) Nr. 1400/2002 der Kommission vom 31. Juli 2002 (PDF)

Normdaten (Sachbegriff): GND: 7508498-3 (OGND, AKS)

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GmbH Gesellschaftszweck / Unternehmensgegenstand: Messebau Voraussetzungen des Messebaus Besonderheiten des Messedesigns Anordnung der Messestände im Raum Standbau Briefing für den Messebau Navigationsmenü aus Düsseldorf

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Messestand

Unter Messebau versteht man alle Tätigkeiten, die mit dem Bau von Messeständen zu tun haben. Dazu gehören die Planung, die Gestaltung, der Auf- und Abbau und oft auch die Einlagerung. In einem engeren Sinne bezeichnet Messebau auch nur die Tätigkeit der Handwerker, die Messestände nach vorgegebenen Plänen errichten.

Inhaltsverzeichnis

1 Voraussetzungen des Messebaus

1.1 Messen und Ausstellungen
1.2 Organisation des Messebaus
1.3 Das Medium Messe

2 Besonderheiten des Messedesigns

2.1 Aspekte der industriellen Formgestaltung
2.2 Aspekte des Kommunikationsdesigns

2.2.1 Kommunikationsschema für Messestände
2.2.2 Layout für Messestände
2.2.3 Objekte und Aktionen

3 Anordnung der Messestände im Raum

3.1 Standarten

4 Standbau

4.1 Konventioneller Standbau
4.2 Systembau

4.2.1 Das Stützprofil
4.2.2 Der Knoten
4.2.3 Die Leichtbauplatte
4.2.4 Standbau mit Traversen-Systemen

4.3 Bodenbelag
4.4 Beleuchtung

4.4.1 Koffer-Displays

5 Briefing für den Messebau
6 Literatur
7 Weblinks

Voraussetzungen des Messebaus

Messen und Ausstellungen

An Designschulen wird Messebau in der Regel in einem übergreifenden Fach Messe- und Ausstellungsgestaltung gelehrt, weil sich die gestalterische Arbeit für Messen und für Ausstellungen sehr ähnelt. Die Grenzen zwischen Messen und Ausstellungen sind fließend; oft wird auch sprachlich nicht zwischen ihnen unterschieden. Betrachtet man jedoch typische Messen und typische Ausstellungen, so werden die wesentlichen Unterschiede offenbar.

Messen sind Veranstaltungen, bei denen Wirtschaftszweige einen umfassenden Überblick über ihr Angebot geben. Sie finden regelmäßig statt, wenden sich vorwiegend an Handel und Industrie und dienen dem Verkauf der gezeigten Produkte.

Typische Messen sind Ordermessen, Investitionsgütermessen und Verbraucherausstellungen. Daran nehmen viele Aussteller teil, die ihre Waren, Dienstleistungen oder Ideen in voneinander getrennten, unterschiedlich gestalteten Messeständen präsentieren. Messen dauern in der Regel nur wenige Tage.

Ausstellungen sind Veranstaltungen, bei denen einzelne Wirtschaftszweige ihre Produkte zur Schau stellen; sie dienen in erster Linie der Information und nicht dem Verkauf. Ausstellungen gibt es als:

a) allgemeine Ausstellungen, wenden sich an die Allgemeinheit

b) Fachausstellungen, wenden sich mit einem speziellen Angebot in der Regel an Industrie und Handel

Typische Ausstellungen sind zum Beispiel Kunstausstellungen in Museen und didaktische Ausstellungen zu einem bestimmten Thema. Sie alle folgen einem jeweils einheitlichen Gestaltungsprinzip. Oft werden die Besucherströme durch Leitsysteme gelenkt. Typische Ausstellungen sind längerfristig angelegt. Wechselausstellungen dauern mehrere Wochen oder Monate, Dauerausstellungen mehrere Jahre.

Messebauer schaffen also kurzfristig angelegte Kleinausstellungen, die mit anderen Kleinausstellungen in unmittelbarer Nähe konkurrieren müssen. Außerdem haben viele Messestände nicht nur Ausstellungscharakter, sondern sollen auch Beratungen und Verhandlungen ermöglichen.

Organisation des Messebaus

Die grundlegenden Entscheidungen über eine Messeteilnahme, das Budget und den Personaleinsatz sollten die Verantwortlichen für die Unternehmenskommunikation treffen, in Non-Profit-Organisationen die Verantwortlichen für Öffentlichkeitsarbeit. Das muss bereits ein halbes bis ein ganzes Jahr vor der Messeteilnahme geschehen, da die Nachfrage bei allen wichtigen Messen sehr groß ist. Kurzfristige Entscheidungen sind nur bei Regionalmessen sinnvoll.

Der eigentliche Messebau geschieht meist nicht im ausstellenden Unternehmen, sondern wird von freien Designern, Werbeagenturen oder spezialisierten Messebaufirmen geleistet. Dabei haben sowohl Spezialisten als auch Generalisten ihre Vor- und Nachteile: Während Messebaufirmen alle Details des Messebaus beherrschen, können Werbeagenturen und freie Designer, die auch andere Kommunikationsmaßnahmen des Unternehmens gestalten, die Messeteilnahme besser in die Gesamtkommunikation einordnen. Letztendlich entscheidend für den Erfolg ist aber die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Gestaltern.

Das Medium Messe

Jedes Medium hat seine Gesetzmäßigkeiten. Messebau kann also bestimmte Kommunikationsbedingungen ausnutzen.

Messen sind Ereignisse.
Menschen werden nicht von Vertretern belästigt, sondern sie kommen freiwillig zur Messe.
Messebesucher gehören zu qualifizierten Zielgruppen. Sie interessieren sich für die Messethemen.
Produkte können nicht nur beschrieben und abgebildet werden, sie können oft auch ausgestellt und vorgeführt werden.
Messen erlauben persönliche Gespräche.

Diesen Vorteilen stehen auch Nachteile gegenüber:

Messen sind teuer.
Besucher kommen hochmotiviert zur Messe, werden dann aber von Reizen überflutet.

Messen bieten also viele Vorteile für viel Geld. Sinnvoller Messebau hilft, für dieses Geld möglichst viele oder ausgewählte Publikumskontakte zu schaffen.

Besonderheiten des Messedesigns

Die allgemeinen Prinzipien des Kommunikationsdesigns gelten auch für die Gestaltung von Messeständen. Diese muss sich in der Regel dem Corporate Design unterordnen.

Anteil am Messebau haben auch die Hersteller von Baugruppen, aus denen Messestände zusammengesetzt werden. Hier werden Architektur, Innenarchitektur und Industriedesign zur Voraussetzung für Kommunikationsdesign.

Aspekte der industriellen Formgestaltung

Die meisten Messestände werden nicht konventionell gebaut, sondern aus vorgefertigten Modulen zusammengesetzt. Diese Messebausysteme müssen folgende Eigenschaften haben:

transportabel
in wenigen Tagen auf- und abbaubar
stabil
wiederverwendbar
Der Systemcharakter darf nicht zu sehr in den Vordergrund treten.
Die Module müssen so vielfältig kombinierbar sein, dass sie individuelle Gestaltungslösungen ermöglichen.
Falls keine spezialisierten Handwerker beschäftigt werden sollen, muss das System auch von Laien einfach aufzubauen sein.

Aspekte des Kommunikationsdesigns

Kommunikationsschema für Messestände

Das 4-Zonen-Kommunikationsschema für einen Eckstand

Bei der Konzeption von Messeständen geht man sinnvollerweise von vier Zonen aus, nach denen sich die Aufgabenbereiche von außen nach innen anordnen lassen.

Orientierungszone: In diesem äußersten Bereich orientiert sich das Publikum, was auf dem Messestand überhaupt angeboten wird und entscheidet, ob es den Stand betritt oder nicht. Dort muss also etwas platziert sein oder stattfinden, das die Aufmerksamkeit der wirklich Interessierten weckt und sie dazu verführt, sich genauer zu informieren.
Präsentationszone: Im nächstinneren Bereich wird das Angebot so präsentiert, dass sich Besucher selbstständig darüber informieren können. Berater stehen für erste Fragen zur Verfügung.
Besprechungszone: Im hintersten öffentlich zugänglichen Bereich oder in geschlossenen Verhandlungsräumen befinden sich Sitzgruppen für vertiefende Gespräche.
Funktionszone: Im publikumsfernsten Bereich befinden sich abgeschlossene Funktionsräume mit Küche, Garderobe, Lagermöglichkeiten u. a.

Diese gedankliche Aufteilung in vier Zonen lässt sich für alle Messestände nutzen. Ihre typische Ausgestaltung ist aber erst ab einer gewissen Standgröße möglich. Ein Kleinststand von 4 m² muss sich natürlich auf die Orientierungs- und Präsentationszone beschränken; die Funktionszone bildet vielleicht ein Karton.

Layout für Messestände

Beim Entwurf am Rechner sieht die Wand eines Messestandes genauso aus wie ein Blatt Papier. Dennoch unterscheidet sich das Layout für einen Messestand wesentlich von dem einer Buchseite oder eines Plakats. Alle Elemente, die nicht nur Dekoration sind, sondern vom Besucher bewusst wahrgenommen werden sollen, müssen ungefähr in Augenhöhe liegen (bei ca. 170 cm). Die maximale Ober- und Untergrenze bildet die Greifhöhe (von ca. 230 cm bis ca. 80 cm). Oberhalb der Greifhöhe stehen nur sehr auffällige Elemente, die eine Fernwirkung über die Grenzen des Messestandes hinaus erzeugen sollen. Unterhalb der Greifhöhe befinden sich manchmal Beschreibungen für Exponate oder Ähnliches. Solche Texte müssen auf einem schrägen Pult oder waagerecht liegen, damit sie bequem von oben gelesen werden können.

Schriftgrößen bemisst man im Messebau sinnvollerweise nicht in Punkt, sondern in Zentimetern. Eine Faustregel besagt, dass 1 m Leseabstand 1 cm Schriftgröße erfordert.

Objekte und Aktionen

Eine besondere Bedeutung im Kommunikationsdesign für Messen haben Objekte und Aktionen. Auf Messeständen finden zwar auch Texte und Bilder ihren Platz, aber an konkrete Objekte und Aktionen kann man sich besser erinnern.

Objekte können die angebotenen Produkte sein, die die Besucher eventuell anfassen und ausprobieren können. Sehr einprägsam sind oft auch vergrößerte oder verkleinerte Modelle der Produkte.

Aktionen, bei denen die Besucher mit einbezogen werden, werden besser erinnert als reine Vorführungen.

Anordnung der Messestände im Raum

Wie in einer Stadt mit Häuserzeilen, Straßen, Plätzen und einzeln stehenden Gebäuden sind die meisten Messestände in Reihen angeordnet. Dazwischen befinden sich Gänge und Aktionsflächen. Große Messestände stehen oft einzeln.

Standarten

Die vier Standarten in einer Messehalle

Aus der Anordnung der Messestände im Raum ergeben sich vier klassische Standarten, die sich in der Anzahl der publikumsoffenen Seiten unterscheiden:

Der Reihenstand oder auch Durchgangsstand ist nach einer Seite hin offen und grenzt mit drei Seiten an die Nachbarstände.
Der Eckstand befindet sich an einem Reihenende und hat zwei offene Seiten.
Der Kopfstand ergibt sich aus der Zusammenlegung zweier benachbarter Eckstände. Er hat drei offene Seiten und eine Rückwand.
Der Inselstand oder auch Blockstand genannt steht einzeln. Theoretisch kann er nach allen Seiten hin offen gestaltet werden; praktisch bleibt eine Seite oft durch Funktionsräume geschlossen.
Der Etagenstand verfügt über mehrere Etagen. In der Regel handelt es sich um eine zusätzlich überdachte Etage, die für unterschiedliche Zwecke genutzt werden kann.

Entsprechend den unterschiedlichen Kontaktmöglichkeiten werden Flächen für Inselstände mit dem höchsten Quadratmeterpreis vermietet und Flächen für Reihenstände mit dem niedrigsten. Allerdings lassen sich auch Reihenstände so kombinieren, dass die Aufmerksamkeit des Publikums stärker gefesselt wird. Das kann entweder durch die Einbeziehung des Ganges zwischen zwei oder mehreren gegenüberliegenden Reihenständen erreicht werden oder durch die Schaffung einer Verbindung zwischen zwei Hallengängen. Etagenstände bieten zudem die Möglichkeit den Platz durch eine weitere Etage zu erweitern – beispielsweise als Rückzugsort für persönliche Kundengespräche, als ergänzende Präsentationsfläche oder als Lagerbereich für Marketingequipment wie Aufsteller, Flyer/Broschüren oder Werbegeschenke.

Standbau

Konventioneller Standbau

Messestände werden nur dann konventionell gebaut, wenn modulare Systeme für sehr individuelle Lösungen zu wenig Gestaltungsfreiheit bieten. So entstehen aus Holz, Kunststoff, Metall und anderen Materialien sehr eigenständig wirkende Bauten. In der Regel sind konventionell gebaute Messestände aufwendiger.

Systembau

Typische Messebausysteme: Leichtbauplatten, Verbindungsknoten, Querschnitt durch ein Stützprofil, transportables Präsentationssystem

Die meisten Messestände werden aus vorgefertigten Modulen zusammengesetzt. Sie bieten so viele Variationsmöglichkeiten, dass auch in den Grenzen der jeweiligen Systeme individuelle Gestaltungen möglich sind.

In der Vielzahl der angebotenen Systeme lassen sich vier Grundprinzipien erkennen.

Das Stützprofil

Die tragenden Elemente sind senkrechte Stützprofile aus Aluminium, in die waagerechte Zargen mit Spannschlössern und Wandplatten eingehängt werden können. Die nach acht Seiten hin offenen Profile ermöglichen Abgänge im 180°-, 90°- und 45°-Winkel. Mit gebogenen Zargen und biegsamen Wandplatten lassen sich auch runde Räume errichten.

Der Querschnitt des Octanorm-Profils ist im linken unteren Viertel der Illustration dargestellt.

Der Knoten

Kernstücke dieses Systems sind Knoten mit 18 Anschlussmöglichkeiten für Stäbe und Stützen. Die Knoten ermöglichen Diagonalen nicht nur in der Fläche, sondern auch in den Raum hinein. Dadurch lassen sich gut versteifte Fachwerke errichten, und auch ungewöhnliche Formen sind möglich.

Dieses System wird unter dem Namen M12 von der Firma MERO-TSK angeboten.

Die Leichtbauplatte

Tragende Elemente des Systems Leichtbauplatte sind die Wandplatten selbst. Sie werden mit Klemmverbindungen oder Knoten im 180°-, 90°- oder 45°-Winkel zusammengesteckt. Der Urtyp dieses Systems heißt Leitner 1.

Standbau mit Traversen-Systemen

Neben vorgefertigten Modulen können Messestände auch aus einzelnen Traversenteilstücken zusammengesetzt werden. Dies hat den Vorteil, dass dieselben Bauteile für jede erdenkliche Form eines Messestandes genutzt werden können. Gleichzeitig ist es möglich, aus Traversen, welche nicht für den Messebau verwendet wurden, Konstruktionen wie Messemöbel und Sitzlandschaften zu errichten. Die Errichtung eines Messestands mit Traversen-Systemen kann dabei in der Regel vom Messepersonal selbst durchgeführt werden. Dank genormter, passgenauer Fertigung können solche Traversenkonstruktionen zudem beliebig oft neu und verändert zusammengebaut werden.

Bodenbelag

Hier gibt es sehr viele Möglichkeiten, diese reichen von Holzböden über Teppiche, Vinylböden bis hin zu Kunststoffbodenplatten. Letztendlich können fast alle Bodenbeläge, welche auch im privaten und gewerblichen Bereich genutzt werden, für Messestände eingesetzt werden. Durch den Einsatz einer Unterbodenkonstruktion (sog. Doppelböden) können auch Anschlüsse oder Kabel unter dem Bodenbelag verlegt werden. Rechtlich wird eine Rutschhemmung von den Veranstaltern verlangt, welche mit der Ausprägung “DS” nach DIN EN 13893:2003 oder mindestens R9 nach DIN 51130 nachzuweisen ist. Zudem müssen Bodenbeläge auch eine Brandschutzzertifzierung nach DIN EN 13501-1 mit schwerentflammbar (ab Cfl-s1; früher B1) bestehen.

Für Doppelböden gibt es viele unterschiedliche Systeme. Sie werden aus Holzkonstruktionen individuell auf die Standgröße gefertigt. Modulare Systeme aus unterschiedlichen Materialien sind wiederverwendbar, allerdings auf Standardgrößen und -formen für Messestände begrenzt. Im Außenbereich platzierte Messestände, wie ein Faltzelt oder ähnliches, werden häufig mit einem rutschfesten Boden aus Kunststoffplatten auszustatten, welcher nicht die Standgrenzen verlässt, aber dennoch den gesamten Innenraum des Standes ausfüllt.

Der sichtbare Bodenbelag wird entweder direkt auf den Hallenboden oder auf den Doppelboden aufgebracht. Hier eignen sich besonders schnell zu verlegende Materialien wie Teppich, CV-Boden und Laminat. Breite Standarddesign stehen in Kollektionen der Hersteller zur Verfügung. Ausgefallenere Stände verwenden individualisierte Böden, welche im Digitaldruck erstellt werden. Hier sind Teppiche und Fotoböden (digital bedruckte CV-Böden) die häufigsten Bodenbeläge. Teppiche haben den Nachteil, dass sie leicht verschmutzen und durch die faserige Struktur nicht brillant bedruckbar sind, Fotoböden werden mittlerweile fotorealistisch in LFP-Druckverfahren hergestellt. Individuelle Bodenbeläge können als Werbefläche in das Standdesign zur Steigerung der Sichtbarkeit, und damit der Besucherfrequenz, integriert werden.

Beleuchtung

Ein im Messebau oft unterschätzter Faktor ist die richtige Beleuchtung des eigenen Messestandes. Bei der Erstellung eines professionellen Lichtkonzeptes für den Messebau unterscheidet man dabei zwischen der Beleuchtung von Oberflächen, Personen, Objekten, reiner Dekorationsbeleuchtung, sowie Display- und Hintergrundbeleuchtung.
Mit Hilfe von Displayleuchten können Werbebotschaften und Banner gezielt hervorgehoben werden. Effektlichter wie MovingHeads oder Fluter mit Farbfolien illuminieren den Messestand und bieten die Möglichkeit beweglicher Ausleuchtung. Rednerpulte, Produkte oder andere Ausstellungsstücke können mittels Punktbeleuchtung ausgeleuchtet werden. Dazu benötigt man sogenannte Profiler bzw. PAR-Scheinwerfer. Fluter, Stufenlinsen oder PC Scheinwerfern sorgen – am Boden oder am Messestand selbst befestigt – für eine gleichmäßige Flächenbeleuchtung.

Koffer-Displays

Es gibt eine Vielzahl von mobilen Messesystemen, die entweder falt-, steck- oder verschraubbar sind, die sich von einer Person transportieren lassen, schnell aufzubauen sind und eine halbwegs seriöse Präsentation ermöglichen. Solche Displays gehören nicht zu den Messebausystemen im eigentlichen Sinne, sondern sollen Messebau vermeiden. Mit ihnen kann man in einen kleinen Standardstand ohne großen Aufwand eine Wand oder mehrere Wände mit plakativen Gestaltungselementen errichten und so in professionellem Ambiente vortragen, beraten und verhandeln.

Briefing für den Messebau

Ein Briefing ist eine Checkliste zu den wichtigsten Fragen, die vor der Messeteilnahme beantwortet sein müssen. Ohne diese Informationen können Messebauer nicht sinnvoll einen Messestand entwerfen und Aussteller nicht sinnvoll ihre Teilnahme planen. Die Stichpunkte des Briefings bieten auch für Laien eine gute Übersicht.

Marketing

grundlegende Fakten zum Aussteller (Profit/Nonprofit, Branche, Marktposition, Umsatz, Mitarbeiteranzahl usw.)
Unternehmensziele
Was soll mit der Messeteilnahme erreicht werden?
Welche Neuheiten/Produkte sollen präsentiert werden?
Definition der Zielgruppe des Unternehmens und der Messebesucher
Welche Wettbewerber nehmen an der Messe teil?
Kommunikationsmaßnahmen der wichtigsten Wettbewerber
kritische Dokumentation vorausgegangener Messeauftritte

Messedaten

Name der Messe, Ort und Datum
Position der Halle im Messegelände und Beschreibung der Standlage
Standnummer
Standgröße
Standart
geöffnete Eingänge zur Messe und zur Messehalle
Parkplatzangebot und Parktarife
Erfassung der Besucherströme
Platzierung der Mitbewerber
Standbauhinweise des Messeveranstalters
Auf- und Abbauzeiten
Anzahl des Standpersonals, Standleitung
Lichtverhältnisse, Versorgungsleitungen, bauliche Besonderheiten in der Messehalle
Soll der Messestand einmal oder mehrmals verwendet werden?
Bedarf an Mobiliar und Ausstattung
Funktionale Anforderungen wie z. B. separate Räumlichkeiten für Besprechungen, Lager, Küche o. Ä.

Exponate und Aktionen

Auflistung der Exponate und deren Beschreibung
Welche Exponate sollen in Aktion vorgeführt werden?
Darstellung der Aktionen auf dem Messestand
Einsatz audiovisueller Medien
Sonderveranstaltungen wie Pressekonferenzen, Kundenevents, Führungen für spezielle Gruppen oder Kick-Off-Veranstaltungen

Corporate Identity

Unternehmensbotschaft (Leitspruch?)
Corporate Design (Farben, Schriften, Signet usw.)
Motto des Messeauftritts
Tritt das Unternehmen während der Messe auch außerhalb des Messestandes auf? (Werbung, Teilnahme an Veranstaltungen etc.)

Budget

Messebudget
Standbaubudget

Literatur

Joachim Falcke: Gestaltung von Messeständen. München 1994, ISBN 3-8307-1245-6
Ingrid Wenz-Gahler: Messestand-Design. Temporäres Marketing- und Architekturereignis. Leinfelden-Echterdingen 1999, ISBN 3-87422-622-0
Ingrid Wenz-Gahler: Big Ideas for Small Stands. Kleine Messestände ganz groß. Leinfelden-Echterdingen 2002, ISBN 3-87422-648-4
Karin Schulte (Herausgeber): Fliegende Bauten. Temporary Buildings. Der Messestand als konzeptionelle Aufgabe. Deutsch/Englisch. Ludwigsburg 1997, ISBN 3-92963-818-5
Jan Lorenc, Lee Skolnick, Craig Berger: What is exhibition design? Ein Fach- und Lehrbuch für temporäre Architektur. Englisch. 2007, ISBN 2-940361-66-5
Timo Michalik, Stefan Imfeld: Boden gut Machen – Successful Floor Marketing. Deutsch/Englisch. Kaarst 2018, ISBN 978-3-00-055410-0

Weblinks

Linkkatalog zum Thema Veranstaltungsplanung: Messen und Kongresse bei curlie.org (ehemals DMOZ)

Dieser Artikel wurde am 5. Mai 2006 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4194686-8 (OGND, AKS)

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Eine Privatschule ist eine Schule, die sich im Gegensatz zur Schule in öffentlicher Trägerschaft in der Verantwortung eines freien (nichtstaatlichen) Schulträgers befindet.

Träger können kirchliche Organisationen, Sozialwerke, Vereine, Personengesellschaften oder Privatpersonen sein. Die freien Träger sind, anders als kommunale Schulträger, für das Lehrpersonal wie für die konzeptionelle Gestaltung verantwortlich. Privatschulen stehen – zumindest in Europa – unter staatlicher Aufsicht und verfügen im Allgemeinen über einen öffentlich-rechtlichen Status.

Gründe für die Bildung von Privatschulen sind das Elterninteresse an der jeweiligen Prägung, das Anliegen einer Verwirklichung alternativer pädagogischer Konzepte, einer religiösen/weltanschaulichen Prägung oder dem Erhalt eines wohnortnahen Schulangebots.

Inhaltsverzeichnis

1 Leistungen
2 Schüleranteil
3 Situation in einzelnen Staaten

3.1 Deutschland: Schule in freier Trägerschaft

3.1.1 Begriff
3.1.2 Rechtsgrundlage
3.1.3 Statistik
3.1.4 Schularten

3.1.4.1 Ersatzschulen
3.1.4.2 Ergänzungsschulen
3.1.4.3 Freie Unterrichtseinrichtungen

3.1.5 Finanzierung und steuerliche Berücksichtigung
3.1.6 Verbände
3.1.7 Sonstiges

3.2 Österreich

3.2.1 Privatschulgesetz

3.3 Großbritannien
3.4 Schweiz
3.5 USA

4 Siehe auch
5 Literatur
6 Weblinks
7 Einzelnachweise

Leistungen

Eine Analyse der PISA-Ergebnisse 2006 (Naturwissenschaften) sagt aus, dass in den meisten Ländern Privatschulen öffentlichen Schulen überlegen sind, dass dies jedoch teilweise durch eine andere Zusammensetzung der Schülerschaft bedingt ist. Nach Herausrechnung der Effekte des familiären und sozioökonomischen Hintergrunds der Schülerschaft erweisen sich in den meisten betrachteten OECD-Ländern (darunter Deutschland) die öffentlichen Schulen den Privatschulen überlegen, in einigen erweisen sie sich als gleichwertig, und nur in einem einzigen OECD-Land (Kanada) erweisen sich die Privatschulen auch dann als überlegen.[1] Für Deutschland ergab eine 2017 durchgeführte Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, „dass zumeist nur geringfügige Unterschiede zwischen den an privaten und öffentlichen Schulen im Mittel erreichten Kompetenzen festzustellen sind“[2].

Schüleranteil

Je nach Land schwankt der Anteil der Schüler, die eine Schule in freier Trägerschaft besuchen, stark. Im OECD-Durchschnitt lag er 2006 bei 14 %. In Österreich war er niedriger und lag bei 10 %, in der Schweiz bei 5 % in Großbritannien bei 7 % und in Deutschland bei 6 %. Im Schuljahr 2016/2017 besuchte jedoch bereits jeder 11. Schüler eine Privatschule.[3] Zu den europäischen Ländern, in denen Privatschulen relativ verbreitet sind, zählten 2006 die Niederlande (Schüleranteil 67 %, sämtliche niederländische Privatschulen sind jedoch finanziell vom Staat abhängig), Irland (58 %), Spanien (35 %) und Dänemark (24 %).[4]

Die Privatschule ist in Deutschland ein Randphänomen. Dagegen gibt es sie in Irland, in Dänemark, in den Niederlanden und in den USA recht häufig. Auch in Frankreich und Spanien besucht ein beträchtlicher Teil der Schüler der Primar- und Sekundarstufe Privatschulen, die fast ausschließlich in kirchlicher Trägerschaft sind.

Im Mittelalter war die Privatschule üblich, meistens gab es keine anderen Schulen, so dass die Kinder reicher Eltern auf Klosterschulen geschickt wurden.

Als Folge des sogenannten Pillenknicks und einer gegen Privatschulen eingestellten Grundstimmung in der Bevölkerung mussten in den 1980er Jahren viele Privatschulen schließen. Es zeigte sich aber, dass insbesondere die alteingesessenen und renommierten Privatschulen mit ihren langjährigen Erfahrungen in der pädagogischen Arbeit gestärkt aus der Krise hervorgingen. Seit den 1990er Jahren entstehen auch in den neuen Bundesländern neue Privatschulen. Diese sind oft als Elternvereine gegründete kleinere Schulen, die aus Kritik an dem öffentlichen Schulsystem eigene Alternativen realisieren.

Situation in einzelnen Staaten

Deutschland: Schule in freier Trägerschaft

Begriff

Anstelle von „Privatschule“ wird vereinzelt die Bezeichnung „Schule in freier Trägerschaft“ (umgangssprachlich auch: „freie Schule“) bevorzugt.[5][6]

Rechtsgrundlage

Das Recht zur Errichtung von Schulen in freier Trägerschaft wird durch Art. 7 Abs. 4 Grundgesetz (GG) ausdrücklich gewährleistet. Der hohe Rang der Gewährleistung (Art. 7 GG zählt zu den Grund- und Menschenrechten) resultiert aus der Erfahrung im Nationalsozialismus. Um eine Gleichschaltung der Bildung zu vermeiden, wird das Bestandsrecht von Schulen in freier Trägerschaft garantiert. Diese Gewährleistung verpflichtet, um das Recht zur Gründung von „Schulen in freier Trägerschaft“ nicht ins Leere laufen zu lassen, den Staat dazu, die Gründung dieser Schulen zu unterstützen

Das Grundgesetz verlangt dabei ausdrücklich, dass „eine Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern nicht gefördert wird“ (.mw-parser-output .Person{font-variant:small-caps} (Art. 7) Sonderungsverbot), und macht dies zur Voraussetzung für die Erteilung einer Anerkennung oder Genehmigung. Michael Wrase und Marcel Helbig vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung kommen in ihrer Studie dagegen zum Schluss: „Die vom Grundgesetz beabsichtigte soziale Durchmischung der Privatschulen findet nicht statt“[7].

Da die Aufsicht über das Schulwesen in Deutschland in der Hoheit der Länder liegt, entscheidet jedes Land eigenständig über die Genehmigungs-, Anerkennungs- und Betriebsbedingungen für Schulen in freier Trägerschaft. Die Länder – selbst direkt oder indirekt über kommunale Einrichtungen Betreiber der öffentlichen Schulen – beaufsichtigen somit zugleich ihre private Konkurrenz. Neu gegründete Schulen in freier Trägerschaft werden in den ersten Jahren (in der Regel drei bis vier Jahre) finanziell nicht gefördert. Nur wenige Länder zahlen diese zurückgehaltenen Fördermittel zumindest teilweise im Nachhinein an die Schulen in freier Trägerschaft aus.

Die finanzielle Förderung durch die öffentliche Hand für Lehrkräfte an freien Schulen beträgt einen Teil der Gehälter von Lehrkräften an öffentlichen Schulen (in der Regel zwischen 70 % und 90 %). Die Differenz muss von der Einrichtung selbst erbracht werden, z. B. durch die Erhebung von Schulgeld.

Statistik

Im Schuljahr 2009/10 gab es 5200 Privatschulen in Deutschland. Etwa drei Fünftel (3.196) waren davon Grund- und Sekundarschulen, Förderschulen oder Gymnasien, etwa zwei Fünftel (2.004) berufliche Schulen. Auf die Gesamtzahl der Schulen in Deutschland (43.577) bezogen entspricht dies einem Anteil von 11,9 %. Der Anteil bei den allgemeinbildenden Schulen ist jedoch deutlich niedriger (9,2 %) als bei den beruflichen Schulen (22,4 %). Von den rund 11,7 Millionen Schülern besuchten etwa 945.000 private Schulen. Das entspricht einem Anteil von etwa 8 % an der Gesamtschülerschaft. Der Anteil in den einzelnen Ländern unterscheidet sich sehr stark: Während in Sachsen etwa 13,4 % der Schüler an privaten Schulen lernen, sind es in Schleswig-Holstein nur 3,4 %. Relativ hohe Anteile gibt es mit ca. 10 % in Bayern und ca. 9 % in Thüringen.[8]

Inzwischen werden 3.370 allgemeine und 2.040 berufliche Privatschulen gezählt. 9 % aller Schüler besuchen Privatschulen. Laut Schätzungen wurden etwa 50 Privatschulen von Unternehmen gegründet.[9]

Im Schuljahr 2016/2017 haben in Deutschland 9,0 % aller Schüler eine Privatschule besucht (Westdeutschland ohne Berlin: 8,8 %, Ostdeutschland mit Berlin: 9,9 %). Zu den Charakteristika der Privatschulen zählt ein vergleichsweise geringer Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund: an den privaten Grundschulen betrug der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund im Jahre 2016 28,3 % (an öffentlichen Grundschulen: 38,1 %); an nichtgymnasialen Schulen betrug er im Jahre 2015 19,2 % (an entsprechenden öffentlichen Schulen: 30,3 %) und an Gymnasien 17,7 % (an öffentlichen Gymnasien: 24,2 %).[10]

Schularten

Man unterscheidet Ersatzschulen, die nach ihrem Gesamtzweck auf dieselben Schulabschlüsse hinführen wie die entsprechenden öffentlichen Schulen und an denen man der Schulpflicht genügen kann, und Ergänzungsschulen, die das vorhandene Bildungsangebot beliebig ergänzen. Nach Art. 7 Abs. 4 und 5 GG bedürfen nur Ersatzschulen einer staatlichen Genehmigung.

Ersatzschulen

Wenn Privatschulen anerkannte Abschlüsse (zum Beispiel Abitur, Realschulabschluss, Wirtschaftsschulabschluss) vergeben wollen oder durch ihren Besuch die Schulpflicht erfüllt werden soll, handelt es sich um Ersatzschulen, deren Besuch den Besuch einer entsprechenden öffentlichen Schule ersetzt. Ersatzschulen bedürfen einer eigenen staatlichen Anerkennung oder Genehmigung und sind der staatlichen Aufsicht unterworfen.

Solche Privatschulen erhalten eine staatliche Refinanzierung je nach Landesrecht. Die Pflicht zur Förderung der Privatschulen resultiert aus Art. 7 GG, üblich waren lange Zeit etwa 90 % der Personalkosten, die die Schule als öffentliche Schule erhielte.

Mit Einsparungsbegründungen, oder aber um sich den eigenen Gestaltungsspielraum in der Schulnetzplanung zu erhalten oder zu erweitern, gibt es zuweilen staatliche Bestrebungen, den Schulen in freier Trägerschaft die Zuschüsse zu kürzen.[11][12]

Aus Gründen der Vergleichbarkeit der Abschlüsse sollte die staatliche Kontrolle überall greifen, sie ist allerdings nicht überall gleich stark. So erhielten früher Lehrer an Ersatzschulen nur dann eine Unterrichtsgenehmigung, wenn ihre Ausbildung der Ausbildung vergleichbarer Lehrer an öffentlichen Schulen entsprach. Wegen Lehrermangels werden seit einigen Jahren auch Lehrkräfte ohne entsprechende Ausbildung eingesetzt, sofern dies ebenso an öffentlichen Schulen geschieht. Staatlich anerkannte Ersatzschulen führen in Eigenregie wie öffentliche Schulen die Abschlussprüfungen nach Vorgabe des jeweiligen Kultusministeriums durch, da sie mit der Anerkennung staatliche Hoheitsrechte übertragen bekommen haben. Genehmigte Ersatzschulen, in Nordrhein-Westfalen anerkannte Ergänzungsschulen, besitzen diese Hoheitsrechte nicht, ihre Schüler müssen daher sogenannte Externenprüfungen oder Nichtschülerprüfungen ablegen, um ein entsprechendes staatliches Zeugnis zu erhalten. Mitunter wird bei Prüfungen durch den Staat ein externer Prüfungsausschussvorsitzender, z. B. der für die Schule zuständige Schulrat, bestimmt. Genaue Regelungen treffen die einzelnen Länder.

Ergänzungsschulen

Ergänzungsschulen sind Schulen in freier Trägerschaft, die keine Ersatzschulen sind. Schüler, die eine Ergänzungsschule besuchen, erfüllen in der Regel nicht die umfangreichen Anforderungen der Schulpflicht. In einigen Ländern können Schüler, die eine Ergänzungsschule besuchen, von der Schulpflicht befreit werden. Die Ergänzungsschule kann nach Anzeige bei den Behörden als registrierte Privatschule geführt werden. In einem zweiten Schritt kann der angezeigten Schule unter bestimmten Voraussetzungen die staatliche Anerkennung als Ergänzungsschule erteilt werden.

Ergänzungsschulen können auch neue Bildungsgänge entwickeln und anbieten. So finden sich insbesondere im Bereich der beruflichen Bildung viele Ergänzungsschulen, für die es keine Entsprechungen bei öffentlichen Schulen gibt, z. B. die einjährigen Höheren Berufsfachschulen, Sprachschulen, Schauspielschulen oder Dolmetscherschulen.

Freie Unterrichtseinrichtungen

Freie Unterrichtseinrichtungen sind keine öffentlichen Schulen oder Ersatzschulen, unterliegen aber der Schulaufsicht (vgl. etwa § 119 SchulG NRW).

Finanzierung und steuerliche Berücksichtigung

Privatschulen finanzieren sich überwiegenden Teil aus einem Finanzausgleich für die Ersatzschulen, der je nach Bundesland verschieden hoch ist. In Hamburg, Schleswig-Holstein und Hessen erhalten allgemeinbildende Privatschulen Finanzhilfen in Höhe von 85 % der Schülerkosten öffentlicher Schulen; „rechnet man Gebäudekosten und Rückstellungen ein, heißt es bei der ‚Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen Hamburg‘, sind es sogar nur noch 65 Prozent.“[13] Die Finanzhilfen für private Ersatzschulen liegen bei 90 % bis 100 % der Schülerkosten öffentlicher Schulen. In Baden-Württemberg wurden die Finanzhilfen zum 1. August 2017 auf mindestens 80 % der Schülerkosten öffentlicher Schulen erhöht,[14] so dass sich die verbleibenden Kostenlücken, die mit Schulgeld gedeckt werden dürfen, weiter reduziert haben. An Grundschulen beträgt die Differenz nur noch 86 €.[15] In NRW, wo Finanzhilfen in Höhe von 94 % (für Förderschulen 98 % betragen) und in Rheinland-Pfalz hängen die Finanzhilfen von der Kostenfreiheit des Schulbesuchs ab. Allerdings wird auch dies von den Behörden nicht kontrolliert, wie WDR-Recherchen in NRW ergaben.[16] Als weitere Eigenleistungen, die neben Schulgeld dem privaten Engagement folgen müssen, kommen lt. Bundesverwaltungsgericht[17] beispielsweise Spenden an Schulfördervereinen[18], Zuschüsse finanzstarker Kräfte, die hinter dem Schulträger stehen und die Schule in einem weiteren Sinne tragen, aber auch die Aufnahme von Krediten in Betracht.”

Soweit die Beiträge der Eltern zur Deckung der laufenden Kosten des normalen Schulbetriebs dienen, handelt es sich um Leistungsentgelte, nicht um Spenden. Das gilt auch, wenn die Zahlungen über einen Förderverein an den Schulverein fließen.[19]

Bis 2008 konnten in Deutschland 30 % der Kosten für Privatschulen ohne Begrenzung als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Ab 2009 können weiterhin 30 % der Kosten, höchstens aber 5000 Euro pro Jahr und Kind geltend gemacht werden. Die steuerliche Absetzbarkeit von Betreuungskosten bleibt von der Änderung unberührt.[20]

Laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2009 ca. 6,2 Mrd. Euro für Schülerinnen und Schüler an Schulen in freier Trägerschaft ausgegeben. Ein Großteil der Ausgaben entfiel dabei auf die Vergütung des Personals. Die Ausgaben je Schüler an allgemeinbildenden Schulen in freier Trägerschaft beliefen sich demnach auf 7000 Euro, an beruflichen Schulen in freier Trägerschaft auf 5400 Euro im Jahr 2009. Etwa 15 % der Mittel stammten dabei aus privaten Quellen (Elternbeiträge, Trägermittel, Fördervereine usw.). Der öffentliche Finanzierungsanteil belief sich auf 84 % (allgemeinbildende Schulen), wovon 78 % die Länder, 4 % die Gemeinden und 2 % der Bund zur Verfügung stellten.[21]

Die Differenzen zwischen den von der öffentlichen Hand bereitgestellten schulartenspezifischen Förderbeträgen je Schüler im Vergleich zu den Ausgaben der Schüler einer entsprechenden öffentlichen Schule sind, sind unterschiedlich. Die über alle Schulformen gemittelte Differenz zwischen beiden Positionen betrugen 2011 zwischen 493 Euro pro Schüler in Brandenburg und 2949 Euro pro Schüler in Baden-Württemberg. Durch die Förderung der Privatschulen mit hohen Finanzhilfen kann sich der Staat von seinen Verpflichtung für das öffentliche Schulwesen zu sorgen, entlasten.[22] In 2011 haben sich die Bundesländer damit um rund 1,2 Milliarden Euro entlastet.[23]

Zuletzt haben sich die Förderbeiträge in Baden-Württemberg auf 80 % erhöht.

Grundsätzlich ist der Staat laut Rechtsprechung der Bundesverfassungsrichter nur verpflichtet, das Existenzminimum der Institution Ersatzschule zu sichern. Dies wäre mit dem Überleben einer einzigen Privatschule gewährleistet.[24]

Verbände

Der Verband Deutscher Privatschulverbände (VDP) vertritt laut eigenen Angaben „freie Bildungseinrichtungen der Allgemein- und Berufsbildung, des Arbeitsmarktdienstleistungsbereichs, der Erwachsenenbildung und des tertiären Bereichs.“[25] Zusammen mit den beiden konfessionellen Privatschulverbänden, dem Bund der Freien Waldorfschulen und der Internate Vereinigung bildet der VDP die Arbeitsgemeinschaft Freier Schulen (AGFS).[26] Da Schulen in Deutschland Ländersache sind, agieren sie vor allem auf Landesebene.

„Durch diese sind in der AGFS ca. 3.160 Schulen mit etwa 771.000 Schülerinnen und Schülern organisiert. Darunter an katholischen Schulen: 368.000 Schülerinnen und Schüler, an evangelischen Schulen: 148.000, an Schulen im VDP Verband Deutscher Privatschulverbände e. V.: 168.000, an Waldorfschulen: 81.000, an Landerziehungsheimen: 6.000. über den VDP gehören zu der Arbeitsgemeinschaft freier Schulen auch die 45 Schulen des Bundesverbands der Freien Alternativschulen. Damit repräsentiert die Arbeitsgemeinschaft freier Schulen fast alle allgemein bildenden Schulen in freier Trägerschaft in Deutschland sowie einen Großteil der berufsbildenden Schulen und Bildungseinrichtungen in freier Trägerschaft.“[27]

Sonstiges

Laut VDP besuchen von gut 11 Millionen Schülern in Deutschland ein Zwölftel eine freie Schule.
Bildungsfachleute sind sich nicht einig, ob Privatschulen für die Gesellschaft mehr Vor- oder mehr Nachteile haben. Befürworter meinen, sie befriedigten besser die Bedürfnisse von Schülern und Eltern und gäben dem Bildungssystem positive Impulse. Kritiker meinen, sie spalteten die Gesellschaft.[28]

Österreich

Privatschulgesetz

Privatschulen sind in Österreich nach dem Privatschulgesetz (PrivSchG) geregelt. Die grundsätzlichen Regeln gehen auf das Provisorische Gesetz über den Privatunterricht vom 27. Juni 1850[29][30] zurück.

„Privatschulen sind Schulen, die von anderen als den gesetzlichen Schulerhaltern errichtet und erhalten werden.“

– § 2 Begriffsbestimmungen PrivSchG, nach Art. 14 Abs. 6 und 7 des Bundes-Verfassungsgesetzes

Aus dem Namen der Schule muss der Schulerhalter erkennbar sein, dieser darf nicht zur Verwechslung mit der Schulart einer öffentlichen Schule führen. Die Führung einer gesetzlich geregelten Schulartbezeichnung ist nur mit Bewilligung der zuständigen Schulbehörde zulässig und an gewisse Voraussetzungen bezüglich Lehrplan, Ausstattung, Schulbücher und Lehrbefähigung gebunden.

Privatschulen gehören einem der folgenden Typen an:

Die Privatschule ohne Öffentlichkeitsrecht erfordert eine Externisten-Prüfung, um ein anerkanntes Zeugnis zu erhalten.
Die Privatschule mit Öffentlichkeitsrecht, welches erteilt werden kann, wenn
sie in Typus und Erfolg einer öffentlich-rechtlichen Schule entspricht,
sie mit einem vom Unterrichtsminister erlassenen oder genehmigten Organisationsstatut übereinstimmt (Statutschule mit Öffentlichkeitsrecht) und sich hinsichtlich ihrer Unterrichtserfolge bewährt hat. Darunter fallen beispielsweise einige Waldorfschulen, Montessorischulen und Internationale Schulen.

Privatschulen können von der öffentlichen Hand subventioniert werden, Privatschulen von gesetzlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften im Allgemeinen immer (§ 17 PrivSchG Subventionierung konfessioneller Privatschulen–Anspruchsberechtigung), was nicht dem Konkordat in Bezug auf Religionsunterricht widerspricht, andere Schultypen unter anderem aber unter der Voraussetzung, dass sie im Sprengel einem Bedarf der Bevölkerung entsprechen, also nicht einer öffentlichen Schule den Einzug mindern (§ 21 PrivSchG Subventionierung von Privatschulen–Voraussetzungen).

Im Schuljahr 2010/11 besuchten ca. 10 % der Schüler eine Privatschule. Den höchsten Anteil von 31,8 % gab es bei berufsbildenden mittleren Schulen, bei AHS waren es 15,8 %, bei berufsbildenden höheren Schulen 12,2 % und im Pflichtschulbereich (Volks-, Haupt-, Sonder- und Polytechnische Schulen) 10,1 %. Der weitaus wichtigste freie Schulträger ist die römisch-katholische Kirche in Österreich, deren Einrichtungen 53,2 % aller Privatschüler besuchen.[31] Dazu gehören beispielsweise aber auch ausländische, in Österreich nicht etablierte Schulformen für Diplomatenkinder.

Schulen im Sinne dieses Gesetzes sind „Einrichtungen, in denen eine Mehrzahl von Schülern gemeinsam nach einem festen Lehrplan unterrichtet wird“ (§ 2 Z.1). Private Schulen, die diesem Profil nicht entsprechen, fallen nicht unter das Privatschulgesetz, sind also keine „Schulen“ im Sinne des Gesetzgebers. Da es in Österreich aber keine Schulpflicht, sondern nur eine Unterrichtspflicht gibt, ist die Anerkennung des Bildungsorts als Schule keine zwingende Voraussetzung: Diese Bildungsformen fallen unter Hausunterricht. Hierbei muss nur ein Nachweis über die Unterrichtung an sich und die Erfüllung der grundlegenden allgemeinen Lehrinhalte geführt werden.

Darüber hinaus gibt es private nichtschulische Bildungseinrichtungen, die § 2 Abs. 1 des Schulorganisationsgesetzes entsprechen und sich seit 2006 nach dem Niederlassungs- und Aufenthaltsgesetz vom Innenministerium zertifizieren lassen können, was bei der Erlangung eines Aufenthaltsstatus für ihre Schüler aus Drittstaaten behilflich ist. Diese Einrichtungen sind verpflichtet, über Personen Meldung zu erstatten, wenn die Ausbildung abgeschlossen ist oder die Fortsetzung der Ausbildung nicht zu erwarten ist.[32] Die zertifizierten Bildungseinrichtungen werden im Internet veröffentlicht.[33] Darunter sind Einrichtungen wie das Österreichische Studienzentrum für Frieden und Konfliktlösung, die Ballettschule Wiener Staatsoper oder die Aviation Academy Austria der Österreichischen Luftfahrttraining GmbH.

Großbritannien

7 % der britischen Schulkinder gehen in Public Schools, deren Kosten mitunter höher sind als ein durchschnittliches Jahresgehalt. Die Bezeichnung Public School geht auf Stipendien zurück, die ein hoher Prozentsatz der Schüler bezieht und die anders als früher ganz überwiegend die akademische Leistung würdigen. Überhaupt zählt diese heute am meisten; im 18. und 19. Jahrhundert hatten Adelige ihre Kinder in Public Schools geschickt unter der Prämisse, dass diese es nie nötig haben sollten, selbst etwas zu verdienen. Im 19. Jahrhundert wies der Lehrplan von Eton College etwa die Fächer alte Sprachen (Latein und Griechisch), Mathematik und neue Sprachen im Verhältnis 15:3:1 auf.[34]

Schweiz

In der Schweiz sind die häufigsten Privatschulen Steiner-Schulen. Weiterhin gibt es Bildungseinrichtungen, in denen Menschen ihre Matura nachholen oder sich auf eine bestimmte Eintrittsprüfung vorbereiten können.

Grundsätzlich kann jede Person in der Schweiz eine Privatschule eröffnen. Qualitätsstandards und andere Vorschriften gibt es keine, solange die Schule keine staatlichen Gelder erhält und auch keine Kinder innerhalb der obligatorischen Schulzeit unterrichtet. Die Interessen der schweizerischen Privatschulen, die sich teilweise auf eine internationale Klientel stützen, werden durch deren Verband VSP wahrgenommen. Im VSP sind praktisch alle bekannten Schweizer Privatschulen Mitglied.

USA

Siehe auch: Bildungssystem in den Vereinigten Staaten

Frühe amerikanische Eliteinternate waren puritanisch und antienglisch orientiert. Hierzu gehörten die sogenannten Akademien, namentlich Andover, Exeter, Deerfield und Milton, die bereits im 18. Jahrhundert gegründet worden waren.[35]

Innerhalb der Independent School League werden in Neuengland renommierte Knabenschulen aus dem mittleren bis späten 19. Jahrhundert zusammengefasst. Dem Bekenntnis nach zumeist der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten von Amerika zugeneigt, kamen die Schüler vor allem aus reichen Familien. Die Schulen orientieren sich am Vorbild bekannter englischer Public Schools wie Eton College oder Harrow School.[35]

Siehe auch

Private Hochschule

Literatur

Hermann Avenarius, Bodo Pieroth, Tristan Barczak: Die Herausforderung des öffentlichen Schulwesens durch private Schulen – eine Kontroverse. Die Freien Schulen in der Standortkonkurrenz. Nomos, Baden-Baden 2012.
Christian Füller: Ausweg Privatschulen? Was sie besser können, woran sie scheitern. Edition Körber-Stiftung, Hamburg 2010
Matthias Hofmann: Alternativschulen – Alternativen zur Schule. Klemm u. Oelschläger, Ulm 2015, ISBN 978-3-86281-086-4.
Matthias Hofmann: Geschichte und Gegenwart freier Alternativschulen. Eine Einführung. Klemm u. Oelschläger, Ulm 2015, ISBN 978-3-86281-057-4.
Reiner Tillmanns: Die Freiheit der Privatschulen nach dem Grundgesetz. In: Heft 62 der Gelben Reihe Pädagogik und freie Schule, Köln 2006
Zeitschrift für Pädagogik, Heft 5, September/Oktober 2009: Thementeil: Privatschulen
Recht der Jugend und des Bildungswesens (RdJB), 3/2009, Schwerpunkt: Aufsätze zu Fragen des Privatschulrechts

Weblinks

 Wiktionary: Privatschule – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
BundesArbeitsGemeinschaft Freier Schulen (AGFS) – mit Links zu den fünf Mitgliedern, den Privatschulverbänden AKS, AKES, BFW, VDP und LEH
Bundesverband der Freien Alternativschulen (BFAS) (nicht Mitglied in der AGFS)

Einzelnachweise

↑ Gundel Schümer, Manfred Weiß: Bildungsökonomie und Qualität der Schulbildung – Kommentar zur bildungsökonomischen Auswertung von Daten aus internationalen Schulleistungsstudien. (PDF; 904 kB) In: gew.de

↑ Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.): Studie: Privatschulen nicht besser als öffentliche. (fes.de [abgerufen am 9. Juni 2018]). 

↑ Robert Renner: VDP – Verband Deutscher Privatschulverbände e. V. – Anzahl der Privatschulen weiter gestiegen. Abgerufen am 27. Mai 2018 (deutsch). 

↑ Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: PISA 2006 – Schulleistungen im internationalen Vergleich – Naturwissenschaftliche Kompetenzen für die Welt von Morgen. 2007. Bertelsmann Verlag, S. 269

↑ Arnold Köpcke-Duttler: Stellung von Schulen in freier Trägerschaft. (PDF; 39 kB) u. a. zum Begriff „Privatschule“

↑ Christian Füller: Schulen müssen frei arbeiten. In: taz.de – Interview mit Kurt Wilhelmi von der Berliner Volksinitiative Schule in Freiheit

Genehmigung von Privatschulen: Bundesländer missachten Grundgesetz. WZB, 27. Mai 2018, abgerufen am 27. Mai 2018. 

↑ Bundesamt für Statistik: Private Schulen (Fachserie 11 Reihe 1.1). Archiviert vom Original am 11. Juni 2011; abgerufen am 2. September 2015 (Angaben über Schulen, Klassen, Schüler, Absolventen/Abgänger und Lehrkräfte an privaten Schulen des Bundesamtes für Statistik Schuljahr 2009/2010). 

↑ Stefani Hergert: Die Unternehmer-Schulen. In: Handelsblatt. 9. April 2013, ISSN 0017-7296, S. 25. 

↑ Martin Spiewak: Goldene Zeiten bei den Privaten. In: Die Zeit, Nr. 12/2018

Zeugnis fehlenden Instinkts – Sachsens Kultusminister hat den Freien Schulen einen Krieg erklärt, den er nur verlieren kann. In: Die Zeit, Nr. 44/2010

↑ Damit’s bunt bleibt. „Ja“ zu Freien Schulen! (Memento vom 3. September 2010 im Internet Archive) In: ja-zu-freien-schulen.de – Protestaktion 2010 in Sachsen unter Federführung der Schulstiftung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens

↑ Felix Neumann: Schuldzuweisungen reichen nicht. In: katholisch.de. 4. Juli 2018, abgerufen am 5. Juli 2018. 

Gesetzntwurf zur Änderung des Privatschulgesetzes und anderer Vorschriften. (PDF, 242 kB) In: Beteiligungsportal Baden-Württemberg.de. 19. Mai 2017, S. 5, abgerufen am 27. Mai 2018. 

Gesetzentwurf der Landesregierung: Gesetz zur Änderung des Privatschulgesetzes und dessen Vollzugsverordnung, Drucksache 16 / 2333. (PDF, 178 kB) Landtag von Baden-Württemberg, 11. Juli 2017, S. 15, abgerufen am 27. Mai 2018. 

↑ Torsten Reschke: Privatschulen: Wie freiwillig sind Elternbeiträge wirklich? In: Westpol. 10. September 2017, archiviert vom Original am 12. Juni 2018; abgerufen am 27. Mai 2018. 

BVerwG 6 C 18.10, Urteil vom 14. Dezember 2011. Bundesverwaltungsgericht, abgerufen am 27. Mai 2018. 

Abschnitt „Wie finanzieren sich Privatschulen?“ Verband Deutscher Privatschulverbände e. V., abgerufen am 2. März 2009. 

↑ BFH, Beschluss vom 20. Juli 2006. Az. XI B 51/05, Volltext.

↑ Barbara Brandstetter: Wie sich der Staat am Schulgeld beteiligt. In: Welt Online. 13. Februar 2009, abgerufen am 2. März 2009. 
Steuererklärung: das Wichtigste in Kürze. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Mindener Tageblatt. 28. Januar 2009, ehemals im Original; abgerufen am 2. März 2009.@1@2Vorlage:Toter Link/www.mt-online.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven)  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. 

Finanzen der Schulen – Schulen in freier Trägerschaft und Schulen des Gesundheitswesens. (PDF) Statistisches Bundesamt, 14. Juni 2012, abgerufen am 1. Juli 2012. 

↑ Theodor Heuss: Beschluss Privatschulfinanzierung I, Bundesverfassungsgericht 75, 40. 8. April 1987, abgerufen am 27. Mai 2018: „Im Urteil genanntes Zitat des Abgeordneten Th. Heuss, zum GG Art. 7 IV 1: „Um der Sorge vorzubeugen, daß in irgendeinem Land das Staatsmonopol ausgesprochen werden soll, habe ich die Hinzufügung des Satzes beantragt: das Recht zur Errichtung der Privatschulen werde gewährleistet. Dabei möchte ich um Gottes willen nicht in Verlegenheit kommen, irgendwie mit dem Vorschlag, den der Kollege Dr. Seebohm seinerzeit gemacht hat, in Berührung gebracht zu werden, daß der Staat für diese Privatschulen so viel Kosten bezahlen muß, als ihm auf die einzelnen Schüler berechnet abgenommen wird. Denn das wäre geradezu eine Prämiierung für solche Schulen, würde ihnen ihren Leistungscharakter der Freiwilligkeit nehmen und den Staat gleichzeitig von seiner verdammten Pflicht, für das Bildungswesen der Deutschen nach bestem Gewissen zu sorgen, allzusehr entlasten.““ 

↑ Helmut E. Klein: Privatschulfinanzierung im Kalkül staatlicher Unterfinanzierung und der Wettbewerbsbeschränkung. (PDF, 425 kB) Institut der deutschen Wirtschaft, Juni 2011, archiviert vom Original am 1. September 2014; abgerufen am 5. Juli 2018. 

↑ Bundesverfassungsgericht, 1. Senat: Bundesverfassungsgericht – Entscheidungen – Zur Zulässigkeit von Landeskinderklauseln in Privatschulgesetzen der Länder sowie zum Umfang der staatlichen Pflicht, private Ersatzschulen finanziell zu fördern (Fortführung von BVerfGE 75, 40 und BVerfGE 90, 107) - § 17 Abs 4 S 1 PrSchulG BR idF vom 19. Dezember 1989 sowohl mit Art 7 Abs 4 GG als auch mit Art 3 Abs 1 GG vereinbar. 23. November 2004, abgerufen am 27. Mai 2018. 

↑ privatschulen.de

↑ BundesArbeitsGemeinschaft Freier Schulen

↑ agfs.org (abgerufen 24. Juni 2013)

Privatschulen sind Fluch und Segen für das Bildungssystem. In: FAZ.net, 24. Juni 2013.

↑ RGBl. 309/1850: Kaiserliche Verordnung vom 27. Juni 1850, wirksam für sämmtliche Kronländer der Monarchie, wodurch ein provisorisches Gesetz über den Privatunterricht erlassen und vom Tage seiner Kundmachung angefangen in Wirksamkeit gesetzt wird. In: Allgemeines Reichs-Gesetz- und Regierungsblatt für das Kaiserthum Österreich, 101. Stück, Ausgegeben und versendet am 3. August 1850, S. 1271 (Online bei ALEX – Historische Rechts- und Gesetzestexte Online)

↑ Leo von Thun und Hohenstein: Vortrag des Ministers des Cultus und Unterrichtes, betreffend das provisorische Gesetz über den Privatunterricht. In: J. G. Seidl, H. Bonitz, J. Mozart (Hrsg.): Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien. Band 1. Carl Gerold, Wien 1850, S. 534 (Scan in der Google-Buchsuche [abgerufen am 20. März 2013] Vortrag vom 6. Juni 1850). 

Privatschule als Ausweg aus dem Reformstau. Abgerufen am 15. Mai 2015. 

↑ Tuma: Zertifizierung von nichtschulischen Bildungseinrichtungen (PDF; 30 kB), 4. Jänner 2006, Bundesministerium für Inneres

↑ bmi.gv.at

Privatschulen in England. In: FAZ, 27. Juni 2009, S. Z1,2.

↑ a b Cookson, Persell: Preparing for Power: America’s Elite Boarding Schools (Basic Books, 1985).

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4130059-2 (OGND, AKS)

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GmbH Gesellschaftszweck / Unternehmensgegenstand: Kommunikationstechnik Ausbildung, Berufsbild und weiterführende Links Navigationsmenü aus Wiesbaden

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Dieser Artikel behandelt den Begriff aus der Technik. Zu der linguistischen Bedeutung siehe Kommunikationsmodell.

Als Kommunikationstechnik bezeichnet man zusammenfassend Techniken für die technisch gestützte Kommunikation. Kommunikationstechnologie ist das Wissen beziehungsweise die Lehre der Kommunikationstechnik. Für die Telekommunikation, z. B. Mobilkommunikation, Satellitenkommunikation und Fernsprechen sind dies die Nachrichtentechnik, Funktechnik, Vermittlungstechnik, Übertragungstechnik, Hochfrequenztechnik, Mikroelektronik, Technische Informatik und Drucktechnik.

Teilweise werden auch Kommunikationsnetze der Kommunikationstechnik zugerechnet. Wegen der fließenden Abgrenzung der Techniken untereinander und auch zur Informationstechnik werden sie oft zusammengefasst unter dem Oberbegriff Informations- und Kommunikationstechnik (kurz „IuK-Technik“ oder „IKT“).

Ausbildung, Berufsbild und weiterführende Links

Einige Fachhochschulen bieten Studiengänge wie Medien- und Kommunikationstechnik (bzw. Medien- und Kommunikationstechnologie) an.

Einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen auf diesen Gebieten bietet die Webseite der Informationstechnischen Gesellschaft im Verband der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik (VDE), die sich in neun Fachgruppen mit dem Thema befasst.

Literatur

Martin Meyer: Kommunikationstechnik. Konzepte der modernen Nachrichtenübertragung. 2. Auflage. Friedrich Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft, Wiesbaden 2002, ISBN 3-528-13865-3.
Lutz J. Heinrich, Franz Lehner, Friedrich Roithmayr: Informations- und Kommunikationstechnik. Für Betriebswirte und Wirtschaftsinformatiker. 4., verbesserte Auflage. R. Oldenbourg Verlag, München 1994, ISBN 3-486-22830-7.
Karl Steinbuch: Kommunikationstechnik. Springer Verlag, Berlin/ Heidelberg 1977, ISBN 3-540-07972-6.
Hermann Weidenfeller: Grundlagen der Kommunikationstechnik. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2002, ISBN 3-519-06265-8.
Fritz Krückeberg, Otto Spaniol: Lexikon Informatik und Kommunikationstechnik. Springer Verlag, Berlin/ Heidelberg 1990, ISBN 3-662-30400-7.

Weblinks

Technische Informatik und Kommunikationstechnik Bachelor of Engineering (B.Eng) (abgerufen am 4. August 2017)
Grundzüge der Kommunikationstechnik (abgerufen am 4. August 2017)
Kommunikationstechnik Bachelor-Studiengang Telematik (abgerufen am 4. August 2017)

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GmbH Gesellschaftszweck / Unternehmensgegenstand: Informationstechnologie Bedeutung Wachstum der weltweiten Kapazität der Informationstechnik Gebiete Lehrberuf in Österreich Navigationsmenü aus Koblenz

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Informationstechnik (kurz IT, häufig englische Aussprache [.mw-parser-output .IPA a{text-decoration:none}aɪ tiː]) ist ein Oberbegriff für die Informations- und Datenverarbeitung auf Basis dafür bereitgestellter technischer Services und Funktionen. Diese werden auf einer dahinterliegenden technischen IT-Infrastruktur bereitgestellt. Es spielt dabei keine Rolle, ob die Services- und Funktionen als auch die technische IT-Infrastruktur physisch vor Ort oder virtuell oder über Netzwerke bereitgestellt werden. (Informationstechnisches System).

Eigentlich versteht man unter dem Begriff speziell elektronische Informationstechnik (EIT), zur Informationstechnik gehören auch nicht-elektronische Systeme (wie die anfangs rein elektrische Telefonie und Telegraphie). Der eigentliche Fachbegriff ist aber (elektronische) Informations- und Datenverarbeitung (EID), der die anfangs getrennten Technologien der Kommunikationsmedien (‚Information‘ im ursprünglichen Sinne der Mitteilung) und der Datenverarbeitung im engeren Sinne (von Akten, Zahlenreihen und ähnlichem, EDV) zusammenfasst. Da die beiden Begriffe Information und Daten heute in der Praxis inhaltlich weitgehend verschmolzen sind, wie auch Technik und Verarbeitung nicht zu trennen sind, wird der Ausdruck „IT“ für den gesamten technologischen Sektor verwendet.

Die Ausdrücke Informationstechnik und Informationstechnologie können – im nichtwissenschaftlichen Bereich – als synonym angesehen werden: Unter „Technik“ versteht man üblicherweise allenfalls speziell die konkrete praktische Umsetzung (Anwendung), unter „Technologie“ die Forschung und Entwicklung und die theoretischen Grundlagen. In dem hochinnovativen Sektor wie auch bei Software ist das kaum trennbar.

Als zeitgemäße Veranschaulichung zur Einordnung der IT in übergeordnete Systeme eignet sich eine Betrachtung im 3-Ebenen-Modell. Sie zeigt verbundene technische Systeme und deren Nutzen für einzelne User oder für Prozesse in Organisationen:[1]

Übersicht der Prozesse der Informationsverarbeitung und der Informationstechnik in einem schematisch vereinfachten 3-Ebenen-Modell der IT
IT-User und IT-basierte Organisationsprozesse
IT-Funktionen: Services und Applikationen / Portale und Betriebssysteme
IT-Infrastruktur(en) als technische Basis

Eine andere Sicht auf die IT, die Sicht der durch die IT angebotenen Dienste, bietet das Konzept SOA (Serviceorientierte Architektur).

Inhaltsverzeichnis

1 Bedeutung
2 Wachstum der weltweiten Kapazität der Informationstechnik
3 Gebiete
4 Lehrberuf in Österreich
5 Literatur
6 Weblinks
7 Quellen

Bedeutung

Die Informationstechnik stellt ein Bindeglied zwischen der klassischen Elektrotechnik und der Informatik dar. Das wird z. B. dadurch ersichtlich, dass sich viele elektrotechnische Fakultäten von Hochschulen und Abteilungen höherer Schulen (z. B. Höhere Technische Lehranstalten, HTLs) in „Informationstechnik“ oder zumindest in „Elektrotechnik und Informationstechnik“ bzw. „Informationstechnologie“ umbenennen.

Der Informationstechnik nahe ist die Technische Informatik, die sich unter anderem mit Schaltnetzen und -werken sowie dem Aufbau und der Organisation von Computern beschäftigt. Aber auch die (Hardware-)Aspekte der Ausgabe- und Eingabegeräte, also klassische und zukünftige Mensch-Maschine-Schnittstellen (Human-Computer Interfaces), gehören in diesen Bereich.

Digitale Signalverarbeitung und Kommunikationstechnik sind wiederum Grundlage für Rechnernetze. Das Zusammenwachsen von Informationstechnik, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik wird daher auch oft als Informations- und Kommunikationstechnik (IuK) oder Informations- und Telekommunikationstechnik (ITK) bezeichnet.

Entwicklungen der IT haben in den letzten Jahrzehnten viele Lebensbereiche verändert, so neben der Wirtschaft auch die Wissenschaft. Hierbei ist auch die Erforschung und Entwicklung der Mensch-Computer-Interaktion zunehmend relevant geworden.

Wachstum der weltweiten Kapazität der Informationstechnik

Das Wachstum der globalen Kapazität der Digitaltechnik wurde in drei unterscheidbaren Gruppen quantifiziert:

Die wachsende Kapazität, Information durch den Raum zu übertragen (Kommunikation);
die Kapazität, Information durch die Zeit zu übermitteln (Speicherung); und
die Kapazität, mit Information zu rechnen (Informatik):[2]
Die effektive Kapazität der Weltinformationen durch das (bidirektionale) Telekommunikationsnetz betrug 280 (optimal komprimierte) Petabyte 1986, und 20 % davon wurden in digitalen Netzwerken übertragen. Im Jahr 2007 wuchs diese weltweite Kapazität auf 65 (optimal komprimierte) Exabyte, wobei 99,9 % der übermittelten Information in digitalen Bits übertragen wurden. Dies ist eine jährliche Wachstumsrate von 30 % und fünfmal so schnell wie das weltweite Wirtschaftswachstum.[3]
Die globale technologische Kapazität, Informationen zu speichern, ist von 2,6 (optimal komprimierten) Exabyte im Jahr 1986 auf 300 (optimal komprimierten) Exabyte im Jahr 2007 gewachsen, wobei 1986 weniger als 1 % der globalen Speicherkapazität digital war, und 2007 fast 95 %.[3] Dies ist das informationale Äquivalent von 404 Milliarden CD-ROMs für 2007. Es wird angenommen, dass es der Menschheit 2002 erstmals möglich war, mehr Information digital als im Analogformat zu speichern; quasi der Beginn des „digitalen Zeitalters“.[2]
Die technologische Kapazität der Welt, Informationen mit digitalen Mehrzweck-Computern zu berechnen, ist von 3,0 × 108 MIPS im Jahr 1986 bis zu 6,4 × 1012 MIPS im Jahr 2007 gewachsen,[3] was einer jährlichen Wachstumsrate von 60 % entspricht, also zehnmal schneller als das globale Wirtschaftswachstum.

Gebiete

Vier Teilgebiete werden heute teils unterschieden:

Business-IT beinhaltet die IT von Handel, Börse, Versicherungen, Banken und Steuerwesen.
Industrielle IT befasst sich mit der Vernetzung der Maschinen in Herstellungs- und Produktionsprozessen innerhalb eines Werkes, zunehmend aber auch über die Werk- und Firmengrenzen hinweg (Supply Chain). Neuerdings wird die Industrielle IT direkt an die Geschäftsprozesse angebunden. So entstehen etwa Schnittstellen zwischen den Bussystemen, die die Maschinen steuern, und den Ressourcen-Planungs-Systemen (ERP-Software).

„Eine gebräuchliche Bezeichnung im Einsatzgebiet industrieller IT ist der Fachbegriff Operational Technology (OT),[4] der versucht, alle interagierende Komponenten in komplexen und abhängigen Systemen zu beschreiben. Diese Komponenten werden meist über SCADA-Systeme hochintegriert gesteuert und überwacht.“

Kommunikations-IT befasst sich mit dem Einsatz der Telekommunikation.
Unterhaltungs-IT befasst sich mit Spielgeräten und Multimedia-Anwendungen.

Lehrberuf in Österreich

In Österreich ist Informationstechnologie auch ein anerkannter Lehrberuf. Die Ausbildung spaltet sich dabei schon zu Beginn an in die zwei getrennten Bereiche Informatik und Technik, die Lehrzeit bleibt mit 3,5 Jahren jedoch gleich. Während das Hauptaugenmerk der Informatik-Ausbildung mehr um die Programmierung und Anpassung von Software kreist, ist die Technik-Ausbildung mehrheitlich Hardware-spezifisch.

Literatur

Siegfried Wendt: Nichtphysikalische Grundlagen der Informationstechnik. Interpretierte Formalismen. Springer, Berlin 1989, ISBN 978-3-540-51555-5. 
Horst Jansen, Heinrich Rötter: Informationstechnik und Telekommunikationstechnik (Lernmaterialien). Europa-Lehrmittel, Haan 2003, ISBN 3-8085-3623-3. 
Andreas Holzinger: Basiswissen IT/Informatik. Band 1: Informationstechnik (Das Basiswissen für die Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts). Vogel, Würzburg 2002, ISBN 3-8023-1897-8. 
Klaus Gotthardt: Grundlagen der Informationstechnik. Lit-Verlag, Münster 2001, ISBN 3-8258-5556-2. 
Walter Hehl: Trends in der Informationstechnologie. Von der Nanotechnologie zu virtuellen Welten. vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich, Zürich 2008, ISBN 978-3-7281-3174-4. 
Horst Völz: Das ist Information. Shaker Verlag, Aachen 2017, ISBN 978-3-8440-5587-0.
Horst Völz: Wie wir wissend wurden. Nicht Alles ist Information. Shaker Verlag, Aachen 2018, ISBN 978-3-8440-5865-9.
Wörterbücher
Dietmar Schanner: Wörterbuch Informationstechnik und Medien. Cornelsen, Berlin 2001, ISBN 3-464-49417-9. 

Weblinks

 Wiktionary: Informationstechnik – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wikibooks: EDV – Lern- und Lehrmaterialien
Literatur über Informationstechnik im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
Sascha Kersken: Kompendium der Informationstechnik – Openbook: EDV-Grundlagen, Programmierung, Mediengestaltung
plato.stanford.edu Phenomenological Approaches to Ethics and Information Technology Eintrag in Edward N. Zalta (Hrsg.): Stanford Encyclopedia of Philosophy.Vorlage:SEP/Wartung/Parameter 1 und weder Parameter 2 noch Parameter 3
Berufs- und Brancheninfos, Zweig Informatik der Wirtschaftskammer Österreich
Berufs- und Brancheninfos, Zweig Technik der Wirtschaftskammer Österreich
Berufsbeschreibung BIC, Zweig Informatik
Berufsbeschreibung BIC, Zweig Technik

Quellen

↑ Institut für Interne Revision Österreich – IIA Austria (Hrsg.): Informationssicherheitsmanagementsystem. Damoklesschwert Daten-GAU – Systematische Prüfung und wirksame Prävention. Linde Verlag, Wien 2016, ISBN 978-3-7094-0850-6, Rahmenkonzepte und Prüfansätze, S. 141, S. 29. 

↑ a b „Video Animation über The World’s Technological Capacity to Store, Communicate, and Compute Information from 1986 to 2010“ (Memento des Originals vom 18. Januar 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/ideas.economist.com

↑ a b c The World’s Technological Capacity to Store, Communicate, and Compute Information, Martin Hilbert and Priscila López (2011), Science, 332(6025), 60–65; kostenfreien Zugriff auf den Artikel gibt es durch diese Seite: martinhilbert.net/WorldInfoCapacity.html

↑ Operational Technology gartner.com

Normdaten (Sachbegriff): GND: 4026926-7 (OGND, AKS)

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GmbH Gesellschaftszweck / Unternehmensgegenstand: Fahrzeugindustrie Geschichte und Bedeutung Statistiken weltweit Statistiken nach Ländern Kritik von Umweltverbänden Umbrüche Navigationsmenü aus Karlsruhe

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Entwicklung der weltweiten Jährlichen Automobilproduktion von 9500 Stück im Jahr 1900 auf heute nahezu 100 Millionen, das Zehntausendfache; die Weltkriegsjahre sind schwarz, Jahre weltweiter Wirtschaftskrisen grün gefärbt, 2014 und 2015 sind geschätzt. (→Tabelle). Zu beachten: logarithmische Darstellung!

Die Automobilindustrie ist ein Industriezweig, der sich der Massenproduktion von Automobilen (Automobilfertigung) und anderen Kraftfahrzeugen widmet. Sie entstand nach der Erfindung des Automobils 1885 durch Carl Benz gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

Nach der Jahrhundertwende erlebte sie durch die von Ransom Eli Olds und vor allem von Henry Ford entwickelte Massenproduktion von Kraftfahrzeugen einen bedeutenden Aufschwung, der insgesamt, wenn auch schwächer werdend, bis heute anhält – unterbrochen vor allem durch die beiden Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre sowie in geringerem Maße die Ölkrisen der 1970er-Jahre und die Finanzkrise ab 2007.

1950 wurden erstmals mehr als 10 Millionen Fahrzeuge produziert, mehr als das Tausendfache von 1900. Seitdem stellt die Automobilindustrie in vielen Industrieländern wie den Vereinigten Staaten, Japan, Deutschland und Südkorea einen der bedeutendsten Industriezweige dar. In einem der nächsten Jahre wird das Überschreiten der 100-Millionen-Grenze erwartet.

In der Europäischen Union (EU-25) erwirtschaftete die Automobilindustrie im Jahr 2001 einen Umsatz von 643,550 Milliarden Euro, davon allein 264,525 Milliarden Euro oder 41,1 Prozent in Deutschland. Dafür beschäftigte sie rund 2.168.400 Mitarbeiter, darunter 863.201 oder 39,8 Prozent in Deutschland.[1]

Inhaltsverzeichnis

1 Geschichte und Bedeutung

1.1 Bedeutende Marken

1.1.1 Marken von Nutzfahrzeugherstellern, die keine Pkw-Marke sind

2 Statistiken weltweit

2.1 Die weltgrößten Autohersteller nach Stückzahl und Umsatz
2.2 Wert der Automobilmarken 2010
2.3 Fahrzeugneuzulassungen

3 Statistiken nach Ländern

3.1 Beschäftigte in der Automobilindustrie in der EU
3.2 Autoindustrie in Deutschland
3.3 Autoindustrie in Japan
3.4 Autoindustrie in Österreich
3.5 Autoindustrie in Polen 2009
3.6 Autoindustrie in der Schweiz
3.7 Autoindustrie in der Slowakei
3.8 Autoindustrie in Südkorea
3.9 Autoindustrie in den USA

4 Kritik von Umweltverbänden
5 Umbrüche
6 Siehe auch
7 Literatur
8 Weblinks
9 Einzelnachweise

Geschichte und Bedeutung

Kaum ein anderes industrielles Massenprodukt veränderte den Alltag der Menschheit mehr als das Automobil. Seit dessen Erfindung gab es mehr als 2.500 Unternehmen, die Automobile herstellten. Viele davon, die im 19. Jahrhundert Eisenwaren oder Stahl produzierten, begannen Mitte des Jahrhunderts mit der Produktion von Waffen oder Fahrrädern und entwickelten dadurch die nötigen Kenntnisse, die Jahrzehnte später im Automobilbau benötigt wurden.

Nicht alle entwickelten sich zu großen Massenherstellern und zahlreiche verschwanden früher oder später wieder vom Markt. Dennoch kam und kommt es auch heute noch zu Neugründungen von Automobilherstellern. Diese erfolgen in unterschiedlichsten Marktsegmenten, doch in der Regel mit dem Ziel vergleichsweise geringer Stückzahlen für eine Marktnische, zum Beispiel Spezialfahrzeuge, exklusive Sportwagen oder Leichtelektromobile. Deren Fertigungsweise ist üblicherweise die Manufaktur, so dass sie nicht zur Automobilindustrie im engeren Sinne (der Massenproduktion) gehören.

Bei den Massenherstellern kam es schon bald, nachdem sich diese herausgebildet hatten, zu Fusionen und Unternehmensübernahmen. Bekanntes Beispiel ist der Verkauf der Adam Opel AG durch die Eigentümer an General Motors im Jahr 1929. Noch 1928 war Opel mit 44 Prozent aller produzierten Kraftfahrzeuge größter Fahrzeughersteller im Deutschen Reich. Auf diese und andere Weise kam es in der Automobilindustrie trotz des grundsätzlich andauernden Wachstums im Laufe der Zeit zu einer starken Marktbereinigung und Unternehmenskonzentration, so dass heute eine überschaubare Anzahl von Herstellern den Weltmarkt dominiert.

Mit dem Wachstum und dem gleichzeitigen abnehmenden Eigenwertschöpfungsanteil der Hersteller entwickelte sich auch eine bedeutende Zulieferindustrie.

Trotz der zahlreichen Zusammenschlüsse, Unternehmensaufgaben oder Liquidationen blieben viele Marken in der Automobilindustrie erhalten, zum Beispiel die von Opel. So beherbergt heute allein die Volkswagen AG unter ihrem Dach mehr als zehn Marken ehemals eigenständiger Unternehmen.

Bei der Produktion von Elektroautos sind die Hürden für den Einstieg in die Automobilbranche deutlich geringer als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren.[2] So kam es beispielsweise 2016 besonders in China zur Gründung von rund 200 Elektro-Startups.[3]

Bedeutende Marken

Alfa Romeo (Italien)
Audi (Deutschland)
BMW (Deutschland)
Brilliance (China)
Chery (China)
Chevrolet (USA)
Chrysler (USA)
Citroën (Frankreich)
Dacia (Rumänien)
Dodge (USA)
DS (Frankreich)
FAW (China)
Ferrari (Italien)
Fiat (Italien)
Ford (USA)
Honda (Japan)
Hyundai (Südkorea)
Kia (Südkorea)
Lada (Russland)
Lancia (Italien)

Maruti (Indien)
Maserati (Italien)
Mazda (Japan)
Mercedes-Benz (Deutschland)
Mitsubishi (Japan)
Nissan (Japan)
Opel (Deutschland)
Porsche (Deutschland)
Peugeot (Frankreich)
Renault (Frankreich)
Seat (Spanien)
SAIC (China)
Škoda Auto (Tschechien)
Smart (Deutschland)
Subaru (Japan)
Suzuki (Japan)
Tata (Indien)
Toyota (Japan)
Volkswagen (Deutschland)
Volvo (Schweden)

Marken von Nutzfahrzeugherstellern, die keine Pkw-Marke sind

Siehe auch: Liste von Nutzfahrzeugherstellern

Es existiert eine große Vielzahl reiner Nutzfahrzeugmarken, von denen hier nur sehr wenige bedeutende aufgelistet sind.

Iveco
MAN
Scania

Statistiken weltweit

Die weltgrößten Autohersteller nach Stückzahl und Umsatz

Hauptartikel: Liste der größten Kraftfahrzeughersteller

Aufgeführt sind alle Unternehmen mit einer Produktion von mehr als einer Million Fahrzeugen.[4] Zugleich wurden die Umsätze der produktionsstärksten Autokonzerne in den Jahren 2008, 2012 und 2013 aufgeführt, die zu teils deutlich anderen Reihenfolgen führen.[5]

Rang
Unternehmen
Land
Stückzahl
2014
davon
Pkw
Umsatz
2008
(Mrd. $)
Umsatz
2012
(Mrd. €)
Umsatz
2013
(Mrd. €)
Umsatz
2018
(Mrd. €)

1.
Toyota Motor Corporation
Japan Japan
10.475.338
8.788.018
204,800
151,443
172,367
210

2.
Volkswagen AG
Deutschland Deutschland
9.894.891
9.766.293
167,900
192,676
197,007
230,7

3.
General Motors Company
Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
9.609.326
6.643.030
149,000
110,561
112,863
118

4.
Hyundai Motor Group
Korea Sud Südkorea
8.008.987
7.628.779
40,100
52,641
54,410
74

5.
Ford Motor Company
Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten
5.969.541
3.230.842
146,300
96,984
106,684
127,5

6.
Nissan Motor Company
Japan Japan
5.097.772
4.279.030
88,700
65,369
70,115
90

7.
Fiat Chrysler Automobiles
Italien Italien
4.865.758
1.904.618
53,100
35,566
35,593
110,9

8.
Honda Motor Company
Japan Japan
4.513.769
4.478.123
94,240
65,868
79,543
106

9.
Suzuki Motor Corporation
Japan Japan
3.016.710
2.543.077
k. A.
17,520
19,553
k. A

10.
Groupe PSA
Frankreich Frankreich
2.917.046
2.521.833
56,300
55,446
54,090
k. A

11.
Groupe Renault
Frankreich Frankreich
2.761.969
2.398.555
44,500
41,270
40,932
k. A

12.
BMW Group
Deutschland Deutschland
2.165.566
2.165.566
46,700
76,848
76,058
98,7

13.
Shanghai Automotive Industry Corporation
China Volksrepublik Volksrepublik China
2.087.949
1.769.837
k. A.
k. A.
k. A.
k. A

14.
Daimler AG
Deutschland Deutschland
1.973.270
1.808.125
141,200
114,297
117,982
164

15.
Chongqing Changan Automobile Company
China Volksrepublik Volksrepublik China
1.447.017
1.089.179
k. A.
k. A.
k. A.
k. A

16.
Mazda Motor Corporation
Japan Japan
1.328.426
1.261.521
28,800
14,847
18,027
k. A

17.
Dongfeng Motor Corporation
China Volksrepublik Volksrepublik China
1.301.695
745.765
k. A.
k. A.
k. A.
k. A

18.
Mitsubishi Motors Corporation
Japan Japan
1.262.342
1.199.823
k. A.
12,408
14,165
k. A

19.
Beijing Automotive Industry Holding
China Volksrepublik Volksrepublik China
1.115.847
538.027
k. A.
k. A.
k. A.
k. A

20.
Tata Motors
Indien Indien
945.113
614.247
k. A.
k. A.
k. A.
k. A

Wert der Automobilmarken 2010

Teile dieses Artikels scheinen seit 2010 nicht mehr aktuell zu sein.
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Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/2010

Von 2009 auf 2010 büßten alle Automobilmarken der Welt zusammen 15 % an Markenwert ein. Demnach war die wertvollste Marke der Automobilindustrie im Jahre 2010 die von BMW, Kernmarke des nach Umsatz zuletzt nur siebtplatzierten und nach Stückzahlen nur auf Platz 14 rangierenden Herstellers. Der nach Stückzahlen größte Produzent der Welt, Toyota, folgte mit seiner Kernmarke nahezu gleichauf auf Rang 2, während die zuletzt umsatzstärkste Volkswagen AG mit der wichtigsten ihrer zahlreichen Marken nur den achthöchsten Wert weltweit erreichte, noch knapp überflügelt von der Marke Ford. Allerdings ist zu beachten, dass Volkswagen allein mit seinen beiden Sportmarken Porsche auf Rang fünf und Audi auf Rang neun gleich zwei weitere Top-10-Marken unter seinem Konzerndach vereint, mit denen zusammen er die hohen Markenwerte von BMW und Toyota noch übertrifft.

Fahrzeugneuzulassungen

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Wikipedia:WikiProjekt Ereignisse/Vergangenheit/fehlend

Kraftfahrzeuge pro 1.000 Einwohner

In Westeuropa wurden im Jahr 2003 14.208.250 Personenkraftwagen erstmals für den Verkehr zugelassen. Weltweit waren es 56,3 Millionen Automobile. Während die Nachfrage nach Personenkraftwagen mit nur 1 % Wachstum fast stagniert wurden über 6 % mehr Nutzfahrzeuge gegenüber dem Jahr 2002 abgesetzt. Dieser Zuwachs spielt sich zumeist in den so genannten Entwicklungs- und Schwellenländern ab, mit China als Vorreiter im Wachstumsmarkt, wo gegenüber dem Jahr 2002 35 % mehr Automobile in den Verkehr gebracht wurden. Im Jahr 2006 wurden in den USA 16 Millionen Neuwagen verkauft, in China waren es 4 Millionen und in Indien eine Million.

Siehe auch: Geschichte der Automobilindustrie Chinas und Wirtschaftszahlen zum Automobil

Statistiken nach Ländern

Siehe auch: Fahrzeugproduktion nach Ländern

Beschäftigte in der Automobilindustrie in der EU

Land
Beschäftigte 2010[6]
Beschäftigte 2012[7]

Deutschland Deutschland
749.000 (34,6 %)
812.514 (35,4 %)

Frankreich Frankreich
225.000 (10,4 %)
243.779 (10,6 %)

Italien Italien
171.000
162.865

Polen Polen
149.000
156.865

Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich
136.000
146.000

Tschechien Tschechien
140.000
143.227

Spanien Spanien
141.000
134.605

Rumänien Rumänien
117.000
131.084

Ungarn Ungarn
65.000
69.245

Schweden Schweden
66.000
66.836

Slowakei Slowakei
51.000
61.571

Belgien Belgien
35.000
38.432

Osterreich Österreich
29.000
31.555

Portugal Portugal
30.000
30.021

Niederlande Niederlande
20.000
19.527

weitere EU-Staaten
42.000
48.290

Europäische Union
2.166.000 (100 %)
2.296.416 (100 %)

Autoindustrie in Deutschland

Chefs großer Automobilfirmen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Elektromobilitätsgipfel 2013 in Berlin. V.l.n.r: Neumann (Opel), Varin (ehemals PSA), Zetsche (Daimler), Wan Gang (China)

Die Automobilindustrie ist, gemessen am Umsatz, der mit Abstand bedeutendste Industriezweig Deutschlands. Im Jahr 2008 wurden 345,9 Mrd. € erwirtschaftet. Die nächst umsatzstärkste Branche, der Maschinenbau, brachte es auf 225,5 Mrd. €. Rund 747.000 Personen waren 2009 in der Automobilindustrie hierzulande beschäftigt.[8] Die Branche steuert mit rund 40 % den deutlich größten Anteil an den gesamten Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen der deutschen Wirtschaft bei. Dies waren im Jahr 2009 ca. 22,1 Mrd. €.[9] Ihr Exportüberschuss macht weit über die Hälfte des gesamten Exportüberschusses Deutschlands aus.[10]

Deutschland ist nach China und den USA der drittgrößte Pkw-Produzent der Welt. Im Jahr 2010 wurden 5,55 Mio. Pkw produziert.[11] Charakteristisch an der hiesigen Pkw-Produktion ist ihre starke Exportorientierung. Während Japan, aber vor allem China und die USA stärker für das Inland produzieren, gehen von der deutschen Pkw-Produktion rund 69 % ins Ausland – die weltweit höchste Pkw-Exportquote.[12] Nach der Anzahl der verkauften Fahrzeuge wechseln sich daher Japan und Deutschland seit Jahren als Pkw-Exportweltmeister ab. Geht es jedoch nach dem Wert des Pkw-Exports, so liegt Deutschland mit weitem Abstand vor Japan, weil im Ausland insbesondere seine großen und hochpreisigen Fahrzeuge nachgefragt werden.[13]

Automobilproduktion, Kraftfahrzeugbestand und Neuzulassungen in Deutschland:
Siehe Details unter Wirtschaftszahlen zum Automobil.

Autoindustrie in Japan

Der heimische Automobilbau in Japan begann, als Fusazō Mori (森 房造, Mori Fusazō) 1903, nachdem er auf einer Messe US-Automobile gesehen hatte, Torao Yamaba (山羽 虎夫, Yamaba Torao) mit dem Bau eines Busses beauftragte.[14] Das Ergebnis war der „Yamaba-Dampfbus“ (山羽式蒸気バス, Yamaba-shiki jōki basu) von 1904.[15] Das erste benzingetriebene Fahrzeug folgte 1907[14] auf Geheiß von Prinz Takehito Arisugawa durch Shintarō Yoshida (吉田 真太郎, Yoshida Shintarō) und Komanosuke Uchida (内山 駒之, Uchida Komanosuke), die sich vom französischen Darracq inspirieren ließen. Von diesem, nach den Geräuschen die es machte, Takurī (タクリー号, Takurī-gō) genannten Fahrzeug wurden 10 Exemplare gefertigt.[16] 1923 oder 1925 begann Jun’ya Toyokawa (豊川 順弥, Toyokawa Jun’ya), der Gründer des Unternehmens Hakuyōsha (白楊社), mit der Produktion des Ōtomo (オートモ号, Ōtomo-gō),[17] der das erste Exportfahrzeug Japans werden sollte.[14]

Absatz und Marktanteile nach Herstellern in Japan 2005[18]

Unternehmen
Pkw + Lkw
Anteil
Pkw
Anteil
Lkw
Anteil %

Toyota
1.719.060
29,3 %
1.519.980
32,0 %
194.012
17,8 %

Nissan
842.133
14,4 %
718.295
15,1 %
120.187
11,0 %

Honda
709.782
12,1 %
661.450
13,9 %
48.332
4,4 %

Suzuki
704.099
12,0 %
551.215
11,6 %
152.884
14,0 %

Daihatsu *
605.600
10,3 %
445.609
9,4 %
155.545
14,3 %

Mazda
295.128
4,9 %
233.092
4,9 %
51.226
4,7 %

Mitsubishi
256.228
4,4 %
187.380
3,9 %
68.848
6,3 %

Fuji
248.400
4,2 %
162.184
3,4 %
84.216
7,7 %

*) Daihatsu Motor Co., Ltd. ist seit 1967 eng mit der Toyota Motor Co., Ltd. und Toyota Motor Sales Co., Ltd. verbunden

Autoindustrie in Österreich

Österreichs Autoindustrie blickt auf eine lange Tradition zurück. Bereits um 1900 wurde von Gräf & Stift der Vorderradantrieb erfunden, und die Steyr-Werke zählten in den 1930er-Jahren mit zu den führenden Autoherstellern Europas. Nicht zuletzt durch den Zweiten Weltkrieg und durch Fehlentwicklungen scheiterten allerdings sämtliche österreichische Hersteller in den Nachkriegsjahrzehnten und wurden infolgedessen aufgekauft (Steyr Daimler Puch, Gräf & Stift, Puch, …) oder mussten schließen.

Auf Grund dieser Schließungen und der geringer werdenden Bedeutung innerhalb der Gesamtwirtschaft kam es zu Bemühungen durch den damaligen Bundeskanzler Bruno Kreisky einen Austro-Porsche zu bauen, also wieder eine schlagkräftige Autoindustrie aufzubauen. Dieser Aufschwung begann durch die Ansiedlung des Motorenwerkes in Wien-Aspern von General Motors. Heute spielt die Autoindustrie in Österreich nach wie vor eine sehr wichtige Rolle. Bald wurden wertmäßig mehr Autozulieferteile exportiert als fertige Fahrzeuge importiert. Denn aufgrund vorhandenen Know-hows und einem hohen Innovationsgrad investieren internationale Autokonzerne, allen voran BMW in Steyr oder MAGNA in Graz, immer wieder in österreichische Standorte. Mittlerweile existieren 3 Autocluster (AC Styria mit 180 Unternehmen, darunter auch slowenische, kroatische und ungarische Unternehmen. 30.000 von den 44.000 Mitarbeitern sind in Österreich tätig; AC Oberösterreich, AC Vienna Region), um die Zusammenarbeit der Autohersteller und deren Zulieferer zu fördern. Dadurch soll die Effizienz und die internationale Konkurrenzfähigkeit gesteigert werden, um die heimischen Standorte zu stützen. Denn schließlich hat man seit der Osterweiterung mit der Slowakei und deren boomender Autoindustrie rund um Bratislava, welches sehr nahe an der österreichischen Grenze liegt, die Konkurrenz direkt vor der sprichwörtlichen „eigenen Haustüre“.

Doch selbst in dieser Zeit der Globalisierung, des Outsourcing, und der Wirtschaftsflaute in Europa, konnten Österreichs Zulieferbetriebe – vorwiegend mittelständische Unternehmen mit hohem Exportanteil – Umsatz- und Absatzzuwächse erzielen. Der Automobilsektor zählt daher zu den wenigen stark wachsenden Industriezweigen in Österreich (durchschnittliches Jahreswachstum zwischen 2000 und 2003 je 10 %). Grund dafür ist selbstverständlich nicht die bevölkerungsbedingt geringe Inlandsnachfrage, sondern die international gute Wettbewerbsfähigkeit, erkenntlich durch ungebrochen starke Beliebtheit bei den deutschen Autoherstellern, welche den größten Abnehmer österreichischer Automotive (BMW lässt einen Großteil aller benötigten Motoren in Steyr entwickeln und fertigen, bzw. alle Typen von Dieselmotoren im Motorenkompetenzzentrum Steyr entwickeln) darstellen. Wichtige Abnehmer im Ausland sind u. a. Daimler, BMW, VW und Audi. Der Automobilsektor erwirtschaftet mit 38 Mrd. Euro rund 10 % der österreichischen Industrieleistung.

Automobilbranche in Österreich (Hersteller und Zulieferbetriebe) in Zahlen (2003):

rund 600 Unternehmen mit ca. 175.000 Mitarbeitern
2,1 Millionen Motoren und Getriebe
200.000 Pkws (2004)
25.000 Lkws
18.000 Anhänger und 8.500 Traktoren

Folgende Fahrzeughersteller sind in Österreich vertreten:

BMW in Steyr
Magna in Graz
MAN in Wien-Liesing und Steyr
PSA/Opel in Wien-Donaustadt (Aspern)

Hinzu kommen mehrere hundert teils stark expandierende (meist mittelständische) Zulieferbetriebe, die nicht nur an die in Österreich vertretenen Fahrzeughersteller verkaufen, sondern großteils exportieren, wie z. B. voestalpine in Linz, Miba in Laakirchen, FACC in Ried, Epcos in Deutschlandsberg, Eybl International, AVL List, Pankl Racing Systems.

Autoindustrie in Polen 2009

2009 ging die Automobil-Produktion in Polen um 9,2 % auf 899.700 Einheiten zurück. Davon entfielen 605.800 Einheiten auf Fiat Auto Poland. Die Fiat-Werke in Tychy bei Bielsko-Biala leisteten 67 % der polnischen Autoproduktion. Bei Opel Gliwice ging die Produktion um 45 % von 171.700 (2008) auf 94.900 Autos (2009) zurück. VW Poznań baute mit 138.200 Einheiten (2009) 22 % weniger Pkw und Lieferwagen als 2008. Bei FSO in Warschau sank die Produktion um 60 %. Hier wird neben dem kompletten Chevrolet Aveo der Daewoo Matiz vorgefertigt, der dann zur Endmontage in die Ukraine geht. Marktanteile der Autohersteller in Polen: : Fiat 67,3 %; VW 15,4 %, Opel 10,7 % und FSO 6,6 %.

Unternehmen
Standort
Marke
Stückzahl

Auto Fiat Poland
Tychy
Fiat Panda
298.000

Auto Fiat Poland
Tychy
Fiat 500
184.100

VW Polska
Poznań
VW Caddy
127.300

Auto Fiat Polska
Tychy
Ford Ka
112.500

GM Europe
Gliwice
Opel Zafira, Astra III und IV
94.600

GM, FSO
Warszawa
Chevrolet Aveo
31.000

insgesamt
Polen

899.700

Autoindustrie in der Schweiz

Marktanteile der wichtigsten Automobilhersteller 2008[19]

Unternehmen
Pkw-Zulassungen
Veränderung 2008/07
Marktanteil

Volkswagen
32.183
+4,0 %
11,2 %

Opel
18.670
−8,9 %
6,5 %

Audi
16.964
+6,1 %
5,9 %

BMW
16.134
−4,3 %
5,6 %

Toyota
15.224
−11,2 %
5,3 %

Ford
14.768
+21,4 %
5,1 %

Renault
14.580
−2,1 %
5,1 %

Fiat
14.122
+26,5 %
4,9 %

Mercedes-Benz
13.919
+3,6 %
4,8 %

Peugeot
13.708
−5,9 %
4,8 %

Škoda Auto
11.134
+23,8 %
3,9 %

Citroën
10.391
−8,6 %
3,6 %

Alle Hersteller
288.525
+1,4 %
100,00 %

In der Schweiz gibt es einige wenige Hersteller von Autobussen, Trolleybussen, Nutzfahrzeugen und Solar-/Elektromobilen, die bekanntesten sind Mowag (Militärfahrzeuge), Hess AG (Auto- und Trolleybusse) und Bucher Industries (Kommunalfahrzeuge).

Autoindustrie in der Slowakei

Bereits seit in den 1960ern erfolgte der Aufbau einer Automobilindustrie in der heutigen Slowakei. Durch ausländische Investoren ist die Slowakei in den ersten Jahren ihrer Mitgliedschaft bei der EU zu einem sehr bedeutenden Fahrzeughersteller herangewachsen, wenn auch kein einziger Hersteller seine Unternehmenszentrale in der Slowakei hat, man also eigentlich keine einzige Type als eine slowakische bezeichnen kann. Wenn man die Fahrzeugerzeugung pro Einwohner des Landes rechnet, so ist die Slowakei weltweit führend. Die drei großen Fahrzeughersteller in der Slowakei sind Volkswagen in Bratislava, PSA Peugeot Citroën in Trnava und KIA in Žilina. Betrug im Jahr 2000 die Anzahl der erzeugten Einheiten noch 180.000, so wuchs dies bis 2007 auf 570.000 Stück, wobei für 2008 nochmals eine große Steigerung auf 640.000 Stück angenommen wurde.[20]

Autoindustrie in Südkorea

Marktanteile der wichtigsten Automobilhersteller 2016[21]

Marke

Absatz

Anteil

Hyundai
654.738
35,7 %

Kia
535.001
29,2 %

Chevrolet
182.075
09,9 %

Renault Samsung
111.101
06,1 %

SsangYong
103.554
05,6 %

Mercedes
056.343
03,1 %

BMW
048.459
02,6 %

Genesis
023.328
01,3 %

Audi
016.718
00,9 %

Volkswagen
013.178
00,7 %

Autoindustrie in den USA

US-Markt für Pkw und Lkw (bis 6,4 t) 2016[22]

Unternehmen

Absatz

davon Autos

davon Light Trucks

General Motors
3.042.421
890.716
2.151.705

Ford Motor Co.
2.599.211
694.046
1.905.165

Chrysler
2.211.057
314.482
1.896.575

Toyota
2.449.587
1.146.958
1.302.629

Honda
1.637.942
824.699
813.243

Nissan
1.564.423
811.090
753.333

Hyundai
775.005
554.027
220.978

Kia
647.598
407.535
240.063

Mazda
297.773
150.555
147.218

Volkswagen
322.948
275.087
47.861

Audi
210.213
110.052
100.161

BMW
313.174
181.419
131.755

2016 arbeiteten in der US-Automobilindustrie zwischen 201.600 und 211.200 Menschen.[23][24]

Kritik von Umweltverbänden

Von Umweltverbänden werden Autohersteller für die Feinstaubbelastung, die Zerstörung kostbarer Landschaften als auch für deren Beitrag zum Klimawandel mitverantwortlich gemacht. Der Anteil des Verkehrssektors (Auto, Bahn, Flugzeug, Schiff) an der anthropogenen Emission von CO2 liegt bei 18 %.[25] Der Beitrag, den Autos zum Feinstaub beitragen, verursacht durch Dieselruss, Bremsbelag- und Reifenabrieb, beträgt 20–60 %,[26] wodurch die Lebenserwartung in der EU um mehr als 8 Monate sinkt.[27]

Nach einer Schätzung der Weltbank sterben jährlich etwa 1,3 Millionen Menschen an Verkehrsunfällen und etwa 50 Millionen werden verletzt, was Kosten von 1–2 % des jeweiligen Bruttoinlandsprodukts verursacht.[28]

Umweltverbände kritisieren weiter, dass die Autoindustrie trotz einer Marktsättigung mit öffentlichen Mitteln gefördert wird, und zwar bei der Neuansiedlung von Autofabriken, beim Ausbau von Straßen, einer Verschrottungsprämie oder der Errichtung von Parkanlagen, oft mit dem Argument der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Wettbewerbsfähigkeit einer Region.

Greenpeace stellte 2001 eine Strafanzeige gegen die Autoindustrie aufgrund des Lungenkrebsrisikos durch Dieselabgase. 2006 verklagte ein kalifornischer Generalstaatsanwalt sechs Autokonzerne, weil sie die Erderwärmung mit verantworten. Die Volkswagen-Gruppe landete in einer Studie aus 2009[29] auf dem drittletzten Platz.

Auch zahlreiche Künstler thematisieren in ihren Werken Emotionen oder Gefahren rund um das Auto. Im Medienkunstprojekt Warnviereck[30] wird von der Autoindustrie ein Warnhinweis gefordert, der ähnlich wie bei Zigarettenpackungen auf und in Autos angebracht werden solle.

Umbrüche

Größere Umbrüche könnten der Automobilindustrie durch das Aufkommen disruptiver Technologie (siehe Autonomes Fahren oder Elektromobilität) oder einer Verkehrswende ins Haus stehen.[31][32]

Siehe auch

Autohersteller
Automobilfertigung
Automobilzulieferer
Wirtschaftszahlen zum Automobil
Liste der Länder nach Automobilexporten
Auto des Jahres
Kraftfahrzeug
Themenliste Straßenverkehr

Literatur

Franz W. Peren (Hrsg.): Krise als Chance. Wohin steuert die deutsche Automobilwirtschaft? Gabler Verlag, 1994, ISBN 3-409-19190-9.
Franz W. Peren, Helmut H. A. Hergeth (Hrsg.): Customizing in der Weltautomobilindustrie: Kundenorientiertes Produkt- und Dienstleistungsmanagement. Campus Verlag, 1996, ISBN 3-593-35494-2.
Gerhard Schröder: Automobilindustrie in Niedersachsen – Industriepolitische Gestaltungsspielräume zur Überwindung der Krise. In: Franz W. Peren (Hrsg.): Krise als Chance. Wohin steuert die deutsche Automobilwirtschaft? Gabler Verlag, 1994, ISBN 3-409-19190-9. (Gerhard Schröder war Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland von 1998 bis 2005)
Jacques Calvet: Das Produktentwicklungsmanagement von Peugeot und Citroen. In: Franz W. Peren, Helmut H. A. Hergeth (Hrsg.): Customizing in der Weltautomobilindustrie: Kundenorientiertes Produkt- und Dienstleistungsmanagement. Campus Verlag 1996, ISBN 3-593-35494-2. (Jacques Calvet war Vorsitzender des Vorstandes von PSA Peugeot Citroen von 1984 bis 1997)
Werner Neubauer, Bernd Rudow (Hrsg.): Trends in der Automobilindustrie: Entwicklungstendenzen – Betriebsratsarbeit – Steuer- und Fördertechnik – Gießereitechnik – Informationstechnologie – Informations- und Assistenzsysteme. 2012, ISBN 978-3-486-71527-9.
Willi Diez: Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie – Herausforderungen und Perspektiven. 2012, ISBN 978-3-486-71398-5.

Weblinks

 Commons: Automobilindustrie – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Automobilindustrie – in den Nachrichten
 Wiktionary: Autoindustrie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Wiktionary: Automobilindustrie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
automotive-index.com: Internationales Verzeichnis von Kfz-Zulieferern (engl.)
Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), 26. Januar 2010, oecd.org: The automobile industry in and beyond the crisis (“Die Automobilindustrie während und nach der Krise”)
visualcapitalist.com, 11. Oktober 2018, Jeff Desjardins: The 15 Corporations That Make the Most Cars (“Die 15 Unternehmen, die am meisten Autos bauen”)

Einzelnachweise


Die Kraftfahrzeugindustrie in der Europäischen Union. (Memento vom 21. November 2006 im Internet Archive)

↑ LukasBay: Querköpfe erobern die Autoindustrie (Seite 1/3). In: Handelsblatt. 28. September 2017, abgerufen am 21. Oktober 2017. 

↑ LukasBay: Querköpfe erobern die Autoindustrie (Seite 2/3). In: Handelsblatt. 28. September 2017, abgerufen am 21. Oktober 2017. 


OICA: Production Statistics


Die Umsätze 2008 wurden aus einer älteren Version dieses Artikels übernommen, sind jedoch ohne Nachweis; die Umsätze 2012 und 2013 stammen aus:
Peter Fuß: Die größten Automobilhersteller weltweit. (PDF) Eine Analyse wichtiger Bilanzkennzahlen Kalenderjahr 2013. Ernst & Young, 2014, abgerufen am 15. März 2015. 

The ACEA Industry Pocket Guide 2013. (Memento vom 18. September 2013 im Internet Archive) auf: acea.be

↑ acea.be

↑ Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2011, S. 370.

↑ Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e.V., Facts. Zahlen und Fakten aus der Wissenschaftsstatistik GmbH im Stifterverband, Januar 2011, S. 2.

↑ Im Jahr 2009 betrug der Anteil am gesamten deutschen Exportüberschuss 55 %, vgl. Statistisches Bundesamt, Wirtschaft und Statistik 1/2010. Bruttoinlandsprodukt 2009, S. 19, International Auto Statistics, edition 2010, S. 374 ff.

↑ oica.net

↑ Verband der Automobilindustrie, Daten zur Automobilwirtschaft, Ausgabe 2011, S. 249.

↑ Der Pkw-Exportwert Deutschlands betrug im Jahr 2009 72,8 Mrd. €, der japanische betrug 44,6 Mrd. €, vgl. Verband der Automobilindustrie, International Auto Statistics, edition 2010, S. 374/375.

↑ a b c Civilization, Imported Cars, and the Birth of Domestic Production. In: Toyota Automobile Museum. Abgerufen am 3. Dezember 2010 (englisch). 

Yamaba Steam Bus. (Nicht mehr online verfügbar.) In: 240 Landmarks of Japanese Automotive Technology. Society of Automotive Engineers of Japan, archiviert vom Original am 18. September 2014; abgerufen am 3. Dezember 2010 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jsae.or.jp 

Takuri. (Nicht mehr online verfügbar.) In: 240 Landmarks of Japanese Automotive Technology. Society of Automotive Engineers of Japan, archiviert vom Original am 22. Juli 2010; abgerufen am 3. Dezember 2010 (englisch, im Fließtext ist 1902 angegeben, statt korrekt 1907 wie in der Tabelle).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jsae.or.jp 

Otomo. (Nicht mehr online verfügbar.) In: 240 Landmarks of Japanese Automotive Technology. Society of Automotive Engineers of Japan, archiviert vom Original am 22. Juli 2010; abgerufen am 3. Dezember 2010 (englisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.jsae.or.jp 

↑ Bundesagentur für Außenwirtschaft, bzw. JAMA

↑ Bundesagentur für Außenwirtschaft

↑ SLOWAKEI – 1. Rang Erzeuger/Kopf (Memento vom 1. Oktober 2013 im Internet Archive) (PDF; 1,4 MB) Vortrag bei der Wirtschaftskammer Österreich am 2. April 2008, abgerufen am 21. Februar 2009.

South Korea market report. Full Year 2016. In: Focus2move. 24. Januar 2017, abgerufen am 25. Januar 2017 (englisch). 

Auto Sales – Markets Data Center – WSJ.com. Abgerufen am 3. Juli 2017 (englisch). 

↑ Bureau of Labour Statistics: [1] (Daten nicht seasonally adjusted)

↑ spiegel.de 5. Juli 2017: US-Autoindustrie verliert Tausende Jobs

Emissionsquellen. In: Umweltbundesamt. 10. Januar 2016, abgerufen am 10. Mai 2019. 

Kein Diesel ohne Filter. In: nabu.de, abgerufen am 13. Juli 2011

Eine halbe Million Tote durch Feinstaub. In: heise.de, abgerufen am 13. Juli 2011

↑ Death on Wheels. Making Roads Safe in Europe and Central Asia. Human Development Department/The World Bank (PDF; 4,7 MB) S. xii.

Report: How clean are Europe’s cars? In: duh.de (PDF; 1,5 MB)

↑ Medienku